Schlagwort-Archiv: Wessels‘ Weekly

Das startet am 18. Oktober 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 18. Oktober, dem es nicht an Abwechslung mangelt. Der stärkste Beitrag kommt aus Dänemark, denn der dänische Oscar-Kandidat „The Guilty“ kommt ins Kino, wenn auch nur in kleiner Auflage. Die breite Masse wird sich vermutlich vor allem für zwei Filme interessieren: die sympathische Agentenkomödie „Johnny English 3“ und Sönke Wortmanns neuen Film „Der Vorname“, ein Remake des gleichnamigen französischen Kammerspiels. Völlig überraschend erscheint außerdem das Teeniedrama „Blame“, von dem vermutlich kaum einer Notiz nehmen wird. Dabei ist es wirklich einen Blick wert. Ganz im Gegensatz zu „Krystal“, von dem man nicht weiß, was er eigentlich soll.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE GUILTY | Regie: Gustav Möller | DK 2018

Ganz klein und zitternd ist Ibens (Laura Bro) Stimme am Telefon. Unter Todesangst tut die junge Frau so, als würde sie mit ihrer Tochter telefonieren. Ihr Entführer (Jakob Ulrik Lohmann) sitzt neben ihr im Wagen und darf unter keinen Umständen bemerken, dass sie die Notrufnummer der dänischen Polizei gewählt hat. Dort nimmt der in die Einsatzzentrale sitzende, dorthin strafversetzte Asger Holm (Jakob Cedergren), der eigentlich nur noch die Stunden zählt, bis er am nächsten Tag vor Gericht aussagen muss, Ibens Anruf entgegen. Zunächst hält er ihn für einen dummen Scherz und will schon fast wieder auflegen, bis er die Ernsthaftigkeit erkennt. Er weckt alle totgeglaubten Polizisteninstinkte in ihm. Er will ihr unbedingt helfen! Sofort! Aber dafür hat er nur sein Telefon zur Verfügung – und keine Zeit zu verlieren… 

Der dänische Thriller „The Guilty“ ist trotz seiner einfachen inszenatorischen Mittel der Genregeheimtipp des Jahres und einer der spannendsten Filme, die das Kinojahr 2018 zu bieten hat.


DER VORNAME | Regie: Sönke Wortmann | DE 2018

Es hätte ein wunderbares Abendessen werden können, zu dem Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau Elisabeth (Caroline Peters) in ihr Bonner Haus eingeladen haben. Doch als Thomas (Florian David Fitz) verkündet, dass er und seine schwangere Freundin Anna (Janina Uhse) ihren Sohn Adolf nennen wollen, bleibt den Gastgebern und dem Familienfreund René (Justus von Dohnányi) bereits die Vorspeise im Hals stecken. Man faucht einander Wahrheiten ins Gesicht, die zugunsten eines harmonischen Zusammenseins besser ungesagt geblieben wären. Starke Egos geraten aneinander, Eitelkeiten werden ausgespielt und der Abend eskaliert: Die Diskussion über falsche und richtige Vornamen geht in ein Psychospiel über, bei dem die schlimmsten Jugendsünden und die größten Geheimnisse aller Gäste lustvoll serviert werden. 

In „Der Vorname“ fliegen die verbalen Fetzen, und das Ensemble hat ansteckende Freude daran: Filmreif ausgeleuchtet und flott erzählt macht Sönke Wortmann aus einem französischen Theaterstück eine sehr deutsche, dennoch sehr lustige Film-Angelegenheit.


BLAME – VERBOTENES VERLANGEN | Regie: Quinn Shephard | USA 2017

Nach langer Krankheit wagt sich die zurückhaltende Außenseiterin Abigail (Quinn Shephard) zum ersten Mal wieder in ihre Schule. Kaum angekommen, muss sie bereits die Provokationen ihrer manipulativen Mitschülerin Melissa (Nadia Alexander) ertragen, die es von Anfang an auf sie abgesehen zu haben scheint. Als Abigail auch noch von ihrem neuen, attraktiven Schauspiel-Aushilfslehrer Jeremy (Chris Messina) für die Hauptrolle des begehrten Schultheaterstücks ausgewählt wird, werden die beiden zu richtigen Rivalinnen. Die beginnenden Annäherungen zwischen Abigail und ihrem Lehrer spielen Melissa dabei in die Hände. Ihr ist mittlerweile jedes Mittel recht, um Abigail zu bekämpfen. Auch wenn dies dunkle Geheimnisse ans Licht bringt, die für alle Beteiligten Konsequenzen haben werden… 

Für ihr Langfilmdebüt „Blame – Verbotenes Verlangen“ geht Quinn Shephard kein Risiko ein und inszeniert ein schmuck aussehendes und unaufgeregt erzähltes Schuldrama, das sie um die spannende Komponente Schüler-Lehrer-Liebe ergänzt.


JOHNNY ENGLISH – MAN LEBT NUR DREIMAL | Regie: David Kerr | UK/FR/USA 2018

Die digitale Welt besteht nur aus Nullen und Einsen – und Johnny English (Rowan Atkinson) ist definitiv keine Eins. Durch die Attacke eines mysteriösen Hackers (Jake Lacy) auf den Geheimdienst des vereinigten Königreiches werden sämtliche britischen Undercover-Agenten enttarnt. Einzig Johnny English, der sich der Digitalisierung aufgrund mangelnder Fähigkeiten bislang erfolgreich widersetzen konnte, bleibt übrig. Der britischen Prime Ministerin (Emma Thompson) bleibt keine andere Wahl, als ausgerechnet den Spion zu reaktivieren, der bisher jede seiner Missionen vermasselt hat. Sie selbst hält von dieser Idee am wenigsten. Mit seinen kompromisslos analogen Methoden werden Johnny English und seinem Kollegen Bough (Ben Miller) zur letzten Hoffnung des Geheimdienstes Ihrer Majestät und stürzen sich in ein wagemutiges Abenteuer.

Ein solider Spionage-Plot, ein gut aufgelegter Cast und stimmig inszenierter Slapstick, der niemals unter die Gürtellinie wandert – „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ ist in seinem Humor derart harmlos und sympathisch, dass er im Comedy-Segment eine echte Ausnahmeerscheinung darstellt, auch wenn es ihm hier und da an Überraschung mangelt.


GIRL | Regie: Lukas Dhont | BEL/NED 2018

Lara (Victor Polster) ist 15 und hat einen Traum: Sie will Balletttänzerin werden. Als sie an einer renommierten Akademie unter Vorbehalt angenommen wird, zieht sie mit ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder nach Brüssel. Währenddessen versucht Lara noch einen zweiten Kampf zu gewinnen: Sie will sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Äußerlich ist sie bereits ein Mädchen, doch ihr Körper ist noch der eines Jungen. Ihr Vater unterstützt sie bei ihrem Vorhaben, begleitet seine Tochter bei jedem Schritt und ist für sie da, genau wie Psychologen und Ärzte. Doch der Leistungsdruck auf die junge Ballerina ist enorm und nebenbei wird Lara durch ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ins heiß-kalte Wasser der Pubertät geworfen. Das kräftezehrende Training zwingt Lara schließlich zur Selbstkasteiung, mit der sie wiederum ihre Operation aufs Spiel setzt. 

„Girl“ zerfällt in zwei Teile. Die erste Hälfte zeigt auf bemerkenswert authentische Weise und ohne abgegriffene Klischees den inneren Kampf einer jungen Frau, gefangen in einem männlichen Körper. Die zweite Hälfte kippt dann plötzlich in austauschbaren Betroffenheitskitsch, der in ein streitbares Finale mündet, das aber immerhin im Gedächtnis bleibt.


CHAMPAGNER & MACARONS – EIN UNVERGESSLICHES GARTENFEST | Regie: Agnès Jaoui | FR 2018

Nathalie, die vielbeschäftigte Fernsehproduzentin, lädt zur großen Einweihungsparty in ihre Villa vor den Toren Paris` – mit einer illustren Gästeliste: Ihr Schwager Castro hat seine besten Jahre als Star-Moderator im Fernsehen hinter sich. Castros Ex-Frau Hélène und Schwester von Nathalie macht wieder einmal nur Werbung für ihr neustes Flüchtlingsprojekt. Deren Tochter Nina ist kurz davor, ihren zweiten Roman zu veröffentlichen, in dem ihre Eltern nicht gerade gut wegkommen. Unaufhaltsam füllt sich der Garten mit Menschen aller Art, aus der Stadt und vom Land, Möchtegern-Stars, Hipstern und Lebenskünstlern, YouTubern und Influencern, Musikern und mittendrin die hoffnungslos verknallte Kellnerin Samantha, die nur Eines will – ein Selfie mit Castro. Man bewundert und verachtet sich, tanzt und singt, fühlt sich cool und lebendig – und vielleicht ein bisschen einsam auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. 

In der Tragikomödie „Champagner & Macarons – Ein unvergessliches Gartenfest“ sieht man dem Klischee der High Society eineinhalb Stunden beim Sinnieren über ihre First World Problems zu. Trotz kleinerer amüsanter Momente ist das vermutlich nur für die spannend, die selbst dazugehören.


PLOEY | Regie: Árni Ásgeirsson | ISL/BEL 2018

Um die rauen Wintermonate zu überleben, muss sich Ploey (Originalstimme: Jamie Oram), ein junger Goldregenpfeifer, ganz allein auf eine gefährliche Reise machen, um ein sagenumwobenes Tal zu finden, das im Herzen des Berglands liegt. Eigentlich wollte er gemeinsam mit seiner Mutter und dem Schwarm gemeinsam fliegen, doch die halten ihn für tot. Währenddessen versucht er, sich vor den stets wachsamen Augen eines heißhungrigen Falken zu verstecken, der seine Familie und Freunde seit Jahren terrorisiert und erst kürzlich seinen Vater getötet hat. Leider hat Ploey massive Schwierigkeiten mit dem Fliegenlernen! Doch glücklicherweise lernt er auf seiner Reise viele neue Freunde kennen, die ihn nicht bloß vor dem Räuber beschützen, sondern vielleicht sogar helfen können, an sich selbst zu glauben und damit auch daran, dass er fliegen kann… 

„Ploey“ folgt über weite Strecken den Erzählkonventionen typischer Mutmach-Kinderfilme, stellt sich mit einer merkwürdigen Botschaft allerdings selbst ein Bein und irritiert zusätzlich durch eine sehr einfältige Zeichnung der Schurkenfigur. Und optisch macht der Film ebenfalls keine gute Figur.

Das startet am 11. Oktober 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 11., der mit „The Happytime Murders“ und „Bad Times At The El Royale“ zwei dicke Enttäuschungen in petto hat. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, wie diese beiden Filme performen, und während Drew Goddards Tarantino-Hommage mit einem starken Trailer, einer großen Werbekampagne und einem Starcast aufwarten kann, hält sich die Werbung für die neue McCarthy-Komödie in Grenzen, zumal er auch bei Sneak Previews nicht allzu gut ankam. Der 3D-Animationsfilm „Smallfoot“ erweist sich derweil als kleine Überraschung. Und über die erste große Fitzek-Verfilmung „Abgeschnitten“ dürfen wir leider erst ab Dienstag berichten. Doch so viel: Wenn auch nur ein Bruchteil der Buch-Liebhaber ins Kino geht, könnte der Thriller ein kleiner Hit werden.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SMALLFOOT | Regie: Karey Kirkpatrick, Jason Reisig | USA 2018

Eines Tages entdeckt der aufgeweckte junge Yeti Migo (in der deutschen Fassung gesprochen von Kostja Ullmann) etwas, das es angeblich gar nicht gibt – einen Menschen. Die Neuigkeit von diesem „Smallfoot“ löst in der einfachen Gemeinschaft der Yeti enorme Unruhe darüber aus, was es denn sonst noch in der großen Welt jenseits ihres verschneiten Dorfes gibt. Immerhin hält sich die Yeti-Gesellschaft seit jeher streng an die Regeln der Ältesten und die behaupten, so etwas wie Menschen gibt es gar nicht. Migos Neugier ist geweckt und lässt ihn zu einem halsbrecherischen Abenteuer aufbrechen, in dessen Verlauf er den sympathischen Menschenjungen Percy entdeckt, der bis vor kurzem dachte, Bigfoots seien nur eine Legende. Gemeinsam setzen sich die beiden dafür ein, dass die Menschen und die Yetis endlich aufeinander zugehen und Freunde werden… 

„Smallfoot“ ist unter den diesjährigen Animationsfilmen eine echte Entdeckung, denn in dem bisweilen ein wenig zu aufgedrehten Animationsabenteuer steckt eine subtile Verständigungsbotschaft, wie sie aktueller kaum sein könnte.


ABGESCHNITTEN | Regie: Christian Alvart | DE 2018

Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet bei einer Autopsie im Kopf der Leiche einen kleinen Zettel mit der Handynummer seiner Tochter Hannah. Hannah ist entführt worden, und der Kidnapper schickt Herzfeld auf eine wahnsinnige Schnitzelagd von Hinweis zu Hinweis, von Leiche zu Leiche. Als die Spur auf die vom Festland abgeschnittene Insel Helgoland weist, bittet Herzfeld die junge Comiczeichnerin Linda um Hilfe, denn die Insel ist durch einen Sturm von der Außenwelt abgeschnitten. In der verlassenen Inselklinik stellt sich Linda, unterstützt von Hausmeister Ender, dem perfiden Spiel des Killers. Dieser scheint ihr immer einen Schritt voraus zu sein – und hält auf dem Festland auch Herzfeld weiter in Atem. Immer tiefer verstricken sich die beiden in das Netz des Entführers. Und im Kampf um Hannahs Leben läuft ihnen die Zeit davon… 

Groß gedachtes Genrekino aus Deutschland – das haben wir dringend gebraucht! Da verzeihen wir „Abgeschnitten“ auch die Tatsache, dass die Story die meiste Zeit über ganz schön hanebüchen ist. Am Ende zählt, dass der Film spannend ist. Und ja, verdammt, das ist er!


BAD TIMES AT THE EL ROYALE | Regie: Drew Goddard | USA 2018

Ende der Sechzigerjahre in einer verregneten Nacht: Sieben Fremde (Jon Hamm, Dakota Johnson, Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Lewis Pullman, Cailee Spaeny und Chris Hemsworth), jeder von ihnen mit einem dunklen Geheimnis ausgestattet, treffen am Lake Tahoe im El Royale zusammen. Das heruntergekommene Hotel hat eine mindestens geanauso düstere Vergangenheit wie seine Bewohner, von der so Einige zu wissen scheinen. Und dass es genau auf der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien erbaut wurde, ist nur eines von unzähligen architektonischen Geheimnissen, die das verruchte Etablissement so besonders machen. Im Verlauf einer einzigen verhängnisvollen Nacht bekommt jeder eine letzte Chance auf Erlösung… bevor alles zum Teufel geht und nicht sicher ist, dass alle Gäste heile aus der Sache rauskommen. 

Nicht so richtig lustig, nicht so richtig spannend, dafür ganz schön langatmig und alles andere als überraschend – der immerhin sehr chic aussehende „Bad Times At The El Royale“ ist im Anbetracht der eigentlich so spannenden Ausgangslage eine herbe Enttäuschung.


THE HAPPYTIME MURDERS | Regie: Brian Henson | USA 2018

Willkommen in einer Welt, in der Menschen und Puppen in friedlicher Koexistenz miteinander leben! Bislang zumindest – denn ein Mörder geht um und versetzt die Puppenwelt in Angst und Schrecken. Die Opfer sind die Mitglieder der einst umjubelten Happytime Gang, die mit ihrer TV Show jahrelang für lachende Kinderaugen sorgten. Nun ist die Party over, denn ein mysteriöser Killer räumt ein Ensemble-Mitglied nach dem anderen aus dem Weg. Detective Connie Edwards übernimmt den Fall und muss sich dafür mit ihrem Ex-Partner Phil wieder zusammenraufen. Phil, selbst eine Puppe, sorgte vor Jahren mit einem schlimmen Patzer für den Ausschluss sämtlicher Puppen vom Polizeidienst. Doch in diesem Fall ist sein Know-How gefragt. Und so stürzen sich die beiden ungleichen Cops mitten hinein in die Unterwelt des „Bad Puppets“… 

In den ersten 15 Minuten von „The Happytime Murders“ fährt Brian Henson genau das auf, was man von einer Puppencomedy „nur für Erwachsene“ erwartet. Doch nachdem er sein ganzes komödiantisches Pulver verschossen hat, wird aus dem Film ein generischer Crime-Thriller, dessen Auflösung man über eine Stunde vor Schluss bereits erahnt.


VERLIEBT IN MEINE FRAU | Regie: Daniel Auteuil | FR/BEL 2018

Als Daniel (Daniel Auteuil) seinen alten Freund Patrick (Gérard Depardieu) und dessen neue junge Freundin Emma (Adriana Ugarte) leichtfertig zum Abendessen einlädt, ist seine Frau Sandrine alles andere als begeistert. Patricks Ex-Frau ist ihre beste Freundin und die Einladung der Neuen empfindet sie als Verrat. Als die Gäste eintreffen, scheinen sich ihre Befürchtungen zu bewahrheiten: Emma ist sehr attraktiv und nur halb so alt wie Patrick. Viel schlimmer jedoch ist die Reaktion ihres Mannes: Angesichts der jungen Dame geraten Daniels Fantasien völlig außer Kontrolle. Multitalent Daniel Auteuil übernimmt in dieser ausgelassenen Geschlechterkomödie nicht nur die Regie, sondern spielt an der Seite von Schauspielstar Gérard Depardieu und der wunderbaren Sandrine Kiberlain auch gleich die Hauptrolle. Mit Ironie und Augenzwinkern nimmt der Film die gegensätzlichen Sichtweisen von Mann und Frau unter die Lupe.


UNSER SAATGUT – WIR ERNTEN WAS WIR SÄEN | Regie: Taggart Siegel, Jon Betz | USA 2016

Wenige Dinge auf unserer Erde sind so kostbar und lebensnotwendig wie Saatgut. Verehrt und geschätzt seit Beginn der Menschheit, sind die Samen unserer Kulturpflanzen die Quelle fast allen Lebens. Sie ernähren und heilen uns und liefern Rohstoffe für unseren Alltag. Doch diese wertvollste aller Ressourcen ist bedroht: Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Biotech-Konzerne wie Syngenta und Bayer/Monsanto kontrollieren mit gentechnisch veränderten Pflanzen längst den globalen Saatgutmarkt. Daher kämpfen immer mehr passionierte Bauern, Wissenschaftler, Anwälte und indigene Saatgutbesitzer wie David gegen Goliath um die Zukunft der Sortenvielfalt. Mit ihrem Dokumentarfilm „Unser Saatgut“ folgen Taggart Siegel und Jon Betz diesen leidenschaftlichen Saatgutwächtern, die unser 12.000 Jahre altes Nahrungsmittelerbe schützen wollen.

Das startet am 27. September 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 27. September, an dem es an Michael Bully Herbig liegt, Til Schweigers „Klassentreffen“ die Nummer eins wegzuschnappen. Sein Thrillerdrama „Ballon“  erzählt eine spannende Geschichte und ist audiovisuell ein Ereignis. Doch ob die PR-Maschinerie laut genug gerattert hat, bezweifeln wir ein wenig. Ein Selbstgänger dürfte dagegen der zweite Teil von „Die Unglaublichen“ sein. In den USA ist der Film bereits durch die Decke gegangen und auch in Deutschland haben es Pixar-Filme generell sehr einfach, ihr Publikum zu finden. Der Rest wird unter „ferner liefen“ laufen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BALLON | Regie: Michael Bully Herbig | DE 2018

Im Sommer 1979 in Thüringen fassen zwei Familien einen aberwitzigen Plan: Sie wollen raus aus der DDR und heile in den Westen – und das alles in einem Ballon. Dafür nähen, basteln und tüfteln sie wochenlang, bis ihr erster Versuch fehlschlägt. Nur wenige Meter vor der westdeutschen Grenze wird dem Ballon das Wetter zum Verhängnis. Er stürzt ab und die beiden Familien können froh sein, nicht von der Polizei erwischt worden zu sein. Doch diese macht ab sofort Jagd auf sie. Und so fassen die beiden Familienoberhäupter Peter Strelzyk (Friedrich Mücke) und Günter Wenzel (David Kross) den Entschluss, es noch einmal zu versuchen. Sie müssen noch effektiver arbeiten und ihre Pläne noch einmal genau kontrollieren, eh sie eine zweite Flucht planen können. Doch die Regierung ist bereits auf die Pläne aufmerksam geworden. Das ganze Vorhaben wird zu einem irren Wettlauf gegen die Zeit… 

Michael Bully Herbig war schon immer ein guter Filmemacher, weshalb die inszenatorischen Qualitäten von „Ballon“ nicht überraschen. Das Drehbuch hält sich an gängige Erzählkonventionen, sodass Herbigs Regiedebüt im ernsten Fach letztlich einen absolut souveränen Eindruck macht.


DIE UNGLAUBLICHEN 2 | Regie: Brad Bird | USA 2018

Syndrome ist zerstört, das Haus der Parrs liegt in Schutt und Asche, doch die Superheldenfamilie ist so eng zusammengewachsen wie noch nie zuvor. In einem mit modernster Technik ausgestatteten Luxus-Haus kehrt bei Vater Bob, Mutter Helen sowie ihren Kindern endlich wieder Normalität ein. Da wird Helen eines Tages für die Politik rekrutiert, als die Geschäftsleute Winston und Evelyn Deavor ihr ein unschlagbares Angebot machen: Sie soll sich für die Rechte von Superhelden einsetzen und dafür wieder in den Anzug ihres Alter Egos Elastigirl schlüpfen, während Papa Bob zuhause auf die Kinder aufpasst. Das klingt zunächst wie ein totsicheres Ding und tatsächlich sorgt Elastigirl mit ihren halsbrecherischen Manövern für die erhoffte Publicity. Doch als plötzlich der sogenannte Screenslaver auftaucht, muss Elastigirl alles geben, um dem Superschurken den Garaus zu machen… 

„Die Unglaublichen 2“ ist ein durchweg sympathisches Sequel zum beliebten Superhelden-Blockbuster von 2004, doch erzählerische Innovation sucht man hier vergeblich. Dafür präsentiert Michael Giacchino einen der besten Scores des aktuellen Kinojahres und in Baby Jack-Jack werden sich vermutlich viele Zuschauer verknallen.


OFFENES GEHEIMNIS | Regie: Asghar Farhadi | ESP/FR/IT 2018

Anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester Ana (Inma Cuesta) reist Laura (Penélope Cruz) von Buenos Aires in ihr spanisches Heimatdorf, wo in wenigen Tagen ein rauschendes Fest steigen soll. Auch Paco (Javier Bardem) ist hier. Mit ihm verbindet sie nicht bloß ihre erste große Liebe, sondern auch einen viele Jahre zurückliegenden Geschäftsdeal, bei dem Laura ihre Anteile vom Familienerbe an ihn verkaufte. Doch darum soll es dieser Tage nicht gehen. Auch nicht um den Neid und die Missgunst gegenüber Paco, der ein gut laufendes Weingut betreibt. Doch am Ende kommt alles anders. Als plötzlich Lauras Tochter spurlos verschwindet und alle Spuren darauf hindeuten, dass sie sich in den Händen brutaler Verbrecher befindet, sind alle persönlichen Fehden für einen Moment unwichtig. Es zählt nur noch, das Mädchen wiederzufinden. Oder hängen die Spannungen innerhalb der Familie und die Entführung irgendwie zusammen..?

Ashgar Farhadis neuester Film „Offenes Geheimnis“ erzählt zwei Geschichten: Zum einen seziert er eine Familie so lange und so penibel, bis am Ende nur noch Einzelteile übrig sind, zum Anderen präsentiert er einen stringenten Entführungsthriller. Doch beides zusammenzufügen, gelingt ihm letztlich nur bedingt.


I CAN ONLY IMAGINE | Regie: Andrew Erwin, Jon Erwin | USA 2018

Bart Millard wächst auf einer Farm in Texas auf. Sein cholerischer Vater Arthur (Dennis Quaid) hat nichts für den sensiblen Sohn übrig und malträtiert ihn und seine Frau regelmäßig. Als die Mutter die Familie verlässt, bleibt Bart allein mit seinem gewalttätigen Vater zurück. Nach einem schweren Unfall beim Football muss er sich ein neues Wahlfach suchen und landet im Schulchor. Die Lehrerin fördert sein Talent, doch von seinem Vater erntet Bart (J. Michael Finley) nur Spott. Gleich nach dem Schulabschluss ergreift er die Flucht und tingelt mit der Band MercyMe durch die Staaten. Er hofft auf einen Plattenvertrag, doch der Durchbruch lässt auf sich warten. Erst als Bart sich endlich der Vergangenheit stellt und seinen Vater wiedersieht, kann er den Song schreiben, der zur Sensation wird: „I Can Only Imagine“.

Lange Zeit ist „I Can Only Imagine“ eine zwar nicht sonderlich innovative, aber durchaus charmant und gefällig inszenierte „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte über einen Mann, der seinen Traum vom Musikerdasein verwirklicht. Doch in der letzten halben Stunde bricht die hemmungslose Gottesfurcht über den Film herein – und dann wird’s peinlich!


THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE | Regie: Terry Gilliam | USA 2018

Der zynische Werbefilmer Toby (Adam Driver) trifft im Rahmen seiner Dreharbeiten auf einen alten spanischen Schuhmacher (Jonathan Pryce), der sich für Don Quixote hält, seitdem er selbst einst genau diese Figur für einen Film verkörpert hat. Die beiden erleben eine Reihe absurder Abenteuer, in deren Verlauf Toby sich den tragischen Auswirkungen eines Films stellen muss, den er in seiner Jugend gedreht hat ─ ein Film, der die Hoffnungen und Träume eines kleinen spanischen Dorfes für immer verändert hat. Kann Toby das Getane je wieder gut machen und so zu seiner Menschlichkeit zurückfinden? Kann Don Quixote seinen Wahn bezwingen und seinen nahenden Tod verhindern? Oder wird etwa die Liebe alle Grenzen überwinden? Toby selbst gerät immer weiter in einen Strudel aus Schein und Sein.

Man merkt Terry Gilliams Herzensprojekt die absurde Entstehungsgeschichte an. Das ist aber auch leider schon das Einzige, was sich Positives zu dieser hanebüchenen Aneinanderreihung sinnbefreiter Szenen sagen lässt, bei der die Geschichte irgendwann ohnehin keine Rolle mehr spielt.


ALLES IST GUT | Regie: Eva Trobisch | DE 2018

Alles ist gut. Das war es zumindest mal. Denn Janne (Aenne Schwarz) ist sehr gut darin, diesen Eindruck nach außen zu vermitteln. Aber nichts ist gut. Nicht, seitdem ihr neuer Chef ihr seinen Schwager Martin (Hans Löw) vorgestellt hat, der am Abend ihres Kennenlernens gegen ihren Willen mit ihr schläft. Danach lässt Janne erst mal alles seinen gewohnten Gang gehen – wenn man die Dinge nicht zum Problem macht, hat man auch keins. Doch ihr Schweigen über den Vorfall weicht nach und nach einer stillen Ohnmacht. Bis Janne ihr Leben und die Liebe zu ihrem Freund Piet (Andreas Döhler) langsam entgleiten. Sie muss sich überlegen, ob sie das Problem öffentlich macht und damit sich selbst und ihre Seele schützt. Oder ob sie es so weiterlaufen lässt, keine Probleme mit ihrer Umgebung bekommt, aber dafür im Stillen ihre Familie vor den Kopf stößt, die einfach nicht versteht, wieso sich Janne so verändert.


CINDERELLA THE CAT | Regie: Alessandro Rak, Ivan Cappiello, Marino Guarnieri, Dario Sansone | IT 2017

Die junge Mia wächst in einer nicht allzu fernen Zukunft in der Megarida auf, einem riesigen Schiff, das seit über 15 Jahren im Hafen von Neapel festsitzt. Als ihr Vater, ein reicher Visionär und Wissenschaftler, starb, hat er die technischen Geheimnisse seines Schiffs und seinen Traum, den Hafen wiederzubeleben, mit ins Grab genommen, anstatt sie ihrer Tochter zu vermachen, mit der er nie richtig Kontakt hatte. Seitdem lebt das Mädchen im Schatten ihrer Stiefmutter und deren sechs hinterlistigen Töchtern, umgeben von holographischen Erinnerungen an ihre Kindheit und ihren Vater. Unterdessen floriert im Hafen der Drogenhandel. Die kriminellen Machenschaften bestimmen auch Mias Schicksal und sie findet sich unversehens im Zentrum eines Komplotts. Doch Mia weiß sich zu wehren und bekommt außerdem unerwartete Hilfe von Verbündeten aus der Vergangenheit.

Das startet am 20. September 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 20. September, an dem alle Augen auf Til Schweigers (natürlich vorab nicht der Presse gezeigter) Komödie „Klassentreffen“ liegen. Erste Stimmen lassen nichts Gutes erahnen. Mehr zum Film verraten wir an dieser Stelle am Donnerstag. Als Alternativprogramm gibt es mit „Searching“ einen richtig starken Thriller zu sehen, der ausschließlich auf Fernseh- und Computerbildschirmen spielt. Und auch der spanische Oscar-Kandidat „Wir sind Champions“ geht auf Zuschauerfang.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SEARCHING | Regie: Aneesh Shaganty | USA 2018

Nachdem die 16-jährige Tochter von David Kim (John Cho) spurlos verschwindet, wird eine örtliche Untersuchung eingeleitet und Kriminalkommissarin Rosemary Vick (Debra Messing) dem Fall zugeteilt. Als es 37 Stunden später immer noch kein Lebenszeichen von Margot (Michelle La) gibt, beschließt David, am einzigen Ort zu suchen, an dem bisher noch keiner nachgesehen hat – dort, wo heutzutage alle Geheimnisse aufbewahrt werden: Er durchsucht den Laptop seiner Tochter und klickt sich einmal durch die gesamten sozialen Netzwerke, die Margot vor ihrem Verschwinden aufgesucht hat. Dabei lernt er nicht bloß den Freundeskreis seiner Tochter kennen, sondern auch, dass er Margot weitaus weniger gut kannte, als er immer angenommen hat. Wird er seine Tochter rechtzeitig und vor allem lebend wiedersehen?

Auch wenn das visuelle Konzept einer sich ausschließlich auf Computer- und Fernsehscreens abspielenden Suche nach einem vermissten Mädchen in „Searching“ klar im Vordergrund steht, ist der Film obendrein auch noch ein richtig spannender und abwechslungsreicher Thriller mit angenehm unverbrauchten Gesichtern.


DAS HAUS DER GEHEIMNISVOLLEN UHREN | Regie: Eli Roth | USA 2018

Es ist das Jahr 1955: Lewis ist kürzlich verwaist und reist daher nach Michigan. Dort erwartet ihn sein lebensfroher, exzentrischer Onkel Jonathan, der ihn aber liebend gern bei sich aufnehmen würde. Jonathan lebt in einem gotischen Anwesen voller Eigenheiten: Vor dem Eingang stehen Halloween-Kürbisse, obwohl es gar nicht Ende Oktober ist, im Haus hängen Dutzende, ach, Hunderte von tickenden Uhren an den Wänden und es gibt, Schreck lass nach, keinen Fernseher! Dafür hängt Nachbarin Florence Zimmerman tagein, tagaus im Anwesen herum, eine hoch geschlossene, streng dreinblickende Frau mit trockenem, schlagfertigen Humor und großer Sympathie für Lewis, der sich zunächst nur sehr schlecht in sein neues Zuhause einlebt. Aber dann verrät ihm Onkel Jonathan, dass er ein Hexenmeister sei und dass wirklich jeder, wenn er nur genug lernt, ebenfalls einer sein kann… 

Wem der „Gänsehaut“-Film mit Jack Black zu sehr augenzwinkernde Hommage war, oder Tim Burtons „Die Insel der geheimnisvollen Kinder“ zu viel erzählerischen Leerlauf bot, ist hier genau richtig: Eli Roth präsentiert mit „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ Einsteigergrusel in Form schräg-grimmer Familienunterhaltung.


WACKERSDORF | Regie: Oliver Haffner | DE 2018

Die Oberpfalz in den Achtzigerjahren: In der kleinen Gemeinde Wackersdorf geht alles seinen gewohnten Gang, bis die bayerische Staatsregierung die Pläne für eine Wiederaufbereitungsanlage für Kernbrennstoffe aufnimmt. Damit die Bürger diesen einschneidenden Schritt fraglos über sich ergehen lassen, versuchen die Verantwortlichen Landrat Hans Schuierer auf ihre Seite zu ziehen und schmieren ihm deshalb ordentlich Honig ums Maul. Doch unter den Bürgern regen sich erste Widerstände, die auch an Schuirer nicht spurlos vorbeigehen. Sogar innerhalb seiner eigenen Familie kommen Fragen dazu auf, ob die Politiker ihnen grundsätzliche Risiken nicht einfach verschweigen. Schließlich gelingt es, gezielt Zweifel am WAA-Vorhaben zu streuen, bis auch Schuirer schließlich Widersprüche in den Versprechen seiner Vorgesetzten entdeckt… 

Regisseur Oliver Haffner ist mit „Wackersdorf“ ein Film gelungen, der gleichermaßen authentisch wie angenehm unemotional schildert, wie sich ein Dorf gemeinsam gegen eine Bedrohung stellen konnte, von der es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht mal wusste, wie groß diese später einmal werden würde.


WIR SIND CHAMPIONS | Regie: Javier Fesser | ESP 2018

Irgendwie läuft es momentan bei Marco (Javier Gutiérrez) nicht rund. Als Co-Trainer einer spanischen Basketballmannschaft heimst nur der Trainer das Lob und die Anerkennung ein und auch privat könnte es nicht schlechter laufen: Seine Ehe steht kurz vor dem Aus. Frustriert über sein Leben, und dass immer nur die anderen Gewinner sind, kommt es auf dem Spielfeld zum Eklat. Er beschimpft das Team, wird vom Feld geschmissen, betrinkt sich und baut einen Autounfall, was ihm prompt einen Gerichtsprozess beschert. Doch das Urteil ist so gar nicht nach seinem Geschmack. Er soll in seiner Freizeit gemeinnützig eine ganz besondere Basketballmannschaft trainieren: Ein Team, bestehend aus Menschen mit geistiger Behinderung. Und was er mit ihnen erlebt schüttelt sein Weltbild ordentlich durcheinander…

Der Überraschungshit aus Spanien kommt nach Deutschland! Vieles deutet daraufhin, dass der Oscar-Kandidat ein richtig feines Statement für die Berücksichtigung behinderter Menschen im Mainstream-Film setzen könnte. Inszenatorisch tut er das auch. Doch das unausgegorene Skript zieht der süßen Geschichte mit zweifelhaften Einzelszenen immer wieder die symbolischen Beine weg.


UNCLE DREW | Regie: Charles Stone III | USA 2018

Dax (Lil Rel Howery), klein, untersetzt und stark kurzsichtig, hat seine Ersparnisse bis zum letzten Dollar aufgebraucht, um eine Mannschaft beim Rucker Classic Streetball Wettbewerb in Harlem zu melden. Leider muss er einige Rückschläge einstecken, besonders hart für ihn: er verliert sein Team an seinen langjährigen Rivalen (Nick Kroll). Dax ist am Boden zerstört. Er muss das Turnier und das Preisgeld gewinnen! Zufällig trifft er auf den Mann, den Mythos die Legende: Uncle Drew (NBA All-Star Kyrie Irving). Dax überzeugt ihn, noch einmal auf das Spielfeld zurückzukehren. Die beiden Männer brechen zu einem Roadtrip auf, um Drews altes Basketballteam (Shaquille O’Neal, Chris Webber, Reggie Miller, Nate Robinson und Lisa Leslie) zusammenzutrommeln und zu beweisen, dass einer Gruppe Senioren immer noch der ganz große Wurf gelingen kann.

Der US-Überraschungserfolg „Uncle Drew“ kann mit einigen spektakulären Basketball-Szenen punkten. Doch abgesehen davon sind das anstrengende Overacting der Darsteller und die erschreckend langweilige Story auf unterschiedliche Weise nur schwer erträglich. Die für deutsche Verhältnisse ungewohnt miese Synchro gibt dem Film den Rest.


UTØYA 22. JULI | Regie: Erik Poppe | NOR 2017

Die 18-jährige Kaja (Andrea Berntzen) verbringt mit ihrer jüngeren Schwester Emilie ein paar ausgelassene Ferientage in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya. Es gibt Streit zwischen den Schwestern und Kaja geht alleine zu dem geplanten Barbecue. Angeregt diskutieren die Jugendlichen über aktuelle politische Entwicklungen, als plötzlich von der Ferne Schüsse fallen. Erschrocken suchen Kaja und die anderen Jugndlichen Schutz im Wald. Rasend kreisen ihre Gedanken. Was passiert um sie herum? Wer sollte auf sie schießen? Kein Versteck scheint sicher. Doch die Hoffnung auf Rettung bleibt. Und Kaja setzt alles daran, Emilie zu finden. Während die Schüsse nicht verstummen wollen und sich langsam herausstellt: Die Jugendlichen sind ins Visier eines wahnsinnigen Terroristen geraten. 

So intensiv sich „Utøya 22. Juli“ aus handwerklicher Sicht auch präsentiert, ist die Nachstellung des Terrorattentats auf der norwegischen Insel ein pietätloses Machwerk, das Erik Poppe mit nobler Intention begonnen haben mag, diese aber irgendwann verloren haben muss.

KLASSENTREFFEN 1.0 – DIE UNGLAUBLICHE REISE DER SILBERRÜCKEN | Regie: Til Schweiger | DE 2018

Für die Freunde Nils, Andreas und Thomas steht das 30-jährige Klassentreffen bevor. Und der Zeitpunkt könnte nicht schlechter für sie sein. Denn der frustrierte Redakteur Nils hat Hämorrhoiden und leidet unter Alterssichtigkeit, weshalb er zu einem stets jammernden Knurrhahn von einem Mann geworden ist. Andreas hingegen ist geschieden und hat kürzlich erfahren, dass seine Ex ihren früheren Paartherapeuten vögelt. Und DJ Thomas, der große Frauenheld, hat seiner Neuen versprochen, monogam zu werden. Um wieder Lust und Laune am Leben zu verspüren, machen die Drei eine muntere Reise zum großen Klassentreffen, auf der sie es nochmal so richtig krachen lassen wollen. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Lili, die Tochter von Thomas‘ Freundin, hat sich als Aufpasserin mit auf die Gästeliste gesetzt. Also geht es als Quartett auf Reise… 

Ein desaströser Schnitt und eine penetrante Musikspur erdrosseln die paar stimmigen Szenen, die diese anstrengende Komödie zu bieten hat, bis nur noch ein unlustiger Einheitsbrei über bleibt. Aber kinematografisch ist „Klassentreffen 1.0“ immerhin auf dem gewohnten, hübschen Schweiger-Niveau.

Das startet am 13. September 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 13., dessen größter Start „Predator – Upgrade“ uns bislang nicht gezeigt wurde. Mehr zum Film erfahrt Ihr kommende Woche an dieser Stelle. So wird eine exzentrische deutsche Produktion zum gar nicht so heimlichen Star dieser Woche. „Brechts Dreigroschenfilm“ verwurstet auf metafiktionale Weise eine uralte Vorlage und macht Lars Eidinger darin zum gebührenden Star. Doch auch die sich eigentlich eher an ein älteres Publikum richtende Komödie „Book Club“ ist einen Blick wert. Action-Liebhaber kommen dagegen bei „Mile 22“ halbwegs auf ihre Kosten. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM | Regie: Joachim A. Lang | DE 2018

Nach dem Welterfolg von „Die Dreigroschenoper“ will das Kino den gefeierten Autor des Stücks für sich gewinnen. Doch Bertolt Brecht ist nicht bereit, nach den Regeln der Filmindustrie zu spielen. Seine Vorstellung vom „Dreigroschenfilm“ ist radikal, kompromisslos, politisch, pointiert. Er will eine völlig neue Art von Film machen und weiß, dass die Produktionsfirma sich niemals darauf einlassen wird. Ihr geht es nur um den Erfolg an der Kasse. Während vor den Augen des Autors in seiner Filmversion der Dreigroschenoper der Kampf des Londoner Gangsters Macheath mit dem Kopf der Bettelmafia Peachum Form anzunehmen beginnt, sucht Brecht die öffentliche Auseinandersetzung. Er bringt die Produktionsfirma vor Gericht, um zu beweisen, dass die Geldinteressen sich gegen sein Recht als Autor durchsetzen … Ein Dichter inszeniert die Wirklichkeit – Das hat es noch nie gegeben! 

Die Art, wie hier mit Berthold Brechts „Dreigroschenoper“ umgesprungen wird, dürfte nicht jedem gefallen. Doch wer will die x-te Neuauflage sehen, wenn man auch etwas völlig Neues draus machen kann? Joachim A. Lang gelingt modernes Remake und Mediensatire in einem, die vor allem eines aufzeigt: Der Stoff ist aktueller als jemals zuvor.


STYX | Regie: Wolfgang Fischer | DE 2018

Rike (Susanne Wolff) bestreitet routiniert in der Domstadt Köln als Notärztin ihren Alltag, bevor sie ihren wohlverdienten Urlaub im sonnigen Gibraltar antritt. Dort sticht sie alleine mit ihrem Segelboot in See. Ziel ihrer Reise soll die Atlantikinsel Ascension Island sein. Ihr Urlaub wird abrupt beendet, als sie sich nach einem Sturm auf hoher See in unmittelbarer Nachbarschaft eines überladenen, havarierten Fischerbootes wiederfindet. Mehrere Dutzend Menschen drohen zu ertrinken. Rike folgt zunächst der gängigen Rettungskette und fordert per Funk Unterstützung an. Als ihre Hilfsgesuche unbeantwortet bleiben, die Zeit drängt und sich eine Rettung durch Dritte als unwahrscheinlich herausstellt, wird Rike gezwungen zu handeln. 

Geschickt wirft Wolfgang Fischer anhand eines fiktiven Einzelschicksals mehr Fragen zur Flüchtlingspolitik auf, als in den vergangenen zwei Jahren in allen Talkshows dieses Landes ausdiskutiert wurden. Technisch brillant ist „Styx“ außerdem.


BOOK CLUB – DAS BESTE KOMMT NOCH | Regie: Bill Holderman | USA 2018

Vivian (Jane Fonda), Diane (Diane Keaton), Carol (Mary Steenburgen) und Sharon (Candice Bergen) sind seit der Schulzeit die besten Freundinnen. Seit vielen Jahren treffen sie sich regelmäßig im Rahmen eines Buchclubs, um einander Bücher vorzustellen und gemeinsam über allerlei geschriebene Werke zu diskutieren. Nun ist „Fifty Shades of Grey“ dran – er skandalumwitterte Erotikroman von E.L. James. Bis zum nächsten Treffen sollen die Frauen den ersten Roman gelesen haben, um sich anschließend darüber auszutauschen. Doch obwohl sich vor allem Diane an der miserablen Qualität des Buches stört, erwecken die darin geschilderten Sexfantasien erotische Gelüste bei den Frauen. Sie alle fangen an, ihre Beziehungen und Lebensentwürfe zu überdenken, daten Männer oder melden sich in Online-Partnerbörsen an… 

Der Episodenfilm „Book Club – Das Beste kommt noch“ gehört unter den vielen, vielen Komödien für ein älteres Publikum eindeutig zu den Besseren und spricht mit ihrer zeitlosen Liebesthematik nicht bloß eine Zuschauerschaft jenseits der Sechzig an.


MILE 22 | Regie: Peter Berg | USA 2018

Sie arbeiten außerhalb staatlicher Grenzen, in einer Welt ohne greifbare Gegner. Für die Regierung sind sie „Geister“ – unsichtbar erledigen sie alle Jobs, bei denen Diplomatie und militärische Lösungen versagen. Elite-Agent James Silva wird in die Botschaft eines südostasiatischen Landes einberufen, um eine gefährlich hohe Menge an verschwundenem radioaktiven Material wiederzubeschaffen, das mehrere Großstädte weltweit auslöschen könnte. Als plötzlich der Spion Li Noor James Silva und seiner Spezialeinheit einen Deal vorschlägt, beginnt ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit. Denn es gibt eine Bedingung für den Geheimnisaustausch: Li Noor will schnellstmöglich außer Landes gebracht werden. Diese Mission entpuppt sich als hochgradig brisant und ruft zahlreiche Gegner auf den Plan, welche den Weg zum Flughafen zur Kampfzone machen. 

„Mile 22“ ist smarter, als man es ihm ansehen dürfte. Dass der raue Action-Tumult trotz kurzer Laufzeit etwas Leerlauf mitbringt, ist dagegen bedauerlich.


PETTERSSON UND FINDUS – FINDUS ZIEHT UM | Regie: Ali Samadi Ahadi | DE 2017

Findus hüpft Tag und Nacht auf seiner neuen Matratze herum, der genervte Pettersson (Stefan Kurt) aber möchte einfach nur seine Ruhe haben. Wenigstens am frühen Morgen, wenn sowieso noch alle Welt in den Federn liegt Die Lösung: ein eigenes Spiel- und Hüpf-Haus für Findus, das Pettersson ihm gleich nebenan aus einem alten Klohäuschen baut! Der Kater aber findet solchen Gefallen daran, selbständig zu sein und alleine zu wohnen, dass er nicht nur zum Spielen, sondern gleich ganz und gar ins Häuschen umzieht. Schließlich ist Findus ja auch schon groß! So hat Pettersson sich das allerdings nicht vorgestellt und fängt an, ihn zu vermissen! Muss er sein Leben jetzt etwa ohne seinen kleinen fröhlichen Gefährten führen? Findus muss sich etwas einfallen lassen, um den alten Pettersson wieder aufzumuntern… 

Trotz einiger fragwürdiger Gags ist „Findus zieht um“ definitiv der bisher beste Teil der „Pettersson und Findus“-Reihe und punktet vor allem mit dem ernst zu nehmenden Konflikt, seinen schrulligen Figuren und der liebevollen Ausstattung.

PREDATOR – UPGRADE | Regie: Shane Black | USA 2018

Von den Tiefen des Weltraums bis zu den Wäldern Südgeorgiens: In Shane Blacks explosiver Neuerfindung der „Predator“-Serie erreicht die Jagd nach den außerirdischen Monstern neue Dimensionennach.Die tödlichsten Jäger des Universums sind stärker, klüger und tödlicher als je zuvor. Und nur eine bunt zusammengewürfelte Crew von Ex-Soldaten und einem Professor für Evolutionsbiologie kann das Ende der menschlichen Rasse verhindern.

Shane Black inszenierte „Predator – Upgrade“ gemeinsam mit einer außergewöhnlichen Besetzung. Auch das Drehbuch stammt von ihm, das er zusammen mit Fred Dekker geschrieben hat. Boyd Holbrook führt das Ensemble an, dem auch Trevante Rhodes, Jacob Tremblay, Keegan-Michael Key, Olivia Munn, Thomas Jane, Alfie Allen, Augusto Aguilera und Sterling K. Brown angehören.

« Ältere Einträge