Schlagwort-Archiv: Wessels‘ Weekly

Das startet am 25. Mai 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 25. Mai, die aller Voraussicht nach vom fünften Teil einer beliebten Piratenabenteuerreihe dominiert wird. Die ausführliche Review folgt morgen um 15:00 Uhr an dieser Stelle. Entsprechend unspektakulär fällt aus das Alternativprogramm aus. Allenfalls Liebhaber der Programmkinos bekommen immerhin eine große Auswahl neuer Filme geboten, doch mit dem neuen Terrence Malick, einem soliden Biopic über Winston Churchill und dem zähen Entführungsthriller „Berlin Syndrom“ ist der Anreiz zum Ticketkauf nicht unbedingt gegeben. Ganz zu schweigen von der neuen „Hanni & Nanni“-Verfilmung. Aber schaut doch zur Abwechslung mal auf die Neuheiten fürs Heimkino…

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PIRATES OF THE CARRIBEAN 5  | Regie: Espen Sandberg, Joachim Rønning | USA 2017

Dem vom Glück verlassenen Captain Jack Sparrow weht eine steife Brise des Missgeschicks entgegen, als tödliche Seemänner aus der Schattenwelt, angeführt vom furchterregenden Captain Salazar, dem Teufelsdreieck entkommen und nur ein Ziel kennen: jeden Piraten auf offener See zu töten, insbesondere Jack. Seine einzige Überlebenshoffnung ist der legendäre Dreizack des Poseidon. Um diesen jedoch zu finden, muss er eine wenig behagliche Allianz mit der brillanten und hübschen Sternenforscherin Carina Smyth und dem eigensinnigen, jungen Royal-Navy-Seemann Henry eingehen. Am Steuer der Dying Gull, seines jämmerlich kleinen und schäbigen Schiffs, versucht Captain Jack, nicht nur seine jüngste Flut von Missgeschicken rückgängig zu machen, sondern sein eigenes Leben vor dem eindrucksvollsten und bösartigsten Feind zu retten, dem er jemals begegnet ist. 

Den Regisseuren gelingt mit „Pirates of the Carribean: Salazars Rache“ ein modernes Piraten-Action-Abenteuer, dem die Neuzugänge gut zu Gesicht stehen, das jedoch mehr mit Optik, anstatt einer packenden Geschichte überzeugt. Vor allem für Liebhaber hat der Film jedoch einige Gänsehautmomente zu bieten.


 DIE RESTE MEINES LEBENS  | Regie: Jens Wischnewski | DE 2017

Schimon (Christoph Letkowski) ist ein Glückskind. In San Francisco hat er die Liebe seines Lebens gefunden und seine Leidenschaft für die Welt der Töne zum Beruf gemacht. Er ist überzeugt, dass es das Schicksal gut mit ihm meint. „Es kommt immer so, wie es kommen soll.“ – hat ihm schon sein Großvater prophezeit. Doch als er zurück nach Deutschland zieht, verliert er alles. Trotzdem hält er an seiner positiven Lebenseinstellung fest und kämpft statt zu resignieren. Er scheint Recht zu behalten. Als er der lebensfrohe Milena (Luise Heyer) begegnet, verliebt er sich Hals über Kopf und ist bereit für einen Neuanfang. In einer Achterbahnfahrt der Gefühle muss er für sich herausfinden, ob es das Schicksal auch wirklich gut mit ihm meint. 

„Die Reste meines Lebens“ ist ein kleiner, weiser Film über Zufall und Schicksal. Regiedebütant Jens Wischnewski liebt seine Figuren und mit ihm das Publikum. Am Ende fühlt man sich besser – doch eine Frage bleibt: Warum zum Teufel ist Christoph Letkowski noch kein Megastar?


BERLIN SYNDROM | Regie: Cate Shortland | AUS 2017

Während ihres Backpacker-Urlaubs in Berlin lernt die junge Australierin Clare (Teresa Palmer) den charmanten Englischlehrer Andi (Max Riemelt) kennen und fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Die Fotografin und der sympathische Macho verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander. Doch was wie eine Romanze beginnt, entwickelt sich für sie plötzlich zu einem bösen Albtraum: Als Clare am nächsten Morgen die Wohnung verlassen will, merkt sie, dass Andi sie eingesperrt hat – und er hat nicht vor, sie jemals wieder gehen zu lassen. Alles Rufen bringt nichts, Ausbruchversuche quittiert Andi mit Gewalt. Clare ist ihrem Entführer hilflos ausgeliefert…

Das Thrillerdrama „Berlin Syndrom“ punktet vereinzelt mit guten Ideen und hat zwei starke Darsteller zu bieten, die miteinander hervorragend harmonieren. Doch mit knapp zwei Stunden ist Cate Shortlands Kammerspiel nicht bloß viel zu zäh geraten und irritiert mit konstruiert-unglaubwürdigen Entscheidungen seiner Figuren, es nervt auch mit seiner plakativen Ost-West-Symbolik.


SONG TO SONG | Regie: Terrence Malick | USA 2017

Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) ist eine ebenso erfolgreiche wie exzentrische Lichtgestalt der berüchtigten Musikszene von Austin, Texas. In der Hoffnung auf ihren großen Durchbruch lässt sich die ambitionierte Musikerin Faye (Rooney Mara) auf eine Affäre mit ihm ein, die ihr schnell zum Verhängnis wird, als sie den aufstrebenden Songwriter BV (Ryan Gosling) kennenlernt und sich in ihn verliebt. Abseits des Rampenlichts und vor wunderschöner Kulisse entwickelt sich ein explosives Dreiergespann, deren Protagonisten sich zwischen Liebe, Betrug und Sinnlichkeit treiben lassen. Als wenig später noch zwei weitere Frauen zu dieser Gruppe hinzustoßen, sehen sich alle fünf mit nie dagewesenen Gefühlen konfrontiert.

Bei Malick nichts Neues – „Song to Song“ führt sehr konsequent das weiter, was Terrence Malick bereits mit seinen bisherigen Filmen zu erzählen hatte. Dem Ensemble scheint das zu gefallen, auch die Bildkompositionen von Emmanuel Lubezki sind exzellent. Doch so langsam ermüdet das ewig gleiche Konzept des träumenden Kinopoeten.


CHURCHILL | Regie: Jonathan Templitzky | USA 2017

Juni 1944: Der britische Premierminister Winston Churchill steht vor einer epochalen Entscheidung: Soll er den Einmarsch der Alliierten Streitkräfte in das von Nazi-Deutschland besetzte Europa befehlen? Erschöpft durch den jahrelangen Krieg ist Churchill nur noch ein Schatten des einstigen Helden, der sich Hitlers Blitzkrieg widersetzte. Er befürchtet, dass man sich an ihn nur als den „Architekten des Blutvergießens“ erinnern wird, falls die D-Day-Operation scheitert. Soll er seinem Gewissen folgen oder sich der Kriegsräson ergeben?  In den dramatischen Tagen vor der Invasion ist seine Frau Clementine als wichtige Ratgeberin an seiner Seite. Wie niemand sonst versteht sie es, sein impulsives und aufbrausendes Temperament resolut und liebevoll zugleich zu zügeln. Doch die Anspannungen der Kriegsjahre haben in ihrer Beziehung tiefe Spuren hinterlassen.

Das Biopic „Churchill“ nähert sich einer bedeutenden Persönlichkeit, indem der Regisseur sich vollständig auf eine kurze, jedoch besonders wichtige Zeitspanne konzentriert. So ist es ihm möglich, die Komplexität des Charakters Winston Churchills anhand einer Extremsituation zu betonen, gleichzeitig verliert sich der Film in manchen Momenten in Lethargie und bemühter Künstlichkeit. Brian Cox dagegen spielt überragend.


HANNI & NANNI: MEHR ALS BESTE FREUNDE |  Regie: Isabell Suba | DE 2017

Die Vorstellung, den Rest des Schuljahres im Internat zu verbringen, finden die Zwillinge Hanni und Nanni mehr als uncool. Aber ihre Mutter Susanne bleibt hart: Sie selbst ist beruflich unterwegs, und wenn Hannis und Nannis Vater Charlie allein auf die Zwillinge aufpassen muss, kommt nur Chaos dabei heraus. So landen die beiden im Internat Lindenhof. Die Zwillinge beschließen, so viel Unsinn wie möglich anzustellen, damit sie noch innerhalb der Probezeit wieder von der Schule fliegen. Doch dann findet Nanni unter den Reitschülerinnen neue Freunde und im Pferd Pegasus eine Aufgabe, während Hanni weiter an ihrem Rausschmiss arbeitet. Zum ersten Mal in ihrem Leben gehen die Zwillinge getrennte Wege. Als Hanni im Wald auf den grummeligen Godehard mit seinem Hund Lochness trifft, ahnt sie nicht, dass in Godehards Haus der Schlüssel zu dem Geheimnis versteckt ist… 

Das soll eine „Hanni & Nanni“-Verfilmung sein? Der typische Internatscharme geht dem Familienabenteuer ab, stattdessen fühlt man sich wiederholt an einen Aufguss von „Bibi & Tina“ oder „Ostwind“ erinnert – das jedoch eher auf dem Niveau des ebenfalls misslungenen „Wendy“-Films. Immerhin: Kleine Pferdefreunde dürften voll auf ihre Kosten kommen.


ROSEMARI  |  Regie: Sara Johnson | NOR/DK 2016

Während Unn Toves Hochzeit bekommt eine Unbekannte auf der Toilette eines Restaurants ein Baby und verschwindet klammheimlich, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Die Braut findet das Neugeborene und übergibt es den Behörden. 16 Jahre später treffen sich ­die beiden wieder: Rosemari, das Baby von damals, ist auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter und hofft, diese in Unn Tove zu finden. Unn Tove ist mittlerweile geschieden und erfolgreiche Journalistin eines Lokalsenders. Sie wittert eine spannende Story, aber vor allem Abwechslung in ihrem einsamen Leben, und beschließt Rosemari zu helfen. Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich Unn Tove und Rosemari auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit, auf der nicht nur das Mädchen dem Geheimnis ihrer leiblichen Mutter immer näher kommt, sondern auch Unn Tove ihre Lebensentscheidungen immer mehr in Frage stellt.


DER EFFEKT DES WASSERS  |  Regie: Sólveig Anspach | FR/ISL 2015

Samir, ein Kranfahrer aus einer Vorstadt von Paris, verliebt sich Hals über Kopf in Agathe. Er findet heraus, dass sie Schwimmlehrerin ist, und um ihr näherzukommen, gibt er sich als Schwimmschüler aus, obwohl er eigentlich ein guter Schwimmer ist. Aber seine Schwindelei fliegt nach der dritten Stunde auf – und Agathe hasst Lügner! Enttäuscht flieht sie nach Island zu einem internationalen Bademeisterkongress. Sie hat aber nicht mit der Sturheit von Samir gerechnet, den ein Ozean nicht aufhalten kann. Er reist ihr hinterher und hofft, seine Traumfrau vor Ort davon überzeugen zu können, dass er der einzig Richtige für sie ist. Doch während Agathe die Rechnung ohne die Sturheit ihres Verehrers gemacht hat, findet Samir heraus, dass es gute Grunde dafür gibt, weshalb seine Angebetete keine Beziehung zu ihm eingehen will…


Heimkinotipp LA LA LAND  |  Regie: Damien Chazelle | USA 2016

Die leidenschaftliche Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der charismatische Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling) suchen das große Glück in Los Angeles. Sie halten sich mehr schlecht als recht und wenig zufriedend mit Nebenjobs über Wasser und nachdem sich ihre Wege zufällig kreuzen, verlieben sie sich nach anfänglicher Skepsis Hals über Kopf ineinander. Gemeinsam schmieden sie Pläne für ihre Zukunft auf der Bühne und genießen den Zauber der jungen Liebe in „La La Land“ – der Stadt der Träume. Doch schon bald müssen Mia und Sebastian einsehen, dass sie Opfer bringen müssen um ihren Träumen näher zu kommen. Kann ihre Beziehung diesem Druck standhalten, oder wird sie an der schillernden Hollywoodwelt zerbrechen?

„La La Land“ ist pure Kinomagie, ein leidenschaftlicher Ritt durch unzählige Jahrzehnte des kinematografischen Zeitgeschehens und eine Hommage an das Genre der Musical-Romanze. So wunderschön, mitreißend, passioniert und gefühlvoll ist Kino nur in den seltensten Fällen. Nie war ein Must-See verpflichtender!

Das startet am 18. Mai 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 18. Mai, der lediglich zwei (!) Spielfilme auf die Zuschauer loslässt. Darunter der leider nur mäßig gelungene „Alien: Covenant“, der in Ermangelung an Konkurrenz und aufgrund der breiten Fanbase vermutlich trotzdem ziemlich gut starten wird, sowie „Jahrhundertfrauen“, der hoffentlich nicht allzu sehr darunter zu leiden hat, auf der Zielgeraden von „“20th Century Women“ in seinen jetzigen Titel umbenannt worden zu sein.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

JAHRHUNDERTFRAUEN  | Regie: Mike Mills | USA 2016

Kalifornien, Ende der 70er Jahre – eine wilde, inspirierende Zeit der kulturellen Umbrüche, Freiheit liegt in der Luft. Dorothea Fields (Annette Bening), eine energische und selbstbewusste Frau Mitte 50, erzieht ihren Sohn Jamie (Lucas Jade Zumann) ohne den Vater, holt sich aber Unterstützung von zwei jungen Frauen: Abbie (Greta Gerwig), die freigeistige und kreative Mitbewohnerin, und Jamies beste Freundin Julie (Elle Fanning), ein gleichermaßen intelligentes wie provokatives Mädchen. So verschieden sie sind, alle vier stehen für einander ein – und es gelingt ihnen eine Bindung für das ganze Leben zu schaffen. Doch immer häufiger zweifelt Dorothea daran, ob aus ihrem Jamie wirklich ein „richtiger Mann“ werden kann, wenn kein solcher im Haus ist…

„Jahrhundertfrauen“ ist so zart inszeniert und zurückhaltend erzählt, dass man es den Figuren zu jedem Zeitpunkt abnimmt, gerade mit den großen und kleinen Dramen des Lebens konfrontiert zu werden. Ein durch und durch authentischer Film, der darüber hinaus spielend mit der allzu dominanten Genderdiskussion umgeht.


ALIEN: COVENANT | Regie: Ridley Scott | USA/AUS/NZL/UK 2017

Absolute Stille herrscht an Bord des Raumschiffs Covenant. Die Besatzung und die rund 2000 Passagiere an Bord befinden sich in künstlichem Tiefschlaf. Das Schiff befindet sich auf dem Weg zum entlegenen Planeten Origae-6. Dort hofft die Menschheit neuen Siedlungsraum zu finden. Dann ist es mit der Ruhe vorbei. Ein Stern, der gerade passiert wird, explodiert.  Es gibt Dutzende Tote zu beklagen und auch der programmierte Kurs kann nicht gehalten werden. Bald darauf stoßen die überlebenden Crewmitglieder auf ein nicht kartografiertes, dicht bewaldetes Paradies, einen vermeintlichen Garten Eden, dessen Berggipfel hinter Wolken verborgen sind. Viel näher an der Erde als Origae-6 liegt dieser Planet, der sich als neue Heimat wohl auch bestens eignet. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass hier nichts ist wie es scheint…

In „Alien: Covenant“ versucht Ridley Scott die philosophischen Ansätze aus „Prometheus“ mit der harten Splatter-Action aus „Alien“ zu verbinden und verpasst es dabei, Film und Figuren zu Persönlichkeit zu verhelfen. Der Sci-Fi-Blockbuster punktet mit viel Blut und starken Bildern, verliert aber beim Skript, den Computereffekten und der alles andere als überraschenden, äußerst zähen Dramaturgie.


ZWISCHEN DEN STÜHLEN  | Regie: Jakob Schmidt | DE 2017

Um in Deutschland Lehrer zu werden, muss nach dem theoriebeladenen Studium ordnungsgemäß das Referendariat absolviert werden. Eine Feuerprobe, welche die angehenden Lehrer in eine widersprüchliche Position bringt: Sie lehren, während sie selbst noch lernen. Sie vergeben Noten, während sie ihrerseits benotet werden. Zwischen Problemschülern, Elternabenden, Intrigen im Lehrerzimmer und Prüfungsängsten werden die Ideale der Anwärter auf eine harte Probe gestellt.

„Zwischen den Stühlen“ begleitet drei von ihnen auf ihrem steinigen Weg zum Examen. Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm gibt einen einfühlsamen wie humorvollen Blick hinter die Kulissen des Systems Schule und wirft dabei nicht zuletzt die Frage auf, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen.


BEUYS | Regie: Andres Veiel | DE 2017

Beuys. Der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke. 30 Jahre nach seinem Tod erscheint er uns als Visionär, der seiner Zeit voraus war. Geduldig versuchte er uns schon damals zu erklären, dass „Geld keine Ware sein darf“. Er wusste, dass der Geldhandel die Demokratie unterwandern würde. Doch mehr als das. Beuys boxt, parliert, doziert und erklärt dem toten Hasen die Kunst. Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen? fragt er grinsend. Sein erweiterter Kunstbegriff führte ihn mitten in den Kern auch heute relevanter gesellschaftlicher Debatten.

Aus einer kongenial montierten Collage unzähliger, bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente stellen Regisseur Andres Veiel und sein Team ein einzigartiges Zeitdokument zusammen: „Beuys“ ist kein klassisches Porträt, sondern eine intime Betrachtung des Menschen, seiner Kunst und seiner Ideenräume.


Heimkinotipp: BOB, DER STREUNER  |  Regie: Roger Spottiswoode | UK 2016

Das Letzte, was James (Luke Treadaway) gebrauchen kann, ist ein Haustier! Er schlägt sich von Tag zu Tag als Straßenmusiker durch, und sein mageres Einkommen reicht gerade, um sich selbst über Wasser zu halten. Und jetzt auch noch das: Als es eines Abends in seiner Wohnung scheppert, steht da nicht wie vermutet ein Einbrecher in der Küche, sondern ein roter ausgehungerter Kater. Obwohl knapp bei Kasse beschließt James, den aufgeweckten Kater aufzupäppeln, um ihn dann wieder seines Weges ziehen zu lassen. Doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt gar nicht daran, sein neues Herrchen zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Für James ist nichts mehr, wie es war. Bob und er werden unzertrennliche Freunde, und James findet dank Bob nach und nach den Weg zurück ins Leben … 

„Plötzlich Papa“ beginnt als heitere Komödie und mündet in ein herbes Drama. Zusammen gehalten wird diese inszenatorische Gratwanderung von Omar Sy und dem Rest des Ensembles, wenngleich manche erzählerischen Verwicklungen ein wenig zu bemüht wirken, um ehrlich zu Herzen zu gehen.

Das startet am 4. Mai 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 4. Mai – und es ist vermutlich die stärkste Kinowoche, die das Kinojahr 2017 zu bieten hat. Zumindest von der Qualität her. Ein Besuch von „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist Pflicht, doch auch Horrorfans kommen mit „Get Out“ voll auf ihre Kosten. Wer Mut hat, auch mal experimenteller Filmkost aus Deutschland eine Chance zu geben, für den ist „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ die Empfehlung der Woche. Der Rest kann da nur schwer mithalten… 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT  | Regie: J.A. Bayona | UK/ESP/USA 2016

Das Leben des jungen Conor (Lewis MacDougall) ist alles andere als sorglos: Seine Mutter (Felicity Jones) ist ständig krank, er muss deshalb bei seiner unnahbaren Großmutter (Sigourney Weaver) wohnen, und in der Schule verprügeln ihn die großen Jungs. Kein Wunder, dass er jede Nacht Albträume bekommt. Doch dann wird alles anders: Als er wieder einmal schweißgebadet – um punkt sieben Minuten nach Mitternacht – aufwacht, hat sich der alte Baum vor seinem Fenster in ein riesiges Monster verwandelt und spricht zu ihm. Ist das noch der Traum – oder ist es Realität? Das weise Monster beginnt, ihm Geschichten zu erzählen. Fortan kommt sein ungewöhnlicher Freund jede Nacht und seine Erzählungen führen Conor auf den Weg zu einer überwältigenden Wahrheit…

Ein Fazit zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ zu verfassen, würde bedeuten, all die von diesem Film ausgehende Wucht zusammenfassen zu wollen. Zu zähmen, was nicht gezähmt werden darf, die Kraft zu bündeln, und zum Abschluss zu bringen was auch nach seinem Ende noch fortbestehen muss. Ein Film wie dieser braucht kein Fazit. Er braucht ja noch nicht einmal eine Kritik…


GET OUT  | Regie: Jordan Peele | USA 2017

Ein Landhaus im Grünen, ein Wochenende bei den Schwiegereltern in spe, der Empfang ist herzlich – vielleicht eine Spur „zu herzlich“. Schnell muss Chris (Daniel Kaluuya) feststellen, dass mit der Familie seiner Freundin Rose (Allison Williams) etwas nicht stimmt. Was führen der scheinbar so weltoffene Dean (Bradley Whitford) und seine Gattin Missy (Catherine Keener), einer der Hypnose mächtige Frau, im Schilde? Es kommt zu bizarren Zwischenfälle, die den vermeintlich entspannten Antrittsbesuch unversehens in einen ausgewachsenen Alptraum für den Familien-Neuling machen sollen. Denn hier herrscht ein nie dagewesener Kampf zwischen schwarz und weiß.

Erst brennt sich der paralysierende Song „Run, Rabbit, Run“ in die Köpfe der Zuschauer, später kommt man in den zweifelhaften Genuss einer Bedrohung, die sich partout nicht greifen lässt und irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, wie penibel durchdacht und brillant das Konzept von „Get Out“ aufgebaut ist. Wir legen es jedem ans Herz, diesen Film für sich zu entdecken.


EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID | Regie: Lars Montag | DE 2017

Irgendwo in Deutschland leben Menschen wie Du und ich. Sie alle sind Gefangene in einem Netz aus Neurosen, Ängsten, aber auch aus Sehnsüchten und Träumen. Da ist zum Beispiel Ecki. Ecki, 55, war mal Lehrer. Und zwar ein guter. Bis dieses Mädchen behauptet hat, er habe sie angegrapscht. Eine dreiste Lüge! Dann wäre da noch Thomas, 43. Thomas ist ein echter Mann. Angst? Fehlanzeige. Er passt auf Carla auf. Mit Leuten mit Migrationshintergrund hat er es nicht so. Carla, 27, will stark sein. Trotz der Sache mit dem Ausländer. Thomas hilft ihr dabei. Aber eigentlich kann das Carla auch ganz alleine. Auch Robert hadert mit sich. Robert, 53, hat keine Struktur mehr (sagt seine Frau), aber Familie: Maschjonka, Swentja und Sonja. Aber die brauchen ihn eigentlich nicht. Deshalb hätte er er gern einen Freund…

Mit seiner unverblümten Romanverfilmung „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ riskiert Regisseur Lars Montag viel – und gewinnt auf ganzer Linie. In mehreren Episoden entblößt die Hardcore-Komödie den Menschen an sich und gibt dabei nicht bloß unsere eigene Erwartung, sondern auch die Mechanismen des deutschen Anspruchskinos der Lächerlichkeit preis. Grandios!


VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE | Regie: Justine Triet | FR 2016

Victoria (Virginie Efira) ist Anwältin in Paris, Ende 30, alleinerziehend, hat ein lockeres Sex-Leben und ist charmant-egozentrisch. Bei einer Hochzeit trifft sie ihren guten Freund Vincent (Melvil Poupaud) sowie Samuel (Vincent Lacoste), einen Klein-Dealer, den sie vor einiger Zeit verteidigt hat. Tags darauf steht Vincent unter Anklage wegen versuchtem Mord an seiner Freundin. Einziger Zeuge ist der Dalmatiner des Opfers. Widerwillig übernimmt Vitoria seine Verteidigung. Als sie dann auch noch Sam als Au Pair Boy einstellt, nimmt das Chaos in Victorias Leben seinen Lauf. Dabei sieht sie sich plötzlich vor Herausforderungen gestellt, für die sie vielleicht auch mal die Hilfe ihres Umfelds entgegen nehmen muss. Doch dafür müsste sie über ihren eigenen Schatten springen…

Bei „Victoria – Männer & andere Missgeschicke“ sollte man sich auf gar keinen Fall von dem konventionellen Untertitel abschrecken lassen. Gemeinsam mit der umwerfenden Virginie Efira gelingt Regisseurin Justine Triet das überraschend tiefgründige Charakterporträt einer widersprüchlichen, jedoch nicht minder aufregenden Frau, das in den entscheidenden Momenten zwischen Komik und Tragik wechselt.


5 FRAUEN | Regie: Olaf Kraemer | DE 2016

Marie (Anna König), Anna (Korinna Krauss), Ginette (Odine Johne), Nora (Kaya Marie Möller) und Stephanie (Julia Dietze) sind Freundinnen seit Kindertagen. Wie jeden Sommer treffen sich die fünf Frauen auf dem südfranzösischen Landgut von Maries Eltern, um ein ganzes Wochenende nur unter sich zu sein. Doch ihr Wiedersehen wird gleich in der ersten Nacht gestört von einem Unbekannten, der ins Haus einbricht. In einem Moment des Überschwangs geschieht ein Unglück und so stehen die Freundinnen am nächsten Morgen vor einer Leiche, die sie möglichst unauffällig verschwinden lassen müssen. Als ein attraktiver Fremder auftaucht, der behauptet seinen Bruder zu suchen, wird die Freundschaft der Frauen auf eine harte Probe gestellt.

Man möchte Olaf Kraemer das fertige Werk mit den Worten zurück geben, dass dieser erste Entwurf ja immerhin einigermaßen vielversprechend sei, es allerdings noch reichlich Zeit und Arbeit in Anspruch nehme, bis hieraus ein guter Film wird. Große Namen im Cast und die Besinnung darauf, dass all das hier ja reine Fiktion ist, können nichts daran ändern, dass „5 Frauen“ darstellerisch, technisch und erzählerisch an allen Ecken und Enden gescheitert ist.


REGELN SPIELEN KEINE ROLLE |  Regie: Warren Beatty | USA 2016

Hollywood, 1958. Eine junge Amerikanerin, die von einer großen Karriere als Schauspielerin träumt, und ihr ehrgeiziger junger Fahrer verfolgen ihre Ziele voller Hoffnungen. Doch sie haben mit den absurden Regeln und dem exzentrischen Wesen des völlig unberechenbaren Milliardärs Howard Hughes zu kämpfen, für den beide arbeiten. Marla Mabrey, Kleinstadt-Schönheitskönigin, Songwriterin, fromme Baptistin und noch Jungfrau, steht seit Kurzem bei dem berühmt-berüchtigten Milliardär Howard Hughes unter Vertrag. Als sie in Los Angeles landet, lernt sie am Flughafen ihren Fahrer Frank Forbes kennen. Der tiefreligiöse Methodist ist seit der siebten Klasse mit einem Mädchen zusammen, das er nach der bereits erfolgten Verlobung demnächst auch heiraten will. Doch vom ersten Moment an fühlen sich Marla und Frank zueinander hingezogen, doch diese Liebe steht unter keinem guten Stern…


SHIN GODZILLA | Regie: Hideaki Anno | JP 2016

In der Bucht von Tokio kommt es zu unerklärlichen Ereignissen: Eine Yacht treibt auf dem Wasser, der Besitzer ist spurlos verschwunden. Zur gleichen Zeit scheint unweit davon wie aus dem Nichts ein Vulkan auf dem Meeresgrund auszubrechen. Doch schnell wird klar, dass die Geschehnisse von einem lebenden Organismus ausgegangen sein müssen. Erste Videos der unbekannten Kreatur tauchen auf: Es ist riesig und bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf die Stadt zu. Die Behörden müssen schnell handeln, um die Bevölkerung vor einer Katastrophe zu schützen. Doch in keinem Notfall-Plan der Welt ist geregelt, wie man mit einem unbekannten, gigantischen Monster umgeht. Einem Mitglied der Regierung werden bislang unveröffentlichte Aufsätze eines Forschers zugespielt, die das Geschöpf zu erklären versuchen – und ihm einen Namen geben: Godzilla! Ein Team aus Experten versucht, dem Monster den Garaus zu machen…


Heimkinotipp ROGUE ONE: A STAR WARS STORY  |  Regie: Gareth Edwards | USA 2016

Die junge Jyn Erso wächst schon in frühen Jahren als Waise auf. Mittlerweile schlägt sie sich mit größeren und kleinen Schandtaten durchs Leben, bis sie eines Tages von einer Gruppe von Rebellen angeheuert wird, um gemeinsam mit ihr dem Imperium entgegen zu treten. Unter der Führung von Widerstandskämpferin Mon Mothma soll sie die Pläne des Todessterns in ihre Gewalt bringen – der gefährlichsten Waffe, des Universums. Da auch Jyns Vater Erso einst an dem Bau des Zerstörers beteiligt war, erhoffen sich die Rebellen Insiderwissen von der toughen Lady und tatsächlich erklärt diese sich bereit, Teil dieses Teams aus ganz unterschiedlichen Widerständlern zu werden, um an der Seite von Captain Cassian Andor und dem ehemaligen Imperiumsdroiden K-2SO die Welt vor dem Todesstern zu beschützen. Dabei haben die drei die Rechnung ohne den imperialen Militärdirektor Krennic gemacht… 

Das betont düstere „Star Wars“-Spin-Off „Rogue One: A Star Wars Story“ ist eine Bereicherung für das Sternenkrieger-Universum und punktet zu gleichen Teilen mit virtuosen Effekten und einer spannenden Grundgeschichte. Weniger überzeugend geraten hingegen die eher oberflächlichen, wenn auch charismatischen Figuren sowie eine recht einfältige Dramaturgie.

Das startet am 20. April 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 20. April, der es zwischen zwei Blockbuster-Wochen („Fast & Furious 8“ und „Guardians of the Galaxy Vol. 2“) nicht gerade einfach hat. Entsprechend bleiben die großen Mainstream-Filme aus, stattdessen finden sich die Highlights in den Programmkinos. Ausgerechnet zwei französische Komödien geben den Ton an und könnten sich aufgrund ähnlicher Thematiken die Zuschauer klauen. Dafür gibt es mit „Conni & Co 2“ einen neuen Til-Schweiger-Film in den Kinos zu sehen, der das Segment der Kinderunterhaltung um eine weitere Auswahl ergänzt. Filme wie „Bleed for This“ oder „Queen of Katwe“ sind zwar in Ordnung, starten aber mit einer solch geringen Kopienanzahl, dass davon kaum einer Notiz nehmen wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

EIN DORF SIEHT SCHWARZ  | Regie: Julien Rambaldi | FR 2016

Frankreich 1975: Seyolo Zantoko (Marc Zinga) ist ein erfolgreicher Arzt und stammt aus dem Kongo. Als er einen Job als korrupter Leibarzt ausschlägt und stattdessen eine Stelle in einem kleinen Kaff nördlich von Paris angeboten bekommt, beschließt er, mit seiner Familie umzuziehen. Sie erwarten das noble Pariser Stadtleben, treffen aber stattdessen auf skeptische Dorfbewohner, die zum ersten Mal in ihrem Leben einem afrikanischen Arzt begegnen und alles tun, um den „Exoten“ das Leben schwer zu machen. Aber wer mutig seine Heimat verlassen hat und einen Neuanfang in einem fremden Land wagt, lässt sich so leicht nicht unterkriegen und so beschließen die Zantokos, das Beste aus der Situation zu machen.

„Ein Dorf sieht schwarz“ greift zwar gängige Klischees auf, aber nicht, um anhand von diesen eine Geschichte zu erzählen, sondern um aufzuzeigen, was passiert, wenn sie sich weiterhin in der Gesellschaft durchsetzen. Ein starker, nie pessimistischer aber doch grundehrlicher Film über Fremdsein und Fremdfühlen.


 ALLES UNTER KONTROLLE | Regie: Philippe de Chauveron | FR 2016

Für den Polizisten José Fernandez gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: er wird endlich befördert und darf sich vom unerfreulichen Alltag des Grenzpolizisten verabschieden. Die schlechte Nachricht: ein letztes Mal muss er nach Kabul, um den straffälligen Karzaoui in sein Heimatland abzuschieben. Jetzt heißt es, den Flüchtling unkompliziert loszuwerden, sonst wird es schwierig mit der Beförderung. Doch es gibt ein Problem: im Fall Karzaoui ist der Justiz eine Panne unterlaufen. José hat sich seinen letzten Flüchtling deutlich resignierter vorgestellt. Doch weit gefehlt! Als das Flugzeug auf einer Ferieninsel notlanden muss, nutzt Karzaoui die Gunst der Stunde und macht sich aus dem Staub. 

Die französische Komödie „Alles unter Kontrolle“ ist trotz seiner Thematik nicht das tragikomische Glanzstück hintersinniger Flüchtlingsfilme, sondern einfach nur eine lässig-erfrischende Comedy mit jeder Menge Gags und einem tollen Cast.


CONNI & CO 2 | Regie: Til Schweiger | DE 2017

Conni (Emma Schweiger) und ihre Freunde verbringen wie jedes Jahr ihre Sommerferien auf der Kanincheninsel vor den Toren von Neustadt. Doch das Kinder- und Naturparadies ist in Gefahr, weil der Bürgermeister und ehemalige Schuldirektor Möller (Heino Ferch) ein Hotel auf der Insel bauen möchte. Er verspricht den Neustädtern neue Jobs, und Connis Vater Jürgen (Ken Duken) soll der Architekt des neuen „Gigantotels“ werden. Als Hund Frodo einen Dino-Knochen auf der Ferieninsel findet, ist das für Conni und ihre Freunde die Chance, deren Zerstörung zu verhindern. Doch dann ist der Knochen plötzlich verschwunden, und Connis bester Freund Paul (Oskar Keymer) ist auch noch schuld daran, dass sie keinen Beweis für dessen Existenz haben. Das Abenteuer um das Geheimnis des T-Rex beginnt.

Til Schweiger gelingt mit „Conni & Co 2“ seine beste Regiearbeit seit „Zweiohrküken“. Der Film präsentiert sich ausbalanciert zwischen den Genres Familienfilm, Abenteuer sowie Komödie und lässt die Kinder die Helden sein. Lediglich der hektische Schnitt und manche Teile der Besetzung trüben das Seherlebnis ein wenig.


 BLEED FOR THIS | Regie: Ben Younger | USA 2016

Der aus dem US-Bundesstaat Rhode Island stammende, italienische Boxer Vinny Pazienza (Miles Teller) hat sich aufgrund seines aggressiven Kampfstils den Namen „The Pazmanian Devil“ erarbeitet. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere kommt er bei einem Autounfall zwar knapp mit dem Leben davon, bricht sich aber das Genick. Die niederschmetternde Prognose: Er wird vielleicht nie wieder laufen können. Doch Vinny schließt sich mit dem Trainer Kevin Rooney (Aaron Eckhart) zusammen und schafft das unmöglich Geglaubte – schon bald steht er nicht bloß wieder eigenständig auf beiden Beinen, sondern plant sogar seine Rückkehr in den Boxring. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg…

Ein Boxerdrama nach bekannten Mustern, in dem der Schmerz regiert – „Bleed for This“ punktet mit starken Darstellerleistungen und einer Entzauberung des typischen „Gib niemals auf!“-Gedanken. Doch bis zuletzt bleibt Ben Youngers Arbeit zu geradlinig, um auch nur irgendwie zu überraschen.


 THE FOUNDER | Regie: John Lee Hancock | USA 2016

Der Vertreter für Milchshake-Mixer Ray Kroc (Michael Keaton) hat Anfang der 1950er Jahre nur äußert mäßige Erfolge vorzuweisen. Trotzdem gibt der charismatische Vollblutverkäufer nicht auf und träumt den amerikanischen Traum. Als er zufällig von einem revolutionären Schnellrestaurant im kalifornischen San Bernardino hört, wittert er die Chance seines Lebens. Trotz anfänglichem Widerstand der Betreiber, der Brüder Mac (John Carroll Lynch) und Dick McDonald (Nick Offerman), gelingt es Ray durch Hartnäckigkeit und Raffinesse, die Franchise-Rechte zu erwerben. Doch bis daraus ein erfolgreiches Fast-Food-Imperium werden kann, muss Ray noch unzählige Hindernisse aus dem Weg räumen und unliebsame Entscheidungen treffen…

„The Founder“ ergründet den verrückten Erfolgsweg des Milliardenunternehmens McDonalds und konzentriert sich dabei ganz auf die ambivalente Figur des gerissenen Unternehmers Ray Kroc. Über den Fast-Food-Riesen erfährt man viel Spannendes, doch Regisseur John Lee Hancock kann sich nicht entscheiden, ob er seine Hauptfigur nun zum Helden, oder zum gerissenen Schurken machen will.


STILLE RESERVEN |  Regie: Valentin Hitz | AT/DE/CH 2016

Der Versicherungsagent Vincent Baumann (Clemens Schick), ein kalter Karrierist, Höriger eines gnadenlosen Systems, wird selber Opfer der Konzerne, die er vertritt. Von seiner knallharten Chefin Diana Dorn (Marion Mitterhammer) zum Handlager degradiert, strengt er sich verbissen an, zurückzukommen auf den Arbeitsmarkt, kämpft um den Aufstieg. Dabei erkennt er, dass es noch andere Werte gibt als Einkommen und Erfolg. Und er entscheidet sich gegen seine bisherige Weltanschauung, für einen anderen Menschen, für Lisa Sokulowa (Lena Lauzemis). Eine Zukunft haben die beiden nicht. Aber ein kleiner Triumph bleibt ihnen gegen die Übermacht des herrschenden Systems.
3 von 5

„Stille Reserven“ ist eine atmosphärische Dystopie, die trotz ihres abgehobenen Szenarios mit Realitätsnähe und Bodenständigkeit besticht. Der Cast spielt überragend, doch leider kommt Valentin Hitz‘ Film erst spät in Gang. Bis dahin muss sich der Zuschauer leider durch allzu viel Theorie kämpfen, wird aber dafür mit einem nachhallenden Finale belohnt.


QUEEN OF KATWE | Regie: Mira Nair | USA 2016

Für Phiona Mutesi und ihre Familie ist das Leben im verarmten Katwe in Kampala, Uganda, ein ständiger Kampf. Ihre Mutter Harriet ist fest entschlossen, für ihre Familie zu sorgen. Sie arbeitet unermüdlich und verkauft Gemüse auf dem Markt, um sicherzustellen, dass ihre Kinder zu essen und ein Dach über dem Kopf haben. Als Phiona auf Robert Katende trifft, der die Kinder des Dorfes im Schachspielen unterrichtet, wird sie in den Bann des Spiels gezogen. Schach erfordert ein hohes Maß an Konzentration, strategisches Denken und Risikobereitschaft, allesamt Fähigkeiten, die für das tägliche Leben unerlässlich sind. Phiona ist beeindruckt von der Intelligenz und dem Scharfsinn, die das Spiel verlangt, und es zeigt sich sofort, dass sie ein außergewöhnliches Talent hat…

„Queen of Katwe“ ist ein ruhiges Drama, das die gängigen Motive eines Sportler-Biopics nur vage variiert, dafür mit viel Authentizität und einer herausragenden Performance von Schauspieldebütantin Madina Nalwanga punkten kann.


THE BYE BYE MAN | Regie: Stacy Title | USA 2017

Als drei ahnungslose College-Freunde auf die schockierenden Ursprünge des sogenannten Bye Bye Man stoßen, erkennen sie, dass es nur einen einzigen Weg gibt, um seinem Fluch zu entgehen: „Denk ihn nicht! Sag ihn nicht!“ Denn sobald sich der Bye Bye Man im Kopf eingenistet hat, übernimmt er die Kontrolle und lässt einen die bösartigsten Dinge tun. Gibt es eine Möglichkeit, seiner Macht zu entkommen …? Wir fragen uns oft, was die Menschen tagtäglich zu grausamen Taten antreibt – aber was, wenn man sich gar nicht die Frage nach dem „was“, sondern nach dem „wer“ stellen muss? Was, wenn eine dunkle, unbarmherzige Macht hinter all dem Bösen und den Gräueltaten steckt?

So leidenschaftslos hat sich schon lange kein Horrorfilm mehr präsentiert. Gegen „The Bye Bye Man“ sieht selbst ein „Rings“ hochwertig aus. Holzschnittartige Figuren, schlechte Darsteller und hanebüchene Dialoge machen diesen Film zu einer Mutprobe für die Nerven.


CHIPS | Regie: Dax Shepard | USA 2017

Jon Baker (Dax Shepard) und Frank „Ponch“ Poncherello (Michael Peña) haben sich erfolgreich bei der California Highway Patrol (CHP) in Los Angeles beworben – aber aus ganz unterschiedlichen Gründen. Baker hat seine beste Zeit als Motorrad-Profi hinter sich und braucht einen frischen Start, um seine Ehe zu retten. Ein Platz bei der CHP könnte ihm wieder Respekt bei seiner Ehefrau einbringen. Poncherello ist ein arroganter Undercover-Agent des FBI – er untersucht einen Millionenraub, der möglicherweise von CHP-Beamten ausgeführt wurde. Der unerfahrene Neuling und der abgebrühte Profi sollen ein Team bilden, doch weil sie ständig aneinandergeraten, ist es mit ihrer Partnerschaft nicht weit her. Allerdings könnten Bakers Erfahrungen im Motorradsattel und Ponchs Herkunft aus den Problemvierteln eine unschlagbare Kombination ergeben – falls sich die beiden nicht vorher gegenseitig in den Wahnsinn treiben.


Heimkinotipp ELVIS & NIXON  |  Regie: Liza Johnson | USA 2016

Im Jahr 1970 erscheint der King of Rock‘n Roll unangekündigt vor dem Weißen Haus und möchte den mächtigsten Mann der Welt treffen: US-Präsident Richard Nixon (Kevin Spacey). Elvis (Michael Shannon) hat dabei ein dringendes Anliegen: Er möchte undercover als Federal Agent für sein Land arbeiten. Seine Martial Arts-Kenntnisse, seine Schauspielerfahrung sowie sein Geschick im Verkleiden und nicht zuletzt seine stattliche Waffensammlung sollen dabei helfen, den Kommunismus zu Fall zu bringen. Nixon hat zunächst keine große Lust, den berühmten Entertainer kennen zu lernen, aber im Tausch gegen ein Autogramm für seine Tochter lässt er sich doch überreden. Und erstaunlicherweise finden die beiden unterschiedlichen Männer überraschende Gemeinsamkeiten…
4 von 5

Auch wenn „Elvis & Nixon“ im Großen und Ganzen recht oberflächlich bleibt und sich in der ersten Hälfte ein wenig zieht, macht das süffisante Aufeinandertreffen zwischen dem legendären Musiker und dem einflussreichen Politiker eine Menge Laune, was in erster Linie den schnittig geschriebenen Dialogen und der Spielfreude sämtlicher Darsteller zu verdanken ist.

Das startet am 13. April 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 13. April, der von einem Filmstart dominiert werden wird, über den ich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nichts sagen kann: Die Rede ist von „Fast & Furious 8“, der außerdem noch einen Tag früher – nämlich am Mittwoch – in den Kinos anlaufen wird. Zusammen mit dem langen Osterwochenende stehen dem achten Teil der starbesetzten Actionsaga großartige Zahlen ins Haus. Wem das allerdings zu aufregend ist, der findet in der charmanten Rentner-Komödie „Abgang mit Stil“ ein sympathisches Gegegenprogramm. Für Anspruch sorgt indes das hochspannende Gerichtsdrama „Verleugnung“. Wer es mit Ostern dagegen besonders genau nimmt, für den gibt es mit „40 Tage in der Wüste“ sogar eine bislang unerzählte Jesus-Geschichte zu sehen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

VERLEUGNUNG | Regie: Mick Jackson | USA/UK 2016

Sie amerikanische Universitätsprofessorin Deborah E. Lipstadt (Rachel Weisz) wird unerwartet zur Verteidigerin der historischen Wahrheit, als der britische Autor David Irving (Timothy Spall) sie wegen Verleumdung verklagt. In ihrem jüngsten Buch hatte Lipstadt ihm die Leugnung des Holocaust vorgeworfen. Durch das britische Justizsystem in die Defensive gedrängt, steht sie nun gemeinsam mit ihren Verteidigern, angeführt von Richard Rampton (Tom Wilkinson), vor dem absurden Problem, nicht nur sich selbst zu verteidigen, sondern auch beweisen zu müssen, dass der Holocaust tatsächlich stattgefunden hat. Statt sich jedoch eingeschüchtert zu geben, weckt diese scheinbar unlösbare Aufgabe ihren Kampfgeist. Lipstadt lehnt jeden Vergleich ab und stellt sich vor Gericht ihrem unerbittlichen Gegner…
4 von 5

Mit „Verleugnung“ versucht Regisseur Mick Jackson, die Motivation hinter einem Holocausleugner zu ergründen, indem er diesen Prozess gleichermaßen lächerlich wie faszinierend darstellt. Dieser schwierige Drahtseilakt geht vor allem deshalb hervorragend auf, weil die Darsteller präzise aufspielen und über allem immer noch die Tragik der Thematik spielt. Stark!


FAST & FURIOUS 8 | Regie: F. Gary Gray | USA 2017

Alles könnte so schön sein: Nach Dom und Lettys Hochzeit, Brians und Mias Abschied und nachdem der Rest der Crew endlich von allen Anschuldigungen entlastet wurde, kann das Team beinahe ein normales Leben führen. Doch als eine rätselhafte Frau Dom verführt, ihr in die Welt der Verbrechen zu folgen, aus der er scheinbar nicht entkommen kann, und ihn dazu bringt die, die ihm am nächsten stehen, zu hintergehen, sehen sie sich mit der härtesten Prüfung ihres Lebens konfrontiert. Von der Küste Kubas über die Straßen New Yorks, bis zu den verschneiten Ebenen des arktischen Barentssees wird die etwas andere Elitetruppe die ganze Welt befahren, um eine Anarchistin daran zu hindern, das Chaos auf die Welt los zu lassen… und den Mann nach Hause bringen, der eine Familie aus ihnen gemacht hat. 4 von 5

Hirn-Aus-Action par excellence – auch wenn Vin Diesel, Charlize Theron und Co. gern noch weniger reden dürfen, will man nach 130 Filmminuten voller irrwitzig-hanebüchener Autostunts nur noch eines: ganz schnell mehr!


 ABGANG MIT STIL | Regie: Zach Braff | USA 2017

Die lebenslangen Freunde Willie (Morgan Freeman), Joe (Michael Caine) und Al (Alan Arkin), genießen den Ruhestand, bis sie eines Tages erfahren, dass die Bank ihre verdiente Rente verjubelt hat. Die drei beschließen, dem beschaulichen Leben als friedlicher Bürger den Rücken zu kehren und erstmals im Leben vom Pfad der Tugend abzuweichen. Als sie die Rechnungen nicht mehr bezahlen und ihre Familien nicht mehr versorgen können, setzen sie alles auf eine Karte und planen einen halsbrecherischen Coup, um eben jene Bank abzuzocken, die sich ihr Altenteil unter den Nagel gerissen hat. In späten Jahren beginnt für die drei Freunde das größte Abenteuer ihres Lebens – zu verlieren haben sie ja nichts.

„Abgang mit Stil“ trägt das Herz am rechten Fleck, hat jede Menge Stil und ist trotz seiner manchmal ein wenig albernen Attitüde tatsächlich richtig lustig. Deshalb, und aufgrund der herausragenden Chemie unter den drei Hauptdarstellern, kann man sich an Zach Braffs neuester Regiearbeit gar nicht sattsehen.


ZU GUTER LETZT |  Regie: Mark Pellington | USA 2017

Harriet Lauler überlässt nichts dem Zufall. Einst eine erfolgreiche Geschäftsfrau, hat sie jeden Aspekt ihres Ruhestands bis ins letzte Detail geplant. Warum sollte es mit ihrem Nachruf anders sein? Die junge Journalistin Anne soll ihn schon zu Harriets Lebzeiten verfassen, stößt aber schon bald auf ein gravierendes Problem: Niemand, wirklich niemand hat ein gutes Wort für Harriet übrig. Mit ihrer Kontrollsucht hat sie so ziemlich jeden vergrätzt, mit dem sie es je zu tun hatte. Wie soll da ein liebenswertes Porträt der zukünftig Verstorbenen entstehen? Die kratzbürstige alte Dame hat ein Einsehen und will auf ihre alten Tage die eigene Biografie noch einmal aktiv umschreiben. Dazu muss sie sich unter anderem mit ihrer Tochter versöhnen, die sie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. So unternehmen Harriet und Anne eine Reise, die alles verändern soll…
3 von 5

„Zu guter Letzt“ ist in jeder Hinsicht durchschnittlich und geht für den Zuschauer zugleich den bequemsten, wie auch den möglichst angenehmsten Weg, wenn er eine Geschichte zeigt, die es so schon dutzendfach auf der Leinwand zu sehen gab. Das Zusammenspiel zwischen Shirley MacLaine und Amanda Seyfried ist allerdings wahrlich hinreißend.


40 TAGE IN DER WÜSTE | Regie: Rodrigo García | USA 2015

Jesus (Ewan McGregor) geht für 40 Tage in die Wüste, um fastend und betend nach Erleuchtung zu suchen. Dort wird er heimgesucht vom Teufel, der sein Vertrauen in Gott erschüttern will. Nach langen Wanderungen findet Jesus Aufnahme bei einer Familie. Der Vater ist dabei, für die Familie in der Wüste ein Haus zu bauen; allerdings trüben Spannungen zwischen Vater und Sohn das Zusammenleben, weil der Junge davon träumt, die Wildnis zu verlassen. Jesus will der Familie helfen, indem er bei der Arbeit anpackt, ihre Sorgen und Wünsche hört und zwischen Vater und Sohn zu vermitteln versucht. Der Teufel macht daraus eine Bewährungsprobe, in der es nicht nur um das Schicksal der Familie, sondern auch um Jesus‘ Mission als Sohn Gottes geht.

„40 Tage in der Wüste“ verfolgt den spannenden Ansatz, nicht nur Jesus in ein völlig neues, menschliches Licht zu rücken, sondern vor allem eine Geschichte zu erzählen, für die die Bibel nur vage Anhaltspunkte bietet. Das Ergebnis ist ein technisch enttäuschender, inhaltlich interessanter aber insgesamt ziemlich sperriger Film.


THE BIRTH OF A NATION – AUFSTAND ZUR FREIHEIT | Regie: Nate Parker | USA 2016

30 Jahre vor Ausbruch des Bürgerkriegs, irendwo im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika: Nat Turner (Nate Parker), ein belesener Sklave und Prediger, arbeitet auf der Plantage von Samuel Turner (Armie Hammer). Als dieser vom Bankrott bedroht wird und das lukrative Angebot erhält, Nats Fähigkeiten als Prediger dafür zu nutzen, renitente Sklaven zu domestizieren, willigt er ein. Im Zuge seiner Tätigkeit wird Nat Zeuge unzähliger Gräueltaten – am eigenen Leib bekommt er sie zu spüren, wie auch seine Frau Cherry (Aja Naomi King) und befreundete Sklaven. Als er nicht mehr weiterweiß, zettelt er einen Aufstand an – in der Hoffnung, so sein Volk in die Freiheit zu führen.

Regisseur Nate Parker lässt die Geschehnisse in seinem äußerst brutal inszenierten „The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit“ nicht für sich sprechen, sondern verlässt sich auf diverse Stilmittel, die das Gezeigte eher verwässern anstatt es zu unterstreichen. Trotz eines interessanten Erzählansatzes ist sein Film leider nur Durchschnitt.


GOLD | Regie: Stephen Gaghan | USA 2016

Eine kühne Idee, ein unglaubliches Abenteuer, ein riesiger Skandal und ein brutaler Absturz: Der Kleinkriminelle Kenny Wells (Matthew McConaughey) giert nach Gold und nach dem großen Durchbruch. Als er auf den zwielichtigen Geologen Michael Acosta (Édgar Ramírez) trifft, starten sie ein waghalsiges Abenteuer in eine ungewisse Zukunft. In den unerforschten Tiefen des Dschungels von Indonesien machen sie sich auf die Suche nach Gold. Was sie dort finden versetzt die Börsenwelt in Aufruhr und bringt ihnen den erhofften Reichtum, doch dahinter könnte auch etwas stecken, was den beiden ihr beschauliches Leben mit einem Schlag zum Einsturz bringt…

„Gold“ ist ein Potpourri bekannter Filme mit ähnlicher Thematik. Technisch ist das alles höchst ansehnlich. Doch so ganz ohne eigene Impulse, geschweige denn ohne irgendwelche interessanten Figuren gerät dieser Abenteuerfilm zu einer echten Geduldsprobe.


Heimkinotipp AUF EINMAL  |  Regie: Asli Özge | DE/NED 2016

Nach der Party in Karstens Wohnung sind alle gegangen, außer Anna. Fasziniert nähert sich Karsten (Sebastian Hülk) dieser geheimnisvollen Frau, als plötzlich ein Unglück passiert. Im Zuge geistiger Umnachtung verlässt der junge Mann die Wohnung und sucht im nahegelegenen Krankenhaus nach Hilfe. Als er wenig später in seine Wohnung zurückkehrt, ist die Frau tot und Karsten muss sich die Frage gefallen lassen, weshalb er nicht einfach den Notarzt gerufen hat. Nach und nach beginnt sein Umfeld, ihn zu meiden. Erst recht, als sich wenig später herausstellt, dass irgendwie keiner so recht weiß, wo diese Anna eigentlich herkam. Es kommt zum Prozess und zu einem Urteilsspruch. Doch beides ist für Karsten noch das geringste Problem, denn sein Umfeld hat sich schon längst seine eigenen Gedanken gemacht…4 von 5

Asli Özge gelingt mit ihrem schwer zu fassenden Drama „Auf einmal“ ein packender Blick in die Weiten der menschlichen Seele – mit all ihren guten und schlechten Seiten.

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