Schlagwort-Archiv: Wessels‘ Weekly

Das startet am 21. Juni 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 21. Juni, der gegen die Fußball-Weltmeisterschaft den einzigen halbwegs großen Studiofilm der kommenden vier Wochen auffährt. Die Rede ist von „Ocean’s 8“, der dann in Ermangelung an Konkurrenz vielleicht auch besser performen könnte, als man es ihm zunächst zutraut – und die letzten drei Filme der Reihe waren hierzulande nicht nur sehr beliebt, in den USA ist das Sequel bereits weit über den Erwartungen gestartet. Qualitativ vergleichbare Konkurrenz findet sich lediglich im Programmkino: Das Drama „The Rider“ gehört zu den einfühlsamsten Filmen des Jahres und ist definitiv einen Blick wert – nicht nur für Pferdefreunde. Eine Woche nach „Hereditary“ gibt es mit „The Strangers: Opfernacht“ darüber hinaus einen sehenswerten Genrebeitrag für Freunde des weniger intellektuellen, aber gleichermaßen effektiveren Gruselkinos.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE RIDER | Regie: Chloé Zhao | USA 2017

Nach einem beinahe tödlichen Rodeo-Unfall muss sich der junge Cowboy Brady Blackburn (Brady Jandreau) mit der Tatsache abfinden, dass er nie wieder reiten kann, und stürzt in eine existentielle Identitätskrise: Immerhin definiert ihn nicht nur seine Umwelt, sondern vor allem auch er selbst als Sioux-Nachkomme sich vornehmlich über seine Arbeit mit Pferden. Fortan aufs Reiten zu verzichten, kommt für ihn einem Super-GAU gleich. Schwer wiegen zudem der abschätzige Blick seines Vaters, der Abschied von seinen enttäuschten Fans und das Fehlen des einzigartigen Gefühls der Freiheit, das ihn auf dem Rücken eines Pferdes durchströmt. Doch Brady gibt nicht auf und versucht, mit den edlen Vierbeinern in Kontakt zu bleiben. Als er den jungen Hengst Apollo kennenlernt, findet er plötzlich wieder zu einer Aufgabe und damit zu neuem Lebensmut zurück…

Chloé Zhaos dokumentarisches Drama „The Rider“ entzaubert den Mythos vom unverwundbaren Cowboy und blickt gleichermaßen schonungslos wie einfühlsam hinter die Fassade dieser leidenschaftlichen Pferdemenschen.


OCEAN’S 8 | Regie: Gary Ross | USA 2018

Fünf Jahre, acht Monate und zwölf Tage ist es her, seit die sagenhafte, gerade aus der Haft entlassene, Debbie Ocean (Sandra Bullock) mit der Planung ihres größten Coups begonnen hat. Dazu braucht sie das bestmögliche Team – allen voran ihre ehemalige Komplizin Lou (Cate Blanchett). Gemeinsam rekrutieren die beide weitere Spezialistinnen: Juwelierin Amita (Mindy Kaling), Trickbetrügerin Constance (Awkwafina), Hehler-Expertin Tammy, Hackerin Nine Ball und Modedesignerin Rose Weil . Ihre begehrlichen Augen richten sich auf Diamanten im Wert von 150 Millionen Dollar – diese Diamanten sollen den Hals der weltberühmten Schauspielerin Daphne Kluger (Anne Hathaway) zieren, die den Mittelpunkt des diesjährigen Superevents bildet: die Met Gala. Der Plan scheint hieb- und stichfest – falls er ohne Zwischenfälle über abläuft: Das Team will sich die Klunker einfach schnappen und verduften…

Gary Ross‘ Heist-Komödie „Ocean’s 8“ kann der „Ocean’s“-Reihe wenig neue Facetten hinzufügen und bleibt auch optisch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das ändert aber nichts daran, dass der Coup dieses sexy-smarte Frauen-Ensembles einen diebischen Spaß bereitet.


THE STRANGERS: OPFERNACHT  | Regie: Johannes Roberts | UK/USA 2018

Cindy (Christina Hendricks) und ihr Ehemann Mike (Martin Henderson) begeben sich mit ihrer rebellischen Teenager-Tochter Kinsey (Bailee Madison) und ihrem Sohn Luke (Lewis Pullman) in den Familienurlaub, kurz bevor ein wichtiger Schulwechsel ansteht. Doch der Trip entpuppt sich schon bald als unvorstellbarer Albtraum, denn dort, wo es die Familie hinzieht, wären sie am besten nie gewesen. Nachdem die Vier ihre Unterkunft in einem abgelegenen Trailerpark bezogen haben, beginnt mit einem Klopfen an der Tür eine Nacht voller Terror, aus der es kein Entrinnen gibt. Drei maskierte Fremde mit tödlichen Absichten zwingen die Familie dazu, gemeinsam um ihr Leben zu kämpfen. Und auf die Frage nach dem „Warum“ findet die berühmt berüchtigte Dollface eine simple Antwort: „Warum nicht?“…

Johannes Roberts gelingt mit „The Strangers: Opfernacht“ ein nostalgischer Trip in bekannte Genregefilde. Sein sich visuell und akustisch stilsicher am Horrorkino der Achtziger orientierender Slasher schürt effektiv Angst und bietet ein beklemmendes Wiedersehen mit den unberechenbarsten Killern jüngerer Horrorgeschichte.


ALLEIN UNTER SCHWESTERN | Regie: Ineke Houtman | NED 2017

Der 12-jährige Kos hat es nicht leicht. Der talentierte, von Mädchen umschwärmte Nachwuchs-Fußballer wohnt nach dem Tod der Mutter mit den drei Schwestern Libbie, Briek und Pel sowie seinem Vater in einem Hotel an der holländischen Küste. Doch um das „Hotel zum großen L“ steht es schlecht – als Kos‘ Vater aufgrund eines Herzinfarkts auch noch ins Krankenhaus eingeliefert wird, müssen die vier Geschwister das Haus am Laufen halten. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn die Kinder liegen überhaupt nicht auf einer Wellenlänge. Erst als sich ein Gerichtsvollzieher ankündigt, beginnen sie, am selben Strang zu ziehen. Die vier müssen innerhalb weniger Tage 7000 Euro auftreiben, um zu verhindern, dass das Hotel und damit ihr Zuhause geschlossen wird. Als ganz in der Nähe eine mit einem hohen Preisgeld dotierte Misswahl für Mädchen von 12 bis 18 Jahren stattfindet, wittern die Vier ihre große Chance… 

„Allein unter Schwestern“ ist eine unkonventionelle und charmante Familienkomödie, die durch einige merkwürdige Ideen des Drehbuchautoren zeitweise irritiert, am Ende allerdings zum allgemeinen Wohlgefallen aufgelöst wird.


AM STRAND | Regie: Dominic Cooke | UK 2017

Im Jahre 1962 lernen sich zwei junge Menschen kennen, die unterschiedlicher nicht sein können: Florence Ponting  stammt aus einer angesehenen, wohlhabenden Familie, die in den besten Kreisen verkehrt.  Der junge Edward Mayhew hingegen ist in einer chaotischen, aber umso liebevolleren Umgebung aufgewachsen. Zu Beginn ihrer Beziehung ist Florence eine sehr begabte, ambitionierte Geigerin, die mit ihrem Streichquartett große Pläne hat und als berühmte Musikerin in ausverkauften Konzertsälen spielen möchte. Edward hat gerade sein Studium an der UCL mit einem Abschluss in Geschichte beendet. Zwischen den beiden so unterschiedlichen jungen Menschen entwickelt sich eine izärtliche Liebe. In einem Bereich ihrer Beziehung tun sich beide jedoch schwer: Sie haben keine Erfahrung im intimen Umgang mit dem anderen Geschlecht…

Die Verfilmung des berühmten Romans „Am Strand“ erlaubt sich einen intimen Einblick in die Gefühlswelt eines sexuell unerfahrenen Paares, bleibt der guten Schauspielleistungen zum Trotz aber in vielen Beobachtungen zu oberflächlich, um wirklich mitzureißen.


NICHT OHNE ELTERN  | Regie: Vincent LobelleSébastien Thiery | FR/BEL 2017

Monsieur Prioux (Christian Clavier) versteht die Welt nicht mehr. Bis gestern führte er mit seiner Frau Laurence (Catherine Frot) ein zufriedenes und geruhsames Leben. Die Behaglichkeit hat eines Tages jedoch ein Ende, als auf einmal im Supermarkt dieser seltsame Typ namens Patrick (Sébastien Thiéry) auftaucht. Noch seltsamer wird es als Patrick später auch noch unangemeldet unter ihrer Dusche steht und schließlich sogar behauptet, dass er ihr Sohn sei. Kann nicht sein. Die Priouxs haben keine Kinder! Und doch scheint alles darauf hinzudeuten, dass Patrick wirklich ihr Sohn ist. Handelt es sich bei der absurden Behauptung um einen üblen Scherz? Oder ist Patrick schlicht ein gerissener Betrüger? Die Priouxs stehen vor einem Rätsel. Doch Madame Prioux beginnt zu allem Überfluss, Patrick in ihr Herz zu schließen. Das wird Monsieur Prioux dann doch zu viel und er beschließt zu handeln… 

Man muss es der französischen Gaga-Komödie „Nicht ohne Eltern“ lassen, dass die Macher eine hanebüchene Prämisse voller Absurdität und fehlendem Realismus konsequent und selbstbewusst auf die Spitze treiben. Daraus ergeben sich teilweise nicht nur bloßes Kopfschütteln, sondern auch einige große Lacher. Doch insgesamt schaut man dem Geschehen dann doch eher mit Ungläubigkeit zu.


HALALELUJA – IREN SIND MENSCHLICH  | Regie: Conor McDermottroe | IRE/DE/FR 2017

Ein Inder in Irland – der junge Ragdan hat schon vor einigen Jahren Reißaus genommen vor den traditionellen Heiratsplänen, die sich sein Vater für ihn ausgedacht hat. In Sligo, einem kleinen irischen Küstenort, hat er bei seinem Onkel ein neues Leben gefunden, neue Freunde, riesige Wellen zum Surfen und Maeve, seine große Liebe. Doch ausgerechnet am Abend seiner Geburtstagsparty stößt er Maeve vor den Kopf. Plötzlich steht auch noch sein Vater mit einem völlig absurden Geburtstagsgeschenk vor der Tür: einem Schlachthof, den er zusammen mit seinem Vater in einen Halal-Betrieb verwandeln soll. In Sligo, wo die Arbeit knapp ist, sorgt das neue Unternehmensprojekt für jede Menge Trubel. Egal, wer schon einmal etwas mit Fleisch zu tun hatte, wird angeheuert, um die Dorfbewohner mit Halal-Gulasch zu besseren Menschen zu machen. Ein edles Ansinnen, auf das die Sligoer aber nicht unbedingt gewartet haben…


Heimkinotipp: ANIMALS – STADT LAND TIER | Regie: Greg Zglinski | CH/AT/POL 2017

Die Beziehung von Anna (Birgit Minichmayr) und Nick (Philipp Hochmair) hat Risse bekommen, auch weil er mit ihrer Nachbarin Andrea (Mona Petri) schläft, was Anna längst gemerkt hat. Daher beschließen die beiden, sich gemeinsam eine Auszeit in den Schweizer Alpen zu nehmen und ihr Haus in die Hände von Andrea (Mona Petri) zu übergeben. Die Kinderbuchautorin möchte dort endlich einen Roman für Erwachsene schreiben und der Restaurantbetreiber plant ein Kochbuch über vergessene Schweizer Gerichte, wofür er regelmäßig allein auf Tour durch die Schweiz ist.  Auf der Fahrt ins vermeintliche Idyll haben sie einen Unfall – mit einem Schaf. Sie selber erleiden dabei Verletzungen, können aber die Reise fortsetzen. Dennoch ist nach dem Unfall nichts mehr wie vorher…

Manche offene Fragen in „Animals – Stadt Land Tier“ wirken so, als hätte Regisseur Greg Zglinski selbst keine Antwort darauf. Das erhöht zwar den Mindfuck-Faktor dieses atmosphärisch dichten Psychodramas, wirkt im Detail allerdings ein wenig unbeholfen. Der Spannung tut das jedoch keinen Abbruch.

Das startet am 14. Juni 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 14. Juni, der die blockbusterfreie Zeit einläutet und mit dem Horrordrama „Hereditary“ einen der besten Filme dieses Jahres zu bieten hat. Dieses Monster sollte sich wirklich keiner entgehen lassen, der nicht völlig zart besaitet ist! Auch das britische Drama „Vom Ende einer Geschichte“ gefällt in seiner ambitionierten Erzählung und dürfte all jene zufriedenstellen, die mit Grusel nichts am Hut haben. Während ein paar durchschnittliche Vielleicht-vielleicht-auch-nicht-Produktionen mal mehr und mal weniger überzeugen, sollte man um den furchtbaren „Das ist erst der Anfang“ derweil einen großen Bogen machen. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

HEREDITARY – DAS VERMÄCHTNIS | Regie: Ari Aster | USA 2018

Familie Graham führt ein beschauliches Leben: Annie Graham (Toni Collette) ist eine liebevolle Mutter und Künstlerin, die kleine Miniaturmodelle ihrer Umgebung baut. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und den beiden Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro) etwas abgelegen am Waldrand. Als Annies Mutter Ellen, das Oberhaupt der Familie, stirbt, muss sich die Familie nicht bloß mit ihrer Trauer abfinden, sondern auch mit mysteriösen und grauenhaften Ereignissen auseinandersetzen. Nach und nach kommen die furchterregenden Geheimnisse ihrer Vorfahren ans Licht. Für Annie, Steve, Peter und Charlie beginnt plötzlich ein Wettlauf gegen ihr dunkles und unheilvolles Schicksal, welches ihre Ahnen ihnen hinterlassen haben, doch dafür ist es eigentlich schon zu spät…

Man könnte lange drumherum reden, relativieren und sich an Kleinigkeiten der Haarspalterei hingeben. Doch je länger man das versucht, desto mehr wird einem bewusst, dass Ari Aster mit „Hereditary – Das Vermächtnis“ einen Film abgeliefert hat, der sich im Großen und Ganzen mit keinem anderen vergleichen lässt. Im Jahr 2018, in dem man eigentlich schon alles gesehen haben dürfte, lässt das nur einen Schluss zu: „Hereditary“ ist einer der besten Horrorfilme aller Zeiten!


VOM ENDE EINER GESCHICHTE | Regie: Ritesh Batra | UK 2017

Tony Webster (Jim Broadbent) ist glücklich geschieden und lebt ein zurückgezogenes, ereignisloses Leben. Vor vielen Jahren waren er und die schöne Studentin Veronica ein Paar, bis sie sich damals überraschend für seinen besten Freund Adrian entschied. Was nach dessen Selbstmord aus seiner großen Liebe wurde, hat er nie herausgefunden. Doch die unerwartete Erbschaft von Adrians Tagebuch, das sich im Besitz von Veronicas Mutter Sarah befand, stellt plötzlich sein ganzes Leben auf den Kopf und weckt ungeahnte Zweifel an den vermeintlich sicheren Tatsachen der eigenen Biografie. Als er sich nach all den Jahren mit Veronica (Charlotte Rampling) trifft, erhofft er sich Aufklärung über das, was damals tatsächlich geschah. Und je tiefer Tony in seiner Vergangenheit gräbt, desto mehr beginnt er, sein bisheriges Leben infrage zu stellen… 

„The Lunchbox“-Regisseur Ritesh Batra erweckt mit seiner Arbeit den vermeintlich unverfilmbaren Roman „Vom Ende einer Geschichte“ zum Leben. Das Ergebnis ist ein stark gespieltes, clever erzähltes Drama, das trotz einiger Holprigkeiten mitreißt und berührt.


OVERBOARD  | Regie: Rob Greenberg | USA 2018

Leonardo ist ein egoistischer, verwöhnter, reicher Frauenheld aus Mexikos reichster Familie, Kate eine hart arbeitende alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die angeheuert wird, um Leonardos Luxus-Yacht nach einer Party sauber zu machen. Nachdem Leonardo Kate ungerechter Weise feuert und sich weigert, sie zu bezahlen, fällt Leonardo im Feierrausch von Bord und wacht ohne Erinnerungen an der Küste Oregons auf. Kate taucht im Krankenhaus auf und überzeugt Leonardo, dass sie verheiratet sind und schickt ihn aus Rache zur Arbeit – zum ersten Mal in seinem Leben. Obwohl er zu Beginn sehr überfordert und unbeholfen agiert, findet er sich in seinem neuen Leben langsam zurecht. Mit der Zeit verdient er sich den Respekt seiner „Familie“ und Kollegen. Aber kann die neue Familie Bestand haben, wenn Leonardos Milliardärs-Familie nach ihm sucht und sein Gedächtnis jederzeit zurückkehren kann?  

„Overboard“ ist ein qualitatives Auf und Ab. Die Komödie beginnt nervtötend, wird im Mittelteil richtig herzlich und endet auf einer soliden Note. In erster Linie ist der Film aber ohnehin ein beeindruckendes Bewerbungsvideo für den hierzulande noch viel zu unbekannten Eugenio Derbez.


DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEILA | Regie: Yvan Attal | FR 2017

Neïla Salah hat es geschafft. Sie wurde an der renommierten Pariser Assas Law School angenommen und ist auf dem Weg, sich endlich ihren großen Traum zu erfüllen und Anwältin zu werden. Doch schon am ersten Tag läuft alles schief. Neïla kommt zu spät. Ausgerechnet zur Vorlesung von Professor Pierre Mazard , der für sein provokantes Verhalten und seine verbalen Ausfälle bekannt ist. In seiner so gar nicht politisch-korrekten Art nimmt er die junge Studentin vor versammeltem Hörsaal aufs Korn. Doch diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen. Mazard wird von der Universitätsleitung vor die Wahl gestellt: Entweder er verlässt die Uni oder er glättet die Wogen, indem er Neïla hilft, einen prestigeträchtigen Rhetorikwettbewerb zu gewinnen. Neïla ist alles andere als begeistert über das unerwartete Engagement – schließlich könnten sie und der zynische, elitäre Professor nicht unterschiedlicher sein… 

Die französische Tragikomödie „Die brillante Mademoiselle Neila“ ist lange Zeit eine charmante Geschichte über die Annäherung zweier grundverschiedener Persönlichkeiten, garniert mit jeder Menge Hintergrundwissen über die Funktionalität von Rhetorik. Im letzten Drittel nimmt der Film dann aber eine Wendung, die sehr zu Lasten von Glaubwürdigkeit und Authentizität geht.


PAPST FRANZISKUS – EIN MANN SEINES WORTES | Regie: Wim Wenders | CH/VAT/IT/DE/FR 2018

Im Zentrum dieses Porträts stehen die Gedanken des Papstes Franziskus, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Filmes lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, spricht über Umweltfragen, soziale Gerechtigkeit und sein Engagement für Frieden an den Kriegsschauplätzen dieser Welt und zwischen den Weltreligionen. In einer Zeit, in der das Misstrauen gegenüber Politikern groß ist und in der Lügen, Korruption und „alternative Fakten“ unser Leben bestimmen, bringt uns der Film einen Mann näher, der lebt, was er predigt, und dem die Menschen aller Glaubensrichtungen, aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Kulturen ihr Vertrauen schenken. 

Wim Wenders erzählt in seiner Dokumentation „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ in erster Linie von der Bedeutung seiner Hauptfigur für seine Anhänger und über Kirchengrenzen hinaus. Der Einblick in das Wirken und Schaffen des Papstes gerät abwechslungsreich und beeindruckend, doch ein wenig mehr Offenheit für Kritik an der Person hätte dem Film gut getan.


DAS IST ERST DER ANFANG  | Regie: Ron Shelton | USA 2017

Duke Diver liebt seinen Job als Manager des luxuriösen Resorts Villa Capri im kalifornischen Palm Springs. Seine Vergangenheit mag zwar nicht astrein sein. Aber wenn es darum geht, das Leben der gutgelaunten Bewohner der Villa zu einer einzigen großen Party zu machen, ist er unschlagbar. Seine Schützlinge fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes als „Best Ager“: Er flirtet mit den Damen, pokert mit den Herren, und auf dem Golfplatz ist er sowieso der Größte. Dieses sonnige Gleichgewicht des dolce-far-niente gerät aus den Fugen, als Leo in die Villa einzieht. Der Ex-Militär und erfolgreiche Geschäftsmann entpuppt sich nicht nur als Charmebolzen, sondern obendrein als exzellenter Golfer! Plötzlich ist Dukes Position gefährdet, und der Machtkampf zwischen den männlichen Alphatieren eröffnet. Wer ist in Zukunft die Nummer Eins? Und wer kann bei der unerwartet auftauchenden, mysteriösen und äußerst reizvollen Suzie punkten? 

Die eineinhalb Stunden von „Das ist erst der Anfang“ fühlen sich so an, als sähe man Morgan Freeman und Tommy Lee Jones beim Untergang zu. Die beiden Darsteller schlafwandeln sich durch ein totlangweiliges Skript, was dazu führt, dass diese Komödie zu keinem Zeitpunkt lustig ist.


STERNENJÄGER – ABENTEUER NACHTHIMMEL  | Regie: Christian Schidlowski u.A. | DE 2018

Der ungetrübte Blick in den Sternenhimmel ist im Zeitalter extensiver Beleuchtung nur in den entlegensten Gegenden möglich. Die international renommierten Astrofotografen zieht es an Orte, an denen das Licht unserer Zivilisation die Sterne nicht verblassen lässt: Sie gehen auf die Jagd nach Meteoritenschauern in den australischen Outbacks, sie reisen auf der Iceroad zu den Polarlichtern Nordkanadas, in die Atacama Wüste und auf die Hochebenen bis über 5000 Meter nach Chile. Weitere Expeditionen führen sie ins winterliche Norwegen auf der Suche nach geheimnisvollen Lichtern und zur totalen Sonnenfinsternis auf die indonesischen Molukken. Auf ihren Reisen treffen die Fotografen auf die Ureinwohner der Regionen und erfahren viel über die Bedeutung des Sternenhimmels in deren Kultur, müssen aber auch immer wieder mit vielen Hindernissen und Widrigkeiten kämpfen und verbringen Nächte in der Wildnis.


Heimkinotipp: THE DISASTER ARTIST | Regie: James Franco | USA 2017

Es gibt verschiedene Wege, um eine Legende zu werden! Das beste Beispiel dafür ist Tommy Wiseau, zum damaligen Zeitpunkt der schlechteste Filmemacher aller Zeiten, der diesen Status bis heute nicht losgeworden ist. Von Schauspielschulen abgelehnt, beschließt der gebürtige Pole Anfang der Zweitausenderjahre, gemeinsam mit seinem besten Freund Greg – ebenfalls hoffnungsloser Schauspieler –, selbst einen Film zu drehen. Er schreibt das Drehbuch zu „The Room“, organisiert ein Filmteam und beginnt, zu drehen. Doch während dieser Zeit kommt es nicht bloß zu Auseinandersetzungen zwischen Tommy und der Crew, auch seine Freundschaft mit Greg wird auf eine harte Probe gestellt. Am Ende wird „The Room“ als miesester Film aller Zeiten in die Geschichte eingehen – und einen Kult auf den Weg bringen, den bis heute keiner so richtig versteht. 

Mit „The Disaster Artist“ verneigt sich James Franco vor der Leidenschaft am Filmemachen und erzählt eine – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Brüllen komische Geschichte darüber, wie es ist, seinen Träumen zu folgen, selbst wenn Niemand an einen glaubt.

Das startet am 7. Juni 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 7. Juni, an dem mit „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ der letzte große Mega-Blockbuster vor der inoffiziellen Fußballpause startet. Der Presse wurde er bislang noch nicht gezeigt. Mehr zum Film gibt es hier daher erst ab dem 5. Juni. Gegen eine derartige Konkurrenz hat sonst kein anderer Verleih etwas zu melden. Lediglich im Heimkino gibt’s ab Donnerstag einen der besten Filme des Jahres zu sehen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

Starttag 6. Juni: JURASSIC WORLD: DAS GEFALLENE KÖNIGREICH | Regie: J.A. Bayona | USA/ESP 2018

Drei Jahre sind vergangen, seit bei einem dramatischen Zwischenfall der Themenpark Jurassic World samt Luxus-Resort von gefährlichen Dinosauriern zerstört wurde. Seit die Menschen von der Isla Nublar fliehen mussten, behaupten sich nun die übrig gebliebenen Saurier als unangefochtene Herrscher des Dschungels. Doch als der inaktiv geglaubte Vulkan der Insel anfängt zu brodeln, müssen Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard) zurückkehren, um die letzten Dinosaurier vor dem Aussterben zu bewahren. Die Rettungsaktion erweist sich als gefährlicher als gedacht, da es auf dem von Beben erschütterten Terrain der Insel  bereits bei ihrer Ankunft Lava regnet. Während Owen verzweifelt versucht, seinen Raptor Blue zu retten, kommen die übrigen Expeditionsmitglieder einer Verschwörung auf die Spur, durch die die Erde in den lebensfeindlichen Zustand der Urzeit zurückkatapultiert werden könnte. 

„Jurassic World: Das gefallene Königreich“ ist visuell der bislang bestausehende des gesamten Franchises und punktet in erste Linie durch seine beeindruckende und betont düstere Inszenierung. Dadurch fallen die erzählerischen Schwächen nicht mehr ganz so stark ins Gewicht, aber vorhanden sind sie trotzdem. Mit einem besseren Drehbuch wäre hier noch deutlich mehr drin gewesen.


GOODBYE CHRISTOPHER ROBIN | Regie: Simon Curtis | UK 2017

Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg leidet der Veteran Alan Milne unter einem entsetzlichen Trauma. Immer wieder hört er nachts die dröhnenden Bombeneinschläge, liegt wach und treibt damit auch seine ihn liebende Ehefrau Daphne langsam in den Wahnsinn. Als beide ihren ersten Sohn Christopher Robin bekommen, könnte sich das allerdings ändern. Nach einer schwierigen Geburt fällt es der jungen Frau schwer, eine Verbindung zu ihm aufzubauen und so wird Alan schnell zu Christophers engster Bezugsperson. Immer häufiger spielen die beiden im Wald – immer mit dabei: Christophers Kuscheltiere. Diese Erlebnisse inspirieren Alan zum Schreiben eines Kinderbuches, in dessen Mittelpunkt ein kleiner Junge und seine vielen tierischen Freunde aus dem Hundertmorgenwald stehen. Der Roman wird zu seinem bisher größten Erfolg – und die Welt bekommt plötzlich mit, dass es Christopher Robin wirklich gibt… 

„Goodbye Christopher Robin“ hätte als kontroverse Geschichte rund um die Entstehung der „Winnie Pooh“-Abenteuer das Potenzial für ein ergreifendes Drama gehabt, doch den Machern war viel zu sehr daran gelegen, eine Harmonie walten zu lassen, die es ganz offensichtlich nicht gab.


SWIMMING WITH MEN  | Regie: Oliver Parker | UK 2018

Eric (Rob Brydon) steckt mitten in der Midlife-Crisis: Während seine Frau in der Lokalpolitik aufsteigt, entfremdet sich der Teenager-Sohn täglich mehr von ihm und sein Job als Buchhalter langweilt ihn unsäglich. Als er abends seine gewohnten Bahnen im Schwimmbad zieht, bemerkt er plötzlich etwas Merkwürdiges: Eine bunt zusammengemischte Gruppe an Männern gleitet rhythmisch neben ihm durchs Becken. Den Synchronschwimmern fehlt jedoch noch ein Mann, um tatsächlich kunstvollere Schwebefiguren ins Wasser zu zaubern. Unversehens wird Eric in der herzlichen Amateurtruppe aufgenommen. Und während das Ballett in Badehosen tatsächlich immer besser wird, findet auch Eric neuen Mut sein Leben nochmal auf den Kopf zu stellen und seiner Frau zu beweisen, dass weitaus mehr in ihm steckt als sie für möglich hielt. 

Oliver Parkers „Swimming With Men“ ist nichtssagender Komödien-Einheitsbrei, der aus seiner interessanten Grundidee vermutlich deshalb nur wenig herausholen kann, weil die Dokumentation von vor acht Jahren schon alles gezeigt hat.


AUF DER SUCHE NACH OUM KULTHUM | Regie: Shirin Neshat, Shoja Azari | DE/AT/IT/MAR 2017

Für Mitra (Neda Rahmanian), eine ehrgeizige Künstlerin, Mutter und Ehefrau in den besten Jahren, geht nach vielen Jahren ein lang gehegter Traum in Erfüllung: sie kann endlich den Film über eine ihrer größten Heldinnen, die legendäre, orientalische Sängerin Oum Kulthum, drehen, von der sie seit jeher fasziniert ist. Im Zentrum ihres Films sollen die Opfer und der Preis, den Oum Kulthum für ihren Erfolg in einer konservativ-geprägten, muslimischen Gesellschaft zahlen musste, stehen. Penibel plant Mitra ihren Film, doch als die Dreharbeiten bereits in vollem Gange sind, verschwindet auf einmal Mitras jugendlicher Sohn. Die Sorge um ihn und die zunehmende Schwierigkeit, den Mythos Oum Kulthum sowie die Frau und Künstlerin dahinter zu ergründen und für andere Menschen aufzubereiten, führen letztlich zu Mitras emotionalen und künstlerischen Zusammenbruch. Wird sie sich wieder aufraffen und ihre Arbeit zu Ende bringen können?


WOLF AND SHEEP  | Regie: Shahrbanoo Sadat | AF 2016

Irgendwo in den Bergen von Afghanistan: Kurz nachdem der Vater des elfjährigen Quodrat beerdigt wurde, soll seine Mutter gegen ihren Willen mit einem alten Mann, der bereits zwei Frauen hat, wiederverheiratet werden. Genau dafür wird Qodrat von seinen Freunden gehänselt. Daher streift er mit seinen Schafen am liebsten alleine durch die abgelegene Region und genießt die Einsamkeit. Seine Wege kreuzen sich dabei immer wieder mit der gleichaltrigen Sediqa, die sich auch täglich um eine kleine Schafherde kümmert. Ihr geht es ähnlich wie Qodrat: Auch sie wird von den Mädchen gemieden, weil sie das Böse in sich trage. Ihre Großmutter sei nämlich von einem bösen Geist in Gestalt einer Schlange verhext worden. Die beiden Außenseiter werden schnell Freunde, auch wenn sie wissen, dass sie eigentlich nicht zusammen sein dürften, weil sich dies für Mädchen und Jungen nicht gehört.


MANTRA – SOUNDS INTO SILENCE  | Regie: Georgia Wyss | ESP/FR/GRE/IND/RUS/USA/UK 2017

„Mantra“ zeigt, wie intensiv Klänge in einer pausenlos kommunizierenden Welt wirken können. Auf der Suche nach Konzentration, Gemeinschaft und Verbindung wenden sich international zahllose Menschen einer uralten Form des menschlichen Zusammentreffens zu – dem gemeinsamen Singen. Eine Form dieses Phänomens ist der so genannte „Kirtan“, bei dem Mantras gesungen werden. Dienten die traditionellen Klangformeln aus Indien im Westen anfangs lediglich der Untermalung von Yogastunden, erreicht ihre Kraft nun ein breites Publikum – bis hin zu Grammy-Nominierungen für die im Film portraitierten Szenestars wie Deva Premal & Miten, Krishna Das, Jai Uttal und Dave Stringer. Auf Konzerten, Festivals, in Alltagssituationen und ungewöhnlichen Locations wie dem San Quentin Prison bei San Francisco zeigt „Mantra“, wie sich beim Chanten Grenzen auflösen und Menschen wieder zu sich selbst finden.


Heimkinotipp: THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI | Regie: Martin McDonagh|UK/USA 2017

Nachdem Monate vergangen sind, ohne dass der Mörder ihrer Tochter ermittelt wurde, greift die resolute Mildred Hayes (Frances McDormand) zu einer aufsehenerregenden Maßnahme. Sie lässt drei Reklametafeln an der Stadteinfahrt von Ebbing, dort wo ihre Tochter vergewaltigt und umgebracht wurde, mit provozierenden Sprüchen bedrucken, die an den städtischen Polizeichef, den ehrenwerten William Willoughby (Woody Harrelson), gerichtet sind, um ihn zu zwingen, sich endlich um den Fall zu kümmern. Als sich dessen rechte Hand, Polizist Dixon (Sam Rockwell), ein Muttersöhnchen mit Hang zur Gewalt, einmischt, nimmt der Konflikt zwischen Mildred und den Ordnungshütern des Städtchens schockierende Ausmaße an. 

Martin McDonaghs Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist alles. Sie ist Liebe, sie ist Hass. Sie ist Lachen, sie ist Weinen. Sie ist Hoffnung, sie ist Resignation. Sie ist Vergebung, sie ist Rache. Vor allem aber ist sie wohl die Erkenntnis, dass das Eine manchmal nicht ohne das Andere geht.

Das startet am 31. Mai 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 31. Mai, an dem, eine Woche nach „Solo“ ,erst einmal keine großen Filme starten. Dafür gibt es mit dem Western „Feinde – Hostiles“ einen Film zu sehen, der möglicherweise in einigen Monaten bei den Awards eine Rolle spielen könnte. Mit „Tully“ meldet sich Jason Reitman zurück in alter Stärke und neben ein paar interessanten Produktionen aus Deutschland überrascht außerdem die zwar naive, aber zuckersüße Fantasy-Romanze „Letztendlich sind wir dem Universum egal“. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

FEINDE – HOSTILES | Regie: Scott Cooper | USA 2017

New Mexico, 1892: Der verdiente Offizier Joseph Blocker erhält den Auftrag, den kranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk, der die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, in dessen Stammesland nach Montana zu begleiten. Der letzte Wunsch des als unerbittlich bekannten Indianers ist es, zu Hause zu sterben. Blocker und Yellow Hawk haben eine gemeinsame Vergangenheit, weswegen Blocker den Auftrag nur äußerst widerwillig annimmt. Gemeinsam mit einigen Soldaten und der Familie des Häuptlings bricht die Truppe auf. Unterwegs stoßen sie auf die junge Witwe Rosalie, deren gesamte Familie kaltblütig von Komantschen umgebracht wurde. Die traumatisierte Frau schließt sich ihnen an und die Gruppe setzt ihren gefährlichen Weg quer durch das unwegsame Land und eine extrem feindselige Umgebung fort… 

Mit „Feinde – Hostiles“ gelingt Regisseur und Drehbuchautor Scott Cooper eine fesselnde Geschichte über Kampf und Versöhnung und beweist vor einer beeindruckend kargen Kulisse, dass selbst die härtesten Konflikte aufgebrochen werden können, wenn beide Parteien dazu bereit sind – ein zeitloser Film.


TULLY  | Regie:  Jason Reitman | USA 2018

Marlo (Charlize Theron) hat gerade erst ihr drittes Kind bekommen, als ihr Bruder Craig (Mark Duplass) ihr ein besonderes Geschenk macht: Eine „Night nanny“, die sich nachts um die Kinder kümmern soll, damit sich Marlo und ihr Mann Drew (Ron Livingston) von den Strapazen des Tages erholen können. Marlo ist zunächst skeptisch gegenüber dem Gedanken, Hilfe von einer fremden Person anzunehmen. Eigentlich, glaubt Marlo, muss sie mit ihren Kindern alleine klar kommen. Das ändert sich allerdings, als sie die junge, schlaue und witzige Nanny namens Tully (Mackenzie Davis) kennenlernt. Es entwickelt sich eine einzigartige Freundschaft zwischen den beiden ganz unterschiedlichen Frauen und Marlo blüht das erste Mal seit Jahren so richtig auf… 

„Tully“ ist ein würdevolles Plädoyer für sämtliche Facetten des Mutterseins, für das sich Charlize Theron in der Hauptrolle für diverse Filmpreise der kommenden Saison qualifiziert und dem Namen Jason Reitman zu neuem Glanz verhilft.


BACK FOR GOOD | Regie: Mia Spengler | DE 2017

Reality-TV-Sternchen Angie kommt frisch aus dem Drogenentzug. Eigentlich sollte das Ganze nur eine PR-Aktion sein, mit der sie sich einen Platz im nächsten Dschungelcamp sichern wollte. Doch die Konkurrenz ist hart in einer Welt in der Aufmerksamkeit als Währung gilt. Keiner ihrer sogenannten Freunde ist bereit sie aufzunehmen. Daher muss Angie zurück zu ihrer Mutter Monika in ihr Heimatkaff ziehen. Ähnlich schwer hat es Angies pubertierende Schwester Kiki: Wegen ihrer Epilepsieerkrankung besteht Monika darauf, dass sie einen Schutzhelm trägt. Dieser isoliert sie von allen anderen Jugendlichen in ihrem Umfeld. Dabei will Kiki doch einfach nur dazu gehören. Ein Gefühl, das Angie sehr gut kennt. Als sie die Luftmatratze neben Kikis Bett bezieht, ist sie für ihre kleine Schwester wie ein Engel mit Silikonbrüsten, der perfekte Ratgeber, wenn es darum geht, sich aus der sozialen Isolation zu befreien. 

Mia Spenglers Tragikomödie „Back for Good“ erzählt authentisch und ergreifend aus einem Milieu, das im Kino gern unterbelichtet bleibt. Dabei prallen Gegensätze immer wieder derart drastisch aufeinander, dass man oft befürchtet, das Konzept könnte nicht aufgehen. Doch genau das tut es – auch, weil die Darsteller eine wahre Wucht sind.


ZWEI IM FALSCHEN FILM | Regie: Laura Lackmann | DE 2017

Hans nennt seine Freundin „Heinz“ – das sagt eigentlich schon alles über ihre Beziehung. Sie sind ein ganz normales Paar, dessen Liebe in die Jahre gekommen ist. Hans arbeitet im Copyshop und Heinz, eigentlich Schauspielerin, ist zur Synchronstimme einer Zeichentrickampel verkommen. Die Abende verbringen sie in trauter Zweisamkeit Chips essend und Video spielend in Jogginghose auf dem Sofa. Kurz gesagt: Ihrer Beziehung ist das gewisse Etwas abhandengekommen. Das fällt ihnen allerdings erst auf, als sie an ihrem Jahrestag ins Kino gehen, ein Liebesfilm steht auf dem Programm. Nur die romantische Stimmung von der Leinwand will nicht so recht auf die beiden überspringen. Als Hans dem Ex-Freund von Heinz auch noch bereitwillig ihre Nummer gibt, statt eine Eifersuchtsszene zu machen, schrillen bei Heinz alle Alarmglocken: Das kann keine echte Liebe sein! 

Mit „Zwei im falschen Film“ gelingt Laura Laura Lackmann eine unkonventionelle Anti-RomCom, in der sich zwei Menschen einer intimen Beziehungsanalyse unterziehen müssen. Dabei bleibt – in jeder Hinsicht – kein Auge trocken. Und am Ende dürfte sich jeder mindestens einmal in einer der vielen Figuren wiedererkennen.


LETZTENDLICH SIND WIR DEM UNIVERSUM EGAL  | Regie: Michael Sucsy | USA 2018

Rhiannon ist 16 und muss sich mit den alltäglichen Widrigkeiten des Teenager-Lebens herumschlagen: Liebeskummer, Unsicherheit, Gefühlschaos. Doch dann verliebt sich das Mädchen in eine mysteriöse Seele namens „A“, die zufälligerweise im Körper ihres Freundes Justin landet. „A“ bewohnt jeden Tag einen anderen Körper eines 16-jährigen Jungen oder Mädchens, was es für Rhiannon sehr schwierig macht, sie wiederzufinden. Doch die beiden spüren eine einzigartige Verbindung zueinander und versuchen mit aller Kraft, sich nicht zu verlieren. Je stärker ihre Liebe zueinander wird, desto mehr spüren sie die unmittelbare Herausforderung, die „A“s täglicher Körper­wechsel mit sich bringt. So stellt ihre einzigartige Liebe Rhiannon und „A“ vor eine der schwierigsten Entscheidungen, die sie je in ihrem Leben treffen mussten.

Die Idee zu „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ gäbe deutlich mehr her als eine derart naiv-romantische Romanze, doch dank der Darsteller und der weitestgehend schnörkellosen Erzählung ist diese immerhin grundsympathisch.


TANZ INS LEBEN  | Regie: Richard Loncraine | UK 2017

Lady Sandra Abbott ist nach 35 Ehejahren rundum zufrieden mit ihrem Leben. Ihr Mann Mike, der es als Polizeibeamter zu höchsten Ehren, zu einem Adelstitel gebracht hat, feiert seinen Ruhestand. Doch die Party auf dem Abbott-Landsitz endet mit einem Eklat. Sandra entdeckt, dass Mike, für den sie alles, auch ihre eigenen Träume, opferte, sie seit Jahren betrügt – mit ihrer besten Freundin. Geschockt verlässt sie ihn und zieht Hals über Kopf bei ihrer Schwester Bif in London ein, mit der sie seit Jahren nur noch sporadisch Kontakt hatte. Doch die unkonventionelle, rebellische Bif zögert nicht lange und versucht, ihre steife, versnobte Schwester aufzumuntern. Und dazu gehört auch eine Tanzgruppe rüstiger Senioren, unter ihnen der sympathische Charlie, die zusammen ihre Freundschaft und das Leben feiern. 

„Tanz ins Leben“ ist eine solide Tragikomödie für die Generation 60 plus, was vor allem den starken Darstellern zu verdanken ist. Durch sie sind viele komische Momente wirklich lustig und ein Teil der eher grobschlächtig-kitschig inszenierten Szenen rührt trotzdem.


AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE  | Regie: Agnès Varda & JR | FR 2017

Die 89-jährige Regie-Ikone Agnès Varda und der 33-jährige Streetart-Künstler JR machen sich mit ihrem einzigartigen Fotomobil auf, um Frankreichs Menschen und ihre Geschichten zu entdecken und zu verewigen: in überlebensgroßen Porträts an Fassaden, Zügen und Schiffscontainern. Von der Provence bis zur Normandie widmen sie ihre Kunst den Menschen – sei es dem Briefträger, dem Fabrikarbeiter oder der letzten Bewohnerin eines Straßenzugs im ehemaligen Bergbaugebiet. Landschaften verwandeln sich in Bühnen, Gesichter erzählen von vergessenen Geschichten und aus Blicken werden Begegnungen von Herzlichkeit und Humor.  Nouvelle-Vague-Legende Agnès Varda und Fotograf JR verbindet nicht nur ihre Leidenschaft für Bilder, sondern auch ein feines Gespür für Menschen und die Poesie des Moments. „Augenblicke“ ist ein filmischer Glücksfall, der mit einer besonderen Leichtigkeit die berührenden Begegnungen einer Reise festhält.


Heimkinotipp: DOWNSIZING  | Regie: Alexander Payne | USA 2017

Die Ressourcen der Erde neigen sich dem Ende zu und der Planet platzt aus allen Nähten. Um das Problem der Überbevölkerung zu lösen, haben norwegische Wissenschaftler eine Methode entwickelt, mit der sie Menschen schrumpfen und somit ihre Bedürfnisse und ihren Konsum enorm verringern können. Ein zwölf Zentimeter kleiner Mensch verbraucht schließlich weniger Wasser, Luft und Nahrung als ein großer. In der Hoffnung auf ein glücklicheres und finanziell abgesichertes Leben in einer besseren Welt entscheiden sich Durchschnittsbürger Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig), ihr stressiges Leben in Omaha hinter sich zu lassen und ihr großes Glück in einer neuen „geschrumpften“ Gemeinde zu suchen. Eine Entscheidung, die ein lebensveränderndes Abenteuer bereithält… 

Alexander Paynes Tragikomödie „Downsizing“ beginnt vielversprechend und hat vor allem optisch Einiges zu bieten. Erzählerisch geht dem Film allerdings in der zweiten Hälfte merklich die Luft aus und bietet letztlich nicht mehr als Bekanntes in neuer Aufmachung.

Das startet am 24. Mai 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 24. Mai, dessen große Unbekannte ausgerechnet der „Star Wars“-Ableger „Solo“ ist. Die Zeichen stehen schlecht, selbst Disney hat einen Erfolg des Films angeblich bereits abgeschrieben. Aber immerhin reden wir hier immer noch von „Star Wars“ und die Vorgeschichte zu Han Solo könnte mehr Leute interessieren, als die Ereignisse aus „Rogue One“. Gleichzeitig macht sich aktuell große Blockbuster-Konkurrenz wie „Deadpool 2“ oder „Infinity War“ in den Kinos breit. Es wird eine spannende Woche, deren restliche Starts für das deutsche Box Office unbedeutend sind.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SOLO: A STAR WARS STORY | Regie: Ron Howard | USA 2018

Nachdem er gewaltsam von seiner Liebsten Qi’ra (Emilia Clarke) getrennt wurde, heuert der junge Schmuggler Han Solo (Alden Ehrenreich) bei der Imperialen Armee an. Nach einer gescheiterten Pilotenausbildung liefert er sich völlig auf sich allein gestellt eine Reihe waghalsiger Abenteuer, bis er in der düsteren und gefährlichen kriminellen Unterwelt seinen späteren Co-Piloten und besten Freund Chewbacca (Joonas Suotamo) kennen lernt. Gemeinsam erobert das Duo Planeten des gesamten Universums, bis es nicht bloß auf den berühmt berüchtigten Glücksspieler Lando Calrissian (Donald Glover) trifft, sondern auch auf den Gauner Beckett (Woody Harrelson), mit denen er einen waghalsigen Raubüberfall auf einen Zug vorbereitet. Es ist der Beginn eines unglaublichen Abenteuers, auf das viele weitere folgen werden.

„Solo: A Star Wars Story“ bleibt erzählerisch unspektakulär und konzentriert sich voll und ganz darauf, seinem Publikum den Werdegang des Titelhelden sowie die Freundschaft zwischen Han und Chewbacca näherzubringen. Die sehr klein gehaltene Story ist durchgehend sympathisch, die Action solide und Alden Ehrenreich in der Rolle des jungen Han Solo kann schauspielerisch genug eigene Akzente setzen, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, lediglich Harrison Ford zu kopieren


IN DEN GÄNGEN  | Regie:  Thomas Stuber | DE 2017

Der ehemalige Kleinkriminelle Christian (Franz Rogowski) ist neu im Großmarkt und startet hier einen neuen Lebensabschnitt mit einer Ausbildung. Zumeist Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Der grummelige Einzelgänger Bruno (Peter Kurth), ein Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch die zauberhafte Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – aber nicht sehr glücklich, wie es heißt. Und von einem Tag auf den nächsten ist Marion plötzlich verschwunden… 

Thomas Stubers zurückhaltend inszeniertes Charakterdrama „In den Gängen“ ist in seiner Melancholie bezaubernd, in seinen Beobachtungen präzise und bei aller Traurigkeit wunderschön poetisch. Die allesamt herausragenden Darsteller runden diesen fabelhaften Film ab.


LUIS UND DIE ALIENS | Regie: Christoph Lauenstein, Wolfgang Lauenstein | DE/LUX/DK 2018

Der 12-jährige Luis hat es in der Schule nicht leicht. Denn sein Vater Armin Sonntag ist Ufologe und besessen davon, die Existenz von Aliens nachzuweisen. Seine Mitschüler finden Luis genauso schräg wie dessen Vater – bis auf Jennifer, die coole Schulreporterin. Da keiner Luis‘ Vater glaubt, ist die Überraschung umso größer, als eines Tages die drei Aliens Mog, Nag und Wabo direkt vor Luis bruchlanden. Nach dem ersten Schreck merkt Luis, dass die drei aufgedrehten Aliens alles andere als gefährlich sind. Dafür sind sie umso witziger. Am liebsten würde Luis seinem Vater seine neuen Freunde vorstellen. Aber er kann nicht riskieren, dass er sie schockfrostet. Während Luis versucht, Mog, Nag und Wabo bei einer abgedrehten Mission zu helfen, beschließt der Schuldirektor mit Hilfe der schaurigen Internatsleiterin Miss Diekendaker, dass Luis auf ihrem Internat besser aufgehoben sei, als bei seinem Vater… 

„Luis und die Aliens“ ist ein charmantes Animationsabenteuer mit einer sympathischen Botschaft, vielen Gags und putzigen Außerirdischen, an dem kleine Zuschauer ihre helle Freude haben werden und das die erwachsenen (Begleit-)Zuschauer nicht langweilen wird. Eine runde Sache.


THE HAPPY PRINCE  | Regie: Rupert Everett | FR/POL/BEL 2017

Im Zimmer einer billigen Absteige in Paris liegt Oscar Wilde (Rupert Everett) auf seinem Sterbebett, sein Leben zieht an ihm vorüber, die Erinnerungen versetzen ihn in andere Zeiten und an andere Orte. War er wirklich einst der berühmteste Mann in London? Der Künstler, der von einer Gesellschaft gekreuzigt wurde, die ihn einst anhimmelte? Der Liebhaber, verhaftet und freigelassen, der im letzten Abschnitt seines Lebens dennoch dem Ruin entgegentaumelt? Unter dem gnadenlosen Vergrößerungsglas des Todes lässt er sein Leben Revue passieren: der gescheiterte Versuch, sich mit seiner jahrelang leidenden Ehefrau Constance (Emily Watson) zu versöhnen, die wieder aufflammende, fatale Liebesaffäre mit Lord Alfred Douglas (Colin Morgan) sowie die warmherzige Hingabe von Robbie Ross (Edwin Thomas), der vergeblich versuchte, Wilde vor sich selbst zu retten. Von Dieppe über Neapel nach Paris: Die Freiheit ist ein Trugbild. 

Rupert Everett bringt mit seinem Oscar-Wilde-Biopic „The Happy Prince“ ein ambitioniert inszeniertes Drama auf die große Leinwand, dass mit dem Stilwillen des Regisseurs inhaltlich nicht mithalten kann.


EUPHORIA  | Regie: Lisa Langseth | SWE/DE 2017

Seit Jahren hatten die beiden ganz unterschiedlichen Schwestern Ines (Alicia Vikander) und Emilie (Eva Green) keinen Kontakt mehr zueinander. Jetzt aber erhält Ines eine dringliche Einladung Emilies, sie auf einer mysteriösen Europareise zu begleiten. Sie willigt ein, wenn auch widerstrebend, da sie eigentlich genug eigene Probleme hat. Erst als sie ihr Ziel erreichen, ein geheimnisvolles Schloss inmitten einer abgelegenen Waldlichtung, begreift Ines, warum Emilie sie an genau diesen Ort geführt hat. Sechs Tage bleiben den Schwestern sich mit ihrer bewegten Vergangenheit, die sie auf völlig unterschiedliche Lebenswege geführt hat, mal temperamentvoll, mal melancholisch auseinanderzusetzen. Marina (Charlotte Rampling), die Leiterin des surrealen Anwesens, wird dabei für die Schwestern zu einer vermittelnden Instanz…

Das starbesetzte Drama „Euphoria“ ist als filmischer Beitrag zum Thema Sterbehilfe völlig missraten und als Charakterporträt über zwei sich entfremdete Schwestern zeitweise sogar unfreiwillig komisch. Dagegen können auch Alicia Vikander und Eva Green nicht viel ausrichten, deren Figuren konsequent unterbelichtet bleiben.


EIN LEBEN | Regie: Stéphane Brizé | FR/BEL 2016

Normandie 1819. Die junge Landadelige Jeanne kehrt nach ihrer Ausbildung in einem Convent auf das Landgut ihrer Eltern an der Küste der Normandie zurück. Die wohlbehütete Jeanne träumt von der Liebe, die sie nur aus Büchern kennt.  Voller romantischer Ideen willigt sie ein, den verarmten Viscount Julien de Lamare zu heiraten. Nach der Trauung überlassen die Eltern Jeannes Ehemann das Landgut der Familie und Jeanne muss erkennen wie naiv sie die Welt bisher gesehen hat. Denn schon bald betrügt Julien sie. Wie die Jahreszeiten wechseln die Lebensphasen: Im Sommer ein leichtes Leben dank vieler Besucher, im Winter eine Einsamkeit, in der man auch die eigene Persönlichkeit gegen die Stürme verteidigen muss. In einer eigenwilligen Adaption des berühmten Romans von Guy de Maupassants erzählt Stéphane Brizé mit großer Intensität die zeitlose Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach Liebe.


TASTE OF CEMENT – DER GESCHMACK VON ZEMENT  | Regie: Ziad Kalthoum | LBN/DE/SYR/QAT/ARE 2017

Der junge syrische Dokumentarfilm-Regisseur Ziad Kalthoum hat mit „Taste of Cement“ ein bildgewaltiges, emotionales und intensives Werk geschaffen, das mehr ist als ein Film – es ist eine Erfahrung. In den strahlend blauen Himmel über Beirut wachsen neue Wolkenkratzer mit Traumblick auf das Mittelmeer. Tagsüber werden sie von syrischen Bauarbeitern errichtet. Zu Hause in ihrer Heimat zerstört der Krieg zur gleichen Zeit ihre eigenen Häuser. Selbst in der Nacht dürfen sie die Baustelle nicht verlassen. Sie müssen hinunter in die Keller der Betongiganten, wo sie kochen, hoffen, schlafen. Die poetische Sicht des Erzählers vermischt sich in diesem ästhetisch aufregenden Werk mit den Klängen und Bildern von Aufbau und Zerstörung in einer traumähnlichen Dissonanz. „Taste of Cement“ ist ein schillerndes Essay über die Bedeutung des Lebens, das der Filmemacher in Deutschland fertigstellte.


SYMPATHISANTEN | Regie: Felix Moeller | DE 2018

In „Sympathisanten“ kombiniert Felix Moeller einzigartige zeitgenössische Dokumente und intensive Gespräche mit Zeitzeugen und versucht, die Frage zu beantworten, wie es zu so einer polarisierenden und aggressiven Stimmung in der Bundesrepublik der 1970er Jahre kommen konnte, wie eine radikale kleine Gruppe wie die RAF so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte – und wieso die sogenannten Sympathisanten zwischen die Fronten von RAF und Staat gerieten. Mit zahlreichen Filmausschnitten und Archivmaterial sowie Margarethe von Trottas Tagebüchern entfaltet sich eine emotional bewegende Geschichte zwischen Privatheit und Politik vor größerem zeitgeschichtlichen Hintergrund. Dieser außergewöhnliche Dokumentarfilm beleuchtet ein kaum bekanntes Kapitel unserer Geschichte, als aus einem Kampf für eine gerechtere Gesellschaft Sympathien für eine militante Bewegung entstanden.


Heimkinotipp: DIE DUNKELSTE STUNDE  | Regie: Joe Wright | UK 2017

Mai 1940: Das anfängliche Kriegsglück der Nazis stürzt die britische Regierung in eine existenzielle Krise, Premierminister Chamberlain tritt zurück. Nur dem reichlich unpopulären Winston Churchill traut man zu, die scheinbar ausweglose Lage in den Griff zu bekommen. Er übernimmt das Amt, sieht sich aber bald von Öffentlichkeit und Regierungsmitgliedern bedrängt, mit den scheinbar unaufhaltsamen Nazis über einen Friedensvertrag zu verhandeln. Doch durch seine außerordentliche Weitsicht und Integrität gelingt es Churchill dennoch, an seiner Überzeugung festzuhalten und für die Freiheit seiner Nation zu kämpfen. Als die Luftschlacht um England entbrennt und die deutsche Invasion droht, wenden sich das überrumpelte britische Volk, der skeptische König und sogar seine eigene Partei von Churchill ab. Wie soll es ihm so gelingen, den Lauf der Weltgeschichte zu ändern? 

Der Oscar als Bester Hauptdarsteller wird Gary Oldman für seine spektakuläre Performance in „Die dunkelste Stunde“ nicht mehr zu nehmen sein. Doch auch davon einmal abgesehen, ist der überraschend leichtfüßig inszenierte Film eine Sternstunde des modernen Politkinos auf einem hohen technischen Niveau.

« Ältere Einträge