Schlagwort-Archiv: Wessels‘ Weekly

Das startet am 20. Dezember 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 20. Dezember, an dem quasi alles erscheint, was in diesem Jahr noch übrig geblieben ist. Ob sich die Filme dadurch ihre Zuschauer klauen, wird sich zeigen. Doch zumindest „Bumblebee“ und „Aquaman“ könnten ein ähnliches Publikum ansprechen. Wie sehr die Figur der Mary Poppins heute noch zieht, dürfte ebenfalls spannend zu sehen sein. „Mary Poppins‘ Rückkehr“ bleibt zumindest qualitativ weit hinter den Erwartungen zurück. Und bei so viel Big-Budget-Konkurrenz werden die Indie-Starts erst recht keine Chance haben, auch wenn das im Falle von „Die Schneiderin der Träume“ wirklich schade ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BUMBLEBEE | Regie: Travis Knight | USA 2018

Im Jahr 1987 versteckt sich das mysteriöse Maschinenwesen Bumblebee der Gestalt eines alten VW Käfers auf dem Schrottplatz einer kleinen kalifornischen Küstenstadt vor den bösen Decepticons des nahezu vollständig zerstörten Planeten Cybertron. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag und auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, findet die rebellische Charlie den kaputten und kampfgeschwächten Roboter, ohne zu wissen, was sich wirklich hinter dem knallgelben Auto verbirgt. Mit mechanischem Geschick und viel Geduld beginnt sie, ihn zu reparieren und lernt schnell, dass es sich hierbei keineswegs nur um eine alte Schrottmühle handelt. Als Bumblebee wieder zu neuem Leben erwacht, entwickelt sich zwischen ihm und Charlie eine ungewöhnliche Freundschaft, von der auch der Nachbarsjunge Memo schnell Wind bekommt. Als seine Feinde auf ihn aufmerksam werden, beschließen die beiden Teenies, ihrem motorisierten Freund zu helfen…

„Bumblebee“ hat mit den seelenlosen Materialschlachten der „Transformers“-Reihe so gut wie nichts mehr zu tun und ist stattdessen ein hinreißendes Abenteuer voller Witz und Emotion, das zwar merklich an „E.T.“ und andere vergleichbare Filme erinnert, jedoch niemals lieblos zitiert, sondern den Charme derartiger Familienfilme leidenschaftlich zelebriert.


DIE SCHNEIDERIN DER TRÄUME | Regie: Rohena Gera | FR/IND 2018

Im modernen Mumbai arbeitet die junge Witwe Ratna als Dienstmädchen für Ashwin, einen jungen Mann aus wohlhabendem Hause, der scheinbar alles hat, was es für ein komfortables Leben braucht. Ratna wiederum hat vor allem eins: den Willen, sich ein besseres Leben zu erarbeiten und ihren Traum zu verwirklichen, Mode-Designerin zu werden. Als Ashwins sorgfältig arrangierte Bilderbuch-Hochzeit platzt, scheint Ratna die Einzige zu sein, die Ashwins tiefe Melancholie versteht. Ashwin verliebt sich in das Hausmädchen, denn er entdeckt in ihr eine willensstarke und sinnliche Frau, die bereit ist, für ihre Träume einzustehen. Und auch Ratna entwickelt Gefühle für ihn. Dennoch ist sie für beider Umgebung nur das Dienstmädchen, das von seiner Familie entsprechend behandelt wird. Die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden macht ihnen nur zu bewusst, wie unvereinbar die Welten sind, denen sie angehören. 

Entgegen des schmalzigen Titels ist „Die Schneiderin der Träume“ eine ruhig beobachtende Bestandsaufnahme der soziokulturellen Gefälle innerhalb des modernen Indiens, die zugleich feinfühlig und zart von einer Liebe erzählt, die laut gesellschaftlicher Normen nicht sein darf.


MARY POPPINS‘ RÜCKKEHR | Regie: Rob Marshall  | USA 2018

London in den 1930er Jahren, mitten in der Wirtschaftskrise: Michael Banks (Ben Whishaw) ist inzwischen erwachsen geworden und arbeitet für die Bank, bei der auch schon sein Vater angestellt war. Er lebt noch immer in der Cherry Tree Lane 17 mit seinen mittlerweile drei Kindern – Annabel (Pixie Davies), Georgie (Joel Dawson) und John (Nathanael Saleh) und der Haushälterin Ellen (Julie Walters). Seine Schwester Jane Banks (Emily Mortimer) tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und setzt sich für die Rechte der Arbeiter ein. Zusätzlich hilft sie Michaels Familie wo sie kann. Als sie einen persönlichen Verlust erleiden, tritt Mary Poppins (Emily Blunt) auf magische Weise wieder in das Leben der Familie Banks und mit Hilfe ihres Freundes Jack (Lin-Manuel Miranda) kann sie die Freude und das Staunen zurück in ihr Zuhause bringen. 

„Mary Poppins‘ Rückkehr“ ist weniger Sequel als Neuauflage und schafft es dabei nur sehr vereinzelt, neue Akzente zu setzen. Die Songs gehen nicht ins Ohr und trotz einer tollen Emily Blunt und einer fantastisch designten Zeichentrick-Realfilm-Sequenz in Anlehnung an Teil eins verabschiedet sich die magische Nanny sang- und klanglos in die Bedeutungslosigkeit.


AQUAMAN | Regie: James Wan | AUS/USA 2018

Als Sohn der atlantischen Königin Atlanna und des liebenswerten Leuchtturmwärters Tim Curry ist Arthur (Jason Momoa) rechtmäßiger Anwärter auf den Thron der Unterwassermetropole Atlantis. Bisher hat er wohlweislich darauf verzichtet. Stattdessen rettet er lieber Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen, indem er sich seine ganz besonderen Fähigkeiten unter Wasser zunutze macht. Doch dann schmiedet sein Halbbruder Orm einen finsteren Plan: Als amtierender König will er alle sieben Unterwasser-Königreiche vereinen und gemeinsam gegen die Oberwelt – also die Menschen auf der Erde – in den Krieg ziehen. Arthurs damaliger Mentor Vulko und die schlagfertige Prinzessin Mera sehen in dem „Aquaman“ die einzige Hoffnung auf Frieden und appellieren an ihn, es mit seinem Bruder aufzunehmen, damit wieder Frieden in Atlantis einkehren kann…

„Aquaman“ säuft ab – der neueste Film aus dem DCEU wird mit fortlaufender Spieldauer immer mehr zu einem einzigen großen Desaster, das auch der sichtbar engagierte Jason Momoa und eine für Blockbusterverhältnisse ungewöhnlich ambitionierte Kameraarbeit nicht retten können. Gegen den plumpen Bombast kommt hier einfach Niemand an, obwohl das erzählerische Potenzial in vereinzelten intimen Szenen immer mal wieder kurz aufblitzt.

Das startet am 13. Dezember 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 13. Dezember, dessen potenziell größter Start „Mortal Engines – Krieg der Städte“ der Presse bislang noch nicht gezeigt wurde. Mehr zum Film erfahrt Ihr an dieser Stelle am Dienstag. Dank des Namens könnte sich allerdings auch die neue „Spider-Man“-Verfilmung zu einem Achtungserfolg hochschwingen, auch wenn die Konstellation Superhelden- und Animationsfilm hierzulande noch nicht getestet wurde und eine Prognose somit schwierig ist. Der Rest erscheint unter „ferner liefen“, ganz im Gegensatz zu unserem Heimkinostart der Woche, der sich als echtes Must-Buy erweist!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE | Regie: Bob Persichetti, Peter Ramsey, Rodney Rothman | USA 2018

Miles Morales lebt ein ganz normales Leben in Brooklyn, bis er bei einem nächtlichen Graffiti-Streifzug unter die Erde von einer mysteriös leuchtenden Spinne gebissen wird. Fortan besitzt er die Kräfte, von denen er glaubte, nur Spider-Man sei mit diesen ausgestattet – und der ist erst vor wenigen Tagen bei einem dramatischen Zwischenfall ums Leben gekommen. Während sich Miles mit seinen neuen Fähigkeiten zu arrangieren versucht, geschehen in der Stadt seltsame Dinge: Mitten in Brooklyn hat sich eine Art Portal geöffnet, durch das verschiedene Spinnenmenschen aus allen möglichen Universen vereint werden – unter ihnen auch der tot geglaubte Spider-Man. Gemeinsam mit Spider-Gwen, Spider-Man Noir und noch einigen anderen skurrilen Comicgestalten setzt Miles alles daran, jeden von ihnen wieder in ihr jeweiliges Universum zu befördern, das Portal zu schließen und dem Schurken Kingpin das Handwerk zu legen. 

„Spider-Man: A New Universe“ ist eine durch den Meta-Fleischwolf gedrehte Superheldengeschichte nach Schema F, bei dessen Inszenierung Zuschaueraugen leuchten werden – entweder, weil man sich über all das freut, was man da geboten bekommt, oder weil einem die Synapsen durchknallen.


MORTAL ENGINES – KRIEG DER STÄDTE | Regie: Christian Rivers  | NZL/USA 2018

In einer dystopischen Zukunft, in der die meisten Ressourcen bereits aufgebraucht sind haben diverse Städte auf eine faszinierend-abstruse Art überlebt: Sie haben sich zu gigantischen, fahrenden Gebirgen aus Gebäuden zusammengerafft und fahren von monumentalen Motoren betrieben von A nach B, stets auf der Suche nach anderen, kleineren Städten, die sie angreifen, zerstören und ausrauben können. Eine der größeren Städten, die noch existieren, ist London, allerdings herrscht unter den Mächtigsten Londons Unsicherheit, wie lange die Stadt dies noch durchziehen kann. Als sich London eines Tages die fahrende Stadt der maskierten Hester (Hera Hilmar) einverleibt, wird das Leben des Historikerlehrlings Tom Natsworthy (Robert Sheehan) auf den Kopf gestellt. Denn der junge Mann muss mit ansehen, wie Hester versucht, sein Idol Thaddeus Valentine zu töten, den Hester für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht… 

Ob Peter Jackson und Konsorten erneut großes Geld in der weihnachtlichen Kinosaison machen werden, muss sich erst noch zeigen. Trotz einiger Schwächen wäre es dem toll gestalteten, narrativ wenig originellen Sci-Fi-Fantasy-Abenteuer-Mischmasch „Mortal Engines – Krieg der Städte“ aber durchaus zu einem gewissen Grad zu gönnen. Und sei es nur für die kurzweilige Erzählweise – die wurde Jackson zuletzt immerhin fremd.


DIE ERSCHEINUNG | Regie: Xavier Giannoli | FR/BEL/JOR 2018

Der investigative Journalist Jacques Mayano hat es noch nicht verarbeitet, dass er kürzlich bei einem Einsatz als Kriegsreporter das ultimative Grauen gesehen hat, da meldet sich unerwarteterweise der Vatikan bei ihm. Der Kirchenstaat tut zunächst ganz mysteriös, weist ihn nur darauf hin, dass er eine Aufgabe für ihn hätte. Im Vatikan angekommen, erfährt Jacques, dass sich ein Vatikan-Ausschuss derzeit mit folgendem Fall befasst: Die 18-jährige Anna aus einem kleinen Dorf im Südosten Frankreichs behauptet, dass ihr die Jungfrau Maria erschienen ist, und die dortige Gemeinde melkt dies bereits aus. Leute pilgern dorthin, kaufen sich Devotionalien und verehren Anna wie eine Heilige. Der Vatikan-Ausschuss will nun untersuchen, ob Anna wirklich ein Wunder erlebt hat, oder flunkert. Jacques interessierte sich bislang kaum für Religion – doch gerade deswegen will der Vatikan ihn als Teil einer Untersuchungskommission wissen. 

Das über die Kirche und den Glauben sinnierende Drama „Die Erscheinung – L’Apparition“ hat zwar einige Denkanstöße zu bieten sowie eine starke Performance von Galatea Bellugi. Doch die lasche Charakterisierung des Protagonisten, eine holprige Erzählweise und ein pathetisches Ende bremsen diesen Film enorm aus.


GEGEN DEN STROM | Regie: Benedikt Erlingsson | ISL/FR/UKR 2018

Halla ist Chorleiterin, eine unabhängige und warmherzige, eher in sich gekehrte Frau. Doch hinter der Fassade einer gemächlichen Routine führt sie ein Doppelleben als leidenschaftliche Umweltaktivistin. Bekannt unter dem Decknamen „Die Bergfrau” bekämpft sie heimlich in einem Ein-FrauKrieg die nationale Aluminiumindustrie. Erst mit Vandalismus und letztlich mit Industriesabotage gelingt es ihr, die Verhandlungen zwischen der isländischen Regierung und einem internationalen Investor zu stoppen. Doch dann bringt die Bewilligung eines fast schon in Vergessenheit geratenen Adoptionsantrags Halles gradlinige Pläne aus dem Takt. Entschlossen plant sie ihre letzte und kühnste Aktion als Retterin des isländischen Hochlands. Bereits mit „Von Menschen und Pferden” erregte Benedikt Erlingsson Aufmerksamkeit. Nun ist der Regisseur zurück mit einer ebenso knochentrockenen wie politisch scharfzüngigen Komödie.

Das startet am 6. Dezember 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 6. Dezember, an dem mit „Climax“, „Anna und die Apokalypse“ und „Under The Silver Lake“ drei Filme des Fantasy Filmfests einen regulären Kinostart bekommen. Doch auch das Mainstream-Kino hat endlich mal wieder gut Lachen, denn „100 Dinge“ überrascht als charmantes Großstadtmärchen mit zwei toll aufgelegten Hauptdarstellern. Weniger gelungen ist dagegen das „Unknown User“-Sequel „Dark Web“, auch wenn es in Ermangelung an Genrekonkurrenz und vor dem Hintergrund des Vorgängererfolges gute Zahlen schreiben dürfte. „Widows“ krebst derweil irgendwo dazwischen herum: Für einen großen Erfolg fehlt die PR, für einen Geheimtipp dagegen fehlt der letzte Funken Brillanz. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

CLIMAX | Regie: Gaspar Noé | FR/BEL/USA 2018

Eine aus Männern und Frauen verschiedener Nationen und sexueller Ausrichtungen bestehende Tanzgruppe quartiert sich 1996 für Proben in einem abgelegenen Übungszentrum ein. Hier gibt es neben einer großen Tanzfläche auch noch viele kleine Zimmer und einen langen Gang, der in dieser Nacht Zeuge von etwas Ungeheuerlichem sein wird. Bei der Abschlussparty mischt ein Unbekannter nämlich Drogen in die Sangría und verursacht damit einen kollektiven Höllentrip. Aus Angst werden Paranoia, aus unterschwelliger Aggression wird offene Gewalt, aus Zuneigung unkontrollierte Begierde. Die energetische Choreographie löst sich schnell in Chaos auf, die Tänzer taumeln, stolpern und tanzen weiter in höchster Ekstase bis zum Morgengrauen als die Polizei eintrifft und das ganze Ausmaß entdeckt. 

Gaspar Noé ist es mit „Climax“ wieder einmal gelungen, einen Film zu drehen, den es so kein zweites Mal gibt. Sein Tanzpsychodrama ist die pure Raserei, den man erst einmal überstehen muss, um ihn anschließend zu lieben, oder zu hassen. Wir entscheiden uns für Ersteres!


ANNA UND DIE APOKALYPSE | Regie: John McPhail | UK 2017

Anna (Ella Hunt) sehnt ihren Schulabschluss herbei, um endlich die Kleinstadt Little Haven verlassen und die Welt bereisen zu können, während ihr Vater (Mark Benton) andere Pläne für sie hat und ihr bester Freund John (Malcolm Cumming) nicht weiß, wie er ihr seine Liebe gestehen soll. Und als ob dies in der Vorweihnachtszeit nicht schon genug wäre, erheben sich plötzlich die Toten aus ihren Gräbern und überschlurfen die Stadt. Um ihre Familie und Freunde zu retten, muss sich Anna singend, tanzend und kämpfend ihren Weg durch eine rasant wachsende Horde von Untoten bahnen und sich der entscheidenden Frage des Lebens stellen: High School, Zombies oder Weihnachtskonzerte – was ist das größere Übel? 

Eine vergnügliche Zombiefilm-Hommage, ein gewitzter sowie packender Weihnachtsfilm, eine schottische High-School-Komödie mit aufrichtig pochendem Herzen und das mit Abstand beste Musical des Filmjahres: „Anna und die Apokalypse“ ist ein außergewöhnliches, mitreißendes Genregemisch voller Ohrwürmer.


UNDER THE SILVER LAKE | Regie: David Robert Mitchell  | USA 2018

Hollywood, Los Angeles. Obwohl die Miete für sein Apartment überfällig ist, hegt Sam (Andrew Garfield) keinerlei Ambitionen, einen Job zu finden. Womit er früher einmal Geld verdient hat, weiß er vermutlich selbst nicht einmal mehr so genau. Lieber hängt er auf seinem Balkon herum, liest Comics und beobachtet die knapp bekleideten Nachbarinnen durchs Fernglas. Als ihn die umwerfend schöne Sarah (Riley Keough) eines Abends zu sich einlädt, kann er sein Glück kaum fassen. Doch nach einer gemeinsamen Nacht ist sie am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Sam wittert eine globale Verschwörung, die Millionäre, Celebrities, Hundemörder und urbane Mythen involviert und begibt sich auf eine Schnitzeljagd quer durch L.A. Seine Suche nach Sarah mutiert zur rauschhaften Odyssee durch den undurchsichtigen Dschungel der Großstadt.

In „Under The Silver Lake“ begibt sich Andrew Garfield auf die Spuren von David Lynchs „Mullholland Drive“. David Robert Mitchells Schnitzeljagd durch Los Angeles präsentiert sich als Sammelsurium aller möglichen Verschwörungstheorien, die der „It Follows“-Regisseur gar nicht unbedingt hätte auflösen müssen. Sein packend inszeniertes Mysteryabenteuer weiß auch so ziemlich gut zu unterhalten.


100 DINGE | Regie: Florian David Fitz |DE 2018

Toni liebt seine Espressomaschine. Paul liebt sein Handy. Toni kann nicht ohne Haarpillen, Paul nicht ohne seine heiligen Sneakers. Aber vor allem kann Paul nicht ohne Toni und Toni nicht ohne Paul. Aber das wissen sie nicht. Immer geht es darum, wer besser oder cooler ist, und das haben sie nun davon: Jetzt sitzen sie da, ohne Möbel, ohne Kleidung, nackt und verfroren. Und das ist erst Tag eins! 100 Tage, haben sie gewettet, müssen sie auf alles verzichten. Jeden Tag kommt nur ein Gegenstand zurück. Und schon verheddern sie sich in Fragen, die ihnen vorher nie gekommen sind: Was braucht man wirklich? Besitzen wir unsere Dinge oder unsere Dinge uns? Gibt es den freien Willen überhaupt, und wie oft kann man eine Unterhose wenden, bevor sie auf den Sondermüll muss? 

Machen wir es kurz: Florian David Fitz‘ Buddykomödie „100 Dinge“ ist die erste gute deutsche Mainstream-Komödie seit vielen Jahren! Und das vor allem, weil Florian David Fitz ganz genau weiß, was für einen Film er da eigentlich gedreht hat.

Das startet am 22. November 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 22. November, dessen größter Start „Verschwörung“ am meisten enttäuscht. Der neueste Film aus der Stieg-Larsson-Reihe wird zugleich zum bisher schwächsten, trotz einer starken Claire Foy. Einen ersten Vorgeschmack auf Weihnachten gibt es dafür mit einer Geschichte über den Autor der Weihnachtsgeschichte. Das biographische Drama ist allerdings eher ein Erwachsenen-Weihnachtsmärchen. Darüber hinaus geht’s mit „So viel Zeit“ in den Ruhrpott, mit „Der Dolmetscher“ nach Bratislava und mit dem Berlinale-Zankapfel „Mein Bruder heißt Robert uns ist ein Idiot“ ins unerträgliche Nichts… Dafür gibt’s als Heimkinotipp diesmal etwas ganz Besonderes!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

CHARLES DICKENS: DER MANN, DER WEIHNACHTEN ERFAND | Regie: Bharat Nalluri | IE/CAN 2017

Mit 31 Jahren hat der Autor Charles Dickens im Jahr 1843 alles erreicht. Das Feuilleton und die Leser lieben ihn für seinen bahnbrechenden Roman „Oliver Twist“, er wird durch die ganze Welt kutschiert und für sein Werk gefeiert. Drei Flops später sieht sich Dickens am gesellschaftlichen Abgrund. Er ist pleite und eine Schreibblockade verhindert, dass sich daran so schnell etwas ändert. Als er eines Tages durch Zufall einer Beerdigung beiwohnt, an dem kein einzelner Freund oder Verwandter des Verstorbenen anwesend ist, kommt er auf die Idee, ein Buch über Weihnachten als die Zeit des Miteinanders und des Zusammenrückens zu schreiben. Einen Protagonisten hat er in dem griesgrämigen Greis Ebenezer Scrootch schnell gefunden. Doch auf dem Weg zum Bestseller suchen ihn nicht bloß seineGeldsorgen und Streitereien mit seinem Vater heim… 

„Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand“ ist ein ebenso liebevoller wie ernsthafter Einblick in eine spannende Lebens- und Arbeitsphase von Charles Dickens, das durch seine technische Aufmachung einen ähnlichen Charme erreicht wie das Werk, das hier überhaupt erst entsteht.


SO VIEL ZEIT | Regie: Philipp Kadelbach | DE 2017

Sex & Drugs & Rock ’n‘ Roll? Nein, Rainers Leben läuft ganz und gar nicht so, wie er sich das als junger Mann erträumt hat. Sein Job langweilt ihn, seine Frau hat ihn verlassen und sein Sohn hätte sich einen tolleren Papa gewünscht. Außerdem gibt es eine Sache, die Rainer in seinem Leben richtig verbockt hat: Damals vor 30 Jahren hat er den Durchbruch seiner Band „Bochums Steine“ auf offener Bühne ruiniert. Seine Bandkollegen Bulle, Konni, Thomas und besonders Ole haben ihm das nie verziehen. Das verfolgt ihn bis heute. Als wäre das alles nicht genug, eröffnet ihm seine Ärztin, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Ende der Durchsage? Im Gegenteil. Rainer beschließt, noch einmal alles zu geben und startet durch. Eine Sache will er in seinem Leben richtig machen: Das Comeback von „Bochums Steine“! 

„So viel Zeit“ ist eine sympathische Tragikomödie über ein paar Freunde, die sich nach langer Zeit noch einmal zum Musikmachen zusammenfinden. Das verläuft hin und wieder in formelhaften Bahnen, doch die toll aufgelegten und unkonventionell zusammengecasteten Hauptdarsteller können das die meiste Zeit über ausgleichen.


VERSCHWÖRUNG | Regie: Fede Alvarez | UK/DE/SWE/CAN/USA 2018

Es ist schon lange her, seit sich die unkonventionelle Hackerin Lisbeth Salander und der von ihr heimlich angehimmelte Journalist Mikael Blomkvist gesehen haben. Erst ein neuer Fall führt die beiden zusammen, als es die NSA auf Lisbeth abgesehen hat. Sie hat Beweise für eine Verschwörung des Auslandsgeheimdienstes aufgedeckt, die auf gar keinen Fall an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Und um das zu verhindern, ist Lisbeths Gegnern jedes Mittel recht! Nachdem ihr Haus in Flammen aufgegangen ist und der Wissenschaftler Frans Balder ermordet wird, tickt für die vom Schicksal gebeutelte Hackerin langsam die Zeit herunter. Zum Glück kann sie sich auf Mikael verlassen, der längst die Fäden zusammengeführt hat, die alle zu Lisbeth führen. Und zu Balders hochintelligentem Sohn August, der der Schlüssel zu allem zu sein scheint… 

Wenig Thrill, kaum Gewalt und eine Lisbeth Salander, über die man nur erfährt, dass sie auch von Claire Foy toll gespielt werden kann – „Verschwörung“ ist eine der größten Enttäuschungen des Kinojahres.

Das startet am 15. November 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 15. November. Während mit „Was uns nicht umbringt“ einer der besten Filme des Jahres (vermutlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit) startet, warten viele Fans schon gebannt auf die Fortsetzung der „Phantastische Tierwesen“-Reihe, deren zweiter Teil „Grindelwalds Verbrechen“ gute Chancen auf einen der besten Starts des Jahres haben wird. Unter dem Prädikat „Geheimtipps“ laufen derweil die Romanverfilmung „Juliet, Naked“ und die US-Satire „Assassination Nation“ an, beide jedoch eher mit Außenseiterchancen auf gute Zuschauerzahlen. Horrorfans hingegen dürfen sich auf eine Neuinterpretation von „Suspiria“ freuen – und Fans banaler Comedy auf „Night School“.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

WAS UNS NICHT UMBRINGT | Regie: Sandra Nettelbeck | DE 2018

Max (August Zirner) ist zwar Psychotherapeut, von den vielen Problemen seiner Patienten ist er allerdings selbst heillos überfordert. Seine beiden Töchter stecken mitten in der Pubertät, seine Ex-Frau (Barbara Auer) plant ein neues Leben mit einem deutlich jüngeren Mann und sein neuer Hund ist noch schwermütiger, als die vielen Menschen, die ihm tagtäglich davon erzählen, was sie alles bedrückt. Eines Tages lernt er Sophie (Johanna ter Steege) kennen. Sie erzählt ihm von ihrer Spielsucht und er verliebt sich. Ganz langsam. Doch dass sich ein Therapeut in seine Patientin verliebt, ist so eigentlich nicht vorgesehen… Um ihn herum versinken derweil die Leben vieler anderer Menschen im Chaos, die alle über kurz oder lang wieder zu Max führen. Denn nur Max weiß: Was sie nicht umbringt, macht sie stärker…

„Was uns nicht umbringt“ ist ein emotionaler Episodenfilm über Ängste, Sehnsüchte und Hilflosigkeit – aber auch darüber, wie wir uns aus eigener Kraft wieder daraus befreien können. Tolle Darsteller, wunderschöne Musik und eine in ihrer Trostlosigkeit malerische Kulisse machen aus Sandra Nettelbecks Werk ein absolutes Must See.


ASSASSINATION NATION | Regie: Sam Levinson | USA 2018

Facebook, Instagram und Snapchat bestimmen den Alltag von Lily (Odeassa Young) und ihren Freundinnen Sarah (Suki Waterhouse), Em (Abra) und Bex (Hari Nef). Sie verabreden sich über Chats und schicken sich lange Sprachnachrichten. Auch wenn sie in ihrer Freizeit miteinander abhängen, ist ihr Smartphone ihr stetiger Begleiter, dem sie bisweilen mehr anvertrauen, als einander. Genau das wird den jungen Frauen eines Tages zum Verhängnis, als ein anonymer Hacker nicht nur ihre Daten, sondern die ihrer kompletten High-School veröffentlicht. Viele pikante Details gelangen an die Oberfläche und schon bald sehen sich die ersten gezwungen, auf ihre ganz eigene Art und Weise darauf zu reagieren: ein tödliches Chaos bricht aus…

Wütend, virtuos gestylt und wider der gesellschaftlichen Doppelmoral: „Assassination Nation“ ist ein filmgewordenes Stück (Jugend-)Zeitgeist mit markiger Ästhetik und großem Zorn im narrativen Bauch.


JULIET, NAKED | Regie: Jesse Peretz | UK/USA 2018

Tucker Crowe: Der Name des geheimnisvollen Rockstars ist das Einzige, was in der leidenschaftslosen Beziehung von Annie (Rose Byrne) und Duncan (Chris O’Dowd) noch für Zündstoff sorgt. 25 Jahre ist es her, dass der gefeierte Musiker (Ethan Hawke) seine letzte Platte „Juliet“ veröffentlichte. Im Gegensatz zu dem fanatischen Tucker-Crowe-Fan Duncan, der alles über den Musiker sammelt, sich leidenschaftlich in Fan-Foren engagiert und völlig außer sich ist, als er plötzlich auf eine neue Songsammlung seines großen Idols stößt, verreißt Annie genau dieses Album „Juliet, Naked“ in jenem Online-Forum, dessen Vorsitzender ihr Ehemann ist – und ausgerechnet sie bekommt plötzlich Post von Tucker Crowe höchstpersönlich, der sich nichts sehnlicher wünscht, als Annie kennenzulernen…

Die auf dem gleichnamigen Roman von Nick Hornby basierende Tragikomödie „Juliet, Naked“ thematisiert auf sehr humorvolle Weise, was passiert, wenn Fantum außer Kontrolle gerät. Ein humorvoller, erzählerische Haken schlagender und stark gespielter Wohlfühlfilm, der nur gen Ende ein wenig an Substanz einbüßt, als er plötzlich noch einen kleinen Tick mehr will, als nur unterhalten.

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