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Das startet am 22. Juni 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 22. Juni, der nach sieben größeren Kinostarts in der vergangenen Woche diesmal weitaus übersichtlicher ausfällt. Mit dem von uns bislang noch nicht gesichteten „Transformers: The Last Knight“ dürfte der Kinokassen-Sieger feststehen. Doch nach dem Erfolg von Filmen wie „Ein ganzes halbes Jahr“ oder „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist auch die Jugendromanverfilmung „Du neben mir“ nicht zu unterschätzen. Gerade weil er als einzige größere Alternative zu den kämpfenden Robotern fungiert. Den Programmkinos statten erneut die Franzosen einen Besuch ab, während eine oscarnominierte Doku enttäuscht.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DU NEBEN MIR  | Regie: Stella Meghie | USA 2017

Was wäre, wenn du in der Außenwelt nichts anfassen könntest? Wenn du nie frische Luft atmen, nie die Wärme der Sonne auf dem Gesicht spüren… und niemals den Nachbarsjungen küssen dürftest? Die 18-jährige Maddy (Amandla Stenberg) muss sich jeden Tag diese Frage stellen. Die clevere, neugierige und fantasievolle Teenagerin ist aufgrund einer schweren Krankheit gezwungen, in ihrer hermetisch versiegelten Wohnung zu leben – doch Nachbarsjunge Olly (Nick Robinson) lässt sich davon nicht abschrecken. Obwohl sich die beiden nur durchs Fenster sehen und über Textnachrichten verständigen können, entwickelt sich zwischen ihnen eine intensive Beziehung – was dazu führt, dass die beiden alles aufs Spiel setzen. Selbst wenn sie dadurch alles verlieren sollten.

Die ebenso kreativ wie sensibel erzählte Liebesgeschichte „Du neben mir“ ist inszenatorisch ein wenig generisch geraten, kann diesen Eindruck jedoch mit zwei toll miteinander interagierenden Hauptdarstellern ausgleichen und überrascht im Finale mit einem Twist, an dem sich die Geister scheiden werden.


TRANSFORMERS: THE LAST KNIGHT  | Regie: Michael Bay | USA 2017

Zwei Spezies befinden sich im Krieg: die Menschheit gegen die Transformers; Optimus Prime hat die Erde verlassen. Die Rettung des Planeten und seine Zukunft liegt begraben in den dunklen Geheimnissen der Vergangenheit. Gibt es möglicherweise eine Vorgeschichte, die die Transformers mit der Menschheit verbindet? Und kann diese Vorgeschichte beide Spezies in Frieden vereinen? Nur eine der beiden Welten kann überleben, und der Schlüssel zur Rettung der Erde liegt allein in den Händen einer ungewöhnlichen Allianz: Cade Yaeger (Mark Wahlberg), Bumblebee, der britische Lord Edmund Burton (Sir Anthony Hopkins), die smarte Geschichtsprofessorin Vivien Wembley und die unerschrockene Izabella (Isabella Moner). Im Leben eines jeden kommt irgendwann der Moment, in dem man dazu aufgerufen wird, alles zu verändern – die Gejagten werden zu Helden! Und aus Helden werden Feinde! 

Michael Bay lässt ein letztes Mal den Wahnsinn walten! „Transformers: The Last Knight“ kombiniert Dinge, die nicht kombinierbar sind. Jagt in die Luft, was nicht niet- und nagelfest ist. Zelebriert den Bombast, als wäre es ein Kinderspiel. Und vergrault damit jeden anspruchsvollen Kinozuschauer – zu Unrecht. Genießt es doch einfach!


MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE  | Regie: Stéphane Robelin | FR/BEL/DE 2017

Pierre ist Witwer, Griesgram und hasst Veränderungen aller Art. Um den alten Herrn zurück ins Leben zu schubsen, verkuppelt seine Tochter Sylvie ihn mit Alex, einem erfolglosen Schriftsteller und Freund ihrer Tochter. Alex soll Pierre mit der fabelhaften Welt des Internets vertraut machen. Das ungewohnte Lernduo tut sich mächtig schwer, bis Pierre ausgerechnet über ein Datingportal stolpert. Dank der beruhigenden Anonymität des Internets entdeckt sich Pierre als Verführer und verabredet sich mit der jungen Flora – zum Glück hat er ja Alex, der sich geradezu anbietet, die Konsequenzen zu tragen. Der in großen Finanznöten steckende Alex akzeptiert Pierres unmoralisches, aber exzellent bezahltes Angebot und geht an Pierres Stelle zum Rendezvous. Dass sich Flora Hals über Kopf verliebt, bringt die Situation in eine gewisse Schieflage.  

„Monsieur Pierre geht online“ ist eine charmante Dreiecksgeschichte, der Regisseur Stéphane Robelin leider nicht genug zutraut. Er setzt zu oft auf Altbewährtes und verpasst es dadurch, seine Geschichte vollständig außerhalb der Komfortzone des französischen Wohlfühlkinos zu platzieren.


LIFE, ANIMATED  | Regie: Roger Ross Williams | USA 2016

Im Alter von drei Jahren hört ein gesunder und aufgeweckter Junge namens Owen Suskind plötzlich und ohne Vorwarnung auf zu sprechen. Er verschwindet völlig und scheinbar ausweglos in seiner eigenen Welt. Die Diagnose: Autismus. Fast vier Jahre vergehen, in denen Owen ausschließlich auf Disney-Filme zu reagieren scheint. Eines Tages streift sein Vater im Spiel eine Handpuppe über – Jago, den Sprüche klopfenden Papagei aus „Aladdin“ – und fragt seinen Sohn: „Wie ist das eigentlich, wenn man so ist wie du?“ Und – Peng! – Owen spricht seine ersten Worte seit Jahren – und antwortet mit Dialogen aus seinen heißgeliebten Disney-Filmen. „Life, Animated“ erzählt die unglaubliche Geschichte des Autisten Owen, der durch Disney-Animationen seinen Weg zur Sprache wiederfindet und somit einen Weg mit seiner Umwelt in Kontakt zu treten.

Mit Ausnahme einer Handvoll Szenen gelingt es Regisseur Roger Ross Williams die meiste Zeit über nicht, den Eindruck zu erwecken, „Life, Animated“ sei nicht von vorn bis hinten durchgeplant und gescripted. So wirkt sein Film selektiv rührselig, nicht authentisch und auch wenn er immer im Sinne seiner Hauptfigur handelt, bleibt am Ende die Frage offen, wie viel Mitspracherecht Owen eigentlich beim Drehen hatte.


INNEN LEBEN | Regie: Philippe Van Leeuw | BEL 2017

Während draußen der Krieg tobt, verwandelt die resolute Oum Yazan ihre kleine Wohnung in einen sicheren Hafen für Familie und Nachbarn. Verzweifelt versucht sie, zum Schutz der Gemeinschaft den Alltag aufrechtzuerhalten und das Geschehen außerhalb auszublenden. Doch früher oder später muss auch sie die Tür öffnen und die Wirklichkeit hereinlassen.

Bestürzend intensiv zieht „Innen Leben“ den Zuschauer hinein in die Kriegswirklichkeit der einfachen Menschen, für die das einst traute Heim zum Gefängnis wird und jede noch so kleine Entscheidung über Leben und Tod bestimmen kann. „Innen Leben“ ist ein universelles, humanistisches Plädoyer von großer Dringlichkeit. Der Film gewann auf der 67. Berlinale den Publikumspreis der Sektion Panorama.


Heimkinotipp: JOHN WICK: KAPITEL 2  |  Regie: Chad Stahelski | USA 2017

Nachdem er Rache an den Kriminellen genommen hat, die seinen Hund getötet haben, erhält Profikiller John Wick seinen geliebten 1969er Mustang zurück – nur um sofort in eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch die überfüllten Straßen New Yorks verwickelt zu werden. Bei seiner Rückkehr nach Hause werden Johns Pläne, endlich ein friedliches Zivilleben aufzunehmen, jäh durchkreuzt, als der italienische Gangster Santino D’Antonio an seine Tür klopft – mit einem goldenen Schuldschein in der Hand, der John verpflichtet, sich für frühere Gefallen zu revanchieren. Auf Anordnung von Winston, dem Kopf der geheimen Killervereinigung des Continental, den uralten Kodex der Organisation zu respektieren, akzeptiert John widerwillig den Auftrag, Santinos eigene Schwester Gianna auszuschalten.

„John Wick: Kapitel 2“ ist ein betörend schön inszenierter Actionfilm mit surrealistischen Anleihen, der immer dann ein wenig an Tempo verliert, wenn Regisseur Chad Stahelski den Mythos um die Titelfigur weiter ausbauen will. Dafür entschädigen die spektakulären Kampfsequenzen ebenso wie ein toll aufgelegter Keanu Reeves.

Das startet am 8. Juni 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 8. Juni, dessen größter Start bislang der Presse vorenthalten wurde. Mit „Die Mumie“ kommt ein neuer Blockbuster mit Tom Cruise in die Kinos, der in Ermangelung an Konkurrenz ganz gut starten könne. Ansonsten lohnt sich ein Blick auf die deutschen Actionkomödie „Plan B“, während in den Arthousekinos mit „The Dinner“ und „Born To Be Blue“ zwei sehr starke Vertreter des Dramakinos erscheinen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE MUMIE  | Regie: Alex Kurtzman | USA 2017

Nachdem die machtbesessene, ägyptische Prinzessin Ahmanet vor Jahrhunderten ein abscheuliches Verbrechen begann, wurde sie von ihrem Volk bei lebendigem Leibe einbalsamiert und auf dem Gebiet des heutigen Irak vergraben. Genau dort begeben sich die beiden draufgängerischen Grabplünderer und Kriegsveteranen Nick Morton und Chris Vail auf eine neue Expedition, als sie durch Zufall mithilfe der smarten Archäologin Jenny Halsey das Gefängnis der Prinzessin entdecken. Sie heben das Grabmal aus und bringen den Sarg nach London, doch schon auf dem Weg dorthin ereignen sich unheimliche, übernatürliche Dinge, die ihr Flugzeug zum Absturz bringen. In der britischen Hauptstadt angekommen, entfesselt eine Jahrhunderte alte Macht das ultimativ Böse, zu dem ausgerechnet Nick eine ganz besondere Verbindung zu haben scheint…

Ein bisschen zu viel Zombie, einen Tick zu wenig Mumie, dafür jede Menge handgemachte Action, tolle Kulissen und sehr viel Humor: Alex Kurtzmans „Die Mumie“ ist ein starker Einstieg in Universals Dark Universe und kombiniert altmodisches Abenteuerflair mit düsterem Fantasy-Entertainment, das beim nächsten Mal aber gern noch ein wenig blutiger ausfallen darf. Wir schauen der Zukunft des Franchises wohl gestimmt entgegen!


 THE DINNER  | Regie: Oren Moverman | USA 2017

Für die Brüder Paul und Stan (Steve Coogan und Richard Gere) und ihre Frauen Claire und Katelyn (Laura Linney und Rebecca Hall) beginnt das Dinner mit unverbindlichem Smalltalk über Filme und Urlaubspläne. Das eigentliche Thema meiden sie geflissentlich: die Zukunft ihrer Söhne Michael und Rick. Die beiden 16-Jährigen haben nämlich ein Gewaltverbrechen begangen, das ihre Zukunftsaussichten und damit ihr Leben für immer ruinieren könnte. Noch aber sind sie nicht als Täter identifiziert worden. Michaels Vater will nur das Beste für seinen Sohn – und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Doch auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen…

Das stark gespielte Thriller-Drama „The Dinner“ macht optisch vielleicht nicht allzu viel her, doch mit seiner geschickten Erzählstruktur gelingt es Oren Moverman, eine radikale Tragödie freizulegen, die den Zuschauer dort packt, wo es wehtut: der Frage nach Pietät und Anstand.


BORN TO BE BLUE  | Regie: Robert Budreau | CAN/USA 2015

Der legendäre Jazz-Trompeter Chet Baker (Ethan Hawke) erlebt in den Fünfzigerjahren einen kometenhaften Aufstieg als der „James Dean of Jazz“ und „King of Cool“. Doch schon zehn Jahre später ist Baker am Ende. Zerrissen von seinen inneren Dämonen und den Exzessen des Musikerlebens, begegnet er einer eines Tages einer Frau (Carmen Ejogo), mit der auf einmal wieder alles möglich scheint. Angefeuert von seiner neuen Leidenschaft und ihrem bedingungslosen Glauben an ihn, kämpft sich Baker wieder zurück und erschafft so einige der unvergesslichsten Musikaufnahmen seiner Karriere. Doch seine Sucht nach Drogen und die Liebe zum Rausch lassen ihn nicht los und so scheint nicht einmal seine Jane die Rettung für ihn zu sein…

„Born To Be Blue“ gewährt uns anhand von Chet Baker einen hochemotionalen, ungeschönten Einblick ins Musikbusiness, der seinen Reiz auch dadurch entwickelt, dass Regisseur Robert Budreau Realität und Fiktion verschmelzen lässt. Ethan Hawke brilliert als vom Schicksal gebeutelter, am Ende an sich selbst gescheiterter Musiker. Auf so viel „Blues“ muss man Lust haben, doch schließlich wird man mit sehr viel Musik und ebenso viel Gefühl belohnt.


EIN KUSS VON BÈATRICE  | Regie: Martin Provost | FR 2017

Von einem Tag auf den anderen steht Claires (Catherine Frot) Leben auf dem Kopf. Die Klinik, in der sie seit Jahren mit Leib und Seele als Hebamme arbeitet, schließt. Claires einziger Sohn eröffnet ihr, dass er Vater wird und sein Medizinstudium abbricht. Dann verliebt sie sich noch in Paul (Olivier Gourmet), den humorvollen Nachbarn aus der Kleingartenkolonie. Und als wäre das alles noch nicht genug, platzt Béatrice (Catherine Deneuve) in ihr Leben. Béatrice ist die ehemalige Geliebte ihres verstorbenen Vaters und genau das Gegenteil der gewissenhaften und zurückhaltenden Claire. Sie ist extravagant, laut, egoistisch und lebenslustig: Welten prallen auf einander. Doch Béatrice wäre nicht Béatrice, wenn sie nicht auch noch ein paar Überraschungen auf Lager hätte. Überraschungen, die Claires Leben für immer verändern…

In „Ein Kuss von Béatrice“ erzählt Martin Provost von zwei Frauen, die sich entgegen erster Tendenzen ähnlicher sind, als zunächst angenommen. Daraus ergibt sich für das hervorragend aufgelegte Hauptdarstellerinnengespann eine spannende, wenn auch deutlich zu lange Reise in emotionale Seelengefilde, die leider hier und da von ihren diversen Subplots verwässert wird.


WHITNEY – CAN I BE ME | Regie: Nick Broomfield, Rudi Dolezal | UK/USA 2017

Whitney Houston war ein Ausnahmetalent mit einer glockenhellen Stimme über drei Oktaven, sie war wunderschön und mit mehr aufeinanderfolgenden Nr.-1-Hits als die Beatles unglaublich erfolgreich – und doch starb sie schon mit 48 Jahren an einer Überdosis. Dokumentarfilmer Nick Broomfield und der Kultmusikvideo-Regisseur Rudi Dolezal versuchen in bislang unveröffentlichten Aufnahmen sorgfältig zu rekapitulieren, welche Kräfte Whitneys Karriere verkürzten und 2012 zu ihrem Tod mit 48 Jahren führten. Seien es Rassismus, Religion, Drogen, Sexualität, Selbstzweifel, die Forderungen ihrer Eltern und der Industrie, eine problematische Ehe, die von den Medien ausgeschlachtet wurde – die beiden Regisseure durchleuchten alles.  Sie liefern das Bild einer bemerkenswerten Frau, die zahlreichen Zwängen ausgesetzt war und mit großer Menschlichkeit versuchte, sich um alle zu kümmern.

Die kurzweilige Dokumentation „Whitney – Can I Be Me“ bleibt in seinem Porträt von Whitney Houston zwar nicht vollständig objektiv, doch trotz der teils spekulativen Betrachtung ihres privaten Schicksals spürt man doch die Ehrfurcht der Regisseure, die sie ihrer legendären Hauptfigur entgegenbringen.eineinhalbstündige Berlin-Hommage zu bestaunen.


PLAN B – SCHEIß AUF PLAN A | Regie: Ufuk Genc, Michael Popescu | DE 2016

Can, Phong, Cha und U-Gin sind beste Freunde und zugleich die erfolglosesten Actionstar-Wannabes diesseits von Hollywood. Doch als ihnen überraschend ein Casting-Angebot ins Haus flattert, bietet sich eine aller letzte Chance, endlich zu zeigen, was sie wirklich draufhaben. Dumm nur, dass U-Gin die Adresse vertauscht. So landen die Jungs nicht im erhofften Casting, sondern eindeutig im falschen Film – denn unerwartet kommen sie einer Truppe knallharter Gangster in die Quere, die sich Phong als Geisel schnappen und die anderen auf eine mörderische Mission schicken. Im Tausch gegen Phongs Leben sollen sie den Geheimsafe des gefürchteten Gangsterbosses Gabriel ausfindig machen. In einem Wettlauf gegen die Zeit kämpfensich die Jungs von einem Fettnäpfchen ins nächste quer durch Berlin und müssen bald erkennen, dass sie im Zentrum einer Unterweltverschwörung gelandet sind.

„Plan B – Scheiß auf Plan A“ ist eine gelungene Hommage an das Actionkino der Achtziger- und Neunzigerjahre und funktioniert ganz klar über den „Passion over Substance“-Faktor. Die Leidenschaft der Darsteller tröstet über holprige Dialoge und eine zähe Dramaturgie hinweg. Dafür gibt’s fantastische Stunts, fiese Bösewichte und eine eineinhalbstündige Berlin-Hommage zu bestaunen.


MEIN NEUES BESTES STÜCK | Regie: Audrey Dana | FR/BEL 2017

Aus, Schluss, vorbei! Nach einem erbitterten Rosenkrieg mit ihrem Exmann und dem Verlust des alleinigen Sorgerechts für ihre zwei kleinen Kinder platzt der sonst so aufopferungsvollen Jeanne (Audrey Dana) endgültig der Kragen. Frustriert und abgekämpft beschließt die überforderte Mittdreißigerin, das andere Geschlecht ab sofort links liegen zu lassen und allen Männern abzuschwören. Denn sie ist sich sicher: Mit einem Schwanz wäre alles einfacher! Doch eines Tages wacht sie mit einer prekären Überraschung zwischen den Beinen auf… einem Penis! So sehr manche Frauen über einen etwaigen Rollenwechsel vielleicht phantasieren mögen: Jeanne definitiv nicht! Als auch ihr Gynäkologe ihr nicht helfen kann, muss sich Jeanne etwas überlegen…

In den besten Momenten dringt durch „Mein neues bestes Stück“ die Botschaft durch, dass Probleme jeglicher Art vor den einzelnen Geschlechtern keinen Halt machen (sollten), denn etwas, worüber man selbst nicht bestimmen kann, sollte niemals zu einem Konfliktherd werden. Leider räumt Regisseurin Audrey Dana plakativen Zoten zu viel Platz ein und ist zudem ungenau in ihrer Erzählung. Ihre darstellerische Leistung hievt den Film trotzdem auf solides Mittelmaß.


GIULIAS GROSSES RENNEN  |  Regie: Matteo Rovere | IT 2016

Die Leidenschaft für schnelle Motoren liegt Giulia De Martino im Blut, denn sie stammt aus einer Familie, die seit Generationen Champions im Motorsport hervorbringt. Auch sie ist Rennfahrerin, noch dazu ein außergewöhnliches Talent, sodass sie bereits als Siebzehnjährige unter der Führung ihres Vaters Mario an der GT-Meisterschaft teilnimmt. Aber eines Tages ändert sich alles, und Giulia muss nun sowohl auf der Rennbahn als auch im Leben allein zurechtkommen. Die Situation verkompliziert sich, als ihr Bruder Loris unerwartet wieder zu Hause auftaucht, auf den man als Rennfahrer zwar nicht mehr bauen kann, der jedoch mit einem außergewöhnlichen siebten Sinn fürs Fahren begabt ist. Giulia bleibt nichts anderes übrig, als mit ihm zusammenzuarbeiten. In einer rasanten Abfolge von Adrenalin und Emotionen entdecken beide, wie schwierig und gleichzeitig bedeutsam es ist, eine Familie zu sein.


SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES  |  Regie: Julian Radlmaier | DE 2017

Ein bürgerlicher Windhund gesteht, wie er vom Filmemacher zum Vierbeiner wurde: Weil er gerade keine Förderung bekommt, sieht Julian sich gezwungen, einen Job als Erntehelfer anzunehmen. Als er der jungen Kanadierin Camille weismacht, es handele sich dabei um die Recherche für einen kommunistischen Märchenfilm, in dem sie die Hauptrolle spielen soll, will sie ihn begleiten und Julian spinnt romantische Fantasien. So landen die beiden in der trügerischen Idylle einer ausbeuterischen Apfelplantage. Während Julian unter der körperlichen Arbeit leidet und sich vor den merkwürdigen Zimmergenossen in den Containerbaracken fürchtet, stürzt sich Camille enthusiastisch in die vermeintliche Recherche und freundet sich mit Hong und Sancho an, zwei wundergläubige Proletarier auf der Suche nach dem Glück, die nicht nur Camille, sondern auch Julian nachhaltig beeindrucken.


Heimkinotipp: DIE TASCHENDIEBIN  |  Regie: Chan-Wook Park | KOR 2016

Korea in den 1930er Jahren. Die schöne, aber unnahbare Lady Hideko lebt mit ihrem dominanten Onkel Kouzuki in einem abgelegenen Anwesen, dessen Herzstück eine hingebungsvoll gepflegte Bibliothek ist. Kouzuki sammelt und verkauft Bücher voll schonungsloser Erotik, die Hideko zahlungskräftigen Herren vorlesen muss. Eines Tages kommt ein neues Dienstmädchen, die junge und naive Sookee, ins Haus von Lady Hideko. Doch das Mädchen hat ein Geheimnis: Sookee ist eine Betrügerin, engagiert, um Hideko dem gerissenen Grafen Fujiwara in die Hände zu spielen, der sie nach der Hochzeit um ihr Vermögen bringen will. Doch zwischen den beiden jungen Frauen entwickelt sich etwas Unerwartetes: eine ungeahnte Zuneigung, die die Karten der Macht neu verteilt.

Chan-wook Parks „Die Taschendiebin“ ist ein komplex-verschachtelt erzähltes, hochspannendes und ebenso erotisches Verwirrspiel um Liebe, Begehren und das Entkommen aus gesellschaftlichen Zwängen. Trotz einiger Längen ist das betörend schön gefilmte Drama schon jetzt ein Highlight des Kinojahres 2017.

Das startet am 1. Juni 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 1. Juni, der nach dem Start des Überblockbusters „Pirates of the Caribbean 5“ noch ein wenig halblang macht. „Baywatch“ dürfte dank Starpower die größten Chancen auf viele Besucher haben. Auch der Romanverfilmung „Wenn Du stirbst, zieht Dein ganzes Leben an Dir vorbei, sagen sie“ rechne ich aufgrund der Zielgruppe Außenseiterchancen aus, denn das Buch war erfolgreich und außerdem ist das Genre der Teenie-Romanze derzeit ohne große Konkurrenz bestückt. Ansonsten ist diese Woche ein Fest für Doku-Fans, während sich die ganze Familie (mit eher kleinen Kindern) auf ein neues „Gregs Tagebuch“-Abenteuer freuen darf, das immerhin solide geworden ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

WENN DU STIRBST, ZIEHT DEIN GANZES LEBEN…  | Regie: Ry-Russo Young | USA 2017

Sam (Zoey Deutch) und ihre besten Freundinnen glauben, alles richtig gemacht zu haben: Sie gehören zu den beliebtesten Mädchen der Highschool, haben mit den coolsten Typen rumgeknutscht und die wildesten Partys gefeiert. Die vier Freundinnen haben die Schule fest im Griff und sehen sehr gut dabei aus. Als It-Girl-Clique machen sie aber auch Außenseitern gern mal das Leben zur Hölle. Doch plötzlich wird irgendwo ein Hebel umgelegt und die Regeln der perfekten Highschool-Welt ändern sich. Nach einer ausgelassenen Party stirbt Sam bei einem Autounfall – doch als wäre nichts gewesen, wacht sie am Morgen desselben Tages quicklebendig in ihrem Bett auf. Was wie eine neue Chance wirkt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum: Sam erlebt die letzten 24 Stunden vor dem Unfall immer und immer wieder – und setzt alles daran, diesen Teufelskreis endlich zu durchbrechen.

„Wenn Du stirbst, zieht Dein ganzes Leben an Dir vorbei, sagen sie“ läuft mehrmals Gefahr, erzählerisch in eine vollkommen falsche Richtung abzudriften, doch am Ende erweist sich das Teeniedrama als grundsolides, perfekt auf die Zielgruppe abgestimmtes Plädoyer gegen Mobbing und für mehr Toleranz, das mit einem sehr konsequenten Ende nachhaltig verstört.


DIE FARBE DER SEHNSUCHT  | Regie: Thomas Riedelsheimer | DE 2017

Katar, Portugal, Mexiko, Japan und Deutschland sind die Orte, an denen der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Kameramann Thomas Riedelsheimer „Die Farbe der Sehnsucht“ sucht. Er trifft auf Menschen, die ihr Glück unter Wasser, im Träumen an ein besseres Leben, als Sprayer in einem Ghetto, oder in der Arbeit darin suchen (und finden?), Menschen vor dem Suizid zu bewahren. Mit großen Bildern, Musik, Gedichten und acht berührenden Geschichten über Liebe, Heimat, Hoffnung, Natur und Freiheit erzählt er von der Tragik und der Freude Mensch zu sein. Für den Zuschauer ergibt sich ein visuell berauschender Bilderbogen, der in seiner minimalistischen Inszenierung eine hochemotionale Gegenthese zum von Terror, Stress und Hektik geprägten Weltgeschehen bildet.

Entschleunigung pur! Thomas Riedelsheimers Dokumentarfilm „Die Farbe der Sehnsucht“ ist eine Reise rund um den Erdball, der dabei verschiedene Schicksale streift und uns für eineinhalb Stunden vor Augen führt, wie unterschiedlich die Prioritäten sind, die sich jeder Einzelne von uns setzt. Das ist zwar ohne journalistischen Mehrwert, dafür voll von visionärem Minimalismus – und damit einfach schön!


GREGS TAGEBUCH – BÖSE FALLE! | Regie: David Bowers | AUS 2017

Nach einem Zwischenfall mit einer Windel droht der zwölfjährige Greg zum Gespätt der weltweiten Internetgemeinde zu werden. Postwendend setzt er alle Hebel in Bewegung, um seinen „Ruf“ wiederherzustellen. Da liegt es natürlich auf der Hand, dass er ein noch „cooleres“ Video von sich im World Wide Web posten muss. Idealerweise mit der Hilfe und an der Seite des YouTube-Gurus Mac Digby, der ihn via automatischer E-Mailantwort eingeladen hat, ihn doch auf der Player’s Expo zu besuchen. Dies beflügelt Greg ungemein und er freut sich auf einen schönen, langen Sommer, doch das ist nicht im Sinne von Mama Susan. Die hat beschlossen, dass die Familie mehr Zeit miteinander verbringen muss und deswegen auch ein Handy- und Computerverbot ausgesprochen – und das gilt natürlich auch während der Autofahrt zur Geburtstagsfeier von Gregs Urgroßmutter.

Das hohe Tempo und die sympathische Chemie innerhalb der Filmfamilie tragen bereits den halben Film. Der Rest funktioniert über die hohe Schlagzahl an Gags und allerhand abgedrehte Slapstick-Einfälle, doch ausgerechnet letztere driften bei „Gregs Tagebuch: Böse Falle!“ zu oft in Albernheiten ab, die unter Zuhilfenahme von Fäkalhumor sogar richtig unangenehm werden können. Das trübt den ansonsten so liebenswerten Gesamteindruck.


BAYWATCH | Regie: Seth Gordon | USA 2017

Er hat seinen Strand fest im Griff: Der gut aussehende, unnatürlich muskulöse Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) ist der lässigste Rettungsschwimmer von Miami Beach mit dem heißesten Team an seiner Seite. Ihr Markenzeichen: die knallroten Badeanzüge und Badehosen, dank derer man die Strandwache schon von Weitem erkennt. Nur Neuzugang Matt Brody (ZacEfron) stellt die Autorität des charismatischen Anführers in Frage und stiftet Unruhe, dabei will er in Wirklichkeit selbst Teil der erfolgreichen Rettungsschwimmer-Mannschaft werden. Doch als das Team in einen mysteriösen Kriminalfall hineingezogen wird und die Zukunft der geliebten Bucht auf dem Spiel steht, müssen sich die beiden Lifeguards wohl oder übel zusammenraufen. Es ist der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft…

„Baywatch“ macht vor allem aufgrund seiner konträren Besetzung durch Dwayne Johnson und Zac Efron jede Menge Laune. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass hier noch viel mehr als bloß eine feuchtfröhliche Komödie drin gewesen wäre, wenn sich die Macher nicht zu sehr darauf versteift hätten, unbedingt etwas abzuliefern, was an den Kultstatus der Serie heranreicht.


GANZ GROSSE OPER |  Regie: Toni Schmid | DE 2017

„Bestes Opernhaus“, „Bestes Orchester“, „Bester Dirigent“, „Beste Opernproduktion“, „Beste Nachwuchssänger“. Die Bayerische Staatsoper, fast jeden Abend ausverkauft, ist eines der ältesten Opernhäuser der Welt und sie hat ein treues Publikum, das schon seit dem 19. Jahrhundert als ausgesprochen „verrückt“ nach Oper gilt. „Ganz große Oper“ ist der erste Film über dieses einzigartige Haus. Wir erleben bekannte Größen auf und hinter der Bühne, lernen den amtierenden Generalmusikdirektor Kirill Petrenko, den Dirigenten Ivor Bolton, sowie den amtierenden Intendanten Nikolaus Bachler und dessen Vorgänger Sir Peter Jonas kennen. Zum Kosmos der Bayerischen Staatsoper zählen rund 800 Festangestellte und 400 freie Mitarbeiter aus 47 Nationen. Sie prägen diese große „Familie“ im Orchestergraben, hinter den Kulissen und in den unterschiedlichsten Opernwerkstätten mit.


CODE OF SURVIVAL  |  Regie: Bertram Verhaag | DE 2017

Vergiftete Böden, resistente Superunkräuter, verseuchtes Getreide und damit einhergehende Folgen für Weidetiere sind das grauenvolle Resultat des zerstörerischen, gentechnischen Anbaus, bei dem weltweit jährlich Millionen Tonnen von Glyphosat zum Einsatz kommen. Wie sich diese ungesunden Methoden auch auf den Menschen auswirken, ist bislang noch kaum erforscht, doch die Anzahl der Gegner nimmt weltweit zu. Der Trend geht zur Gegenbewegung, denn immer mehr Firmen setzen auf Naturschutz und weitreichenden Anbau. Drei nachhaltige Projekte in Indien, Ägypten und Deutschland beweisen nun, dass es auch anders geht. In einer eindrücklichen Montage werden die Auswirkungen des giftgestützten Anbaus mit der heilenden Kraft der ökologischen Landwirtschaft konfrontiert. Welche Methode birgt den vielsagenden „Code of Survival“ auf unserem Planeten?


Heimkinotipp MANCHESTER BY THE SEA  |  Regie: Kenneth Lonergan | USA 2016

Lee Chandler (Casey Affleck) ist ein schweigsamer Einzelgänger, der als Handwerker eines Wohnblocks in Boston arbeitet. An einem feuchtkalten Wintertag erhält er einen Anruf, der sein Leben auf einen Schlag verändert. Das Herz seines Bruders Joe (Kyle Chandler) steht still. Nun soll Lee die Verantwortung für seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges) übernehmen. Äußerst widerwillig kehrt er in seine Heimat, die Hafenstadt Manchester-by-the-Sea, zurück. Doch ist Lee dieser Situation und der neuen Herausforderung gewachsen? Kann die Begegnung mit seiner (Ex-)Frau Randi (Michelle Williams), mit der er einst ein chaotisches, aber glückliches Leben führte, die alten Wunden der Vergangenheit heilen? Und wollen die beiden das überhaupt?

„Manchester by the Sea“ zelebriert die Faszination der Gegensätzlichkeit, indem Kenneth Lonergan einen warmen Film über ein kaltes Thema inszeniert, sich die Wogen glättende Gespräche vor der Kulisse eines rauen Küstenstädtchens abspielen lässt und die Unbeholfenheit von Teenagern Probleme vermeintlich weiser Erwachsenen lösen können. Eine Perle subversiven Erzählens, deren emotionale Bandbreite fast überfordert.

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