Masters of the Universe
Fast vierzig Jahre nach seinem ersten Kinoauftritt schwingt He-Man wieder das Schwert der Macht. Doch reicht die Rückkehr nach Eternia aus, um aus der Kultmarke MASTERS OF THE UNIVERSE auch einen wirklich erinnerungswürdigen Blockbuster zu machen?
Darum geht’s
Der junge Prinz Adam (als Kind: Artie Wilkinson-Hunt) wächst auf dem fernen Planeten Eternia auf. Als der finstere Skeletor (Jared Leto) das Königreich angreift und die Hauptstadt verwüstet, wird Adam durch ein Portal auf die Erde geschickt. Auf der Flucht verliert er jedoch das legendäre Schwert der Macht – den einzigen Schlüssel zu seiner Herkunft und seinem Schicksal. Fast zwanzig Jahre später lebt Adam (jetzt: Nicholas Galitzine) als gewöhnlicher Mensch auf der Erde und hat die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Eternia nie ganz aufgegeben. Als das verschollene Schwert überraschend wieder auftaucht, wird er in einen Konflikt hineingezogen, der sich über Welten erstreckt. Gemeinsam mit seiner Jugendfreundin Teela (Camila Mendes) und dem Waffenmeister Duncan alias Man-at-Arms (Idris Elba) kehrt Adam nach Eternia zurück. Dort muss er feststellen, dass Skeletor inzwischen die Macht an sich gerissen und den Planeten in eine düstere Zukunft geführt hat. Um sein Volk zu retten, muss Adam die Geheimnisse seiner Vergangenheit entschlüsseln, seine Bestimmung annehmen und sich in He-Man verwandeln – den mächtigsten Mann des Universums.
Kritik
Wer in den Achtzigerjahren aufgewachsen ist, kam an „Masters of the Universe“ kaum vorbei. Was einst als Spielzeugreihe des Herstellers Mattel begann, entwickelte sich dank der kultisch verehrten Zeichentrickserie schnell zu einem popkulturellen Phänomen. He-Man, Skeletor und Schloss Grayskull genießen bis heute vor allem bei den inzwischen erwachsenen Kindern der Achtziger einen ähnlichen Kultstatus wie die „Teenage Mutant Ninja Turtles“ oder die „Ghostbusters“. Entsprechend groß war die Sehnsucht nach einer zeitgemäßen Neuverfilmung. Doch der Weg auf die Leinwand gestaltete sich überraschend steinig: Über Jahre hinweg wechselten Studios, Regisseure und Drehbuchautoren, ehe Amazon MGM das Projekt schließlich realisierte und Newcomer Nicholas Galitzine („Als du mich sahst“) als He-Man verpflichtete. Nun ist der Film fertig. Unter der Regie von Travis Knight („Bumblebee“) kehrt der Held von Eternia knapp vierzig Jahre nach seinem ersten Realfilm-Abenteuer auf die große Leinwand zurück. Die entscheidende Frage lautet dabei natürlich: Reicht die Macht von Grayskull auch im Jahr 2026 noch aus, um ein modernes Publikum zu begeistern?
Die Antwort darauf fällt überraschend ambivalent aus. Denn „Masters of the Universe“ wirkt über weite Strecken wie ein Blockbuster aus dem Baukasten. Das muss nicht automatisch etwas Schlechtes sein. Es verhält sich ein wenig wie mit Zauberkästen für Kinder: Wer zum ersten Mal einen Trick vorgeführt bekommt, ist begeistert. Beim zweiten oder dritten Kasten stellt sich allerdings die Erkenntnis ein, dass hinter den meisten Illusionen letztlich dieselben Mechanismen stecken. Ähnlich verhält es sich mit dem Film. Die Figurenkonstellationen, das Fish-out-of-Water-Prinzip, die klare Gut-gegen-Böse-Dramaturgie, die humoristischen Auflockerungen zwischen den Actionsequenzen und selbst viele emotionale Wendepunkte erinnern an zahllose Franchise-Produktionen der vergangenen Jahre. Ob Filme aus dem Marvel Cinematic Universe, die jüngeren DC-Abenteuer oder jüngst „Mortal Kombat II“: Vieles folgt mittlerweile denselben erzählerischen Blaupausen. „Masters of the Universe“ beherrscht diese Mechanismen durchaus souverän, überrascht daher aber nur selten. Vieles fühlt sich vertraut, manches ausgesprochen vorhersehbar an. Umso wichtiger ist es für den Film, jene Momente zu finden, in denen er sich von seinen Genrekollegen absetzt und eine eigene Identität entwickelt.
„Wer eine möglichst werkgetreue Interpretation der Vorlage erwartet, bekommt genau das: Eternia präsentiert sich als bunte Fantasy-Welt voller überlebensgroßer Figuren, grotesker Kreaturen und jener unverwechselbaren Mischung aus Science-Fiction und Barbaren-Epos, die die Reihe seit jeher auszeichnet.“
Genau das gelingt ihm immer dann, wenn er sich auf jene Elemente besinnt, die Fans seit Jahrzehnten an „Masters of the Universe“ lieben. Wer eine möglichst werkgetreue Interpretation der Vorlage erwartet, bekommt genau das: Eternia präsentiert sich als bunte Fantasy-Welt voller überlebensgroßer Figuren, grotesker Kreaturen und jener unverwechselbaren Mischung aus Science-Fiction und Barbaren-Epos, die die Reihe seit jeher auszeichnet. Statt die Vorlage zwanghaft zu modernisieren oder ihre Eigenheiten glattzubügeln, zelebriert der Film lieber ihren liebenswerten Wahnsinn. Figuren wie Skeletor, Man-At-Arms oder Teela dürfen genau das sein, was sie schon immer waren, während sich auch zahlreiche Nebenfiguren und Schauplätze erkennbar an den Spielzeugen und Zeichentrickfolgen orientieren. Daher werden vor allem Fans ihre Freude daran haben, wie selbstverständlich der Film Begriffe, Orte und Mythologien aus dem „Masters“-Kosmos integriert, ohne sie permanent erklären oder rechtfertigen zu wollen. Und selbst wer mit „Masters of the Universe“ bislang keinerlei Berührungspunkte hatte, dürfte recht schnell erfassen, welche Momente hier gerade besonderes Gewicht besitzen. Die Inszenierung setzt entsprechende Akzente schließlich nicht gerade subtil. Wenn die Kamera ehrfürchtig über Figuren und Schauplätze gleitet, der Soundtrack anschwillt und einzelne Enthüllungen wie große Ereignisse zelebriert werden, wird deutlich, dass hier gezielt auf die emotionale Bindung langjähriger Fans gesetzt wird. Wer diese Erinnerungen teilt, erlebt vermutlich ein wohliges „Das kenne und liebe ich!“. Alle anderen verspüren eher ein „Ah, das ist offenbar etwas, das sehr viele kennen und lieben“.
Genau hier liegt allerdings auch die größte Schwäche des Films. Denn sobald man die liebevoll rekonstruierten Figuren, Schauplätze und Anspielungen einmal ausklammert, bleibt erzählerisch vergleichsweise wenig übrig, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Die Handlung arbeitet sich routiniert an bekannten Stationen des modernen Franchise-Kinos ab, ohne ihnen eine wirklich eigene Perspektive hinzuzufügen. Das ist handwerklich absolut solide umgesetzt, besitzt aber nur selten jene Momente, die einen Film von einem funktionierenden Unterhaltungsprodukt zu einem eigenständigen Werk machen. Tatsächlich stellt sich bereits während des Schauens ein merkwürdiger Effekt ein wenn man sich dabei ertappt, wie einzelne Szenen schon unmittelbar nach ihrem Ende wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Anders als etwa bei „Dungeons & Dragons“, der seine Fantasy-Welt mit spürbarer Persönlichkeit, cleverem Humor und einer ganz eigenen Tonalität auflud, bleibt „Masters of the Universe“ oft auf der Ebene einer gelungenen Markenadaption. Das ist immer noch deutlich sympathischer als Filme wie „Mortal Kombat II“, die ihre Vorlage zwar ebenfalls pflichtbewusst abhaken, dabei aber kaum mehr als eine lose Aneinanderreihung bekannter Versatzstücke liefern. Dennoch drängt sich der Eindruck auf, dass „Masters of the Universe“ vor allem von dem lebt, was die Marke bereits mitbringt, anstatt ihr wirklich neue Facetten hinzuzufügen. Immerhin gelingt ihm dabei etwas, woran viele vergleichbare Franchise-Filme scheitern. Trotz aller Formelhaftigkeit wirkt der Film nie zynisch oder kalkuliert. Er besitzt eine angenehme Leichtfüßigkeit und eine spürbare Zuneigung zu seinem eigenen Stoff, die selbst dann noch trägt, wenn die Geschichte längst auf ausgetretenen Pfaden unterwegs ist.
„Man merkt es der Besetzung einfach an, dass hier nicht nur für einen einzelnen Film gecastet wurde. Die Figuren sollen eine Bindung mit dem Publikum erzeugen und im Idealfall gleich mehrere (und auch bereits in Form einer Post-Credit-Scene angekündigte) Fortsetzungen schultern können.“
Eventuell ist das auch die Erklärung dafür, weshalb „Masters of the Universe“ trotz seiner erzählerischen Austauschbarkeit über weite Strecken funktioniert. Denn ähnlich wie viele moderne Franchise-Auftakte investiert der Film weniger in überraschende Storywendungen als vielmehr in Figuren, mit denen das Publikum auch künftig noch Zeit verbringen möchte. Man merkt es der Besetzung einfach an, dass hier nicht nur für einen einzelnen Film gecastet wurde. Die Figuren sollen eine Bindung mit dem Publikum erzeugen und im Idealfall gleich mehrere (und auch bereits in Form einer Post-Credit-Scene angekündigte) Fortsetzungen schultern können. Diese Rechnung geht weitgehend auf. Das Ensemble harmoniert hervorragend miteinander und sorgt dafür, dass sich die Gruppendynamik jetzt schon selbstverständlich anfühlt. Besonders Nicholas Galitzine erweist sich dabei als Glücksgriff. Er bringt die notwendige physische Präsenz für den späteren He-Man mit, besitzt aber zugleich genug Charme und Nahbarkeit, um die Figur nicht auf ihre Muskelmasse zu reduzieren. Dadurch gelingt ihm der Spagat zwischen Fantasy-Held und Identifikationsfigur weitgehend mühelos. Fast noch interessanter ist allerdings Jared Letos Skeletor. Obwohl der Oscarpreisträger (für „Dallas Buyers Club“) den ikonischen Schurken verkörpert, wurde er im Marketing auffallend zurückhaltend eingesetzt. Im fertigen Film ist davon erst recht kaum etwas zu spüren. Hinter Make-up, Effekten und einer stark verfremdeten Stimme verschwindet Leto derart vollständig hinter seiner Figur, dass man sich zwischenzeitlich fragt, ob seine Dialoge überhaupt von ihm selbst eingesprochen wurden. Immerhin bekommt man dadurch tatsächlich Skeletor zu sehen und nicht bloß Jared Leto als Skeletor. Ein kleines Highlight liefert darüber hinaus „Community“-Ikone Alison Brie, die ihre Figur der Skeletor-Handlangerin Evil-Lyn mit einer amüsierten Souveränität ausstattet, die jederzeit vermittelt, den übrigen Anwesenden immer ein paar Schritte voraus zu sein.
Fazit: „Masters of the Universe“ versteht, weshalb die Marke seit Jahrzehnten geliebt wird, und begegnet ihrer Vorlage mit spürbarer Zuneigung. Die Liebe zum Detail, ein stimmig besetztes Ensemble und die sympathische Leichtfüßigkeit sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Nostalgie allein keine Eigenständigkeit ersetzt. So bleibt am Ende ein gelungenes Fantasy-Abenteuer, das man gern schaut, an das man sich später aber nur noch bruchstückhaft erinnert.
„Masters of the Universe“ ist ab dem 4. Juni 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.



