LOL 2.0

Manche Fortsetzungen entstehen, weil das Publikum nach ihnen verlangt. Andere, weil die Figuren es wert sind, dass man noch einmal Zeit mit ihnen verbringt. Das Sequel LOL 2.0 zu der Erfolgsdramödie von 2008 kombiniert beides und schickt zwei unterschiedliche Generationen durch den unterhaltsamen Prozess der Selbstfindung.

OT: LOL 2.0 (FR 2026)

Darum geht’s

Mit Mitte 50 genießt es Anne (Sophie Marceau), ihre wunderschöne Pariser Altbauwohnung endlich ganz für sich allein zu haben. Nachdem ihre Kinder längst ausgezogen sind, möchte sie die neu gewonnene Freiheit nutzen, um sich stärker auf sich selbst, ihre Karriere und ihr Liebesleben zu konzentrieren. Doch die Ruhe währt nicht lange. Nach beruflichen Rückschlägen und dem Scheitern ihrer Beziehung zieht ihre 23-jährige Tochter Louise (Thaïs Alessandrin) wieder bei ihr ein. Das ungeplante Zusammenleben zwingt die beiden Frauen dazu, aktiv an ihrer Mutter-Tochter-Beziehung zu arbeiten, was jedoch überraschend gut gelingt. Vor allem, als Louise zarte Bande mit ihrem neuen Chef Jules (Nathan Japy) knüpft, in dessen Restaurant sie arbeitet. Doch als dann auch noch Sohn Théo (Victor Belmondo) seiner Mutter verkündet, dass er Vater wird, gerät Annes ohnehin neu sortierter Alltag endgültig aus den Fugen. Denn eigentlich fühlt sie sich noch gar nicht bereit, Großmutter zu werden. Doch ausgerechnet aus einer flüchtigen Begegnung mit einem potenziellen Verehrer schöpft Anne neues Selbstbewusstsein…

Kritik

2008 landete Regisseurin Lisa Azuelos („Dalida“) mit „LOL (Laughing Out Loud)“ in Frankreich einen Überraschungserfolg, der mehr als dreieinhalb Millionen Menschen in die Kinos lockte und seine Geschichte über erste Liebe, familiäre Konflikte und die Suche nach der eigenen Identität weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte. Dass Azuelos die Coming-of-Age-Dramödie bereits vier Jahre später selbst für den amerikanischen Markt neu verfilmte, erschien da nur folgerichtig. Wo zuvor Sophie Marceau und Christa Théret das Mutter-Tochter-Gespann verkörperten, traten nun Demi Moore und der damalige Teenie-Superstar Miley Cyrus ihre Nachfolge an. Doch während das französische Original einen Nerv traf und vielerorts Kultstatus erlangte, blieb der erhoffte Erfolg des Remakes aus. Dabei sind die Themen des Films doch eigentlich universeller Natur. Weitere vierzehn Jahre später ist das amerikanische Remake längst in Vergessenheit geraten, das zauberhafte Original hingegen nicht. Umso naheliegender erscheint die Frage, wie es Lola und ihrer Mutter Anne mittlerweile eigentlich ergangen ist. Genau dieser Frage geht Lisa Azuelos nun mit vergleichbarem Fingerspitzengefühl in dem Sequel „LOL 2.0“ nach.

Zwischen Louise (Thaïs Alessandrin) und ihrem Chef Jules (Nathan Japy) knistert es…

Das „2.0“ hinter dem Filmtitel kommt dabei keineswegs von ungefähr. Schließlich liegen zwischen „LOL“ und seiner Fortsetzung nicht nur siebzehn Jahre Filmgeschichte, sondern auch eine gesellschaftliche Entwicklung, die den Alltag junger Menschen grundlegend verändert hat. War das Internet im Jahr 2008 noch eher eine Begleiterscheinung des Erwachsenwerdens, ist es heute längst dessen selbstverständlicher Bestandteil. Während Freundschaften über Messenger und WhatsApp-Nachrichten gepflegt werden, beginnen viele Beziehungen heutzutage auf Dating-Plattformen und Co. Das permanente Online-Sein ist für die hier porträtierte Generation keine Besonderheit mehr, sondern Normalität. Lisa Azuelos verteufelt diesen Umstand genauso wenig wie sie ihn romantisiert. Wo andere Filme soziale Medien reflexartig als Ursache sämtlicher gesellschaftlicher Fehlentwicklungen präsentieren, betrachtet „LOL 2.0“ sie vielmehr als das, was sie für viele junge Erwachsene tatsächlich sind: Werkzeuge der Kommunikation, Selbstdarstellung und Vernetzung, mit all ihren Chancen und Fallstricken. Moralische Lektionen resultieren aus dem exzessiven Gebrauch jedenfalls keine. Stattdessen zeigt Azuelos, wie eng Identitätsfindung heute mit digitalen Räumen verwoben ist. Wer im Jahr 2025 vom Erwachsenwerden erzählen will, kommt an sozialen Medien einfach nicht vorbei.

„Die Regisseurin nähert sich insbesondere der Frage „Wer bin ich eigentlich?“ oder besser: „Wer will ich eigentlich sein?“ mit einer nie konstruiert wirkenden Ehrlichkeit. Immer wieder entsteht der Eindruck, als schöpfe sie aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, was ihre Figuren auch aktiv davor beschützt, einfach nur nüchtern beurteilt zu werden.“

Auch abseits davon hat Lisa Azuelos in ihrer Beobachtungsgabe nichts von jener Akkuratesse und Detailverliebtheit eingebüßt, die bereits das Original so authentisch gemacht haben. Wobei „Beobachtung einer Generation“ diesmal eigentlich zu kurz greift. Denn während sich „LOL“ einst vor allem auf die Perspektive seiner jugendlichen Figuren konzentrierte, blickt „LOL 2.0“ gleich auf zwei Lebensphasen zugleich. Auf der einen Seite stehen die mittlerweile erwachsenen Kinder, die sich durch die nicht immer einfache Suche nach einem Platz in der Welt navigieren müssen. Auf der anderen Seite befinden sich ihre Eltern, die sich ihrerseits mit der Erkenntnis auseinandersetzen, dass auch das eigene Leben noch längst nicht fertig erzählt ist. Azuelos nähert sich all diesen Themen, insbesondere der Frage „Wer bin ich eigentlich?“ oder besser: „Wer will ich eigentlich sein?“, mit einer nie konstruiert wirkenden Ehrlichkeit. Immer wieder entsteht der Eindruck, als schöpfe sie aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, was ihre Figuren auch aktiv davor beschützt, einfach nur nüchtern beurteilt zu werden. Wenn Mutter Anne auf die Nachricht, dass sie bald Oma wird, abweisend ihrem Sohn gegenüber reagiert, einfach weil sie sich selbst noch nicht bereit für diese Rolle fühlt, dann wäre es ein Leichtes gewesen, ihr hieraus einen Strick der Antipathie zu drehen. Stattdessen blickt „LOL 2.0“ hinter die Fassade derartiger Übersprungsreaktionen, entlarvt sie als genau das und nutzt sie, um ihre Figuren anhand dieser (und anhand einander) wachsen zu lassen.

Erleben das Erwachsenenleben gemeinsam: Marie (Isaline Prévost Radeff), Louise  und Lorenzo (Théo Augier)

Besonders deutlich wird das in der Beziehung zwischen Lola und Anne, die erneut das emotionale Zentrum der Geschichte bildet. „LOL 2.0“ ist gleichermaßen Liebeserklärung an die Tochter- wie an die Mutterfigur. Azuelos interessiert sich nicht für den künstlich aufgeblasenen Generationenkonflikt (im Gegenteil: Zu einer der besten Szenen gehört ein ausgelassener Partyabend mit Lolas Freund:innen, gemeinsam mit ihrer Mutter, die von ihnen allen selbstverständlich akzeptiert wird), sondern für die Frage, wie Menschen trotz unterschiedlicher Lebensrealitäten immer wieder zueinander finden können. Selbst in den (durchaus hitzigen) Momenten von Streits oder Missverständnissen ist „LOL 2.0“ von einer angenehmen Wärme durchzogen, die stets vermittelt, dass sich Mutter und Tochter am Ende doch wieder auffangen werden. Für den einen oder anderen mag darin vielleicht die emotionale Fallhöhe fehlen; Wenn die Zeichen ohnehin die ganze Zeit auf Versöhnung stehen, weshalb sich dann überhaupt mit künstlich geschaffenen Konflikten aufhalten? Doch die Ups und Downs in dieser Mutter-Tochter-Beziehung wirken nicht künstlich erschaffen, sondern speisen sich aus den ganz normalen Alltagsproblemen, die eben entstehen, wenn die erwachsene Tochter von heute auf morgen wieder bei ihrer Mutter einzieht. Bei derart nachvollziehbaren Konflikten berühren die Versöhnungen dann umso mehr.

„Zwar kann ‚LOL 2.0‘ naturgemäß nicht jedem von ihnen die gleiche erzählerische Tiefe zugestehen, doch für das vielschichtige Gesamtbild des modernen Erwachsenenlebens erhält jede Figur zumindest einen Moment, in dem sie aus dem Ensemble hervorsticht und ihre eigene Geschichte erzählen darf.“

Dass „LOL 2.0“ trotz seiner thematischen Vielfalt niemals den emotionalen Fokus verliert, liegt nicht zuletzt an seinen beiden Hauptdarstellerinnen. Sophie Marceau („La Boum“) beweist einmal mehr, weshalb sie seit Jahrzehnten zu den prägendsten Gesichtern des französischen Kinos zählt. Ihre Anne strahlt eine hohe Lebenserfahrung aus, gleichzeitig changiert sie authentisch zwischen Stärke und Verletzlichkeit. Thaïs Alessandrin („Sweetheart“) gelingt es derweil, in die großen Fußstapfen von Christa Théret zu treten, die Louise alias Lola noch im ersten Film verkörperte. Alessandrin versucht gar nicht erst, deren Interpretation zu kopieren. Stattdessen macht sie die mittlerweile erwachsene Louise glaubhaft zu ihrer eigenen Figur und trifft dabei genau den Ton zwischen Selbstbewusstsein, Unsicherheit und der Sehnsucht nach Orientierung, der die Figur schon immer ausgezeichnet hat. Vor allem in den gemeinsamen Szenen entwickelt sich zwischen den beiden Schauspielerinnen eine spürbare Chemie. Und auch die zahlreichen Nebenfiguren profitieren von dieser liebevollen Herangehensweise, darunter einige alte Bekannte aus dem ersten Film. Zwar kann „LOL 2.0“ naturgemäß nicht jedem von ihnen die gleiche erzählerische Tiefe zugestehen, doch für das vielschichtige Gesamtbild des modernen Erwachsenenlebens erhält jede Figur zumindest einen Moment, in dem sie aus dem Ensemble hervorsticht und ihre eigene Geschichte erzählen darf.

Mutter (Sophie Marceau) und Tochter wohnen wieder unter einem Dach.

Fazit: 17 Jahre nach dem ersten Teil beweist die Fortsetzung „LOL 2.0“, dass die Geschichte von Mutter Anne und Tochter Lola noch nicht auserzählt ist. Mit viel Empathie für ihre Figuren und zwei hervorragend aufgelegten Hauptdarstellerinnen gelingt Regisseurin Lisa Azuelos eine warmherzige, kluge und lebensnahe Dramödie über das Älterwerden. Mal aus der Sicht der jungen und dann wieder aus der Sicht der älteren Erwachsenengeneration.

„LOL 2.0“ ist ab dem 18. Juni 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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