Der Super Mario Galaxy Film

Drei Jahre nach dem milliardenschweren Level-Up der Klempner-Brüder schickt sich das Mario-Universum an, die nächste Galaxie zu erobern. Doch wo der Vorgänger noch mit Charme, Witz und Nostalgie punktete, droht die Fortsetzung DER SUPER MARIO GALAXY FILM im eigenen Dauerfeuer aus Action und Fanservice zu verglühen.

OT: The Super Mario Galaxy Movie (USA 2026)

Darum geht’s

Nach ihren Abenteuern im Pilzkönigreich geraten Mario (Chris Pratt) und Luigi (Charlie Day) erneut in eine gefährliche Situation: Obwohl Bowser (Jack Black) bereits besiegt wurde, versucht nun sein Sohn Bowser Jr. (Benny Safdie), ihn zu befreien und gleichzeitig selbst die Macht im Universum an sich zu reißen. Dafür entführt er die geheimnisvolle Sternenwächterin Rosalina (Brie Larson), die über das Universum wacht. Auf ihrer Rettungsmission treffen Mario und seine Freunde neue Verbündete, darunter den Dinosaurier Yoshi (Donald Glover). Und gemeinsam setzen sie alles daran, Rosalina zu befreien und Bowser Jr. aufzuhalten.

Kritik

Drei Jahre ist es her, dass „Der Super Mario Bros. Film“ nicht nur die Videospielverfilmung aus ihrem lange belächelten Nischendasein befreite, sondern sie gleich in neue kommerzielle Sphären katapultierte. Sowohl in Deutschland als auch in den USA avancierte das bunt animierte Abenteuer rund um Nintendos Klempner-Brüder Mario und Luigi zum Kassenschlager, der Familien, Nostalgie-Verliebte und eine neue Generation von Fans gleichermaßen in die Kinos locken konnte. Weltweit spielte der Film schließlich über eine Milliarde US-Dollar ein und setzte damit eine Marke, an der sich nachfolgende Adaptionen erst einmal messen lassen müssen. Dass ein derartiger Erfolg nicht ohne Konsequenzen bleibt, versteht sich von selbst. Und so wirkt es beinahe wie eine Formsache, dass mit „Der Super Mario Galaxy Film“ nun die nächste Ausbaustufe dieses frisch etablierten Kino-Universums folgt. Nun wäre es ein Leichtes gewesen, das Erfolgsrezept aus Easter-Egg-Bombardement, Humor und liebgewonnenen Charakteren wieder aufzugreifen und ganz einfach zu reproduzieren. Dann käme dabei zwar – wie schon bei Teil eins – kein Meisterwerk der Animationsfilmkunst heraus, wohl aber ein kurzweilig-harmloser Slapstick-Spaß. Doch ausgerechnet die Sache mit dem Humor bleibt bei „Der Super Mario Galaxy Film“ weitestgehend auf der Strecke. Stattdessen bekommen wir eine Aneinanderreihung von Action- und Kampfszenen präsentiert, die sich nur marginal voneinander unterscheiden. Da hat sich das Animationsfilmkino der jüngeren Vergangenheit schon weitaus kunstfertiger und abwechslungsreicher präsentiert.

Luigi (Charlie Day) und Mario (Chris Pratt) mit ihren Motorrädern auf Klempner-Mission.

Und da haben wir mit der Story noch nicht einmal angefangen. Diese präsentiert sich nämlich hauchdünn und noch dazu zu jedem Zeitpunkt spannungs- und überraschungsarm. Nun muss ein (Animations-)Film mit solch klarer Publikumsanvisierung mitnichten eine komplexe Story erzählen. Wie bereits gesagt: Reproduktion des Bekannten hätte sogar genügt. Im Falle von „Der Super Mario Galaxy Film“ ist nur leider das Problem, dass das Drehbuch nicht einfach nur dünn ist, sondern das Geschehen dadurch auch herzlich egal. Nahezu nichts im Film hat Konsequenzen oder wirkt sich anderweitig auf die Dramaturgie respektive den Handlungsverlauf aus. Am besten lässt sich das anhand des Beispiels Bowser verdeutlichen: Ist der Oberschurke nach den Ereignissen des ersten Teils und seiner daraufhin erhaltenen Strafe geläutert, oder nicht? Spielt er seinen Wunsch um Anerkennung und Freundschaft nur vor, oder steckt dahinter ein ausgeklügelter Plan? Im Laufe der rund 90-minütigen Laufzeit wird Bowsers Charakter derart oft auf links und wieder zurückgedreht, dass man sich irgendwann schlicht und ergreifend nicht mehr für ihn und seine Belange interessiert. Lediglich Bowsers Beziehung zu seinem kleinen Sohn gewinnt dank einer charmanten „Puppentheater zum Einschlafen“-Rückblende ein wenig an Bedeutung. Es ist zudem einer der wenigen Filmmomente, in denen „Der Super Mario Galaxy Film“ kurz zur Ruhe kommt. Denn ansonsten peitscht das Drehbuch von Autor Matthew Fogel (schrieb auch schon den ersten Teil sowie den zweiten „Minions“-Film) seine Figuren nur so durch die Geschichte…

„Im Falle von ‚Der Super Mario Galaxy Film‘ ist nur leider das Problem, dass das Drehbuch nicht einfach nur dünn ist, sondern das Geschehen dadurch auch herzlich egal. Nahezu nichts im Film hat Konsequenzen oder wirkt sich anderweitig auf die Dramaturgie respektive den Handlungsverlauf aus.“

… was hier allerdings eher bedeutet: von Setpiece zu Setpiece. Da sind ohne Zweifel einige Schmankerl dabei. Auch weniger mit den Spielen vertraute Zuschauer:innen dürften sich etwa an einem würfelförmigen Casino kaum sattsehen können, so gekonnt spielen die Kreativen hier mit Perspektiven und kosten ihre Detailverliebtheit genüsslich aus. Doch gleichzeitig wirken all die Stationen hier eher wie das pflichtbewusste Abhaken bekannter Spielfelder. Das wird Hardcore-Fans natürlich mit der Zunge schnalzen lassen, aber viel zur Geschichte hat all das nicht beizutragen. Und dabei ist die ja schon sehr seicht, schließlich muss auch diesmal wieder eine entführte Prinzessin – in diesem Fall Rosalina – gerettet werden, wofür sich eine ganze Handvoll bekannter Nintendo-Charaktere (übrigens bis über die Grenzen der klassischen Mario-Welt hinaus) aufmacht, sie zu finden. So viel inspirationslose Zweckdienlichkeit erschöpft schnell zwangsläufig, wenn man nicht mit etwas Außergewöhnlichem dagegenhält. Doch neben der überraschenden Humorarmut gelingt das auch den austauschbaren Kampfchoreographien, die im Animationsfilm aufgrund ihrer grenzenlosen Möglichkeiten ohnehin weitaus weniger Wucht haben als in einem Realfilm, beileibe nicht. „Der Super Mario Galaxy Film“ ist letztlich nicht mehr als kindgerechtes Krawallkino, das immerhin keine derartige Reizüberflutung darstellt wie zuletzt der (zweifelsohne deutlich kreativere und sehenswertere) „G.O.A.T.“. Dafür verlassen sich die Illumination-Studios noch zu sehr auf die Konventionen des klassisch 3D-animierten Kinos ohne Risiko.

Bowser Junior (Benny Safdie) will mit großen Taten vor seinem Vater Bowser (Jack Black) glänzen.

Wer sich indes als größtes Plus (und bester Franchise-Neuzugang) des Films erweist, ist der bereits in der Post-Credit-Szene des ersten Teils angekündigte Yoshi. Eine unter Fans ohnehin immens beliebte – und einfach auch verdammt niedliche – Figur. Wenn Mario und Luigi den sich in einer verschütteten Röhre versteckenden Mini-Dino befreien, ihn in ihrem Team willkommen heißen und schließlich gemeinsam mit ihm das kommende Abenteuer bestreiten, ist der Knuddelfaktor von „Der Super Mario Galaxy Film“ enorm hoch und wird nur noch weiter gesteigert, wenn später auch noch ein Baby-Saurier zur Truppe hinzustößt (die Merchandise-Abteilung von Universal frohlockt sicher schon!). Tatsächlich kann es der Figur im Alleingang gelingen, über die Banalitäten des Rests hinwegzutrösten. Ganz einfach, weil man ihm gern dabei zusieht, wie er Feinde verschlingt und anschließend wieder in einem Ei verpackt ausscheidet. Oder wenn er mit seiner langen Zunge ganz nebenbei jemandes Eiscreme klaut. Natürlich hat auch hiervon nichts irgendeinen emotionalen Impact und doch würde „Der Super Mario Galaxy Film“ ohne Yoshi noch weniger Eindruck hinterlassen. Manchmal genügt eben ein kleiner Lichtblick im Dunkel, um nicht mit völligem Groll den Kinosaal zu verlassen. Und seien wir einmal ehrlich: Die nächste Milliarde dürfte auch dieser Film so gut wie sicher haben. Wie sagt man so schön: Alles eine Frage der Zielgruppe.

„Wer sich indes als größtes Plus (und bester Franchise-Neuzugang) des Films erweist, ist der bereits in der Post-Credit-Szene des ersten Teils angekündigte Yoshi. Eine unter Fans ohnehin immens beliebte – und einfach auch verdammt niedliche – Figur.“

Fazit: „Der Super Mario Galaxy Film“ ist ein visuell stellenweise einfallsreiches, inhaltlich jedoch erschreckend ambitionsloses Sequel, das den Charme und vor allem den Humor seines Vorgängers weitgehend vermissen lässt. Zwischen austauschbaren Actionsequenzen und einer kaum vorhandenen Dramaturgie blitzen nur vereinzelt Momente auf, die – allen voran dank Yoshi – zumindest kurzfristig für Unterhaltung sorgen. Dass der Film dennoch zum nächsten Kassenerfolg avancieren dürfte, spricht weniger für seine Qualität als vielmehr für die ungebrochene Strahlkraft der Marke.

„Der Super Mario Galaxy Film“ ist ab dem 2. April 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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