Das startet am 23. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 23. November, der mit zwei der stärksten Filme des gesamten Kinojahrs aufwartet. Da wäre zunächst einmal die überragende Familienfilmfortsetzung „Paddington 2“ und auf der anderen Seite der deutsche Oscar-Beitrag „Aus dem Nichts“ von fatih Akin. Doch auch abseits dieser beiden Highlights gibt es mit „Battle of the Sexes“ und „Detroit“ weiteres Awardmaterial zu sehen, genauso wie eine Filminstallation, die bereits seit zwei Jahren durch diverse deutsche Museen tourt. Mit Ausnahme von „Paddington 2“ dürften es – insbesondere aufgrund der aktuell sehr starken Konkurrenz der letzten Startwochen – die anderen Filmbeiträge schwer haben, zu punkten. Doch es gab lange keine bessere Zeit, um einfach mal auf gut Glück ins Kino zu sehen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PADDINGTON 2  | Regie: Paul King | UK/FR 2017

Der liebenswerte Bär Paddington mit Schlapphut und Dufflecoat hat nicht nur bei Familie Brown ein Zuhause gefunden, er ist auch in der Nachbarschaft ein geschätztes Mitglied: Höflich, zuvorkommend und immer fröhlich – außerdem lieben alle seine Marmeladenbrote, ohne die er nie das Haus verlässt. Als der 100. Geburtstag von Tante Lucy ansteht, sucht Paddington nach einem geeigneten Geschenk. Fündig wird er im Antiquitäten-Laden des liebenswerten Mr. Gruber, das allerlei Schätze birgt: Ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch hat es Paddington angetan. Allerdings muss der kleine, tollpatschige Bär dafür ein paar Nebenjobs antreten – das Chaos ist vorprogrammiert. Und dann wird das Buch auch noch gestohlen! Paddington und die Browns folgen den Spuren des Diebs, der ein Meister der Verkleidung zu sein scheint… 

Paul King gelingt erneut ein Film, der dem Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und um sich im Hinblick auf unser Urteil zu Teil eins noch einmal zu steigern, genügt nur eine Erkenntnis: „Paddington 2“ ist in jeder Hinsicht makellos!


AUS DEM NICHTS  | Regie: Fatih Akin | DE/FR 2017

Aus dem Nichts zerbricht Katjas Leben: Ihr Mann Nuri und ihr Sohn Rocco sterben bei einem Bombenanschlag in der Hamburger City. Die Polizei geht davon aus, dass Nuri die Schatten seiner Vergangenheit als Drogendealer eingeholt haben. Je weniger Vertrauen Katja in die gezielt gegen ihre Familie arbeitenden Ermittler hat, umso mehr zerbricht sie am Leid und Kummer. Als auch Drogen der jungen Frau nicht mehr dabei helfen können, den Schmerz zu betäuben, begeht sie einen Suizidversuch – und rettet sich gerade noch rechtzeitig, um von ihrem Anwalt Danilo Fava zu erfahren, dass die Beamten zwei Verdächtige geschnappt haben. Bei André und Edda Möller handelt es sich um ein Neo-Nazi-Paar. Der Prozess ist trotz erdrückender Beweislage ein zermürbendes Ereignis – und in Katja schwillt der Gedanke an Gerechtigkeit. 

Fatih Akin gelingt mit „Aus dem Nichts“ ein famoses Schlachtengemälde über Schmerz, Wut, Trauer und den bedingungslosen Willen, um das zu kämpfen, was einen am Leben hält – und wenn es das Verlangen nach Vergeltung ist.


MANIFESTO  | Regie: Julian Rosefeldt | DE 2015

Von der Nachrichtensprecherin über die Trauerrednerin bis hin zum Obdachlosen, von der Pop-Art bis hin zu Dogma 95, von Film bis Surrealismus: In „Manifesto“ ist die zweifache Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett gleich in dreizehn unvergesslichen Episoden zu sehen, die allesamt Manifeste verschiedener Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts behandeln. Der renommierte Film- und Videokünstlers Julian Rosefeldt verwebt in diesem zeitgemäßen Weckruf, mit dem er bereits vor zwei Jahren als Kunstinstallation durch deutschlandweite Museen reiste, geschickt die leidenschaftlichsten Statements der Kunstgeschichte und bettet sie in unterschiedliche Alltagssituation einen – vom melancholischen Selbstgespräch bis hin zum Tischgebet. 

Wer nicht die Gelegenheit hatte, „Manifesto“ als Kunstinstallation zu erleben, für den liefert Julian Rosefeldt nun die Leinwandversion einer faszinierenden Ansammlung von Monologen mit einer noch faszinierenderen Hauptdarstellerin.


BATTLE OF THE SEXES  | Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris | UK/USA 2017

Die USA 1973: in einer aufgewühlten Zeit, in der durch die Frauenbewegung und die sexuelle Revolution das traditionelle Geschlechterverhältnis in Frage gestellt wird, entwickelt sich der Schaukampf zwischen der weltweiten Nr. 1 des Damentennis, Billie Jean King, und dem Ex-Tennischampion und notorischen Zocker Bobby Riggs zum meist gesehenen Sportevent der Fernsehgeschichte – zum „Battle of the Sexes“, bei dem weltweit 90 Millionen Zuschauer mitfieberten. Doch während sich die beiden Rivalen inmitten der medialen Hysterie auf das Match vorbereiten, müssen sie weit komplexere Kämpfe mit sich selbst ausfechten. King streitet nicht nur für Gleichberechtigung, sondern muss sich über ihre eigene Sexualität klar werden. Und Briggs, einer der ersten Selfmade-Promis des Medienzeitalters, kämpft mit dem Dämon der Spielsucht. 

„Battle of the Sexes“ fängt das Flair der Siebzigerjahre hervorragend ein und gibt einen ebenso unterhaltsamen wie persönlichen Blick auf eines der spektakulärsten Tennismatches aller Zeiten – und ein Erfolgserlebnis für gelebte Gleichberechtigung.


DETROIT  | Regie: Katheryn Bigelow | USA 2017

Der Sommer 1967 ist ein ausschlaggebender Moment in der modernen amerikanischen Geschichte, als das Land von wachsenden politischen und sozialen Unruhen heimgesucht wird. Die Eskalation des Vietnamkriegs sowie jahrzehntelange Ungleichheit und Unterdrückung fordern ihren Tribut. Die Unzufriedenheit und kochende Wut finden schließlich ihren Höhepunkt in den Großstädten, wo die afroamerikanische Gemeinschaft seit jeher mit systematischer Diskriminierung sowie hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Als zwei Tage nach Beginn der Rebellionen auf der Anlage eines Motels Pistolenschüsse gemeldet werden, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an. Statt sachlich zu ermitteln, kommt es zu einer von Vorurteilen und Gewalt geprägten Razzia. Die anwesenden Motelgäste müssen sich einem gefährlichen Verhör unterziehen, bis alles eskaliert. 

„Detroit“ ist ein erschütterndes Dokument sinnlosen Rassenhasses und veranschaulicht die Ereignisse einer Nacht im sozialpolitisch äußerst angespannten Detroit Ende der Sechzigerjahre. Eine Tour de Force für Zuschauer und Darsteller, die sich die Seele aus dem Leib spielen, um daran zu erinnern, dass es so etwas wie damals nie wieder geben darf.


LIEBE ZU BESUCH  | Regie: Hallie Meyers-Shyer | USA 2017

Die alleinerziehende Alice (Reese Witherspoon) hat sich nach der Trennung von ihrem Mann (Michael Sheen) zu einem Neuanfang entschlossen und ist mit ihren beiden Töchtern mitten in die US-Metropole Los Angeles gezogen, wo das Haus ihres verstorbenen Vaters steht. Während einer ausgelassenen Party zu ihrem 40. Geburtstag lernt sie drei gutaussehende, junge Filmemacher kennen, die auf der Suche nach einer neuen Bleibe sind und am Tag danach prompot in ihrem Gästehaus einziehen. Was als vorübergehende Notlösung gedacht war, entwickelt sich zu einer ungewöhnlichen Patchwork-Familie, von der alle Parteien profitieren. Allerdings stehen die neue Familie und zauberhafte Romantik auf dem Spiel, als aus dem Nichts Alices Ex-Mann auftaucht und sie ihr Leben erneut in Frage stellen muss.

Hallie Meyers-Shyers Regiedebüt „Liebe zu Besuch“ nimmt die von Reese Witherspoon zuckersüß gespielte Protagonistin Alice deutlich ernster, als es viele vergleichbare Hollywoodromanzen mit ihren Frauenfiguren tun. Anstatt ganz klassisch das Aufkeimen einer neuen Liebe zu betrachten, geht es ihr am Ende vielmehr um innere Zufriedenheit, die nicht zwangsläufig darauf hinauslaufen muss, dass Mann und Frau bis in alle Ewigkeit zusammenleben.


OPERATION DUVAL – DAS GEHEIMPROTOKOLL  | Regie: Thomas Kruithof | FR 2016

Frei nach Franz Kafkas Novelle „Der Prozess“ erzählt Regisseur Thomas Kruithof die Geschichte des Unternehmensberaters Duval (Francois Cluzet). Nach einem überstandenen Burn-Out erhält dieser von einer mysteriösen Firma ein neues Jobangebot: Er soll geheime Telefongespräche transkribieren und archivieren. Zunächst macht ihm die Arbeit Spaß, auch wenn die Geheimhaltung seiner Arbeit ihn immer öfter vor den Kopf stößt. Bis er schließlich realisiert, in was für eine Welt er dort geraten ist. Mehr und mehr wird er dabei nämlich Teil eines politischen Komplotts und in die bizarre Welt der Geheimdienste hineingezogen. Und so muss sich Duval schon bald die Frage stellen, ob er als Mitwisser eine Mitschuld an den Dingen trägt, von denen er zwar weiß, die er aber offiziell gar nicht wissen darf. Duval stürzt sich in einen folgenreichen Gewissenskonflikt, der auch sein Umfeld beeinflusst…


ÜBERLEBEN IN NEUKÖLLN  | Regie: Rosa von Praunheim | DE 2017

Im Zentrum des Films steht Stefan Stricker, der sich Juwelia nennt und seit vielen Jahren eine Galerie in der Sanderstraße in Berlin Neukölln betreibt. Hier lädt er an jedem Wochenende Gäste ein, denen er schamlos aus seinem Leben erzählt. Der Film begleitet sie nach New York, wo sie zum ersten Mal eine Ausstellung hat und dort auch auftritt. Neben Juwelia treffen wir die 89 jährige Frau Richter, die im Alter von 50 Jahren nach Neukölln zog, um hier mit einer Frau glücklich zu werden. Wir treffen den androgynen kubanischen Sänger und Tänzer Joaquin la Habana, der mit seinem Mann zusammenlebt. Wir treffen Mischa Badasyan aus Russland, einen Performancekünstler, der es sich zur Pflicht machte, ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen Mann Sex zu haben. Und wir begegnen der syrischen Sängerin Enana, die nach ihrer dramatischen Flucht nach Berlin hofft, ein freieres Leben führen zu können, als Frau und als Lesbe.


 Heimkinotipp: SPIDER-MAN: HOMECOMING  | Regie: Jon Watts | USA 2017

Immer noch euphorisch von dem packenden Kampf mit den Avengers, für den er erstmals in den Anzug von Spider-Man schlüpfen durfte,  kehrt Peter Parker (Tom Holland) in seine Heimat zurück, wo er mit seiner fürsorglichen Tante May (Marisa Tomei) und unter dem wachsamen Auge seines neuen Mentors Tony Stark (Robert Downey Jr.) lebt. Es fällt ihm jedoch nicht leicht, sich im Alltag zurechtzufinden – vielmehr will er beweisen, dass er mehr ist als nur der sympathische Spider-Man aus der Nachbarschaft. Als aber der Superschurke The Vulture (Michael Keaton) als neuer Gegenspieler auftaucht, gerät plötzlich alles, was Peter im Leben wichtig ist, in große Gefahr. Aber immerhin kann sich Peter erstmals als ernstzunehmender Superheld beweisen.

Es fühlt sich tatsächlich an wie Nachhausekommen! In „Spider-Man: Homecoming“ erhalten wir die Gelegenheit, die ganze Faszination für den Marvel-Superheldenkosmos noch einmal mit den Augen eines Neulings zu sehen. Jon Watts ist ein herrlich verspielter, toll besetzter und clever erzählter Sommerblockbuster gelungen, den man einfach nur in sein Herz schließen kann.

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