Unhinged – Außer Kontrolle

Im ersten großen Neustart nach der Corona-Krise eröffnet ein verfetteter Russel Crowe die Jagd auf eine hilflose Autofahrerin, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Ob UNHINGED – AUSSER KONTROLLE seiner spannenden Prämisse gerecht wird, das verraten wir in unserer Kritik.

OT: Unhinged (USA 2020)

Der Plot

Es ist ein ganz normaler Morgen für Rachel (Caren Pistorius): Sie ist wieder mal zu spät dran und steckt im täglichen Verkehrschaos auf dem Weg zur Schule mit ihrem Sohn Kyle (Gabriel Bateman) fest, als auch noch ihre wichtigste Klientin ihr kündigt und der Autofahrer (Russell Crowe) vor ihr hartnäckig die grüne Ampel ignoriert. Laut hupend zieht sie an ihm vorbei und ahnt nicht, dass sie so zur Zielscheibe der geballten Wut eines Mannes wird, der nichts mehr zu verlieren hat. Entschlossen heftet er sich an Rachels Fersen, um ihr eine Reihe von Lektionen zu erteilen, die sie so schnell nicht vergessen wird. Und nicht nur sie ist sein Ziel, sondern auch alle, die sie liebt. Gnadenlos und scheinbar unaufhaltsam schlägt der Fremde immer wieder zu…

Kritik

Für seine Hauptrolle im sich aktuell in der Postproduktion befindlichen Thriller „The Georgetown Project“ nahm Russell Crowe („Der verlorene Sohn“) im vergangenen Jahr massig Kilos zu. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der gebürtige Neuseeländer am fragwürdigen Hollywoodsport des „Gewichts-Jojos“ beteiligt und für Filmengagements mal ab- und mal zunimmt, um möglichst authentisch zu wirken. Crowe gab erst kürzlich in einem Interview zu, sich derzeit so gar nicht wohl in seiner Haut zu fühlen und blieb deshalb sogar der im Januar stattgefundenen Golden-Globe-Verleihung fern. Der Zuschauer ist von Crowes aufopferungsvoll herbeigeführter Wandlungsfähigkeit noch am ehesten Profiteur. In Derrick Bortes kurz vor „The Georgetown Project“ noch rasch dazwischengeschobenem Thriller „Unhinged – Außer Kontrolle“ wirkt Crowe fülliger als je zuvor, was allerdings hervorragend zu seiner Rolle als unzufriedener, sich selbst bemitleidender und gewaltbereiter Stalker passt. Der Hollywoodstar, der zuletzt vorwiegend für gemütliche Vaterrollen gecastet wurde, ist hier endlich mal wieder als fieser Bösewicht zu sehen. Ein Rollenprofil, das ihm hervorragend zu Gesicht steht und „Unhinged“ vor der Vollkatastrophe bewahrt.

Fataler Fehler – Rachel (Caren Pistorius) verweigert dem fremden Autofahrer neben ihr die Entschuldigung.

Wem die Idee eines irren Autofahrers, der einen anderen Autofahrer ohne jeden ersichtlichen Grund so lange verfolgt, bis das Ganze in einer Katastrophe endet, bekannt vorkommt, der erinnert sich damit vermutlich an Steven Spielbergs Kultfilm „Duell“. In der TV-Produktion von 1971 eröffnet ein die meiste Zeit im Verborgenen bleibender Tanklasterfahrer die Jagd auf einen ahnungslosen Geschäftsmann, die die beiden anschließend quer durch die kalifornische Wüste führt. Eine Idee, die in ihrer Einfachheit kaum zu übertreffen ist: keine Dialoge, keine Erklärungen, nur das unaufhaltsame Wettrennen zwischen zwei Männern in ihren fahrbaren Untersätzen. „Unhinged – Außer Kontrolle“ besitzt einige der oben aufgeführten Elemente ebenfalls. So bleibt beispielsweise die Ursache für das kranke Verhalten ihres Verfolgers lange Zeit im Dunkeln. Wann immer Rachel glaubt, ihren Stalker abgeschüttelt zu haben, taucht er plötzlich doch wieder auf; mal hinter der nächsten Straßenecke, ein anderes Mal an der Tankstelle. Und zumindest aus der ersten halben Stunde der eigentlichen Filmereignisse geht nicht hervor, wozu der Bösewicht wohl noch imstande sein wird. Bellt er nur sehr laut oder beißt er zu? Eine Frage, die Drehbautor Carl Ellsworth („Red Dawn“) leider schon im Vorwege beantwortet: Bevor der bedeutungsschwanger über das Gewaltpotenzial der Amerikaner philosophierende Vorspann über die Leinwand rollt, verrät der Prolog, dass der Mann auch vor Mord und Brandstiftung nicht zurückschreckt. Es wäre deutlich effektiver gewesen, die wirklich finsteren Seiten seiner Person erst nach und nach zu offenbaren.

„Wann immer Rachel glaubt, ihren Stalker abgeschüttelt zu haben, taucht er plötzlich doch wieder auf; mal hinter der nächsten Straßenecke, ein anderes Mal an der Tankstelle.“

So aber weiß man auch trotz der zunächst eher spärlich gesäten Informationen, dass die Jagd des Mannes und seiner weiblichen Beute vermutlich tödlich enden wird; Eine Vermutung, die „Unhinged“ dann auch im zweiten Drittel bestätigt, wenn aus der bis dato eher ruhig inszenierten aber nicht minder unheimlichen Verfolgungssituation plötzlich ein Actionthrillerszenario wird. Plötzlich ist es nicht mehr die immer wieder unmittelbar hinter ihrem Auto auftauchende Präsenz des Fremden, die Rachel und damit auch dem Publikum Angst macht, sondern seine in recht blutigen Einstellungen gefilmten Gewalttaten, wenn er nach und nach Rachels Freunde und Familie dezimiert. Ab hier beginnt „Unhinged“ schließlich völlig abstrus zu werden. Im Kontrast zum im Vorspann heraufbeschworenen Appell daran, wie realitätsnah diese Prämisse ist, wirkt die nun folgende Eskalation der Ereignisse fast lächerlich. Der Stalker mutiert zum schier übermächtigen Gegner – und ob dies nun auf der Straße stattfindet oder nicht, ist letztlich auch egal. Schade um das eigentlich so effektive Eröffnungssetting.

Unter der von einem leidenschaftlich wahnsinnig aufspielenden Russell Crowe heraufbeschworenen Hysterie, die im Hinblick auf das Foreshadowing (Stichwort: Fortnite) im Finale absolut hanebüchene Züge erreicht, leidet auch die Figurenzeichnung. Während sich insbesondere Rachel („Slow West“-Star Caren Pistorius spielt die Rolle der Gejagten und aufopferungsvollen Mutter glaubhaft und solide) zu Beginn von „Unhinged“ noch weitestgehend klug verhält, immer wieder mit der Polizei kommuniziert und, wann immer möglich, Hilfe von Außenstehenden in Anspruch nimmt, lassen arg konstruierte Dialoge sie mit der Zeit immer weniger smart aussehen. Überhaupt scheinen einem die Macher nicht allzu viel zuzutrauen. Expositionsdialoge gibt es hier en masse; und das auch in Momenten, in denen die Bilder ohnehin alles erklären.

„Plötzlich ist es nicht mehr die immer wieder unmittelbar hinter ihrem Auto auftauchende Präsenz des Fremden, die Rachel und damit auch dem Publikum Angst macht, sondern seine in blutigen Einstellungen gefilmten Gewalttaten, wenn er nach und nach Rachels Umfeld dezimiert.“

Weshalb sie etwa gleich zweimal ein erschrockenes „Er hat mein Handy!“ von sich gibt, wenn der Fremde ihr durch sein Autofenster mit ihrem Smartphone winkt, bleibt ebenso ein Rätsel das wiederholte Einblenden eines Erziehungsratgebers für Scheidungskinder, damit auch ja jeder verstanden hat, dass sich die Protagonistin gerade in Trennung befindet. Und spätestens, wenn man anhand der ausgeschriebenen Kennzeichen erkennt, wem welches Auto gehört, damit man während der Verfolgungsjagden auch bloß nicht den Überblick verliert, verliert der auch handwerklich nicht gerade hervorstechende Film endgültig an Reiz.

Fazit: „Unhinged – Außer Kontrolle“ beginnt als effektive Neuauflage von „Duell“, entwickelt sich jedoch nach und nach in einen generischen Actionthriller, an dem in erster Linie Russell Crowe als durchgeknallter Irrer überzeugt.

„Unhinged – Außer Kontrolle“ ist ab dem 16. Juli in den deutschen Kinos zu sehen.

Relic

Das Horrordrama RELIC feierte seine Weltpremiere auf dem Sundance Filmfestival – und das als Genrefilm, wohlgemerkt. Das lässt Filmliebhaber aufhorchen. Und tatsächlich bekommen die es hier mit einem weiteren symbolisch aufgeladenen Grusler zu tun, der unter seiner buchstäblichen Oberfläche viel mehr verbirgt als einen bloßen Schocker. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

OT: Relic (AUS/USA 2020)

Weiterlesen

Wir Eltern

Eine Familie hat einen Film über eine Familie gedreht, in der sich ein Großteil der Familienmitglieder selbst spielt: Es ist ein interessanter, die Authentizität der Geschichte fördernder Ansatz, mit dem WIR ELTERN an seine Zuschauer herantritt. Aber er ist so gar nicht für ein unterhaltsames Kinoerlebnis tauglich. Mehr dazu verraten wir unserer Kritik. 

OT: Wir Eltern (CH 2019)

Weiterlesen

Das startet am 16. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 16. Juli, an dem mit „Waves“ ein Film in die Kinos kommt, den Universal bereits ins Heimkino verfrachtet hatte, nachdem er als einer der ersten der Corona-Krise zum Opfer fiel. Nun erscheint er doch und sollte auf jeden Fall auf der großen Leinwand genossen werden. Genauso wie „Into the Beat“ – einfach weil man die herausragenden Tanzmoves von maximaler Wucht sind. Filme wie das Marie-Curie-Biopic „Elemente des Lebens“ und das Monsterdrama „After Midnight“ – letzterer lief bereits auf dem Fantasy Filmfest – werden wohl eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen. Wie so ziemlich alles aktuell. Zumindest bei der Schweizer Komödie „Wir Eltern“ ist das allerdings nicht so schlimm.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

WAVES | Regie: Trey Edward Shults  | USA/CAN 2019

Der 18-jährige Tyler (Kelvin Harrison Jr.) ist erfolgreiche Ringkämpfer und an seiner Highschool sehr beliebt. Doch die sportlichen Leistungen kommen nicht von ungefähr: Allen voran Tylers Vater Ronald (Sterling K. Brown) drillt seinen Sohn regelmäßig zu Höchstleistungen. Tylers Kindheit ist seit jeher davon geprägt, seinem Vater zu gefallen. Zeit für Entspannung bleibt da keine. Doch daraus schöpft er auch seinen Ehrgeiz. Tyler wünscht sich nichts mehr als ein Sportstipendium für eine begehrte Elite-Universität. Doch dann geschehen in Tylers Familie gleich mehrere tragische Vorfälle, die nicht nur sein Leben, sondern auch das Leben seiner Schwester Emily (Taylor Russell) auf den Kopf stellen. Es benötigt viel Zeit, um damit klarzukommen. In ihrem zurückhaltenden Mitschüler Luke (Lucas Hedges) findet zumindest Emily einen aufmerksamen Zuhörer.

Ein Film über Familie und darüber, wie zerbrechlich sie ist: Trey Edward Shults gelingt mit seinem Drama „Waves“ eine hervorragend bebilderte Studie darüber, wie Menschen mit Extremsituationen umgehen. Die Darsteller erfüllen es mit Leben, dem sich bisweilen recht abgegriffene Erzählmotive hin und wieder ein wenig in den Weg stellen.

MARIE CURIE – ELEMENTE DES LEBENS | Regie: Marjane Satrapi | UK/HUN/CHN/FR/USA

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts: In der akademischen Männerwelt der Universität Sorbonne hat Marie Skłodowska (Rosamund Pike) als Frau und auf Grund ihrer kompromisslosen Persönlichkeit einen schweren Stand. Allein der Wissenschaftler Pierre Curie (Sam Riley) ist fasziniert von ihrer Leiderschaft und Intelligenz und erkennt ihr Potential. Er wird nicht nur Maries Forschungspartner sondern auch ihr Ehemann und die Liebe ihres Lebens. Für ihre bahnbrechenden Entdeckungen erhält Marie Curie als erste Frau 1903 gemeinsam mit Pierre den Nobelpreis für Physik. Sein plötzlicher Tod erschüttert sie zutiefst, aber Marie gibt nicht auf. Sie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben und für ihre Forschung, deren ungeheure Auswirkungen sie nur erahnen kann und die das 20. Jahrhundert entscheidend prägen werden.

Regisseurin Marjane Satrapi wird den vielen, in „Marie Curie – Elemente des Lebens“ aufgegriffenen Themen über weite Strecken gerecht und inszeniert unter Zuhilfenahme von Genreelementen ein außergewöhnliches Biopic über eine außergewöhnliche Frau, das sämtliche ihrer Facetten einfängt.


AFTER MIDNIGHT | Regie: Jeremy Gardner, Christian Stella  | USA 2019

Hank (Jeremy Gardner) und Abby (Brea Grant) sind ein eigentlich glückliches Liebespaar, das sich im Hinterland Floridas ein beschauliches Zuhause aufgebaut hat. Doch eines Tages verschwindet die junge Frau spurlos. Und hinterlässt einen ratlosen Freund, der nicht weiß, ob Abby nun etwas passiert ist, oder sie ihn aus freien Stücken verlassen hat. Das Einzige, was ihm bleibt, ist eine kryptische Notiz, die Hank jedoch nicht zu entschlüsseln vermag. Die Umstände werden noch rätselhafter als sich der junge Mann nicht nur mit dem Verschwinden seiner Freundin auseinandersetzen muss, sondern es auch noch mit einer Kreatur zu tun bekommt, die so gar nicht von dieser Welt stammt. Dieses Monster sucht Hank fortan jede Nacht heim. Und für ihn steht fest, dass Abbys Verschwinden unweigerlich etwas mit diesem Wesen zu tun haben muss…

Ein etwas anderer Monsterfilm: Das vor allem von zwei Darstellern getragene Horrordrama „After Midnight“ ist eine melancholische Beziehungsparabel vor minimalistischem Setting, bei der Anspannung und Traurigkeit Hand in Hand gehen.


BERLIN ALEXANDERPLATZ | Regie: Burhan Qurbani | DE/NED/FR/CAN 2020

Dies ist die Geschichte von Francis. Auf der Flucht von Afrika nach Europa kentert er und rettet sich mit letzter Kraft an einen Strand der Mittelmeerküste. Bald führt Francis‘ Weg nach Berlin und jetzt ist es an ihm, seinen Schwur auch einzuhalten. Doch die Lebensumstände als staatenloser Flüchtling machen es ihm nicht einfach. Er trifft auf den zwielichtigen deutschen Drogendealer Reinhold und die Leben der beiden Männer verbinden sich zu einer düsteren Schicksalsgemeinschaft. Immer wieder versucht Reinhold, Francis für seine Zwecke einzuspannen. Schließlich wird Francis von Reinhold verraten und verliert bei einem Unfall seinen linken Arm. Er wird von Mieze aufgenommen. Die beiden verlieben sich. Seine Geschichte könnte sich nun eigentlich gut ausgehen. Doch Francis kann der Anziehung von Reinhold nicht widerstehen.

„Berlin Alexanderplatz“ ist eine wuchtig inszenierte Neuauflage des gleichnamigen Jahrhundertromans und besticht mit einer betörenden Atmosphäre und herausragenden Darstellerleistungen, insbesondere von Albrecht Schuch. Der moralischen Ambivalenz der Vorlage wird diese Interpretation allerdings nicht gerecht.


INTO THE BEAT – DEIN HERZ TANZT | Regie: Stefan Westerwelle | DE 2020

Katya ist ein herausragendes Balletttalent. Sie trainiert hart fürs Vortanzen bei der New York Ballet Academy. Aber als sie eine Gruppe Streetdancer kennenlernt, eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt: Im Gegensatz zum klassischen Ballett ist der Streetdance frei und explosiv, ohne Regeln, die Gesetze der Schwerkraft scheinen außer Kraft gesetzt. Katyas Herz fängt Feuer für den neuen Style, wo sie all ihre Emotionen ausdrücken kann – und für den introvertierten Marlon, einen begnadeten Hip-Hop-Tänzer. Er erkennt ihr tänzerisches Potenzial und fordert sie auf, mit ihm an einer Audition der weltbekannten Street-Dance-Crew Sonic Tigers teilzunehmen. Katya taucht ein in ein bisher unbekanntes Lebensgefühl aus Unbeschwertheit, Community und Spontaneität. Sie ahnt: Sie kann nicht zurück zum Ballett. Doch ihr Vater Victor sieht das anders…

 Strukturell ist der deutsche Tanzfilm „Into the Beat – Dein Herz tanzt“ wie jeder andere Tanzfilm auch. Seine besonderen Highlights liegen jedoch mehr noch als in anderen Genrevertretern in den spektakulären Tanzsequenzen sowie der Stadt Hamburg als Kulisse. Leider schmälern die Darstellerleistungen zwischendrin arg das Sehvergnügen.


WIR ELTERN | Regie: Eric Bergkraut, Ruth Schweikert  | CH 2019

Die Eltern Veronika (Elisabeth Niederer) und Michael (Eric Bergkraut) glauben, alles richtig gemacht zu haben. Doch Zug um Zug lassen sie ihr Leben von den spätpubertären Zwillingssöhnen lahmlegen. Weder Punktelisten noch Strafen helfen. Romeo (Ruben Bergkraut) und Anton (Elia Bergkraut) sind kaum aus dem Bett zu kriegen und gehen nur selten zur Schule. Lässig spielen sie die überforderten Eltern gegeneinander aus, kiffen oder zocken stundenlang am Computer. Als sie vom Großvater (Peter Schweiger) einen generösen Erbvorschuss als Geburtstagsgeschenk erhalten, der die Kinder noch weniger dazu animiert, sich endlich um ihre Zukunft zu kümmern, verschärft sich das Zusammenleben weiter. Bis die Eltern auf unkonventionelle Weise die Notbremse ziehen und das gemeinsame Familienleben auf links zu drehen.

So authentisch „Wir Eltern“ auch das Leben einer Schweizer Familie abbilden mag, so wenig cineastisch präsentieren Eric Bergkraut und Ruth Schweikert ihre Geschichte. Der Film könnte auch eine Doku sein. Allerdings eine über wahrlich unausstehliche Personen – und das trifft beileibe nicht nur auf die faulen Kinder zu.


UNHINGED – AUSSER KONTROLLE | Regie: Derrick Borte  | USA 2020

Es ist ein ganz normaler Morgen für Rachel (Caren Pistorius): Sie ist wieder mal zu spät dran und steckt im täglichen Verkehrschaos auf dem Weg zur Schule mit ihrem Sohn Kyle (Gabriel Bateman) fest, als auch noch ihre wichtigste Klientin ihr kündigt und der Autofahrer (Russell Crowe) vor ihr hartnäckig die grüne Ampel ignoriert. Laut hupend zieht sie an ihm vorbei und ahnt nicht, dass sie so zur Zielscheibe der geballten Wut eines Mannes wird, der nichts mehr zu verlieren hat. Er hat es auf sie abgesehen, um sich für seine erlittene schmack zu rächen. Entschlossen heftet er sich fortan an Rachels Fersen, um ihr eine Reihe von Lektionen zu erteilen, die sie so schnell nicht vergessen wird. Und nicht nur sie ist sein Ziel, sondern auch alle, die sie liebt. Gnadenlos und scheinbar unaufhaltsam schlägt der Fremde immer wieder zu und treibt die junge Frau an den Rande des Wahnsinns. Kann sie dem Irren entkommen?


Heimkinotipp: EMMA. | Regie: Regie: Autumn de Wilde | UK 2020

England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse, schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst. Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet, die sich in die „feine Gesellschaft“ noch nicht zu hundertprozent gefügt hat. Aber trotz Emmas unbegrenzten Vertrauens in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.

Jane Austen trifft „The Favourite“: Bei der neuen Verfilmung des Bestsellers „Emma.“ weiß man nie so ganz, ob das Ganze nun Parodie, aufrichtige Romanze, beides oder nichts von alledem sein soll. Das macht den Film nur phasenweise amüsant, da man sich die restliche Zeit über fragt, wie der Film wohl geworden wäre, hätte man sich auf eine tonale Balance einigen können.

Marie Curie – Elemente des Lebens

„Nicht noch ein Marie-Curie-Biopic!“ denkt man im ersten Moment im Anbetracht dessen, dass es schon diverse Filme über die Wissenschaftlerin und Radioaktivitätsentdeckerin gibt. Doch Marjane Satrapi nähert sich der interessanten Frau in MARIE CURIE – ELEMENTE DES LEBENS auf neue Weise. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

OT: Radioactive (UK/HUN/CHN/FR/USA 2019)

Weiterlesen

« Ältere Einträge