Kategorie-Archiv: Specials

Endgame. Punkt.

Der folgende Text enthält Spoiler zu „Avengers: Endgame“. Für die klassische, spoilerfreie Filmkritik klickt einfach hier.

„It’s bigger than us, it’s bigger than you and me!“ – Während durch meine Kopfhörer diese phrasenhaften, kitschig-bedeutungslosen Zeilen einer auf den ersten Blick unauffälligen Popballade fließen, merke ich, wie sich Tränen in meinen Augen sammeln. Es ist das wiederholte Mal an diesem Abend. Nur war ich auf keiner Beerdigung oder bei einem anderen traurigen Anlass – und doch irgendwie schon: Ich habe mir „Avengers: Endgame“ angesehen. Zum zweiten Mal. Ich wusste was passiert. Wusste, dass nicht all die Helden auf der Leinwand überleben würden. Wusste, an welchen Stellen ich Gänsehaut haben oder staunen würde. An welchen ich noch einmal in Erinnerungen schwelge und mich für einige wenige Minuten hier und da auch der Gedanke überkommt, man hätte gewisse Dinge auch einfach weglassen können. Kurzum: Ich war vorbereitet. Und doch war jetzt beim zweiten Mal alles anders. In dem Moment, indem ich mich zu fragen beginne, was mich da gerade so mitnimmt, denke ich mir gleichzeitig: Warum nicht all diese Emotionen aufschreiben. Es wird vermutlich der schmalzigste Text der Welt. Nix Filmkritik. Nix Professionalität. Nix Distanz. Noch einmal ganz kurz Fangirl sein und diese letzten Minuten mit der Welt da draußen teilen. Zack, da sitze ich nun um ein Uhr nachts und haue diese Zeilen in die Tasten, von denen ich jetzt in dieser Sekunde noch nicht weiß, wo sie enden werden.

Ein Fangirl also. Als so Jemand habe ich mich selbst nie bezeichnet. Ich hänge mir keine Poster an die Wand, sammel unnützes Zeugs oder bastele mir einen „The Avengers“-Hintergrund für meinen Computer. Und als ich vor einem halben Jahr im Disneyland ein knallrotes T-Shirt gekauft habe, auf dem in Glitzersteinchen groß der Schriftzug „Marvel“ abgebildet ist, war ich mir ganz sicher, dass ich es sowieso niemals tragen würde – und bis zu meinem ersten Kinobesuch von „Avengers: Endgame“ sollte ich tatsächlich Recht behalten. Letztlich sollte es in dem Moment nur ein Gag sein, aber in der Sekunde, in der ich „Endgame“ das erste Mal sah, war ich dem, was sich „Fangirl“ schimpft, für einen kurzen Moment näher als je zuvor. Und jetzt nach dem zweiten Mal eigentlich auch schon direkt wieder ganz weit weg, denn während ich über die letzten drei Stunden nachdenke, lasse ich noch einmal Revue passieren, was in dieser Zeit, letztlich aber in den kompletten elf Jahren passiert ist, in denen ein Filmuniversum seine Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen hat – und eben auch in meiner.

Als ich 2008 das erste Mal „Iron Man“ gesehen habe, konnte ich damit nichts anfangen. Wenn auf der Leinwand Dinge passieren, die es in der echten Welt nicht gibt, distanziert sich alles in mir automatisch davon. Ich kann mich so gut wie nie in Geschichten verlieren, die nicht im Hier und Jetzt spielen; Ausnahmen gibt es immer. Und deshalb rauschten die Marvel-Filme in der ersten Phase regelrecht an mir vorbei. Mit dem ersten „Avengers“-Film 2012 erlebte ich dann einen Film auf der großen Leinwand, den ich so noch nie zuvor habe erleben dürfen. Als Jemand, der erst sehr spät mit Film und Kino generell in Berührung kam, finden meine „ersten Male“ allesamt vermutlich wesentlich später statt als bei allen anderen Leuten meiner Generation. Und so wurde das erste kollektive Superheldenstelldichein zu meiner ultimativen Definition von „Eventfilm“. Diesen Status hat er bis heute nicht verloren, genauso wenig wie die Wucht, die er immer noch bei mir entfaltet, wenn ich ihn sehe. Eine Handvoll Menschen die mit vereinten Kräften gegen das Böse kämpfen – das ist nichts Weltbewegendes. Für mich war es das in dem Moment. Und fortan waren mir all die Marvel-Helden immerhin nicht mehr völlig egal.

Doch da ist dieses ständige Auf und Ab, diese Furcht vor dem Überdruss, vor der Müdigkeit und ja, davor, dem Ganzen irgendwann mit Zynismus zu begegnen. Ich beobachte das regelmäßig. Es wird mit jedem Film schlimmer. Und das Internet ist ein guter Nährboden dafür, Gleichgültigkeit über Dinge hinauszuposaunen, die man früher für sich behalten hätte. Wenn heutzutage Jemand einen Trailer postet, dauert es nicht lange, bis Kommentare à la „More of the Same“ die sozialen Netzwerke fluten. Natürlich ist jeder weitere „Avengers“-Film mehr von dem, was wir kennen – aber ist das denn so falsch?

Gehen wir weiter in meiner ganz persönlichen Marvel-Historie, in deren Verlauf ich mich an jeden Film erinnern kann. Nicht unbedingt an den Inhalt, denn, Obacht: Ich kann nicht ansatzweise mit allen Marvel-Filmen etwas anfangen. Und da hiermit dann eben auch gern mal einhergeht, dass man das ein oder andere Storydetail vergisst, weiß ich ganz sicher nicht mehr inhaltlich über alles genau Bescheid. Ich musste allerdings in den letzten Jahren beobachten, dass ich mich an die Umstände eines jeden Marvel-Films noch immer erinnern kann; wo genau ich ihn gesehen habe, wie es mir an dem Tag ging und was er mit mir gemacht hat. Denn auch, wenn ich natürlich rückblickend klare Lieblinge ausmachen kann – Filme, die ich mir immer wieder ansehe, die ich als besonders stark in Drehbuch, Story und wasauchimmer erachte – so eint letztlich doch alle Filme, dass sie mich über viele Jahre begleitetet haben. Das sie mir besonders in schweren Phasen Halt gegeben haben und mir, vielleicht gerade dadurch, dass sie immer nur „mehr vom selben“ liefern, irgendwann mal das Versprechen gegeben haben, dass sie mich emotional auffangen können, wenn es mir nicht gut geht – und ich mich doppelt und dreifach freue, wenn ich sowieso gerade richtig gut drauf bin.

Trennungen verarbeiten mit Captain America, Krankheitsdiagnosen wenigstens für ein paar Stunden vergessend machen dank Doctor Strange, mir von Spider-Man den Arbeitsstress und all den wiederkehrenden Selbstzweifel stibitzen lassen und am Ende das Gefühl erhalten, dass selbst in den trostlosesten Stunden eine Gruppe von Superhelden existiert, die ihre Missionen zwar nur auf der Leinwand erfüllt, die mir gerade dadurch aber sehr, sehr viel bedeutet. Weil sie größer sind als wir, größer als du und ich.

In den vergangenen drei Stunden habe ich nicht einfach nur Abschied genommen von Tony Stark, der es mit einem einzigen Satz – „Ich bin Iron Man!“ – noch einmal geschafft hat, mich ins Jahr 2008 zu katapultieren; und dahin, dass ich genervt die DVD ausgemacht habe und froh war, dass es endlich vorbei ist. Ich konnte nicht ahnen, dass ich mich jetzt, elf Jahre später, selbst nur zu gern dafür ohrfeigen würde. Ich habe nicht einfach nur Abschied genommen von Natasha Romanov, an deren Kampf, vermeintlich hilflos an einen Stuhl gefesselt, ich mich bis heute in jedem Detail erinnern kann, weil ich damals schon irgendwie ganz gern so gewesen wäre wie sie. Ich habe nicht einfach nur Abschied genommen von Steve Rogers, dessen Figur, um einmal kurz doch ein wenig analytisch zu werden, für mich das Paradebeispiel eines tragischen Helden ist, weil man mit jeder erfolgreichen Mission seinerseits auch Wehmut verspürt, dass es soweit überhaupt erst kommen musste. All diese Opfer, die er gebracht hat – ja, Cap ist mir schon ganz besonders ans Herz gewachsen. Mach’s gut, alter Knabe!

In dem Moment, wo sich auf der Leinwand unsere Helden noch ein letztes Mal formieren – Gut gegen Böse, eigentlich so wie immer – werden mir plötzlich die Ausmaße bewusst, mit denen all diese Figuren, die Filme, die Geschichten ihren Platz in meinem Herzen gefunden haben. Was habe ich nach „Infinity War“ noch gehofft, dass genau das nicht passiert. Ich wollte nicht, dass die vermeintlich toten Helden wiederkommen. Ich wollte Konsequenz, Drama, Mut. In der Sekunde, in der ich noch einmal sehen darf, wie jeder Held noch einmal seinen ganz großen Auftritt bekommt, merke ich, dass genau hierin der eigentliche Mut besteht. In einer Welt, in der sich die Nachrichten gegenseitig darin übertrumpfen, welches Ereignis schlimmer ist, in der sich keiner mehr mit Niemandem verträgt, in der man sich wegen so völlig banalen Dingen wie Filmgeschmack hoffnungslos in die Haare bekommt, ist es vermutlich die größte Leistung, an einer Hoffnung auf ein gutes Ende festzuhalten. Weshalb ich zu Gunsten irgendwelcher dramaturgischer Überraschungen überhaupt irgendwas Anderes wollte, als dass die Abenteuer „meiner“ Helden einfach nur gut ausgehen, ist mir mittlerweile schleierhaft. Ich fühle mich ertappt…

Aus der Kitsch-Nummer komme ich nicht mehr raus. Ich denke noch einmal kurz darüber nach, wie froh ich darüber bin, all das hier tatsächlich niedergeschrieben zu haben. Es wäre schade gewesen, die Gedanken nicht festzuhalten. Sie sollen mein persönlicher Punkt sein, den ich hinter 22 Filme aus dem Marvel Cinematic Universe setze.

Mein Punkt.

Mein Danke.

Mein Endgame.

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