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Das startet am 2. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es genau genommen um zwei Starttage, denn neben dem 2. November hat Marvel den 31. Oktober zum Starttermin auserkoren: An diesem einmaligen Feiertag geht das nächste „Thor“-Abenteuer auf Zuschauerfang und dürfte all diejenigen zufriedenstellen, die vor allem an den lustigeren Beiträgen des MCU Spaß haben. Darüber hinaus startet zwei Tage später der Festivalliebling „Patti Cake$“ und damit ein echter Feelgood-Film, während mit „Die Reise der Pinguine 2“ das Sequel eines Überraschungshits rauskommt, für das allerdings derart wenig Werbung gemacht wird, das kaum einer davon Notiz nehmen dürfte. Der Rest lässt sich unter „ferner liefen“ verbuchen, auch wenn das gerade im Hinblick auf „Good Time“ und „The Secret Man“ schade ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PATTI CAKE$ – QUEEN OF RAP  | Regie: Geremy Jasper | USA 2017

Die sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagende Patti (Danielle Macdonald), die drauf und dran ist, in ihrer heruntergekommenen Heimatstadt in New Jersey zu verkümmern, träumt von einer Karriere als Hip-Hop-Star. Während sie versucht, in der lokalen Szene mit originellen und berührenden Reimen als Killa P. alias Patti Cake$ groß herauszukommen, hangelt sie sich von Billigjob zu Billigjob. Gemobbt wegen ihres Übergewichts wird sie bei ihrem Kampf um Ruhm und Anerkennung nur von ihrer Großmutter (Cathy Moriarty) und ihren einzigen Freunden Jheri (Siddharth Dhananjay) und Basterd (Mamoudou Athie) unterstützt. Sogar ihre eigene Mutter Barb (Bridget Everett) hat für Pattis Traum nichts als Sarkasmus übrig und lädt auch noch ihren eigenen Kummer und Unglück auf ihrer Tochter ab. Aber Patti gibt nicht auf…

Erzählerisch bleibt „Patti Cake$ – Queen of Rap“ zwar weitestgehend überraschungsarm, doch Regisseur Geremy Jasper versteht es, das Optimum an Emotionen aus seiner Geschichte herauszuholen und verhilft der bislang weitestgehend unbekannten Powerfrau Danielle Macdonald zu ihrem längst überfälligen Durchbruch.


THOR: TAG DER ENTSCHEIDUNG (Kinostart: 31.10.)  | Regie: Taika Waititi | USA 2017

Durch unglückliche Umstände ist Donnergott Thor (Chris Hemsworth) auf der anderen Seite des Universums in Gefangenschaft gelandet. Ohne seinen legendären Hammer, der ihm übermenschliche Kräfte verleiht, muss er in einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen, nach Asgard zurückzukehren. Denn seine Heimat wird von der skrupellosen, allmächtigen Todesgöttin Hela (Cate Blanchett) bedroht, die Asgard und seine Hochkultur vernichten will. Um Ragnarök, die Götterdämmerung, zu verhindern, muss Thor über sich hinauswachsen, zunächst einmal aber seinen nächsten Kampf überleben. In einer Gladiatorenarena auf dem Planeten Sakaar trifft er unter den Augen seines Bruders Loki (Tom Hiddleston) und dem wahnwitzigen Herrscher Grandmaster (Jeff Goldblum) auf seinen früheren Verbündeten aus dem Avengers-Team: den wütenden Hulk (Mark Ruffalo). 

„Thor: Tag der Entscheidung“ irritiert mit seinem Look und hat deutliche Probleme innerhalb der Geschichte. Um große Emotionen scheint es Taika Waititi nicht zu gehen, weshalb er einfach jeden Anflug davon direkt im Keim erstickt. Dafür setzt der Regisseur einmal mehr sein Gespür für Pointen und Timing unter Beweis. „Thor 3“ ist definitiv der lustigste Marvel-Film innerhalb des Cinematic Universe.


GOOD TIME  | Regie: Benny SafdieJosh Safdie | USA 2017

Zunächst scheint alles gut zu gehen: Maskiert und mit einem ausgeklügelten Plan überfallen Constantine (Robert Pattinson) und sein jüngerer, geistig zurückgebliebener Bruder Nick (Benny Safdie) eine Bank. Doch bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle dreht Nick durch, wird geschnappt und ins Gefängnis gebracht. Der schüchterne Mann hat keine Chance, sich gegen seine Mithäftlinge zur Wehr zur setzen und wird prompt krankenhausreif geschlagen. Unterdessen versucht Constantine, die Kaution von 10.000 Dollar aufzutreiben, um Nick auszulösen. Als er erfährt, dass sein Bruder in einer Klinik ist, schmiedet er einen waghalsigen Plan: Er will Nick befreien und verschwinden. In einer Nacht voller Adrenalin beginnt für Constantine eine Odyssee durch New Yorks Unterwelt und ein spannungsgeladenes Spiel auf Zeit.

Mit „Good Time“ gelingt den Safdie-Brüdern ein visuell und akustisch einprägsamer, dynamisch inszenierter, erzählerisch allerdings nicht ganz so cleverer Gangsterthriller, der allein schon aufgrund eines überragenden Robert Pattinson einen Blick wert ist.


THE SECRET MAN  | Regie: Peter Landesman | USA 2017

USA im Sommer 1972 – Die Atmosphäre ist durch Vietnam-Krieg und Bürgerrechtsbewegung bereits aufgeheizt, als „Watergate“ wie eine Bombe einschlägt. Nach einem rätselhaften Einbruch in die Zentrale der Demokratischen Partei tappen viele Journalisten im Dunkeln. Ein Mann jedoch weiß mehr: Mark Felt, Vize-Chef des FBI, kennt die Ermittlungsergebnisse aus erster Hand und ist bereits früh von der Beteiligung der Nixon-Regierung überzeugt. Weiterer Grund seines Misstrauens ist der neue, von Nixon eingesetzte FBI-Direktor Patrick Gray, der die Watergate-Ermittlungen auffällig schnell beenden will. Nach 30 Dienstjahren ist Mark Felt hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum FBI und seinem Verständnis von Recht und Moral. Er riskiert schließlich alles und kontaktiert Bob Woodward, Redakteur der Washington Post… 

Regisseur Peter Landesman hat es immer noch nicht ganz raus, ein trockenes Thema emotional glaubhaft zu unterfüttern. Dafür ist „The Secret Man“ aufgrund seiner fokussierten Beobachtung des US-amerikanischen Politzirkus ein hochspannender Thriller, der dem famosen Liam Neeson seine nächste Oscar-Nominierung bescheren könnte.


GAUGUIN  | Regie: Edouard Deluc | FR/PYF 2017

Tahiti, 1891. Der französische Künstler Paul Gauguin (Vincent Cassel) hat sich in sein selbsterwähltes Exil nach Französisch-Polynesien zurückgezogen und will sich dort von der Schönheit und Exotik des Landes inspirieren lassen. Er lässt sich in der Obhut einer Familie von Einheimischen vom Dschungel verschlucken, trotzt Einsamkeit, Hunger und Krankheit. Während seinen Erkundungstouren über die Insel trifft er auf die junge Eingeborene Tehura (Tuhei Adams), in die er sich verliebt und die später auch zu seiner Muse und zum Modell seiner bekanntesten Gemälde werden wird. Als freier Mann in der Wildnis – fernab der Politik und Regeln eines zivilisierten Europas, entwickelt er einen neuen Stil des Malens, der später die berühmtesten Kunstwissenschaftler der Welt von seinem Können überzeugen wird. 

„Für ein handfestes Künstlerbiopic über den Maler Paul Gauguin ist Edouard Delucs Drama zu oberflächlich. Wem eine spektakuläre Naturkulisse und ein leidenschaftlich aufspielender Vincent Cassel genügen, darf allerdings gern einen Blick auf dieses durchaus inspirierende Filmprojekt riskieren.


PROFESSOR MARSTON & THE WONDER WOMEN  | Regie: Angela Robinson | USA 2017

Wir schreiben das Jahr 1941. Der bekannte und für seine Arbeit von Kollegen geschätzte Dr. William Marston (Luke Evans) ist lehrender Psychologe an der renommierten Harvard-Universität. Hier entwickelt er den ersten modernen Lügendetektortest und erschafft im Jahr 1941 die spätere Comicfigur der Wonder Woman. Marston lebt in einer polyamorösen Beziehung mit seiner selbstbestimmten Ehefrau Elizabeth (Rebecca Hall), die ebenfalls Psychologin und Erfinderin ist, und Olive Byrne (Bella Heathcote), einer ehemaligen Studentin. Wonder Woman wird zu einem kraftvollen Vorbild, das die feministischen Ideale repräsentieren soll, nach denen auch Elizabeth und Olive leben. Doch der Comic führt zu einer Kontroverse, deren Auswirkungen die Leben der drei Liebenden für immer verändern. 

Angela Robinson begibt sich in „Professor Marston & The Wonder Women“ zurück zu den Ursprüngen der ikonischen Comicfigur Wonder Woman und macht daraus eine seichte Dreiecks-Liebesgeschichte, die der spannenden Grundlage nicht gerecht wird. Am Ende wirkt die feministische Heldin eher wie das Ergebnis einer Männerfantasie.


DIE REISE DER PINGUINE 2  | Regie: Luc Jacquet | FR 2017

Ein Wiedersehen mit der Antarktis: Zwölf Jahre, nachdem Regisseur Luc Jacquet mit „Die Reise der Pinguine“ den Oscar gewann, kehrt er in die Heimat der Kaiserpinguine zurück. „Die Reise der Pinguine“ gehört mit über 25 Millionen Zuschauern weiterhin zu den weltweit erfolgreichsten Naturdokumentationen. Auch in Deutschland erzielt der Film mit 1,4 Millionen Zuschauern für eine Doku einen bis dahin ungeahnten Erfolg. Die Faszination für die einzigartigen Bewohner der Antarktis hat Jacquet nie losgelassen, und so organisierte er erneut eine Expedition ins ewige Eis, die sich im Herbst 2015 auf den Weg machte, über Monate hinweg unter extremsten Bedingungen das Leben in diesem einzigartigen Ökosystem zu filmen, das wie kaum ein anderes unmittelbar vom Klimawandel bedroht wird. Jacquet und sein Team drehten größtenteils in 4K-Ultra-HD-Auflösung und setzten dabei auch Drohnen und Tauchboote ein. 

Die Fortsetzung zum Millionenerfolg „Die Reise der Pinguine“ ist als solche nur konsequent – erzählt sie doch im Grunde nur all das noch einmal, was man bereits aus dem ersten Teil erfuhr. Die bildgewaltigen Naturaufnahmen sind einmal mehr spektakulär, doch der Zuschauer erfährt kaum Neues und muss sich diesmal außerdem mit einem ziemlich seichten Off-Kommentar zufrieden geben.


CASTING  | Regie: Nicolas Wackerbarth | DE 2017

Für ihren ersten Fernsehfilm sucht Regisseurin Vera (Judith Engel) die Idealbesetzung. Kurz vor dem ersten Drehtag und nach zahlreichen Castings hat sie die Hauptrolle immer noch nicht gefunden. Produzent und Team verzweifeln, doch Gerwin (Andreas Lust) freut sich über die Mehrarbeit: Er verdient sein Geld als Proben-Anspielpartner und spricht Dialogsätze für die prominenten Bewerberinnen ein, die eigentlich alles andere nötig haben, als sich einem Casting zu stellen.

Was für ein erfrischender, besonderer, lustiger, mit dem Thema Casting, Inszenierung, Inszenierung der Inszenierung spielender, vielschichtiger und überraschender Film. Weit über den Rahmen von Castings, Filmgeschäft und Probensituationen hinaus, öffnet „Casting“ lässig, direkt, klug und unterhaltsam den Blick auf eine Welt, in der Selbstvermarktung zu unser aller Alltag geworden ist.


LADY MACBETH  | Regie:  William Oldroyd | UK 2016

England im Jahr 1856. Die schöne und eigensinnige Katherine (Florence Pugh) wird gegen ihren Willen von ihrer Familie mit einem verbitterten und deutlich älteren Mann verheiratet. Die Ehe ist herzlos und die ihr aufgebürgte, neue Familie betrachtet sie als unerwünschte Bürde. In diesem Umfeld vereinsamt die lebenshungrige junge Frau zusehends. Als ihr ungeliebter Ehemann zu einer längeren Reise aufbricht und sie allein zurücklässt, erwacht Katherine aus ihrer Lethargie. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einem rebellischen Gutsarbeiter und ist schon bald nicht mehr bereit, ihr neu gewonnenes Glück wieder loszulassen. Ihr Ehemann kehrt schließlich zurück und entdeckt das Geheimnis seiner Frau. Doch Katherine ist wie verwandelt. Sie wird sich niemandem mehr unterwerfen und sie schreckt vor nichts zurück, um das zu bekommen, was sie begehrt…


BARBIE – DIE MAGIE DER DELFINE  | Regie: Conrad Helton | CAN 2017

Barbie und ihre Schwestern freuen sich auf einen tollen Sommer am Meer und möchten Ken bei seinem Sommerpraktikum besuchen. Dieser erforscht Delfine, die an einem Korallenriff leben. Während eines Tauchgangs im Riff entdecken die Schwestern sehr seltene, regenbogenfarbene Delfine, die nur einmal im Jahr erscheinen. Diese Begegnung beeindruckt sie so sehr, dass die Schwestern unbedingt mehr über die Erhaltung des Riffs erfahren möchten und über die Meerestiere, die dieses Riff bewohnen. Sie lernen Isla kennen, ihre mysteriöse neue Freundin. Ihre Mission ist ebenfalls der Schutz des Riffs. Das Abenteuer beginnt, als Barbie und die anderen herausfinden, dass Isla in Wirklichkeit eine Meerjungfrau ist. Aber den Schwestern bleibt keine Zeit ihre neue Freundschaft mit einer echten Meerjungfrau zu feiern, denn Isla braucht ganz dringend ihre Hilfe und auch die Hilfe der Delfine – sie müssen das Riff retten!


Heimkinotipp: DU NEBEN MIR  | Regie: Stella Meghie | USA 2017

Was wäre, wenn du in der Außenwelt nichts anfassen könntest? Wenn du nie frische Luft atmen, nie die Wärme der Sonne auf dem Gesicht spüren… und niemals den Nachbarsjungen küssen dürftest? Die 18-jährige Maddy (Amandla Stenberg) muss sich jeden Tag diese Frage stellen. Die clevere, neugierige und fantasievolle Teenagerin ist aufgrund einer schweren Krankheit gezwungen, in ihrer hermetisch versiegelten Wohnung zu leben – doch Nachbarsjunge Olly (Nick Robinson) lässt sich davon nicht abschrecken. Obwohl sich die beiden nur durchs Fenster sehen und über Textnachrichten verständigen können, entwickelt sich zwischen ihnen eine intensive Beziehung – was dazu führt, dass die beiden alles aufs Spiel setzen. Selbst wenn sie dadurch alles verlieren sollten. 

Die ebenso kreativ wie sensibel erzählte Liebesgeschichte „Du neben mir“ ist inszenatorisch ein wenig generisch geraten, kann diesen Eindruck jedoch mit zwei toll miteinander interagierenden Hauptdarstellern ausgleichen und überrascht im Finale mit einem Twist, an dem sich die Geister scheiden werden.

Das startet am 26. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 26. Oktober, der im Grunde nur einen relevanten Start beinhaltet: „Fack ju Göhte 3“. An diesem wird kein Weg dran vorbei führen, entsprechend zurück hält sich die Konkurrenz mit der Veröffentlichung massentauglicher Filme. In Außenseiterposition geht allerdings „Jigsaw“ an den Start. Die Zielgruppe beider Filme überschneidet sich kaum, sodass hier mit einem amtlichen Ergebnis gerechnet werden dürfte. Leider wurden ausgerechnet diese beiden Filme bislang nicht der Presse vorgeführt. Ansonsten hält das Programmkino mit „Die Unsichtbaren“ eine zurecht viel gelobte Mischung aus Drama und Doku bereit, während auch das surrealistische Familienporträt „Sommerhäuser“ unbedingt einen Blick wert ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE UNSICHTBAREN – WIR WOLLEN LEBEN  | Regie: Claus Räfle | DE 2017

Berlin, 1943. Die nationalsozialistische Regierung hat die Reichshauptstadt offiziell für „judenrein“ erklärt. Doch einigen Juden gelingt tatsächlich das Undenkbare. Sie werden unsichtbar für die Behörden. Oft ist es pures Glück und ihre jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität. Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanny Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Ku’damm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Delikatessen serviert. 

Ohne falsche Sentimentalität bringt „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ dem Zuschauer ein bislang weitgehend unterbelichtetes Kapitel der Nazizeit näher. Eine hochelegant inszenierte Symbiose aus Dokumentation und Spielfilmdrama, die gleichermaßen beeindruckt wie erschüttert.


SOMMERHÄUSER  | Regie: Sonja Kröner | DE 2017

Im heiß-schwülen Jahrhundertsommer des Jahres 1976 kommen drei Generationen einer Münchener Großfamilie anlässlich der Beerdigung von Oma Sophie zusammen, um die freie Zeit im idyllischen Gemeinschaftsgarten zu verbringen. Die Erwachsenen diskutieren über den Verbleib des Grundstücks – während die Einen verkaufen wollen, wollen die Anderen, dass es im familiären Besitz bleibt. Tante Ilse (Ursula Werner) freundet sich mit ihrer sympathischen Nachbarin Frau Fischer (Grischa Huber) an, während die Kinder Jana (Emilia Pieske), Lorenz (Elliot Schulte) und Inga (Anne-Marie Weisz) sich auf Wespenjagd begeben oder im selbstgebauten Baumhaus abhängen. Als das Radio Nachrichten über ein vermisstes Mädchen überträgt, legt sich die Ungewissheit über das sommerliche Idyll. Ob der Mann vom Nachbargrundstück etwas damit zu tun hat? 

Ein Paradies mit Widerhaken: Mit ihrem fabelhaften Regiedebüt „Sommerhäuser“ gelingt Sonja Kröner ein flirrend-romantisches Nostalgiedrama mit diffusen bedrohlichen Untertönen, das sich in den letzten zehn Minuten all seiner aufgebauten Spannung entlädt wie ein schwüler Sommertag, der in ein krachendes Sommergewitter mündet.


FACK JU GÖHTE 3  | Regie: Bora Dagtekin | DE 2017

Homo Faber, Kurvendiskussion, Asbest in den Toiletten. An der Goethe- Gesamtschule herrscht Stress: Zeki Müller will Chantal, Danger, Zeynep und die anderen Schüler zum Abitur peitschen, doch die Chaosklasse ist wenig kooperativ. Denn die nette Dame vom Berufsinformationszentrum hat ihnen die Zukunftsaussichten ordentlich vermiest. Nun erreicht das Frustrationslevel ganz neue Höhen, was sich in maximaler Leistungsverweigerung und Schülereskalation äußert. Kann Herr Müller auch Motivation? Direktorin Gudrun Gerster jedenfalls ist keine große Hilfe, seit sie mit dem Bildungsministerium im Clinch liegt und als letzte Gesamtschule des Bundeslandes mit Imageproblemen zu kämpfen hat, an denen die Problemschüler nicht ganz unschuldig sind. Wenigstens bekommt Zeki Müller Unterstützung von Neuzugang Biggi Enzberger, die ihm bei einem Anti-Mobbing-Seminar aushilft. 

„Fack ju Göhte 3“ funktioniert einmal mehr über die lauten, derben Gags, verliert sich allerdings erstmals im Verlauf der Reihe in bemerkbarer Redundanz und nimmt sich nicht die Zeit, die er bräuchte, um Interesse am Verbleib der Figuren zu wecken. Einiges funktioniert, einiges nicht. Doch während das Feuilleton verzweifelt, werden die Zuschauer frohlocken. Es sei ihnen gegönnt – es ist immerhin der Final Fack!


MAUDIE  | Regie: Aisling Walsh | IE/CAN 2016

Kanada, 1930er Jahre. Everett Lewis lebt als Hausierer zurückgezogen an der Ostküste. Gegen die Einsamkeit und für etwas Ordnung in seiner kleinen Kate entscheidet er sich, eine Haushälterin zu engagieren. Aber auf seine Annonce meldet sich einzig Maud Dowley. Als Kind an rheumatischer Arthritis erkrankt, ist sie sehr zierlich, humpelt und ihre Hände sind verkrüppelt. Maud hat nur einen Wunsch, weg von der Familie, die ihr nichts zutraut, und, sie will malen. Die ersten Ölfarben bekommt sie von Everett geschenkt. Da hat er längst erkannt, dass Maud als Haushälterin nichts taugt. Statt zu putzen bemalt sie lieber Stück für Stück das ganze Haus mit farbenfrohen Bildern. Doch trotz alledem oder gerade deswegen empfindet Everett mehr und mehr für Maud, auch wenn Liebe und zarte Gefühle bisher in seinem Leben nicht vorkamen.

Das irisch-kanadische Drama „Maudie“ punktet zwar mit zwei starken Hauptdarstellern, doch die Geschichte über zwei sich allmählich annähernde Außenseiter mit ihren bewährten Skeptiker-Stereotypen verläuft in allzu formelhaften Bahnen und verpasst es außerdem, seine Hauptfigur aus ihrer festgefahrenen Opferrolle herauszuholen. Am Ende glaubt man zu keiner Sekunde, dass zwischen dem vermeintlichen Liebespaar tatsächlich Sympathien existieren.


JIGSAW  | Regie: Michael Spierig, Peter Spierig | USA/CAN 2016

Die Stadt ist übersät von grausam entstellten Leichen, die allesamt Opfer grausamer Folterspiele wurden. Die Ermittlungen führen schnell zu einem alten Bekannten: John Kramer (Tobin Bell). Doch der Mann, der sich als sogenannter Puzzlemörder einen Namen gemacht hat und in den Medien daher nur Jigsaw genannt wird, soll seit mehr als einem Jahrzehnt tot sein. Aber wer steckt dann hinter den Morden? Ist einer seiner Schüler zum Lehrer geworden und führt Jigsaws Erbe fort? Steckt womöglich einer der Ermittler hinter den Morden? Die Spiele haben ein weiteres Mal begonnen und die Uhr läuft gnadenlos gegen die Kommissare, doch der neue Jigsaw scheint seinen Jägern wieder einmal immer einen Schritt voraus zu sein…

„Jigsaw“ fährt gen Ende mit einem netten Twist auf, doch unter dem Versuch, die Ereignisse dieses Teils mit den ersten sieben Filmen zu verbinden leiden Glaubwürdigkeit und Atmosphäre. Die berühmten Folterfallen sind so harmlos, dass auch die Gore-Fans der Reihe nicht auf ihre Kosten kommen. Und das Wiedersehen mit John Kramer fällt so kurz und lieblos aus, dass man sich fragt, weshalb Tobin Bell für diesen Teil überhaupt noch zugesagt hat.


DER KLEINE VAMPIR  | Regie: Richard ClausKarsten Kiilerich | NED/DE/UK/DK 2017

Alterslos sein – was für Unsereins verlockend klingt, ist für Rüdiger von Schlotterstein kein Grund zur Freude. Als Vampir wird er einfach nicht älter und feiert seinen 13. Geburtstag nun schon zum 300. Mal! Auch wenn er selbst nicht in Stimmung ist, planen seine Eltern in der heimischen Gruft in Transsilvanien ein Fest mit der gesamten Verwandtschaft. Kurz bevor die Geburtstagsfeier steigen kann, begeht Rüdigers älterer Bruder Lumpi eine Dummheit, die Vampirjäger Geiermeier und dessen Assistenten Manni auf die Spur der Familie führt. Als die beiden Schurken die gesamte Gruft abriegeln, können sich nur Rüdiger, seine kleine Schwester Anna und die Eltern in Sicherheit bringen und zu Verwandten in den Schwarzwald fliehen. Hier verbringt gerade der 13-jährige Anton Bohnsack die Ferien mit seinen Eltern. Als Fan von Gruselgeschichten freut er sich riesig, endlich mal einen waschechten Vampir kennenzulernen! 

„Der kleine Vampir“ von 2017 ist ein weitgehend lieblos animiertes Abenteuer für die ganz Kleinen, die sich immerhin an den ausufernden Slapstick- und Actioneskapaden erfreuen können. Das Herz und die Seele der Bücher greifen die Macher nicht auf. Ihr Rüdiger von Schlotterstein ist einfach nur eine x-beliebige Figur in einem x-beliebigen Animationsfilm.


DJANGO – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK  | Regie: Étienne Comar | FR 2017

Wir befinden uns in Frankreich im Jahr 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist gerade auf dem Gipfel seines Erfolges. Abend für Abend spielt er in ausverkauften Sälen und begeistert das Publikum mit seinem bahnbrechenden Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebenslust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht entziehen können. Während andere Sinti in ganz Europa verfolgt werden, kann sich Django aufgrund seiner Popularität in Sicherheit wiegen – bis ihn die Nationalsozialisten auf Tournee nach Deutschland schicken wollen. Django weigert sich. Seine Pariser Geliebte hilft ihm, mit seiner schwangeren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Hier trifft er auf Mitglieder seiner weitverzweigten Familie, die ebenfalls auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er in die Schweiz gelangen, doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen.


Heimkinotipp: EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID  | Regie: Lars Montag | DE 2017

Irgendwo in Deutschland leben Menschen wie Du und ich. Sie alle sind Gefangene in einem Netz aus Neurosen, Ängsten, aber auch aus Sehnsüchten und Träumen. Da ist zum Beispiel Ecki. Ecki, 55, war mal Lehrer. Und zwar ein guter. Bis dieses Mädchen behauptet hat, er habe sie angegrapscht. Eine dreiste Lüge! Dann wäre da noch Thomas, 43. Thomas ist ein echter Mann. Angst? Fehlanzeige. Er passt auf Carla auf. Mit Leuten mit Migrationshintergrund hat er es nicht so. Carla, 27, will stark sein. Trotz der Sache mit dem Ausländer. Thomas hilft ihr dabei. Aber eigentlich kann das Carla auch ganz alleine. Auch Robert hadert mit sich. Robert, 53, hat keine Struktur mehr (sagt seine Frau), aber Familie: Maschjonka, Swentja und Sonja. Aber die brauchen ihn eigentlich nicht. Deshalb hätte er er gern einen Freund…

Mit seiner unverblümten Romanverfilmung „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ riskiert Regisseur Lars Montag viel – und gewinnt auf ganzer Linie. In mehreren Episoden entblößt die Hardcore-Komödie den Menschen an sich und gibt dabei nicht bloß unsere eigene Erwartung, sondern auch die Mechanismen des deutschen Anspruchskinos der Lächerlichkeit preis. Grandios!

Das startet am 12. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 12. Oktober, der vermutlich noch stark mit den großen Starts der vergangenen Wochen zu kämpfen haben wird. Gegen „Es“ und „Blade Runner“ werden sich selbst die größeren Produktionen dieser Woche kaum durchsetzen können. Qualitativ führt an dem metahumoristiscen Animationsfilm „Captain Underpants“ kein Weg vorbei, während sich die Cineasten den neuesten Haneke-Film „Happy End“ nicht entgehen lassen werden – auch wenn dieser nicht mit seinen bisherigen Werken mithalten kann. Ansonsten traue ich dem Low-Budget-Sci-Fi-Film „What Happened to Monday“ einen kleinen Überraschungserfolg zu.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

CAPTAIN UNDERPANTS  | Regie: David Soren | USA 2017

George Beard und Harold Hutchins sind beste Freunde und gehen in die vierte Klasse der Jerome Horowitz Grundschule in Piqua, Ohio. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, Comics zu zeichnen und den Anderen in der Schule Streiche zu spielen. Dabei müssen sie jedoch sehr aufpassen, um sich von ihrem fiesen Schuldirektor Mr. Krupp nicht erwischen zu lassen. Da haben die beiden eine total abgefahrene Idee: George und Harold beschließen, den grimmigen Mr. Krupp mittels Hypnose in den Lieblingshelden ihrer selbst gemachten Comics zu verwandeln: den tollpatschigen Captain Underpants. Das Experiment gelingt tatsächlich! Und nun ist der gemeine Lehrer plötzlich ein kinderliebender Held, der in Unterhosen und rotem Cape für Gerechtigkeit sorgt. Gemeinsam stürzen sich die drei in herrlich aufregende Abenteuer und treffen unter anderem auch auf den gefährlich-verrückten Wissenschaftler Professor Poopypants. 

Für kleine Kinder nur bedingt geeignet, besitzt der irre Meta-Spaß „Captain Underpants – Der supertolle erste Film“ das anarchische Flair einer „Circus HalliGalli“-Folge und kombiniert es mit der selbstreferenziellen Cleverness der Sitcom „Community“. Am Ende sorgt vor allem die hohe Schlagzahl fast ausschließlich gelungener Gags und Ideen für Lachtränen.


WHAT HAPPENED TO MONDAY?  | Regie: Tommy Wirkola | UK/FR/BEL/USA 2017

In einer nahen Zukunft haben Überbevölkerung und Hungersnot zu einer drastischen Ein-Kind-Politik geführt. Dadurch sind sieben identisch aussehende Schwestern (Noomi Rapace) zu einem Versteckspiel gezwungen, um der Verfolgung durch das „Child Allocation Bureau“ unter Leitung der unerbittlichen Nicolette Cayman (Glenn Close) zu entkommen. Um zu überleben, müssen Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday, wie die Frauen von ihrem Großvater (Willem Dafoe) genannt wurden, die Identität einer fiktiven Person annehmen – Karen Settman. Einmal pro Woche darf jede der Schwestern am Wochentag, dessen Namen sie trägt, an die Öffentlichkeit und am Leben teilnehmen, während die restlichen sechs in der gemeinsamen Wohnung gefangen sind. Das geht so lange gut, bis Monday eines Tages nicht mehr nach Hause zurückkehrt… 

Das Drehbuch zu “What Happened to Monday?” ist bisweilen hanebüchener Unsinn, doch die siebenfache Noomi Rapace fasziniert ebenso, wie Tommy Wirkolas erzählerische Konsequenz und die hinter dem Szenario steckende Ideologie. Und trotz des geringen Budgets macht der dystopische Sci-Fi-Film auch optisch richtig was her.


THE WAILING – DIE BESESSENEN  | Regie: Na Hong-Jin | KOR/USA 2017

Eine Reihe von bestialischen Übergriffen und grausamen Morden erschüttert ein kleines Dorf in den abgelegenen Bergen von Südkorea. Scheinbar ohne jeglichen Grund greifen sich bislang unbescholtene Nachbarn in brutalster Weise an. Der Dorfpolizist Jong-goo (Kwak Do-Won) bemüht sich um eine schnelle Aufklärung, doch es gibt keine erkennbare Erklärung für die Welle an Gewalt. Umso schneller kochen die Gerüchte und Schuldzuweisungen innerhhalb der Dorfgemeinschaft hoch. Es heißt, ein japanischer Einsiedler, der seit kurzem in einer Hütte im Wald haust, stecke hinter der Mordserie. Die Lage droht zu eskalieren, als eine dämonische Macht von der Tochter des Polizisten Besitz ergreift. Um sie zu retten, setzt Jong-goo auf die Hilfe eines Schamanen und entfesselt dabei die wahre Macht des Bösen… 

Der südkoreanische Horrorthriller „The Wailing – Die Besessenen“ ist ein visuell äußerst ansprechender, sehr düsterer Horrorthriller, der vornehmlich durch Spannung und Atmosphäre überzeugt und weniger mit interessanten Figuren.


HAPPY END  | Regie: Michael Haneke | FR/AT/DE 2017

Für die Familie Laurent läuft es bestens: Der einflussreiche Clan betreibt eine erfolgreiche Baufirma im französischen Calais, hat Geld im Überfluss und lebt auf der Sonnenseite des Lebens. An der Spitze des Clans steht die toughe Geschäftsführerin Anne, die eine Beziehung zu dem nicht minder angesehenen Anwalt Lawrence. Kriseln tut es stattdessen zwischen Anne und ihrem Sohn Pierre: Nachdem er unrühmlich bewiesen hat, nichts mit der Firma seiner Mutter zu tun haben zu wollen, haben sich die beiden fortwährend voneinander entfernt. Doch als wäre das nicht das einzige Problem innerhalb der Laurent-Familie, begeht Annes Schwägerin einen Selbstmordversuch, was dazu führt, dass ihre Nichte Eve in dem altehrwürdigen Anwesen der Laurents einzieht; gemeinsam mit ihrem Vater Thomas, der sich allerdings kaum für seine Tochter interessiert. 

„Happy End“ ist die eisige Entmystifizierung der Oberschicht, die Michael Haneke mit der nötigen Grimmigkeit versieht, dabei jedoch überraschend wenig Biss an den Tag legt. Am Ende glaubt man als Zuschauer kaum mehr an das Gute im Menschen, wohl aber an hohe Schauspielkunst.


VORWÄRTS IMMER!  | Regie: Franziska Meletzky  | DE 2017

Berlin, Oktober 1989. Anne lebt mit ihrem Vater, dem Schauspieler Otto Wolf, ein bekannter DDR-Staatsschauspieler und begnadeter Honecker- Imitator, allein in Ost-Berlin – ihre Mutter ist in den Westen gegangen. Auch Anne hat große Pläne als Schauspielerin, kann sich das aber nicht mehr in der politischen Enge der DDR vorstellen. Ihr Plan steht fest. Mit einem gefälschten Westpass will sie auch „rübermachen“. Und: sie ist schwanger, ausgerechnet von Matti, dem Sohn von Ottos ärgstem Feind und Schauspielerkollegen Harry Stein. Als Anne mit dem revolutionären August nach Leipzig zur Demonstration fährt, um sich den Pass zu besorgen, entschließt schließt sich Otto, als Erich Honecker verkleidet, ins Zentralkomitee zu gehen und den Befehl zum Rückzug der Panzer in Leipzig zu geben. Durch unglückliche Umstände landet er in Wandlitz bei Margot… 

Vom Produktionsaufwand her eher einer Fernsehproduktion entsprechend, hangelt sich die Verwechslungskomödie „Vorwärts immer!“ beständig von einem gelungenen zu einem weniger gelungenen Gag. Dank starker Darsteller ein trotzdem solides Filmerlebnis, an dem sich Zuschauer, die in dieser Zeit aufgewachsen sind, sicher noch mehr erfreuen werden.


AMERICAN ASSASSIN  | Regie: Michael Cuesta | USA 2017

Nach dem tödlichen Attentat auf seine Verlobte sinnt Mitch Rapp (Dylan O’Brien) auf Rache. Beim CIA lässt er sich von dem berüchtigten Kriegs-Veteranen Stan Hurley (Michael Keaton) zum Elite-Agenten ausbilden. Schnell erhalten die beiden ihren ersten, folgenschweren Auftrag: Es gilt, die Hintergründe einer Reihe scheinbar willkürlicher Anschläge auf sowohl militärische als auch zivile Ziele zu überprüfen. Bald entdecken sie, dass alle Attentate Parallelen aufweisen. Gemeinsam mit einer geheimen Spezialeinheit begeben sie sich auf eine hochriskante Mission: Es gilt, den äußerst gefährlichen Drahtzieher (Taylor Kitsch) hinter einer großangelegten Verschwörung zu stoppen. Doch dieser hat nicht vor, sich von seinen todbringenden Plänen abbringen zu lassen und scheint stets einen Schritt voraus. Eine erbarmungslose Jagd beginnt… 

„American Assassin“ ist ein technisch sehenswerter Actionthriller, dessen grimmige Prämisse jedoch nicht zur abgehobenen Inszenierung passt. Am Ende profitiert von dem Film vor allem Dylan O’Brien, der hiermit den Sprung ins Erwachsenenbusiness geschafft hat, doch der Zuschauer erhält kaum die Möglichkeit, mit seiner Figur oder der Geschichte zu connecten.


DARKLAND  | Regie: Fenar Ahmad | DK 2017

Zaid (Dar Salim), ein erfolgreicher Chirurg, hat ein erfülltes Leben und wohnt zusammen mit seiner hochschwangeren Frau Stine (Stine Fischer Christensen) in einer schicken Wohnung in Kopenhagens Innenstadt. Eines Nachts klopft sein jüngerer Bruder Yasin (Anis Alobaidi) an der Tür und bittet Zaid um Geld – doch er weigert sich, ihm zu helfen. Ein paar Tage später wird Yasin tot aufgefunden – er wurde brutal zugerichtet und ermordet. Da die Polizei sich nicht sehr kooperativ gibt und den Fall schnell zu den Akten legen will, fühlt sich Zaid gezwungen, selbst herauszufinden, wer seinen Bruder auf so brutale Art umgebracht hat und begibt sich auf eine Mission in die Unterwelt Kopenhagens, um die kriminelle Bande zu beseitigen. Doch Zaids anhaltender Rachefeldzug hat ernsthafte Konsequenzen für ihn und seine Familie und er muss sich bald entscheiden, wie weit er bereit ist, zu gehen…


MALEIKA  | Regie: Matto Barfuss | DE 2016/2017

Die Gepardin Maleika hat sechs Junge zur Welt gebracht: Martha, Malte, Mirelèe, Marlo, der so gern klettert, Mia und Tollpatsch Majet. Mit ihrer struppigen Nackenmähne sehen sie aus wie Punks, und mit jedem Tag werden die Kleinen frecher und mutiger. Noch ist das Leben für die jungen Geparden ein Spiel und sie werden von ihrer Mutter Maleika beschützt. Jede neue Herausforderung bringt die Gepardenkinder ein Stück weiter in Richtung Selbstständigkeit. Doch die Wildnis birgt auch für die schnellsten Jäger der Erde viele Gefahren. Jedes Abenteuer könnte das letzte sein. Wir sind dabei, während die Rasselbande heranwächst, begleiten sie bei ihrem ersten Ausflug mit ihrer Mutter, der aufregenden Ausbildung zu Jägern und auf ihrem Weg zu neuen Abenteuern. „Maleika“ offenbart Momente großer Freude, zeigt aber auch, dass das Leben in der freien Wildnis nicht immer einfach ist, sogar manchmal ohne Ausweg zu sein scheint…


Heimkinotipp: KING ARTHUR: LEGEND OF THE SWORD  | Regie: Guy Ritchie | USA 2017

Arthur (Charlie Hunnam) hat einen schweren Start ins Leben. Schon in jungen Jahren wird er Zeuge des Mordes an seinem Vater, dem weisen König Uther (Eric Bana), der im Auftrag des machtgierigen Tyrannen Vortigern (Jude Law) grausam hingerichtet wird. Doch nur so gelingt es Vortigern, die Thronfolge anzutreten und fortan das Land unter brutalem Regiment zu regieren. Von all dem ahnt der mittlerweile zum jungen Mann herangewachsene Arthur nichts, bis sich sein Weg eines Tages mit dem verzauberten Schwert Excalibur kreuzt. Der Legende nach könne es nur dem rechtmäßigen König von England gelingen, das Schwert aus seinem Stein zu ziehen – was Arthur dann auch prompt tut. Die Folge: Der stattliche Ritter wird fortan von finsteren Visionen heimgesucht, die sich immer mehr dazu verdichten, den König in spe über seine Vergangenheit aufzuklären. Nur so kann sich seine Berufung erfüllen… 4 von 5

„King Arthur: Legend of the Sword“ ist moderne Fantasyaction vor spektakulärer Kulisse, die mit einem starken Cast, einer kurzweiligen Geschichte und dem typischen Guy-Ritchie-Drive zu überzeugen weiß. Mehr davon!

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