Schlagwort-Archiv: Romanze

Zehn Filme, die mir das 3. Quartal 2017 versüßt haben

Zum Ende eines jeden Monats veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine fünf ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen Wochen. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY eben so gar nicht gefallen hat, präsentiere ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik nun nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme inklusive Traile, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen drei Monaten zu veröffentlichen. Viel Spaß!

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Zehn Filme, die mich im 3. Quartal 2017 genervt haben

Zum Ende eines jeden Quartals veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine zehn ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen drei Monate. Um diese Filme ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY (eben so gar nicht) gefallen hat, stelle ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme inklusive Trailer vor, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen drei Monate zu veröffentlichen. Und da erst die Arbeit und dann das Vergnügen folgt, gibt’s hier nun meine zehn Hassfilme des Quartals von Juli bis September. Viel Spaß!

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Das startet am 21. September 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 21. September, der so viele Neustarts bereithält, dass wir bislang nur einen Bruchteil davon besprechen konnten. Zu „Kingsman“, dem interessantesten Start der Woche, dürfen wir erst ab dem 18. September, 23:01 Uhr unsere Meinung abgeben, während die Presse „The LEGO Ninjago Movie“ erst am kommenden Montag zu sehen bekommt. Davon einmal abgesehen, gibt’s diesmal ziemlich viel Durchschnitt zu sehen und zwei Filme, von denen einer sich vollkommen verzettelt, während der andere auf einem erschreckend falschen Dampfer ist. Eine ausführliche Besprechung dazu folgt in den kommenden Tagen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE  | Regie: Matthew Vaughn | UK/USA 2017

Die in Großbritannien stationierten Kingsmen sind ein unabhängiger, internationaler Geheimdienst, der auf höchstem Level von Diskretion operiert und dessen ultimatives Ziel ist, die Welt sicher zu halten. Als der streng geheime Verband attackiert und all ihre Hauptquartiere zerstört werden, führt es Eggsy (Taron Egerton) und seinen Kollegen Merlin (Mark Strong) in die USA, wo eine verbündete US-Spionageorganisation namens Statesman (u.A. Channing Tatum, Halle Berry und Jeff Bridges) auf sie wartet, die bis in die Tage der Gründung beider Organisationen zurückreicht. In einem neuen Abenteuer, das die Stärke und den Einfallsreichtum der Agenten bis zum Äußersten fordert, verbünden sich die beiden Elite Geheimorganisationen, um einen rücksichtslosen, gemeinsamen Feind zu zerstören, der seinerseits nicht weniger vorhat, als sich die Welt zu unterjochen…

Alles beim Alten und genau deshalb so gut – „The Golden Circle“ spinnt die Absurditäten des ersten „Kingsman“-Films ebenso mühelos wie gekonnt weiter und besticht als starke Mischung aus Agentenfilmparodie, -Hommage und eigenständigem Franchise-Film, der für Fans tolle Details bereithält und allen Anderen nicht minder einen fantastischen Kinoabend beschert. Vermutlich der beste Blockbuster des Jahres!


AMELIE RENNT  | Regie: Tobias Wiemann | DE/IT 2017

Amelie (Mia Kasalo) ist 13, eine waschechte Großstadtgöre und womöglich das sturste Mädchen in ganz Berlin. Amelie lässt sich von Niemanden etwas sagen, schon gar nicht von ihren Eltern, die sie nach einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall in eine spezielle Klinik nach Südtirol verfrachten. Genau das, was Amelie nicht will. Anstatt sich helfen zu lassen, wie es jedes vernünftige Mädchen tun würde, reißt sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus. Sie flüchtet dorthin, wo sie garantiert niemand vermutet: Bergauf. Mitten in den Alpen trifft sie auf einen geheimnisvollen 15-Jährigen mit dem sonderbaren Namen Bart (Samuel Girardi). Als der ungebetene Begleiter ihr das Leben rettet, stellt Amelie fest, dass Bart viel interessanter ist, als anfangs gedacht. Gemeinsam begeben sich die beiden auf eine abenteuerliche Reise, bei der es um hoffnungsvolle Wunder und echte Freundschaft geht. 

„Amelie rennt“ ist ein mit viel Fingerspitzengefühl inszeniertes Abenteuerdrama rund um eine junge Frau, die es sich und ihrer Umwelt beweisen will. Dabei nimmt Regisseur Tobias Wiemann nicht bloß seine Hauptfigur sowie ihr privates Umfeld zu jedem Zeitpunkt ernst, sondern macht aus kleinen Beobachtungen Momente größter Emotionen. Ein wahrhaftiger, ehrlicher und ehrlich optimistischer Film.


SCHLOSS AUS GLAS  | Regie: Destin Daniel Cretton | USA 2017

Als Kind ist das Leben für die kleine Jeannette (Brie Larson) ein großes Abenteuer. Ihr Vater Rex (Woody Harrelson) holt ihr die Sterne vom Himmel und verjagt die Dämonen, die sie nachts im Traum verfolgen. Was macht es da schon, mit leerem Magen ins Bett zu gehen, eine eigensinnige Künstlermutter (Naomi Watts) ertragen zu müssen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Sie ist ein glückliches Kind. Doch mit der Zeit können auch die hoffnungsvollen Geschichten des alkoholkranken Vaters nicht mehr von der bitteren Armut ablenken, in der Jeannette und ihre Familie leben, und das Lügengebäude der Eltern erweist sich als ebenso zerbrechlich wie das Schloss aus Glas, das Rex seiner Tochter jahrelang verspricht zu bauen…

Die große Kunst von Regisseur Daniel Cretton besteht darin, das tragische Schicksal der Wallis-Familie nicht zu überdramatisieren und auf eine leichtfüßig-flüssige Erzählung zu bauen, sodass sich die 127 nicht wie solche anfühlen. Gleichzeitig bleibt er dadurch an vielen Stellen an der Oberfläche und hätte er seinen starken Cast nicht, würde „Schloss aus Glas“ noch viel häufiger in unangenehmen Kitsch abdriften, als er es so ohnehin schon tut.


THE LEGO NINJAGO MOVIE  | Regie: Charlie Bean, Paul Fisher, Bob Logan | DK/USA 2017

Der junge Außenseiter Lloyd alias Der Grüne Ninja und seine Freunde, sind insgeheim große Krieger, die regelmäßig ihre geliebte Stadt Ninjago vor dem Bösen beschützen. Unter der Leitung des weisen Sprücheklopfers und Meisters Wu schmieden sie immer wieder neue Pläne, um den bösen Warlord Garmadon (deutsche Stimme: Klaus-Dieter Klebsch), den schlimmsten Schurken überhaupt, zu bekämpfen, der zufällig auch noch Lloyds Vater ist. So kommt es zum Duell Mech gegen Mech, aber auch Vater gegen Sohn: Im gigantischen Showdown wird sich zeigen, ob sich dieses ebenso ungestüme wie undisziplinierte Team aus modernen Ninjas bewährt. Denn sie alle müssen erst noch lernen, ihre Egos zu zügeln, um gemeinsam zu agieren und so ihre innere Kraft zu entfalten. Doch das ist schwieriger, als gedacht… 

Mit den ersten beiden LEGO-Kinofilmen kann „The LEGO Ninjago Movie“ erwartungsgemäß nicht mithalten, doch es gibt wahrlich schlimmere Zeitvertreibe, als diesen insgesamt netten, actiongeladenen und in den stärksten Momenten einmal mehr herrlich metakomischen Animationsfilm.


LEANDERS LETZTE REISE  | Regie: Nick Baker-Montey | DE 2017

Eigentlich wollte der 92-jährige Eduard Leander noch einmal allein auf eine letzte Reise gehen. Seine Frau ist gerade gestorben, zu Tochter Uli und Enkelin Adele hat er kaum Kontakt. Auch die beiden Frauen haben ein schwieriges Verhältnis zueinander. Uli übt ständig Kritik am unsteten Lebensstil ihrer Tochter, die ihr Studium geschmissen hat und als Kellnerin jobbt. Ausgerechnet Adele soll nun ihren Großvater von seiner Reise abhalten und ihn im letzten Moment aus dem Zug nach Kiew holen. Doch der störrische Alte lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, seine verlorene Liebe wiederzufinden, die er als junger Wehrmachtsoffizier im Osten zurücklassen musste. Und so landet Adele wider Willen mit im Zug und muss die Reise gemeinsam mit Eduard in die von Kriegswirren geplagte Ukraine antreten, wo nicht nur der Rentner und seine Enkelin langsam zusammen finden. 

Nick Baker-Montays melancholisches Roadmovie „Leanders letzte Reise“ verläuft trotz seines interessanten erzählerischen Umfelds in weitestgehend routinierten Bahnen, punktet aber durch starke Darsteller und eine unsentimentale Aufmachung, die auch vor unangenehmen Themen nicht die Augen verschließt.


NORMAN  | Regie: Joseph Cedar | ISR/USA 2017

Am Rande der von Macht und Geld geprägten Welt New York Citys erträumt der einsame Möchtegern-Geschäftsmann Norman Oppenheimer große Finanzpläne. Mit leeren Händen dastehend, versucht Norman, sich mit jedermann anzufreunden, doch auch das unaufhörliche Kontakteknüpfen bringt ihn letztlich nicht weiter. Immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit nimmt er eines Tages Micha Eshel ins Visier. Der charismatische israelische Politiker ist in der Stadt ebenfalls allein und am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen. Norman wittert Eshels momentane Beeinflussbarkeit und schenkt ihm ein überaus teures Paar Schuhe – eine Geste, die den Politiker tief berührt. Als er drei Jahre später Premierminister wird, erinnert sich Eshel wieder an Norman. Und der bekommt auf einmal genau das, wovon er immer geträumt hat: Respekt, und zwar im Überfluss. 

In „Norman“ schwadroniert sich Richard Gere als Sympathieträger durch eine Geschichte, deren seichte Inszenierung den komplexen Politverwicklungen nicht gerecht wird. Fans des Schauspielstars dürften ihren Spaß haben, für alle anderen hat die zurückhaltend inszenierte Tragikomödie kaum was zu bieten.


THE BOOK OF HENRY  | Regie: Colin Trevorrow | USA 2017

Die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen – vor allem nicht in dem kleinen Vorort, in dem die Familie Carpenter lebt. Susan arbeitet als Kellnerin in einem Diner, um als alleinerziehende Mutter ihre beiden Söhne versorgen zu können – den achtjährigen Peter, der die meiste Zeit mit seinen Spielsachen verbringt und den älteren, hochbegabten Henry. Henry hält das Gefüge zusammen und schafft es, auf seine eigene ganz besondere Art und Weise, für alles und jeden im Haushalt zu sorgen. Als Beschützer seines liebenswürdigen kleinen Bruders und unermüdlicher Unterstützer seiner oftmals überforderten Mutter, bewältigt er den Alltag seiner Familie quasi im Alleingang. Vermeintlich friedlich wirkt das Haus nebenan – hier lebt Henrys Schulkameradin Christina, zusammen mit ihrem Stiefvater Glenn.

„The Book of Henry“ beginnt als leichtfüßiges Familienmärchen, nimmt die Abfahrt über das herbe Drama und mündet in einen Rachethriller auf B-Movie-Niveau, der nicht bloß das Thema Kindesmissbrauch viel zu leichtfertig behandelt, sondern noch dazu Selbstjustiz gutheißt und dafür so großartige Darsteller wie Naomi Watts, Jacob Trambley und Jaeden Lieberherr verheizt.


HEREINSPAZIERT!  | Regie: Philippe de Chauveron | FR 2017

Starautor Jean Etienne Fougerole lebt mit Frau Daphné, Sohn Lionel und Personal ein privilegiertes Leben. Trotzdem oder gerade deshalb spricht er sich in seinem neuesten Werk für die bedingungslose Aufnahme von obdachlosen und hilfsbedürftigen Menschen aus. Bei einem TV Duell lässt er sich auf ein verbales Kräftemessen mit einem verhassten Konkurrenten ein, der eine gegensätzliche und vor allem populistische Haltung vertritt. Im Laufe der hitzigen Debatte stellt dieser Fougeroles Engagement provokant in Frage und ihn zur Rede. Um sein Gesicht zu wahren, gibt Jean Etienne vor laufender Kamera dem Druck des Kontrahenten nach und erklärt sich bereit, „selbstverständlich“ und zu jederzeit hilfsbedürftige Roma in seiner Nobelvilla aufzunehmen. Schon am gleichen Abend wird Jean Etienne von den Folgen seiner vermeintlich großherzigen Ankündigung eingeholt… 

„Hereinspaziert!“ ist ein Film, der Vorurteile bekräftigt, anstatt sie zu widerlegen. Darin steckt die Aussage, alle Ausländer wären wilde, sich den Gesetzen widersetzende und unbelehrbare Menschen, die sich der Fremde nicht anpassen wollen. Sollten die Macher ihren Film als Satire angelegt haben, ist diese Intention nicht erkennbar. Was bleibt, ist eine absolute Katastrophe – und ein gefundenes Fressen für Rechtspopulisten.


KÖRPER UND SEELE  | Regie: ldikó Enyedi | HUN 2017

Die autistische Ungarin Maria (Alexandra Borbély) arbeitet als Qualitätskontrolleurin in Budapest in einem Schlachthaus. Kontakt zu knüpfen, fällt ihr schwer, bis sie den sympathischen Finanzchef Endre (Géza Morcsányi) kennenlernt. Der junge Mann ist halbseitig gelähmt – in Marias Augen ein ebensolcher Außenseiter wie sie. Dass die beiden eine besondere Verbindung haben, offenbart sich schließlich bei einem psychologischen Test: Nach einem Diebstahl werden sämtliche Mitarbeiter des Betriebs eines solchen unterzogen. Hier offenbart sich Erstaunliches: Über Monate träumen Maria und Endre Nacht für Nacht dasselbe und damit auch vom jeweils Anderen. Doch was ihr Traum, in dem zwei Hirsch und ein verschneiter Wald vorkommen, zu bedeuten hat, dass wissen die beiden nicht. Doch vielleicht werden es beide gemeinsam herausfinden, wenn sie sich die Liebe zu einander endlich eingestehen?


DAS SYSTEM MILCH  | Regie: Andreas Pichler | DE/IT 2017

Milch ist Big Business. Hinter dem unschuldig anmutenden Lebensmittel verbirgt sich ein milliardenschweres Industriegeflecht. Dabei ginge es auch anders… Fast auf jeder Milchpackung sehen wir das Bild glücklicher Kühe, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Milch ist ein gefragter Rohstoff, mit dem knallhart gehandelt wird. Dieser Dokumentarfilm über die Welt der Milch wirft einen Blick hinter die Kulissen. Wir treffen Landwirte, Industrielle, Wissenschaftler und anderen Experten, um die Frage zu beantworten, welche weitreichenden Folgen das große Geschäft mit der Milch hat – auf die Tiere, auf die Umwelt und auf uns Menschen selbst. „Das System Milch“ ist eine cineastische Reise über mehrere Kontinente, die mit Vorurteilen aufräumt und Lösungen aufzeigt.  Der renommierte Südtiroler Dokumentarfilmregisseur Andreas Pichler wurde für seine Arbeiten vielfach ausgezeichnet.


Heimkinotipp: BIBI & TINA – TOHUWABOHU TOTAL  | Regie: Detlev Buck | DE 2017

Das Tohuwabohu ist perfekt: Bibi (Lina-Larissa Strahl) und Tina (Lisa-Marie Koroll) begegnen einem ruppigen Ausreißer (Lea van Acken), der sich als Mädchen entpuppt und von seiner Familie verfolgt wird. Das Familienoberhaupt ist weltfremd, engstirnig und stur, den kann man nicht überzeugen und selbst Bibi kommt mit Hexerei nicht weiter. Außerdem ist Schloss Falkenstein „under contruction“ und der Graf (Michael Maertens) völlig überfordert, während Alex (Louis Held) ein Musik-Festival auf Falkenstein plant und sich seinem Vater widersetzt. Und als wäre das nicht genug, wird Tina schließlich auch noch entführt. Bei all dem Chaos wird am Ende eines ganz klar: Wirkliche Veränderungen entstehen durch gemeinsame Aktionen und Anstrengungen, nicht durch Hexerei.

Wer nach „Bibi & Tina – Tohuwabohu total“ immer noch die Meinung vertritt, das ursprünglich mal als Familienfilmreihe angefangene Franchise sei doch nur etwas für kleine Mädchen, der glaubt auch, dass Donald Trumps Idee mit der Mauer eine gute ist. Bibi und Tina machen es vor: Die beiden weltoffenen Mädels bekommen mit diesem weltoffenen, komplexen und ungemein kreativen Film genau den Abschlussfilm, den sie verdienen.

Das startet am 14. September 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 14. September, der eine überaus große Bandbreite an guten Filmen präsentiert – mit „mother!“ sogar einen der besten des Jahres. Wer von sich glaubt, nicht ganz so hartgesotten zu sein, für den gibt’s den neuesten Film von Ex-Regieaussteiger Steven Soderbergh, der mit „Logan Lucky“ ein nächstes „Ocean’s Eleven“ abliefert. „High Society“ hält indes die Flagge der deutschen Komödie hoch – und macht das gar nicht mal so schlecht. Gourmets gehen unterdessen in die melancholische Liebesgeschichte „Porto“, die in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen sein wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MOTHER!  | Regie: Darren Aronofsky | USA 2017

Sie könnten so glücklich sein – und sind es erst einmal auch: Ein namenloses Pärchen (Jennifer Lawrence und Javier Bardem) hat sich in einem altehrwürdigen Anwesen ein kleines Paradies geschaffen. Lediglich die Schreibblockade des als literarischer Dichter arbeitenden Gatten bringt die Idylle hier immer mal wieder ins Wanken. Unterdessen müht sich seine Frau darin, die einst abgebrannte Villa wieder auf Vordermann zu bringen. Doch mit der Abgeschiedenheit ist es bald vorbei, denn ein Fremder steht vor der Tür: Er (Ed Harris) behauptet von sich, ein großer Fan des Autoren zu sein und bittet unter einem Vorwand um Einlass. Auch seine Ehefrau (Michelle Pfeiffer) kommt bald hinzu. Von der Situation zunächst überfordert, aufgrund seiner Schmeicheleien jedoch angetan, beschließt das Paar, den unerwarteten Gästen einen längeren Aufenthalt zu ermöglichen. Mit fatalen Folgen… 

Darren Aronofskys Terrorfilm „mother!“ ist nicht mehr und nicht weniger als der abgefuckteste Film des Jahres. Jennifer Lawrence dominiert mit ihrer Tour-de-Force-Performance ein Ensemble, das sich leidenschaftlich einem durchgeknallten Erzähl- und Inszenierungsrausch hingibt, mit dem der Ausnahmeregisseur Tabus bricht – das wird (und darf) nicht jedem schmecken. Holy Shit!


PORTO  | Regie: Gabe Klinger | PRT/FR/USA/POL 2016

Porto, die alte portugiesische Hafenstadt mit ihrer mysteriösen, fast morbiden Atmosphäre ist der Ort, an dem der zurückhaltende Jake (Anton Yelchin) und die geheimnisvolle Mati (Lucie Lucas) aufeinandertreffen. Beide sind fremd in der Stadt, beide sind Außenseiter, und beide sind auf der Suche. Als sie sich begegnen, ist es Anziehung, ja, Liebe auf den ersten Blick. Fremd, doch zugleich vertraut, stürzen sie sich Hals über Kopf in eine Affäre. Es ist nur eine einzige Nacht, die sie miteinander verbringen. Aber die Zeit scheint still zu stehen. Mit Blicken, Gesten und Worten schaffen sie eine geheimnisvolle und doch unauflösbare Verbindung. Die Vergangenheit lässt sich nicht zurückholen, aber die glücklichen und leidvollen Erinnerungen hinterlassen bei beiden ihre Spuren. Für immer.

Hätte Kinopoet Terrence Malick Richard Linklaters „Before“-Reihe inszeniert, wäre dabei vermutlich „Porto“ bei herausgekommen. Die melancholische Geschichte über zwei Menschen, die für eine Nacht die Liebes ihres Lebens erfahren, ist nicht nur dank des pulsierenden Schauplatzes fast zu schön, um wahr zu sein, auch die beiden Hauptdarsteller Lucie Lucas und Anton Yelchin machen sich mit diesem Film – im wahrsten Sinne des Wortes – unsterblich.


MR LONG  | Regie: SABU | JPN/HKG/TWN 2017

Ein taiwanesischer Auftragskiller (Chen Chang) strandet in einer japanischen Vorstadt. Seine Mission ist missglückt und ihm bleiben fünf Tage, um Geld für die geplante Rückreise aufzutreiben. Unvermittelt erhält er dabei Hilfe: Der kleine Jun (Runyin Bai) weicht nicht von seiner Seite und ahnungslose Anwohner zeigen sich von seinen Kochkünsten so begeistert, dass sie ihm ein berufliches Standbein schaffen wollen. Eifrig organisieren sie ihrem schweigsamen „Mr. Long“, wie sie den Killer nennen, eine fahrbare Garküche, mit der er, gemeinsam mit Jun, seine chinesischen Spezialitäten unter die Leute bringen kann. Unheil droht, als Juns Mutter (Yiti Yao) von ihrem ehemaligen Dealer aufgesucht wird und dieser Mr. Longs Fährte aufnimmt. Aber auch wenn die Vergangenheit ihn einholt – es wird für Mr. Long nicht leicht zu gehen.

Das Ende bricht einem das Herz: SABUs bisweilen äußerst brutale Todesballade „Mr Long“ erzählt unaufgeregt und hochemotional von einem Auftragskiller, der sich nichts sehnlicher wünscht, als eine zweite Chance – und erkennt, dass er diese nie haben kann.


LOGAN LUCKY  | Regie: Steven Soderbergh | USA 2017

Die Brüder Jimmy und Clyde Logan werden vom Pech verfolgt. Während der impulsive Jimmy einen Job nach dem nächsten verliert, wird Barkeeper Clyde, der nur einen Arm hat, regelmäßig schikaniert. Und dann wären da noch die Geldsorgen. Aber Jimmy hat eine brillante Idee, die den beiden aus der misslichen Lage helfen soll: Ein Raubüberfall im großen Stil! Das prestigeträchtigste und legendärste NASCAR-Rennen der Welt, der Coca-Cola Cup 600, bietet scheinbar die perfekten Voraussetzungen für einen cleveren, unterirdischen Raubzug! Unterstützung erhoffen sich die Brüder vom berüchtigtsten platinblonden Safeknacker des Landes: Joe Bang – der sitzt allerdings noch im Gefängnis fest. Während der Planung des großen Coups tauchen immer neue Hindernisse auf, doch gemeinsam mit ihrer Schwester Mellie setzen die beiden Brüder alles daran, ihre lebenslange Pechsträhne endlich zu beenden… 

Im Anbetracht dieser liebenswürdigen Schmalspurganoven verzeiht man es „Logan Lucky“ gern, dass man das Konzept hinter dem Film eigentlich von Anfang an durchschaut. Die stark gespielte, rasant inszenierte und urkomische Gangsterposse hat das Herz am rechten Fleck und Feuer unterm Hintern – endlich ist Steven Soderbergh zurück!


HIGH SOCIETY  | Regie: Anika Decker | DE 2017

Anabel von Schlacht ist die wohlstandsverwahrloste Party­tochter einer schwerreichen Industriellenfamilie, die geführt wird von Mutter Trixi von Schlacht. Das dachten zumindest alle, doch ein handfester Skandal in Anabels Geburtsklinik enthüllt die Vertauschung diverser Babys und auch Anabels wahre Herkunft: Ihre leibliche Mutter Carmen Schlonz lebt mit ihren beiden anderen Kindern und einem illegalen Untermieter in einer Plattenbau­WG. Als Anabel in ihrem neuen Zuhause eintrifft, gerät sie sich direkt mit dem attraktiven Polizisten Yann in die Haare. Auch ihr weiterer Weg ist gepflastert mit skurrilen Begegnungen, familiären Konflikten und Liebesverwirrungen, führt sie jedoch zur Besinnung auf die wirklich wichtigen Werte des Lebens sowie zur Suche nach ihrer wahren Identität, dem ersten richtigen Job und zur Frage, was Familie eigentlich bedeutet. 

Zwischen Klamauk und Romantik gelingt Anika Decker mit „High Society“ eine niemals urteilende RomCom über Familie und die Unwichtigkeit von Reichtümern. Obwohl kleine Unebenheiten den Erzählrhythmus hier und da ins Stolpern bringen, reichen die vielen amüsanten Momente, treffsichere Pointen und ein leidenschaftlich aufspielender Cast locker aus, um einen Ticketkauf zu rechtfertigen.


WIE DIE MUTTER, SO DIE TOCHTER  | Regie: Noémie Saglio | FR 2017

Avril (Camille Cottin) und ihre Mutter Mado (Juliette Binoche) sind zwar ein Herz und eine Seele, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Avril, 30, ist verheiratet, angestellt und lebt ihr Leben strikt nach Plan, während ihre Mutter seit ihrer Scheidung eine zweite Pubertät durchlebt und ihrer Tochter in jeglicher Hinsicht auf der Tasche liegt. Sie hat sich sogar bei ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn eingenistet und denkt gar nicht daran, ihren Lebensstil aufzugeben. Mutter- und Tochterrolle sind komplett vertauscht und als sich die beiden Frauen dann auch noch zur gleichen Zeit schwanger unter einem Dach wiederfinden, ist der große Eklat unausweichlich. Denn genauso wenig wie Mado inmitten ihres Jugendwahns bereit ist, erneut Mutter oder gar Großmutter zu werden, kann Avril sich ihre eigene Mutter als späte Mutter vorstellen! 

Die zwei grandios aufspielenden Hauptdarstellerinnen Camille Cottin und Juliette Binoche sowie diverse kreative Ideen machen aus dieser kleinen Komödie ein kurzweiliges Vergnügen, das nicht bloß Herz und Seele berührt, sondern auch noch richtig Spaß macht. Eine kleine Überraschung!


DAS LÖWENMÄDCHEN  | Regie: Vibeke Idsøe | NOR 2016

In einer kleinen Provinzstadt in Norwegen kommt im Winter 1912 ein Mädchen (Aurora Lindseth-Løkka) zur Welt, dessen ganzer Körper von feinen blonden Härchen bedeckt ist. Für die damalige Wissenschaft ein kurioser, ein interessanter Fall. Evas Mutter stirbt bei der Geburt und ihr Vater, der Stationsmeister Arctander (Rolf Lassgård), will zunächst von dem „Löwenmädchen“ nichts wissen. Doch die kleine Eva wächst heran (als Jugendliche: Mathilde Thormine Storm). Abgeschottet und versteckt vor der Neugier der Außenwelt, erschafft sie sich ihre eigene Welt, bis sie eines Tages den Mut findet, der Enge ihres Lebens zu entfliehen (als junge Frau: Ida Ursin-Holm). Doch ihr Umfeld steht der Frau und ihrem aufkeimenden Selbstbewusstsein immer wieder im Wege. Wird Eva jemals ein eigenständiges Leben führen können? 

Vibeke Idsøes Familiendrama „Das Löwenmädchen“ hat den puppenhaft-warmherzigen Charme eines Weihnachtsmärchens, doch die Regisseurin holt aus der dramatischen Geschichte um ein von der Gesellschaft ausgestoßenes Mädchen nicht mehr heraus, als von Klischeefiguren vorgetragene Plattitüden. Schade – die fantastischen Hauptdarstellerinnen hätten Besseres verdient.


RADIANCE  | Regie: Naomi Kawase | FR/JPN 2017

Die schüchterne aber hingebungsvolle Misako (Ayame Misak) schreibt mit großer Leidenschaft Hörfassungen von Kinofilmen für Menschen mit Sehbehinderungen. Bei einer Vorführung begegnet sie dem zynischen Fotografen Nakamori (Masatoshi Nagase), der allmählich sein Augenlicht verliert. In seinen Bildern entdeckt sie eine seltsame Verbindung zu ihrer Vergangenheit – und gemeinsam entdecken die beiden eine strahlende Welt, die für Misakos Augen bislang unsichtbar war…

Die japanische Filmemacherin Naomi Kawase („Kirschblüten und rote Bohnen“, „Still the Water“) präsentiert mit ihrem neuesten Film „Radiance“ eine zärtliche, poetische und dabei überaus bildgewaltige Liebesgeschichte und Hommage an die integrierende Kraft des Kinos, der Anfang des Jahres beim Filmfestival von Cannes gezeigt wurde.


THE END OF MEAT  | Regie: Marc Pierschel | DE 2017
Ein Dokumentarfilm über die Vision einer Welt ohne Fleisch, der Philosoph*innen, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen vorstellt, die sich mit Alternativen des Zusammenlebens von Menschen und Tieren beschäftigen. In „The End of Meat“ wagt Filmemacher Marc Pierschel den Blick in eine Zukunft ohne Fleisch sowie deren Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellte, spricht mit den Pionieren der veganen Revolution in Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet geretteten „Nutztieren“ in Freiheit, trifft auf Wissenschaftler*innen, die am tierfreien Fleisch forschen, das den 600 Milliarden schweren, globalen Fleischmarkt revolutionieren soll und vieles mehr.

Heimkinotipp: DER HIMMEL WIRD WARTEN  | Regie: Marie-Castille Mention-Schaar | FR 2016

Sylvie lebt allein mit ihrer Tochter Mélanie. Sie verbringen viel Zeit miteinander und Sylvie ist stolz auf das enge Verhältnis, das sie zu ihrer Tochter hat. Doch irgendwann begegnet Mélanie im Internet einem Jungen, der ihr regelmäßig zu schreiben beginnt, ihr Komplimente macht und sie schließlich fragt, wie sie es hält mit der Religion. Eines Tages ist Mélanie verschwunden und Sylvie auf halbem Weg nach Syrien, um sie zu suchen. Catherine und Samir sind die stolzen Eltern der 17-jährigen Sonia. Gerade zurück aus den Sommerferien, wird ihr Haus eines Nachts von der Polizei gestürmt und Sonia unter Arrest gestellt. Um ihrer Familie einen Platz im Paradies zu sichern, hat sich Sonia dem Dschihad angeschlossen. Catherine und Sylvie sind tief erschüttert davon, wie fremd ihre Töchter ihnen so ganz im Stillen geworden sind.

„Der Himmel wird warten“ hätte gut und gern zwanzig Minuten länger sein dürfen, denn nicht alle Erzählansätze führt die französische Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar auch zu Ende. Trotzdem ist ihr Drama über die radikale Islamisierung zweier französischer Mädchen ein ebenso mitreißender wie niederschmetternder Film über ein wichtiges, brandaktuelles Thema, das nicht verallgemeinert und einen wichtigen da aufklärerischen Wert leistet.

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