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Das startet am 20. Juni 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 20. Juni, dessen qualitative Bandbreite größer nicht sein könnte. Jonathan Levine und Seth Rogen liefern mit „Long Shot“ die bislang witzigste Komödie des Jahres ab, während aus Deutschland eine filmische Frechheit kommt, die ihresgleichen sucht. Dazwischen gibt’s netten Horror, hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibende Romanzen und noch viel mehr.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH | Regie: Jonathan Levine | USA 2019

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und Charlotte Field (Charlize Theron) und Fred Flarsky (Seth Rogen) könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie, die bildschöne Außenministerin der Vereinigten Staaten, intelligent, gebildet und versiert. Er, ein durchaus talentierter Journalist mit leichtem Hang zum Chaotischen und auf den ersten Blick nicht besonders gutaussehend. Nichts verbindet die beiden, außer dass sie vor Jahren sein Babysitter und er unsterblich in sie verliebt war. Als die beiden sich nun durch Zufall auf einer Party wiedertreffen, stellt Charlotte ihn spontan als Redenschreiber ein. Stellt sich nur die Frage: Wie schafft man es, als Nerd eine wahnsinnig elegante Frau zu beeindrucken? Und wie gut ist die Idee, ein Verhältnis mit seiner Chefin anzufangen? Offenbar ist sie unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich…

„Long Shot“ ist smart, witzig, romantisch und von vorn bis hinten liebenswert. Derzeit gibt es keinen Film, nach dem man das Kino mit einem besseren Gefühl verlässt, als diese hochcharmante Mischung aus Comedy, Lovestory und Politsatire – und Seth Rogen und Charlize Theron haben eine Chemie miteinander, vor der man niederknien möchte.


BRIGHTBURN | Regie: David Yarovesky | USA 2019

Tory und Kyle Breyer wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind. Eines Tages finden sie einen kleinen Jungen in den nahegelegenen Wäldern, den sie mit zu sich nach Hause nehmen und Brandon taufen. Das Familienglück scheint endlich komplett, doch als Brandon das Teenageralter erreicht hat, beginnt er plötzlich, abnorme Kräfte zu entwickeln. Er schleudert nicht nur einen Rasenmäher hunderte Meter weit, sondern stoppt auch das Schneideblatt mit den bloßen Händen – oder verbiegt die Zinken einer Gabel mit seinem Mund. Zunächst selbst überfordert mit diesen Fähigkeiten, beginnt er sie plötzlich auch gegen Menschen einzusetzen. Für seine zunehmend verzweifelten Eltern steht fest: Der Junge, den sie viele Jahre lang als ihren eigenen Sohn aufgezogen haben, ist alles andere als ein Segen, denn plötzlich geraten auch sie ins Visier ihres Kindes…

„Brightburn“ ist zwar eher Evil-Child-Horror als „böser Superheldenfilm“, aber aufgrund des hohen Tempos, der soliden Effekte und der schön fiesen Gewaltspitzen macht David Yaroveskys außergewöhnliches Genreexperiment Laune und Lust auf mehr. Und das Interesse an einer Fortsetzung ist heutzutage ja nun echt selten.


VERACHTUNG | Regie: Christoffer Boe | DK/DE 2018

Carl Mørck und sein Assistent Assad werden mit einem besonders schaurigen Tatort konfrontiert: In einem verlassenen Apartment haben Handwerker drei mumifizierte Leichen gefunden – sie sitzen an einem gedeckten Tisch, an dem ein vierter freier Platz auf einen weiteren Gast wartet. Wer sind die Toten, und für wen ist der Platz bestimmt? Die Spur führt Mørck und Assad zu einer Frauenklinik auf einer verlassenen Insel vor der Küste Dänemarks. Die grausamen Experimente, die hier an den Patientinnen durchgeführt wurden, sind ein dunkles Kapitel der Geschichte, das bislang als abgeschlossen galt. Doch Mørck und Assad finden Hinweise, dass die Täter von damals immer noch am Werk sind – und sie haben nicht viel Zeit, um weitere Morde zu verhindern…

„Verachtung“ ist als vierter und vermutlich letzter „Sonderdezernat Q“-Film mit dieser Besetzung noch einmal ein starker Thriller, der durch seinen Realitätsbezug auf eines der dunkelsten Kapitel dänischer Geschichte besonders beklemmend.


DREI SCHRITTE ZU DIR | Regie:  Justin Baldoni | USA 2019

Stella (Haley Lu Richardson) ist eine 17-Jährige, wie sie im Buche steht: Ihr Smartphone gibt sie nicht aus der Hand und am liebsten chattet sie mit ihren Freunden. Nur Platz zum Träumen bleibt ihr nicht, denn anders als normale Teenager, verbringt sie die meiste Zeit unter strenger Beobachtung im Krankenhaus. Stella leidet an der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose und ihre wichtigste Regel lautet: Komm keinem Mitpatienten näher als 4 Schritte, denn er könnte dich mit seinen Bakterien schwächen und schlimmstenfalls töten. Als sie aber dem charmanten Will (Cole Sprouse) begegnet, der immer wieder gegen seine Behandlung rebelliert, knistert es so sehr zwischen ihnen, dass es Stella zunehmend schwerer fällt, den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einzuhalten…

„Drei Schritte zu dir“ ist lange Zeit ein von fantastischen Newcomern getragenes Jugenddrama, das zu Gunsten echter Emotionen Kitsch weiträumig vermeidet. Doch ausgerechnet in der letzten halben Stunde wirft Regisseur Justin Baldoni diesen reduzierten Ansatz über den Haufen und presst nochmal eine extra Portion Schmalz in seinen Film.


TOLKIEN | Regie: Dome Krukoski | USA 2019

Als John Ronald Reuel Tolkien Ende des 19. Jahrhunderts aus seinem wohlbehüteten Familienkreis als Exeter College in Oxford geht, findet er inmitten einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten Freundschaft, Inspiration und den Mut, seine Leidenschaft fürs Schreiben auszuleben. Schon in seinem Heimatdorf, einem Vorort von Birmingham, der später als Inspiration für das Auenland dienen soll, hat er seinen jüngeren Geschwistern ausgedachte Geschichten erzählt. Nun bringt er sie zu Papier und findet in einem von seinen Fähigkeiten beeindruckten Professor auch einen Mentor. Doch die Liebe zur schöne Edith hemmt ihn – hatte er sie für das Stipendium doch einst allein auf dem Land zurückgelassen. Er kann die junge Frau einfach nicht vergessen, bis er im Sommer 1916 schließlich eingezogen wird: der erste Weltkrieg tobt…

Nicholas Hoult verkörpert den jungen J.R.R. Tolkien absolut glaubhaft, doch der Film selbst ist vor allem eine Liebesgeschichte mit szenischen Kriegsfilmeinschüben. Beides lässt bis zum Ende offen, inwiefern es den „Herr der Ringe“-Autor eigentlich zu seinen Werken inspiriert hat. „Tolkien“ könnte daher auch eine ausgedachte Geschichte sein.


TAL DER SKORPIONE | Regie: Patrick Roy Beckert | DE 2019

Battle Royale meets Deliverance. „Tal der Skorpione“ erzählt von einem gnadenlosen Spiel in der Wildnis, wo kriminelle Psychopathen – Mörder, Vergewaltiger, und anderweitig aggressive Mensche – gegeneinander bis aufs Blut ums Überleben kämpfen müssen. Urheber dieses Gladiatorenkampfes sind die größenwahnsinnigen Wissenschaftler Gebrüder Ribbeck, die aus den Genen des Siegers einen Übermenschen klonen wollen. Zufällig findet sich auch der Polizist Kamarowski im Tal der Skorpione wieder und ist gezwungen, den Kampf gegen seine bis an die Zähne bewaffneten Kontrahenten aufzunehmen. Doch in dieser Umgebung verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse zusehends un auch Kamerowski mordet schon bald sinnentleert…

„Tal der Skorpione“ ist eine Frechheit: Unter hundmiserablen technischen Voraussetzungen entstand hier ein Film, der nicht nur völlig hohl, sondern obendrein auch noch homophob, sexistisch und gewaltverherrlichend ist. Da ist das grottenschlechte „Schauspiel“ aller Beteiligter noch das geringste Problem, wenn man sich während der viel zu langen 131 Minuten immer wieder fragt, wann dieses potthässliche Grauen endlich vorbei ist.


O BEAUTIFUL NIGHT | Regie: Xaver Böhm | DE 2018

Obwohl der neurotische Musiker Juri noch jung ist, hat er vor allem Eines: Angst vor dem Sterben. Und somit Angst vor dem Leben, denn dort lauert der Tod an allen Ecken. So lebt er zurückgezogen und verdient sein Geld mit Online Black Jack. Als eines Abends ein Vogel an Juris Scheibe fliegt und vor seinen Augen stirbt, stürzt ihn das in eine Panikattacke. Er flieht von zu Hause und sucht Trost in einem nahe gelegenen Automatenkasino. Doch statt zur Ruhe zu kommen, begegnet Juri einem unheimlichen Österreicher, der behauptet niemand anderer als der Tod höchstpersönlich zu sein. Dieser düstere, aber nicht humorlose Kerl nimmt Juri in faustischer Manier mit auf eine skurrile und abenteuerliche Reise durch die Nacht… Die Reise führt schließlich bis ans Ende der Nacht und konfrontiert die drei sowie auch das Publikum mit der Frage: Ist der charismatische Österreicher tatsächlich der Sensenmann und muss wirklich jemand sterben?


EINE MORALISCHE ENTSCHEIDUNG | Regie: Vahid Jalilvand | IRN 2017

Als Kaveh Nariman bei einem nächtlichen Verkehrsunfall in Teheran ein Motorrad mit einer vierköpfigen Familie rammt, wird dabei der achtjährige Amir leicht am Kopf verletzt. Nariman, der als Gerichtsmediziner arbeitet,  möchte sichergehen, dass es dem Jungen gut geht. Er drängt Amirs Vater Moosa, seinen verletzten Sohn direkt ins Krankenhaus zu bringen, bietet ihm sogar Geld als Entschädigung für alle Unkosten an, das dieser widerstrebend annimmt. Am nächsten Tag wird der Junge in Narimans Klinik zur Autopsie eingeliefert, er ist tot. Dr. Nariman glaubt, dafür die Schuld zu tragen. Vorerst spricht er mit niemandem über sein Geheimnis. Seine ihm nahestehende Kollegin Dr. Sayeh Behbahani dagegen diagnostiziert eine Lebensmittelvergiftung als Ursache. Ist also doch Amirs Vater verantwortlich, der seinem Sohn verdorbenes Fleisch zu essen gab? In ihrer wütenden Trauer macht Leila ihrem Mann Moosa schwere Vorwürfe.


DER KLAVIERSPIELER VOM GARE DU NORD | Regie: Ludovic Bernard | FR/BEL 2018

Bahnhofstrubel in Paris: Menschen strömen durcheinander, gehetzt, anonym, merkwürdig blind und taub füreinander. Doch für einen gilt diese Beschreibung nicht. Mathieu Malinski hat sich auf eine Insel inmitten dieses geschäftigen Gewusels zurückgezogen. Der junge Mann sitzt an einem öffentlichen Klavier, er spielt ganz für sich und doch auch für die ganze Welt. Und einer ist im Publikum, der wahrnimmt, dass die Musik für Mathieu mehr ist als ein zerstreuendes Hintergrundrauschen: Pierre Geithner, Leiter des Pariser Konservatoriums. Nur zu gern würde er den jungen Mann fördern, doch Mathieu hat schon zu viele Enttäuschungen erlebt, um sein Glück annehmen zu können. Und so weist er das Angebot ab. Bis zu dem Tag, an dem er wegen Diebstahls vor Gericht steht und niemanden hat, an den er sich wenden kann – außer Pierre Geithner, der seine Haftstrafe in Sozialstunden am Konservatorium umwandeln lässt.


Heimkinotipp: DER VERLORENE SOHN | Regie: Joel Edgerton | AUS/USA 2018

Der neunzehnjährige Jared (Lucas Hedges) wächst in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten auf. Als sein streng gläubiger Vater (Russell Crowe) von der Homosexualität seines Sohnes erfährt, da Jared ungewollt geoutet wird, drängt er ihn zur Teilnahme an einer fragwürdigen Reparativtherapie, wo er seine Homosexualität bekämpfen soll. Vor die Wahl gestellt, entweder seine Identität oder seine Familie und seinen Glauben zu riskieren, lässt er sich notgedrungen auf die absurde Behandlung ein. Seine Mutter (Nicole Kidman) begleitet Jared zu der abgeschotteten Einrichtung, deren selbst ernannter Therapeut Viktor Sykes (Joel Edgerton) ein entwürdigendes und unmenschliches Umerziehungsprogramm leitet.

Joel Edgerton beweist auch in seiner zweiten Arbeit „Der verlorene Sohn“ sein Händchen dafür, stilsicher und ohne Effekthascherei von zwischenmenschlichen Dramen zu erzählen, die gerade durch ihre zurückgenommene Inszenierung umso mehr Emotionalität und Kraft entfalten.

Aladdin

Einige der kürzlich neuverfilmten Disney-Klassiker konnten sich auch im Realfilmgewand sehen lassen. Dass ausgerechnet Guy Ritchie seine ALADDIN-Neuverfilmung gegen die Wand fahren würde, überrascht – aber dann auch wieder nicht. Denn dass hier der Mann mit der sonst so energetischen Handschrift Regie geführt hat, lässt sich nicht einmal mehr erahnen. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik. Weiterlesen

Das startet am 16. Mai 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 16. Mai, der nicht mit den größten Starts auftrumpfen kann. Dafür stecken den Kinos vermutlich noch zu sehr „Avengers: Endgame“ und „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ in den Knochen. Ausgerechnet über den stärksten Film der Woche dürfen wir noch nichts sagen, dafür auf „Das Familienfoto“ verweisen, der sich als kleine französische Tragikomödie einen Platz in unserem Herz gesichert hat. „The Silence“ und „Greta“ performen zumindest aus qualitativer Sicht solide, doch ob die Welt auf einen neuen „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“-Filme à la „A quiet Place“ gewartet hat, ist fraglich. Ebenso wie auf den christlichen Werbefilm „Breakthrough“, den wohl keiner wirklich braucht.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DAS FAMILIENFOTO | Regie: Cécilia Rouaud | FR 2018

Die drei Geschwister Gabrielle, Elsa und Mao könnten unterschiedlicher kaum sein: Gabrielle arbeitet als „lebende Statue“ in Paris und ist ihrem Sohn viel zu unkonventionell. Elsa hadert mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Und der Spieleentwickler Mao ist trotz beruflichen Erfolgs noch gar nicht richtig im Leben angekommen. Da haben ihre getrennt lebenden Eltern ganze Arbeit geleistet. Der Vater war nie da, die Mutter, eine Psychotherapeutin, mischte sich dagegen in alles ein. Und bis heute hat sich daran nichts geändert. Die normalste ist da noch die demente Großmutter. Als der Großvater stirbt, ist die in alle Winde verstreute Familie gezwungen, sich zusammen zu raufen. Allein kann die alte Dame nicht bleiben, wie aber sollen die Kinder und Enkel eine Lösung für sie finden, wenn schon in ihrem eigenen Leben das pure Chaos herrscht…?

Keine hysterischen Keifereien, kein auf eine Eskalation zulaufender Konflikt, sondern einfach nur die kleinen und großen Dramen des Alltags – Regisseurin Cécilia Rouaud inszeniert genau diese mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Feingeist, sodass sich die Probleme der hier porträtierten Familie schnell auf den Zuschauer übertragen lassen. Überraschend inspirierend.


THE SILENCE | Regie: John R. Leonetti | DE 2019

Als eine archäologische Expedition in einem unzugänglichen Höhlensystem in Nordamerika eine bislang unbekannte Parasitenart entdeckt, ahnt noch niemand, wie gefährlich diese „Wespe“ genannte Spezies tatsächlich ist. Doch einmal freigesetzt, mutieren und vermehren sich diese Urzeitmonster nicht nur, sondern greifen bald auch Menschen an. Ihre Opfer finden sie dank ihres feinen Gehörs: Schon das kleinste Geräusch lockt eine Unzahl von ihnen an. Die einst so laute Welt verstummt. Die gehörlose Ally (Kiernan Shipka) und ihre Familie ziehen sich in die Wälder zurück, denn überleben lässt sich nur noch in völliger Stille. Gefahr geht aber auch von anderen Menschen aus, wie die Familie bald erfahren muss: Im rücksichtslosen Überlebenskampf ist jedes Geräusch ein potentielles Todesurteil. Und dann kreuzt eine bedrohliche Sekte ihren Weg, die es ausgerechnet auf Ally abgesehen hat…

„The Silence“ ist klüger als „A Quiet Place“, spannender als „Bird Box“, dafür weitaus weniger gut getrickst und fällt gegen Ende hin deutlich ab. Von den drei hier genannten Filmen allerdings mit Abstand der stärkste – vor allem dank Stanley Tucci in der Hauptrolle.


GRETA | Regie: Neil Jordan | IE/USA 2018

Die junge Frau Frances (Chloë Grace Moretz) findet eines Tages durch Zufall eine Handtasche in der New Yorker U-Bahn und zögert nicht, sie der rechtmäßigen Besitzerin nach Hause zu bringen, denn in der Tasche befinden sich sämtliche Unterlagen, um sie ausfindig zu machen. Die Tasche gehört der eleganten Witwe Greta (Isabelle Huppert), die sich sehr über den Besuch der jungen Frau und ihre Ehrlichkeit freut. Schnell freundet sich Frances, die erst vor kurzem ihre Mutter verloren hat, mit der älteren Dame an, denn das Schicksal scheint zwei einsame Seelen zusammengeführt zu haben. Doch schon bald findet sie heraus, dass Greta ihre Handtaschen nur als Köder auslegt, um die ehrlichen Finder zu sich zu locken. Und sie ist nicht die erste, die in ihre Falle getappt ist. Aus der gutmütigen Greta wird eine gefährliche Stalkerin…

Neil Jordans „Greta“ ist ein alberner Stalking-Film, der jedoch durch seine wendungsreiche zweite Hälfte und seine Darstellerinnen durchaus kurzweilig geraten ist.


BREAKTHROUGH – ZURÜCK INS LEBEN | Regie:  Roxann Dawson | USA 2019

John Smith ist 14 Jahre alt und lebt mit seinen ihn liebenden Adoptiveltern Joyce und Brian in einer typischen Kleinstadt im Mittleren Westen der USA. Er ist fleißig im Unterricht, ein überdurchschnittlicher Basketballspieler, populär bei seinen Mitschülern und heimlich verliebt in die süße Abby. Doch eines Wintertages geht der Junge nach dem allwöchentlichen Kirchenbesuch mit der Familie auf einen gefrorenen See. Dort tobt er mit zwei Kumpels herum, bis sie durch das dünne Eis brechen. Die beiden Freunde werden von dem von einem Augenzeugen sofort alarmierten Rettungsdienst schnell aus dem kalten Wasser gezogen. John kann erst nach einer Viertelstunde völlig unterkühlt und ohne Lebenszeichen von dem engagierten Feuerwehrmann Tommy geborgen werden. Jetzt hilft nur noch ein Wunder, um ihn zurück ins Leben zu holen…

Ist „Breakthrough – Zurück ins Leben“ ein guter Werbestreifen für die christliche Kirche? Nein, denn dazu kommt das rührselig-schmalzige Familien-Drama viel zu durchschaubar und platt daher, als dass man die Berechnung dahinter nicht meilenweit gegen den Wind riechen würde.


THE SUN IS ALSO A STAR | Regie: Ry Russo-Young | USA 2019

An einem magischen Tag inmitten des hektischen Treibens von New York City treffen der zukünftige College-Student und Romantiker Daniel Bae (Charles Melton) und die in Jamaika geborene Pragmatikerin Natasha Kingsley (Yara Shahadi) aufeinander und verlieben sich. Sofort sprühen die Funken zwischen den beiden Fremden, deren Wege sich vielleicht nie gekreuzt hätten, wenn das Schicksal nicht ein wenig nachgeholfen hätte. Aber reicht Vorherbestimmung aus, um aus den Teenagern, deren Romanze unter einem mehr als schlechten Stern steht, ein glückliches Liebespaar werden zu lassen? Natasha, die nur noch ein paar Stunden hat, bevor sie die USA verlassen und in ihre Heimat Jamaica zurückkehren muss, kämpft erbittert gegen die Abschiebung ihrer Familie und gegen ihre aufkommenden Gefühle für Daniel, der sie ebenso beharrlich zu überzeugen versucht, dass sie füreinander bestimmt sind.


MAQUIA – EINE UNSTERBLICHE LIEBESGESCHICHTE | Regie: Mari Okada | JPN 2018

Jenseits der Menschenwelt, im Lande Iorph, lebt das Waisenmädchen Maquia im Einklang mit ihresgleichen. Gesegnet mit langanhaltender Jugend verwebt ihre Sippe seit Jahrhunderten das Geschehen eines jeden Tages in einem mystischen Tuch, dem Hibiol. Doch das friedliche Leben der Gemeinschaft gerät aus den Fugen, als die Armee aus Mesate gewaltsam in die Stadt eindringt, um sich des langlebigen Blutes der Iorph zu bemächtigen. Ein Akt äußerster Brutalität steht bevor, dem sich das Mädchen Maquia schutzlos ausgeliefert sieht. Inmitten von Verzweiflung und Chaos entdeckt Maquia auf ihrer Flucht ein verwaistes Kind, das sie Erial nennt. Sie nimmt sich seiner an und beschließt ihn wie ihr eigenes Kind großzuziehen. Dies ist der Beginn einer emotionalen Reise zwischen Vergänglichkeit, Sehnsucht und der grenzenlose Liebe einer Mutter, die alles für ihr Kind tun würde, um es vor der brutalen Außenwelt zu schützen.


UNDER THE TREE | Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson | IE/DK/POL/DE 2018

Inga und Baldvin lieben ihren Garten, vielmehr noch lieben sie ihren prächtigen Baum! Doch seinetwegen liegen die Nerven ihrer Nachbarn brach: Das Gewächs wirft nämlich einen riesig-großen Schatten auf die Terrasse der wohlsituierten Nachbarschaft. Nix mit Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Bitte der Schattengeplagten, sich hurtig um das Ungetüm zu kümmern wird harsch abgewehrt. Ihr Sohn Atli hat währenddessen selbst ganz andere Probleme: Schuld ist ein kleines Sex-Video, das zu einem großen Streit mit seiner Frau führt. Er muss zurück ins Elternhaus ziehen, doch hier sorgt der Baum weiterhin für Ärger. Wurde der Nachbar etwa mit einer Kettensäge gesehen? Als dann plötzlich die geliebte Katze verschwindet und Überwachungskameras installiert werden, ist allen klar „so klappt‘s nicht mit den Nachbarn“. Ein verbitterter Kampf unter den Familien beginnt und das Chaos im idyllischen Vorort scheint perfekt …


Heimkinotipp: REISE NACH JERUSALEM | Regie: Lucia Chiarla | DE 2018

Eigentlich war Alice (Eva Löbau) in ihrem Job als Texterin immer erfolgreich. Doch als Freelancerin ist man nicht davor gefeit, auch mal auf die Schnauze zu fallen. Seit Monaten nimmt ihre Zahl an Auftraggebern ab, mittlerweile ist sie Dauergast auf dem Arbeitsmarkt. Hier unternimmt Alice alles, um möglichst schnell wieder Arbeit zu finden. Doch weder die Amtsmitarbeiter, noch ihre Eltern sind ihr dabei eine Hilfe. Also schleppt sich die 38-jährige von Maßnahme zu Maßnahme, schreibt Bewerbungen, verdient sich durch Produkttests was dazu und kann doch nicht verhindern, dass ihre Bezüge gekürzt werden. Das alles wäre ja nur halb so schlimm, wenn Alice nicht auch noch versuchen müsste, den schönen Schein von der unabhängigen Selbstständigen aufrechtzuerhalten. Doch in ihrem Freundeskreis scheinen ohnehin alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, als dass sich irgendjemand für ihre Probleme interessieren würde…

„Reise nach Jerusalem“ ist ein schmerzhafter Blick auf die Hölle Arbeitslosigkeit. Eva Löbau verkörpert glaubhaft und unerschrocken eine gescheiterte Mittdreißigerin, die alles unternimmt, um wieder fußzufassen – und scheitert. Nicht so der Film. Authentischer hätte man das Thema nicht einfangen können, auch wenn sich das Skript gen Ende ein wenig konstruierter anfühlt, als es sein müsste.

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