Väter & Töchter – Ein ganzes Leben

Eine Geschichte, wie sie sich Nicolas Sparks nicht besser ausdenken könnte: In VÄTER & TÖCHTER – EIN GANZES LEBEN erzählt „Sieben Leben“-Regisseur Gabriele Muccino zwei miteinander verwobene Liebesgeschichte auf zwei Zeitebenen. Ist das Endergebnis genau so seicht wie die Geschichten des Kollegen Sparks? Das verrate ich in meiner Kritik.

Väter & Töchter - Ein Leben lang

Der Plot

New York, 1989. Bestsellerautor Jake Davis (Russell Crowe) ist nach dem Unfalltod seiner Frau alleine für seine kleine Tochter Katie (Kylie Rogers) verantwortlich. Doch der Verlust setzt ihm psychisch und physisch stark zu. Als er für eine Weile in einer Klinik behandelt wird, kommt Katie zu ihrer Tante Elizabeth (Diane Kruger) und ihrem Onkel William (Bruce Greenwood), die sich kaum um das Mädchen kümmern, aber bald mit Jake um das Fürsorgerecht streiten. Dabei wäre Katie viel lieber bei ihrem Vater, der trotz seiner Erkrankung alles versucht, seiner geliebten Tochter ein gutes Leben zu bieten. Sein größter Liebesbeweis wird der Roman „Väter und Töchter“ – seit Jahren sein erster Bestseller. 25 Jahre später. Katie (Amanda Seyfried) ist inzwischen ausgebildete Psychologin und Sozialarbeiterin, die sich rührend um ein Waisenmädchen kümmert, das nach dem Tod ihrer Eltern aufgehört hat zu sprechen. Auch Katie hadert noch immer mit ihrer Kindheit. Sie hat Probleme, sich zu binden und ihr Privatleben besteht aus durchfeierten Nächten. Bis sie den charmanten Nachwuchsautor Cameron (Aaron Paul) kennenlernt und zum ersten Mal versucht, sich auf jemanden wirklich einzulassen...

Kritik

Liebesgeschichten, die sich auf zwei verschiedenen Zeitebenen abspielen, inhaltlich allerdings stark miteinander verbunden sind, kennt man eigentlich vorzugsweise von einem bestimmten Autor: Nicolas Sparks. Dass der seine Hände bei Gabriele Muccinos Romantikdrama „Väter und Töchter – Ein ganzes Leben“ gar nicht im Spiel hat, wundert angesichts dessen, was bei der Erzählung um einen schwerkranken Vater und seine noch Jahrzehnte später von dessen Leidensweg gezeichneter Tochter herausgekommen ist. Der Regisseur von solch hochdramatischen, jedoch nicht minder kitschigen Stoffen wie „Das Streben nach Glück“ oder „Sieben Leben“ inszeniert das Drehbuch von Brad Desch („Shotgun Lovesongs“) als ebenso sentimentales wie nicht immer ganz feinfühliges Melodram, bei dem einzelne Handlungsstränge ehrlich zu Herzen gehen, andere wiederum einer sehr seichten, dem Publikum auf Biegen und Brechen zuträglich gemachten Dramaturgie zum Opfer fallen. Besonders dann, wenn es in Richtung Finale geht, zieht Muccino sämtliche, nach Gemütlichkeit strebenden Register, durch die „Väter und Töchter“ auf der Zielgeraden jenem Kitsch zum Opfer fällt, mit dem auch schon die Vorwerke des Regisseurs ausgestattet waren. Immerhin wissen die Darsteller selbst in den Momenten zu Überzeugen, in denen das Skript es ihnen in seinen Plattitüden alles andere als leicht macht.

Väter & Töchter - Ein Leben lang

Zwischen den beiden Erzählsträngen liegen 25 Jahre, wovon sich der eine mit der Kindheit von Hauptfigur Katie und ihrem allein erziehenden Vater Jack auseinander setzt, während der andere Katie als junge Frau, ihren Job als Sozialarbeiterin sowie ihre aufkeimende Beziehung mit dem charmanten Cameron fokussiert. Beide Plotebenen haben jeweils ihren ganz eigenen Reiz. Besonders die emotional mitreißende Darbietung von Russell Crowe („The Nice Guys“) als nach dem Tod seiner Frau mit der Situation überforderter und obendrein schwer erkrankter Vater geht in der Interaktion mit der von Kylie Rogers („Himmelskind“) trotz ihres noch jungen Alters schon überraschend authentisch gespielten Katie ehrlich zu Herzen. In diesen Momenten hält sich Muccino noch vergleichsweise zurück. Zwar ist der hochdramatische Score von Paolo Buonvino auch hier bereits eine omnipräsente Nervenprobe, doch dank der beiden Hauptfiguren ist das eigentlich recht vorhersehbare Leinwandgeschehen immer noch sehr ergreifend. Hinzu kommt das Auslassen allzu deutlich auf der Hand liegender Plakativitäten: Wenn Jack seiner Tochter im Park das Fahrradfahren beibringt, wäre diese Szene dafür wie prädestiniert, durch einen Sturz des Vaters zu unterstreichen, dass seine physische Verfassung es nicht zulässt, sich ausreichend fürsorglich um seine Tochter zu kümmern. Indem Muccino auf derart grobmotorische Handlungsschlenker verzichtet, sind Szenen wie jene im Park zwar immer noch betont sentimental, behalten jedoch einen geerdeten Grundton bei.

Schon früh wird Katie für eine Weile in die Obhut von Onkel und Tante gegeben, die sich während des Klinikaufenthalts von Jake um das kleine Mädchen kümmern. Dass das Drehbuch kaum etwas aus ihrer Zeit bei ihren Verwandten erzählt, ist schade; die Synopsis deutet zwar an, dass Katie dort vernachlässigt wird. Doch aus der Inszenierung wird das kaum deutlich. Hier geben die von Diane Kruger („Sky: Der Himmel in mir“) grob artikulierend gespielte Elizabeth und ihr Gatte William ein überfürsorgliches, wenn auch mit wenig Fingerspitzengefühl für die Belange des leiblichen Vaters ausgestattetes Paar ab, das sich tatsächlich für ihre Nichte zu interessieren scheint. Die traumatisierenden Folgen ergeben sich für den Zuschauer erst daraus, dass Katie bereits in jungen Jahren zweimal den zunächst nur mehrere Monate andauernden, später jedoch vollkommenen Verlust ihres Vaters erleben muss. Dass sich aus dieser Grundsituation derartig schwere Traumata ergeben, wie sie schließlich im zweiten Handlungsstrang dargestellt werden, ist daher zwar nicht vollkommen unglaubwürdig, zeugt aufgrund seines scheinbar fehlenden, emotionalen Unterbaus allerdings nicht gerade von immenser Sensibilität in der Charakterzeichnung. So muss man sich die Vernachlässigung, die laut Inhaltsbeschreibung existiert, gezielt vorstellen, damit Katies Reaktion auf selbige Sinn ergibt. Wer sich den Film jedoch ohne jedwedes Vorwissen zu Gemüte führt, dem wäre es nicht vorzuwerfen, wenn er die einen oder anderen Zusammenhänge als zu konstruiert empfindet.

Väter & Töchter - Ein Leben lang

25 Jahre später arbeitet Katie als Psychologin mit – wie sollte es anders sein – schwer traumatisierten Kindern. Dialoge und Handlungen im Drehbuch wirken auch hier vielfach wie mit heißer Nadel gestrickt. Die Geschehnisse, mit denen sich Katie auseinander setzen muss, wirken standardisiert im Hinblick darauf, was in Geschichten über Menschen mit Bindungsangst sonst so passiert. Erst als Katie den selbst sehr sensiblen, sich tatsächlich für sie interessierenden Cameron („Breaking Bad“-Star Aaron Paul) kennen lernt, ist sie gewillt, aufzutauen. Dass die aufkeimende Beziehung der beiden lange Zeit nicht dem sich androhenden Kitsch erliegt, obwohl sich das Paar immer wieder von Katies psychischen Problemen durchschütteln lassen muss (Stichwort: Kennenlernen der Eltern), liegt an Amanda Seyfried („Ted 2“), die ihrer Figur so viel Erdung abgewinnt, dass selbst die abstrusesten Traumaschübe irgendwie noch glaubhaft wirken. Auch Aaron Paul hat Glück: Für seine Figur sieht das Skript die durchdachtesten Texte vor, die dem Film in den notwendigen Momenten Komplexität verleihen, dank derer „Väter & Töchter“ nicht durchgehend seicht erscheint. Trotzdem schafft auch er es nicht, den Schluss des Films vor seiner Vorhersehbarkeit zu bewahren. Ging Gabriele Muccino bis hin zu den letzten zehn Minuten nicht immer den einfachsten Weg, tischt uns die Geschichte im Rahmen des Schlussakts die volle Packung Schmalz auf. In diesem Moment fragen wir uns dann doch, ob Mister Sparks hier wirklich nicht seine Finger im Spiel hatte.

Fazit: „Väter & Töchter – Ein ganzes Leben“ bietet starke Schauspielleistungen, eine emotionale Geschichte und ein spannendes Thema. Leider aber auch eine über weite Strecken plakative Inszenierung, ein allzu seichtes Finale und einen anstrengenden, da dauerpräsenten Score.

„Väter & Töchter – Ein ganzes Leben“ ist ab dem 30. Juni in den deutschen Kinos zu sehen.

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