Schlagwort-Archiv: Satire

Das startet am 3. Mai 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 3. Mai, der nach dem vergangenen Start von „Avengers: Infinity War“ natürlich erst einmal keinen großen Blockbuster nachlegt, dafür mit einem der intensivsten Kinofilme des bisherigen Jahres aufwartet. „No Way Out – Gegen die Flammen“ ist ein intensives Katastrophendrama fernab von US-Pathos, das man unbedingt (und am besten ohne Vorwissen) gesehen haben sollte. Doch auch das deutsche Kino kommt mit zwei faszinierenden Neustarts daher: „HERRliche Zeiten“ ist eine Oskar-Roehler-typisch bitterböse Satire über die Verführbarkeit der Gesellschaft, während die winzige Produktion „Familiye“ einen äußerst authentischen Einblick in ein derbes Milieu liefert.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

NO WAY OUT – GEGEN DIE FLAMMEN | Regie: Joseph Kosinski | USA 2018

Eric Marsh (Josh Brolin) ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele und bildet sein 19-köpfiges Team gerade zur renommierten Hotshot-Crew aus. Diese Elite-Einheit macht sich im wahrsten Sinne des Wortes die Hände schmutzig und kämpft an vorderster Front gegen das Feuer. Als sich der mit Drogenproblemen kämpfende Brandon „Donut“ McDonough (Miles Teller) bei Marshs Einheit bewirbt, gibt dieser ihm eine Chance. McDonough wird schnell ein unverzichtbares Mitglied der eingeschworenen Truppe. Mit der Unterstützung des Chefs der örtlichen Feuerwache, Duane Steinbrink (Jeff Bridges),und hartem Training, schafft es das Team um den erfahrenen Marsh zur offiziellen Hotshot-Crew zu avancieren und bekämpft fortan Waldbrände in der ganzen Region an vorderster Front – bis es zu jenen tragischen Ereignissen kommt, die alles für immer verändern…

Joseph Kosinski gelingt mit dem technisch herausragend inszenierten Katastrophendrama „No Way Out – Gegen die Flammen“ ein aufwühlendes und ergreifendes Denkmal für die Opfer des Yarnell Hill Fire und für all die Menschen, die tagtäglich ihr Leben für das Anderer zu riskieren.


HERRLICHE ZEITEN  | Regie:  Oskar Roehler | DE 2018

Gut situiert und etwas gelangweilt leben die Gartenarchitektin Evi Müller-Todt und ihr Mann Claus, ein Schönheitschirurg, in ihrer gepflegten Villa. Auf der Suche nach einer neuen Haushaltshilfe, schaltet Claus in bester Rotweinlaune eine Anzeige: „Sklave/in gesucht“. Nicht wenig erstaunt über die Ansammlung kuriosester Gestalten in Lack und Leder vor ihrer Haustür, muss Claus feststellen, dass seine Anzeige allzu wörtlich genommen worden ist. Auf Wunsch der schockierten Evi schickt er alle wieder nach Hause. Doch dann macht ihnen plötzlich Bartos seine Aufwartung. Gepflegt, gebildet und dienstfertig ist er bereit, sich freiwillig in ein Herr-Knecht-Verhältnis zu begeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden die Müller-Todts zunehmend Gefallen am Verwöhnprogramm ihres neuen Dieners, der nun auch von seiner Frau Lana unterstützt wird, und wähnen sich im Paradies. Doch das Blatt wendet sich! 

Oskar Roehler zeigt in seiner bitterbösen Gesellschaftssatire „HERRliche Zeiten“, wie leicht sich Menschen verführen lassen. Um seine Botschaft zu unterstreichen, lässt der Regisseur am Ende ordentlich Blut spritzen und kann mit seiner derben Konsequenz darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung selbst weitaus unspektakulärer ist, als die Inszenierung.


FAMILIYE  | Regie: Sedat Kirtan, Kubilay Sarikaya | DE 2017

Nach fünfjähriger Haftstrafe ist Danyal (Kubilay Sarikaya), der Älteste von drei Brüdern aus der Tanis-Familie, endlich wieder auf freiem Fuß und begibt sich zurück in sein Viertel Berlin-Spandau. Seit dem Tod seiner Eltern hat er im Alleingang die Verantwortung für seine zwei jüngeren Brüder übernommen. Doch mit dem spielsüchtigen Miko (Arnel Taci) und dem verspielten Bruder Muhammed (Muhammed Kirtan) mit Down-Syndrom, der die Welt um sich herum aus der Sicht eines Kindes wahrnimmt, ist das alles andere als einfach. Als plötzlich Mikos Schulden fällig werden und Muhammed von den Behörden in ein Heim gesteckt werden soll, droht das fragile Gleichgewicht ihrer Existenz vollends aus der Balance zu geraten, denn Danyal setzt alles daran, seine Brüder zu beschützen und die Ehre der Familie zu verteidigen.

„Familiye“ ist ein selbstbewusstes Debüt, dessen Macher nicht bloß den Blick für ansehnliche Bilder haben, sondern auch ein Gespür für das Milieu und seine Figuren, die hier gleichermaßen ungeschönt wie verständnisvoll porträtiert werden.


7 TAGE IN ENTEBBE  | Regie: José Padilha | UK/USA 2018

Für haben den 27. Juni im Jahre 1976 – deutscher Herbst: Eine Gruppe palästinensischer und deutscher Terroristen unter der Führung der beiden RAF-Mitglieder Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) kapert die Air France Maschine 139 auf ihrem Flug von Tel Aviv nach Paris und erzwingt eine Landung in Entebbe, Uganda. Die israelischen Geiseln an Bord sollen gegen palästinensische Gefangene ausgetauscht werden. Mit einem Ultimatum von nur einer Woche muss die Regierung in Israel eine schwerwiegende Entscheidung treffen – durchbricht sie ihre bisherige Maxime, mit Terroristen nicht zu verhandeln? Es folgen sieben nervenaufreibende Tage in Entebbe, die sowohl die Politiker als auch die Kidnapper ans Äußerste bringen. Werden am Ende alle überleben?

„7 Tage in Entebbe“ ist ein solides Thrillerdrama, das man jedoch nicht als absolut korrekte Nacherzählung der damaligen Ereignisse verstehen sollte. Dafür ist zu vieles in José Padilha ambitioniert inszenierten Film Spekulation und der Regisseur in der zweiten Hälfte zu sehr auf Spektakel aus.


SHERLOCK GNOMES | Regie: John Stevenson | UK/USA 2018

Nachdem der Streit zwischen den beiden Gartenzwerg-Familien Zinnoberrot und Blaublut endlich begraben werden konnte und Gnomeo seine Julia heiraten durfte, begeben sich die einstigen Rivalen gemeinsam nach London und leben dort friedlich Gartenzaun an Gartenzaun. Nichts kann das Zwergen-Idyll stören, so scheint es. Doch dann verschwinden plötzlich Gartenzwerge spurlos in der ganzen Stadt, was die heile Zwergen-Welt gehörig aus den Fugen geraten lässt. Die Lage ist knifflig, aber Gnomeo und Julia bekommen professionelle Unterstützung vom furchtlosen Beschützer der Gartenzwerge – keinem Geringeren als dem berühmten Meisterdetektiv Sherlock Gnomes. Gemeinsam mit ihm und seinem Assistenten Watson begeben sie sich auf ein bis in die Zipfelmützen spannendes Abenteuer mit der Mission: Rettet die Gartenzwerge! 

Gemessen am lauen Vorgänger ist „Sherlock Gnomes“ überraschend unterhaltsam. Im Vergleich zu allen anderen Animationsfilmen dieser Welt reicht es immerhin für ein solides Mittelfeld.


ELEANOR & COLETTE | Regie: Bille August | DE/BEL 2017

Eleanor Riese (Helena Bonham Carter) leidet an paranoider Schizophrenie und weiß, dass sie nur mit Medikamenten ein eigenständiges Leben führen kann. Wegen starker Nebenwirkungen fordert sie jedoch, ihre Medikation selbst mitzubestimmen. Als ihre Ärzte ihr das verweigern, heuert Eleanor die Anwältin Colette Hughes (Hilary Swank) an. In einem so gut wie aussichtslosen Verfahren stellen sich die beiden gegen ein übermächtiges Establishment aus Pharmaindustrie und Ärzten, schaffen es aber, ihren Fall bis zum obersten Gerichtshof zu bringen. Ein gemeinsamer Kampf um Gerechtigkeit, mit dem die ebenso exzentrische wie liebenswerte Eleanor das Leben der verbissenen Colette gehörig durcheinander bringt und der sie letztlich zu mehr macht als zu Mandantin und Klientin: Sie werden Freundinnen, die sich Halt geben, voneinander lernen und gegenseitig ihr Leben verändern… 

Das auf wahren Ereignissen beruhende Drama „Eleanor & Colette“ beginnt als packender Blick hinter die Kulissen eines maroden Gesundheitssystems. Doch so spannend die Ausgangslage auch ist: Mit der Zeit verliert Regisseur Bille August das Wesentliche aus den Augen und lässt seine Geschichte in allzu generisch-kitschigen Bahnen enden.


WER HAT EIGENTLICH DIE LIEBE ERFUNDEN?  | Regie: Kerstin Polte | DE/CH 2018

Charlotte steckt in einer schwierigen Phase: Nach 37 Jahren, 5 Monaten und 21 Tagen besteht ihre Ehe mit Paul nur noch aus Routine und Missverständnissen. Dabei hätte sie ihm viel zu erzählen; zum Beispiel, dass sie in letzter Zeit mehr vergisst, als sie erlebt. Doch Charlotte hat beschlossen, ihr Leben noch einmal in vollen Zügen genießen. Und so lässt sie ihren Mann einfach an einer Autobahnraststätte zurück, um gemeinsam mit ihrer aufgeweckten Enkelin Jo ans Meer aufzubrechen. Mithilfe der Truckerin Marion reisen Paul und Jos chaotische Mutter Alex den beiden hinterher. Auf einer einsamen Insel angekommen, treffen sie sich in der äußerst ungewöhnlichen ‚Pension Hörster‘. Allmählich findet die Familie dort wieder zueinander, und auch Charlotte und Paul versuchen, ihre Liebe neu zu erfinden. 

„Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ ist erzählerisch zu verkopft und inszenatorisch zu gewollt symbolisch, sodass sich die eigentlich viel wichtigeren Faktoren – Geschichte und Figuren – überhaupt nicht entfalten können.


GUTLAND | Regie: Govinda Van Maele | LU/BE/DE 2017

Der deutsche Jens (Frederick Lau) flüchtet nach einem bewaffneten Überfall in ein kleines luxemburgisches Dorf, um hier Zuflucht vor der Polizei zu suchen. Er behauptet gegenüber den Einwohnern, auf der Suche nach Saisonarbeit zu sein, jedoch neigt sich die Erntezeit bereits dem Ende zu. Also bleibt er erfolglos. Während seines Aufenthaltes lernt er Lucy (Vicky Krieps) kennen, die Tochter des Bürgermeisters, die er am Abend in der Dorfkneipe trifft. Sie macht ihm Avancen und geht noch in derselben Nacht mit ihm ins Bett. Am nächsten Morgen bekommt er einen Job angeboten. Während Jens seine Arbeit macht und langsam eine intensivere Beziehung zu Lucy aufbaut, droht ihn seine Vergangenheit einzuholen. Aber auch die Dorfbewohner haben offensichtlich dunkle Geheimnisse, die sich bruchstückhaft offenbaren. Und während Jens sich weiter und weiter in das Dorfleben integriert, verändert er sich.


 Heimkinotipp: JUMANJI – WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL  | Regie: Jake Kasdan | USA 2017

Beim gemeinsamen Nachsitzen im Schulkeller entdecken die vier Teenager Bethany (Madison Iseman), Spencer (Alex Wolff), Fridge (Ser’Darius Blain) und Martha (Morgan Turner) unter all dem Gerümpel eine alte Spielkonsole. Auch ein Videospiel ist mit dabei, doch von „Jumanji“ hat keiner von ihnen je etwas gehört. Als Spencer sich an dem Game probiert, ertönen aus der Ferne plötzlich Trommelschläge und schon im nächsten Moment werden die Teens in das Spiel hineingesaugt. Hier müssen sie in den Körpern von Avataren (Jack Black, Dwayne Johnson, Kevin Hart und Karen Gillan) ein aufregendes Abenteuer bestehen, um ein einsames Dschungelparadies von einem alten Fluch zu befreien. Dabei bekommt es die Gruppe mit allerlei zwei- und vierbeinigen Widersachern zu tun, wächst aber auch zu echten Freunden zusammen…

Allen Befürchtungen zum Trotz ist „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ eine absolut kurzweilige Abenteuerkomödie geworden, in der überdurchschnittlich viele Gags zünden. Daran trägt auch die sympathische Besetzung Mitschuld, genauso wie das nahezu ballastfreie Skript. Erzählerisch muss man allerdings auf Raffinessen verzichten, während die Qualität der Effekte von „richtig stark“ bis „furchtbar“ reicht.

Zehn Filme, die mich im 1. Quartal 2018 genervt haben

Zum Ende eines jeden Monats veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine fünf ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen Wochen. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY eben so gar nicht gefallen hat, präsentiere ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik nun nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme des vergangenen Quartals inklusive Trailer, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen drei Monate zu veröffentlichen. Viel Spaß!

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Das startet am 29. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 29. März, an dem es so scheint, als hätten die Verleiher Respekt vor „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“, der im Anbetracht des immensen Marketingaufwands als erster Anwärter auf einen der erfolgreichsten Filme des Jahres gehandelt werden dürfte. Das Restangebot gestaltet sich qualitativ übersichtlich, während der Bülent-Ceylan-Kinofilm „Verpiss Dich, Schneewittchen!“ der Presse noch nicht gezeigt wurde und somit bislang kein Urteil möglich ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

JIM KNOPF & LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER  | Regie:  Dennis Gansel | DE 2018

Eines Tages bringt der Postbote ein großes Paket auf die Insel Lummerland, eine kleine Insel mitten im Ozean. Die vier Bewohner Frau Waas, Herr Ärmel, König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte und Lukas der Lokomotivführer trauen ihren Augen nicht, als sie das Paket öffnen: Ein kleiner dunkelhäutiger Junge strahlt sie mit großen Kulleraugen an. Frau Waas beschließt, den kurzerhand auf den Namen Jim getauften Säugling bei sich aufzunehmen. Als Jim älter wird, schließt er auch mit dem Rest der Inselbewohner bald Freundschaft – besonders in Lukas hat er einen Zuhörer gefunden, mit dem er regelmäßig in seiner geliebten Lokomotive Emma quer über die Insel kurvt. Doch je älter Jim wird, desto mehr sehnt er sich nach der Antwort auf die Frage, wo er eigentlich herkommt…

„Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ ist ein mit viel Liebe zum Detail inszeniertes, handwerklich astreines Vergnügen für große und kleine Liebhaber der Vorlage, die sich inszenatorisch auf dem Niveau internationaler Großproduktionen befindet.


UNSANE – AUSGELIEFERT | Regie: Steven Soderbergh | USA 2018

Sawyer Valentini (Claire Foy) ist eine junge, erfolgreiche Frau, die nach einem unangenehmen Vorfall ihre Heimatstadt verlässt. In der Fremde will sie ihre belastende Vergangenheit ein für alle Mal hinter sich lassen, einen neuen Job beginnen, glücklich sein. Nach wie vor unter Angstzuständen leidend, nimmt sie eines Tages die Dienste einer Therapeutin in Anspruch. Kurz darauf wird sie gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Einrichtung festgehalten und mit ihrer größten Angst konfrontiert – aber ist sie real oder nur ihre Einbildung? Da anscheinend niemand bereit ist, ihr zu glauben und die Behörden ihr nicht helfen können oder wollen, muss sie sich mit ihren Ängsten direkt auseinandersetzen. Doch je tiefer Sawyer kramt, desto schlimmer wird es für sie…

Style-over-Substance in Reinkultur – das technische Konzept hinter Steven Soderberghs mit einem iPhone gedrehten Psychothriller „Unsane – Ausgeliefert“ ist beispielhaft und sorgt genau für die Beklemmung, die in diesem Szenario angebracht ist. Schade, dass hinter der Geschichte nicht dieselbe Cleverness steckt.

VOR UNS DAS MEER  | Regie: James Marsh | UK 2018

1968 im englischen Teignmouth: Donald Crowhurst (Colin Firth) ist ein wohlsituierter Familienvater und Hobbysegler, der seiner Familie die Probleme in der Firma bislang verschweigen konnte. Um seine Geldsorgen loszuwerden, nimmt er eines Tages beim Sunday Times Golden Globe Race teil. um der schnellste Mensch zu werden, der allein und ohne Zwischenstopp die Welt umsegelt. Mit seinem unfertigen, selbst entworfenen Boot und im Glauben, sich das für so eine Reise notwendige Fachwissen während der Fahrt selbst anzueignen, sticht Crowhurst schließlich in See. Seine Frau Clare (Rachel Weisz) und die gemeinsamen Kinder lässt er an Land zurück und begibt sich Hals über Kopf in ein gefährliches Abenteuer, das Geschichte schreiben wird. Ob aufgrund eines Sieges oder durch seinen Tod, steht dabei allerdings noch in den Sternen… 

„Vor uns das Meer“ ist ein unaufgeregtes Abenteuerdrama über einen Mann, dessen Scheitern vorbestimmt war. Colin Firth erweckt diesen Mann zum Leben und kann erzählerische Defizite weitestgehend ausgleichen. Trotzdem überzeugt die stilsichere Inszenierung mehr, als die Geschichte selbst, die letztlich zu viel behauptet und zu wenig zeigt.


IM ZWEIFEL GLÜCKLICH | Regie: Mike White | USA 2017

Eigentlich hat Brad (Ben Stiller) alles, um glücklich zu sein: Eine liebende Ehefrau (Jenna Fischer), eine erfüllende Arbeit und einen talentierten Sohn (Austin Abrams). Trotzdem beschleicht ihn ständig das Gefühl, nicht genug erreicht zu haben – im Gegensatz zu seinen früheren Studienfreunden, deren erfolgreiche Karrieren er neidisch aus der Ferne verfolgt. Als er mit seinem Sohn mögliche Colleges an der Ostküste besichtigt, ist eine Begegnung mit einem alten Freund unvermeidlich. Craig (Michael Sheen) ist inzwischen ein gefeierter Buchautor, wodurch Brad sein Mittelklassestatus umso schmerzhafter bewusst wird. Bis er bemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem erfolgreichem Leben und einem glücklichen. Auf der Reise mit seinem Sohn findet er langsam aber sicher zu sich selbst…

Ein Fazit zu „Im Zweifel glücklich“ fällt uns ebenso schwer, wie Ben Stiller in diesem Film das Glücklichsein. Einerseits gelingt Mike White mit seiner Tragikomödie eine sehenswerte Erzählung darüber, wie leicht es ist, sich selbst im Weg zu stehen. Andererseits fehlt es Skript und Inszenierung aber auch oft an Feinschliff, sodass der Film letztlich schwerfälliger daherkommt, als er müsste.


THE DEATH OF STALIN | Regie: Armando Iannucci | UK/USA/FR/BEL 2017

Moskau am 2. März 1953. Ein Mann liegt nach einem Schlaganfall im Sterben. Bald wird er das Zeitliche segnen – und wer es jetzt richtig anstellt, kann seinen Platz einnehmen. Der sterbende Mann heißt Josef Stalin (Adrian McLoughlin): Generalsekretär der UdSSR, Diktator, Tyrann und Massenmörder – und Musikliebhaber, was ihm an diesem Tag zum Verhängnis wird. Die folgenden Tage zwischen seinem unrühmlichen Ableben und seiner pompösen Beerdigung werden zu Tagen, in denen die Mitglieder des Politbüros mit allen Mitteln darum kämpfen, die Macht zu übernehmen. Tage, in denen sich der ganze Wahnsinn, die Verkommenheit und die alltägliche Unmenschlichkeit des Totalitarismus in allen Facetten offenbaren. Doch hinter dem Wahnsinn stecken Mord, Verfolgung und schwere Verbrechen an der Gesellschaft…

Eigentlich wollte Armando Iannucci eine satirische Komödie mit bösen Dramaeinschüben drehen, doch am Ende hat er zwei Filme gedreht: eine Comedy und ein hartes Kriegsdrama. Und das beides unter einen Hut zu bringen, ist ihm nicht ganz gelungen.


VERPISS DICH, SCHNEEWITTCHEN!  | Regie: Cüneyt Kaya | DE 2018

In seinen Träumen ist Sammy (Bülent Ceylan) ein Rockstar. Doch in der Realität jobbt und schrubbt er im Hamam seines Bruders Momo (Kida Khodr Ramadan). Plötzlich gibt ihm ein Musiklabel die Chance, bei einer Castingshow berühmt zu werden. Unter einer Bedingung: Der Solomusiker muss eine Band gründen. So wird aus Sammy, seiner Schwester Jessi (Josefine Preuß), dem alten Aushilfsmasseur Wolle (Paul Faßnacht) und dem dicken Mahmut (Özgür Karadeniz) kurzerhand die Gruppe „Hamam Hardrock“, eine unkonventionelle Truppe mit einem guten Gespür für Musik. Das Publikum feiert die originellen Newcomer, doch Labelchefin Thomaschewsky (Sabrina Setlur) will den Siegeszug der Multikulti-Rocker mit allen Mitteln verhindern.

„Verpiss dich, Schneewittchen!“ ist nicht die Vollkatastrophe, die sich anhand der Trailer erahnen ließ. Sie liegt in ihrem Anspruch, eine richtige Geschichte zu erzählen, sogar weit über diversen Filmen von Bülent Ceylans Comedykollegen. Doch als solcher ist die mit Nazikritik angereicherte Castingodysse leider weder Fisch noch Fleisch – nicht wirklich lustig und erst recht nicht ernsthaft dramatisch.


1000 ARTEN, DEN REGEN ZU BESCHREIBEN | Regie: Isa Prahl | DE 2017

Seit vielen Wochen ist die Tür zu: Mike (Béla Gabor Lenz), gerade 18 geworden, hat sich von dem einen auf den anderen Tag in seinem Zimmer eingeschlossen. Er ist nicht krank. Er hat sich einfach nur bewusst dazu entschieden, am Leben draußen nicht mehr teilzunehmen. Die Eltern Susanne (Bibiana Beglau) und Thomas (Bjarne Mädel) sowie Schwester Miriam (Emma Bading) stehen buchstäblich vor seiner Tür ˗ warten, fragen, fordern, flehen, rasten aus, verzweifeln, beschuldigen, ignorieren und hoffen. Dabei wird die Tür zwischen ihnen und Mike mehr und mehr zum Spiegel ihrer eigenen Geschichten. Je mehr sie nach Mikes Gründen forschen oder vor ihrer eigenen Ohnmacht fliehen, desto deutlicher werden ihnen ihre eigenen Verkettungen mit einem Leben, das sie nie wirklich hinterfragt haben, und das sie dem entsprechend nie wirklich bewusst angenommen haben.


VOR DEM FRÜHLING | Regie: George Ovashvili | GEO/DE/FR 2017

Der Präsident, einst Volksheld und Befreier seines Landes, wird entmachtet und muss in die wilde Gebirgsregion seiner Heimat flüchten, begleitet nur von einer Handvoll treuer Anhänger. In der Hoffnung auf loyale Unterstützer zu stoßen und die Macht wiederzuergreifen, ziehen sie über schneebedeckte Berge und unwegsame Pässe, durch tiefe Wälder und reißende Ströme – voll Schönheit und Gefahren. Durch den ständigen Wechsel der Verstecke versucht die Gruppe, ihren Gegnern zu entkommen, doch ein unsichtbarer Verfolger setzt sie unter unerschütterlichen psychologischen Druck. Die all umschließende Natur, ihr Zufluchtsort, stellt sich als unberechenbare Gewalt heraus, die sich jederzeit gegen sie wenden kann. Und auch nicht jedes abgelegene Heim ist von verbündeten Seelen bewohnt. Die Reise wird zu einer rastlosen – zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen Hoffnung und Zweifel. Wem kann der Präsident noch trauen?


 Heimkinotipp: PADDINGTON 2  | Regie: Paul King | UK/FR/USA 2017

Der liebenswerte Bär Paddington mit Schlapphut und Dufflecoat hat nicht nur bei Familie Brown ein Zuhause gefunden, er ist auch in der Nachbarschaft ein geschätztes Mitglied: Höflich, zuvorkommend und immer fröhlich – außerdem lieben alle seine Marmeladenbrote, ohne die er nie das Haus verlässt. Als der 100. Geburtstag von Tante Lucy ansteht, sucht Paddington nach einem geeigneten Geschenk. Fündig wird er im Antiquitäten-Laden des liebenswerten Mr. Gruber, das allerlei Schätze birgt: Ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch hat es Paddington angetan. Allerdings muss der kleine, tollpatschige Bär dafür ein paar Nebenjobs antreten – das Chaos ist vorprogrammiert. Und dann wird das Buch auch noch gestohlen! Paddington und die Browns folgen den Spuren des Diebs, der ein Meister der Verkleidung zu sein scheint… 

Paul King gelingt erneut ein Film, der dem Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und um sich im Hinblick auf unser Urteil zu Teil eins noch einmal zu steigern, genügt nur eine Erkenntnis: „Paddington 2“ ist in jeder Hinsicht makellos!

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