Glennkill: Ein Schafskrimi

In dem Wollfühlfilm des Jahres ermitteln Schafe im Mordfall ihres eigenen Schäfers. Basierend auf einem deutschen Bestseller, stellt sich GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI ganz in die Tradition von „Peter Hase“ und Co. und integriert anthropomorphe Tiere in ein reales Umfeld. Das Ergebnis ist Krimikost aus einer ganz neuen, vierbeinigen Perspektive.

OT: The Sheep Detectives (IE/UK/USA 2026)

Darum geht’s

Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) liebt seine Schafe über alles. Er liest ihnen sogar abends aus Kriminalromanen vor und behandelt sie wie seine eigene Familie. Gemeinsam lebt die kleine Herde auf der abgelegenen irischen Insel Glennkill, wo das Leben ruhig und überschaubar scheint. Doch eines Morgens finden die Schafe ihren geliebten Schäfer tot auf der Weide. Für die Tiere steht fest: George wurde ermordet. Angeführt von dem klugen Schaf Lily (Anke Engelke) und dem etwas tollpatschigen Mopple (Bastian Pastewka) beginnt die Herde, selbst Nachforschungen anzustellen. Während die Dorfbewohner schweigen oder sich in Widersprüche verstricken, versuchen die Schafe, den rätselhaften Ereignissen auf eigene Faust auf die Schliche zu kommen. Je tiefer die Schafe in das Geheimnis eindringen, desto deutlicher wird, dass George nicht nur ein einfacher Schäfer war, sondern jemand, der viele Leben auf der Insel beeinflusst hat…

Kritik

Sprechende Tiere kennt man im Kino vorwiegend aus Animationsfilmen. Doch in den vergangenen Jahren kamen anthropomorphe Vierbeiner immer mal wieder auch in Realfilmen vor. Die längst fest in der Popkultur verankerten „Paddington“-Filme sind dafür das beste Beispiel. Aber auch „Peter Hase“ erfreute sich mit seinen Ausflügen ins Meta-Humoristische in Kombination mit liebevollem Witz großer Beliebtheit unter Publikum und Kritiker:innen. An letztere erinnert nun auch die Verfilmung des deutschen Bestsellers „Glennkill“ der Schriftstellerin Leonie Swann, die mit dem unkonventionellen Whodunit 2005 ihr Debüt feierte – und damit weit über Ländergrenzen hinaus bekannt wurde. Kein Wunder also, dass irgendwann auch Hollywood auf diesen Erfolg aufmerksam werden musste. Doch ganz so einfach war die Produktionsgeschichte nicht. Zunächst hielt eine deutsche Produktionsfirma die Rechte an einer Verfilmung, arbeitete zunächst sogar an einer Leinwandadaption in 3D. Doch der vor allem durch seine Arbeit an der Serie „Chernobyl“ bekannt gewordene Craig Mazin ließ nicht locker und brachte letztlich die mit Hugh Jackman („Greatest Showman“) und Emma Thompson („Late Night“) hochkarätig besetzte Crime-Komödie auf den Weg, die sich als perfektes Wohlfühlkino – pardon: Wollfühlkino – erweist.

Jeden Abend liest Schäfer George (Hugh Jackman) seinen Schafen aufregende Krimis vor.

Das Konzept hinter „Glennkill“ ist nicht nur ganz besonders knuddelig, es erweist sich obendrein als ganz eigener Zugang zu einem Genre, das vermutlich nie aus der Mode kommen wird: dem Krimi. Und einer so alteingesessenen Gattung wie dem Whodunit im Jahr 2026 (oder dato 2005) nochmal neue Facetten abzugewinnen, ist ganz gewiss kein leichtes Unterfangen. Doch Drehbuchautor Craig Mazin gelingt es ganz hervorragend, die skurrile Prämisse auch in der Leinwandversion mit einer ungemeinen Ernsthaftigkeit vorzutragen. Zu keinem Zeitpunkt hinterfragt man die Plausibilität dieser Welt, in der „Glennkill“ spielt. Doch anders als in „Paddington“ können die Schafe hier nicht direkt mit Menschen kommunizieren, verstehen aber dafür jedes Wort, was unter anderem ihr aufopferungsvoller Schäfer George Tag für Tag mit ihnen wechselt. Geplappert wird dann vor allem untereinander. Geplappert und ermittelt. Denn nach dem plötzlichen und alles andere als natürlichen Tod ihres geliebten Aufpassers müssen die Tiere all ihr aus Krimis zusammengesammeltes Wissen bündeln, um dem aus ihrer Sicht unfähigen Dorfpolizisten Tim (Nicholas Braun) unter die Arme zu greifen.

„Mit ein bisschen Filmerfahrung lässt sich der Täter/die Täterin recht schnell erahnen. Doch darum geht es in ‚Glennkill‘ gar nicht so sehr. Viel spannender als das Ziel ist der Weg dorthin. Denn der wird nun mal primär von Schafen bestritten.“

Unter dieser Prämisse kann der Film hervorragend mit Konventionen spielen. Denn natürlich muss der hier dargelegte Mordfall diese ein Stückweit erfüllen. Schließlich kennen Lily, Mopple, Sebastian und all die anderen Schafe so etwas wie Mordermittlungen nur aus den Büchern. Und da George ihnen offenbar vor allem Romane mit ähnlicher Erzählstruktur vorgelesen hat, darf man nicht erwarten, dass die Suche nach seinem Mörder grundlegend aus der gängigen Krimiformel ausbricht. Kurzum: Mit ein bisschen Filmerfahrung lässt sich der Täter/die Täterin recht schnell erahnen. Doch darum geht es in „Glennkill“ gar nicht so sehr. Viel spannender als das Ziel ist der Weg dorthin. Denn der wird nun mal primär von Schafen bestritten. Und diesen dabei zuzusehen, wie sie im Laufe des Films immer mehr über sich hinauswachsen (zu Beginn ihrer Reise trauen sich die Tiere noch nicht einmal über eine bepflasterte Straße), macht einfach in jeder Altersklasse gute Laune. Zumal sich die wolligen Tiere obendrein als ungemein schlagfertig und clever erweisen. Vor allem im Zusammenspiel mit dem durchaus ein wenig trotteligen Tim ergeben sich zahlreiche urkomische Momente, da dieser sich – kein Wunder – irgendwann sogar von den Schafen verfolgt fühlt, ohne dabei zu realisieren, dass er vor allem durch sie auf die richtigen Spuren gelotst wird.

Um den Nachlass des Toten zu verwalten, kommt Lydia Harbottle (Emma Thompson) in die Stadt.

Doch „Glennkill“ ist weitaus mehr als eine unterhaltsame Krimikomödie. Ein früh eingeführtes Element verhilft der Geschichte zu ungeahnter Tiefe, als sich die Tiere mit der Frage konfrontiert sehen, ob und wann sie ihre Fähigkeit einsetzen, Dinge gezielt zu vergessen. Denn natürlich träumt jede:r von uns mal davon, an schlimme Erlebnisse keinerlei Gedanken mehr verschwenden zu müssen. Doch Lily, Mopple und Co. bleibt durch ihre Möglichkeit der Erinnerungsauslöschung auch die Erinnerung an verstorbene, einst geliebte Mitgeschöpfe verwehrt. Wenn plötzlich im Raum steht, dass die Herde ihren George für immer vergessen könnte, damit aber nicht nur die Trauer, sondern auch all die schönen Erinnerungen an ihn verschwinden, geht das sehr zu Herzen. Und zwar nicht nur den Erwachsenen, die vermutlich schon den ein oder anderen Verlust miterleben mussten. Es ermöglicht auch Kindern eine behutsame Auseinandersetzung mit den Themen Tod und der Wichtigkeit dessen, sich an die Verstorbenen erinnern zu können. Ein weiteres, fast düsteres Handlungselement ist die Figur eines sogenannten Winterlamms. Solche in der kalten Jahreszeit geborenen Tiere werden von Schafen grundsätzlich verstoßen. Warum, das ist bis heute nicht ganz genau erforscht, vermutlich hat es etwas mit den deutlich geringeren Überlebenschancen solcher Tiere zu tun. So ein Winterlamm spielt auch in „Glennkill“ eine tragende Rolle und konfrontiert die Schafherde über Kurz oder Lang mit ihren festgefahrenen Mustern, deren Zweckdienlichkeit sich selbst ihnen gar nicht so richtig erschließt. Hier lassen sich Parallelen zu Themen wie Rassismus ziehen, die hier eine ähnlich kindgerechte Aufbereitung erfahren, wie die Sache mit der Erinnerung.

„Und die Schafe? Die fügen sich in ihrer glaubwürdigen Animation sowie der selbstbewussten Integrierung in die realen Settings hervorragend in den Film ein und lassen zu keinem Zeitpunkt den Zweifel aufkommen, dass die Vierbeiner tatsächlich in dieser Gegend unterwegs sind.“

Inszenatorisch bewegt sich Regisseur Kyle Balder (verantwortete zuvor zahlreiche Illumination-Animationsfilme, darunter „Minions“ 1 und 2) auf weitestgehend unspektakulärem Krimi-Terrain. Der leichtfüßigen Gangart von „Glennkill“ ordnen sich die lichtdurchfluteten, von satten Grün- und Blautönen dominierten Bilder (Kamera: George Steel, „Robin Hood“) unter. Auch wenn zu Beginn der Geschichte ein kaltblütiger Mord passiert, setzt das kleine Städtchen Glennkill mit seinen umliegenden Wiesen und den schrulligen Figuren sofort den Wunsch in einem frei, selbst für eine kleine Weile hier die Zeit zu verbringen. Und die Schafe? Die fügen sich in ihrer glaubwürdigen Animation sowie der selbstbewussten Integrierung in die realen Settings hervorragend in den Film ein und lassen zu keinem Zeitpunkt den Zweifel aufkommen, dass die Vierbeiner tatsächlich in dieser Gegend unterwegs sind – und eben sprechen wie wir Menschen.

Cloud, Lily und Mopple begeben sich auf die Suche nach dem Mörder…

Fazit: „Glennkill“ verbindet klassische Krimikost mit einer originellen tierischen Perspektive und entwickelt daraus eine ebenso witzige wie berührende Geschichte. Obwohl der eigentliche Mordfall eher konventionell bleibt, überzeugt der Film vor allem durch seine charmanten Schaf-Figuren, den cleveren Humor und die überraschend tiefgründigen Themen rund um Verlust, Erinnerung und Ausgrenzung. So entsteht warmherziges Wohlfühlkino, das Familien ebenso anspricht wie erwachsene Krimifans.

„Glennkill: Ein Schafskrimi“ ist ab dem 14. Mai 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

Und was sagst Du dazu?