Schlagwort-Archiv: Kriegsfilm

Das startet am 11. April 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 11. April, der es uns ein wenig schwer macht: Über die beiden interessantesten Starts „Hellboy“ und „After Passion“ dürfen wir nämlich noch gar nicht berichten, sodass wir Euch an dieser Stelle vor allem den Animationsfilm „Willkommen im Wunder Park“ ans Herz legen wollen. Für Liebhaber kantig-unkonventioneller Filmkunst bietet sich der Fantasy-Filmfest-Beitrag „Border“ an, während bei uns in der Redaktion Uneinigkeit über den Kinderfilm „Alfons Zitterbacke“ besteht. Autor Oliver Kube ist begeistert, Antje Wessels dagegen sieht das Ganze skeptisch. Wie immer gilt auch diesmal: Geht ins Kino und macht Euch Euer eigenes Bild!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

WILLKOMMEN IM WUNDER PARK | Regie: – | ESP/USA 2019

Die kleine June (in der deutschen Fassung: Lena Meyer-Landrut) ist ein aufgewecktes Mädchen mit blühender Fantasie und Vorstellungskraft, die gemeinsam mit ihrer Mutter am Modell eines Freizeitparks baut. Bis diese eines Tages ins Krankenhaus muss. Für June bricht eine Welt zusammen. Doch dann entdeckt sie wenig später mitten im Wald einen magischen Vergnügungspark – den Wunder Park! Neben aufregenden Achterbahnen und sprechenden Tieren bietet er auch sonst alles, was ihr Herz begehrt. Aber irgendetwas stimmt hier nicht, es herrscht Chaos und der Park scheint in Gefahr zu sein. June erkennt schnell, dass dieser wundervolle Ort durch ihre eigene Vorstellungskraft entstanden ist und somit auch nur sie ihn retten kann. Sie verbündet sich mit den Tieren und heckt einen Plan aus, um diesen verwunschenen Ort zu bewahren und ihm den Zauber wiederzugeben, den sie sich einst erträumt hat …

Das hübsch animierte und mit starken Synchronsprechern bestückte Animationsabenteuer „Willkommen im Wunder Park“ kombiniert ein aufregendes Action-Abenteuer rund um die Rettung eines magischen Freizeitparks mit einer herzergreifenden Geschichte über Verlust und Trauerarbeit.


BORDER | Regie: Ali Abbasi | SWE/DK 2018

Die Grenzbeamtin Tina ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Ihr seltsam geschwollenes Gesicht, ihr bohrender Blick und ihre körperliche Kraft verleihen der jungen Frau etwas Animalisches. Tina hat zudem eine besondere Fähigkeit: Sie kann Angst, Scham und Wut anderer Menschen wittern. Ihr Talent macht sich der schwedische Grenzschutz erfolgreich zunutze, um Kriminelle aufzuspüren. Dennoch fühlt sich Tina seltsam fremd unter ihren Mitmenschen und lebt einsam und naturverbunden als Außenseiterin in den Wäldern. Doch dann begegnet sie Vore, der ihr  aufgrund eines Chromosomenfehlers auffallend ähnlich sieht und bei dem ihre Begabung an ihre Grenzen stößt. Tina ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat. Und doch, unbefangen, wild und erstaunlich frei, wirkt Vore ungemein anziehend auf sie. Tina spürt bei ihm eine Vertrautheit, die ihr bisher fremd war.

Ali Abbasis „Border“ ist ein wirrer Mix aus melancholischer Außenseiter- und Liebesgeschichte, Krimi und Mysterythriller, bei dem bis zum Schluss offen bleibt, wie all die verschiedenen Handlungsstränge eigentlich miteinander zusammenhängen. Mehr sollte man über den Film, der nicht umsonst für das „Beste Make-Up“ bei den diesjährigen Oscars nominiert war, nicht wissen.


ALFONS ZITTERBACKE: DAS CHAOS IST ZURÜCK | Regie: Mark Schlichter | DE 2019

Wenn Alfons erst einmal erwachsen ist, wird er ESA-Astronaut – so wie sein großes Vorbild Alexander Gerst. Das ist für den Elfjährigen sternenklar. Eifrig bastelt er deshalb mit seinem besten Freund Benni an einer Miniaturrakete für den Fluggeräte-Wettbewerb ihrer Schule. Dabei gerät Alfons jedoch ein ums andere Mal in kleine bis größere Schwierigkeiten – sei es durch Schusseligkeit, Übereifer oder aufgrund von Sabotage durch seinen fiesen Mitschüler Nico, einen Konkurrenten um die Gunst des süßen Nachbarmädchens Emilia. Der Lehrkörper seines Gymnasiums ist deshalb alles andere als begeistert und will den Jungen disqualifizieren. Schafft Alfons es mit Hilfe seiner Freunde und der liebevollen, mit ihrem quirligen Sohn aber gelegentlich etwas überforderten Eltern dennoch zu gewinnen?

Spaß wird in diesem turbulenten, mit herzhaften Slapstick-Einlagen und einigen schönen Cameo-Auftritten bestückten Jugendabenteuer ganz groß geschrieben. Mit einer simplen, aber wirkungsvoll umgesetzten Story um Freundschaft, Neugierde, Fantasie und Mut werden Kids sowie im Geiste jung gebliebene Erwachsene hier jede Menge davon haben.


AFTER PASSION | Regie: Jenny Gage | USA 2019

Erstsemesterstudentin Tessa Young (Josephine Langford) ist klug, hübsch, kreuzbrav und führt eine scheue Beziehung mit ihrem Sandkastenfreund Noah (Dylan Arnold). Ihre alleinerziehende Mutter Carol (Selma Blair) ist stolz, aber auch besorgt, denn Tessa wurde im Studierendenwohnheim in ein Zimmer mit dem schon länger studierenden Partymädel Steph (Khadijha Red Thunder) gesteckt. Während sich Carol den Kopf zerbricht, ob Steph ihre Tochter verderben wird, wirbelt eine ganz andere Person das Leben des Mauerblümchens durcheinander: Der unverschämte sowie unverschämt gut aussehende Brite Hardin Scott (Hero Fiennes-Tiffin), der Tessa im Englischkurs mit seiner vorlauten und rotzigen Attitüde zur Weißglut bringt. Und dennoch spürt Tessa eine unerklärliche Anziehung zum rätselhaften Bad Guy…

Scheues Prickeln, statt erotischer Explizität: Die Teenieromanze „After Passion“ ist harmloser, als das Marketing suggeriert, und hat zudem mit grobschlächtigen Dialogen zu kämpfen. Aber Josephine Langfords Schauspiel und Gages Inszenierung der wortarmen Passagen machen diese Bestselleradaption für ihre Kernzielgruppe dennoch sehenswert.


HELLBOY: CALL OF DARKNESS | Regie: Neil Marshall | USA 2019

Halbdämon Hellboy (David Harbour) kämpft seit Jahrzehnten gegen das übernatürliche Böse. Aber nun bekommt er es mit seiner schwesten Mission zu tun: Er muss die mächtige Hexe Nimue (Milla Jovovich) und das ihr ergebene Monster Gruagach stoppen, die zusammen mit einer Reihe weiterer mythischer Wesen vorhaben, Tod und Zerstörung unter die Menschen zu bringen. Aber um zu ihrem Ziel zu gelangen, bräuchten sie Hellboy. Denn seine Bestimmung war einst, selber den Weltuntergang loszutreten – bis sein Ziehvater Professor Broom (Ian McShane) ihn auf die gute Seite holte. Als Hellboy dies erfährt, sehen er und seine Mitstreiter Alice und Ben sich also nicht nur mit einer Armee der Finsternis konfrontiert, sondern auch mit ureigenen Dämonen…

So rebellisch und unangepasst sich Hellboy in diesem Film auch fühlen mag, „Hellboy – Call of Darkness“ ist nicht rau, nicht unkonventionell und auch nicht fetzig, sondern einfach nur unfassbar öde


NIEMANDSLAND – THE AFTERMATH | Regie: James Kent | UK/DE/USA 2019

Im Nachkriegsdeutschland des Jahres 1946: In einem besonders eisigen Winter kommt Rachael Morgan (Keira Knightley) in den Ruinen von Hamburg an, um wieder mit ihrem Ehemann Lewis (Jason Clarke) zusammen sein zu können. Lewis ist ein britischer Oberstleutnant und beauftragt, beim Wiederaufbau der zerbombten Stadt zu helfen. Bei der Ankunft des Paares in seinem neuen Heim ist Rachael jedoch über eine unerwartete Entscheidung Lewis‘ verblüfft: sie werden das herrschaftliche Anwesen mit seinen vorigen Besitzern, dem deutschen Witwer Stephan Lubert (Alexander Skarsgård) und dessen Tochter, teilen. In dieser aufgeladenen Atmosphäre verwandeln sich Feinseligkeit und Trauer in Leidenschaft und Betrug und die Ehe der Morgans droht nicht am Krieg zu zerbrechen, sondern an den Verwicklungen innerhalb dieser skurrilen Lebenssituation. Ist diese Liebe noch zu retten?


CHRISTO – WALKING ON WATER | Regie: Andrey Paounov | IT/USA/DE/ARE 2018

Vor dem malerischen Bergpanorama der italienischen Alpen realisierte der legendäre Installationskünstler Christo 2016 auf dem Lago d‘Iseo seine „Floating Piers“. Mit leuchtend gelben Stoffbahnen bespannte Stege aus schwankenden Pontons verbanden die beiden Inseln Monte Isola und San Paolo mit dem Ufer und zeichneten ein abstraktes Kunstwerk in die Landschaft. Das Werk existierte nur für 16 Tage, ermöglichte es aber über 1,2 Millionen Besuchern auf dem Wasser zu laufen.

Der bulgarische Regisseur Andrey Paounov blickt in „Christo – Walking On Water“ hinter die Kulissen und verfolgt den turbulenten Entstehungsprozess dieses gigantischen Kunstwerkes – den Wahnsinn der Kunstwelt, die heiklen Verwicklungen zwischen Kunst und Politik, die riesigen technischen Herausforderungen und logistischen Albträume, und den Kampf gegen die Kraft der Natur.


BERLIN BOUNCER | Regie: David Dietl | DE 2019

Berlins Nachtleben im Wandel: von der geteilten Stadt über die Clubszene der Neunziger bis zur heutigen Partymetropole. Wer war von Anfang an dabei? Anhand der drei spannenden Biografien der legendärsten Türsteher Berlins, erzählt „Berlin Bouncer“ von den Gründen und Abgründen dieser Entwicklung. Frank Künster kam aus Westdeutschland in eine Stadt, in der Smiley Baldwin als amerikanischer G.I. noch die Grenze nach Ostberlin bewachte und Sven Marquardt als junger ostdeutscher Punk und Fotograf plötzlich von der Wende überrascht wurde. Bald verfingen sie sich im wilden Berliner Nachtleben der neunziger Jahre und wurden im neuen Jahrtausend zu den berühmt berüchtigten Selektoren der angesagtesten Clubs der Stadt, deren Türen und Geheimnisse sie bis heute hüten. Dieser Film handelt von verschiedenen Lebensentwürfen und zeichnet Berliner Kulturgeschichte vom Mauerfall bis in die pulsierende Gegenwart nach.


Heimkinotipp: MID90S | Regie: Jonah Hill | USA 2018

Stevie (Sunny Sulijic) ist 13 Jahre alt und wächst unter schwierigen Verhältnissen mit einem gewaltbereiten Bruder (Lucas Hedges) und einer überforderten, alleinerziehenden Mutter (Katherine Waterston) in Los Angeles auf. Seine Tage verbringt er mit „Street Fighter II“ zocken und heimlich die CD-Sammlung seines großen Bruders rauf und runter hören. Als er anfängt, mit den sympathischen Jungs vom Local Skateshop abzuhängen, öffnet sich ihm eine völlig neue Welt: Skaten an verbotenen Plätzen, Abhauen vor der Polizei, Hauspartys und natürlich jede Menge Girls. Befreit aus der Umklammerung seiner stets besorgten Mutter und den Prügeln seines Bruders, fühlt sich Stevie unbesiegbar – bis er merkt, dass auch seine Idole auf die Schnauze fliegen können. Und das nicht nur beim Skaten, sondern auch im Leben selbst…

Jonah Hills Regiedebüt „Mid90s“ ist eine Liebeserklärung an die US-amerikanische Skateboardszene der Neunzigerjahre, die den Zuschauer auf so sanfte Weise in ihre Arme schließt, wie die skatenden Jungs den Außenseiter Stevie.

Das startet am 24. Januar 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 24. Januar, an dem passend zum Titel mit „The Favourite“ einer der größten Oscarfavoriten des Jahres startet – und er verdient jeden Zuschauer, von denen er dank Star- und Awardpower auch einige mehr in die Kinos locken dürfte, als Yorgos Lanthimos‘ bisherige Filme. Da Boxfilme im Kino rar gesät sind, könnte sich aus „Creed II“ beachtlich schlagen, wenngleich es für einen regelrechten Kassenmagneten kaum reichen dürfte. Dafür ist das Thema mittlerweile einfach zu speziell. Ganz anders „Chaos im Netz“: Zwar lief der erste Teil für Disney-Animationsverhältnisse nur okay, aber ein erster kleiner Hit des Jahres 2019 dürfte trotzdem drin sein. Trotzdem bildet das emotionale Highlight der Woche das Drogendrama „Beautiful Boy“, das leider nur in ausgewählte Kinos kommen wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE FAVOURITE – INTRIGEN UND IRRSINN | Regie: Yorgos Lanthimos | IE/UK/USA 2018

Das frühe 18. Jahrhundert. England liegt im Krieg mit Frankreich. Auf Enten-Rennen und den Genuss von Ananas wird dennoch nicht verzichtet. Auf dem Thron sitzt die gebrechliche Königin Anne, ihre enge Freundin Lady Sarah Churchill führt für sie die Regierungsgeschäfte, kümmert sich um die kranke Monarchin und erduldet deren aufbrausendes Temperament. Da tritt eine neue Dienerin ihren Dienst am Hof an – Abigail Masham, deren Charme Sarah sogleich verfällt. Sarah nimmt Abigail unter ihre Fittiche, die die Chance erkennt, zu ihren aristokratischen Wurzeln zurückzukehren. Als die Belange des Krieges Sarah immer mehr in Beschlag nehmen, nutzt Abigail die Gelegenheit, an Stelle von Sarah Vertraute und Gefährtin der Königin zu werden. Die aufkeimende Freundschaft ermöglicht ihr, ihre ehrgeizigen Ziele zu verfolgen – davon lässt sie sich von niemandem abhalten.

Der herausragend gespielte „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ ist das neueste Meisterwerk aus der Hand von Yorgos Lanthimos, der in der opulent ausgestatteten Kostüm-Tragikomödie den Adel bis auf den blanken Nerv zerlegt und dabei treffsichere Beobachtungen anstellt, die sich genauso gut auf gesellschaftliche Standards der Gegenwart beziehen lassen.


BEAUTIFUL BOY | Regie: Felix Van Groeningen | USA 2018

David Sheff (Steve Carell) ist ein ebenso liebenswerter wie liebevoller Vater, der mit seiner Frau Vicky (Amy Ryan) alles richtig gemacht zu haben scheint. Sie haben mittlerweile sogar eigene Kinder und auch der Älteste Nic, Sohn aus Sheffs erster Ehe, geht seinen Weg und steht kurz vor dem Gang aufs College. Doch dann kommt alles anders: Nic (Timothée Chalamet) wird drogenabhängig und gibt sich ganz der Sucht hin. David kann es nicht glauben – und aufhalten kann er es auch nicht. Trotzdem tut er alles dafür, um seinen Sohn zurück zu bekommen und ihm zu helfen. Während er mit Nics Lügen und Vertrauensbrüchen ringt, blickt der Film immer wieder zurück auf den Nic, wie er früher einmal war – ein rücksichtsvoller, wunderbarer Junge, der eigentlich alles andere als empfänglich für Drogen wirkt. Wie konnte es nur so weit kommen?

Felix Van Groeningens aus der Sicht des Vaters eines Süchtigen erzähltes Drogendrama „Beautiful Boy“ besitzt mit einer aufdringlichen Musikuntermalung und einer unnötig sprunghaften Erzählweise zwei klar auszumachende Schwachpunkte. Doch all das spielt hier irgendwann überhaupt keine Rolle mehr, da einen die gleichermaßen authentische wie hochemotionale Geschichte sowieso überrollt, bis man die letzten 15 Minuten in einem Meer aus Tränen nicht mehr miterlebt.


CREED II: ROCKY’S LEGACY | Regie:  Steven Caple Jr. | USA 2018

Für Adonis Creed (Michael B. Jordan) ist das Leben ein Balanceakt geworden. Neben persönlichen Verpflichtungen und dem Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf seinen nächsten Kampf, steht ihm die größte Herausforderung seines Lebens bevor: Da sein Gegner eng mit seiner Familiengeschichte verbunden ist, steht der bevorstehende Kampf im Ring unter besonderen Vorzeichen. Doch Rocky Balboa (Sylvester Stallone) steht Adonis zur Seite und zusammen stellen sich die beiden dem Vermächtnis, das sie verbindet. Dabei werden sie mit der Frage konfrontiert, ob sich der Kampf überhaupt lohnt – letztlich erkennen sie, dass die Familie das Band ist, das alles zusammenhält. Was ist der Stoff, aus dem die Champions sind? Adonis und Rocky begreifen: Egal wohin der Lebensweg führt – niemand kann seiner Vergangenheit entkommen.

Auch für „Creed II“ ändert Steven Caple Jr. wenig an der bewährten Boxfilm-Dramaturgie. Doch das ändert nichts daran, dass das Sequel den ohnehin schon starken ersten Teil noch einmal übertrifft, denn wie der Filmemacher hier die private und die berufliche Ebene zusammenführt und dabei immer wieder die Härte, den Dreck und die Brutalität des Sports betont, ist schlicht atemberaubend.

2018 – Die Plätze 30 bis 21

Herzlich willkommen, Du – lieber Leser – der vielleicht erst jetzt zu meinem kleinen Jahresrückblick vorbeischaut. Oder aber Du, der sich nach den Plätzen 40 bis 31 fragt, wie es in den ganz subjektiven Charts meiner Lieblingsfilme 2017 weitergeht. Zur kurzen Erinnerung: Wie auch schon in den letzten beiden Jahren habe ich mich aufgrund der schieren Masse an starken Kinofilmen erneut für 40 anstatt für nur 30 Tops entschieden. Wer gerne wissen möchte, was die Frau mit dem skurrilen Filmgeschmack in den vergangenen zwölf Monaten so gar nicht mochte, den verweise ich indes auf meine Filmflops.

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Das startet am 28. Juni 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 28. Juni, der einen die Fußball-Weltmeisterschaft ordentlich spüren lässt. Während „Meine teuflisch gute Freundin“ immerhin das aktuell brach liegende Kinder- Jugendkino mit neuem Stoff versorgt, dürfte einzig und allein „Love, Simon“ die Chance haben, wenigstens ein paar Zuschauer für sich zu gewinnen. Nach eine großen Werbekampagne und in Ermangelung an Konkurrenz tippe ich auf den stärksten Neustart. Der Rest ist guten Gewissens vernachlässigbar. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

LOVE, SIMON | Regie: Greg Berlanti | USA 2018

Auf den ersten Blick führt Simon ein Bilderbuchleben. Doch in ihm drin sieht es anders aus, denn Simon ist schwul und zu einem Coming Out konnte er sich bislang nicht durchringen. Erst als sich eines Tages ein Schulkamerad auf einem anonymen Blog outet, fühlt er sich zum ersten Mal verstanden. Der geheimnisvolle Unbekannte nennt sich nur ‘Blue‘ und fortan offenbaren sie sich Nacht für Nacht die intensivsten Gefühle, bis sie sich schließlich sogar ein wenig ineinander verlieben. Aufgrund einer Unachtsamkeit könnte Simons Geheimnis jedoch schneller als Licht kommen, als ihm lieb ist: Ein Klassenkamerad entdeckt die Chatverläufe und erpresst Simon fortan damit. Aus Angst davor geht Simon auf verschiedene Forderungen ein und bringt schon bald Chaos in seine Clique, denn der Erpresser will vor allem eines: mit seinem Schwarm verkuppelt werden…

Gelacht, geweint, geträumt – die Romanadaption „Love, Simon“ ist ohne Zweifel einer der besten Filme des Jahres und könnte das Genre des Coming-of-Age-Films allein schon deshalb maßgeblich prägen, da Homosexualität nun endlich auch den Mainstream erreicht hat.


MEINE TEUFLISCH GUTE FREUNDIN | Regie: Marco Petry | DE 2018

Lilith (Emma Bading) ist 14 Jahre alt und macht ihren Mitmenschen gern das Leben schwer. Ihrem Vater (Samuel Finzi) kommt das nur gelegen – ist er doch niemand Geringeres als der leibhaftige Teufel. Als Bewerbung für den Außendienst, erhält die Teenagerin den Auftrag, eine von ihrem Vater ausgewählte Zielperson zum Bösen zu bekehren. Dafür hat sie eine Woche Zeit. Doch diese Aufgabe ist schwerer als gedacht! Mit der Außenseiterin Greta Birnstein (Janina Fautz) und ihren Eltern (Alwara Höfels, Oliver Korittke) hat Liliths Vater nämlich die wohl netteste Familie auf diesem Planeten ausgesucht. Lilith muss sich ganz schön anstrengen, um ihr Ziel zu erreichen, das in noch weitere Ferne rückt, als sie den Schulrowdy kennenlernt, in den sich Lilith Hals über Kopf verliebt. Doch Lilith weiß: Verliebte Teufel sind zu nichts mehr zu gebrauchen…

Mit „Meine teuflisch gute Freundin“ gelingt Marco Petry ein charmantes Jugendabenteuer voller fieser kleiner Spitzen, tollen Gags und einem zurückhaltenden Schuss Romantik, für das er fantastische Newcomer mit Wiedererkennungswert gewinnen konnte.


DIE WUNDERÜBUNG  | Regie: Michael Kreihsl | AT 2018

Die Liebe kann fast alles: Herzen brechen, Berge versetzen, Königreiche zerstören. Die ganz, ganz großen Sachen. Aber eines kann sie nicht: Den Graben überbrücken, der entsteht, wenn ein Paar sich, wie man so schön sagt, auseinandergelebt hat. Zwei Menschen, die einst zusammenkamen, weil sie sich blind verstanden und besser als alle anderen aufeinander ein- und verlassen konnten. Jetzt, viele Jahre und viele Erfahrungen später, sprechen sie eine völlig unterschiedliche Sprache. Joana und Valentin stehen auf den entgegengesetzten Seiten des erwähnten Grabens. Nach über einer Dekade Ehe kommunizieren sie zwar miteinander, aber nur noch gehässig und polemisch. Die gemeinsame Tochter zwingt sie zum Paartherapeuten. Dieser Therapeut hat mit den beiden seine helle Freude.

Starke Dialoge bilden eine solide Grundlage für „Die Wunderübung“. Doch die Kammerspielkomödie schaut sich nicht nur wie abgefilmtes Theater, sie greift vor allem auf einen Twist zurück, dessen Pointe sich bereits nach der Hälfte der Laufzeit erahnen lässt und dem Film dadurch jedwede Spannung nimmt.


RENEGADES – MISSION OF HONOR | Regie: Steven Quale | FR/BEL/DE/USA 2017

1995: Die Navy SEALs Matt Barnes, Stanton Baker, Ben Moran, Kurt Duffy und Jack Porter befinden sich im Einsatz in Sarajevo. Bei ihrem Nato-Auftrag, einen Kriegsverbrecher aufzuspüren und auszuschalten, kommen sie trotz ihrer Tarnung als Journalisten nicht weit. Früh werden sie vom serbischen General Petrovic enttarnt. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd ziehen sie eine Schneise der Zerstörung durch die Stadt, weshalb sie von ihrem Befehlshaber Levin suspendiert werden. Da der Auftrag, aller Verwüstung zum Trotz, ein Erfolg war, begießen die fünf Soldaten ihre Leistungen in einer örtlichen Bar. Die einheimische Kellnerin Lara erzählt ihrem Liebling aus der Truppe bald darauf vom Goldschatz, von dem ihr einst ihr Großvater berichtete. Dieser schwört, dass die Nazis in einer versunkenen Kirche tonnenweise Goldbarren versteckt haben… 

„Renegades – Mission of Honor“ kocht eine fast in Vergessenheit geratene Stilrichtung des 90er-Actionkinos wieder auf – wenn auch nur auf mittlerer Flamme.


ELIAS – DAS KLEINE RETTUNGSBOOT | Regie: Simen Alsvik | NOR 2017

Das kleine Rettungsboot Elias ist jung und mutig: Bei einem wilden Sturm zögert es nicht, einem Kutter in Seenot zu helfen. Diese Heldentat beschert Elias einen Job in Großhafen, den Elias begeistert annimmt, obwohl er dafür seine Freunde in der behaglichen Bucht zurücklassen muss. Bald merkt er jedoch, dass die Tage in Großhafen zu anstrengend sind: Elias verschläft seinen Einsatz so oft, dass er heimgeschickt wird. Doch dort ist sein Job jetzt besetzt und seine alten Freunde sind beleidigt. Traurig dümpelt Elias auf dem Meer herum, bis er zufällig ein paar Schmuggelbooten auf die Spur kommt. Da wird ihm klar, dass er jetzt seine Freunde braucht. Also bittet er sie um Hilfe und sie lassen ihn nicht im Stich: sie fahren mit ihm zusammen los und verfolgen die Gangster. Dabei wird es noch ganz schön gefährlich, aber am Ende haben alle gelernt: Auch wenn das Abenteuer groß ist und wir klein sind – gemeinsam sind wir stark.


Heimkinotipp: DIE VERLEGERIN | Regie: Steven Spielberg | USA/UK 2017

1971 steht mit Katharine „Kay“ Graham (Meryl Streep) eine Frau an der Spitze des Verlags, der die renommierte „Washington Post“ herausbringt. Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA hat Kay ohnehin keinen leichten Stand in der von Männern dominierten Journalistenbranche. Außerdem steht die Zeitung kurz vor dem Börsengang – brisant wird es, als Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) über einen gigantischen Vertuschungsskandal im Weißen Haus berichten will, in den allein vier US-Präsidenten verwickelt sein sollen. In einem nervenzerreißenden Kampf für die Pressefreiheit riskieren Kay und Ben ihre Karrieren und die Zukunft der Zeitung – ihr mächtigster Gegner ist dabei ausgerechnet niemand Geringeres als die gesamte US-Regierung…

Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ ist ein routiniert inszeniertes Journalismusdrama, das wichtige, wahre Ereignisse nacherzählt. Dass die Regielegende dabei aber so gar keine Experimente eingeht, macht den Film zur weitestgehend spannungsarmen „Nummer sicher“ der diesjährigen Awardsaison.

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