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Das startet am 7. September 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 7. September, an dem sich Tom Cruise endlich mal wieder als Schauspieler und nicht „nur“ als Actionheld beweisen darf. Seine Kriegssatire „Barry Seal“ ist in einigen Ländern bereits erfolgreich gestartet. Nun darf man gespannt sein, wie sich der losgelöst von irgendeinem erfolgreichen Franchise existierende Action-Abenteuerfilm hierzulande präsentieren wird. Damit ist der größte Start auch bereits abgedeckt. Direkt dahinter folgt mit „The Circle“ die furchtbare Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers, der in Übersee krachend floppte. Ob die Starpower hierzulande fruchtet, steht in den Sternen. Ansonsten lohnen sich die mysteriöse Romanze „Meine Cousine Rachel“ sowie die Dokumentation „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BARRY SEAL – ONLY IN AMERICA  | Regie: Doug Liman | USA 2017

Das Leben schreibt manchmal Geschichten, die so verrückt sind, dass sie nur wahr sein können. Und nur in Amerika sind den Möglichkeiten dabei keine Grenzen gesetzt – die Geschichte von Barry Seal gehört dazu. Anfang der 80er Jahre hält sich der sympathische Draufgänger Barry durch raffinierte Schmuggeleien neben seinem Job als Pilot gut über Wasser. Kompliziert wird es, als er zu seiner eigenen Überraschung von der CIA rekrutiert wird, um an verdeckten Operationen in Südamerika mitzuarbeiten. Schnell stellt Barry fest, dass sich auch mit der Gegenseite durchaus lukrative Geschäfte machen lassen. Schon bald verstrickt er sich immer tiefer in dubiose Machenschaften in Nicaragua und dem kolumbianischen Kartell um Pablo Escobar. Ein irrwitziges Abenteuer als Waffenschmuggler, Drogenhändler und verdeckter CIA-Agent beginnt.

Der handwerklich astreine „Barry Seal – Only in America“ ist eine launige Kriegsposse, die den Zuschauer bei all dem Spaß an der von Tom Cruise fantastisch verkörperten Lebemann-Figur nie vergessen lässt, dass hinter den wahren Ereignissen eigentlich „nur“ die zweifelhafte Karriere eines Ganoven steckt – eines Ganoven mit mehr Glück als Verstand.


IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT  | Regie: Bonni CohenJon Shenk | USA 2017

Etwas mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit die unkonventionelle Dokumentation von und mit Al Gore, „Eine unbequeme Wahrheit“, („An Inconvenient Truth“, 2006) die Klimakrise in die Köpfe und Herzen der Menschen gebracht hat. Jetzt zeigt die fesselnde und mitreißende Fortsetzung, dass eine technische Revolution bevorstehen könnte. Der ehemalige Vizepräsident der USA Al Gore setzt seinen unermüdlichen Kampf fort und reist um die Welt, um mit Vorreitern in Klimafragen zu arbeiten und Einfluss auf die internationale Klimapolitik zu nehmen. Bei seiner Suche nach Ideen undInspirationenfolgt ihm die Kamera hinter die Kulissen und zeigt ihn in privaten und öffentlichen Momenten, mal heiter, mal rührend. In einer Zeit, in der die Bedrohung größer ist als je zuvor,könnten die Menschen jetzt den Klimawandel durch Ideenreichtum und Leidenschaft überwinden.

Weniger Theorie, mehr Persönlichkeit: „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ führt das Thema Klimaerwärmung an der Stelle fort, an welcher der Vorgänger vor elf Jahren aufhörte und reichert die bekannten Thesen um neue, emotionale Facetten an, sodass dieser Film jene Zuschauer mehr ansprechen könnte, denen „Eine unbequeme Wahrheit“ zu trocken war.


MEINE COUSINE RACHEL  | Regie: Roger Michell | UK/USA 2017

Im englischen Cornwell des 19. Jahrhunderts lebt der junge naive Philip Ashley, der nach dem Tod seiner Eltern bei seinem wohlhabenden Cousin Ambrose aufwuchs. Dieser ist oft auf Reisen und heiratet in Italien die schöne Witwe Rachel, die gleichzeitig die Cousine der beiden Männer ist. Ambrose schreibt seinem Cousin regelmäßig Briefe, in denen er seine Befürchtungen schildert, Rachel wolle ihn langsam vergiften, um so an sein Hab und Gut zu gelangen. Als Ambrose einige Monate später tatsächlich verstirbt, schmiedet Philip einen geheimen Plan: Er will Rachel ermorden und sich so für den Tod seines Cousins und Mentors rächen. Doch als sich Philip und Rachel kennenlernen, gerät der junge Mann schon bald selbst in den Bann der geheimnisvollen Frau und vergisst, dass hinter der schönen Fassade vielleicht eine Mörderin stecken könnte… 

„Meine Cousine Rachel“ gefällt als geheimnisvolles Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mann und Frau, das – je nach Auslegung – mit einer fehlenden Auflösung punktet, oder aber enttäuscht. Die hohe Qualität der Ausstattung und eine famose Rachel Weisz machen das Drama so oder so sehenswert.


DIE PFEFFERKÖRNER UND DER FLUCH DES SCHWARZEN KÖNIGS  | Regie: Christian Theede | DE 2017

Die Klassenfahrt mit Lehrer Martin Schulze (Devid Striesow) droht auszufallen, doch in letzter Minute springt Bennys Mutter Andrea (Katharina Wackernagel) für die kranke Lehrerin ein. Benny ist davon wenig begeistert, vor allem als Herr Schulze und seine Mutter sich besser kennenlernen. Ziel der Reise ist der Gruber Hof in den Bergen Südtirols. Mia freut sich riesig auf ihren guten Freund Luca (Leo Gapp), der dort wohnt. Doch Luca verhält sich eigenartig, denn es geschehen geheimnisvolle Dinge auf dem Berghof und die Kinder stoßen auf gruselige Berggeister und mystische Zeichen. Der neue Mitschüler Johannes (Luke Matt Röntgen) kommt Mia und ihren Freunden zu Hilfe und als unschlagbares Team, finden sie heraus, wer hinter diesen Ereignissen steckt. Die Spur führt zurück nach Hamburg und die Pfefferkörner begeben sich auf eine riskante Mission. 

Es ist fast schon tragisch: „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ hätte ein Paradebeispiel für die Leinwandadaption einer (Kinder-)Serie sein können, doch ausgerechnet die unbeholfenen Darsteller trüben den Gesamteindruck immens. So bleibt am Ende ein ordentlicher Film übrig, der ein richtig starker hätte sein können.


DIE MIGRANTIGEN  | Regie: Arman T. Riahi | AT 2017

Marko und Benny, zwei Wiener mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, sind vollständig integriert. So sehr, dass sie kaum noch als fremd wahrgenommen werden – wären da nicht Bennys schwarze Haare. Als die beiden aufgrund ihres Aussehens am Rudolfsgrund, einem ethnisch durchmischten Vorstadtviertel, von der ambitionierten TV-Redakteurin Marlene Weizenhuber, die nach Protagonisten für ihre TV-Dokuserie sucht, angesprochen werden, geben sie sich als kleinkriminelle und abgebrühte Migranten aus, die es faustdick hinter den Ohren haben. Damit ihre Lüge nicht auffliegt, bauen sie sich eine zweite Identität, die aus Klischees und Vorurteilen besteht. Und während die beiden durch die Erfüllung dieser Erwartungen und Vorurteile die Serie zum Erfolg machen, setzen sie sich gleichzeitig zum ersten Mal mit den echten Integrationsschicksalen auseinander – auch mit ihren eigenen…

Trotz hanebüchener Prämisse überzeugt die Ausländersatire „Die Migrantigen“ in erster Linie durch ihr hohes Maß an Realismus und Authentizität. Das ist nicht bloß den beiden starken Hauptdarstellern zu verdanken, sondern vor allem Arman T. Riahis Auge für gesellschaftliche Entwicklungen und Details. Schade, dass sich das Skript hier und da zu lange an Banalitäten aufhält und die minimalen Backgrounds den interessanten Figuren nicht gerecht werden.


ON THE MILKY ROAD  | Regie: Emir Kusturica | SRB/UK/USA 2016

Der stets mit einem Regenschirm gegen den Kugelhagel ausgestattete Milchmann Kosta (Emir Kusturica) ist vom Glück gesegnet: Begleitet von seinem besten Freund, einem Wanderfalken, passiert er nicht nur Tag für Tag auf seinem Esel unversehrt die Frontlinie des Bürgerkriegs, sondern wird auch noch von der Dorfschönheit Milena (Sloboda Micalovic) als Bräutigam auserwählt und bereitet bereits eifrig die Hochzeitsfeierlichkeiten vor. Doch dann verliebt sich Kosta Hals über Kopf in eine geheimnisvolle aber nicht minder verführerische Italienerin (Monica Bellucci), die allerdings schon dem Kriegshelden Žaga (Predrag ‚Miki‘ Monojlovic) versprochen ist und zudem von ihrem rachsüchtigen Ex-Mann gejagt wird. Ohne nachzudenken brennen die beiden Liebenden durch, um ihrer Liebe eine Chance zu geben. Dabei geraten sie in einen Strudel fantastischer Abenteuer, die sie immer enger zusammenschweißen.

„On the Milky Road“ erinnert in den besten Momenten an die verspielten Kinofabeln von Michael Gondry, doch Regisseur Emir Kusturica gelingt es nicht, die visuelle Kreativität auch auf den Inhalt zu übertragen. Am Ende ergibt dies einen unausgegorenen Mix aus einem durchschnittlichen Romantikdrama, überraschend expliziten Gewalteskapaden und sensibel-komischen Spitzen, wobei man bis zuletzt nicht weiß, ob man über die verworrene Geschichte eigentlich lachen, oder doch lieber weinen soll.


THE CIRCLE  | Regie: James Ponsoldt | ARE/USA 2017

Die 24-jährige Mae Holland (Emma Watson) ist überglücklich. Sie hat einen Job in der angesagtesten Firma der Welt ergattert: beim „Circle“, einem Internetkonzern, der alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die alles abgewickelt werden kann. Mae stürzt sich voller Begeisterung in die schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, Gratis-Konzerten und coolen Partys. Während sie innerhalb der Firma immer weiter aufsteigt, wird sie vom charismatischen Firmengründer Eamon Bailey (Tom Hanks) ermutigt, an einem für den „Circle“ bahnbrechenden Experiment teilzunehmen. Die Teilnahme an dem Experiment und ihre Entscheidungen zugunsten des „Circles“ beeinflussen zunehmend das Leben und die Zukunft ihrer Freunde und Familie. Und dann ist da auch noch ihr mysteriöser Kollege Kalden (John Boyega)…

Man kann an „The Circle“ jede Menge Spaß haben, nur muss man dazu leider völlig ausblenden, wie ernst James Ponsoldt und sein Ensemble die haarsträubenden Ereignisse nehmen. Die Online-Dystopie ist zu brav für eine Satire, zu hanebüchen für ein glaubhaftes Drama und setzt lieber auf plakative Haudrauf-Symbolik, als sich ernsthaft mit dem Thema weltweite Vernetzung auseinanderzusetzen. Tom Hanks‘ Jobs-Zuckerberg-Hybrid ist dennoch faszinierend.


 BARFUSS IN PARIS  | Regie: Abel & Gordon | FR/BEL 2016

Fiona hat ihre Tante Martha Jahrzehnte nicht gesehen. Martha hat ihr Dorf im einsamen Norden Kanadas verlassen und ihr Glück in Paris gesucht. Eines Tages erhält Fiona einen verwirrten Brief ihrer Tante aus dem sie schließt, dass ihre Tante in ein Altersheim gebracht werden soll, weil sie nicht mehr alleine klar kommt. Fiona reist nach Paris um ihr zu helfen. Als Fiona in Paris ankommt ist Martha verschwunden. Fiona macht sich in der fremden Großstadt auf die Suche nach ihr, dabei trifft sie immer wieder den Obdachlosen Dom, der sich in Fiona verliebt.

Die Filme der Tänzer Dominique Abel und Fiona Gordon sind durch ihren tänzerischen Bezug zu den Slapstick Anfängen der Kinounterhaltung etwas ganz Besonderes. In ihrem aktuellen Film ist neben Pierre Richard die kürzlich verstorbene Emmanuelle Riva in einer ihrer letzten Rollen zu sehen.


EINE FANTASTISCHE FRAU  | Regie: Sebastián Lelio | CHL/USA/DE/ESP 2017

Marina und Orlando lieben sich. Sie arbeitet als Kellnerin und singt leidenschaftlich gern, der 20 Jahre ältere Geliebte hat ihretwegen seine Familie verlassen. Doch als die beiden nach Marinas Geburtstagsfeier in einem Restaurant nach Hause kommen, wird Orlando plötzlich leichenblass, reagiert nicht mehr. Im Krankenhaus können die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen. Die Ereignisse überschlagen sich: Marina sieht sich mit den unangenehmen Fragen einer Kommissarin konfrontiert, und Orlandos Familie begegnet ihr mit Wut und Misstrauen. Seine Noch-Ehefrau schließt sie von der Beerdigung aus; die gemeinsame Wohnung soll sie möglichst rasch verlassen. Marina ist eine Transgender-Frau, und die Familie des Verstorbenen fühlt sich durch ihre sexuelle Identität bedroht. Mit der gleichen Energie, mit der sie früher dafür gekämpft hat, als Frau zu leben, pocht Marina nun erhobenen Hauptes auf ihr Recht auf Trauer.


DAS SCHAFFEN WIR SCHON  | Regie: Andreas Arnstedt | DE 2017

Deutschland, zwei Tage vor der Bundestagswahl. In der beliebten Talkshow „Sechs gegen Neunzig“ bietet der gewiefte Moderator Frederic Neunzig (Constantin von Jascheroff) den Kandidaten der Parteien die Möglichkeit, ein letztes Mal ihre Wahlprogramme zu präsentieren. Als Stimme des Volkes sitzt auch Harald Müllbeier, Chef der Zeitarbeitsfirma „Time for Talents“, in der Runde. Während alle in dem hitzigen Talk noch um ihre Positionen kämpfen, stürmt eine Frau in das Studio und nimmt Politiker und Firmenchef als Geiseln. Zeitarbeitskraft Susanne Kleinke (Marie Schöneburg), die gerade von Müllbeier gefeuert wurde und ihre Lebensgrundlage verloren hat, sinnt auf Rache. Und sie droht, alle in die Luft zu jagen – wenn nicht ihre Forderungen erfüllt werden: Abschaffung von Hartz IV, bedingungsloses Grundeinkommen für alle und eine angemessene Strafe für ihren Ex-Chef. Schnell eskaliert die Situation…


 Heimkinotipp: GET OUT  | Regie: Jordan Peele | USA 2017

Ein Landhaus im Grünen, ein Wochenende bei den Schwiegereltern in spe, der Empfang ist herzlich – vielleicht eine Spur „zu herzlich“. Schnell muss Chris (Daniel Kaluuya) feststellen, dass mit der Familie seiner Freundin Rose (Allison Williams) etwas nicht stimmt. Was führen der scheinbar so weltoffene Dean (Bradley Whitford) und seine Gattin Missy (Catherine Keener), einer der Hypnose mächtige Frau, im Schilde? Es kommt zu bizarren Zwischenfälle, die den vermeintlich entspannten Antrittsbesuch unversehens in einen ausgewachsenen Alptraum für den Familien-Neuling machen sollen. Denn hier herrscht ein nie dagewesener Kampf zwischen schwarz und weiß. 

Erst brennt sich der paralysierende Song „Run, Rabbit, Run“ in die Köpfe der Zuschauer, später kommt man in den zweifelhaften Genuss einer Bedrohung, die sich partout nicht greifen lässt und irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, wie penibel durchdacht und brillant das Konzept von „Get Out“ aufgebaut ist.

Das startet am 17. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 17. August, dessen größter Start zeitgleich auch besonders ungewiss ist: Genaueres über „Bullyparade – Der Film“ darf ich erst ab morgen verraten, wie der Film zum Start abschneiden wird, ist schwierig vorauszuahnen – es wäre Bully zu wünschen, wenn sein Humor auch heute noch zieht. Ansonsten gibt es in dieser Woche hauptsächlich Mittelmaß in den Kinos zu sehen. Der Animationsfilm „Bigfoot Junior“ wurde der Presse vorab nicht gezeigt.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BULLYPARADE – DER FILM  | Regie: Michael Bully Herbig | DE 2017

Zwei Zwickauer reisen zurück in die Zone. Häuptling Winnetou wünscht sich einen Stammhalter, ist unter den Single-Ladies im Dorf aber nicht der gefragteste Bachelor. Das Kaiserpaar Sissi und Franz bezieht eine mysteriöse Immobilie. Lutz und Löffler mischen die Börse auf. Ein Planet voller schöner Frauen bringt Captain Kirk, Mr. Spuck und Schrotty in große Verlegenheit. Und das alles in einem einzigen Film! Das Warten hat ein Ende! Nach ihren Mega-Blockbustern „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ kehren Michael Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tamitz jetzt endlich wieder gemeinsam auf die große Leinwand zurück. Zum 20-jährigen Jubiläum ihrer legendären „bullyparade“ spielen sie in „Bullyparade – Der Film“ gleich 26 vertraute und neue Rollen. Das Drehbuch schrieb Regisseur und Produzent Michael Bully Herbig mit Alfons Biedermann, Rick Kavanian und Christian Tramitz. 

Nicht-Fans der „Bullyparade“ wird auch der dazugehörige Film nicht bekehren können, doch Michael Bully Herbig und seine Crew haben „Bullyparade – Der Film“ auch gar nicht für diese gemacht, sondern für die Liebhaber der Kultsendung. Und die werden an der von leichten qualitativen Schwankungen durchzogenen Sketch-Comedy und den vielen fantastischen Gastauftritten eine Menge Spaß haben.


 TABLE 19 – LIEBE IST FEHL AM PLATZ  | Regie: Jeffrey Blitz | USA 2017

Eigentlich sollte Eloise McGarry Brautjungfer ihrer besten Freundin sein. Dann aber trennte sich ihr Freund Teddy, der Bruder der Braut, kurzerhand per SMS von ihr. Und damit war Eloise auch als Brautjungfer Geschichte. Trotzdem entscheidet sie sich, erhobenen Hauptes zur Hochzeit zu gehen – und wird dann an einem Tisch im hintersten Eck des Festsaals platziert. Dort sitzt sie mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Fremden zusammen. Mit Leuten, von denen die meisten es eigentlich hätten besser wissen und schriftliche Absagen schicken müssen. Im Laufe der Hochzeitsfeier werden die Geheimnisse von jedem Gast an Tisch 19 enthüllt, lernt Eloise einiges über die anderen und auch über sich. Freundschaften und sogar eine kleine Romanze können sich unter den merkwürdigsten Umständen entwickeln…

Der Grundgedanke hinter „Table 19 – Liebe ist fehl am Platz“ ist wunderschön schlicht. Wann immer Jeffrey Blitz und seine Autoren genau das verinnerlichen, wird ihr Film zu einem tragikomischen, angenehm unkitschigen Erlebnis. Doch leider scheinen die Macher ihrer tollen Idee nicht zu vertrauen und mischen immer wieder unbeholfen alberne Comedy-Inhalte in ihre melancholische Geschichte, die trotzdem zu jedem Zeitpunkt das Herz am rechten Fleck hat.


TRÄUM WAS SCHÖNES  | Regie: Marco Bellocchio | IT/FR 2016

Der sensible Junge Massimo (als Kind und Jugendlicher: Nicolò Cabras und Dario Dal Pero), der mit gerade einmal neun Jahren seine Mutter (Barbara Ronchi) verloren hat, ist auch als Erwachsener noch nicht darüber hinweggekommen. Bis heute begreift Massimo (Valerio Mastandrea) nicht, was damals, an jenem schicksalshaften Tag vor 40 Jahren, passiert ist. Er weiß nur, dass dieses Trauma sein Leben für immer verändert hat. Er meidet persönliche Beziehungen und Bindungen aller Art, versucht die Welt auf Abstand zu halten. Erst die Liebe zu Elisa (Bérénice Bejo) rüttelt ihn auf und lehrt ihn, dass er das Rätsel seiner Kindheit lösen muss, um einen sicheren Weg ins Leben zu finden. Können die beiden zusammen glücklich werden?

„Träum was Schönes“ ist das dramatische Porträt eines früh auf sich allein gestellten Jungen, der erst im hohen Alter vom Suizid seiner Mutter erfährt. Das gerät durch den überzeugenden Hauptdarsteller zumeist berührend und authentisch, die sprunghafte Erzählstruktur steht der ganz großen Emotion jedoch immer wieder im Wege.


THE PROMISE  | Regie: Terry George | ESP/USA 2016

Konstantinopel 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges: Die einst so lebendige und multikulturelle Hauptstadt des Osmanischen Reiches droht im Chaos zu versinken – und mit ihr der begabte Medizinstudent Michael (Oscar Isaac). Als die attraktive Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon) an der Seite ihres Geliebten, dem amerikanischen Fotojournalisten Chris Myers (Christian Bale), aus Paris eintrifft, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Verbunden durch ihre gemeinsamen armenischen Wurzeln entfacht zwischen Ana und Michael eine unbeschreibliche Anziehungskraft, der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe. Doch schnell werden sie von der harten Realität des eskalierenden Krieges eingeholt und müssen aufgrund eines drohenden Genozids auf der Flucht bald nicht nur füreinander, sondern auch ums nackte Überleben kämpfen.

Mit sichtbar viel Herzblut aber wenig Mut inszeniert Terry George mit „The Promise“ ein konventionelles Kriegsdrama, das nach und nach von einer plakativen Liebesgeschichte dominiert wird. Immerhin: Mit den beiden Liebenden lässt es sich gut mitschmachten – Oscar Isaac und Charlotte Le Bon spielen toll.


TIGERMILCH  | Regie: Ute Wieland | DE 2017

Nini und Jameelah sind auf dem Sprung ins Leben und doch eigentlich schon mittendrin. Nini, die Deutsche, und Jameelah mit dem irakischen Pass und dem brennenden Wunsch, Deutsche zu werden. Sie sind unzertrennlich und unbesiegbar, gehen zusammen zur Schule, rebellieren mal mehr und mal weniger und mixen sich in der Pause ihr Lieblingsgetränk auf dem Klo: Tigermilch, eine köstliche Mischung aus Milch, Maracujasaft und Mariacron. In den nächsten Wochen soll über den Einbürgerungsantrag von Jameelah und ihrer Mutter entschieden werden. Aber erst mal ist Sommer in Berlin. Die Mädchen streifen durch die Stadt, verlieben sich im Freibad und spielen Wörter knacken. Als sie eines Nachts auf dem Spielplatz der Siedlung einen Liebeszauber veranstalten, werden sie Zeugen eines Mordes. Und plötzlich steht alles still – ihre Pläne, ihre Zukunft, ihr Leben.

In der Romanverfilmung „Tigermilch“ werden wir ein weiteres Mal Zeuge, wie Berliner Jugendliche rebellieren und dafür keinerlei Konsequenzen zu fürchten haben. Ute Wielands Film hat – im Gegensatz zu diversen anderen dieses Genres – immerhin ein paar nette, tiefer gehende Erzählansätze, bleibt darin aber zu oberflächlich und lässt die Fallhöhe für das insgesamt gescheiterte Coming-of-Age-Drama nur noch größer werden.


BIGFOOT JUNIOR  | Regie: Jeremy Degruson, Ben Strassen | BEL/FR 2017

Der junge Adam (deutsche Stimme: Lukas Rieger) will endlich herausfinden, wer sein Vater (deutsche Stimme: Tom Beck) ist und macht sich auf die Suche. Die Überraschung ist groß: Es ist der legendäre Bigfoot, der sich jahrelang im Wald versteckt hat, da ein böser Konzern seine besondere DNA für sich nutzen will. Und auch Adam erkennt, dass er außergewöhnliche Superkräfte besitzt. Doch viel gemeinsame Zeit zum Kennenlernen bleibt ihnen nicht, denn zwielichtige Gestalten sind ihnen bereits auf der Spur… Die Macher von „Robinson Crusoe“, „Das magische Haus“ und der beiden „Sammy“-Abenteuer begeistern erneut mit einem spannenden 3D-Animationsfilm für die ganze Familie. Eine bewegende Vater-Sohn-Geschichte, in der ein kleiner Junge über sich hinauswachsen muss, wenn er die Familie wieder zusammenbringen will. Ein turbulenter Spaß zum Lachen und Mitfiebern!


EIN SACK VOLL MURMELN  | Regie: Nikolaj Arcel | USA 2017

Paris, 1941. Weil es in der besetzten Hauptstadt zu gefährlich geworden ist, plant die jüdische Familie Joffo die Flucht nach Südfrankreich, das noch nicht in deutscher Hand ist. Eine gemeinsame Reise wäre zu auffällig, daher schicken die Eltern den zehnjährigen Joseph und seinen älteren Bruder Maurice allein auf den Weg. Ein gefährliches Abenteuer erwartet die Jungen, denn niemand darf erfahren, dass sie Juden sind. Doch dank ihres Mutes und Einfallsreichtums schaffen sie es immer wieder, den Besatzern zu entkommen. Wird es ihnen gelingen, ihre Familie in Freiheit wiederzusehen? Die berührende Verfilmung des auf der Lebensgeschichte von Joseph Joffo basierenden Bestsellers erzählt in großen Bildern von zwei Brüdern, die auf ihrem Weg in die Freiheit allen Widerständen trotzen. Der Film besticht vor allem durch die herausragende Leistung der Schauspieler, allen voran der beiden jungen Hauptdarsteller.


GELOBT SEI DER KLEINE BETRÜGER  | Regie: Mahmoud al Massad | DE/JOR/NED 2016

Ahmad ist Bauunternehmer und hat eine tolle Idee. Anstatt einen vorab bezahlten Bauauftrag zu erfüllen, verwendet er das Geld lieber für eine Investition in ein Dutzend Laptops, denn mit denen lässt sich in Jordanien viel schneller viel mehr Geld verdienen. Sein Auftraggeber und die Polizei finden das aber gar nicht lustig und Ahmad wandert ins Gefängnis. Dass er hier 3 Monate verbringen soll, macht ihn ziemlich fertig, doch mit der Zeit findet er Gefallen am All-Inclusive-Service der Überwachungsarchitektur. Jeden Tag schlägt er sich den Magen voll und fiese Geldeintreiber sind hier auch nicht zu fürchten. In der Zwischenzeit bleiben aber die georderten Laptops im jordanischen Zoll stecken und Ahmads Cousin muss versuchen, den Zollbeamten mit einem Schaf zu bestechen. Dass Ahmads Knast-Buddy Ibrahim inzwischen auf freiem Fuß ist und ihm ebenfalls die Laptops streitig machen will, davon ahnen Ahmad und sein Cousin nichts.


 Heimkinotipp: DIE VERSUNKENE STADT Z  | Regie: James Gray | USA 2016

Percy Fawcett (Charlie Hunnam) wird von der Royal Society auf eine Expedition zur Landvermessung in Bolivien gesandt. Im Regenwald des Amazonas finden er und sein Forschertrupp, zu dem unter anderem der Entdecker Henry Costin (Robert Pattinson) gehört, immer wieder Spuren von vergangenen Zivilisationen. Sein Forscherdrang ist erwacht und er ist überzeugt von der Existenz einer versunkenen Stadt, die er Z nennt. Zurück in London will die Royal Society jedoch von dieser Idee nichts wissen. Getrieben von dem Drang, endlich seine mysteriöse Stadt zu finden, begibt Fawcett zusammen mit seinem Sohn (Tom Holland) erneut auf eine letzte gefährliche und verhängnisvolle Reise zum Amazonas…

„Die versunkene Stadt Z“ ist großes, mächtiges Kino, das definitiv auf die Leinwand gehört. Das gediegene Erzähltempo passt sich der nostalgischen Inszenierung an und fordert vom Zuschauer entsprechend Sitzfleisch. Belohnt wird er dafür mit einer inspirierenden Entdecker-Geschichte und beeindruckenden Bildgewalten, die ganz ohne Computereffekte auskommen.

Das startet am 27. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 27. Juli, der zu den besten des bisherigen Jahres gehört. Mit „The Party“ und „Baby Driver“ gibt es direkt zwei Kandidaten, die zu den Must-Sees 2017 gehören – mit letztgenanntem könnte es, nach überragendem Kritikerfeedback, vielleicht sogar mal einen Überraschungshit an den Kinokassen geben. Der dritte Teil der „Ostwind“-Reihe hat dank seiner treuen Fanbase mindestens eine Million Zuschauer sicher, wie man hierzulande hingegen auf den sehr amerikanischen „Dunkirk“ reagieren wird, kann ich nicht abschätzen. Der Rest läuft unter dem Radar. In Ermangelung an Genre-Konkurrenz könnte höchstens „Wish Upon“ noch ein wenig was reißen. Warten wir es mal ab…

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE PARTY  | Regie: Sally Potter | UK 2017

Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. 

„The Party“ ist zugleich bitterböses wie hochgradig unterhaltsames Schauspielkino vom Feinsten, das die im Kern so unmenschlichen Machenschaften der (britischen) Politbühne mit den finsteren Abgründen der menschlichen Psyche verbindet. Was für ein Spektakel!


BABY DRIVER  | Regie: Edgar Wright | UK/USA 2017

Der talentierte junge Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort), verlässt sich seit einem schweren Autounfall, das ihm einen Tinnitus verschaffte, ganz auf den Beat seiner persönlichen Playlist, um der Beste in seinem Job zu werden. Als er in einem Diner das Mädchen seiner Träume trifft (Lily James), sieht Baby endlich eine Chance, seine kriminelle Karriere endgültig an den Nagel zu hängen und einen sauberen Ausstieg zu schaffen. Tatsächlich scheint ihm das auch zu gelingen. Fortan verdient er sein Geld als Pizzabote. Aber nachdem er gezwungen wird, für einen Gangsterboss (Kevin Spacey) zu arbeiten und ein zum Scheitern verurteilter Raubüberfall sein Leben, seine Liebe und seine Freiheit gefährdet, muss er für seine Handlungen geradestehen.

In seinem Actionmusical „Baby Driver“ lässt Edgar Wright Newcomer Ansel Elgort zum Sound cooler Evergreens über die Leinwand jagen und präsentiert perfekt auf den Beat der Musik geschnittene Verfolgungsjagden und Schießereien, die in ihrer Brillanz sogar einem „Mad Max“ Konkurrenz machen. Dass die Story da nur die zweite Geige spielt, ist absolut in Ordnung.


OSTWIND – AUFBRUCH NACH ORA  | Regie: Katja von Garnier | DE 2017

Mika kehrt Gut Kaltenbach den Rücken, um sich mit ihrem Hengst Ostwind in den südlichsten Zipfel von Spanien durchzuschlagen. Dort will sie den sagenumwobenen Ort Ora finden, den sie in ihren Träumen sieht und wo Ostwind seine Wurzeln hat. Auf einer einsamen Hacienda lernt Mika die selbstbewusste Sam kennen. Sie hilft ihrem Vater Pedro dabei, den Pferdehof am Laufen zu halten. Seit Jahren liegt Pedro im erbitterten Streit mit seiner Schwester Tara, die nichts davon hält, Pferde einzuzäunen und in Boxen zu halten, sondern lieber mit ihnen zusammen in Freiheit lebt. Mika ist beeindruckt von Tara, die Pferde noch besser zu verstehen scheint als sie selbst. Als die Stadt droht, die unberührte Naturmit der wichtigsten Wasserquelle für den Lebensraum der Wildpferde platt zu walzen, hat Mika die zündende Idee in der Not

Der erste Teil bleibt immer noch der beste. Doch „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ überragt nicht bloß dank seiner furiosen Bebilderung den zweiten um Längen. Als esoterisch angehauchte Sinnsuche in bester Pferdemärchen-Manier gelingt es Katja von Garnier und ihrem jungen Ensemble, die Faszination Pferd ungefiltert auf die Leinwand zu bringen.


DUNKIRK  | Regie: Christopher Nolan | FR/NED/USA/UK 2017

An der Küste der französischen Hafenstadt Dünkirchen sind Hunderttausende britischer und alliierter Truppen vom Feind eingeschlossen. Ein Entkommen scheint es aus dieser misslichen Lage nicht mehr zu geben. Am Strand haben sie sich bis ans Meer zurückgezogen – und befinden sich damit in einer ausweglosen Situation. Zu Land, auf dem Wasser und in der Luft spielen sich ergreifende Schicksale ab: Spitfires der Royal Air Force attackieren den Feind im Himmel über dem Ärmelkanal, um die wehrlosen Männer am Strand zu schützen. Gleichzeitig starten Hunderte von Soldaten und Zivilisten mit kleinen Booten eine verzweifelte Rettungsaktion und riskieren bei diesem Wettlauf gegen die Zeit ihr Leben, um zumindest einen Teil der britischen Armee zu retten.

Christopher Nolans Kriegsepos „Dunkirk“ ist ein technischer Meilenstein, das mit gewaltigen Bildern und einem nie da gewesenen Sounddesign besticht. Erzählerisch kommt der Film ohne eine richtige Handlung aus, doch gerade weil dadurch nicht zuletzt auch die schablonenhaft bleibenden Charaktere zu leiden haben, bleibt einem am Ende vor allem das Staunen ob der inszenatorischen, weniger der erzählerischen Brillanz.


PARADIES  | Regie: Andrey Konchalovskiy | RUS/DE 2016

Frankreich im Zweiten Weltkrieg: Die adlige Exilrussin Olga engagiert sich heimlich für die französische Widerstandsbewegung. Die gefährliche Tätigkeit wird ihr zum Verhängnis, als deutsche Besatzer bei einer Razzia in ihrer Wohnung zwei jüdische Kinder entdecken, die sie dort versteckt hält. Im Gefängnis fällt die elegante junge Frau dem Nazi-Kollaborateur Jules auf , der für ihren Fall zuständig ist. Der Familienvater stellt ihr eine mildere Bestrafung in Aussicht, sollte sie seinen sexuellen Avancen nachgeben. Olga ist zu allem bereit, um ihre Freiheit wiederzuerlangen und willigt ein. Doch als Jules auf unerklärliche Weise verschwindet, wird sie umgehend in ein Konzentrationslager gebracht. Inmitten dieser Hölle auf Erden trifft sie völlig unverhofft auf ein bekanntes Gesicht: Helmut, der sich während eines weit zurückliegenden Sommers in Friedenszeiten in sie verliebte und immer noch Gefühle für sie hegt.

„Paradies“ ist ein langes, schweres und dadurch äußerst zermürbendes Kriegsdrama, das von drei miteinander verbundenen Schicksalen erzählt, die alle eines gemeinsam haben: Schmerz. Dabei mangelt es dem Regisseur Andrey Konchalovskiy weniger an künstlerischem Gespür, als vielmehr daran, der Geschichte abseits ihrer betonten Ausweglosigkeit ansatzweise dynamische Facetten zu verleihen. Dadurch strapaziert nicht nur die Thematik an sich die Nerven der Zuschauer, sondern auch die schiere Endlosigkeit.


WISH UPON  | Regie: Lucien Jean-Baptiste | FR/BEL 2016

Die 17-jährige Clare Shannon (Joey King) und ihre Freundinnen Meredith (Sydney Park) und June (Shannon Purser) haben es an der Highschool nicht leicht. Clares Vater (Ryan Phillippe) schenkt ihr eines Tages eine alte Spieluhr mit einer Inschrift, die besagt, dass dem Besitzer der Uhr alle Wünsche in Erfüllung gehen sollen. Clare hat nichts zu verlieren und spricht ihren ersten Wunsch aus. Zu ihrer Überraschung erfüllt er sich! Kurze Zeit später besitzt sie alles, was sie sich jemals erhofft hat: Geld, Ansehen und ihren Traumprinzen. Alles scheint perfekt zu sein. Doch dann sterben die Menschen, die ihr am nächsten stehen, auf grausame Art und Weise. Clare hat Blut an ihren Händen und muss die Spieluhr loswerden, bevor sie selbst und alle, die sie liebt, den ultimativen Preis zahlen müssen.

Wer in seinem Leben auch nur irgendeinen Horrorfilm gesehen hat, wird „Wish Upon“ nur dann etwas abgewinnen können, wenn er sich an einer Light-Version der deutlich blutigeren „Final Destination“-Reihe erfreut. Genreeinsteiger und (jugendliche) Zuschauer, die ohnehin eher zart besaitet sind, dürfen hier immerhin gern einen Blick riskieren.


MAX – AGENT AUF VIER PFOTEN  | Regie: Brian Levant | USA 2017

Der liebenswerte Belgische Schäferhund Max bekommt eine spannende Aufgabe, als er dem Geheimdienst helfen soll, das weiße Haus zu bewachen. Schnell werden Max und TJ (Zane Austin), der Sohn des Präsidenten (Lochlyn Munro), die besten Freunde. Als ein ausländischer Staatschef (Andrew Kavadas) mit seiner Tochter Alexandra (Francesca Capaldi) das Weiße Haus besucht, freunden sich Max und TJ mit dem Mädchen an. Bald entdecken Max, TJ und Alexandra ein gefährliches Geheimnis. Da ihnen die Erwachsenen nicht glauben wollen, versuchen TJ und Alex das Geheimnis selbst aufzudecken. Und zum Glück haben sie dabei den Belgischen Schäferhund Max an ihrer Seite, der ihnen in manch brenzliger Lage aus der Patsche hilft – ein echter Agent auf vier Pfoten.

„Max – Agent auf vier Pfoten“ könnte ein harmlos-unterhaltsames Kinderabenteuer sein, doch die Macher versuchen auf Krampf, einen politischen Subplot im Film unterzubringen, der nicht nur dem vierbeinigen Protagonisten wertvolle Leinwandzeit raubt, sondern auch die lediglich im Finale zum Tragen kommende Dynamik aus dem Film zieht.


SIE NANNTEN IHN SPENCER  | Regie: Martin Pold | AT/DE 2017

Carlo Pedersoli war der Überzeugung, jeden Beruf ausgeübt zu haben außer Jockey und Balletttänzer. Er war Schriftsteller, elffacher italienischer Schwimmchampion, zweifacher Olympiateilnehmer, Wasserballeuropameister, Rechtswissenschaftler, Sänger, Komponist, Pilot, Flugunternehmer, Modedesigner, Fabrikant, Drehbuchautor, Produzent und nicht zuletzt Erfinder einer Art Einwegzahnbürste. Er beherrschte sechs Sprachen. Seinen Weltruhm jedoch verdankt Carlo Pedersoli knallharten Backpfeifen und schlagfertigen Sprüchen – als Schauspieler unter dem Pseudonym Bud Spencer. An der Seite von Terence Hill wurde ein Bösewicht nach dem anderen zur Schnecke gemacht, niemand ließ die Fäuste so fliegen wie Bud Spencer. Ihre Westernkomödien avancierten zu Kulthits und begeisterten ein Millionenpublikum. Zwei seiner Fans wollen nicht nur Anekdoten sammeln, sie machen sich auf die Reise zu ihrem ewigen Idol.


Heimkinotipp: DIE ROTE SCHILDKRÖTE  | Regie: Michael Dudok de Wit | FR/BEL/JPN 2016

Ein schiffbrüchiger Mann strandet eines Tages auf einer einsamen Insel. Zum Überleben gibt es dort genug. Er findet eine Wasserquelle, genug Essen und bringt sich selbst bei, Tiere zu erlegen. Gefahren lauern jedoch überall. Nach einer gewissen Zeit auf der Insel beginnt er, sich ein Floss zu bauen, um mit dessen Hilfe von der Insel fortzukommen. Daran wird er allerdings jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch nach der tatsächlich geglückten Attacke auf das Tier entpuppt es sich als eine magische Kreatur, die das Leben des Mannes von Jetzt auf Gleich grundlegend verändert.

„Die rote Schildkröte“ ist die sanfte, feinfühlige Erzählung über einen Schiffbrüchigen, der sich mit dem Leben auf einer einsamen Insel arrangieren muss. Ohne ein gesprochenes Wort lässt diese Studio-Ghibli-Produktion die lebensecht gezeichneten Bilder ganz für sich allein sprechen und lässt aus ihnen etwas Märchenhaftes emporsteigen. Ein minimalistisch, aber absolut atemberaubendes Konzept.

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