Schlagwort-Archiv: Kinderfilm

Das startet am 9. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 9. November, an dem mit „Mord im Orient Express“ großes, pompöses Hollywoodkino aufgefahren wird, eine kleine Produktion aus dem Hause Coen sowie feines Kino aus Deutschland. Im Anbetracht des Überraschungserfolges von „Bad Moms“ dürfte allerdings das Sequel dazu die Nase vorn haben und könnte erneut die Eine-Million-Zuschauermarke knacken – zumal die Komödie diesmal auch auf das Thema Weihnachten setzt und damit bis weit in den Dezember hinein laufen dürfte.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MORD IM ORIENT EXPRESS  | Regie: Kenneth Branagh | MLT/USA 2017

Es ist ein eisiger Wintertag, als der berühmte Orient Express seine Reise von Istanbul in Asien ins europäische Wien antritt. Die Passagiere an Bord des luxuriösen Zuges stammen allesamt aus den höchsten Kreisen: adlige Herrschaften, ein amerikanischer Multimillionär, etliche Diplomaten und nicht zuletzt der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh). Als der Zug in Jugoslawien in einem Schneesturm stecken bleibt, richten sich alle auf eine lange Nacht ein. Am nächsten Morgen wird im Schlafwagen die Leiche des amerikanischen Millionärs Ratchett (Johnny Depp) gefunden – getötet durch zwölf Messerstiche. Hercule Poirot steht vor einem seiner schwierigsten Fälle und unterzieht alle Passagiere des Abteils einem Verhör. Eines steht fest: Der Mörder muss noch im Orient Express sein… 

Kenneth Branaghs Version von „Mord im Orient Express“ erweckt das Verlangen nach Filmen, von denen wir ganz vergessen haben, dass es sie einmal gab. Die bombastisch gefilmte Mörderjagd ist klassisch-minimalistische Krimiunterhaltung vom Feinsten, zum Leben erweckt von fantastischen Schauspielern.


SIMPEL  | Regie: Markus Goller | DE 2017

Seit Ben denken kann, sind er und sein Bruder Barnabas ein Herz und eine Seele. Barnabas, „Simpel“ genannt, ist 22 Jahre alt, aber geistig auf dem Stand eines Kindes. Quasilorten (Erdbeeren) sind sein Lieblingsessen und draußen im Watt entdeckt er mit seinem Stofftier Monsieur Hasehase neue Kontinente. Simpel ist anders und oft anstrengend, aber ein Leben ohne ihn ist für Ben unvorstellbar. Als ihre Mutter unerwartet stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden. Die einzige Person, die diesen Beschluss rückgängig machen könnte, ist ihr Vater David, zu dem die Brüder seit 15 Jahren keinen Kontakt mehr hatten. Die Suche nach ihm entwickelt sich zu einer turbulenten Odyssee, bei der Simpel und Ben auf die Medizinstudentin Aria und ihren Kumpel, den Sanitäter Enzo treffen. Keiner der vier ahnt, dass sich hier eine große Freundschaft entwickelt – und vielleicht ein bisschen mehr.

„Simpel“ ist das wahrhaftige Porträt einer beispielhaften Bruderliebe, das in seiner Dramatik zu Tränen rührt und trotzdem auch immer wieder zum Brüllen komisch ist. Frederick Lau und David Kross erwecken preiswürdig ihre beiden kantigen Figuren zum Leben. So wird aus „Simpel“ eine Feelgood-Tragikomödie, ganz ohne die gängigen Wohlfühlmechanismen, die die Augen nicht vor der Wahrheit verschließt und dabei trotzdem immer optimistisch bleibt.


HEXE LILLI RETTET WEIHNACHTEN  | Regie: Wolfgang Groos | USA 2017

Lilli ist genervt: Immer steht ihr kleiner Bruder Leon im Mittelpunkt! Dessen Allergie verhindert, dass sie ein Kaninchen als Haustier bekommt, und als er dann auch noch ihr neues Teleskop zerstört, das gerade erst der Nikolaus (eigentlich Lillis Oma mit angeklebtem Rauschebart) gebracht hat, reicht es Lilli endgültig! Trotz der Warnungen ihres kleinen grünen Drachen Hektor, verwendet sie einen Spruch aus ihrem Hexenbuch und zaubert Knecht Ruprecht aus dem Mittelalter in ihre Welt, damit er Leon eine kleine Lektion erteilt. Der Herbeizauber klappt, aber als sich Ruprecht dann in der heutigen Welt selbstständig macht, bringt das Lilli jede Menge Ärger ein. Er lässt einen von Lillis Lehrern verschwinden und entwickelt sich langsam wieder zu dem Wesen aus der Unterwelt, das er war, bevor ihn der Nikolaus besänftigte. Jetzt kann nur noch der echte Nikolaus helfen.

Regisseur Wolfgang Groos gelingt erneut ein Familienfilm für alle Altersklassen. Für die Kleinen bietet „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ tolle Effekte, amüsanten Hexen-Spaß und gut animierten, einen frechen Drachen, während die Erwachsenen mit der interessanten Figur des Knecht Ruprecht einen Bösewicht präsentiert bekommen, hinter dem weitaus mehr steckt, als ein einseitiger Schurke.


SUBURBICON  | Regie: George Clooney | UK/USA 2017

Willkommen in Suburbicon, einer Vorstadtgemeinde mitten im Herzen von Amerika. Mit seinen erschwinglichen Häusern und gepflegten Rasenflächen ist Suburbicon in den 1950er Jahren die idyllische Postkarten-Version des amerikanischen Traums. Doch das ändert sich, als mit den Meyers die erste farbige Familie in die Nachbarschaft zieht und sich der Rassismus der Gemeinde Bahn bricht. Gleichzeitig wird das Leben der Familie Lodge auf den Kopf gestellt, nachdem ein Einbruch in ihrem Haus eskaliert und zum Tod der Mutter führt. Der Familienvater Gardner und die Zwillingsschwester der Toten geraten in einen Strudel ungewöhnlicher Ereignisse, der sie immer tiefer in ein Netz von Verrat und Erpressung hineinzieht. Als der Sohn der Verstorbenen die seltsamen Machenschaften der Erwachsenen zu verstehen versucht, findet er sich auf Konfrontationskurs zu seinem Vater, der eine neue Familienordnung herstellen möchte.

„Suburbicon“ ist so etwas wie die Fast-Food-Variante einer typischen Coen-Komödie. George Clooney nimmt sich wenig Zeit für seine Figuren und setzt stattdessen ganz auf den zynischen Unterhaltungswert der aus dem Ruder laufenden Leinwandereignisse. Denen bei ihrer Eskalation zuzusehen, macht diebische Freude. Doch ein wenig mehr erzählerische Tiefe hätte der Geschichte gut getan, um auch die Aussage dahinter noch mehr zur Geltung kommen zu lassen.


BAD MOMS 2  | Regie: Jon Lucas, Scott Moore | USA 2017

Die dauergestressten Mütter Amy, Kiki und Carla (Mila Kunis, Kristen Bell, Kathryn Hahn) pfeifen auf traditionelle Perfektion und wollen sich dieses Jahr dem alljährlichen Weihnachtsvorbereitungswahnsinn samt aller hochgesteckten Erwartungen entziehen, indem sie für ihre Familien eine ganz besondere Bescherung planen, in ihrem eigenen „Bad Moms“-Style versteht sich. Die Hoffnungen der drei scheinen jedoch schneller als erwartet zu platzen, als sie plötzlich mit ihrem wohl schlimmstem Weihnachtsalptraum konfrontiert werden: ihren eigenen Müttern! Die tauchen nicht nur unverhofft (und ungeladen!) auf, sondern treiben alle mit ihren Schrullen und Macken an den Rand des Wahnsinns. Es kommt zum ultimativen Duell zwischen Müttern und Töchtern. Und trotz ungewissem Ausgang ist eins bereits jetzt sicher: Dieses Weihnachten wird niemand so schnell vergessen. 

Trotz einiger Kompromisse im Sinne der klassischer Weihnachtstradition ist „Bad Moms 2“ ein stimmiges Sequel, das den Tonfall des Vorgängers sehr gut aufgreift und eine noch höhere Trefferquote besitzt, als der hier und da ein wenig zähe erste Teil.


DIE LIEBHABERIN  | Regie: Lukas Valenta Rinner | AT/KOR/ARG 2016

Als die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Belén (Iride Mockert) einen Job als Hausmädchen bei einer reichen Familie annimmt, bekommt sie erstmals in ihrem Leben einen der entlegenen Außenbezirke der pulsierenden Argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zu sehen. Hohe Mauern schützen das prächtige Anwesen, hinter dem ein dichtes, dschungelähnliches Gebiet liegt. Auf einem ihrer  langen einsamen Spaziergänge entdeckt Belén plötzlich ein Nudistencamp. Ihre heimlichen Besuche als Voyeurin häufen sich, doch schließlich wird sie von der Nudisten-„Familie“ entdeckt und anschließend als vollwertiges Mitglied aufgenommen und erlebt nie gekannte Zügellosigkeit und Harmonie. Doch der Zusammenprall dieser zwei so unterschiedlichen Welten erzeugt eine Reibung, die nicht ohne Folgen bleibt. Und so muss sich Belén schon sehr bald entscheiden, ob das tatsächlich ihr vorbestimmter Weg sein kann.


JETZT. NICHT.  | Regie: Julia Keller | DE 2017

Seine Tage sind lang, sein Terminkalender voll – ein hochtourig getaktetes Leben in der Marketingabteilung eines Kosmetikherstellers. Als Walter Mitte vierzig völlig unerwartet gekündigt wird, verliert er jeglichen Halt. Die erzwungene Auszeit bringt existenzielle Fragen hervor. Auf der Suche nach Antworten flüchtet sich Walter in die Identität eines anderen Mannes. Was aber sollen die Koordinaten des Lebens sein, wenn Arbeit und Leistung nicht mehr das Maß aller Dinge sind?

Das Sozialdrama „Jetzt.Nicht.“ zielt mitten ins kalte Herz unserer modernen Leistungsgesellschaft und zeigt, wie die Arbeitslosigkeit zur Identitätskrise wird. Godehard Giese überzeugt in einer Charakterrolle als Marketingdirector Walter, der seinen Job verliert und damit seinen gesamten Lebensinhalt. Packendes deutsches Kino, das zutiefst beunruhigt und zugleich Hoffnung weckt.


DIE WELT SEHEN  | Regie: Muri­el Coulin, Del­phi­ne Cou­lin | FR 2016

Zwei jun­ge Sol­da­tin­nen, Auro­re und Mari­ne, kom­men von ihrem Ein­satz aus Afgha­ni­stan zurück. Mit ihrer Trup­pe ver­brin­gen sie drei Tage in einem Fünf-Sterne-Hotel auf Zypern. Hier, inmit­ten von Tou­ris­ten, sol­len sie ler­nen, das Erleb­te hin­ter sich zu las­sen. Im Militärjargon: „Dekom­pres­si­on“. Doch so leicht ist es nicht, den Krieg zu vergessen.

Was sieht man im Krieg? Gar nichts. Ers­tens, weil im Camp über lan­ge Stre­cken kei­ne Kampf­hand­lun­gen statt­fin­den. Zwei­tens, weil man während des Kamp­fes überhaupt nichts sieht – man kämpft um sein Leben. Und schließ­lich, weil jeder aus sei­ner eige­nen Per­spek­ti­ve sieht, was geschieht, also nur eine par­ti­el­le Sicht der Realität. Während der „Dekom­pres­si­on“ neh­men Auro­re und Mari­ne an Ein­satz­nach­be­spre­chun­gen teil, nach denen sie anders darüber den­ken wer­den, was sie gese­hen haben.


MACHINES  | Regie:  Rahul Jain | IND/DE/FIN 2016

Rahul Jain präsentiert mit „Machines“ eine intime, aufmerksame Darstellung des Rhythmus des Lebens und der Arbeit in einer Textilfabrik in Gujarat. Die Kamera gleitet förmlich durch die langen Korridore und enormen Tiefen dieser verwirrenden Struktur. Sie entführt den Betrachter an einen Ort der Entmenschlichung von körperlicher Arbeit und intensiver Härte. Hierbei werden sehr fligran Denkanstöße hinsichtlich anhaltender vorindustrieller Arbeitsbedingungen und der großen Kluf zwischen reich und arm generiert. Seit den 1960er Jahren hat sich das Gebiet Sachin im Westen Indiens einer beispiellosen, unregulierten Industrialisierung unterzogen, die in zahlreichen Textilfabriken zum Ausdruck kommt. „Machines“ porträtiert nur eine dieser Fabriken und stellt gleichzeitig Tausende von Arbeitern dar, die tagtäglich in einer Umgebung arbeiten, leben und leiden, der sie nicht ohne Einheit entkommen können.


 Heimkinotipp: DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT  | Regie: John Madden | FR/USA 2016

Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) der Star der Branche. Die brillante, selbstsichere, völlig skrupellose Lobbyistin der alteingesessenen Kanzlei George Dupont ist berüchtigt für ihr einzigartiges Talent, ihre Rücksichtslosigkeit und ihre zahllosen Erfolge. Um ans Ziel zu kommen, tut sie alles. Für die mächtige Waffenlobby ist sie die Frau der Stunde, um ein neues unliebsames Waffengesetz zu verhindern. Doch Sloane verfolgt ihre eigenen Ziele und wechselt nach einem Streit mit Dupont überraschend die Seiten. Die Waffenlobby sieht sich plötzlich einer unberechenbaren Gegnerin gegenüber. Sloane nimmt den härtesten Kampf ihrer Karriere in Angriff und beginnt zu ahnen, dass der Preis für ihren Erfolg etwas zu hoch sein könnte.

„Die Erfindung der Wahrheit“ ermöglicht dem Zuschauer einen hochbrisanten Blick hinter die Kulissen des US-amerikanischen Lobbyismus, den nicht bloß die wendungsreich inszenierte, absolut kurzweilige Story so sehenswert macht, sondern allen voran die kraftvolle Performance von Jessica Chastain.

Das startet am 5. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 5. Oktober, an dem“Blade Runner 2049″ zwar auf der einen Seite den größten, auf der anderen Seite aber auch den unsichersten Start darstellt. Sind 30 Jahre seit dem ersten Teil vielleicht doch ein wenig zu viel Wartezeit? Kann die Starpower allein überzeugen? Und worum geht es überhaupt? Der deutschen Presse wurde der Film bislang nicht gezeigt, dafür folgt die ausführliche Review bereits am Montag um 15:00 Uhr an dieser Stelle. Daneben bieten „Die Nile Hilton Affäre“, „Unter deutschen Betten“ und der nahezu unerträgliche „My Little Pony“ Unterhaltung, die vermutlich nur einen kleinen Teil der Besucher erreichen wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BLADE RUNNER 2049  | Regie: Denis Villeneuve | UK/USA/CAN 2017

30 Jahre nach den folgenschweren Ereignissen im Los Angeles des Jahres 2019 fördert ein neuer Blade Runner, der engagierte LAPD-Polizeibeamte K (Ryan Gosling), ein lange unter Verschluss gehaltenes Geheimnis zu Tage, welches das Potential hätte, die noch vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen des dystopischen Molochs ins Chaos zu stürzen. Die Entdeckungen von K führen ihn auf die Suche nach dem untergetauchten, offiziell längst für tot erklörten Rick Deckard (Harrison Ford), der selbst jahrelang als LAPD-Blade-Runner unterwegs war. Gemeinsam könnten sie dafür sorgen, dass die Ordnung im System wiederhergestellt und die Menschheit gerettet wird.

„Blade Runner 2049“ ist ein berauschendes Fest für die Sinne und legt die visuelle Messlatte für das Science-Fiction-Kino der kommenden Jahre hoch. Erzählerisch passt sich Denis Villeneuve der entschleunigten Attitüde seiner Inszenierung an und spielt hier mit weniger offensichtlichen Twists, als noch in seinem letzten Film „Arrival“. Dafür liefert auch dem Zuschauer einmal mehr diverse Rätsel an die Hand und macht aus Ryan Gosling einen melancholischen Helden, an dessen Reise das Publikum gern teilhat.


DIE NILE HILTON AFFÄRE  | Regie: Tarik Saleh | SWE/DK/DE/FR 2017

Kairo 2011, eine Stadt voller Widersprüche. Es herrschen die Reichen und Mächtigen. Korruption, Dekadenz und die Gier nach Geld bestimmen den Alltag. Mittendrin lebt Noredin – ein ganz gewöhnlicher Polizist. Seit seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kam, sucht er Zuflucht in der Routine seines Jobs. Als in einer Luxussuite des Hotels Nile Hilton eine berühmte Sängerin tot aufgefunden wird, soll er ermitteln. Was auf den ersten Blick nach einem Verbrechen aus Leidenschaft aussieht, wandelt sich schnell in einen Fall, der die führende Elite Ägyptens bedroht. Noch bevor Noredin mit der Aufklärung beginnen kann, wird der Tod des Popstars zu den Akten gelegt. Doch als ihm die wunderschöne Gina neue Hinweise liefert, ermittelt er auf eigene Faust. Während die Unruhen am Tahrir-Platz immer lauter werden, verfängt er sich zusehends in einem gefährlichen Netz aus Macht, Leidenschaft und Korruption. 

Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ ist ein stark gespielter, im klassischen Noir-Stil gehaltener Crime-Thriller, der die Aufklärung eines spannenden Mordfalls in die politisch brisante Zeit des Arabischen Frühlings einbettet. Das ist nicht immer ganz nachvollziehbar, dafür aber aufgrund des brodelnden Settings zu jedem Zeitpunkt stimmungsvoll.


UNTER DEUTSCHEN BETTEN  | Regie: Jan Fehse | DE 2017

One-Hit-Wonder Linda Lehmann träumt vom großen Aufstieg – und fällt tief! Das große Comeback…. geht richtig schief. Ihr Langzeit-Freund und Produzent Friedrich Berger hat sich nämlich nicht nur schon längst ein neues Sternchen geangelt, sondern generell die Nase voll von ihr und will auch ihre Songs nicht mehr produzieren. Kurz: Linda steht vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Niemand öffnet ihr mehr die Tür; die Einzige, die sich ihrer annimmt, ist ihre ehemalige Putzfrau, deren Namen Linda nicht mal kennt. Die Frau, die ihre Mitmenschen stets schlecht und von oben herab behandelt hat, muss nun mit Justyna Polanska putzen gehen. Aber nicht nur im Wohnzimmer! Die verwöhnte Linda entpuppt sich jedoch nicht nur als völlig ungeeignete Putzhilfe, sondern bekommt zwischen verschmutzten Toiletten und arroganten Musikproduzenten ordentlich ihr Fett weg und bringt mit ihren Star-Allüren richtig Chaos in Justynas Leben… 

Jan Fehses auf dem gleichnamigen Sachbuch basierende Komödie „Unter deutschen Betten“ geht erzählerisch wenig Risiko ein und setzt an manchen Stellen zu sehr auf Klamauk. Trotzdem hat sie das Herz am rechten Fleck und besticht mit zwei Hauptdarstellerinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deshalb als Duo hervorragend funktionieren.


MY LITTLE PONY – DER FILM  | Regie: Jason Thiessen | UK/USA 2017

Prinzessin Twilight Sparkle steckt mitten in den Vorbereitungen für das große Freundschaftsfestival, als der mächtige Sturmkönig und seine Kommandantin Tempest Shadow mit einem gemeinen Plan in Ponyville einfallen. Tempest war einst selbst Bewohnerin von Equestria, doch als Kind verlor sie ihr magisches Horn und damit auch den Glauben an die Macht der Freundschaft. Um ihre Zauberkraft zurückzugewinnen, kämpft sie jetzt an der Seite des furchteinflößenden Sturmkönig, der den Prinzessinnen von Ponyville all ihre magischen Fähigkeiten rauben will. Aber so einfach geben Twilight und ihre fünf besten Freundinnen nicht auf! Sie ergreifen die Flucht, um Hilfe zu holen. Mit Tempest immer dicht auf den Fersen, schlagen sie sich mit einem zwielichtigen Kater namens Capper herum, fliegen mit dem Luftschiff von Käpt‘n Celaenos schrägen Vögeln und landen schließlich im glitzernden Unterwasserkönigreich Seaquestria. 

Anders als die bisherigen „My Little Pony“-Filme und -Serien setzen die Macher bei dieser Leinwandadaption ausschließlich auf die ganz Kleinen als Zielgruppe und arbeiten mehr gelangweilt denn routiniert die To-Do-List eines jeden Mut-Mach-Abenteuerfilms ab. Kleine Highlights bilden die Gesangseinlagen von Gil Ofarim und Maite Kelly.


TOM OF FINLAND  | Regie: Dome Karukoski  | FIN/SWE/DK/DE/ISL/USA 2017

Jeder kennt die ikonische, stilbildende Kunst von „Tom of Finland“, doch kaum einer die Geschichte des Mannes dahinter: Zurückgekehrt von der Front des 2. Weltkriegs erweist sich für Touko Laaksonen das Leben im Frieden ebenso als Krieg. Im Finnland der 50er Jahre kann er als Homosexueller weder lieben, wen er will, noch sich selbst verwirklichen. Immer der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt, die mit Schwulen rigoros umgeht, findet Touko Zuflucht im Zeichnen homoerotischer Bilder. Unter dem Pseudonym „Tom of Finland“ tritt seine Kunst schließlich einen Siegeszug an. Der Künstler entfacht damit nicht nur die „Gay Revolution“, sondern wird auch zur Symbolfigur einer ganzen Generation junger Männer. Der preisgekrönte Filmemacher Dome Karukoski erzählt in „Tom of Finland“ vom Leben und der Arbeit der einflussreichsten Figur der Schwulen-Kultur des 20. Jahrhunderts.


FÉLICITÉ  | Regie: Alain Gomis | FR/BEL/SEN/DE 2017

Félicité ist Sängerin und tritt jeden Abend in einer Bar in Kinshasa auf. Sie ist eine Frau in der Mitte ihres Lebens, stolz und unabhängig, doch sobald sie singt, scheint sie die Welt um sich herum zu vergessen. Es sind rauschhafte Nächte, denn Félicités Musik hypnotisiert und bewegt ihr Publikum. Als ihr Sohn nach einem schweren Unfall im Krankenhaus liegt und dringend operiert werden muss, versucht Félicité, das dafür nötige Geld aufzutreiben. Sie begibt sich auf eine atemlose Reise durch die kongolesische Metropole zwischen Armut und dekadentem Reichtum. Unterstützung bekommt sie durch den Schwerenöter Tabu, einen der Stammgäste der Bar. Er ist es auch, der Félicités Sohn nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus der Lethargie entreißt und ihn zurück ins Leben führt. Die Umstände haben diese drei unterschiedlichen Menschen zu einer Schicksalsgemeinschaft gemacht, die unter einem Dach lebt.


IMMER NOCH JUNG – 15 JAHRE KILLERPILZE  | Regie: David Schlichter, Fabian Halbig | DE 2017

„Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze“ zeigt Aufstieg, Fall und Wiederauferstehung der jüngsten Teenie-Band Deutschlands: Nach dem Erfolg als „BRAVO-Band“ und dem überraschenden Aus bei der Major-Plattenfirma drohte der Sturz in die öffentliche Belanglosigkeit. „Immer noch jung“ begleitet die Band auf dem steinigen Weg zurück auf die großen Bühnen der Welt mit dem Ziel, die „größte Rockband Deutschlands“ zu werden. Erzählt von (Ex-)Bandmitgliedern, Familie, Management, vielen prominenten Wegbegleitern (u.a. Klaas Heufer-Umlauf, Jennifer Rostock, Felix Brummer von Kraftklub, Michael ‚Curse‘ Kurth u.v.m.) und gespickt mit unveröffentlichtem Archivmaterial von der ersten Bandprobe bis zur Veröffentlichung des Erfolgsalbums HIGH (2016) gewährt der Film einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen der deutschen Musiklandschaft der 00er Jahre, den es so noch nicht gegeben hat.


Heimkinotipp: TIMM THALER ODER DAS VERKAUFTE LACHEN  | Regie: Andreas Dresen | DE 2017

Timm Thaler (Arved Friese) lebt in ärmlichen Verhältnissen, doch er lacht gern und viel. Sein Lachen ist so bezaubernd und ansteckend, dass der dämonische Baron Lefuet (Justus von Dohnányi) es um jeden Preis besitzen will. Und so macht der reichste Mann der Welt dem Jungen ein unmoralisches Angebot: Wenn Timm ihm sein Lachen verkauft, wird er in Zukunft jede Wette gewinnen. Nach anfänglichem Zögern unterschreibt Timm den Vertrag. Jetzt kann er sich scheinbar jeden Wunsch erfüllen, doch ohne sein Lachen ist er ein anderer Mensch. Nur noch Timms Freunde Ida (Jule Hermann) und Kreschimir (Charly Hübner) halten zu ihm. Gemeinsam wollen sie Timm aus den Fängen des Barons befreien und durch eine List sein markantes Lachen zurückgewinnen.

4 von 5

„Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ ist ein ebenso aussagekräftiger wie liebevoller Film, mag aber inszenatorisch zunächst ein wenig befremdlich wirken. Doch die optischen Widersprüche aus der Darstellung eines verarmten, zeitlich kaum zu verortenden Deutschland und der futuristischen Welt des Grafen verhilft der Geschichte zur einer entrückten Realität und dadurch zu noch mehr Zeitlosigkeit.

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