Schlagwort-Archiv: Kinderfilm

Das startet am 19. April 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 19. April, der von einem Punkt bis hin zur vollen fünf alles zu bieten hat. Für Horrorfans gibt es nämlich mit „Ghost Stories“ eines der ganz großen Must-Sees des diesjährigen Genrejahres zu entdecken, über das man vorher nicht allzu viel wissen wollte, während Andy Serkis‘ Regiedebüt das untere Ende der qualitativen Fahnenstange bildet. Alles dazwischen ist mal mehr, mal weniger sehenswert – und der Oscarbeitrag „Lady Bird“ schafft es mit zwei Monaten Verspätung dann auch endlich in die deutschen Kinos. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

GHOST STORIES  | Regie:  Jeremy DysonAndy Nyman | UK 2017

Professor Philip Goodman ist ein bekannter Skeptiker aller übernatürlichen Phänomene und Moderator der Fernsehsendung „Psychic Cheats“, in der er gefälschte Séancen entlarvt, betrügerische Hellseher bloßstellt und paranormale Schwindel aufdeckt. Goodmans großes Vorbild war sein Vorgänger, der Psychologe Charles Cameron, der vor längerer Zeit unter mysteriösen Umständen verschwand und mittlerweile für tot gehalten wird. Doch eines Tages bekommt Goodman ein merkwürdiges Paket zugeschickt, das angeblich von Cameron stammt und in dem er Goodman bittet, ihn in seinem Versteck zu besuchen. Goodman fordert ihn auf, drei Fälle selbst zu untersuchen, an denen er einst scheiterte, um Cameron das Gegenteil zu beweisen. Goodman nimmt die Herausforderung an, hinter der er so etwas wie einen versteckten Hilferuf vermutet…

„Ghost Stories“ ist ein gleichermaßen unheimliches wie zum Brüllen komisches Vergnügen, das in dem einen Moment noch den Puls in die Höhe treibt und uns im nächsten über uns und das Geschehen lachen lässt. Die smarte Inszenierung und eine wahrlich überraschende Auflösung runden dieses einmalige Erlebnis ab, dem wir zutrauen, sich in naher Zukunft einen Platz in den Annalen der Horrorfilmgeschichte zu sichern.


LADY BIRD  | Regie: Greta Gerwig | USA 2017

Der Alltag von Christine „Lady Bird“ McPherson (Saoirse Ronan) im kalifornischen Sacramento besteht aus High School-Routine, Familientrouble und ersten ernüchternden Erfahrungen mit Jungs. Kein Wunder also, dass die 17-Jährige davon träumt, flügge zu werden und ihr verschlafenes Kaff gegen ein Leben in der hippen Großstadt einzutauschen. Im echten Leben rebelliert sie mit Leidenschaft und Dickköpfigkeit gegen die Enge in ihrem Elternhaus. Doch allzu leicht macht ihre Mutter (Laurie Metcalf) dem eigenwillig-aufgeweckten Teenager die Abnabelung natürlich nicht, und so ziehen alle beide zwischen Trotz, Wut und Resignation immer wieder sämtliche Gefühlsregister, um sich das Leben ganz schön schwer zu machen… 

Mit viel Fingerspitzengefühl und einem Gespür für authentische Dialoge gelingt es Greta Gerwig und ihrem überragenden Ensemble auch ganz ohne große Innovationen, „Lady Bird“ zu einem starken Vertreter aus dem Coming-of-Age-Segment zu machen.


STRONGER | Regie: David Gordon Green | USA 2017

Jeff Bauman steht an der Ziellinie des Boston-Marathon von 2013, um seine Ex-Freundin Erin anzufeuern – und hoffentlich zurückzugewinnen – nichtahnend, dass sich sein Leben im nächsten Moment für immer verändern wird. In der Nähe des 27-Jährigen explodiert ein Sprengsatz, der ihm beide Beine wegreißt. Bauman wird sofort ins Krankenhaus gebracht. Nachdem er das Bewusstsein wiedererlangt, kann er einen der Attentäter identifizieren und den Ermittlern entscheidende Hinweise liefern, um die Terroristen zu fassen. Jeffs eigener Kampf hingegen steht ganz am Anfang. Für ihn beginnen langwierige Reha-Maßnahmen, die er nur durch die unermüdliche Unterstützung von Erin und seiner eigenwilligen Familie durchsteht. Seine Art, mit dem niederschmetternden Schicksal umzugehen, lässt ihn zu einem Helden wider Willen werden. 

„Stronger“ ist ein einfühlsames, starkes Drama ohne falsche Scheu vor Intimitäten, in dem Jake Gyllenhaal und seine Kollegen groß aufspielen. Lediglich das ein wenig zu patriotisch-heldenhafte Ende passt nicht ganz in den ansonsten so unaufgeregt und zurückhaltend erzählten Film.


ROMAN J. ISRAEL, ESQ.  | Regie: Dan Gilroy | CAN/ARE/USA 2017

Das Strafgerichtssystems von Los Angeles ist seit Jahren überlastet. Einer der Leidtragenden davon ist der motivierte, idealistische Strafverteidiger Roman J. Israel (Denzel Washington), dessen Leben auf den Kopf gestellt wird, als sein Mentor, eine Bürgerrechts-Ikone, eines Tages verstirbt. Als er von einem knallharten Unternehmen angestellt wird, das ein ehemaliger Student des legendären Mentors leitet – der ambitionierte Anwalt George Pierce (Colin Farrell) – schließt Roman Freundschaft mit einer jungen Verfechterin für Gleichberechtigung (Carmen Ejogo). Eine Reihe turbulenter Ereignisse sind die Folge, die den Aktivismus, der Romans bisherige Karriere geprägt hat, auf die Probe stellt, als er droht, sogar auf die schiefe Bahn abzurutschen…

„Roman J. Israel, Esq.“ Ist ein Justizdrama ohne erzählerische Intensität, das allerdings einen ganz entscheidenden Vorteil besitzt: Denzel Washington macht den Film zu einem Ereignis und lenkt mit seiner Performance konsequent von den inszenatorischen Defiziten ab.


DIE PARISERIN: AUFTRAG BASKENLAND | Regie: Ludovic Bernard | FR 2017

Geschäftsfrau Sibylle Garnier reist in die französische Metropole Paris, um sich hier gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ein neues Leben aufzubauen. Beide arbeiten extrem erfolgreich für einen großen Supermarktkonzern, der die junge Frau für ihren ersten Job direkt in die baskische Einöde schickt. Hier soll sie einem älteren Herrn seinen kleinen Eisenwarenladen abkaufen. Doch die Firma hat die Rechnung ohne den Ladeninhaber gemacht. Der stemmt sich resolut gegen die Forderungen der toughen Blondine und setzt Sibylle stattdessen seinen Neffen Ramuntxo vor die Nase. Dieser hat so gar kein Interesse daran, dass das Geschäft seines Onkels verkauft wird – nicht zuletzt, weil er darin Dutzende von Waffen versteckt. Nach anfänglichen Reibereien knüpfen Sibylle und Ramun schnell zarte Bande, bis seine eifersüchtige Ex-Freundin Arantxa einen absurden Plan schmiedet…

„Die Pariserin: Auftrag Baskenland“ ist aufgrund der hanebüchenen Grundidee durchaus unterhaltsam. Nicht zuletzt, weil die Macher Logik und Realismus irgendwann völlig über Bord werfen. Leider halten sie diesen Kurs nicht bis zum Ende durch. Irgendwann wird’s generisch und dann auch eben nicht mehr lustig.


SOLANGE ICH ATME | Regie: Andy Serkis | UK 2017

England in den 50er Jahren: Der erfolgreiche Geschäftsmann Robin Cavendish (Andrew Garfield) und die schöne und außergewöhnliche Diane Blacker (Claire Foy) verlieben sich Hals über Kopf ineinander und heiraten kurz darauf. Als das junge Paar Nachwuchs erwartet, ist das Glück der beiden Liebenden perfekt. Doch im Dezember 1958 wird das Leben der Cavendishs von einem Moment zum anderen auf den Kopf gestellt: Im Alter von nur 28 Jahren wird Robin durch eine Infektion vom Hals abwärts gelähmt. Gegen alle Widerstände steht Diane ihrem Mann zur Seite und gibt ihm durch Hingabe und ihren Mut zu unkonventionellen Entscheidungen seine Freiheit zurück. Gemeinsam stellen sie sich jeglichen Einschränkungen in den Weg, inspirieren mit Lebenslust und Humor ihr Umfeld und machen für sich und viele andere das Leben wieder lebenswert. 

In seinem erzählerisch oberflächlichen Regiedebüt „Solange ich atme“ verliert Andy Serkis den Blick fürs Wesentliche und verwechselt Emotionen mit Gefühlsduselei, während er glaubt, mit einem romantischen Filter, dick aufgetragener Musik und gezielten Dialogen jene Regungen beim Zuschauer hervorrufen zu können, die andere Filmemacher auch ohne all das erreichen.


THE 15:17 TO PARIS  | Regie: Clint Eastwood | USA 2018

Clint Eastwood präsentiert mit „The 15:17 to Paris“ die wahre Geschichte dreier mutiger Männer, die in einem Hochgeschwindigkeitszug zu Helden wurden.

Am frühen Abend des 21. August 2015 starrten die Zuschauer in aller Welt fassungslos auf ihre Bildschirme, als in den Nachrichten die Meldung verbreitet wurde, dass im Thalys-Zug Nr. 9364 Richtung Paris ein terroristischer Anschlag vereitelt worden war – drei tapfere junge Amerikaner auf Europareise hatten ihn verhindert. Der Film erzählt das Leben der Freunde, die Probleme ihrer Kindheit, ihr langer Weg in eine gefestigte Existenz und die Serie von Zufällen, die zu dem Anschlag führten. In der extremen Stresssituation gerät ihre Freundschaft nie ins Wanken – und genau das stellt sich letztlich als ihre wirksamste Verteidigung heraus: So gelingt es ihnen, das Leben von über 500 Menschen an Bord zu retten.


MATTI UND SAMI UND DIE DREI GRÖSSTEN FEHLER DES UNIVERSUMS|Regie: Stefan Westerwelle|DE 2018

Das Universum muss jede Menge Fehler haben, findet der zehnjährige Matti. Sonst wären die Menschen doch viel glücklicher! Sein Vater Sulo wäre kein Busfahrer, sondern Computerspiel-Entwickler, so wie er es sich erträumt. Seine Mutter müsste sich nicht länger über ihren cholerischen Chef in der Arztpraxis ärgern. Und Matti selbst wäre schon längst einmal mit seiner Familie in Sulos Heimat Finnland im Urlaub gewesen…  Also beschließt Matti, dem Glück ein wenig nachzuhelfen und erfindet einen Lotteriegewinn. Es gelingt ihm tatsächlich, Mama, Papa und seinen kleinen Bruder Sami nach Finnland zu locken. Doch weil faustdicke Lügen meistens unvorhergesehene Konsequenzen haben, steht die Familie plötzlich ohne Geld, ohne Dach über dem Kopf und ohne Autoschlüssel da, mitten in der finnischen Pampa. Nun braucht Matti ganz dringend ein Wunder. Aber ob das Universum auch für so etwas zuständig ist?


PAWO | Regie: Marvin Litwak | DE/IND/CHN 2016


Heimkinotipp: SIMPEL  | Regie: Markus Goller | DE 2017

Seit Ben denken kann, sind er und sein Bruder Barnabas ein Herz und eine Seele. Barnabas, „Simpel“ genannt, ist 22 Jahre alt, aber geistig auf dem Stand eines Kindes. Quasilorten (Erdbeeren) sind sein Lieblingsessen und draußen im Watt entdeckt er mit seinem Stofftier Monsieur Hasehase neue Kontinente. Simpel ist anders und oft anstrengend, aber ein Leben ohne ihn ist für Ben unvorstellbar. Als ihre Mutter unerwartet stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden. Die einzige Person, die diesen Beschluss rückgängig machen könnte, ist ihr Vater David, zu dem die Brüder seit 15 Jahren keinen Kontakt mehr hatten. Die Suche nach ihm entwickelt sich zu einer turbulenten Odyssee, bei der Simpel und Ben auf die Medizinstudentin Aria und ihren Kumpel, den Sanitäter Enzo treffen. Keiner der vier ahnt, dass sich hier eine große Freundschaft entwickelt – und vielleicht ein bisschen mehr.

„Simpel“ ist das wahrhaftige Porträt einer beispielhaften Bruderliebe, das in seiner Dramatik zu Tränen rührt und trotzdem auch immer wieder zum Brüllen komisch ist. Frederick Lau und David Kross erwecken preiswürdig ihre beiden kantigen Figuren zum Leben. So wird aus „Simpel“ eine Feelgood-Tragikomödie, ganz ohne die gängigen Wohlfühlmechanismen, die die Augen nicht vor der Wahrheit verschließt und dabei trotzdem immer optimistisch bleibt.

Das startet am 12. April 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 12. April, an dem das deutsche Kino triumphiert. Mit „3 Tage in Quiberon“ kommt der Favorit des Filmpreises in die Kinos, „Steig. Nicht. Aus!“ dagegen beweist mal wieder, wie routiniert auch deutsche Filmemacher Genrekino inszenieren können. Große Aufmerksamkeit wird auch „A Queit Place“ geschenkt – zu Unrecht, denn das starke Konzept funktioniert nicht über eine Spielfilm-Lauflänge. Über die Komödie „Der Sex Pakt“ und den Glücksspielthriller „Spielmacher“ dürfen wir indes noch kein Wort verlieren. Die Reviews dazu folgen in den kommenden Tagen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

3 TAGE IN QUIBERON  | Regie:  Emily Atef | DE/AT/FR 2018

1981 verbringt der Weltstar Romy Schneider (Marie Bäumer) drei Tage mit ihrer besten Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) in dem kleinen bretonischen Kurort Quiberon, um sich dort vor ihrem nächsten Filmprojekt ein wenig Ruhe zu gönnen. Trotz ihrer negativen Erfahrungen mit der deutschen Presse willigt die zurückhaltende Schauspielerin in ein Interview mit dem STERN-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) ein, zu dem der von Romy Schneider geschätzte Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner) die dazugehörige Fotostrecke liefert. Aus dem geplanten Termin entwickelt sich ein drei Tage andauerndes Katz- und Mausspiel zwischen dem Journalisten und der Ausnahmekünstlerin, das auch Robert Lebeck und Romys Freundin Hilde an ihre Grenzen bringt…

Als Film über die weltberühmte Romy Schneider ist „3 Tage in Quiberon“ gut, da er die Schauspielerin nicht entmystifiziert. Als Film über die Mechanismen der (Klatsch-)Presse ist er dagegen noch besser – eben weil er sie entmystifiziert.


STEIG. NICHT. AUS!  | Regie: Christian Alvart | DE 2018

Auf dem Weg zur Arbeit bringt der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) noch schnell seine Kinder Josefine und Marius  zur Schule. Doch bereits kurz nachdem er das Auto startet, erhält er einen Anruf: Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung droht damit, eine Bombe, die unter dem Sitz versteckt ist, in die Luft zu sprengen, sollten Karl oder die Kinder versuchen auszusteigen! Vom Auto aus soll Karl in kürzester Zeit eine große Summe Geld beschaffen. Als seine Ehefrau Simone ihn verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt auch die Polizei die Verfolgung von Karl auf und schaltet Sprengstoffexpertin Pia Zach ein. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit: Der Bombe ausgeliefert und von der Polizei verfolgt, versucht Karl Brendt verzweifelt, seine Kinder und sich zu retten. 

„Steig. Nicht. Aus!“ ist ein intensives Thriller-Kammerspiel über einen Mann, dessen Leben von einer funktionierenden Telefonleitung abhängt. Das reduzierte Setting und die simple Grundidee sorgen für Hochspannung, die Action ist stark inszeniert. Lediglich zum Ende hin geht dem Film ein wenig die Puste aus.


DER SEX PAKT | Regie: Kay Cannon | USA 2018

Das „erste Mal“ am Tag des Abschlussballs – die drei besten Freundinnen Julie (Kathryn Newton), Kayla (Geraldine Viswanathan) und Sam (Gideon Adlon) schließen einen Pakt, denn sie können „es“ nicht mehr erwarten. Ihre Dates wissen noch nichts von ihrem Glück, genauso wenig wie ihre Eltern. Und so soll es auch bleiben. Doch leider haben sie die Rechnung ohne ihre überfürsorglichen Erziehungsberechtigten (Leslie Mann, John Cena und Ike Barinholtz) gemacht, die sich so schon immer ganz besondere Soren um ihre Sprösslinge machen. Die bekommen nämlich zufällig Wind davon und starten umgehend eine unbeholfene, überaus chaotische und absolut bizarre Nacht-und-Nebel-Aktion, um den Plan ihrer Kinder zu vereiteln. 

Zwischen derben Gags unterhalb der Gürtellinie und im Nichts verpuffenden Pointen verbirgt sich in „Der Sex Pakt“ eine durchaus charmante Geschichte über sich annähernde Eltern und ihre Kinder. Am meisten überzeugt allerdings die Interaktion der Darsteller, die sichtlich Spaß an der Sache hatten.


SPIELMACHER  | Regie: Timon Modersohn | DE 2018

Der vorbestrafte Ex-Fußballer Ivo (Frederick Lau) lernt den hoch talentierten Nachwuchsspieler Lukas kennen. Ivo unterstützt den Jungen bei dessen Traum von der Profi-Karriere – auch um den Schmerz seines eigenen geplatzten Traums zu lindern, denn ihm hätte eine große Karriere bevorgestanden, wäre er nicht auf die schiefe Bahn geraten. Als sich Ivo in Lukas’ Mutter Vera verliebt, scheint sich ihm tatsächlich ein neues Leben zu eröffnen. Doch seine kriminelle Vergangenheit holt ihn ein: Der charismatische Dejan (Oliver Masucci) wird auf Ivo aufmerksam und verwickelt ihn immer weiter in illegale Machenschaften abseits des Fußballsports, als er seine Empfänglichkeit für Sportwetten erkennt. Zu spät merkt Ivo, dass auch Lukas längst Teil von Dejans Plänen ist. Um den Jungen vor dem gleichen Schicksal wie dem eigenen zu bewahren, setzt Ivo alles auf eine Karte. 

In Timon Modersohns Regiedebüt „Spielmacher“ folgt auf jedes Pro ein Contra – das macht den stylischen Glücksspiel-Thriller mit Frederick Lau in einer starken Hauptrolle zu einem zwar interessanten, aber nie so ganz runden Kinoerlebnis.


A QUIET PLACE | Regie: John Krasinski | USA 2018

Die Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war. Menschen gibt es kaum noch. Und die wenigen Überlebenden sind zu ewigem Schweigen verpflichtet. So auch die ganze Familie von Lee, der mit seiner schwangeren Ehefrau Evelyn und seinen beiden Kindern Marcus und Regan in einem großen Farmhaus inmitten von Maisfeldern lebt. Hier kämpfen die vier mit jedem Atemzug erneut ums Überleben, denn sobald sie auch nur einen Laut von sich geben, schweben sie in größter Gefahr. Riesige Monster machen Jagd auf alles, was Geräusche von sich gibt und haben einen Großteil der Menschheit bereits vernichtet. Die Familie hat sich in ihrem Zuhause so gut wie möglich mit der Situation arrangiert und vermeidet konsequent jeden Ton. Doch über 400 Tage nach der Invasion der Monster steht die Geburt von Evelyns Baby kurz bevor… 

Das Grundkonzept von „A Quiet Place“ könnte einem Kurzfilm zu absolutem Kultstatus verhelfen – es ist gleichermaßen simpel wie genial. Ausgedehnt auf 90 Minuten ist John Krasinskis Creature-Feature allerdings nur eines von vielen.


DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN | Regie: Oded BinnunMihal Brezis | USA 2018

Der alternde Griesgram Rory MacNeil (Brian Cox) hat sein ganzes Leben auf der abgelegenen schottischen Insel Vallasay zugebracht. Hier geht er seiner Alltagsroutine nach, liefert sich Fehden mit einem alten Erzfeind und wähnt sich glücklicher, als sein Sohn, der mittlerweile in die Großstadt gezogen ist. Durch seinen Gesundheitszustand ist er gezwungen, seine geliebte Insel zu verlassen und seinen ebendiesen Sohn in San Francisco zu besuchen. Über die Jahre hat sich Rory von seinem Ian (JJ Feild) entfremdet und es fällt ihm schwer, einen Zugang zu ihm zu finden. Ganz im Gegenteil zu seinem kleinen Enkelsohn, den er schnell in sein Herz schließt. Und so entdeckt der Querkopf neue Seiten an sich und anderen, und erkennt, dass ein Lächeln selbst den Tod überdauert, wenn man wirklich gelebt hat. 

„Das etruskische Lächeln“ zeigt nichts, was man in anderen Filmen über Generationskonflikte nicht schon besser gesehen hätte und packt noch eine ordentliche Portion Klischees obendrauf. Immerhin die Nebendarsteller und einige intime Momente überzeugen.

PAPA MOLL UND DIE ENTFÜHRUNG DES FLIEGENDEN HUNDES  | Regie: Manuel Flurin Hendry | CH 2017

Ein Wochenende allein zuhause mit den Kindern – und schon bricht bei Papa Moll (Stefan Kurt) das Chaos aus. Das beginnt eines frühen Morgens, als plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und der kleine Fritz den Wachtmeister Grimm (Erich Vock) mit einem Gummipfeil beschießt. Und dann wird Papa Moll auch noch zu Überstunden verdonnert. Während Papa Moll also das Wochenende in der Schokoladenfabrik des berühmten Gründers Konrad Weich (Pierre Siegenthaler) verbringen muss, entbrennt zwischen seinen Kindern Evi (Luna Palano), Fritz (Maxwell Mare) und Willy (Yven Hess) sowie dem Nachwuchs seines Chefs Stuss ein gnadenloser Kampf: um Zuckerwatte, Schokolade, Strafaufgaben und den berühmtesten Zirkushund der Welt – Katovl Houdini. 

„Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ wirkt wie aus der Zeit gefallen. Damit meinen wir allerdings nicht das positive „zeitlos“, sondern eher das negative „altbacken“. Einen biedereren Kinder- und Familienfilm wird man in diesem Jahr kaum sehen.


LAYLA M. | Regie: Mijke de Jong | NED/BEL/DE 2017

Layla ist ein 18-jähriges Mädchen, geboren und aufgewachsen in Amsterdam. Sie ist klug, launisch, dickköpfig und von marokkanischer Herkunft. In Zeiten ständiger terroristischer Bedrohung, hat sie mit dem steigenden Argwohn gegenüber Frauen mit Kopftuch und bärtigen Männern zu kämpfen, den sie tagtäglich miterleben muss. Doch die anwachsende Frustration, stärkt ihren Glauben. Im Zuge dessen tritt sie einer muslimischen Gruppe bei, die für die islamische Freiheit kämpft. Layla veröffentlicht Filme im Internet und erstellt politische Flyer, die den syrischen Horror und die Grausamkeiten in Gaza zeigen – und gleichzeitig flirtet sie mit dem charismatischen Abdel. Als ihr friedvoller Bruder und sie von der Polizei verhaftet werden, bleibt der gefühlsverletzten und in Angst verlorenen Layla keine andere Möglichkeit den Konflikten mit ihren Eltern zu entfliehen, als von Zuhause wegzulaufen…


 Heimkinotipp: A GHOST STORY  | Regie: David Lowery | USA 2017

Es geschieht ganz plötzlich und unerwartet: C kommt bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Doch kurz darauf kehrt sein Geist zurück. Der Illusion verschrieben, seiner Frau M bei ihrem Verlust beizustehen, muss er feststellen, dass er in einer neuen Gestalt, losgelöst von jeglicher Zeit, existiert. Als passiver Beobachter ist er gezwungen, schmerzlich dabei zuzusehen, wie ihm das Leben, das er kannte, entgleitet und die Frau, die er liebte, in eine neue Zukunft entschwindet. Unfähig seine Situation zu akzeptieren, vergehen Tage, Wochen und sogar Jahre, bis C verzweifelt erkennt, dass er womöglich für immer an dieses Dasein gefesselt sein wird. Während sich die Welt um ihn drastisch verändert, verblassen Stück für Stück die Konturen seiner eigenen Existenz.  

„A Ghost Story“ fühlt sich so an, als hätte sich Kinopoet Terrence Malick an der Inszenierung eines Horrorfilms versucht. Herausgekommen ist eine melancholische Trauerstudie in hypnotischen Bildern, die vor allem eines ist: aufregend!

Zehn Filme, die mich im 1. Quartal 2018 genervt haben

Zum Ende eines jeden Monats veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine fünf ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen Wochen. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY eben so gar nicht gefallen hat, präsentiere ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik nun nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme des vergangenen Quartals inklusive Trailer, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen drei Monate zu veröffentlichen. Viel Spaß!

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Das startet am 29. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 29. März, an dem es so scheint, als hätten die Verleiher Respekt vor „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“, der im Anbetracht des immensen Marketingaufwands als erster Anwärter auf einen der erfolgreichsten Filme des Jahres gehandelt werden dürfte. Das Restangebot gestaltet sich qualitativ übersichtlich, während der Bülent-Ceylan-Kinofilm „Verpiss Dich, Schneewittchen!“ der Presse noch nicht gezeigt wurde und somit bislang kein Urteil möglich ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

JIM KNOPF & LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER  | Regie:  Dennis Gansel | DE 2018

Eines Tages bringt der Postbote ein großes Paket auf die Insel Lummerland, eine kleine Insel mitten im Ozean. Die vier Bewohner Frau Waas, Herr Ärmel, König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte und Lukas der Lokomotivführer trauen ihren Augen nicht, als sie das Paket öffnen: Ein kleiner dunkelhäutiger Junge strahlt sie mit großen Kulleraugen an. Frau Waas beschließt, den kurzerhand auf den Namen Jim getauften Säugling bei sich aufzunehmen. Als Jim älter wird, schließt er auch mit dem Rest der Inselbewohner bald Freundschaft – besonders in Lukas hat er einen Zuhörer gefunden, mit dem er regelmäßig in seiner geliebten Lokomotive Emma quer über die Insel kurvt. Doch je älter Jim wird, desto mehr sehnt er sich nach der Antwort auf die Frage, wo er eigentlich herkommt…

„Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ ist ein mit viel Liebe zum Detail inszeniertes, handwerklich astreines Vergnügen für große und kleine Liebhaber der Vorlage, die sich inszenatorisch auf dem Niveau internationaler Großproduktionen befindet.


UNSANE – AUSGELIEFERT | Regie: Steven Soderbergh | USA 2018

Sawyer Valentini (Claire Foy) ist eine junge, erfolgreiche Frau, die nach einem unangenehmen Vorfall ihre Heimatstadt verlässt. In der Fremde will sie ihre belastende Vergangenheit ein für alle Mal hinter sich lassen, einen neuen Job beginnen, glücklich sein. Nach wie vor unter Angstzuständen leidend, nimmt sie eines Tages die Dienste einer Therapeutin in Anspruch. Kurz darauf wird sie gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Einrichtung festgehalten und mit ihrer größten Angst konfrontiert – aber ist sie real oder nur ihre Einbildung? Da anscheinend niemand bereit ist, ihr zu glauben und die Behörden ihr nicht helfen können oder wollen, muss sie sich mit ihren Ängsten direkt auseinandersetzen. Doch je tiefer Sawyer kramt, desto schlimmer wird es für sie…

Style-over-Substance in Reinkultur – das technische Konzept hinter Steven Soderberghs mit einem iPhone gedrehten Psychothriller „Unsane – Ausgeliefert“ ist beispielhaft und sorgt genau für die Beklemmung, die in diesem Szenario angebracht ist. Schade, dass hinter der Geschichte nicht dieselbe Cleverness steckt.

VOR UNS DAS MEER  | Regie: James Marsh | UK 2018

1968 im englischen Teignmouth: Donald Crowhurst (Colin Firth) ist ein wohlsituierter Familienvater und Hobbysegler, der seiner Familie die Probleme in der Firma bislang verschweigen konnte. Um seine Geldsorgen loszuwerden, nimmt er eines Tages beim Sunday Times Golden Globe Race teil. um der schnellste Mensch zu werden, der allein und ohne Zwischenstopp die Welt umsegelt. Mit seinem unfertigen, selbst entworfenen Boot und im Glauben, sich das für so eine Reise notwendige Fachwissen während der Fahrt selbst anzueignen, sticht Crowhurst schließlich in See. Seine Frau Clare (Rachel Weisz) und die gemeinsamen Kinder lässt er an Land zurück und begibt sich Hals über Kopf in ein gefährliches Abenteuer, das Geschichte schreiben wird. Ob aufgrund eines Sieges oder durch seinen Tod, steht dabei allerdings noch in den Sternen… 

„Vor uns das Meer“ ist ein unaufgeregtes Abenteuerdrama über einen Mann, dessen Scheitern vorbestimmt war. Colin Firth erweckt diesen Mann zum Leben und kann erzählerische Defizite weitestgehend ausgleichen. Trotzdem überzeugt die stilsichere Inszenierung mehr, als die Geschichte selbst, die letztlich zu viel behauptet und zu wenig zeigt.


IM ZWEIFEL GLÜCKLICH | Regie: Mike White | USA 2017

Eigentlich hat Brad (Ben Stiller) alles, um glücklich zu sein: Eine liebende Ehefrau (Jenna Fischer), eine erfüllende Arbeit und einen talentierten Sohn (Austin Abrams). Trotzdem beschleicht ihn ständig das Gefühl, nicht genug erreicht zu haben – im Gegensatz zu seinen früheren Studienfreunden, deren erfolgreiche Karrieren er neidisch aus der Ferne verfolgt. Als er mit seinem Sohn mögliche Colleges an der Ostküste besichtigt, ist eine Begegnung mit einem alten Freund unvermeidlich. Craig (Michael Sheen) ist inzwischen ein gefeierter Buchautor, wodurch Brad sein Mittelklassestatus umso schmerzhafter bewusst wird. Bis er bemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem erfolgreichem Leben und einem glücklichen. Auf der Reise mit seinem Sohn findet er langsam aber sicher zu sich selbst…

Ein Fazit zu „Im Zweifel glücklich“ fällt uns ebenso schwer, wie Ben Stiller in diesem Film das Glücklichsein. Einerseits gelingt Mike White mit seiner Tragikomödie eine sehenswerte Erzählung darüber, wie leicht es ist, sich selbst im Weg zu stehen. Andererseits fehlt es Skript und Inszenierung aber auch oft an Feinschliff, sodass der Film letztlich schwerfälliger daherkommt, als er müsste.


THE DEATH OF STALIN | Regie: Armando Iannucci | UK/USA/FR/BEL 2017

Moskau am 2. März 1953. Ein Mann liegt nach einem Schlaganfall im Sterben. Bald wird er das Zeitliche segnen – und wer es jetzt richtig anstellt, kann seinen Platz einnehmen. Der sterbende Mann heißt Josef Stalin (Adrian McLoughlin): Generalsekretär der UdSSR, Diktator, Tyrann und Massenmörder – und Musikliebhaber, was ihm an diesem Tag zum Verhängnis wird. Die folgenden Tage zwischen seinem unrühmlichen Ableben und seiner pompösen Beerdigung werden zu Tagen, in denen die Mitglieder des Politbüros mit allen Mitteln darum kämpfen, die Macht zu übernehmen. Tage, in denen sich der ganze Wahnsinn, die Verkommenheit und die alltägliche Unmenschlichkeit des Totalitarismus in allen Facetten offenbaren. Doch hinter dem Wahnsinn stecken Mord, Verfolgung und schwere Verbrechen an der Gesellschaft…

Eigentlich wollte Armando Iannucci eine satirische Komödie mit bösen Dramaeinschüben drehen, doch am Ende hat er zwei Filme gedreht: eine Comedy und ein hartes Kriegsdrama. Und das beides unter einen Hut zu bringen, ist ihm nicht ganz gelungen.


VERPISS DICH, SCHNEEWITTCHEN!  | Regie: Cüneyt Kaya | DE 2018

In seinen Träumen ist Sammy (Bülent Ceylan) ein Rockstar. Doch in der Realität jobbt und schrubbt er im Hamam seines Bruders Momo (Kida Khodr Ramadan). Plötzlich gibt ihm ein Musiklabel die Chance, bei einer Castingshow berühmt zu werden. Unter einer Bedingung: Der Solomusiker muss eine Band gründen. So wird aus Sammy, seiner Schwester Jessi (Josefine Preuß), dem alten Aushilfsmasseur Wolle (Paul Faßnacht) und dem dicken Mahmut (Özgür Karadeniz) kurzerhand die Gruppe „Hamam Hardrock“, eine unkonventionelle Truppe mit einem guten Gespür für Musik. Das Publikum feiert die originellen Newcomer, doch Labelchefin Thomaschewsky (Sabrina Setlur) will den Siegeszug der Multikulti-Rocker mit allen Mitteln verhindern.

„Verpiss dich, Schneewittchen!“ ist nicht die Vollkatastrophe, die sich anhand der Trailer erahnen ließ. Sie liegt in ihrem Anspruch, eine richtige Geschichte zu erzählen, sogar weit über diversen Filmen von Bülent Ceylans Comedykollegen. Doch als solcher ist die mit Nazikritik angereicherte Castingodysse leider weder Fisch noch Fleisch – nicht wirklich lustig und erst recht nicht ernsthaft dramatisch.


1000 ARTEN, DEN REGEN ZU BESCHREIBEN | Regie: Isa Prahl | DE 2017

Seit vielen Wochen ist die Tür zu: Mike (Béla Gabor Lenz), gerade 18 geworden, hat sich von dem einen auf den anderen Tag in seinem Zimmer eingeschlossen. Er ist nicht krank. Er hat sich einfach nur bewusst dazu entschieden, am Leben draußen nicht mehr teilzunehmen. Die Eltern Susanne (Bibiana Beglau) und Thomas (Bjarne Mädel) sowie Schwester Miriam (Emma Bading) stehen buchstäblich vor seiner Tür ˗ warten, fragen, fordern, flehen, rasten aus, verzweifeln, beschuldigen, ignorieren und hoffen. Dabei wird die Tür zwischen ihnen und Mike mehr und mehr zum Spiegel ihrer eigenen Geschichten. Je mehr sie nach Mikes Gründen forschen oder vor ihrer eigenen Ohnmacht fliehen, desto deutlicher werden ihnen ihre eigenen Verkettungen mit einem Leben, das sie nie wirklich hinterfragt haben, und das sie dem entsprechend nie wirklich bewusst angenommen haben.


VOR DEM FRÜHLING | Regie: George Ovashvili | GEO/DE/FR 2017

Der Präsident, einst Volksheld und Befreier seines Landes, wird entmachtet und muss in die wilde Gebirgsregion seiner Heimat flüchten, begleitet nur von einer Handvoll treuer Anhänger. In der Hoffnung auf loyale Unterstützer zu stoßen und die Macht wiederzuergreifen, ziehen sie über schneebedeckte Berge und unwegsame Pässe, durch tiefe Wälder und reißende Ströme – voll Schönheit und Gefahren. Durch den ständigen Wechsel der Verstecke versucht die Gruppe, ihren Gegnern zu entkommen, doch ein unsichtbarer Verfolger setzt sie unter unerschütterlichen psychologischen Druck. Die all umschließende Natur, ihr Zufluchtsort, stellt sich als unberechenbare Gewalt heraus, die sich jederzeit gegen sie wenden kann. Und auch nicht jedes abgelegene Heim ist von verbündeten Seelen bewohnt. Die Reise wird zu einer rastlosen – zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen Hoffnung und Zweifel. Wem kann der Präsident noch trauen?


 Heimkinotipp: PADDINGTON 2  | Regie: Paul King | UK/FR/USA 2017

Der liebenswerte Bär Paddington mit Schlapphut und Dufflecoat hat nicht nur bei Familie Brown ein Zuhause gefunden, er ist auch in der Nachbarschaft ein geschätztes Mitglied: Höflich, zuvorkommend und immer fröhlich – außerdem lieben alle seine Marmeladenbrote, ohne die er nie das Haus verlässt. Als der 100. Geburtstag von Tante Lucy ansteht, sucht Paddington nach einem geeigneten Geschenk. Fündig wird er im Antiquitäten-Laden des liebenswerten Mr. Gruber, das allerlei Schätze birgt: Ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch hat es Paddington angetan. Allerdings muss der kleine, tollpatschige Bär dafür ein paar Nebenjobs antreten – das Chaos ist vorprogrammiert. Und dann wird das Buch auch noch gestohlen! Paddington und die Browns folgen den Spuren des Diebs, der ein Meister der Verkleidung zu sein scheint… 

Paul King gelingt erneut ein Film, der dem Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und um sich im Hinblick auf unser Urteil zu Teil eins noch einmal zu steigern, genügt nur eine Erkenntnis: „Paddington 2“ ist in jeder Hinsicht makellos!

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