Schlagwort-Archiv: Komödie

Die Pariserin: Auftrag Baskenland

Der französische Shootingstar Élodie Fontane begibt sich für die absurde Actionkomödie DIE PARISERIN: AUFTRAG BASKENLAND von der Weltmetropole Paris in die französisch-spanische Grenzregion, um einem alternden Eisenwarenhändler sein Geschäft abzukaufen. Das ist ebenso absurd, wie es sich anhört, nicht immer komisch, aber definitiv einzigartig. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

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Das startet am 12. April 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 12. April, an dem das deutsche Kino triumphiert. Mit „3 Tage in Quiberon“ kommt der Favorit des Filmpreises in die Kinos, „Steig. Nicht. Aus!“ dagegen beweist mal wieder, wie routiniert auch deutsche Filmemacher Genrekino inszenieren können. Große Aufmerksamkeit wird auch „A Queit Place“ geschenkt – zu Unrecht, denn das starke Konzept funktioniert nicht über eine Spielfilm-Lauflänge. Über die Komödie „Der Sex Pakt“ und den Glücksspielthriller „Spielmacher“ dürfen wir indes noch kein Wort verlieren. Die Reviews dazu folgen in den kommenden Tagen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

3 TAGE IN QUIBERON  | Regie:  Emily Atef | DE/AT/FR 2018

1981 verbringt der Weltstar Romy Schneider (Marie Bäumer) drei Tage mit ihrer besten Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) in dem kleinen bretonischen Kurort Quiberon, um sich dort vor ihrem nächsten Filmprojekt ein wenig Ruhe zu gönnen. Trotz ihrer negativen Erfahrungen mit der deutschen Presse willigt die zurückhaltende Schauspielerin in ein Interview mit dem STERN-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) ein, zu dem der von Romy Schneider geschätzte Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner) die dazugehörige Fotostrecke liefert. Aus dem geplanten Termin entwickelt sich ein drei Tage andauerndes Katz- und Mausspiel zwischen dem Journalisten und der Ausnahmekünstlerin, das auch Robert Lebeck und Romys Freundin Hilde an ihre Grenzen bringt…

Als Film über die weltberühmte Romy Schneider ist „3 Tage in Quiberon“ gut, da er die Schauspielerin nicht entmystifiziert. Als Film über die Mechanismen der (Klatsch-)Presse ist er dagegen noch besser – eben weil er sie entmystifiziert.


STEIG. NICHT. AUS!  | Regie: Christian Alvart | DE 2018

Auf dem Weg zur Arbeit bringt der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) noch schnell seine Kinder Josefine und Marius  zur Schule. Doch bereits kurz nachdem er das Auto startet, erhält er einen Anruf: Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung droht damit, eine Bombe, die unter dem Sitz versteckt ist, in die Luft zu sprengen, sollten Karl oder die Kinder versuchen auszusteigen! Vom Auto aus soll Karl in kürzester Zeit eine große Summe Geld beschaffen. Als seine Ehefrau Simone ihn verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt auch die Polizei die Verfolgung von Karl auf und schaltet Sprengstoffexpertin Pia Zach ein. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit: Der Bombe ausgeliefert und von der Polizei verfolgt, versucht Karl Brendt verzweifelt, seine Kinder und sich zu retten. 

„Steig. Nicht. Aus!“ ist ein intensives Thriller-Kammerspiel über einen Mann, dessen Leben von einer funktionierenden Telefonleitung abhängt. Das reduzierte Setting und die simple Grundidee sorgen für Hochspannung, die Action ist stark inszeniert. Lediglich zum Ende hin geht dem Film ein wenig die Puste aus.


DER SEX PAKT | Regie: Kay Cannon | USA 2018

Das „erste Mal“ am Tag des Abschlussballs – die drei besten Freundinnen Julie (Kathryn Newton), Kayla (Geraldine Viswanathan) und Sam (Gideon Adlon) schließen einen Pakt, denn sie können „es“ nicht mehr erwarten. Ihre Dates wissen noch nichts von ihrem Glück, genauso wenig wie ihre Eltern. Und so soll es auch bleiben. Doch leider haben sie die Rechnung ohne ihre überfürsorglichen Erziehungsberechtigten (Leslie Mann, John Cena und Ike Barinholtz) gemacht, die sich so schon immer ganz besondere Soren um ihre Sprösslinge machen. Die bekommen nämlich zufällig Wind davon und starten umgehend eine unbeholfene, überaus chaotische und absolut bizarre Nacht-und-Nebel-Aktion, um den Plan ihrer Kinder zu vereiteln. 

Zwischen derben Gags unterhalb der Gürtellinie und im Nichts verpuffenden Pointen verbirgt sich in „Der Sex Pakt“ eine durchaus charmante Geschichte über sich annähernde Eltern und ihre Kinder. Am meisten überzeugt allerdings die Interaktion der Darsteller, die sichtlich Spaß an der Sache hatten.


SPIELMACHER  | Regie: Timon Modersohn | DE 2018

Der vorbestrafte Ex-Fußballer Ivo (Frederick Lau) lernt den hoch talentierten Nachwuchsspieler Lukas kennen. Ivo unterstützt den Jungen bei dessen Traum von der Profi-Karriere – auch um den Schmerz seines eigenen geplatzten Traums zu lindern, denn ihm hätte eine große Karriere bevorgestanden, wäre er nicht auf die schiefe Bahn geraten. Als sich Ivo in Lukas’ Mutter Vera verliebt, scheint sich ihm tatsächlich ein neues Leben zu eröffnen. Doch seine kriminelle Vergangenheit holt ihn ein: Der charismatische Dejan (Oliver Masucci) wird auf Ivo aufmerksam und verwickelt ihn immer weiter in illegale Machenschaften abseits des Fußballsports, als er seine Empfänglichkeit für Sportwetten erkennt. Zu spät merkt Ivo, dass auch Lukas längst Teil von Dejans Plänen ist. Um den Jungen vor dem gleichen Schicksal wie dem eigenen zu bewahren, setzt Ivo alles auf eine Karte. 

In Timon Modersohns Regiedebüt „Spielmacher“ folgt auf jedes Pro ein Contra – das macht den stylischen Glücksspiel-Thriller mit Frederick Lau in einer starken Hauptrolle zu einem zwar interessanten, aber nie so ganz runden Kinoerlebnis.


A QUIET PLACE | Regie: John Krasinski | USA 2018

Die Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war. Menschen gibt es kaum noch. Und die wenigen Überlebenden sind zu ewigem Schweigen verpflichtet. So auch die ganze Familie von Lee, der mit seiner schwangeren Ehefrau Evelyn und seinen beiden Kindern Marcus und Regan in einem großen Farmhaus inmitten von Maisfeldern lebt. Hier kämpfen die vier mit jedem Atemzug erneut ums Überleben, denn sobald sie auch nur einen Laut von sich geben, schweben sie in größter Gefahr. Riesige Monster machen Jagd auf alles, was Geräusche von sich gibt und haben einen Großteil der Menschheit bereits vernichtet. Die Familie hat sich in ihrem Zuhause so gut wie möglich mit der Situation arrangiert und vermeidet konsequent jeden Ton. Doch über 400 Tage nach der Invasion der Monster steht die Geburt von Evelyns Baby kurz bevor… 

Das Grundkonzept von „A Quiet Place“ könnte einem Kurzfilm zu absolutem Kultstatus verhelfen – es ist gleichermaßen simpel wie genial. Ausgedehnt auf 90 Minuten ist John Krasinskis Creature-Feature allerdings nur eines von vielen.


DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN | Regie: Oded BinnunMihal Brezis | USA 2018

Der alternde Griesgram Rory MacNeil (Brian Cox) hat sein ganzes Leben auf der abgelegenen schottischen Insel Vallasay zugebracht. Hier geht er seiner Alltagsroutine nach, liefert sich Fehden mit einem alten Erzfeind und wähnt sich glücklicher, als sein Sohn, der mittlerweile in die Großstadt gezogen ist. Durch seinen Gesundheitszustand ist er gezwungen, seine geliebte Insel zu verlassen und seinen ebendiesen Sohn in San Francisco zu besuchen. Über die Jahre hat sich Rory von seinem Ian (JJ Feild) entfremdet und es fällt ihm schwer, einen Zugang zu ihm zu finden. Ganz im Gegenteil zu seinem kleinen Enkelsohn, den er schnell in sein Herz schließt. Und so entdeckt der Querkopf neue Seiten an sich und anderen, und erkennt, dass ein Lächeln selbst den Tod überdauert, wenn man wirklich gelebt hat. 

„Das etruskische Lächeln“ zeigt nichts, was man in anderen Filmen über Generationskonflikte nicht schon besser gesehen hätte und packt noch eine ordentliche Portion Klischees obendrauf. Immerhin die Nebendarsteller und einige intime Momente überzeugen.

PAPA MOLL UND DIE ENTFÜHRUNG DES FLIEGENDEN HUNDES  | Regie: Manuel Flurin Hendry | CH 2017

Ein Wochenende allein zuhause mit den Kindern – und schon bricht bei Papa Moll (Stefan Kurt) das Chaos aus. Das beginnt eines frühen Morgens, als plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und der kleine Fritz den Wachtmeister Grimm (Erich Vock) mit einem Gummipfeil beschießt. Und dann wird Papa Moll auch noch zu Überstunden verdonnert. Während Papa Moll also das Wochenende in der Schokoladenfabrik des berühmten Gründers Konrad Weich (Pierre Siegenthaler) verbringen muss, entbrennt zwischen seinen Kindern Evi (Luna Palano), Fritz (Maxwell Mare) und Willy (Yven Hess) sowie dem Nachwuchs seines Chefs Stuss ein gnadenloser Kampf: um Zuckerwatte, Schokolade, Strafaufgaben und den berühmtesten Zirkushund der Welt – Katovl Houdini. 

„Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ wirkt wie aus der Zeit gefallen. Damit meinen wir allerdings nicht das positive „zeitlos“, sondern eher das negative „altbacken“. Einen biedereren Kinder- und Familienfilm wird man in diesem Jahr kaum sehen.


LAYLA M. | Regie: Mijke de Jong | NED/BEL/DE 2017

Layla ist ein 18-jähriges Mädchen, geboren und aufgewachsen in Amsterdam. Sie ist klug, launisch, dickköpfig und von marokkanischer Herkunft. In Zeiten ständiger terroristischer Bedrohung, hat sie mit dem steigenden Argwohn gegenüber Frauen mit Kopftuch und bärtigen Männern zu kämpfen, den sie tagtäglich miterleben muss. Doch die anwachsende Frustration, stärkt ihren Glauben. Im Zuge dessen tritt sie einer muslimischen Gruppe bei, die für die islamische Freiheit kämpft. Layla veröffentlicht Filme im Internet und erstellt politische Flyer, die den syrischen Horror und die Grausamkeiten in Gaza zeigen – und gleichzeitig flirtet sie mit dem charismatischen Abdel. Als ihr friedvoller Bruder und sie von der Polizei verhaftet werden, bleibt der gefühlsverletzten und in Angst verlorenen Layla keine andere Möglichkeit den Konflikten mit ihren Eltern zu entfliehen, als von Zuhause wegzulaufen…


 Heimkinotipp: A GHOST STORY  | Regie: David Lowery | USA 2017

Es geschieht ganz plötzlich und unerwartet: C kommt bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Doch kurz darauf kehrt sein Geist zurück. Der Illusion verschrieben, seiner Frau M bei ihrem Verlust beizustehen, muss er feststellen, dass er in einer neuen Gestalt, losgelöst von jeglicher Zeit, existiert. Als passiver Beobachter ist er gezwungen, schmerzlich dabei zuzusehen, wie ihm das Leben, das er kannte, entgleitet und die Frau, die er liebte, in eine neue Zukunft entschwindet. Unfähig seine Situation zu akzeptieren, vergehen Tage, Wochen und sogar Jahre, bis C verzweifelt erkennt, dass er womöglich für immer an dieses Dasein gefesselt sein wird. Während sich die Welt um ihn drastisch verändert, verblassen Stück für Stück die Konturen seiner eigenen Existenz.  

„A Ghost Story“ fühlt sich so an, als hätte sich Kinopoet Terrence Malick an der Inszenierung eines Horrorfilms versucht. Herausgekommen ist eine melancholische Trauerstudie in hypnotischen Bildern, die vor allem eines ist: aufregend!

Das startet am 5. April 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 5. April, an dem ein Start besonders spannend ist: die neue Steven-Spielberg-Produktion „Ready Player One“. Entsprechend zurückhaltend präsentiert sich das restliche Programm, das zwar einige interessante und hochwertige Starts vorzuweisen hat, die allerdings eher unter die Kategorie „Geheimtipps“ fallen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

FILM STARS DON’T DIE IN LIVERPOOL  | Regie:  Paul McGuigan | UK 2017

Der träumerische Nachwuchsschauspieler Peter Turner (Jamie Bell) lernt im Jahr 1978 in Liverpool durch Zufall die exzentrische Diva und spätere Oscar-Preisträgerin Gloria Grahame (Annette Bening) kennen. Die beiden freunden sich an, tauschen sich über ihren Beruf aus, doch mit der Zeit entwickelt sich mehr aus dieser oberflächlichen Freundschaft. Was als aufregende Affäre zwischen einer legendären Femme Fatale und ihrem jungen Liebhaber weitergeht, entwickelt sich schließlich zu einer ernsthafteren Beziehung, in welcher Turner mehr und mehr zu einem engen Vertrauten für Gloria wird. Sie hält mehrere Jahre an, bis Dinge passieren, die sich ihrer Kontrolle entziehen, werden ihre Leidenschaft und ihre Lust am Leben auf eine harte Probe gestellt.

„Film Stars Don’t Die in Liverpool“ ist eine melancholische Liebesgeschichte über eine außergewöhnliche Beziehung, die sich nicht über den Altersunterschied von knapp dreißig Jahren definiert, sondern für die tiefe Verbindung der beiden Hauptfiguren, die Annette Bening und Jamie Bell mit viel Hingabe und Feingefühl verkörpern.


GHOSTLAND  | Regie: Pascal Laugier | FR/CAN 2018

Nach dem Tod ihrer Tante bezieht Pauline mit ihren beiden Töchtern Beth (Crystal Reed) und Vera (Anastasia Phillips) das alte, mit Kuriositäten vollgestopfte Haus der Verstorbenen. Gleich in der ersten Nacht im neuen Heim werden sie jedoch von brutalen Einbrechern überfallen, die die drei Frauen übel zurichten. Das Trauma sitzt tief und prägt die Schwestern bis ins Erwachsenenalter. Beth hat ihre persönliche Bewältigungsstrategie im Schreiben gefunden und ist erfolgreiche Autorin von Horrorliteratur. Vera hingegen lebt immer noch mit ihrer Mutter in dem alten Haus, leidet unter paranoiden Wahnvorstellungen und verliert zunehmend den Verstand. 16 Jahre nach dem Vorfall kehrt Beth an den Ort des Geschehens zurück – was sich als schrecklicher Fehler erweist… 

Für ein ähnlich bahnbrechendes Erlebnis wie „Martyrs“ fehlt es Pascal Laugiers neuestem Film „Ghostland“ an Innovation. Doch auch ohne diese ist der äußerst beklemmend inszenierte Terrorthriller ein fieses Vergnügen und eine charmante Verbeugung vor bekannten Horrorikonen.


PIO | Regie: Jonas Carpignano | IT/BRA/DE/FR/SWE/USA 2017

Der 14-jährige Pio wächst in in einer italienischen Küstenstadt zwischen den einheimischen Dorfbewohnern, den Geflüchteten aus Afrika und seiner Roma-Community auf. Seine älteren Geschwister, die Tag für Tag durch die Gegend ziehen, einbrechen, stehlen und sich mit rivalisierenden Clans anlegen, verehrt er. Später möchte er einmal genau so sein wie sie, weshalb er sich bereits in jungen Jahren an kleineren Vergehen probiert, um endlich ernst genommen zu werden. Als sein großer Bruder Cosimo eines Tages spurlos verschwindet, wird Pios Leben auf eine harte Probe gestellt. Fortan ist er derjenige, der die Familie versorgen muss und beginnt, auf den Pfaden seiner Geschwister, Einbrüche zu begehen, Autos zu klauen und Reisende zu bestehlen. Doch irgendwo tief im Herzen weiß er, dass er das Lenkrad vielleicht noch rumreißen könnte, um nicht dort zu landen, wo seine Familie geendet ist…

Mit „Pio“ liefert Regisseur Jonas Carpignano einen ungeschönten Einblick in die Gesellschaft eines auch in Wirklichkeit existierenden Roma-Clans im Süden Italiens, bei dem er bei aller Drastik das Urteil über derartige Zustände dem Zuschauer überlässt. Nur so gelangt er besonders nah an die von sich selbst verkörperten Mitglieder der Amato-Familie heran und schafft es, uns ein Gefühl dafür zu geben, weshalb Menschen so sind, wie sie sind – selbst, wenn sie so sind wie hier.


READY PLAYER ONE | Regie: Steven Spielberg | USA 2018

Im Jahr 2045 ist die reale Welt nur schwer zu ertragen. Wirklich lebendig fühlt sich Wade Watts nur, wenn er in das gigantische virtuelle Universum OASIS entfliehen kann, in dem die Grenzen der Geografie, der Gesetze und auch der Identität aufgehoben sind – solange man nur seiner Fantasie freien Lauf lässt. Dort verbringen die meisten Menschen ihre Tage. Entwickelt wurde OASIS vom genialen, exzentrischen James Halliday, der sein ungeheures Vermögen und die totale Kontrolle über OASIS der ersten Person hinterlässt, die siegreich aus einem dreiteiligen Wettbewerb hervorgeht: Dadurch will Halliday sicherstellen, dass ein würdiger Erbe sein Nachfolger wird. Als Wade die erste Aufgabe der realitätsverändernden Schatzsuche löst, geraten er und seine Freundesclique, die High Five genannt wird, in ein fantastisches Universum voller Entdeckungen und Gefahren und bemühen sich, OASIS und ihre Welt zu retten. 

„Ready Player One“ wäre ein Durchschnittsblockbuster, hätte sich Steven Spielberg nicht dazu entschlossen, seine Reise in die virtuelle Welt zu einem spektakulären Abenteuerspielplatz zu machen, auf dem die erzählerischen Finessen nicht halb so viel zählen, wie die Verneigen vor der Popkultur an sich.

GRINGO  | Regie: Nash Edgerton | USA/AUS 2018

Eben noch war Harold Soyinka (David Oyelowo) ein unbescholtener US-Bürger mit glücklichem Privatleben und gutem Job in der Pharmaindustrie. Doch als er während eines Businesstrips nach Mexiko erfährt, dass seine Bosse Richard (Joel Edgerton) und Elaine (Charlize Theron) einen intriganten Coup planen und seine Frau Bonnie (Thandie Newton) ihn betrügt, hat er schlagartig nichts mehr zu verlieren. Harold inszeniert seine eigene Entführung und fordert ein hohes Lösegeld. Der vermeintlich geniale Plan geht allerdings mächtig nach hinten los, denn Harold ist ohne es zu wissen tief in schmutzige Deals verstrickt. Plötzlich macht alle Welt Jagd auf den Gringo: das mexikanische Drogenkartell, ein gnadenloser Ex-Söldner, schließlich gar die US-Drogenfahndung. Harold wird viel Glück brauchen, um diesen Schlamassel lebend zu überstehen… 

Als schnörkellose Actioncomedy rund um ein vorgetäuschtes Kidnapping könnte „Gringo“ richtig gut sein, doch Nash Edgerton verzettelt sich in Belanglosigkeiten, die seine Geschichte verwässern. Daran ändern auch die stark aufspielenden Darsteller nichts.


DAS ZEITRÄTSEL | Regie: Ava DuVernay | USA 2018

Meg Murry ist ein typischer Teenager, der einfach nur dazugehören möchte. Die Tochter zweier weltberühmter Physiker ist, genau wie ihr kleiner Bruder Charles Wallace, hochintelligent und auf einzigartige Weise begabt. Was ihr Leben allerdings noch komplizierter macht, ist das plötzliche Verschwinden ihres Vaters. Als Meg herausfindet, dass es etwas mit dem geheimen Projekt ihrer Eltern zu tun haben muss, nimmt die Sache ganz neue Dimensionen an: Um ihren Vater zu finden müssen Meg, ihr Klassenkamerad Calvin und ihr Bruder dieser mysteriösen Erfindung auf den Grund gehen und sich auf eine gewagte Expedition durch Raum und Zeit begeben, in der sie in Welten vordringen, die sich jenseits jeder Vorstellungskraft befinden. Neben vielen Gefahren gibt es allerdings auch unerwartete Hilfe von drei rätselhaften überirdischen Wesen Mrs. Welche, Mrs. Soundso und Mrs. Wer, die sie auf ihrem Weg begleiten. 

Dieser Flop ist hausgemacht! Mit einer dahinsiechenden Geschichte, ätzenden Figuren und größtenteils unecht wirkenden Effekten, gehört „Das Zeiträtsel“ zu den schlechtesten Filmen, die der Disney-Konzern in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Das ändern auch eine Handvoll schmucker Setpieces und eine stark aufspielende Hauptdarstellerin nicht.


TRANSIT  | Regie: Christian Petzold | DE/FR 2018

Die deutschen Truppen stehen vor Paris. Georg, deutscher Flüchtling, entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat: Ein Manuskript, Briefe, die Zusicherung eines Visums durch die mexikanische Botschaft. In Marseille darf nur bleiben, wer beweisen kann, dass er gehen wird. Visa für die möglichen Aufnahmeländer werden gebraucht, Transitvisa, die raren Tickets für die Schiffspassage. Georg erinnert sich der Papiere Weidels und nimmt dessen Identität an. Er taucht ein in die ungefähre Existenz des Transits. Flüchtlingsgespräche in den Korridoren des kleinen Hotels, der Konsulate, in den Cafés und Bars am Hafen. Er freundet sich mit Driss an, dem Sohn seines auf der Flucht gestorbenen Genossen Heinz. Wozu weiterreisen? Lässt sich anderswo ein neues Leben beginnen?


DAS MÄDCHEN AUS DEM NORDEN | Regie: Amanda Kernell | NOR/DK/SWE 2016

Im traditionellen Schweden der 1930er-Jahre besucht die ehrgeizige angehende Rentierzüchterin Elle Marja (Lene Cicilia Sparrok) mit ihrer Schwester (Mia Erika Sparroks) eine gehobene Internatsschule in Lappland. Sie gehört dem Volk der Samen an, deren Alltag von Vorurteilen und Ausgrenzung durch ihre Mitschüler und Lehrer geprägt ist. Elle Marja bemüht sich um die Anerkennung ihrer ihr zugewandten Lehrerin in der Hoffnung, so ihrem Traum von einem freien Leben näher zu kommen. Doch als an der Schule erniedrigende, rassen-biologische Untersuchungen durchgeführt werden, entscheidet sie sich für einen radikalen Schritt: Das intelligente, willensstarke und rebellische Mädchen bricht mit ihrer Familie und macht sich auf den Weg nach Uppsala, um eines neues, unabhängiges Leben zu führen. Vielleicht als Rentierzüchterin, vielleicht als etwas ganze Anderes…


Heimkinotipp: DETROIT  | Regie: Kathryn Bigelow | USA 2017

Der Sommer 1967 ist ein ausschlaggebender Moment in der modernen amerikanischen Geschichte, als das Land von wachsenden politischen und sozialen Unruhen heimgesucht wird. Die Eskalation des Vietnamkriegs sowie jahrzehntelange Ungleichheit und Unterdrückung fordern ihren Tribut. Die Unzufriedenheit und kochende Wut finden schließlich ihren Höhepunkt in den Großstädten, wo die afroamerikanische Gemeinschaft seit jeher mit systematischer Diskriminierung sowie hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Als zwei Tage nach Beginn der Rebellionen auf der Anlage eines Motels Pistolenschüsse gemeldet werden, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an. Statt sachlich zu ermitteln, kommt es zu einer von Vorurteilen und Gewalt geprägten Razzia. Die anwesenden Motelgäste müssen sich einem gefährlichen Verhör unterziehen, bis alles eskaliert.

„Detroit“ ist ein erschütterndes Dokument sinnlosen Rassenhasses und veranschaulicht die Ereignisse einer Nacht im sozialpolitisch äußerst angespannten Detroit Ende der Sechzigerjahre. Eine Tour de Force für Zuschauer und Darsteller, die sich die Seele aus dem Leib spielen, um daran zu erinnern, dass es so etwas wie damals nie wieder geben darf.

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