Schlagwort-Archiv: Thriller

Das startet am 4. Mai 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 4. Mai – und es ist vermutlich die stärkste Kinowoche, die das Kinojahr 2017 zu bieten hat. Zumindest von der Qualität her. Ein Besuch von „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist Pflicht, doch auch Horrorfans kommen mit „Get Out“ voll auf ihre Kosten. Wer Mut hat, auch mal experimenteller Filmkost aus Deutschland eine Chance zu geben, für den ist „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ die Empfehlung der Woche. Der Rest kann da nur schwer mithalten… 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT  | Regie: J.A. Bayona | UK/ESP/USA 2016

Das Leben des jungen Conor (Lewis MacDougall) ist alles andere als sorglos: Seine Mutter (Felicity Jones) ist ständig krank, er muss deshalb bei seiner unnahbaren Großmutter (Sigourney Weaver) wohnen, und in der Schule verprügeln ihn die großen Jungs. Kein Wunder, dass er jede Nacht Albträume bekommt. Doch dann wird alles anders: Als er wieder einmal schweißgebadet – um punkt sieben Minuten nach Mitternacht – aufwacht, hat sich der alte Baum vor seinem Fenster in ein riesiges Monster verwandelt und spricht zu ihm. Ist das noch der Traum – oder ist es Realität? Das weise Monster beginnt, ihm Geschichten zu erzählen. Fortan kommt sein ungewöhnlicher Freund jede Nacht und seine Erzählungen führen Conor auf den Weg zu einer überwältigenden Wahrheit…

Ein Fazit zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ zu verfassen, würde bedeuten, all die von diesem Film ausgehende Wucht zusammenfassen zu wollen. Zu zähmen, was nicht gezähmt werden darf, die Kraft zu bündeln, und zum Abschluss zu bringen was auch nach seinem Ende noch fortbestehen muss. Ein Film wie dieser braucht kein Fazit. Er braucht ja noch nicht einmal eine Kritik…


GET OUT  | Regie: Jordan Peele | USA 2017

Ein Landhaus im Grünen, ein Wochenende bei den Schwiegereltern in spe, der Empfang ist herzlich – vielleicht eine Spur „zu herzlich“. Schnell muss Chris (Daniel Kaluuya) feststellen, dass mit der Familie seiner Freundin Rose (Allison Williams) etwas nicht stimmt. Was führen der scheinbar so weltoffene Dean (Bradley Whitford) und seine Gattin Missy (Catherine Keener), einer der Hypnose mächtige Frau, im Schilde? Es kommt zu bizarren Zwischenfälle, die den vermeintlich entspannten Antrittsbesuch unversehens in einen ausgewachsenen Alptraum für den Familien-Neuling machen sollen. Denn hier herrscht ein nie dagewesener Kampf zwischen schwarz und weiß.

Erst brennt sich der paralysierende Song „Run, Rabbit, Run“ in die Köpfe der Zuschauer, später kommt man in den zweifelhaften Genuss einer Bedrohung, die sich partout nicht greifen lässt und irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, wie penibel durchdacht und brillant das Konzept von „Get Out“ aufgebaut ist. Wir legen es jedem ans Herz, diesen Film für sich zu entdecken.


EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID | Regie: Lars Montag | DE 2017

Irgendwo in Deutschland leben Menschen wie Du und ich. Sie alle sind Gefangene in einem Netz aus Neurosen, Ängsten, aber auch aus Sehnsüchten und Träumen. Da ist zum Beispiel Ecki. Ecki, 55, war mal Lehrer. Und zwar ein guter. Bis dieses Mädchen behauptet hat, er habe sie angegrapscht. Eine dreiste Lüge! Dann wäre da noch Thomas, 43. Thomas ist ein echter Mann. Angst? Fehlanzeige. Er passt auf Carla auf. Mit Leuten mit Migrationshintergrund hat er es nicht so. Carla, 27, will stark sein. Trotz der Sache mit dem Ausländer. Thomas hilft ihr dabei. Aber eigentlich kann das Carla auch ganz alleine. Auch Robert hadert mit sich. Robert, 53, hat keine Struktur mehr (sagt seine Frau), aber Familie: Maschjonka, Swentja und Sonja. Aber die brauchen ihn eigentlich nicht. Deshalb hätte er er gern einen Freund…

Mit seiner unverblümten Romanverfilmung „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ riskiert Regisseur Lars Montag viel – und gewinnt auf ganzer Linie. In mehreren Episoden entblößt die Hardcore-Komödie den Menschen an sich und gibt dabei nicht bloß unsere eigene Erwartung, sondern auch die Mechanismen des deutschen Anspruchskinos der Lächerlichkeit preis. Grandios!


VICTORIA – MÄNNER & ANDERE MISSGESCHICKE | Regie: Justine Triet | FR 2016

Victoria (Virginie Efira) ist Anwältin in Paris, Ende 30, alleinerziehend, hat ein lockeres Sex-Leben und ist charmant-egozentrisch. Bei einer Hochzeit trifft sie ihren guten Freund Vincent (Melvil Poupaud) sowie Samuel (Vincent Lacoste), einen Klein-Dealer, den sie vor einiger Zeit verteidigt hat. Tags darauf steht Vincent unter Anklage wegen versuchtem Mord an seiner Freundin. Einziger Zeuge ist der Dalmatiner des Opfers. Widerwillig übernimmt Vitoria seine Verteidigung. Als sie dann auch noch Sam als Au Pair Boy einstellt, nimmt das Chaos in Victorias Leben seinen Lauf. Dabei sieht sie sich plötzlich vor Herausforderungen gestellt, für die sie vielleicht auch mal die Hilfe ihres Umfelds entgegen nehmen muss. Doch dafür müsste sie über ihren eigenen Schatten springen…

Bei „Victoria – Männer & andere Missgeschicke“ sollte man sich auf gar keinen Fall von dem konventionellen Untertitel abschrecken lassen. Gemeinsam mit der umwerfenden Virginie Efira gelingt Regisseurin Justine Triet das überraschend tiefgründige Charakterporträt einer widersprüchlichen, jedoch nicht minder aufregenden Frau, das in den entscheidenden Momenten zwischen Komik und Tragik wechselt.


5 FRAUEN | Regie: Olaf Kraemer | DE 2016

Marie (Anna König), Anna (Korinna Krauss), Ginette (Odine Johne), Nora (Kaya Marie Möller) und Stephanie (Julia Dietze) sind Freundinnen seit Kindertagen. Wie jeden Sommer treffen sich die fünf Frauen auf dem südfranzösischen Landgut von Maries Eltern, um ein ganzes Wochenende nur unter sich zu sein. Doch ihr Wiedersehen wird gleich in der ersten Nacht gestört von einem Unbekannten, der ins Haus einbricht. In einem Moment des Überschwangs geschieht ein Unglück und so stehen die Freundinnen am nächsten Morgen vor einer Leiche, die sie möglichst unauffällig verschwinden lassen müssen. Als ein attraktiver Fremder auftaucht, der behauptet seinen Bruder zu suchen, wird die Freundschaft der Frauen auf eine harte Probe gestellt.

Man möchte Olaf Kraemer das fertige Werk mit den Worten zurück geben, dass dieser erste Entwurf ja immerhin einigermaßen vielversprechend sei, es allerdings noch reichlich Zeit und Arbeit in Anspruch nehme, bis hieraus ein guter Film wird. Große Namen im Cast und die Besinnung darauf, dass all das hier ja reine Fiktion ist, können nichts daran ändern, dass „5 Frauen“ darstellerisch, technisch und erzählerisch an allen Ecken und Enden gescheitert ist.


REGELN SPIELEN KEINE ROLLE |  Regie: Warren Beatty | USA 2016

Hollywood, 1958. Eine junge Amerikanerin, die von einer großen Karriere als Schauspielerin träumt, und ihr ehrgeiziger junger Fahrer verfolgen ihre Ziele voller Hoffnungen. Doch sie haben mit den absurden Regeln und dem exzentrischen Wesen des völlig unberechenbaren Milliardärs Howard Hughes zu kämpfen, für den beide arbeiten. Marla Mabrey, Kleinstadt-Schönheitskönigin, Songwriterin, fromme Baptistin und noch Jungfrau, steht seit Kurzem bei dem berühmt-berüchtigten Milliardär Howard Hughes unter Vertrag. Als sie in Los Angeles landet, lernt sie am Flughafen ihren Fahrer Frank Forbes kennen. Der tiefreligiöse Methodist ist seit der siebten Klasse mit einem Mädchen zusammen, das er nach der bereits erfolgten Verlobung demnächst auch heiraten will. Doch vom ersten Moment an fühlen sich Marla und Frank zueinander hingezogen, doch diese Liebe steht unter keinem guten Stern…


SHIN GODZILLA | Regie: Hideaki Anno | JP 2016

In der Bucht von Tokio kommt es zu unerklärlichen Ereignissen: Eine Yacht treibt auf dem Wasser, der Besitzer ist spurlos verschwunden. Zur gleichen Zeit scheint unweit davon wie aus dem Nichts ein Vulkan auf dem Meeresgrund auszubrechen. Doch schnell wird klar, dass die Geschehnisse von einem lebenden Organismus ausgegangen sein müssen. Erste Videos der unbekannten Kreatur tauchen auf: Es ist riesig und bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf die Stadt zu. Die Behörden müssen schnell handeln, um die Bevölkerung vor einer Katastrophe zu schützen. Doch in keinem Notfall-Plan der Welt ist geregelt, wie man mit einem unbekannten, gigantischen Monster umgeht. Einem Mitglied der Regierung werden bislang unveröffentlichte Aufsätze eines Forschers zugespielt, die das Geschöpf zu erklären versuchen – und ihm einen Namen geben: Godzilla! Ein Team aus Experten versucht, dem Monster den Garaus zu machen…


Heimkinotipp ROGUE ONE: A STAR WARS STORY  |  Regie: Gareth Edwards | USA 2016

Die junge Jyn Erso wächst schon in frühen Jahren als Waise auf. Mittlerweile schlägt sie sich mit größeren und kleinen Schandtaten durchs Leben, bis sie eines Tages von einer Gruppe von Rebellen angeheuert wird, um gemeinsam mit ihr dem Imperium entgegen zu treten. Unter der Führung von Widerstandskämpferin Mon Mothma soll sie die Pläne des Todessterns in ihre Gewalt bringen – der gefährlichsten Waffe, des Universums. Da auch Jyns Vater Erso einst an dem Bau des Zerstörers beteiligt war, erhoffen sich die Rebellen Insiderwissen von der toughen Lady und tatsächlich erklärt diese sich bereit, Teil dieses Teams aus ganz unterschiedlichen Widerständlern zu werden, um an der Seite von Captain Cassian Andor und dem ehemaligen Imperiumsdroiden K-2SO die Welt vor dem Todesstern zu beschützen. Dabei haben die drei die Rechnung ohne den imperialen Militärdirektor Krennic gemacht… 

Das betont düstere „Star Wars“-Spin-Off „Rogue One: A Star Wars Story“ ist eine Bereicherung für das Sternenkrieger-Universum und punktet zu gleichen Teilen mit virtuosen Effekten und einer spannenden Grundgeschichte. Weniger überzeugend geraten hingegen die eher oberflächlichen, wenn auch charismatischen Figuren sowie eine recht einfältige Dramaturgie.

Das startet am 27. April 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 27. April, der uns die lang erwartete Marvel-Fortsetzung „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ bringt, die dann vermutlich auch an den Kinokassen krachend einschlagen wird. Doch erstmals nach einer Reihe starker Comicverfilmungen kommt mit dieser leider „nur“ ein solider Film um die Ecke. Ein Run auf die Tickets ist dennoch vorprogrammiert. So richtig begeistern können dagegen andere Filme. Allen voran das französische Drama „Die Schlösser aus Sand“ punktet mit Wahrhaftigkeit und grenzenloser Emotionalität. Der Rest wird wohl kaum der Rede wert sein, auch wenn die deutsche Tragikomödie „Happy Burnout“ dank eines einprägsamen Titels und Starbesetzung vielleicht bei all jenen punkten könnte, die ab Donnerstag keine Lust auf Star-Lord, Rocket und Co. haben.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE SCHLÖSSER AUS SAND  | Regie: Olivier Nahan | FR 2015

Bretagne, Côtes d’Armor, Éléonore ist mit ihrem Ex-Freund Samuel in das Haus ihres Vaters am Meer zurückgekehrt, in dem sie und Samuel viele glückliche Sommer verbracht haben, als sie noch ein Paar waren. Nach dem Tod ihres Vaters muss Éléonore das Haus verkaufen und Samuel hat ihr angeboten ihr zu helfen es für die potentiellen Käufer herzurichten. Eigentlich wissen beide, dass sie noch viel für einander empfinden, aber dazu gemeinsam in schönen Erinnerungen zu schwelgen kommen sie nicht, denn die Immobilienmaklerin Claire führt einen potentiellen Käufer nach dem anderen durch das Haus und eine Nachbarin die das ganze aus der Ferne beobachtet, scheint ihre ganz eigenen Erinnerungen an das Haus und Éléonores Vater zu haben.

Dieses auf den ersten Blick so unscheinbare, französische Meisterwerk erzählt unter Zuhilfenahme wahrhaftiger Charaktere von den herzzerreißenden Stationen einer bitteren Liebe und findet mit der Zeit zu einer Leichtigkeit, die im romantischen Kino immer öfter ihresgleichen sucht.


 GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2  | Regie: James Gunn | USA 2017

Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt) und seine Bande exzentrischer Helden, von Baby Groot (Vin Diesel) über Rocket (Bradley Cooper/Fahri Yardim) bis hin zu Gamora (Zoe Saldana) haben gerade den Planeten Xandar und seine Bewohner gerettet und sind dadurch zu Popularität und Ruhm gelangt. Nun fliegen die Guardians als Söldner durchs All, um das Universum zu beschützen. Doch von einem Tag auf den anderen muss das Team darum kämpfen, die neu gefundene Familieneinheit zusammenzuhalten, als sie auf Peters Vater Ego (Kurt Russell) treffen. Aus alten Gegnern werden neue Verbündete und einmal mehr steht das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel. Den Guardians of the Galaxy stehen aufregende Zeiten bevor.

Mit „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ setzt Regiseur James Gunn dort an, wo er beim ersten Teil aufgehört hat und hält sich an das ungeschriebene Sequel-Grundgesetz, alles immer noch eine Spur bombastischer zu gestalten. Das Ergebnis ist ein cooler Fantasy-Actionfilm mit viel Krawumm, lustigen One-Linern aber nur allzu wenigen Charaktermomenten. An den Vorgänger kommt die Fortsetzung nicht heran.


SIEBZEHN | Regie: Monja Art | AT 2017

Die letzten Wochen vor den Sommerferien, irgendwo in Niederösterreich. Die 17-jährige Internatsschülerin Paula (Elisabeth Wabitsch) ist heimlich in ihre Freundin Charlotte (Anaelle Dézsy) verliebt. Doch die ist mit Michael  (Leo Plankensteiner) zusammen. Um sich von ihrem Liebeskummer abzulenken, lässt sich Paula auf ihren Schulfreund Tim (Alexander Wychodil) ein, der selbst echte Gefühle für sie hat. Paula ahnt dabei nicht, wie oft auch Charlotte in Wahrheit an sie denkt. Und plötzlich kommt auch noch Lilli (Alexandra Schmidt) ins Spiel, die sich danach sehnt, begehrt zu werden, und selbst als wilde Verführerin auftritt. Paula muss sich entscheiden, ob sie ihren eigenen Gefühlen folgt oder denen der anderen.

Regisseurin Monja Art gelingt mit „Siebzehn“ ein stark gespielter, authentischer Film über die verirrten Gefühlswelten moderner Teenager. Dabei verliert sie jedoch ab und an den Fokus und lässt Nebenhandlungsstränge so plötzlich auf- und wieder abtauchen, dass man als Zuschauer Mühe hat, das Interesse konsequent aufrecht zu erhalten.


HAPPY BURNOUT | Regie: André Erkau | DE 2017

Alt-Punk Fussel ist Frauenheld, Lebenskünstler und Systemverweigerer aus Überzeugung. Er lässt es lieber ruhig angehen, hat immer einen Spruch parat und wickelt mit seinem jungenhaft-sympathischen Charme die Bekanntschaft vom Supermarkt genauso um den Finger wie Frau Linde, seine Sachbearbeiterin im Arbeitsamt. Sie ist ihm verfallen und unterstützt seine Zurückhaltung bei der Arbeitssuche – bis eine interne Prüfung sie zwingt, aktiv zu werden. Zu einem Job lässt Fussel sich nicht überreden, daher vermittelt sie ihm etwas anderes: ein Arbeitsunfähigkeits-Attest, Diagnose Burnout, samt Therapie in einer stationären Klinik. So findet sich Chaot Fussel plötzlich zwischen echten Burnout-Patienten wieder, den Gestrandeten einer Gesellschaft im Effizienzwahn. Mit seiner unorthodoxen Art mischt er den Klinikalltag gehörig auf. 

„Happy Burnout“ ist eine solide Tragikomödie mit starken Hauptdarstellern und einprägsamen Charaktermomenten. Gäbe es von letzteren mehr, hätte dieser Film jedoch noch viel, viel stärker sein können.


UNFORGETTABLE: TÖDLICHE LIEBE | Regie: Denise Di Novi | USA 2017

Tessa Connover (Katherine Heigl) leidet immer noch darunter, dass ihre Ehe gescheitert ist, als ihr Ex-Mann David (Geoff Stults) sein neues Glück findet und sich mit Julia Banks (Rosario Dawson) verlobt. Damit zieht Julia nicht nur in das Haus, das Tessa und David gemeinsam bewohnt haben, sondern sie mischt sich auch ins Leben ihrer gemeinsamen Tochter Lilly (Isabella Rice) ein. Obwohl es für Julia gar nicht so leicht ist, ihre neue Rolle als Ehefrau und Stiefmutter zu definieren, ist sie dennoch davon überzeugt, den Mann ihrer Träume gefunden zu haben, weil er ihr helfen wird, ihre eigene traumatische Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch Tessas Eifersucht steigert sich bald zur Besessenheit: Sie schreckt vor nichts zurück, um Julias Traum in den ultimativen Albtraum zu verwandeln.

„Unforgettable“ ist inszenatorisch ein generischer Stalkingthriller, der dank einer routiniert-guten Rosario Dawson eine plausible und sympathische Hauptfigur zu bieten hat. Die zuletzt so häufig enttäuschende Katherine Heigl gibt im Ivanka-Trump-Look eine eisig-fiese Performance ab, aber das hastige Finale setzt zu sehr darauf, dass das Publikum das Geschehen nicht zu sehr hinterfragt – somit bleibt der Film Genre-Durchschnittsware.


MAIKÄFER, FLIEG! |  Regie: Mirjam Unger | AT 2016

Wien 1945: Das Ende des Zweiten Weltkrieges, gesehen mit Kinderaugen. Die neunjährige Christl weiß vom Frieden genauso wenig, wie die Kinder heute vom Krieg wissen. Ausgebombt und vollkommen mittellos flüchtet sie mit ihrer Familie in eine noble Villa in Neuwaldegg. Nach der Kapitulation der Nazis quartieren sich Soldaten der Roten Armee im Haus ein. Alle fürchten sich vor den als unberechenbar geltenden Russen. Nur Christl nicht. Für sie ist die allgemeine Anarchie vor allem ein großes Abenteuer und in Cohn, dem russischen Koch, findet sie sogar einen richtigen Freund. Doch das Schicksal schlägt untermüdlich zu…

„Maikäfer, flieg!“ nimmt ganz die Perspektive der kleinen Heldin ein. So muss Krieg gewesen sein, so lapidar im Alltag, so stechend im Bauch, so lustig, weil man an einem Wundertag den Teller ablecken durfte, ohne geschimpft zu werden.


 GIMME DANGER | Regie: Jim Jarmusch | USA 2016

Pünktlich zum siebzigsten Geburtstag: Jim Jarmuschs Musik-Doku über Rock-Ikone Iggy Pop.

Mitten in den 60er Jahren schlugen The Stooges mit ihrem gewaltigen und energischen Stil wie eine Bombe in die Musiklandschaft ein. Mit ihrem Mix aus Rock, Blues, R&B und Free Jazz hat die Band aus Ann Arbor, Michigan das Musikpublikum quasi überfallen und damit den Grundstein für das gelegt, was später gemeinhin als Punk und Alternative Rock bekannt wurde. Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ ist die Chronik der Geschichte von The Stooges – eine der größten Geschichten des Rock’n’Roll. Die Dokumentation wirft einen einzigartigen Blick auf die Erfolge und Misserfolge der Band und erzählt von Inspiration, dem harten Weg zu kommerziellem Erfolg und dem musikalischen Vermächtnis einer Band, die nicht nur musikalisch eine der wichtigsten ihrer Zeit war.


Heimkinotipp NOCTURNAL ANIMALS  |  Regie: Tom Ford | USA 2016

Die Kunsthändlerin Susan Morrow führt in Los Angeles ein privilegiertes, aber unerfülltes Leben. Als dieser erneut zu einer seiner zahlreichen Geschäftsreisen aufbricht, erhält sie ein Manuskript mit dem Titel „Nocturnal Animals“, geschrieben von ihrem Ex-Mann Edward Sheffield, mit dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. In der beigefügten Notiz fordert Edward sie auf, das Buch zu lesen. Der Roman ist Susan gewidmet, doch sein Inhalt ist brutal und niederschmetternd. Tief bewegt von Edwards Worten erinnert sich Susan an die intimsten Momente ihrer eigenen Liebesbeziehung zu ihm. Der Roman zwingt sie dazu, ihre selbst getroffenen Lebensentscheidungen in einem ganz neuen Licht zu sehen. Je weiter die Erzählung in „Nocturnal Animals“ auf eine Abrechnung zuläuft, desto dramatischere Auswirkungen hat sie… 

In „Nocturnal Animals“ steckt ein fieser Rachethriller alter Schule, doch Tom Ford verwässert ihn zusehends, indem er eine Erzählebene nach der anderen um ihn herum baut und am Ende ein verkopftes Psychospiel inszeniert, für das sich nach so viel berechnender Irreführung kaum noch Jemand interessiert.

Zehn Filme, die keiner mag – außer mir

Anlässlich des Kinostarts von „Fast & Furious 8“ habe ich Euch zwei Rankings versprochen: In der vergangenen Woche erschienen ZEHN FILME, DIE JEDER MAG – AUSSER MIR. Nun folgt, wie angekündigt, der Gegenentwurf. Ich präsentiere Euch heute ZEHN FILME, DIE KEINER MAG – AUSSER MIR und damit einen kleinen Einblick in meine ganz persönlichen Guilty Pleasures oder aber Filme, von denen ich finde, dass sie zu Unrecht von Kritikern und Zuschauern abgestraft wurde ich wünsche viel Spaß und weise zeitgleich darauf hin, dass einige Platzierungen im Folgenden ein wenig verstören könnten. Sagt am Ende nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!

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