Schlagwort-Archiv: Thriller

Das startet am 20. Juni 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 20. Juni, dessen qualitative Bandbreite größer nicht sein könnte. Jonathan Levine und Seth Rogen liefern mit „Long Shot“ die bislang witzigste Komödie des Jahres ab, während aus Deutschland eine filmische Frechheit kommt, die ihresgleichen sucht. Dazwischen gibt’s netten Horror, hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibende Romanzen und noch viel mehr.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH | Regie: Jonathan Levine | USA 2019

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und Charlotte Field (Charlize Theron) und Fred Flarsky (Seth Rogen) könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie, die bildschöne Außenministerin der Vereinigten Staaten, intelligent, gebildet und versiert. Er, ein durchaus talentierter Journalist mit leichtem Hang zum Chaotischen und auf den ersten Blick nicht besonders gutaussehend. Nichts verbindet die beiden, außer dass sie vor Jahren sein Babysitter und er unsterblich in sie verliebt war. Als die beiden sich nun durch Zufall auf einer Party wiedertreffen, stellt Charlotte ihn spontan als Redenschreiber ein. Stellt sich nur die Frage: Wie schafft man es, als Nerd eine wahnsinnig elegante Frau zu beeindrucken? Und wie gut ist die Idee, ein Verhältnis mit seiner Chefin anzufangen? Offenbar ist sie unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich…

„Long Shot“ ist smart, witzig, romantisch und von vorn bis hinten liebenswert. Derzeit gibt es keinen Film, nach dem man das Kino mit einem besseren Gefühl verlässt, als diese hochcharmante Mischung aus Comedy, Lovestory und Politsatire – und Seth Rogen und Charlize Theron haben eine Chemie miteinander, vor der man niederknien möchte.


BRIGHTBURN | Regie: David Yarovesky | USA 2019

Tory und Kyle Breyer wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind. Eines Tages finden sie einen kleinen Jungen in den nahegelegenen Wäldern, den sie mit zu sich nach Hause nehmen und Brandon taufen. Das Familienglück scheint endlich komplett, doch als Brandon das Teenageralter erreicht hat, beginnt er plötzlich, abnorme Kräfte zu entwickeln. Er schleudert nicht nur einen Rasenmäher hunderte Meter weit, sondern stoppt auch das Schneideblatt mit den bloßen Händen – oder verbiegt die Zinken einer Gabel mit seinem Mund. Zunächst selbst überfordert mit diesen Fähigkeiten, beginnt er sie plötzlich auch gegen Menschen einzusetzen. Für seine zunehmend verzweifelten Eltern steht fest: Der Junge, den sie viele Jahre lang als ihren eigenen Sohn aufgezogen haben, ist alles andere als ein Segen, denn plötzlich geraten auch sie ins Visier ihres Kindes…

„Brightburn“ ist zwar eher Evil-Child-Horror als „böser Superheldenfilm“, aber aufgrund des hohen Tempos, der soliden Effekte und der schön fiesen Gewaltspitzen macht David Yaroveskys außergewöhnliches Genreexperiment Laune und Lust auf mehr. Und das Interesse an einer Fortsetzung ist heutzutage ja nun echt selten.


VERACHTUNG | Regie: Christoffer Boe | DK/DE 2018

Carl Mørck und sein Assistent Assad werden mit einem besonders schaurigen Tatort konfrontiert: In einem verlassenen Apartment haben Handwerker drei mumifizierte Leichen gefunden – sie sitzen an einem gedeckten Tisch, an dem ein vierter freier Platz auf einen weiteren Gast wartet. Wer sind die Toten, und für wen ist der Platz bestimmt? Die Spur führt Mørck und Assad zu einer Frauenklinik auf einer verlassenen Insel vor der Küste Dänemarks. Die grausamen Experimente, die hier an den Patientinnen durchgeführt wurden, sind ein dunkles Kapitel der Geschichte, das bislang als abgeschlossen galt. Doch Mørck und Assad finden Hinweise, dass die Täter von damals immer noch am Werk sind – und sie haben nicht viel Zeit, um weitere Morde zu verhindern…

„Verachtung“ ist als vierter und vermutlich letzter „Sonderdezernat Q“-Film mit dieser Besetzung noch einmal ein starker Thriller, der durch seinen Realitätsbezug auf eines der dunkelsten Kapitel dänischer Geschichte besonders beklemmend.


DREI SCHRITTE ZU DIR | Regie:  Justin Baldoni | USA 2019

Stella (Haley Lu Richardson) ist eine 17-Jährige, wie sie im Buche steht: Ihr Smartphone gibt sie nicht aus der Hand und am liebsten chattet sie mit ihren Freunden. Nur Platz zum Träumen bleibt ihr nicht, denn anders als normale Teenager, verbringt sie die meiste Zeit unter strenger Beobachtung im Krankenhaus. Stella leidet an der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose und ihre wichtigste Regel lautet: Komm keinem Mitpatienten näher als 4 Schritte, denn er könnte dich mit seinen Bakterien schwächen und schlimmstenfalls töten. Als sie aber dem charmanten Will (Cole Sprouse) begegnet, der immer wieder gegen seine Behandlung rebelliert, knistert es so sehr zwischen ihnen, dass es Stella zunehmend schwerer fällt, den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einzuhalten…

„Drei Schritte zu dir“ ist lange Zeit ein von fantastischen Newcomern getragenes Jugenddrama, das zu Gunsten echter Emotionen Kitsch weiträumig vermeidet. Doch ausgerechnet in der letzten halben Stunde wirft Regisseur Justin Baldoni diesen reduzierten Ansatz über den Haufen und presst nochmal eine extra Portion Schmalz in seinen Film.


TOLKIEN | Regie: Dome Krukoski | USA 2019

Als John Ronald Reuel Tolkien Ende des 19. Jahrhunderts aus seinem wohlbehüteten Familienkreis als Exeter College in Oxford geht, findet er inmitten einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten Freundschaft, Inspiration und den Mut, seine Leidenschaft fürs Schreiben auszuleben. Schon in seinem Heimatdorf, einem Vorort von Birmingham, der später als Inspiration für das Auenland dienen soll, hat er seinen jüngeren Geschwistern ausgedachte Geschichten erzählt. Nun bringt er sie zu Papier und findet in einem von seinen Fähigkeiten beeindruckten Professor auch einen Mentor. Doch die Liebe zur schöne Edith hemmt ihn – hatte er sie für das Stipendium doch einst allein auf dem Land zurückgelassen. Er kann die junge Frau einfach nicht vergessen, bis er im Sommer 1916 schließlich eingezogen wird: der erste Weltkrieg tobt…

Nicholas Hoult verkörpert den jungen J.R.R. Tolkien absolut glaubhaft, doch der Film selbst ist vor allem eine Liebesgeschichte mit szenischen Kriegsfilmeinschüben. Beides lässt bis zum Ende offen, inwiefern es den „Herr der Ringe“-Autor eigentlich zu seinen Werken inspiriert hat. „Tolkien“ könnte daher auch eine ausgedachte Geschichte sein.


TAL DER SKORPIONE | Regie: Patrick Roy Beckert | DE 2019

Battle Royale meets Deliverance. „Tal der Skorpione“ erzählt von einem gnadenlosen Spiel in der Wildnis, wo kriminelle Psychopathen – Mörder, Vergewaltiger, und anderweitig aggressive Mensche – gegeneinander bis aufs Blut ums Überleben kämpfen müssen. Urheber dieses Gladiatorenkampfes sind die größenwahnsinnigen Wissenschaftler Gebrüder Ribbeck, die aus den Genen des Siegers einen Übermenschen klonen wollen. Zufällig findet sich auch der Polizist Kamarowski im Tal der Skorpione wieder und ist gezwungen, den Kampf gegen seine bis an die Zähne bewaffneten Kontrahenten aufzunehmen. Doch in dieser Umgebung verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse zusehends un auch Kamerowski mordet schon bald sinnentleert…

„Tal der Skorpione“ ist eine Frechheit: Unter hundmiserablen technischen Voraussetzungen entstand hier ein Film, der nicht nur völlig hohl, sondern obendrein auch noch homophob, sexistisch und gewaltverherrlichend ist. Da ist das grottenschlechte „Schauspiel“ aller Beteiligter noch das geringste Problem, wenn man sich während der viel zu langen 131 Minuten immer wieder fragt, wann dieses potthässliche Grauen endlich vorbei ist.


O BEAUTIFUL NIGHT | Regie: Xaver Böhm | DE 2018

Obwohl der neurotische Musiker Juri noch jung ist, hat er vor allem Eines: Angst vor dem Sterben. Und somit Angst vor dem Leben, denn dort lauert der Tod an allen Ecken. So lebt er zurückgezogen und verdient sein Geld mit Online Black Jack. Als eines Abends ein Vogel an Juris Scheibe fliegt und vor seinen Augen stirbt, stürzt ihn das in eine Panikattacke. Er flieht von zu Hause und sucht Trost in einem nahe gelegenen Automatenkasino. Doch statt zur Ruhe zu kommen, begegnet Juri einem unheimlichen Österreicher, der behauptet niemand anderer als der Tod höchstpersönlich zu sein. Dieser düstere, aber nicht humorlose Kerl nimmt Juri in faustischer Manier mit auf eine skurrile und abenteuerliche Reise durch die Nacht… Die Reise führt schließlich bis ans Ende der Nacht und konfrontiert die drei sowie auch das Publikum mit der Frage: Ist der charismatische Österreicher tatsächlich der Sensenmann und muss wirklich jemand sterben?


EINE MORALISCHE ENTSCHEIDUNG | Regie: Vahid Jalilvand | IRN 2017

Als Kaveh Nariman bei einem nächtlichen Verkehrsunfall in Teheran ein Motorrad mit einer vierköpfigen Familie rammt, wird dabei der achtjährige Amir leicht am Kopf verletzt. Nariman, der als Gerichtsmediziner arbeitet,  möchte sichergehen, dass es dem Jungen gut geht. Er drängt Amirs Vater Moosa, seinen verletzten Sohn direkt ins Krankenhaus zu bringen, bietet ihm sogar Geld als Entschädigung für alle Unkosten an, das dieser widerstrebend annimmt. Am nächsten Tag wird der Junge in Narimans Klinik zur Autopsie eingeliefert, er ist tot. Dr. Nariman glaubt, dafür die Schuld zu tragen. Vorerst spricht er mit niemandem über sein Geheimnis. Seine ihm nahestehende Kollegin Dr. Sayeh Behbahani dagegen diagnostiziert eine Lebensmittelvergiftung als Ursache. Ist also doch Amirs Vater verantwortlich, der seinem Sohn verdorbenes Fleisch zu essen gab? In ihrer wütenden Trauer macht Leila ihrem Mann Moosa schwere Vorwürfe.


DER KLAVIERSPIELER VOM GARE DU NORD | Regie: Ludovic Bernard | FR/BEL 2018

Bahnhofstrubel in Paris: Menschen strömen durcheinander, gehetzt, anonym, merkwürdig blind und taub füreinander. Doch für einen gilt diese Beschreibung nicht. Mathieu Malinski hat sich auf eine Insel inmitten dieses geschäftigen Gewusels zurückgezogen. Der junge Mann sitzt an einem öffentlichen Klavier, er spielt ganz für sich und doch auch für die ganze Welt. Und einer ist im Publikum, der wahrnimmt, dass die Musik für Mathieu mehr ist als ein zerstreuendes Hintergrundrauschen: Pierre Geithner, Leiter des Pariser Konservatoriums. Nur zu gern würde er den jungen Mann fördern, doch Mathieu hat schon zu viele Enttäuschungen erlebt, um sein Glück annehmen zu können. Und so weist er das Angebot ab. Bis zu dem Tag, an dem er wegen Diebstahls vor Gericht steht und niemanden hat, an den er sich wenden kann – außer Pierre Geithner, der seine Haftstrafe in Sozialstunden am Konservatorium umwandeln lässt.


Heimkinotipp: DER VERLORENE SOHN | Regie: Joel Edgerton | AUS/USA 2018

Der neunzehnjährige Jared (Lucas Hedges) wächst in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten auf. Als sein streng gläubiger Vater (Russell Crowe) von der Homosexualität seines Sohnes erfährt, da Jared ungewollt geoutet wird, drängt er ihn zur Teilnahme an einer fragwürdigen Reparativtherapie, wo er seine Homosexualität bekämpfen soll. Vor die Wahl gestellt, entweder seine Identität oder seine Familie und seinen Glauben zu riskieren, lässt er sich notgedrungen auf die absurde Behandlung ein. Seine Mutter (Nicole Kidman) begleitet Jared zu der abgeschotteten Einrichtung, deren selbst ernannter Therapeut Viktor Sykes (Joel Edgerton) ein entwürdigendes und unmenschliches Umerziehungsprogramm leitet.

Joel Edgerton beweist auch in seiner zweiten Arbeit „Der verlorene Sohn“ sein Händchen dafür, stilsicher und ohne Effekthascherei von zwischenmenschlichen Dramen zu erzählen, die gerade durch ihre zurückgenommene Inszenierung umso mehr Emotionalität und Kraft entfalten.

Das startet am 6. Juni 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 6. Juni, an dem wir erneut nur wenig über die bevorstehenden Kinostarts verraten dürfen. Und so können wir uns nur lobend über den südkoreanischen Mysterythriller „Burning“ und die Pferdedoku „Magie der Wildpferde“ äußern. Was es mit dem neuen „X-Men“ und der „TKKG“-Verfilmung auf sich hat, erfahrt ihr im Laufe der kommenden Woche.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BURNING | Regie: Chang-dong Lee | KOR 2018

Nach seinem Studium kehrt der junge Jongsu (Ah-in Yoo) in sein Heimatdorf zurück. Ein zufälliges Wiedertreffen mit seiner Schulkameradin Haemi (Jong-seo Jun) führt zu einer gemeinsamen Nacht zwischen den beiden. Jongsus Gefühle sind geweckt, doch der Zeitpunkt ist ungünstig – Haemi steht kurz vor einem lange (Steven Yeun) geplanten Trip nach Afrika und tritt diesen auch schon bald an, bittet Jongsu vorher aber noch, sich um ihre Katze zu kümmern.. Sehnsüchtig erwartet Jongsu den Tag ihrer Rückkehr. Am Flughafen trifft er Haemi jedoch nicht alleine an. Auf der Reise hat sie den wohlhabenden und mysteriösen Ben kennengelernt, der von nun an nicht mehr von ihrer Seite weicht. Als Haemi plötzlich spurlos verschwindet, stürzt die verzweifelte Suche nach ihr Jongsu in ein Labyrinth aus Misstrauen und Paranoia.

Ein Film wie ein Schwebezustand – mit „Burning“ erzählt Regisseur un Autor Chang-dong Lee eine Lovestory, ein Selbstfindungsdrama und einen Mysterythriller innerhalb von zweieinhalb Stunden, die immer besser werden, je weniger sich die Figuren und die Ereignisse greifen lassen. Ein Wunderwerk!


MAGIE DER WILDPFERDE | Regie:  Caro Lobig | DE 2019

Vier Geschichten, die tief berühren: Der Dokumentarfilm „Magie der Wildpferde“ offenbart die Situation von Wildpferden in verschiedenen Ländern der Erde. Angefangen bei den Marismeña-Wildpferden in Spanien, die einmal im Jahr Touristenmassen vorgestellt werden, über amerikanische Mustangs in Oregon, die durch ihr überhöhtes Aufkommen mittlerweile zu einer regelrechten Plage geworden sind und von Tierschützern eingefangen werden bis hin zu den polnischen Konik-Wildpferden und ihren neuen Lebensräumen. Die beeindruckenden Naturaufnahmen lassen den Kern der Begegnung von Mensch und Tier spürbar werden und zeigen klar, was wir von den gutmütigen Wildtieren lernen können. Mittlerweile haben viele der Wildpferde auch in Deutschland Enthusiasten gefunden. Auch um die soll es hier gehen.

Die Regisseurin Caro Lobig wollte mit ihrer aufwändig inszenierten Dokumentation „Magie der Wildpferde“ Begeisterung für die edlen Tiere schüren. Und mithilfe der spannenden Geschichten ist ihr genau das gelungen. Die Bilder sehen nach Leinwand aus und egal ob Mensch oder Tier: In diesem Film steckt so viel Liebe für das Wesen Pferd, dass auch Marterienfremde gebannt vor der Leinwand sitzen werden.


X-MEN: DARK PHOENIX | Regie: Simon Kinberg | USA 2019

Im Zuge einer lebensgefährlichen Mission im Weltall verliert Jean Grey (Sophie Turner) beinahe ihr Leben als sie ein kosmisches Wesen absorbiert, das sie mit Kräften ausstattet, die weit über jenen liegen, die sie oder alle anderen Mutanten besitzen. Nach ihrer Rückkehr auf die Erde kämpft sie mit diesen Gott-gleichen Fähigkeiten, aber die Mächte in ihr lassen sich nicht bändigen. Jean verliert die Kontrolle über sich und fügt jenen Schmerzen zu, die sie am meisten liebt. Als die junge Frau sogar für einen Todesfall innerhalb der X-Men sorgt, führen ihre Taten zu einem Streit und später zu einem Zerwürfnis unter den X-Men, denn die Helden sehen sich plötzlich mit ihrem bislang gefährlichsten Feind konfrontiert – einer Mutantin aus den eigenen Reihen, die mit jedem Tag zu größeren Kräften kommt und schließlich unaufhaltsam wird…

Auch wenn „X-Men: Dark Phoenix“ nicht zwingend einen klassischen Bösewicht gebraucht und dem Finale eine Reduktion der Computereffekte gut getan hätte, ist der vorerst letzte Film aus dem Mutantenuniversum eine gelungene emotionale Auseinandersetzung mit inneren Konflikten, die viele neue Diskussionsansätze rund um die bekannten Figuren bietet und noch dazu angenehm kurzweilig ist.


TKKG | Regie: Robert Thalheim | DE 2019

Tim und Willi, genannt Klößchen, lernen sich am ersten Schultag auf dem Internat kennen. Unterschiedlicher könnten die beiden kaum sein und besonders Willi, Sohn aus gutem Hause, ist nicht gerade erfreut, sich ein Zimmer mit Tim, einem Stipendiaten aus der Vorstadt, zu teilen. Doch als Klößchens Vater entführt wird und mit ihm eine wertvolle Statue aus seiner Kunstsammlung verschwindet, ist Tim der Einzige, der Willi glaubt, dass die Polizei auf der falschen Fährte ist. Gemeinsam mit dem hochintelligenten Außenseiter Karl und der smarten Polizistentochter Gaby beginnt die Gruppe auf eigene Faust zu ermitteln: ein Flugzeugabsturz, maskierte Kung-Fu-Kämpfer, eine versteckte Botschaft von Klößchens Vater. Wie passt das alles zusammen? Und was haben der blinde Hellseher Raimondo und seine Assistentin Amanda damit zu tun? Gegen alle Widerstände decken die vier eine Verschwörung auf.

Regisseur Robert Thalheim und Autor Peer Klehmet haben die Quintessenz der „TKKG“-Reihe verinnerlicht und dem Zeitgeist angepasst. Das Ergebnis ist trotzdem zeitlos, dürfte allerdings gerade bei den jungen Zuschauern großen Anklang finden, während sich erwachsene Fans am Augenzwinkern und den Anspielungen erfreuen werden.


ZWISCHEN DEN ZEILEN | Regie: Olivier Assayas | FR 2018

Manchmal fällt es nicht schwer, zwischen den Zeilen zu lesen: Léonard (Vincent Macaigne) schreibt Romane, in denen er vergangene Liebschaften verarbeitet und die realen Bezüge mehr schlecht als recht verschleiert. Bislang war er damit sehr erfolgreich. Doch sein Verleger Alain (Guillaume Canet) ist von dem letzten Manuskript nur wenig überzeugt und im Augenblick auch mehr mit der Digitalisierung seines Verlags beschäftigt – oder vielmehr mit der attraktiven jungen Mitarbeiterin, die hierfür zuständig ist. Alains Frau Selena (Juliette Binoche) dagegen gefällt Léonards Text, vielleicht, weil sie selbst mit einer Affäre in die Angelegenheit verstrickt ist. Ehrlichkeit ist hier ein zumindest flexibles Konzept. Und so diskutieren alle mit viel Witz über Dichtung und Wahrheit sowie den kulturellen und digitalen Wandel, und sehen über ihr zweifelhaftes frivoles Handeln entspannt hinweg. Ein großes Vergnügen!


RAMEN SHOP | Regie: Eric Khoo | SGP/JPN/FR 2018

Von Familiengeheimnissen und zauberhaften Rezepten: Der junge Masato (Takumi Saitoh) beherrscht ein wunderbares Handwerk: er ist Koch in einer traditionellen japanischen Suppenküche. Die traditionelle Ramen-Nudel-Suppe ist seine Spezialität. Der plötzliche Tod des Vaters versetzt Masato in seine Kindheit zurück. In einem Koffer voller Erinnerungen findet Masato nun Spuren der Liebesgeschichte seiner Eltern. Er beschließt, sich auf den Weg nach Singapur zu machen, ins Heimatland seiner Mutter, die starb als Masato 10 Jahre alt war. Für den jungen Koch beginnt eine kulinarische Reise in die Vergangenheit, denn die Geschichte seiner Familie ist eine Geschichte voller Sinnlichkeit und von großer Liebe. Masato probiert sich durch die kulinarischen Traditionen Singapurs, Japans und Chinas und lernt nicht nur die Kunst des Kochens ganz neu kennen, sondern auch die Kunst des Zusammenseins.


Heimkinotipp: THE HOUSE THAT JACK BUILT | Regie:  Lars von Trier | DK/FR/DE/SWE 2018

USA in den 1970er Jahren. Wir begleiten den hochintelligenten Jack über einen Zeitraum von zwölf Jahren und werden dabei Zeugen von fünf exemplarischen Morden, die seine Entwicklung zum Serienkiller prägen. Wir erleben die Vorfälle aus Jacks Perspektive. Jeden der Morde betrachtet er als eigenständiges Kunstwerk. Was niemand weiß, ist, dass Jack unter Neurosen leidet, die ihm in der Außenwelt große Schwierigkeiten bereiten. Obwohl der finale und unvermeidliche Polizeieinsatz unweigerlich näher rückt, was Jack einerseits sogar provoziert, ihn andererseits aber auch unter großen psychischen Druck setzt, ist er wild entschlossen, immer größere Risiken einzugehen. Das Ziel ist das ultimative Kunstwerk: Eine Kollektion all seiner Morde, manifestiert in einem von ihm selbst gebauten Haus.

In seiner pechschwarzen Serienkiller-Komödie „The House That Jack Built“ veranschaulicht Lars von Trier, wie Provokation funktioniert – und hat sein Ziel natürlich wieder einmal erreicht. Dabei macht es in erster Linie einen großen Spaß, zuzusehen, wie der Regisseur sein Publikum auflaufen lässt. Und die Eskapaden des titelgebenden Jack sind in ihrem Zynismus obendrein verdammt unterhaltsam.

Ma

Der neueste Streich aus der Blumhouse-Filmschmiede erzählt von einer verrückt gewordenen Frau, die Teens mit WhatsApp-Nachrichten bombadiert. Was immerhin am Ende ein klein wenig eskaliert, ist die meiste Zeit über ein Film ohne Spannung und Atmosphäre. Wie sich das Drehbuch zu MA selbst zu diesem Desaster führt, das verraten wir in unserer Kritik. Weiterlesen

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