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Unhinged – Außer Kontrolle

Im ersten großen Neustart nach der Corona-Krise eröffnet ein verfetteter Russel Crowe die Jagd auf eine hilflose Autofahrerin, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Ob UNHINGED – AUSSER KONTROLLE seiner spannenden Prämisse gerecht wird, das verraten wir in unserer Kritik.

OT: Unhinged (USA 2020)

Der Plot

Es ist ein ganz normaler Morgen für Rachel (Caren Pistorius): Sie ist wieder mal zu spät dran und steckt im täglichen Verkehrschaos auf dem Weg zur Schule mit ihrem Sohn Kyle (Gabriel Bateman) fest, als auch noch ihre wichtigste Klientin ihr kündigt und der Autofahrer (Russell Crowe) vor ihr hartnäckig die grüne Ampel ignoriert. Laut hupend zieht sie an ihm vorbei und ahnt nicht, dass sie so zur Zielscheibe der geballten Wut eines Mannes wird, der nichts mehr zu verlieren hat. Entschlossen heftet er sich an Rachels Fersen, um ihr eine Reihe von Lektionen zu erteilen, die sie so schnell nicht vergessen wird. Und nicht nur sie ist sein Ziel, sondern auch alle, die sie liebt. Gnadenlos und scheinbar unaufhaltsam schlägt der Fremde immer wieder zu…

Kritik

Für seine Hauptrolle im sich aktuell in der Postproduktion befindlichen Thriller „The Georgetown Project“ nahm Russell Crowe („Der verlorene Sohn“) im vergangenen Jahr massig Kilos zu. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der gebürtige Neuseeländer am fragwürdigen Hollywoodsport des „Gewichts-Jojos“ beteiligt und für Filmengagements mal ab- und mal zunimmt, um möglichst authentisch zu wirken. Crowe gab erst kürzlich in einem Interview zu, sich derzeit so gar nicht wohl in seiner Haut zu fühlen und blieb deshalb sogar der im Januar stattgefundenen Golden-Globe-Verleihung fern. Der Zuschauer ist von Crowes aufopferungsvoll herbeigeführter Wandlungsfähigkeit noch am ehesten Profiteur. In Derrick Bortes kurz vor „The Georgetown Project“ noch rasch dazwischengeschobenem Thriller „Unhinged – Außer Kontrolle“ wirkt Crowe fülliger als je zuvor, was allerdings hervorragend zu seiner Rolle als unzufriedener, sich selbst bemitleidender und gewaltbereiter Stalker passt. Der Hollywoodstar, der zuletzt vorwiegend für gemütliche Vaterrollen gecastet wurde, ist hier endlich mal wieder als fieser Bösewicht zu sehen. Ein Rollenprofil, das ihm hervorragend zu Gesicht steht und „Unhinged“ vor der Vollkatastrophe bewahrt.

Fataler Fehler – Rachel (Caren Pistorius) verweigert dem fremden Autofahrer neben ihr die Entschuldigung.

Wem die Idee eines irren Autofahrers, der einen anderen Autofahrer ohne jeden ersichtlichen Grund so lange verfolgt, bis das Ganze in einer Katastrophe endet, bekannt vorkommt, der erinnert sich damit vermutlich an Steven Spielbergs Kultfilm „Duell“. In der TV-Produktion von 1971 eröffnet ein die meiste Zeit im Verborgenen bleibender Tanklasterfahrer die Jagd auf einen ahnungslosen Geschäftsmann, die die beiden anschließend quer durch die kalifornische Wüste führt. Eine Idee, die in ihrer Einfachheit kaum zu übertreffen ist: keine Dialoge, keine Erklärungen, nur das unaufhaltsame Wettrennen zwischen zwei Männern in ihren fahrbaren Untersätzen. „Unhinged – Außer Kontrolle“ besitzt einige der oben aufgeführten Elemente ebenfalls. So bleibt beispielsweise die Ursache für das kranke Verhalten ihres Verfolgers lange Zeit im Dunkeln. Wann immer Rachel glaubt, ihren Stalker abgeschüttelt zu haben, taucht er plötzlich doch wieder auf; mal hinter der nächsten Straßenecke, ein anderes Mal an der Tankstelle. Und zumindest aus der ersten halben Stunde der eigentlichen Filmereignisse geht nicht hervor, wozu der Bösewicht wohl noch imstande sein wird. Bellt er nur sehr laut oder beißt er zu? Eine Frage, die Drehbautor Carl Ellsworth („Red Dawn“) leider schon im Vorwege beantwortet: Bevor der bedeutungsschwanger über das Gewaltpotenzial der Amerikaner philosophierende Vorspann über die Leinwand rollt, verrät der Prolog, dass der Mann auch vor Mord und Brandstiftung nicht zurückschreckt. Es wäre deutlich effektiver gewesen, die wirklich finsteren Seiten seiner Person erst nach und nach zu offenbaren.

„Wann immer Rachel glaubt, ihren Stalker abgeschüttelt zu haben, taucht er plötzlich doch wieder auf; mal hinter der nächsten Straßenecke, ein anderes Mal an der Tankstelle.“

So aber weiß man auch trotz der zunächst eher spärlich gesäten Informationen, dass die Jagd des Mannes und seiner weiblichen Beute vermutlich tödlich enden wird; Eine Vermutung, die „Unhinged“ dann auch im zweiten Drittel bestätigt, wenn aus der bis dato eher ruhig inszenierten aber nicht minder unheimlichen Verfolgungssituation plötzlich ein Actionthrillerszenario wird. Plötzlich ist es nicht mehr die immer wieder unmittelbar hinter ihrem Auto auftauchende Präsenz des Fremden, die Rachel und damit auch dem Publikum Angst macht, sondern seine in recht blutigen Einstellungen gefilmten Gewalttaten, wenn er nach und nach Rachels Freunde und Familie dezimiert. Ab hier beginnt „Unhinged“ schließlich völlig abstrus zu werden. Im Kontrast zum im Vorspann heraufbeschworenen Appell daran, wie realitätsnah diese Prämisse ist, wirkt die nun folgende Eskalation der Ereignisse fast lächerlich. Der Stalker mutiert zum schier übermächtigen Gegner – und ob dies nun auf der Straße stattfindet oder nicht, ist letztlich auch egal. Schade um das eigentlich so effektive Eröffnungssetting.

Unter der von einem leidenschaftlich wahnsinnig aufspielenden Russell Crowe heraufbeschworenen Hysterie, die im Hinblick auf das Foreshadowing (Stichwort: Fortnite) im Finale absolut hanebüchene Züge erreicht, leidet auch die Figurenzeichnung. Während sich insbesondere Rachel („Slow West“-Star Caren Pistorius spielt die Rolle der Gejagten und aufopferungsvollen Mutter glaubhaft und solide) zu Beginn von „Unhinged“ noch weitestgehend klug verhält, immer wieder mit der Polizei kommuniziert und, wann immer möglich, Hilfe von Außenstehenden in Anspruch nimmt, lassen arg konstruierte Dialoge sie mit der Zeit immer weniger smart aussehen. Überhaupt scheinen einem die Macher nicht allzu viel zuzutrauen. Expositionsdialoge gibt es hier en masse; und das auch in Momenten, in denen die Bilder ohnehin alles erklären.

„Plötzlich ist es nicht mehr die immer wieder unmittelbar hinter ihrem Auto auftauchende Präsenz des Fremden, die Rachel und damit auch dem Publikum Angst macht, sondern seine in blutigen Einstellungen gefilmten Gewalttaten, wenn er nach und nach Rachels Umfeld dezimiert.“

Weshalb sie etwa gleich zweimal ein erschrockenes „Er hat mein Handy!“ von sich gibt, wenn der Fremde ihr durch sein Autofenster mit ihrem Smartphone winkt, bleibt ebenso ein Rätsel das wiederholte Einblenden eines Erziehungsratgebers für Scheidungskinder, damit auch ja jeder verstanden hat, dass sich die Protagonistin gerade in Trennung befindet. Und spätestens, wenn man anhand der ausgeschriebenen Kennzeichen erkennt, wem welches Auto gehört, damit man während der Verfolgungsjagden auch bloß nicht den Überblick verliert, verliert der auch handwerklich nicht gerade hervorstechende Film endgültig an Reiz.

Fazit: „Unhinged – Außer Kontrolle“ beginnt als effektive Neuauflage von „Duell“, entwickelt sich jedoch nach und nach in einen generischen Actionthriller, an dem in erster Linie Russell Crowe als durchgeknallter Irrer überzeugt.

„Unhinged – Außer Kontrolle“ ist ab dem 16. Juli in den deutschen Kinos zu sehen.

Das startet am 16. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 16. Juli, an dem mit „Waves“ ein Film in die Kinos kommt, den Universal bereits ins Heimkino verfrachtet hatte, nachdem er als einer der ersten der Corona-Krise zum Opfer fiel. Nun erscheint er doch und sollte auf jeden Fall auf der großen Leinwand genossen werden. Genauso wie „Into the Beat“ – einfach weil man die herausragenden Tanzmoves von maximaler Wucht sind. Filme wie das Marie-Curie-Biopic „Elemente des Lebens“ und das Monsterdrama „After Midnight“ – letzterer lief bereits auf dem Fantasy Filmfest – werden wohl eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen. Wie so ziemlich alles aktuell. Zumindest bei der Schweizer Komödie „Wir Eltern“ ist das allerdings nicht so schlimm.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

WAVES | Regie: Trey Edward Shults  | USA/CAN 2019

Der 18-jährige Tyler (Kelvin Harrison Jr.) ist erfolgreiche Ringkämpfer und an seiner Highschool sehr beliebt. Doch die sportlichen Leistungen kommen nicht von ungefähr: Allen voran Tylers Vater Ronald (Sterling K. Brown) drillt seinen Sohn regelmäßig zu Höchstleistungen. Tylers Kindheit ist seit jeher davon geprägt, seinem Vater zu gefallen. Zeit für Entspannung bleibt da keine. Doch daraus schöpft er auch seinen Ehrgeiz. Tyler wünscht sich nichts mehr als ein Sportstipendium für eine begehrte Elite-Universität. Doch dann geschehen in Tylers Familie gleich mehrere tragische Vorfälle, die nicht nur sein Leben, sondern auch das Leben seiner Schwester Emily (Taylor Russell) auf den Kopf stellen. Es benötigt viel Zeit, um damit klarzukommen. In ihrem zurückhaltenden Mitschüler Luke (Lucas Hedges) findet zumindest Emily einen aufmerksamen Zuhörer.

Ein Film über Familie und darüber, wie zerbrechlich sie ist: Trey Edward Shults gelingt mit seinem Drama „Waves“ eine hervorragend bebilderte Studie darüber, wie Menschen mit Extremsituationen umgehen. Die Darsteller erfüllen es mit Leben, dem sich bisweilen recht abgegriffene Erzählmotive hin und wieder ein wenig in den Weg stellen.

MARIE CURIE – ELEMENTE DES LEBENS | Regie: Marjane Satrapi | UK/HUN/CHN/FR/USA

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts: In der akademischen Männerwelt der Universität Sorbonne hat Marie Skłodowska (Rosamund Pike) als Frau und auf Grund ihrer kompromisslosen Persönlichkeit einen schweren Stand. Allein der Wissenschaftler Pierre Curie (Sam Riley) ist fasziniert von ihrer Leiderschaft und Intelligenz und erkennt ihr Potential. Er wird nicht nur Maries Forschungspartner sondern auch ihr Ehemann und die Liebe ihres Lebens. Für ihre bahnbrechenden Entdeckungen erhält Marie Curie als erste Frau 1903 gemeinsam mit Pierre den Nobelpreis für Physik. Sein plötzlicher Tod erschüttert sie zutiefst, aber Marie gibt nicht auf. Sie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben und für ihre Forschung, deren ungeheure Auswirkungen sie nur erahnen kann und die das 20. Jahrhundert entscheidend prägen werden.

Regisseurin Marjane Satrapi wird den vielen, in „Marie Curie – Elemente des Lebens“ aufgegriffenen Themen über weite Strecken gerecht und inszeniert unter Zuhilfenahme von Genreelementen ein außergewöhnliches Biopic über eine außergewöhnliche Frau, das sämtliche ihrer Facetten einfängt.


AFTER MIDNIGHT | Regie: Jeremy Gardner, Christian Stella  | USA 2019

Hank (Jeremy Gardner) und Abby (Brea Grant) sind ein eigentlich glückliches Liebespaar, das sich im Hinterland Floridas ein beschauliches Zuhause aufgebaut hat. Doch eines Tages verschwindet die junge Frau spurlos. Und hinterlässt einen ratlosen Freund, der nicht weiß, ob Abby nun etwas passiert ist, oder sie ihn aus freien Stücken verlassen hat. Das Einzige, was ihm bleibt, ist eine kryptische Notiz, die Hank jedoch nicht zu entschlüsseln vermag. Die Umstände werden noch rätselhafter als sich der junge Mann nicht nur mit dem Verschwinden seiner Freundin auseinandersetzen muss, sondern es auch noch mit einer Kreatur zu tun bekommt, die so gar nicht von dieser Welt stammt. Dieses Monster sucht Hank fortan jede Nacht heim. Und für ihn steht fest, dass Abbys Verschwinden unweigerlich etwas mit diesem Wesen zu tun haben muss…

Ein etwas anderer Monsterfilm: Das vor allem von zwei Darstellern getragene Horrordrama „After Midnight“ ist eine melancholische Beziehungsparabel vor minimalistischem Setting, bei der Anspannung und Traurigkeit Hand in Hand gehen.


BERLIN ALEXANDERPLATZ | Regie: Burhan Qurbani | DE/NED/FR/CAN 2020

Dies ist die Geschichte von Francis. Auf der Flucht von Afrika nach Europa kentert er und rettet sich mit letzter Kraft an einen Strand der Mittelmeerküste. Bald führt Francis‘ Weg nach Berlin und jetzt ist es an ihm, seinen Schwur auch einzuhalten. Doch die Lebensumstände als staatenloser Flüchtling machen es ihm nicht einfach. Er trifft auf den zwielichtigen deutschen Drogendealer Reinhold und die Leben der beiden Männer verbinden sich zu einer düsteren Schicksalsgemeinschaft. Immer wieder versucht Reinhold, Francis für seine Zwecke einzuspannen. Schließlich wird Francis von Reinhold verraten und verliert bei einem Unfall seinen linken Arm. Er wird von Mieze aufgenommen. Die beiden verlieben sich. Seine Geschichte könnte sich nun eigentlich gut ausgehen. Doch Francis kann der Anziehung von Reinhold nicht widerstehen.

„Berlin Alexanderplatz“ ist eine wuchtig inszenierte Neuauflage des gleichnamigen Jahrhundertromans und besticht mit einer betörenden Atmosphäre und herausragenden Darstellerleistungen, insbesondere von Albrecht Schuch. Der moralischen Ambivalenz der Vorlage wird diese Interpretation allerdings nicht gerecht.


INTO THE BEAT – DEIN HERZ TANZT | Regie: Stefan Westerwelle | DE 2020

Katya ist ein herausragendes Balletttalent. Sie trainiert hart fürs Vortanzen bei der New York Ballet Academy. Aber als sie eine Gruppe Streetdancer kennenlernt, eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt: Im Gegensatz zum klassischen Ballett ist der Streetdance frei und explosiv, ohne Regeln, die Gesetze der Schwerkraft scheinen außer Kraft gesetzt. Katyas Herz fängt Feuer für den neuen Style, wo sie all ihre Emotionen ausdrücken kann – und für den introvertierten Marlon, einen begnadeten Hip-Hop-Tänzer. Er erkennt ihr tänzerisches Potenzial und fordert sie auf, mit ihm an einer Audition der weltbekannten Street-Dance-Crew Sonic Tigers teilzunehmen. Katya taucht ein in ein bisher unbekanntes Lebensgefühl aus Unbeschwertheit, Community und Spontaneität. Sie ahnt: Sie kann nicht zurück zum Ballett. Doch ihr Vater Victor sieht das anders…

 Strukturell ist der deutsche Tanzfilm „Into the Beat – Dein Herz tanzt“ wie jeder andere Tanzfilm auch. Seine besonderen Highlights liegen jedoch mehr noch als in anderen Genrevertretern in den spektakulären Tanzsequenzen sowie der Stadt Hamburg als Kulisse. Leider schmälern die Darstellerleistungen zwischendrin arg das Sehvergnügen.


WIR ELTERN | Regie: Eric Bergkraut, Ruth Schweikert  | CH 2019

Die Eltern Veronika (Elisabeth Niederer) und Michael (Eric Bergkraut) glauben, alles richtig gemacht zu haben. Doch Zug um Zug lassen sie ihr Leben von den spätpubertären Zwillingssöhnen lahmlegen. Weder Punktelisten noch Strafen helfen. Romeo (Ruben Bergkraut) und Anton (Elia Bergkraut) sind kaum aus dem Bett zu kriegen und gehen nur selten zur Schule. Lässig spielen sie die überforderten Eltern gegeneinander aus, kiffen oder zocken stundenlang am Computer. Als sie vom Großvater (Peter Schweiger) einen generösen Erbvorschuss als Geburtstagsgeschenk erhalten, der die Kinder noch weniger dazu animiert, sich endlich um ihre Zukunft zu kümmern, verschärft sich das Zusammenleben weiter. Bis die Eltern auf unkonventionelle Weise die Notbremse ziehen und das gemeinsame Familienleben auf links zu drehen.

So authentisch „Wir Eltern“ auch das Leben einer Schweizer Familie abbilden mag, so wenig cineastisch präsentieren Eric Bergkraut und Ruth Schweikert ihre Geschichte. Der Film könnte auch eine Doku sein. Allerdings eine über wahrlich unausstehliche Personen – und das trifft beileibe nicht nur auf die faulen Kinder zu.


UNHINGED – AUSSER KONTROLLE | Regie: Derrick Borte  | USA 2020

Es ist ein ganz normaler Morgen für Rachel (Caren Pistorius): Sie ist wieder mal zu spät dran und steckt im täglichen Verkehrschaos auf dem Weg zur Schule mit ihrem Sohn Kyle (Gabriel Bateman) fest, als auch noch ihre wichtigste Klientin ihr kündigt und der Autofahrer (Russell Crowe) vor ihr hartnäckig die grüne Ampel ignoriert. Laut hupend zieht sie an ihm vorbei und ahnt nicht, dass sie so zur Zielscheibe der geballten Wut eines Mannes wird, der nichts mehr zu verlieren hat. Er hat es auf sie abgesehen, um sich für seine erlittene schmack zu rächen. Entschlossen heftet er sich fortan an Rachels Fersen, um ihr eine Reihe von Lektionen zu erteilen, die sie so schnell nicht vergessen wird. Und nicht nur sie ist sein Ziel, sondern auch alle, die sie liebt. Gnadenlos und scheinbar unaufhaltsam schlägt der Fremde immer wieder zu und treibt die junge Frau an den Rande des Wahnsinns. Kann sie dem Irren entkommen?


Heimkinotipp: EMMA. | Regie: Regie: Autumn de Wilde | UK 2020

England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse, schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst. Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet, die sich in die „feine Gesellschaft“ noch nicht zu hundertprozent gefügt hat. Aber trotz Emmas unbegrenzten Vertrauens in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.

Jane Austen trifft „The Favourite“: Bei der neuen Verfilmung des Bestsellers „Emma.“ weiß man nie so ganz, ob das Ganze nun Parodie, aufrichtige Romanze, beides oder nichts von alledem sein soll. Das macht den Film nur phasenweise amüsant, da man sich die restliche Zeit über fragt, wie der Film wohl geworden wäre, hätte man sich auf eine tonale Balance einigen können.

Das startet am 9. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 9. Juli. Es ist ein Trauerspiel: Seit letzter Woche sind die Kinos wieder offen. Interessieren tun sich dafür bislang kaum Leute. Und das wird auch in dieser Woche nicht anders sein, denn der ganz große Kracher bleibt aus. Vielleicht müssen wir alle bis „Tenet“ warten, damit die Menschen wieder mitbekommen, dass die Lichtspielhäuser geöffnet haben..!?

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SEMPER FI | Regie: Henry Alex Rubin  | UK/USA 2019

Callahan (Jay Courtney) ist ein regelkonformer Polizist, der als Reservist der Marine zusammen mit seinen rauflustigen Freunden Jaeger (Finn Wittrock), Snowball (Arturo Castro) und Milk (Beau Knapp), die er alle noch aus Kindertagen kennt, über die Runden kommt. Als Cals jüngerer, leichtsinniger Halbbruder Oyster (Nat Wolff) versehentlich einen Mann in einer Barschlägerei tötet und daraufhin versucht zu fliehen, sieht sich Cal dazu gezwungen, ihn zu stellen und den Behörden zu übergeben. Ohnehin war ihre Beziehung zueinander nie die beste. Infolge wird Oyster zu einer 25-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt und sieht sich im Gefängnis üblen Misshandlungen ausgesetzt. Callahan kommen zunehmend Zweifel daran, ob sein Entschluss, seinen Bruder für seine Strafe büßen zu lassen, eine richtige Entscheidung war…

Dadurch, dass es Henry Alex Rubin einfach versäumt, einige wichtige Teile seiner Geschichte auszuformulieren, ist „Semper Fi“ ein Film, der weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, im Großen und Ganzen aber immer noch eine solide Figur als Spannungsdrama abgibt.

GRETEL & HÄNSEL | Regie: Oz Perkins | CAN/USA/IRL/ZAF 2020

Vor langer Zeit, in einem verfluchten Land: Die verzweifelte Suche nach Nahrung und Arbeit zwingt die junge Gretel (Sophia Lillis) und ihren kleinen Bruder Hänsel (Sammy Leakey) dazu, das elterliche Haus zu verlassen. Völlig orientierungslos irren sie umher und verlaufen sich in einem tiefen, dunklen Wald. Als sie auf eine Hütte stoßen, in der eine alte, freundlich wirkende Frau (Alice Krige) lebt, glauben Gretel und Hänsel, Zuflucht gefunden zu haben. Aber die von der Alten in Zeiten der Hungersnot aufgetischten Festmähler, das unheimliche Gemurmel fremder Kinderstimmen und mysteriöse Erscheinungen im Haus, lassen Gretel erahnen, dass sich hinter ihrem scheinbaren Glück etwas Böses verbirgt. Kann sie ihren jüngeren Bruder beschützen oder wird sie den Versuchungen erliegen, die in ihr aufsteigen? Langsam bahnt sich das Grauen seinen Weg…

„Gretel & Hänsel“ ist eine spannende Neuinterpretation des bekannten Märchens, das mit einigen neuen Perspektiven überrascht, sich hin und wieder allerdings auch in die Länge zieht. Eine überraschende Auflösung kann dafür weitestgehend entschädigen.


SCOOBY! VOLL VERWEDELT | Regie: Tony Cervone  | USA/CAN 2020

Scooby (im Original: Frank Welker) ist ein frecher, aber liebenswerter Hund, der in dem einsamen Außenseiter Shaggy (Will Forte) einen besten Freund findet. Gemeinsam mit den jungen Detektiven Fred (Zac Efron), Velma (Gina Rodriguez) und Daphne (Amanda Seyfried) gründet er die berühmte Mystery Inc.: eine Vereinigung von Geisterjägern. Jetzt, da Hunderte Fälle gelöst und Abenteuer zusammen bestritten wurden, stehen Scooby und die Gang vor ihrem größten Rätsel aller Zeiten: Eine geheimnisvolle Verschwörung plant, den Geisterhund Cerberus auf die Welt loszulassen. Während sie darum kämpfen, die „Bellokalypse“ aufzuhalten, entdeckt die Bande, dass Scooby ein geheimes Vermächtnis und eine große Bestimmung hat, die größer ist, als sich irgendjemand hätte vorstellen können.

„Scooby! Voll verwedelt“ teilt ein Problem mit diversen modernen Animationsfilmen. Auf der einen Seite biedert er sich zu verkrampft der jungen Zielgruppe an. Auf der anderen Seite versuchen die Macher ebendiesen Schwachpunkt mit aufgesetzt wirkenden Popkulturanspielungen für die Älteren auszugleichen. Auf der Strecke bleiben dabei nicht bloß die Liebhaber der Vorlage, sondern alle Fans gelungener Familienfilmkost.


HARRIET – DER WEG IN DIE FREIHEIT | Regie: Kasi Lemmons | USA/CHN 2019

Maryland im Jahr 1849: Minty (Cynthia Erivo) ist als eine von unzähligen Sklaven auf der Baumwollplantage von Edward Brodess (Mike Marunde) beschäftigt. Als dieser eines Tages verstirbt, soll sie an eine andere Plantage verkauft und so von ihrer Familie getrennt werden. Ihr blüht ein noch schlimmeres Schicksal als ohnehin schon. Um dem zu entgehen lässt sie ihren Ehemann John Tubman (Zackary Momoh) zurück und tritt eine aufsehenerregende Flucht an. Tatsächlich gelingt ihr der Weg in die Freiheit. In Pennsylvania wendet sie sich William Still (Leslie Odom Jr.) von der Anti-Slavery-Community. Dieser unterstützt sie dabei, unter dem Namen Harriet Tubman ein neues Leben anzufangen. Doch die Frau hat höhere Pläne und beschließt, die Sklaven ihrer Plantage zu befreien. Eine lebensgefährliches Unterfangen…

Glaubt man den Schilderungen in „Harriet – Der Weg in die Freiheit“ war Harriet Tubman eine ehemalige Sklavin, die mithilfe gottgleicher Eingebungen das aufregende Abenteuer Sklavenbefreiung gemeistert hat. Dass es hier in Wirklichkeit um ein dramatisches Schicksal und die heldenhaften Taten einer mit eisernem Willen voranschreitenden Frau geht, kommt nie zur Geltung.


EINE GRÖSSERE WELT | Regie: Fabienne Berthaud | FR/BEL 2019

Eine größere Welt – das ist es, was Corine (Cécile de France) entdeckt, als sie auf einer Reise in die Mongolei während eines schamanischen Rituals in Trance fällt. Dabei war die Französin eigentlich nur in die abgelegene Steppenregion gekommen, um im Rahmen ihrer Arbeit ethnographische Tonaufnahmen zu sammeln. Doch alles kommt anders. Während des Rituals offenbart die Schamanin Oyun (Tserendarizav Dashnyam) Corine, dass sie eine seltene Gabe besitzt, die ausgebildet werden muss. Zurück in Frankreich lassen die Erlebnisse in der Mongolei Corine nicht mehr los. Trotz des Widerstandes ihrer Familie kehrt sie in die Steppe zurück und begibt sich auf eine spirituelle Reise auf alten und vergessenen Wegen. Eine Reise, die ihr Leben und ihre westeuropäische Sichtweise für immer verändern wird. Und sie fragt sich, ob sie in ihre eigene Welt überhaupt noch zurückkehren möchte…


DAS BESTE KOMMT NOCH | Regie: Matthieu Delaporte, Alexandre de La Patellière  | DE 2020

Arthur Dreyfus (Fabrice Luchini) und César Montesiho (Patrick Bruel), seit Schulzeiten eng befreundet und inzwischen in den besten Jahren, könnten unterschiedlicher kaum sein: Arthur steckt nach langjähriger Ehe vor allem emotional noch mitten in der Scheidung. Ganz anders César: der ewig jung gebliebener Frauenheld ist charismatisch, kolossal chaotisch und in den Augen von Arthur ist er nie richtig erwachsen geworden. Eines Tages erhält Arthur einen Anruf vom Krankenhaus. Sein Arzt hat etwas Wesentliches festgestellt. Arthur wird ins Krankenhaus bestellt und erfährt, dass „er“ – bzw. sein Freund César – unheilbar an bereits gestreutem Lungenkrebs erkrankt ist. Der Arzt gibt ihm noch maximal sechs Monate. César setzt ab sofort alles daran, die verbliebene Zeit seines Freundes bestmöglich zu nutzen und ihm auf seine letzten Tage noch ein bisschen „Laissez-faire“ beizubringen – nicht ahnend, dass er selbst bald sterben wird…


Heimkinotipp: THE GENTLEMEN | Regie: Guy Ritchie  | USA 2019

Smart, knallhart und mit genialem Gespür fürs Geschäft hat sich der Exil-Amerikaner Mickey Pearson über die Jahre ein millionenschweres Marihuana-Imperium in London aufgebaut und exportiert feinsten Stoff nach ganz Europa. Doch Mickey will aussteigen, endlich mehr Zeit mit seiner Frau Rosalind verbringen und auf legalem Weg das Leben in Londons höchsten Kreisen genießen. Ein Käufer für die landesweit verteilten – und dank des chronisch geldknappen Landadels gut versteckten – Hanf-Plantagen muss her. Auftritt: Matthew Berger. Der exzentrische Milliardär bietet eine hohe Summe, will jedoch Garantien sehen. Und das ausgerechnet in dem Moment, in dem sämtliche Groß- und Kleinkriminellen der Stadt Wind von Mickeys Plänen bekommen haben.

Straßenköter in Maßanzügen – „The Gentlemen“ ist Guy Ritchies Antwort auf „Kingsman“, ein Spagat zwischen „Snatch“ und „Codename U.N.C.L.E.“, vielleicht ein Abschied vom Genre, aber auf jeden Fall eine hoch unterhaltsame Crime-Comedy , die von ihrem Style, ihrem Humor, ihren Schauspielern und jeder Menge Widersprüchen lebt.

Das startet am 2. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 2. Juli, dem Tag, an dem die Kinos deutschlandweit wieder geöffnet haben sollen. Das Programm zum Start fällt gemischt aus: deutsche Arthouse-Dramen, französisches Schmonzettenkino und eine YouTuber-Verwechslungskomödie sollen die Leute wieder in die Lichtspielhäuser locken. Doch ob das Kino so ganz ohne großen Wurf wieder an Attraktivität gewinnen kann, darf man an dieser Stelle gern noch bezweifeln. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

UNDINE | Regie: Christian Petzold  | DE/FR 2020

Undine lebt in Berlin. Ein kleines Apartment am Alexanderplatz, ein Honorarvertrag als Stadthistorikerin, ein modernes Großstadtleben wie auf Abruf. Als ihr Freund Johannes sie verlässt, bricht eine Welt für sie zusammen. Der Zauber ist zerstört. Wenn ihre Liebe verraten wird, so heißt es in den alten Märchen, muss sie den treulosen Mann töten und ins Wasser zurückkehren, aus dem sie einst gekommen ist. Undine wehrt sich gegen diesen Fluch der zerstörten Liebe. Sie begegnet dem Industrietaucher Christoph und verliebt sich in ihn. Es ist eine neue, glückliche, ganz andere Liebe, voller Neugier und Vertrauen. Atemlos verfolgt Christoph ihre Vorträge über die auf den Sümpfen gebaute Stadt Berlin, mühelos begleitet Undine ihn bei seinen Tauchgängen in der versunkenen Welt eines Stausees. Doch Christoph spürt, dass sie vor etwas davonläuft. Undine muss sich dem Fluch stellen. Diese Liebe will sie nicht verlieren.

Melancholisches, deutsches Kino aus der Hauptstadt: „Transit“-Regisseur Christian Petzold gelingt mit seinem herausragend inszenierten Liebesdrama „Undine“ eine kontemporäre, bittersüße Großstadtmär mit tiefgehenden Performances, von Paula Beer, Jacob Matschenz und Franz Rogowski. 

JEAN PAUL GAULTIER: FREAK & CHIC | Regie: Yann L’Hénoret | FR 2018

Jean Paul Gaultier gilt bis heute als einer der bemerkenswertesten Modeschöpfer unserer Zeit. Mit seiner prunkvollen „Fashion Freak Show“, einem exzentrischen Mix aus Modenschau, Varieté, Zirkus und Tanzdarbietung, hat er rund um den Erdball für Aufsehen gesorgt. Auch außerhalb des Modebusiness. Die Entstehung dieses glamourösen Events, mit dem Gaultier und sein Team bis heute durch die Welt touren, dauerte über zwei Jahre. Nun lässt der Designer seine Zuschauer regelmäßig in ein provokatives Universum eintauchen, das dem Publikum auch die Persona Jean Paul Gaultier selbst ein Stück weit näherbringen soll. Mit seinen visionären Designs, high-style Choreographien, pulsierender Musik, extravaganten Kostümen und einer aufwändigen Inszenierung lotet der Meister die Grenzen der Modeszene aus – und „Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ ist hautnah mit dabei.

„Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ begleitet den Modeschöpfer und sein Team bei der zweijährigen Vorbereitung der sogenannten „Fashion Freak Show“ und gibt neue Blicke auf das Verständnis für Mode und Schönheit, aber auch auf das Leben Jean Paul Gaultiers selbst frei. Nicht nur für Modeliebhaber ein Must-See!


MEINE FREUNDIN CONNI – GEHEIMNIS UM KATER MAU | Regie: Ansgar Niebuhr  | DE 2020

Conni (Sprecherin: Emma Breitschaft) und ihr kleiner Kater Mau sind unzertrennlich. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die beiden haben bislang keine Minute ohneeinander verbracht. Doch nun steht Connis erste Kita-Reise an. Noch nie ist Conni ohne ihre Eltern weggefahren – ein aufregendes Abenteuer steht bevor, auf das sich all ihre Kita-Kameraden freuen. Allerdings muss Conni in dieser Zeit auf ihren geliebten Kater verzichten. Während das Mädchen dies zähneknirschend hinnimmt, sieht Mau gar nicht ein, allein zuhause zu bleiben. Schwupps: Hat sich das kleine Fellknäuel im Reisebus versteckt und fährt gemeinsam mit Conni und ihren Freunden in Richtung Bergmühle. Dort angekommen fühlen sich die Jungs und Mädchen pudelwohl. Nur einer traut sich nicht so recht aus seinem Versteck: Mau, der bei seinem Versuch, seiner Conni nah zu sein, jede Menge Chaos stiftet.

Die deutsche Produktion „Meine Freundin Conni – Die Abenteuer des Kater Mau“ ist ein zuckersüßes Zeichentrickabenteuer, das nur dann einige Enttäuschungen bereithält, wenn man die Buchvorlagen in- und auswendig kennen und lieben gelernt hat. Ansonsten überzeugt der Film auf ganzer Linie.


SUICIDE TOURIST – ES GIBT KEIN ENTKOMMEN | Regie: Jonas Alexander Arnby | DK/NOR/DE 2019

Versicherungsmakler Max (Nikolaj Coster-Waldau) bekommt von seinem Arzt die schlimme Nachricht unterbreitet, dass er bald sterben muss. Nach zwei misslungenen Selbstmordversuchen erhält er eines Tages plötzlich einen überraschenden Anruf seiner früheren Kundin Alice (Tuva Novotny), die den Tod ihres Mannes Arthur aufdecken möchte, um endlich seine Lebensversicherung in Anspruch nehmen zu können. Bei seiner Recherche stößt Max auf das mysteriöse „Aurora“ Hotel, mit dem Arthur anscheinend Kontakt hatte. Ein Hotel, das sich auf geplante und betreute Suizide spezialisiert hat. Max, der ja ohnehin gerade mitten in einer Existenzkrise steckt, beginnt seine eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit in Frage zu stellen. Ist der Tod der einzige Weg raus aus dem Hotel, oder steckt hinter dem mysteriösen Gebäude noch ein anderes Geheimnis?

Regisseur Jonas Alexander Arnby inszeniert mit „Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen“ ein diskussionswürdiges Thema als düsteren, leider zu Anfang sehr zähen Mysterythriller. Ein gewagtes Unterfangen, das teilweise aufgeht. Unter anderem, weil Nikolaj Coster-Waldau der moralische Zwiespalt permanent ins Gesicht geschrieben steht.


DIE SCHÖNSTEN JAHRE EINES LEBENS | Regie: Claude Lelouch | FR 2019

Siege fährt der ehemalige Rennfahrer und Womanizer Jean-Louis nur noch in seiner Erinnerung ein. Doch die geht immer mehr verloren, fürchtet sein Sohn Antoine, auch wenn es scheint, als würden sich die Gedanken des alten Herrn vor allem um eine bestimmte Frau drehen: Anne, die große Liebe seines Lebens. Um seinem Vater ein Stück Lebensqualität zurückzugeben, macht sich Antoine auf die Suche nach jener geheimnisvollen Schönheit, die Jean-Louis nicht halten konnte, die er aber nie vergessen hat. Und tatsächlich macht er Anne in einem idyllischen Dorf in der Normandie ausfindig, wo die frühere Filmproduzentin einen kleinen Laden und ein erfülltes Leben führt. Sie nimmt die Einladung nur zögerlich an. Beim ersten Besuch erkennt er sie zunächst auch nicht wieder. Doch schnell nehmen die beiden die Fäden ihrer gemeinsamen Geschichte wieder auf…

 Nach „Ein Mann und eine Frau“ sowie „Un homme et une femme, 20 ans déjá“ folgt mit „Die schönsten Jahre eines Lebens“ der dritte Teil einer romantisch-dramatischen Filmreihe, die schon immer eher von der Schauspieldynamik und weniger von erzählerischer Substanz lebte.


TAKEOVER – VOLL VERTAUSCHT | Regie: Florian Ross  | DE 2020

Die beiden Achtzehnjährigen Danny und Ludwig (Heiko und Roman Lochmann) kommen aus völlig verschiedenen Welten: Ludwig führt ein Leben in Reichtum, während der musikbegeisterte Danny jeden Cent zwei Mal umdrehen muss. Doch als sich die beiden im Europa-Park das erste Mal begegnen, wird ihnen klar, dass sie eine Gemeinsamkeit haben: ihr Äußeres. Sie sehen exakt gleich aus und werden prompt verwechselt. Die beiden nutzen die Gunst der Stunde und tauchen in ein fremdes Leben ein: Ludwig genießt den Zusammenhalt in Dannys Familie und Danny kann während seiner luxuriösen Auszeit für seinen Auftritt bei einem Song Contest üben. Doch bald schon treten die ersten Probleme auf, und das „Takeover“ droht – vor allem dank Dannys neugieriger Pflegeschwester Lilly – außer Kontrolle zu geraten. Alles steuert auf einen spektakulären Showdown beim großen Song Contest zu…


SIBERIA | Regie: Abel Ferrera | IT/DE/MEX 2020

Clint (Willem Dafoe) ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

US-Regisseur und Drehbuchautor Abel Ferrara schickt in dem magischen Drama „Siberia“ den großartigen Willem Dafoe („Der Leuchtturm“) auf eine aufregende Odyssee ins Unterbewusstsein. Seine Weltpremiere feierte der Film auf der Berlinale, wo er geteiltes Feedback erhielt.


Heimkinotipp: EIN VERBORGENES LEBEN | Regie: Terrence Malick  | DE/USA 2019

Franz Jägerstätter und seine Frau Fani bewirtschaften einen kleinen Bauernhof im oberösterreichischen Bergdorf St. Radegund. Der Anschluss ihres Landes an das Deutsche Reich (1938) hat zunächst kaum Auswirkungen auf den Alltag des Ehepaares. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beginnt sich indes auch in dem Provinzstädtchen vieles zu verändern. Wiederholt eckt Franz mit seiner Ablehnung von Hitlers menschenverachtender Politik an. Als Franz und alle anderen, kampffähigen Männer der Gegend zur Wehrmacht einberufen werden, wendet sich der strenggläubige Katholik zunächst an seinen lokalen Pfarrer, danach sogar an den Bischof. Schnell muss er einsehen, dass er bei seinem Plan, aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe zu verweigern keinen kirchlichen Beistand erhält. Dennoch bleibt er standhaft…

Terrence Malick kehrt mit einem ergreifenden Märtyrer-Biopic zum Geschichten erzählen zurück, ohne dabei den von ihm gewohnten Rausch der Bilder hintenanzustellen. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit einem visuell, vor allem aber emotional atemberaubenden Kino-Erlebnis belohnt.

Das startet am 25. Juni 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 25. Juni, nachdem die wöchentliche Kinovorschau in der vergangenen Woche schon wieder ausbleiben musste – in Ermangelung neuer Kinostarts natürlich. Die kommen kommende Woche dafür zuhauf. Und zwar gleich vier Stück auf einmal. Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ kommt endlich zum Zug, nachdem er als einer der ersten Filme von der Corona-Krise betroffen wurde. Die schräge Actionkomödie „Guns Akimbo“ traut sich in der geschnittenen Fassung (!) in die Kinos und die Musikromanze „The High Note“ erscheint zeitgleich im Kino sowie im Heimkino. Na, ob das so eine gute Idee ist?

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER FALL RICHARD JEWELL | Regie: Clint Eastwood  | USA 2019

„Da ist eine Bombe im Centennial Park. Sie haben 30 Minuten.“ 1996 erfährt die Welt zum ersten Mal von dem Wachmann Richard Jewell, der berichtet, die Zündvorrichtung während eines Bombenanschlags auf ein Konzert in Atlanta gefunden zu haben – seine Schilderung macht ihn zum Helden, denn sein schnelles Handeln hat unzählige Leben gerettet. Aber nur wenige Tage später nimmt sein Leben eine komplette Wendung: Der Möchtegern-Gesetzeshüter wird zum Hauptverdächtigen des FBI, gleichermaßen diffamiert durch die Presse und die Öffentlichkeit. Unerschütterlich an seiner Unschuld festhaltend, sucht Jewell Hilfe bei dem Anwalt Watson Bryant. Doch Bryant sieht sich der vereinten Gewalt von FBI, Georgia Bureau of Investigation und Atlanta Police Department nicht gewachsen, den Namen seines Klienten reinzuwaschen…

Clint Eastwoods auf wahren Ereignissen beruhendes Justizdrama „Der Fall Richard Jewell“ ist die unaufgeregte Studie einer medialen Hetzjagd, an deren Ende es keine Gewinner gibt. Großartige Hauptdarsteller und eine präzise Inszenierung können über kleine Schönheitsfehler hinwegtäuschen.


DER GEBURTSTAG | Regie: Carlos Andrés Morelli | DE 2019

Der siebenjährige Lukas (Kasimir Brause) hat Geburtstag. Trotz angespannter Verhältnisse organisieren die getrennt lebenden Eltern Matthias (Mark Waschke) und Anna (Anne Ratte-Polle) eine große Kinderparty mit Pinata und Torte. Im Wohnzimmer toben die Kinder, in der Küche die Eltern: Der gestresste Matthias hat, mal wieder, das anstehende Vater-Sohn-Wochenende abgesagt und den versprochenen Zoobesuch verschoben. Als die Party vorbei ist, folgt das nächste Problem: Der kleine Julius (Finnlay Jan Berger) wird von seinen Eltern nicht abgeholt. Matthias will den fremden Jungen eigentlich nur loswerden, doch die Ereignisse überschlagen sich. Angetrieben von seinem erwachenden Beschützerinstinkt, übernimmt der Teilzeit-Papa Verantwortung für den hilflosen Julius und seine Augen öffnen sich schließlich auch für die Bedürfnisse seines eigenen Sohns.

Ein denkwürdiger Genre-Beitrag aus Deutschland, irgendwo zwischen Film Noir, Familiendrama und mysteriösem Thriller, der sich einige Genreaspekte durch die Inszenierung, andere wiederum durch die Geschichte zueigen macht. Dazwischen ein starker Mark Waschke, ein bemerkenswert routiniert aufspielender Newcomer und das entrückte Gefühl des Unbehagens, das man kaum benennen kann, das aber doch immer allgegenwärtig ist.


GUNS AKIMBO | Regie: Jason Lei Howden  | UK/DE/NZL 2019

Der erfolglose Videospielentwickler Miles (Daniel Radcliffe) landet zufällig auf der Seite von „Skizm“, einem im Darknet live übertragenen Actionspiel, bei dem die Teilnehmer zu tödlichen Deathmatches antreten. Zunächst ist er einfach nur fasziniert von dieser virtuellen Welt. Doch dann wird Miles zum unfreiwilligen Mitspieler von „Skizm“, bekommt eine automatische Waffe in jede Hand geschraubt und muss gegen die unbesiegbare Kampfmaschine Nix (Samara Weaving) und noch viele weitere, gefährliche Gegener antreten, die mindestens genauso gut bewaffnet sind wie er selbst. Doch statt zu kämpfen, tritt Miles lieber die Flucht an. Erst als seine Ex-Freundin Nova (Natasha Liu Bordizzo) entführt wird, ist Miles gezwungen, sich dem Kampf auf Leben und Tod zu stellen. Doch das ist für so jemanden wie Miles schwieriger als gedacht…

Da wäre mehr drin gewesen! „Guns Akimbo“ rennt seinen offensichtlichen Vorbildern hinterher, mit Ausnahme eines blendend aufgelegten Daniel Radcliffe kann hier aber nichts und niemand für eigene Akzente sorgen.


THE HIGH NOTE | Regie: Nisha Ganatra | USA/UK/CHN 2020

Persönliche Assistentin für Musik-Superstar Grace Davis (Tracee Ellis Ross) zu sein, ist ein absoluter Fulltime-Job. Da bleibt Maggie (Dakota Johnson), die noch dazu seit Kindertagen ein glühender Fan der Soullegende ist kaum Zeit, ihren eigenen großen Traum zu verwirklichen und selbst Musik zu produzieren. Das macht ihr auch Jack Robertson (Ice Cube) immer wieder deutlich, der aktuell bemüht ist, ein neues Album für Grace Davis zu produzieren, um sie so zurück in die Charts zu katapultieren. Erst die Begegnung mit dem jungen charmanten David (Kelvin Harris Jr.), einem geheimnisvollen aufstrebenden Sänger, stellt ihr Leben auf den Kopf und lässt sie wieder an sich selbst und an die Liebe glauben. Doch mit der Lüge, Maggie sei selbst eine erfolgreiche Musikproduzentin, fangen die Probleme erst an…

Eigentlich besitzt „The High Note“ alle notwendigen Zutaten für einen launig-musikalischen Feelgood-Film. Doch das Drehbuch setzt die Charakter- und Erzählschwerpunkte vollkommen falsch. Das Endergebnis ist eine erschreckend musikarme Veranschaulichung von unsympathischen Figuren mit First-World-Problems vor immerhin berauschender Kulisse.


Heimkinotipp: SONIC THE HEDGEHOG | Regie: Jeff Fowler | USA/JPN/CAN 2020

Sonic (Ben Schwartz/Julien Bam) ist mit seinen 15 Jahren ein pubertierendes Powerpaket, aber dessen ist er sich selbst noch nicht wirklich bewusst. Zu seiner eigenen Sicherheit soll er sich auf dem Planeten Erde verstecken. Allerdings gibt es hierfür eine Bedingung: Die Welt soll niemals von seiner Existenz erfahren. Doch das erweist sich für den extrovertierten Igel als schier unmöglich, vor allem im Hinblick auf seine Super-Power, die er erst noch entdecken muss. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf ihn aufmerksam wird. Zum Glück gerät Sonic an Tom, einen zynischen Polizisten, der aber das Herz am rechten Fleck hat. Gemeinsam nehmen es die beiden mit Sonics verrücktem Erzfeind Dr. Robotnik auf, der sie schon bald über den ganzen Planeten jagt. Eine atemberaubende Verfolgungsjagd in Schallgeschwindigkeit beginnt…

Business as usual: „Sonic the Hedgehog“ ist eine gefällige Game-Verfilmung ohne Ecken und Kanten mit soliden Effekten, soliden Schauspielern, einer soliden Story. In Erinnerung wird man wohl nichts davon behalten. Aber immerhin sieht die Hauptfigur nach dem Redesign richtig gut aus.

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