Autor-Archive: Antje Wessels

Das startet am 21. November 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 21. November, an dem mit „Die Eiskönigin II“ mit ziemlicher Sicherheit einer der erfolgreichsten Filme des Jahres starten wird. Der einzige ernstzunehmende Konkurrent „Doctor Sleep“ (oder wie er hierzulande heißt: „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“) hat sich in den USA und Teilen Europas bereits als Flop entpuppt. Es wird interessant sein, zu sehen, wie sich der Film hierzulande halten wird. Ein Blick ins Programmkino offenbart übrigens einige echte Perlen: Vielleicht gebt ihr ja „Pferde stehlen“ oder „Bernadette“ eine Chance, wenn sie schon am deutschen Boxoffice wohl nicht viel reißen werden!?

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE EISKÖNIGIN II | Regie: Chris Buck, Jennifer Lee | USA 2019

Die beiden unzertrennlichen Schwestern Anna (deutsche Stimme: Yvonne Greitzke) und Elsa (Dina Kürten) führen ihr ruhiges Leben im Königreich Arendelle, nachdem sie vor drei Jahren eine beschwerliche Reise miteinander durchgestanden und dabei wieder zueinander gefunden haben. Bis eines Tages eine eigenartige Unruhe Elsa ergreift und eine geheimnisvolle Stimme mit sie in den Wald ruft, die ihr Antworten auf all ihre Fragen verspricht: Warum ist sie so wie sie ist, warum hat gerade sie magische Kräfte? Zusammen mit Anna, Olaf (Hape Kerkeling), Sven und Kristoff (Leonhard Mahlich) bricht sie auf, das Rätsel zu ergründen. Dabei trifft die Crew nicht nur das Volk des Waldes und andere neue Weggefährten, auf ihrer abenteuerlichen Reise müssen Elsa und Anna einmal mehr zusammenhalten und füreinander mit Mut, Vertrauen und Schwesternliebe einstehen.

„Die Eiskönigin II“ reicht aufgrund kleiner Schwächen zwar nicht ganz an den furiosen ersten Teil heran, erarbeitet sich mit einer überraschend komplexen Story und einer herbstlichen Optik aber eine ganz eigene Identität. Und genau damit machen die Macher alles richtig.


PFERDE STEHLEN | Regie: Hans Petter Moland | NOR/SWE/DK 2019

Die Schönheit Norwegens kann manchmal schmerzen. Dabei sucht der alte Trond (Stellan Skarsgård) nur die Einsamkeit, als er in das kleine Dorf im Wald zieht. In dieser Idylle erkennt er in seinem Nachbarn einen alten Bekannten aus Jugendtagen wieder. Plötzlich sind da all diese Erinnerungen an jenen Nachkriegssommer, als Trond (in jung: Jon Ranes) 15 Jahre alt war und mit seinem Vater mehrere Wochen beim Holzfällen im Wald verbrachte. Ein Sommer, in dem er mit einem Freund Pferde stahl und die Liebe entdeckte. Der Sommer, in dem auch ein Kind starb, der Freund verschwand und Geheimnisse seines Vaters (Tobias Santelmann) ans Licht kamen. Und der Sommer, in dem er seinen Vater das letzte Mal sehen sollte. „Erinnerungen, die das Bewusstsein fluten und den Schmerz bringen – doch als wie stark dieser empfunden wird, entscheidet man selbst.“

Hans Petter Molands Romanverfilmung „Pferde stehlen“ ist eine im Schmerz geborene Charakterstudie, die er bisweilen verschachtelter erzählt als nötig. Doch die malerischen Bilder und ein imposanter Score mit hohem Wiedererkennungswert ersticken jedweden Anflug von Skepsis im Keim und ziehen einen in seinen Bann, ohne dass man sich dem erwehren kann.


BERNADETTE | Regie: Richard Linklater | USA 2019

Bernadette Fox ist anders als die perfekt organisierten Mütter aus der Nachbarschaft. Sie ist chaotisch, exzentrisch, sensibel – und schläft schlecht. Bernadette braucht nach Jahren der Fürsorge für ihre Familie dringend mal wieder etwas Zeit für sich. Die einstige Stararchitektin hat Los Angeles den Rücken gekehrt und ist ihrem Mann Elgie , einem erfolgreichen IT-Manager, nach Seattle gefolgt. Dort leben die beiden mitsamt der 15-jährigen Tochter Bee in einer von Brombeerhecken umrankten alten Villa, die viel zu groß und obendrein sanierungsbedürftig ist. Als Bernadettes penible Nachbarin Audrey darum bittet, die Brombeerbüsche an der Grundstücksgrenze zu entfernen, setzt das eine Kette von Missgeschicken in Gang, die Bernadettes Leben endgültig auf den Kopf stellen. Und plötzlich ist sie verschwunden. Elgie und Bee nehmen die Suche auf – und ihre Reise endet schließlich mitten in der Antarktis mit einer überraschenden Entdeckung…

Cate Blanchett auf Abwegen – in einer Art „komischem ‚Blue Jasmine'“ erzählt Regisseur Richard Linklater von einer gleichermaßen exzentrischen wie innerlich vollkommen verzweifelten Mutter und Architektin, die erst in der Antarktis zu sich selbst findet. Wenngleich das Ende konstruiert wird, kann man sich an Blanchetts großartiger Performance einfach nicht satt sehen.


OFFICIAL SECRETS | Regie: Gavin Hood  | UK/USA 2019

2003: Katharine Gun, Übersetzerin beim britischen Nachrichtendienst GCHQ, erhält ein streng geheimes Memo. Darin fordert der US-Geheimdienst NSA die britischen Kollegen auf, einige Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren. Der perfide Plan: belastendes Material zu sammeln, um eine Zustimmung zur UN-Resolution für den Irakkrieg zu erpressen. Katharine gerät in einen moralischen Zwiespalt, entscheidet sich aber, das Dokument zu leaken. Die brisanten Informationen werden schließlich von Journalist Martin Bright im „Observer“ veröffentlicht – ein Coup! Sofort beginnt bei GCHQ die fieberhafte Jagd nach dem Whistleblower. Als Katharine erlebt, wie ihre Kollegen unter immer größerem Druck verhört werden, gesteht sie. Sie wird verhaftet und angeklagt, gegen den „Official Secrets Act“ verstoßen zu haben. Katharines letzte Hoffnung: Menschenrechtsanwalt Ben Emmerson.

„Official Secrets“ beginnt als richtig stark gespieltes und inszeniertes Thrillerdrama über eine junge Whistleblowerin und die Konsequenzen ihres Handelns für Politik und Journalismus. Leider kann Regisseur Gavin Wood die vor allem durch die messerscharfen Dialoge angetriebene Spannung der ersten Stunde nicht ganz bis zum Schluss aufrechterhalten, da er den Ausgang des Films selbst in der ersten Szene verrät.


STEPHEN KINGS DOCTOR SLEEPS ERWACHEN | Regie: Mike Flanagan | USA/UK 2019

Immer noch gezeichnet von den traumatischen Erlebnissen, die er als Kind im Overlook durchmachte, musste Danny Torrance (Ewan McGregor) darum ringen, so etwas wie Frieden in seinem Leben zu finden. Doch dieser Frieden wird erschüttert, als er die junge Abra (Kyliegh Curran) trifft, einen tapferen Teenager, der im Besitz einer mächtigen, übersinnlichen Kraft ist: des „Shining“. Ihren Instinkten folgend hat Abra erkannt, dass Dan diese Gabe ebenfalls besitzt. Sie bittet ihn um Hilfe, gegen die gnadenlose Rose the Hat (Rebecca Ferguson) und ihre Anhänger vom Wahren Knoten vorzugehen, die sich in ihrem Streben nach Unsterblichkeit vom Shining Unschuldiger ernähren. Bei dem Versuch, sich gegen ihre scheinbar übermächtige Bedrohung zur Wehr zu setzen, müssen Dan und Abra nicht nur zusammenhalten, sondern auch herausfinden, ob es noch mehr Menschen gibt, die das „Shining“ besitzen…


WAS GEWESEN WÄRE | Regie: Florian Koerner von Gustorf | DE 2018/2019

Astrid (Christiane Paul) ist Ende vierzig und hat ihr Leben fest im Griff. Sie hat sich in Paul (Ronald Zehrfeld) verliebt, und ihre erste gemeinsame Wochenendreise führt sie nach Budapest, auf ein paar romantische Tage zu Zweit. Doch in der ungarischen Hauptstadt kommt alles anders als geplant: Sie treffen auf Julius (Sebastian Hülk), Astrids erste große Jugendliebe, die 1986 in der DDR auf einer Künstlerparty begann. Und diese Liebe war damals nie einfach, aber immer aufregend. Es sind Gefühle, die durch den Lauf der Geschichte nicht richtig beendet werden konnten. Astrid betrachtet gemeinsam mit Paul ihre Vergangenheit, und plötzlich könnte alles sein, wie es nie gewesen war.

Faszinierend und fesselnd zugleich erzählt „Was gewesen wäre“ die Geschichte eines Paares, das sich für ein Wochenende in Budapest durch einen Zufall mit einer unausgesprochenen Vergangenheit konfrontiert sieht.


Heimkinotipp: DER KÖNIG DER LÖWEN | Regie: Jon Favreau | USA 2019

In den unendlichen Weiten der Steppe Afrikas wird ein künftiger König geboren: Simba (Donald Glover/Leonard Hohm), das lebhafte und neugierige Löwenjunge, vergöttert seinen mächtigen Vater, König Mufasa (James Earl Jones/Matti Klemm), und kann es kaum erwarten, selbst König zu werden. Doch sein Onkel Scar (Chiwetel Ejiofor/Torsten Michaelis) hegt eigene Pläne, den Thron zu besteigen, und zwingt Simba, das Königreich zu verlassen und ins Exil zu gehen. Mit Hilfe eines ausgelassenen Erdmännchens namens Timon (Billy Eichner/Marius Clarén) und seines warmherzigen Freundes, des Warzenschweins Pumbaa (Seth Rogen/Daniel Zillmann), lernt Simba erwachsen zu werden, die Verantwortung anzunehmen und in das Land seines Vaters zurückzukehren, um seinen Platz auf dem Königsfelsen einzufordern.

„Der König der Löwen“ ist optisch eine Offenbarung und darf auf tricktechnischer Ebene als Quantensprung bezeichnet werden. Auch die szenischen Ergänzungen sowie die Neuarrangements der Songs verhelfen der Neuauflage zu Eigenständigkeit. Doch ganz gleich, ob es nun daran liegt, dass wir nur die Originalfassung gesehen haben oder uns tierische Mimik einfach nicht so sehr mitleiden lässt wie menschliche: Der letzte emotionale Funke ist (noch) nicht übergesprungen.

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