Schlagwort-Archiv: Biopic

Das startet am 2. November 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es genau genommen um zwei Starttage, denn neben dem 2. November hat Marvel den 31. Oktober zum Starttermin auserkoren: An diesem einmaligen Feiertag geht das nächste „Thor“-Abenteuer auf Zuschauerfang und dürfte all diejenigen zufriedenstellen, die vor allem an den lustigeren Beiträgen des MCU Spaß haben. Darüber hinaus startet zwei Tage später der Festivalliebling „Patti Cake$“ und damit ein echter Feelgood-Film, während mit „Die Reise der Pinguine 2“ das Sequel eines Überraschungshits rauskommt, für das allerdings derart wenig Werbung gemacht wird, das kaum einer davon Notiz nehmen dürfte. Der Rest lässt sich unter „ferner liefen“ verbuchen, auch wenn das gerade im Hinblick auf „Good Time“ und „The Secret Man“ schade ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PATTI CAKE$ – QUEEN OF RAP  | Regie: Geremy Jasper | USA 2017

Die sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagende Patti (Danielle Macdonald), die drauf und dran ist, in ihrer heruntergekommenen Heimatstadt in New Jersey zu verkümmern, träumt von einer Karriere als Hip-Hop-Star. Während sie versucht, in der lokalen Szene mit originellen und berührenden Reimen als Killa P. alias Patti Cake$ groß herauszukommen, hangelt sie sich von Billigjob zu Billigjob. Gemobbt wegen ihres Übergewichts wird sie bei ihrem Kampf um Ruhm und Anerkennung nur von ihrer Großmutter (Cathy Moriarty) und ihren einzigen Freunden Jheri (Siddharth Dhananjay) und Basterd (Mamoudou Athie) unterstützt. Sogar ihre eigene Mutter Barb (Bridget Everett) hat für Pattis Traum nichts als Sarkasmus übrig und lädt auch noch ihren eigenen Kummer und Unglück auf ihrer Tochter ab. Aber Patti gibt nicht auf…

Erzählerisch bleibt „Patti Cake$ – Queen of Rap“ zwar weitestgehend überraschungsarm, doch Regisseur Geremy Jasper versteht es, das Optimum an Emotionen aus seiner Geschichte herauszuholen und verhilft der bislang weitestgehend unbekannten Powerfrau Danielle Macdonald zu ihrem längst überfälligen Durchbruch.


THOR: TAG DER ENTSCHEIDUNG (Kinostart: 31.10.)  | Regie: Taika Waititi | USA 2017

Durch unglückliche Umstände ist Donnergott Thor (Chris Hemsworth) auf der anderen Seite des Universums in Gefangenschaft gelandet. Ohne seinen legendären Hammer, der ihm übermenschliche Kräfte verleiht, muss er in einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen, nach Asgard zurückzukehren. Denn seine Heimat wird von der skrupellosen, allmächtigen Todesgöttin Hela (Cate Blanchett) bedroht, die Asgard und seine Hochkultur vernichten will. Um Ragnarök, die Götterdämmerung, zu verhindern, muss Thor über sich hinauswachsen, zunächst einmal aber seinen nächsten Kampf überleben. In einer Gladiatorenarena auf dem Planeten Sakaar trifft er unter den Augen seines Bruders Loki (Tom Hiddleston) und dem wahnwitzigen Herrscher Grandmaster (Jeff Goldblum) auf seinen früheren Verbündeten aus dem Avengers-Team: den wütenden Hulk (Mark Ruffalo). 

„Thor: Tag der Entscheidung“ irritiert mit seinem Look und hat deutliche Probleme innerhalb der Geschichte. Um große Emotionen scheint es Taika Waititi nicht zu gehen, weshalb er einfach jeden Anflug davon direkt im Keim erstickt. Dafür setzt der Regisseur einmal mehr sein Gespür für Pointen und Timing unter Beweis. „Thor 3“ ist definitiv der lustigste Marvel-Film innerhalb des Cinematic Universe.


GOOD TIME  | Regie: Benny SafdieJosh Safdie | USA 2017

Zunächst scheint alles gut zu gehen: Maskiert und mit einem ausgeklügelten Plan überfallen Constantine (Robert Pattinson) und sein jüngerer, geistig zurückgebliebener Bruder Nick (Benny Safdie) eine Bank. Doch bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle dreht Nick durch, wird geschnappt und ins Gefängnis gebracht. Der schüchterne Mann hat keine Chance, sich gegen seine Mithäftlinge zur Wehr zur setzen und wird prompt krankenhausreif geschlagen. Unterdessen versucht Constantine, die Kaution von 10.000 Dollar aufzutreiben, um Nick auszulösen. Als er erfährt, dass sein Bruder in einer Klinik ist, schmiedet er einen waghalsigen Plan: Er will Nick befreien und verschwinden. In einer Nacht voller Adrenalin beginnt für Constantine eine Odyssee durch New Yorks Unterwelt und ein spannungsgeladenes Spiel auf Zeit.

Mit „Good Time“ gelingt den Safdie-Brüdern ein visuell und akustisch einprägsamer, dynamisch inszenierter, erzählerisch allerdings nicht ganz so cleverer Gangsterthriller, der allein schon aufgrund eines überragenden Robert Pattinson einen Blick wert ist.


THE SECRET MAN  | Regie: Peter Landesman | USA 2017

USA im Sommer 1972 – Die Atmosphäre ist durch Vietnam-Krieg und Bürgerrechtsbewegung bereits aufgeheizt, als „Watergate“ wie eine Bombe einschlägt. Nach einem rätselhaften Einbruch in die Zentrale der Demokratischen Partei tappen viele Journalisten im Dunkeln. Ein Mann jedoch weiß mehr: Mark Felt, Vize-Chef des FBI, kennt die Ermittlungsergebnisse aus erster Hand und ist bereits früh von der Beteiligung der Nixon-Regierung überzeugt. Weiterer Grund seines Misstrauens ist der neue, von Nixon eingesetzte FBI-Direktor Patrick Gray, der die Watergate-Ermittlungen auffällig schnell beenden will. Nach 30 Dienstjahren ist Mark Felt hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum FBI und seinem Verständnis von Recht und Moral. Er riskiert schließlich alles und kontaktiert Bob Woodward, Redakteur der Washington Post… 

Regisseur Peter Landesman hat es immer noch nicht ganz raus, ein trockenes Thema emotional glaubhaft zu unterfüttern. Dafür ist „The Secret Man“ aufgrund seiner fokussierten Beobachtung des US-amerikanischen Politzirkus ein hochspannender Thriller, der dem famosen Liam Neeson seine nächste Oscar-Nominierung bescheren könnte.


GAUGUIN  | Regie: Edouard Deluc | FR/PYF 2017

Tahiti, 1891. Der französische Künstler Paul Gauguin (Vincent Cassel) hat sich in sein selbsterwähltes Exil nach Französisch-Polynesien zurückgezogen und will sich dort von der Schönheit und Exotik des Landes inspirieren lassen. Er lässt sich in der Obhut einer Familie von Einheimischen vom Dschungel verschlucken, trotzt Einsamkeit, Hunger und Krankheit. Während seinen Erkundungstouren über die Insel trifft er auf die junge Eingeborene Tehura (Tuhei Adams), in die er sich verliebt und die später auch zu seiner Muse und zum Modell seiner bekanntesten Gemälde werden wird. Als freier Mann in der Wildnis – fernab der Politik und Regeln eines zivilisierten Europas, entwickelt er einen neuen Stil des Malens, der später die berühmtesten Kunstwissenschaftler der Welt von seinem Können überzeugen wird. 

„Für ein handfestes Künstlerbiopic über den Maler Paul Gauguin ist Edouard Delucs Drama zu oberflächlich. Wem eine spektakuläre Naturkulisse und ein leidenschaftlich aufspielender Vincent Cassel genügen, darf allerdings gern einen Blick auf dieses durchaus inspirierende Filmprojekt riskieren.


PROFESSOR MARSTON & THE WONDER WOMEN  | Regie: Angela Robinson | USA 2017

Wir schreiben das Jahr 1941. Der bekannte und für seine Arbeit von Kollegen geschätzte Dr. William Marston (Luke Evans) ist lehrender Psychologe an der renommierten Harvard-Universität. Hier entwickelt er den ersten modernen Lügendetektortest und erschafft im Jahr 1941 die spätere Comicfigur der Wonder Woman. Marston lebt in einer polyamorösen Beziehung mit seiner selbstbestimmten Ehefrau Elizabeth (Rebecca Hall), die ebenfalls Psychologin und Erfinderin ist, und Olive Byrne (Bella Heathcote), einer ehemaligen Studentin. Wonder Woman wird zu einem kraftvollen Vorbild, das die feministischen Ideale repräsentieren soll, nach denen auch Elizabeth und Olive leben. Doch der Comic führt zu einer Kontroverse, deren Auswirkungen die Leben der drei Liebenden für immer verändern. 

Angela Robinson begibt sich in „Professor Marston & The Wonder Women“ zurück zu den Ursprüngen der ikonischen Comicfigur Wonder Woman und macht daraus eine seichte Dreiecks-Liebesgeschichte, die der spannenden Grundlage nicht gerecht wird. Am Ende wirkt die feministische Heldin eher wie das Ergebnis einer Männerfantasie.


DIE REISE DER PINGUINE 2  | Regie: Luc Jacquet | FR 2017

Ein Wiedersehen mit der Antarktis: Zwölf Jahre, nachdem Regisseur Luc Jacquet mit „Die Reise der Pinguine“ den Oscar gewann, kehrt er in die Heimat der Kaiserpinguine zurück. „Die Reise der Pinguine“ gehört mit über 25 Millionen Zuschauern weiterhin zu den weltweit erfolgreichsten Naturdokumentationen. Auch in Deutschland erzielt der Film mit 1,4 Millionen Zuschauern für eine Doku einen bis dahin ungeahnten Erfolg. Die Faszination für die einzigartigen Bewohner der Antarktis hat Jacquet nie losgelassen, und so organisierte er erneut eine Expedition ins ewige Eis, die sich im Herbst 2015 auf den Weg machte, über Monate hinweg unter extremsten Bedingungen das Leben in diesem einzigartigen Ökosystem zu filmen, das wie kaum ein anderes unmittelbar vom Klimawandel bedroht wird. Jacquet und sein Team drehten größtenteils in 4K-Ultra-HD-Auflösung und setzten dabei auch Drohnen und Tauchboote ein. 

Die Fortsetzung zum Millionenerfolg „Die Reise der Pinguine“ ist als solche nur konsequent – erzählt sie doch im Grunde nur all das noch einmal, was man bereits aus dem ersten Teil erfuhr. Die bildgewaltigen Naturaufnahmen sind einmal mehr spektakulär, doch der Zuschauer erfährt kaum Neues und muss sich diesmal außerdem mit einem ziemlich seichten Off-Kommentar zufrieden geben.


CASTING  | Regie: Nicolas Wackerbarth | DE 2017

Für ihren ersten Fernsehfilm sucht Regisseurin Vera (Judith Engel) die Idealbesetzung. Kurz vor dem ersten Drehtag und nach zahlreichen Castings hat sie die Hauptrolle immer noch nicht gefunden. Produzent und Team verzweifeln, doch Gerwin (Andreas Lust) freut sich über die Mehrarbeit: Er verdient sein Geld als Proben-Anspielpartner und spricht Dialogsätze für die prominenten Bewerberinnen ein, die eigentlich alles andere nötig haben, als sich einem Casting zu stellen.

Was für ein erfrischender, besonderer, lustiger, mit dem Thema Casting, Inszenierung, Inszenierung der Inszenierung spielender, vielschichtiger und überraschender Film. Weit über den Rahmen von Castings, Filmgeschäft und Probensituationen hinaus, öffnet „Casting“ lässig, direkt, klug und unterhaltsam den Blick auf eine Welt, in der Selbstvermarktung zu unser aller Alltag geworden ist.


LADY MACBETH  | Regie:  William Oldroyd | UK 2016

England im Jahr 1856. Die schöne und eigensinnige Katherine (Florence Pugh) wird gegen ihren Willen von ihrer Familie mit einem verbitterten und deutlich älteren Mann verheiratet. Die Ehe ist herzlos und die ihr aufgebürgte, neue Familie betrachtet sie als unerwünschte Bürde. In diesem Umfeld vereinsamt die lebenshungrige junge Frau zusehends. Als ihr ungeliebter Ehemann zu einer längeren Reise aufbricht und sie allein zurücklässt, erwacht Katherine aus ihrer Lethargie. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einem rebellischen Gutsarbeiter und ist schon bald nicht mehr bereit, ihr neu gewonnenes Glück wieder loszulassen. Ihr Ehemann kehrt schließlich zurück und entdeckt das Geheimnis seiner Frau. Doch Katherine ist wie verwandelt. Sie wird sich niemandem mehr unterwerfen und sie schreckt vor nichts zurück, um das zu bekommen, was sie begehrt…


BARBIE – DIE MAGIE DER DELFINE  | Regie: Conrad Helton | CAN 2017

Barbie und ihre Schwestern freuen sich auf einen tollen Sommer am Meer und möchten Ken bei seinem Sommerpraktikum besuchen. Dieser erforscht Delfine, die an einem Korallenriff leben. Während eines Tauchgangs im Riff entdecken die Schwestern sehr seltene, regenbogenfarbene Delfine, die nur einmal im Jahr erscheinen. Diese Begegnung beeindruckt sie so sehr, dass die Schwestern unbedingt mehr über die Erhaltung des Riffs erfahren möchten und über die Meerestiere, die dieses Riff bewohnen. Sie lernen Isla kennen, ihre mysteriöse neue Freundin. Ihre Mission ist ebenfalls der Schutz des Riffs. Das Abenteuer beginnt, als Barbie und die anderen herausfinden, dass Isla in Wirklichkeit eine Meerjungfrau ist. Aber den Schwestern bleibt keine Zeit ihre neue Freundschaft mit einer echten Meerjungfrau zu feiern, denn Isla braucht ganz dringend ihre Hilfe und auch die Hilfe der Delfine – sie müssen das Riff retten!


Heimkinotipp: DU NEBEN MIR  | Regie: Stella Meghie | USA 2017

Was wäre, wenn du in der Außenwelt nichts anfassen könntest? Wenn du nie frische Luft atmen, nie die Wärme der Sonne auf dem Gesicht spüren… und niemals den Nachbarsjungen küssen dürftest? Die 18-jährige Maddy (Amandla Stenberg) muss sich jeden Tag diese Frage stellen. Die clevere, neugierige und fantasievolle Teenagerin ist aufgrund einer schweren Krankheit gezwungen, in ihrer hermetisch versiegelten Wohnung zu leben – doch Nachbarsjunge Olly (Nick Robinson) lässt sich davon nicht abschrecken. Obwohl sich die beiden nur durchs Fenster sehen und über Textnachrichten verständigen können, entwickelt sich zwischen ihnen eine intensive Beziehung – was dazu führt, dass die beiden alles aufs Spiel setzen. Selbst wenn sie dadurch alles verlieren sollten. 

Die ebenso kreativ wie sensibel erzählte Liebesgeschichte „Du neben mir“ ist inszenatorisch ein wenig generisch geraten, kann diesen Eindruck jedoch mit zwei toll miteinander interagierenden Hauptdarstellern ausgleichen und überrascht im Finale mit einem Twist, an dem sich die Geister scheiden werden.

Das startet am 19. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 19. Oktober, über dessen spannendste Starts ich bislang nichts sagen kann beziehungsweise darf. Für „Geostorm“ besteht eine Sperrfrist bis einschließlich Mittwoch, „Schneemann“ dagegen wurde der Presse bislang nicht vorgeführt. Dafür startet der schwedische Oscar-Kandidat „The Square“, der Satirefreunden unbedingt ans Herz gelegt sei, darüber hinaus gibt es für alle Fans von Filmen wie „Rush“ das biographische Drama „Borg/McEnroe“ über eines der spannendsten Tennismatches aller Zeiten. Und auch Deutschland hat mit „Es war einmal Indianerland“ ein spannendes Programm zu bieten, während das eigentliche Highlight der Woche diesmal im Heimkino zu finden ist, wo endlich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ genossen werden kann.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE SQUARE  | Regie: Ruben Östlund | SWE/DE/FR/DK 2017

Christian (Claes Bang) ist der smarte Kurator eines der größten Museen in Stockholm. Die nächste spektakuläre Ausstellung, die er vorbereitet, ist „The Square“. Es handelt sich dabei um einen quadratischen Platz, der als moralische Schutzzone fungieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll. Jeder der hier Hilfe benötigt, soll sie bekommen. Doch wie bei den meisten modernen Menschen ist es auch bei Christian nicht weit hin mit diesem Vertrauen – auch er verriegelt die Tür seines stylischen Apartments und würde seinen Tesla nicht unbeaufsichtigt in einer zwielichtigen Gegend parken. Als Christian ausgeraubt wird und ihm kurz darauf die provokante Medienkampagne zu „The Square“ um die Ohren fliegt, geraten sein eigenes Selbstverständnis wie auch sein Gesellschaftsbild schwer ins Wanken. 

Extrem bissig aber nie verächtlich sagt Ruben Östlund in seiner preisgekrönten Satire „The Square“ vor allem eines aus: Nehmt Euch doch bitte alle nicht so ernst! Und das gelingt: Mithilfe seines phänomenalen Ensembles führt er mit spitzer Zunge eine Branche vor, die immer wieder droht, den Zugang zur Realität zu verlieren. Ein wahrhaft spektakuläres Ereignis von brüllender Komik!


BORG/McENROE  | Regie: Janus Metz | SWE/DK/FIN 2017

1980: Das traditionsreichste Tennisturnier, die Wimbledon Championships, steht vor der Tür und für den besten Tennisspieler der Welt soll es ein Triumphzug werden. Björn Borg kann zum fünften Mal den Titel holen. Jedoch hat seine lange, schon im Kindesalter begonnene Karriere Spuren hinterlassen. Obwohl er erst 24 Jahre alt ist, fühlt Borg sich erschöpft und ausgebrannt, leidet unter Ängsten. Davon ist John McEnroe noch weit entfernt. Der 20jährige aufstrebende Star will Borg vom Thron stürzen und ist fest entschlossen, Wimbledon zu gewinnen. Doch mehr und mehr fühlt er sich, ebenso wie Borg, als wäre er in einem Käfig gefangen. In der Öffentlichkeit sorgt McEnroes aufbrausendes Temperament immer wieder für Schlagzeilen und die Medien stilisieren den Zweikampf immer weiter hoch: der coole Borg gegen den verzogenen McEnroe.

Janus Metz lässt in seinem skandinavischen Langfilmdebüt „Borg/McEnroe“ nicht bloß die Achtzigerjahre wiederaufleben, sondern auch eine der heißblütigsten Rivalitäten der Tennisgeschichte. Der mit ebenso dramatischen, wie komischen Zwischentönen versehene Sportfilm ist ein wenig zu sehr auf Björn Borg fokussiert, hat allerdings das Herz am rechten Fleck und ist selbst dann hochspannend, wenn einem der Ausgang des Matchs bekannt ist.


ES WAR EINMAL INDIANERLAND  | Regie:  Ilker Çatak | DE 2017

Stell dir vor, du (Leonard Scheicher) bist 17 und lebst in den Hochhäusern einer großen Metropole am Stadtrand. Du kennst sie alle – die Rowdys, die Außenseiter und deine Verehrerinnen. Die Luft flimmert: Es ist Sommer. Dann die Nacht, als dir die geheimnisvolle Jackie (Emilia Schüle) dir den Kopf verdreht, die du zuvor noch nie gesehen hast. Im Freibad, Fuchsrotes Haar. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und Peng. Dir fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner (Clemens Schick) erwürgt seine Frau. Edda (Johanna Polley), die 21-jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Du steigst mit Kondor (Joel Basman) in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer zu sehen. Und zum Showdown zieht ein geradezu biblisches Gewitter auf. Fühlt es sich so an – das Abenteuer, jung zu sein?

Im Rausch des Erwachsenwerdens – „Es war einmal Indianerland“ steckt voller kreativer Einflüsse und Ideen, denen Regisseur Ilker Çatak jedoch nicht immer Herr wird. An seiner Vision, eine unkonventionelle Teenager-Geschichte erzählen zu wollen, ändert das jedoch nichts. Sein Film ist ein Erlebnis, dem man inszenatorische Schwächen verzeiht.


SCHNEEMANN  | Regie: Tomas Alfredson | UK/USA/SWE 2017

Oslo, mitten im Winter. Der erste Schnee fällt. Plötzlich verschwinden diverse junge Mütter spurlos – was bleibt, ist ein Schneemann in ihren Vorgärten, den der mutmaßliche Entführer für sie hinterlässt. Er spielt ein gemeingefährliches Spiel mit seinen Opfern – und mit den auf ihn angesetzten Ermittlern. Kommissar Harry Hole (Michael Fassbender) recherchiert fieberhaft in einem Labyrinth aus Verdächtigungen und falschen Fährten nach ihrem Killer. Die brutalen Morde müssen enden, noch bevor der nächste Schnee fällt, denn der Mörder geht immer brutaler vor und wird mutig, als er nun schon vorab ankündigt, wen er als nächstes umbringen wird. Zusammen mit der Nachwuchsbeamtin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson) vermutet der eigenwillige Einzelgänger einen nie gefassten Serienmörder hinter den Verbrechen. Als seine Freundin Rakel ins Visier des Killers gerät, entwickelt sich ein mörderisches Duell.

„Schneemann“ ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite funktioniert der auf einem Bestseller von Jo Nesbø basierende Serienkillerthriller darüber, den Zuschauer bis zuletzt über den Täter im Unklaren zu lassen und bei der Auflösung schließlich zu überraschen. Auf der anderen Seite lässt Tomas Alfredson zu viele Fragen offen und Handlungsstränge ins Leere laufen, sodass der Eindruck entsteht, der Film sei vorab der Schere zum Opfer gefallen. Die Folge: Vieles wirkt konstruiert und nicht immer logisch.


GEOSTORM  | Regie: Dean Devlin  | USA 2017

Eine beispiellose Serie außergewöhnlicher Naturkatastrophen bahnt sich ihren Weg rund um den Globus. Mitten in der Wüste rafft ein Eissturm die Einwohner eines Dorfes nieder, basketballgroße Hagelkörner krachen auf die Erde und riesige Flutwellen bedrohen die Städte. Aus diesem Anlass kommen die Regierungschefs der Welt zusammen, um ein Netz von Satelliten zu schaffen, das das Weltklima überwacht und Sicherheit für alle garantiert. Doch nun ist etwas schief gelaufen und das System, das den Planeten eigentlich schützen sollte, greift diesen an. In einem Wettlauf gegen die Zeit muss die wahre Bedrohung entdeckt werden, bevor ein weltweiter Geostorm alles ausradiert – und jeden. Dafür begibt sich der Wissenschaftler Jake (Gerard Butler) auf eine Weltraumstation um von dort aus die defekten Systeme zu reparieren. Doch die Zeit drängt – und irgendeiner in dem Team sabotiert außerdem seine Arbeit. 

Viel Gerede, wenig Zerstörung und ein gelangweilter Gerard Butler: Auch wenn ein Subplot rund um eine Verschwörung einen Hauch Spannung aus „Geostorm“ herauskitzeln kann, ist dieser technisch ambivalente Katastrophenthriller reine Zeit- und Geldverschwendung.


CLASH  | Regie: Mohamed Diab | ÄG/DE/FR 2016

Kairo im Sommer 2013. Nach der Revolution von 2011, den ersten freien Wahlen und dem anschließenden Militärputsch befindet sich Ägypten im Chaos. Muslimbrüder und Anhänger des Militärs liefern sich Strassengefechte, zwischen denen die Revolutionäre des Tahrir-Platzes aufgerieben werden. Der Film folgt einer Gruppe von Menschen, die in einem Transportfahrzeug der Polizei eingesperrt sind. Während sie die gewalttätigen Auseinandersetzungen außen hilflos mit ansehen müssen, prallen auch im Inneren des Fahrzeugs die unterschiedlichen politischen Ansichten und Emotionen der Menschen aufeinander. Anhänger der Muslimbrüder und des Militärs, desillusionierte Jugendliche und ganz normale Bürger liefern sich einen ideologischen und handfesten Schlagabtausch. In der klaustrophobischen Enge des Schauplatzes entfaltet Diab nach „Kairo 678“ ein Panorama Ägyptens unter Hochspannung.


Heimkinotipp: SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT  | Regie: J.A. Bayona | UK/ESP/USA 2016

Das Leben des jungen Conor (Lewis MacDougall) ist alles andere als sorglos: Seine Mutter (Felicity Jones) ist ständig krank, er muss deshalb bei seiner unnahbaren Großmutter (Sigourney Weaver) wohnen, und in der Schule verprügeln ihn die großen Jungs. Kein Wunder, dass er jede Nacht Albträume bekommt. Doch dann wird alles anders: Als er wieder einmal schweißgebadet – um punkt sieben Minuten nach Mitternacht – aufwacht, hat sich der alte Baum vor seinem Fenster in ein riesiges Monster verwandelt und spricht zu ihm. Ist das noch der Traum – oder ist es Realität? Das weise Monster beginnt, ihm Geschichten zu erzählen. Fortan kommt sein ungewöhnlicher Freund jede Nacht und seine Erzählungen führen Conor auf den Weg zu einer überwältigenden Wahrheit…

Ein Fazit zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“ zu verfassen, würde bedeuten, all die von diesem Film ausgehende Wucht zusammenfassen zu wollen. Zu zähmen, was nicht gezähmt werden darf, die Kraft zu bündeln, und zum Abschluss zu bringen was auch nach seinem Ende noch fortbestehen muss. Ein Film wie dieser braucht kein Fazit. Er braucht ja noch nicht einmal eine Kritik…

« Ältere Einträge