Schlagwort-Archiv: Biopic

Zehn Filme, die mich im 2. Quartal 2017 genervt haben

Zum Ende eines jeden Quartals veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine zehn ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen drei Monate. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY (eben so gar nicht) gefallen hat, werde ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik ab sofort nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme inklusive Trailer vorstellen, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen vier Wochen zu veröffentlichen. Nach meinen zehn Lieblingsfilmen folgt hier das Flop-Ranking. Viel Spaß!

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Das startet am 15. Juni 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 15. Juni, der von der Kopienanzahl vermutlich von dem gnadenlos überhypten „Wonder Woman“ dominiert wird, jedoch auch eine sehr hohe Anzahl an Alternativen zu bieten hat. Fans derberer Kost bekommen mit „Das Belko Experiment“ einen blutigen FSK-18-Schocker zu bieten, wer sich lieber seiner Träumereien hingibt, für den ist der wunderschön bebilderte „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ die richtige Wahl und für die aller kleinsten gibt es den ersten „Bob der Baumeister“-Kinofilm zu sehen. Müßig zu erwähnen, dass wohl kaum einer dieser Filme die Chance hat, an den Kinokassen abzuräumen. Das gilt übrigens auch für „Loving“, der nach seinem ursprünglichen Kino-Aus aber immerhin doch noch in die Lichtspielhäuser kommt. Übrigens: Zu „All Eyez On Me“ besteht bis Dienstag leider noch eine Sperrfrist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DAS BELKO EXPERIMENT  | Regie: Greg McLean | USA/COL 2016

Eine Gruppe von Angestellten verrichtet ihre Arbeit tagtäglich beim weltberühmten Belko-Konzern. Was genau hier für Geschäfte abgewickelt werden, wissen jedoch selbst die Mitarbeiter nicht so recht. All das spielt allerdings überhaupt keine Rolle mehr, als eines Tages Tag plötzlich eine Stimme durch die Lautsprecher ertönt, die sämtliche im Haus befindlichen Leute zu einem Experiment auffordert: In den kommenden 30 Minuten sollen zwei der 80 Mitarbeiter ihr Leben lassen. Wie das geschieht, sei den Angestellten selbst überlassen. Sollte das allerdings nicht geschehen, sterben weitaus mehr als bloß zwei Menschen. Keiner weiß, wie ernst es diese Stimme meint, worauf das Experiment hinaus läuft und wer am Ende des Tages noch übrig ist. Fakt ist, dass nach der verstrichenen Frist vier Köpfe explodieren. Und dass es aus dem riesigen Gebäudekomplex kein Entrinnen gibt.

„Das Belko Experiment“ ist ein überraschend grimmiger Action-Slasher mit hohem Gore-Gehalt, der mit punktuellem Witz dafür sorgt, dass die Szenerie ihre Bedrohlichkeit behält ohne zu sehr zu verstören. Interessant: Trotz der sehr hohen Anzahl an Figuren geht einem das Schicksal jeder einzelnen nah. Und wenn sich am Ende schließlich herauskristallisiert, was das alles eigentlich sollte, dann beginnt man plötzlich, unsere Gesellschaft einmal von Grund auf zu überdenken.


DER WUNDERBARE GARTEN DER BELLA BROWN  | Regie: Simon Aboud | UK/USA 2016

Die einst als Waisenmädchen von Enten groß gezogene Bella Brown (Jessica Brown Findlay) liebt die kleinen Dinge, die ihre Phantasie beflügeln, und träumt davon, Kinderbücher zu schreiben. Im echten Leben und in ihrem Haus aber liebt sie Ordnung über alles. Natur ist ihr ein Grauen, bedeutet sie doch Willkür und Chaos. Als sie von ihrem Vermieter gezwungen wird, ihren verwilderten Garten innerhalb eines Monats in einen blühenden zu verwandeln, weil ihr sonst die Kündigung droht, bekommt sie unerwartet Hilfe von ihrem mürrischen Nachbar Alfie Stephenson (Tom Wilkinson). Und hat nicht nur einen sehr grünen Finger, eine Menge Lebensweisheit und einen überaus begabten Koch namens Vernon (Andrew Scott), der Bella ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite steht…

Mit seiner Leichtigkeit und Verspieltheit, der farbenfrohen Inszenierung und den liebenswert-neurotischen Figuren ist „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ ein auf den Spuren von „Amelie“ wandelndes Erwachsenenmärchen, das es in seiner zeitlosen Schönheit vollkommen vergessen macht, dass die Geschichte an sich nicht wirklich innovativ ist. Ein herrlicher Geheimtipp!


LOVING  | Regie: Jeff Nichols | UK/USA 2016

Es sind die 50er Jahre, Richard (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga) sind sehr ineinander verliebt. Doch Mildreds Hautfarbe macht eine Liebesbeziehung unmöglich. In den Augen der anderen Weißen gehören die beiden nicht zusammen, unabhängig von der starken Zuneigung, die sie füreinander empfinden. Eine Ehe zwischen schwarz und weiß ist in ihrer Heimat Virginia verboten, also reist das Paar in das liberalere Washington DC. Durch eine Hochzeit wollen sie allen zeigen, dass sie für immer zusammengehören, auch offiziell. Doch die Freude währt nur kurz. Nach ihrer Rückkehr werden sie für ihre Tat mit Feindseligkeit und Hass bestraft; als die Polizei sie verhaftet, stellt man sie vor die Wahl: Ein getrenntes Leben in Virginia oder ein gemeinsames Leben fern ihrer Heimat, ihrer Familien, ihrer Freunde. 

Regie-Tausendsassa Jeff Nichols macht aus seinem intensiv gespielten Rassendrama „Loving“ eine ereignisreiche Mischung aus herzzerreißender Liebesgeschichte, fesselndem Gerichtsdrama und schockierender Alltagsbeobachtung, von der man sich wünschen würde, dass sie einem nicht so vertraut vorkäme.


BOB DER BAUMEISTER – DAS MEGA-TEAM | Regie: Stuart Evans, Colleen Morton | UK 2017

Noch nie haben Bob der Baumeister und sein Team einen so wichtigen und aufwändigen Auftrag übernommen. Sie werden einen alten Steinbruch in einen Stausee verwandeln und einen riesigen Staudamm bauen. Baggi, Buddel und Heppo wollen sich gerade auf die Arbeit stürzen, als plötzlich eine gewaltige Überraschung heranrollt: Drei große, starke, mächtige Mega Maschinen! Ace, Rumms und Kracher sind zusammen mit ihrem Baumeister Conrad gekommen, um Bob bei dem Bau des Staudamms zu helfen. Vor allem Baggi ist begeistert, denn er ist ein großer Fan von Mega-Bagger Ace, der früher einmal ein Fernsehstar war. Die beiden freunden sich schnell an, doch darüber vergisst Baggi vollkommen seine alten Freunde Buddel und Heppo. Die wiederum stellen bald fest, dass Rumms und Kracher zwar stark, aber alles andere als nett sind.

Der solide animierte und mit seinen sechzig Minuten das junge Publikum nicht überfordernde Film „Bob der Baumeister – Das Megateam“ verknüpft Spannung, Herz und Humor auf solch zuckersüße Weise, das sich auch die erwachsenen Zuschauer nicht allzu sehr langweilen werden.


WONDER WOMAN | Regie: Patty Jenkins | USA/CHN/HKG 2017

Vor ihrem Siegeszug als Wonder Woman wurde die Amazonenprinzessin Diana (Gal Gadot) zu einer unüberwindlichen Kriegerin ausgebildet. Sie wuchs in einem abgelegenen Inselparadies auf – erst von dem notgelandeten amerikanischen Piloten Steve (Chris Pine) erfährt sie von den fürchterlichen Konflikten im Rest der Welt. Daraufhin verlässt sie ihre Heimat, weil sie überzeugt ist, dass sie der bedrohlichen Situation Herr werden kann. In dem Krieg, der alle Kriege beenden soll, kämpft Diana an der Seite der Menschen, entdeckt allmählich ihr volles Potenzial… und ihre wahre Bestimmung, die darin liegen könnte, an der Seite einer Handvoll Helden die Welt zu retten. Sollte sie diesen lebensgefährlichen Konflikt überleben…

Auch „Wonder Woman“ kann nicht dafür sorgen, dass sich das DC-Universum aus seinem qualitativen Tief befreit. Mit Ausnahme einiger nett inszenierter Nahkampfszenen, ordentlichen Darstellern und ein wenig Humor im Mittelteil ist auch dieser Blockbuster ein mit wenig ansprechendem CGI vollgestopftes, weitestgehend seelenloses und sich viel zu ernst nehmendes Fantasyaction-Spektakel, das seinen feministischen Gedanken vollkommen verfehlt


ALL EYEZ ON ME  |  Regie: Benny Boom | USA 2017

Tupac Shakur (Demetrius Shipp Jr.) wächst in den Straßen New Yorks auf und wird hineingeworfen in eine Welt aus Ungerechtigkeit und Willkür. Er muss mitansehen, wie seine Community an Drogen zerbricht und von einer brutalen Polizeimacht unterdrückt wird. Schon früh experimentiert er mit Rap, um seiner Realität als junger schwarzer Mann eine Stimme zu geben. Sein Erfolg, plötzliche Berühmtheit und ein Leben mit viel Geld, Glanz und Glamour, werden aber gleichzeitig auch sein Untergang sein: Immer wieder gerät er mit dem Gesetz in Konflikt. 1995 muss er erneut ins Gefängnis. Als er nach seiner Entlassung zu Death Row Records geht und das Doppelalbum „All Eyez on me“ veröffentlicht, wird 2Pac zu einem der beliebtesten Rapper auf dem Planeten. Am 7. September 1996 wird er in Las Vegas auf offener Straße angeschossen. Sechs Tage später stirbt er mit nur fünfundzwanzig Jahren. 

Ob sich Tupac Shakur eine zweieinhalbstündige Seifenoper als filmisches Vermächtnis gewünscht hätte? Fakt ist: „All Eyez On Me“ holt kaum etwas aus dem harten Lebensweg des Musikers heraus, lässt den Konflikt zwischen West und East Coast sogar vollkommen unberücksichtigt und am Ende weiß man über den Menschen hinter dem Rapper genauso viel wie noch zu Beginn – nämlich gar nichts.


MARIA MAFIOSI |  Regie: Jule Ronstedt | DE 2017

Es scheint ‚alles paletti‘ zu sein, im so ausgelassenen Leben der hochschwangeren Polizistin Maria Moosandl aus Landsberg am Lech. Der Job macht ihr Spaß und sie freut sich auf die Zukunft, mit dem vor den Angehörigen noch geheim gehaltenen Vater, Rocco Pacelli. Der junge Italiener ist Sohn des Pizzeria-Besitzers und – wie sich herausstellt – Kleinstadt-Paten Silvio. Rocco will seinen Eltern jetzt endlich die gute Nachricht von dem Nachwuchs und seiner Hochzeit überbringen. Doch so einfach wie er sich das vorstellt, geht das nicht. Zur leidigen Überraschung des jungen Glücks sorgt Roccos Familie ausgerechnet jetzt für gewaltige Unruhe und durchkreuzt mit Papa Silvio die Hochzeitspläne durch seine eigenwilligen italienischen Geschäftsstrategien: Rocco ist angeblich einer Italienerin versprochen! 

Der Schlussakt reißt mit und auch die Darsteller geben sich alle Mühe, mehr aus dem Film herauszuholen, als abgestandene Klischees über Bayern und Italiener. So richtig klappen will das allerdings nicht. „Maria Mafiosi“ kann dem Genre der deutschen Krimikomödie keine eigenen, geschweige denn neuen Facetten hinzufügen.


MÄDELSTRIP  |  Regie: Jonathan Levine | USA 2017

Emily Middleton befindet sich auf dem Tiefpunkt: Sie wird gefeuert, verlassen und von ihren „Freundinnen“ gemieden. Ihr geplanter Ecuador-Urlaub scheint ins Wasser zu fallen, also fährt sie zu ihrer Mutter Linda, um sich auszuheulen. Linda, die sich noch immer um ihren erwachsenen und jeglicher Änderung im Leben ängstlich entgegnenden Sohn Jeffrey kümmert, fristet seit dem Ableben ihres Mannes ein ruhiges, abgeschottetes Leben. Da kommt Emily der Geistesblitz: Ihre Mutter könnte mit nach Ecuador reisen – es ist der exzentrischen, frisch gebackenen Junggesellin zwar peinlich, in ihrem Alter noch immer mit Mama unterwegs zu sein, aber sie kann ihr so wenigstens ein Abenteuer schenken. In Ecuador angekommen, dauert es nicht lang, bis sich die beiden gehörig auf die Nerven gehen… 

Eine Komödie, die nur minimal vergnüglicher ist, als die Qualen, die ihre Hauptfiguren durchleiden: Dass in Jonathan Levines staubig-miefiger Thrillerkomödie die sympathischste Figur ein Regierungsvertreter ist, der die Heldinnen nicht retten will, dürfte Bände sprechen. Da will man doch lieber selbst schnell Reisaus nehmen!


HILFE, UNSER LEHRER IST EIN FROSCH!  |  Regie: Anna van der Heide | NED 2016

Lehrer Franz übt seinen Beruf mit Freude und Leidenschaft aus und ist deshalb bei seinen Schülern überaus beliebt. Als die kleine Sita entdeckt, dass Franz sich manchmal in einen Frosch verwandelt, setzt sie gemeinsam mit den anderen Kindern der Klasse alles daran, ihrem Lehrer zu helfen, Fliegen für ihn zu fangen und ihn vor gefährlichen Tieren – wie Störchen – zu schützen. Aber dann übernimmt ein neuer Direktor die Schule und die Lage spitzt sich zu. Der Schulleiter schätzt Franz‘ liberale Methoden gar nicht. Außerdem hat er selbst ein dunkles Geheimnis… Entstanden nach dem Kinderroman von Paul van Loon wartet dieses liebenswerte moderne Märchen mit vielen vergnüglichen Szenarien auf. In Holland war der Film ein Überraschungserfolg an den Kinokassen und konnte große sowie kleine Zuschauer für sich begeistern. Im Sommer kommt der Film nun auch in die deutschen und österreichischen Kinos.


ICH WÜNSCHE DIR EIN SCHÖNES LEBEN  |  Regie: Ounie Lecomte | FR 2015

Elisa ist für einige Monate in Dünkirchen als Vertretung in einer Praxis. Sie hat ihren Sohn Noah mitgebracht und lässt ihn hier zur Schule gehen. Vor 30 Jahren ist Elisa in Dünkirchen anonym geboren und von ihrer leiblichen Mutter direkt zur Adoption freigegeben worden. Elisa hat ihre leibliche Mutter über die Adoptionsbehörde gebeten, sich zuerkennen zu geben. Aber Elisas Mutter weigert sich ihre Identität zu offenbaren. Elisa hofft auf ein Einlenken der unbekannten Mutter, wenn sie in der gleichen Stadt lebt und auch auf den Zufall. Über viele Jahre hat Elisa die Frage nach ihren leiblichen Eltern in sich verschlossen. Da ihr Sohn Noah, aber einen arabischen Einschlag hat, der nicht von seinem leiblichen Vater kommen kann, kommen nur Elisas unbekannte Eltern in Frage. Als Noah anfängt sich in der Schule mit den arabisch stämmigen Kindern zu solidarisieren, erkennt Elisa, dass sie auch für Noah Antworten zu ihrer unbekannten Familie finden muss.


Heimkinotipp: HIDDEN FIGURES  |  Regie: Theodore Melfi | USA 2016

Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) arbeiten zu Beginn der Sechzigerjahre bei der NASA und sind an vorderster Front an einem der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte beteiligt. Die brillanten Mathematikerinnen sind Teil jenes Teams, das dem ersten US- Astronauten John Glenn die Erdumrundung ermöglicht. Eine atemberaubende Leistung, die der amerikanischen Nation neues Selbstbewusstsein gibt, den Wettlauf ins All neu definiert und die Welt aufrüttelt. Dabei kämpft das visionäre Trio um die Überwindung der Geschlechter- und Rassengrenzen und ist eine Inspiration für kommende Generationen, an ihren großen Träumen festzuhalten.

Mit einem feinen Fingerspitzengefühl für die Balance zwischen Tragik und Komik erzählt Theodore Melfi in einem Tatsachendrama „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ von drei Powerfrauen, die die US-amerikanische Raumfahrtgeschichte entscheidend geprägt haben.

Das startet am 25. Mai 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 25. Mai, die aller Voraussicht nach vom fünften Teil einer beliebten Piratenabenteuerreihe dominiert wird. Die ausführliche Review folgt morgen um 15:00 Uhr an dieser Stelle. Entsprechend unspektakulär fällt aus das Alternativprogramm aus. Allenfalls Liebhaber der Programmkinos bekommen immerhin eine große Auswahl neuer Filme geboten, doch mit dem neuen Terrence Malick, einem soliden Biopic über Winston Churchill und dem zähen Entführungsthriller „Berlin Syndrom“ ist der Anreiz zum Ticketkauf nicht unbedingt gegeben. Ganz zu schweigen von der neuen „Hanni & Nanni“-Verfilmung. Aber schaut doch zur Abwechslung mal auf die Neuheiten fürs Heimkino…

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PIRATES OF THE CARIBBEAN 5  | Regie: Espen Sandberg, Joachim Rønning | USA 2017

Dem vom Glück verlassenen Captain Jack Sparrow weht eine steife Brise des Missgeschicks entgegen, als tödliche Seemänner aus der Schattenwelt, angeführt vom furchterregenden Captain Salazar, dem Teufelsdreieck entkommen und nur ein Ziel kennen: jeden Piraten auf offener See zu töten, insbesondere Jack. Seine einzige Überlebenshoffnung ist der legendäre Dreizack des Poseidon. Um diesen jedoch zu finden, muss er eine wenig behagliche Allianz mit der brillanten und hübschen Sternenforscherin Carina Smyth und dem eigensinnigen, jungen Royal-Navy-Seemann Henry eingehen. Am Steuer der Dying Gull, seines jämmerlich kleinen und schäbigen Schiffs, versucht Captain Jack, nicht nur seine jüngste Flut von Missgeschicken rückgängig zu machen, sondern sein eigenes Leben vor dem eindrucksvollsten und bösartigsten Feind zu retten, dem er jemals begegnet ist. 

Den Regisseuren gelingt mit „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ ein modernes Piraten-Action-Abenteuer, dem die Neuzugänge gut zu Gesicht stehen, das jedoch mehr mit Optik, anstatt einer packenden Geschichte überzeugt. Vor allem für Liebhaber hat der Film jedoch einige Gänsehautmomente zu bieten.


 DIE RESTE MEINES LEBENS  | Regie: Jens Wischnewski | DE 2017

Schimon (Christoph Letkowski) ist ein Glückskind. In San Francisco hat er die Liebe seines Lebens gefunden und seine Leidenschaft für die Welt der Töne zum Beruf gemacht. Er ist überzeugt, dass es das Schicksal gut mit ihm meint. „Es kommt immer so, wie es kommen soll.“ – hat ihm schon sein Großvater prophezeit. Doch als er zurück nach Deutschland zieht, verliert er alles. Trotzdem hält er an seiner positiven Lebenseinstellung fest und kämpft statt zu resignieren. Er scheint Recht zu behalten. Als er der lebensfrohe Milena (Luise Heyer) begegnet, verliebt er sich Hals über Kopf und ist bereit für einen Neuanfang. In einer Achterbahnfahrt der Gefühle muss er für sich herausfinden, ob es das Schicksal auch wirklich gut mit ihm meint. 

„Die Reste meines Lebens“ ist ein kleiner, weiser Film über Zufall und Schicksal. Regiedebütant Jens Wischnewski liebt seine Figuren und mit ihm das Publikum. Am Ende fühlt man sich besser – doch eine Frage bleibt: Warum zum Teufel ist Christoph Letkowski noch kein Megastar?


BERLIN SYNDROM | Regie: Cate Shortland | AUS 2017

Während ihres Backpacker-Urlaubs in Berlin lernt die junge Australierin Clare (Teresa Palmer) den charmanten Englischlehrer Andi (Max Riemelt) kennen und fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Die Fotografin und der sympathische Macho verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander. Doch was wie eine Romanze beginnt, entwickelt sich für sie plötzlich zu einem bösen Albtraum: Als Clare am nächsten Morgen die Wohnung verlassen will, merkt sie, dass Andi sie eingesperrt hat – und er hat nicht vor, sie jemals wieder gehen zu lassen. Alles Rufen bringt nichts, Ausbruchversuche quittiert Andi mit Gewalt. Clare ist ihrem Entführer hilflos ausgeliefert…

Das Thrillerdrama „Berlin Syndrom“ punktet vereinzelt mit guten Ideen und hat zwei starke Darsteller zu bieten, die miteinander hervorragend harmonieren. Doch mit knapp zwei Stunden ist Cate Shortlands Kammerspiel nicht bloß viel zu zäh geraten und irritiert mit konstruiert-unglaubwürdigen Entscheidungen seiner Figuren, es nervt auch mit seiner plakativen Ost-West-Symbolik.


SONG TO SONG | Regie: Terrence Malick | USA 2017

Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) ist eine ebenso erfolgreiche wie exzentrische Lichtgestalt der berüchtigten Musikszene von Austin, Texas. In der Hoffnung auf ihren großen Durchbruch lässt sich die ambitionierte Musikerin Faye (Rooney Mara) auf eine Affäre mit ihm ein, die ihr schnell zum Verhängnis wird, als sie den aufstrebenden Songwriter BV (Ryan Gosling) kennenlernt und sich in ihn verliebt. Abseits des Rampenlichts und vor wunderschöner Kulisse entwickelt sich ein explosives Dreiergespann, deren Protagonisten sich zwischen Liebe, Betrug und Sinnlichkeit treiben lassen. Als wenig später noch zwei weitere Frauen zu dieser Gruppe hinzustoßen, sehen sich alle fünf mit nie dagewesenen Gefühlen konfrontiert.

Bei Malick nichts Neues – „Song to Song“ führt sehr konsequent das weiter, was Terrence Malick bereits mit seinen bisherigen Filmen zu erzählen hatte. Dem Ensemble scheint das zu gefallen, auch die Bildkompositionen von Emmanuel Lubezki sind exzellent. Doch so langsam ermüdet das ewig gleiche Konzept des träumenden Kinopoeten.


CHURCHILL | Regie: Jonathan Templitzky | USA 2017

Juni 1944: Der britische Premierminister Winston Churchill steht vor einer epochalen Entscheidung: Soll er den Einmarsch der Alliierten Streitkräfte in das von Nazi-Deutschland besetzte Europa befehlen? Erschöpft durch den jahrelangen Krieg ist Churchill nur noch ein Schatten des einstigen Helden, der sich Hitlers Blitzkrieg widersetzte. Er befürchtet, dass man sich an ihn nur als den „Architekten des Blutvergießens“ erinnern wird, falls die D-Day-Operation scheitert. Soll er seinem Gewissen folgen oder sich der Kriegsräson ergeben?  In den dramatischen Tagen vor der Invasion ist seine Frau Clementine als wichtige Ratgeberin an seiner Seite. Wie niemand sonst versteht sie es, sein impulsives und aufbrausendes Temperament resolut und liebevoll zugleich zu zügeln. Doch die Anspannungen der Kriegsjahre haben in ihrer Beziehung tiefe Spuren hinterlassen.

Das Biopic „Churchill“ nähert sich einer bedeutenden Persönlichkeit, indem der Regisseur sich vollständig auf eine kurze, jedoch besonders wichtige Zeitspanne konzentriert. So ist es ihm möglich, die Komplexität des Charakters Winston Churchills anhand einer Extremsituation zu betonen, gleichzeitig verliert sich der Film in manchen Momenten in Lethargie und bemühter Künstlichkeit. Brian Cox dagegen spielt überragend.


HANNI & NANNI: MEHR ALS BESTE FREUNDE |  Regie: Isabell Suba | DE 2017

Die Vorstellung, den Rest des Schuljahres im Internat zu verbringen, finden die Zwillinge Hanni und Nanni mehr als uncool. Aber ihre Mutter Susanne bleibt hart: Sie selbst ist beruflich unterwegs, und wenn Hannis und Nannis Vater Charlie allein auf die Zwillinge aufpassen muss, kommt nur Chaos dabei heraus. So landen die beiden im Internat Lindenhof. Die Zwillinge beschließen, so viel Unsinn wie möglich anzustellen, damit sie noch innerhalb der Probezeit wieder von der Schule fliegen. Doch dann findet Nanni unter den Reitschülerinnen neue Freunde und im Pferd Pegasus eine Aufgabe, während Hanni weiter an ihrem Rausschmiss arbeitet. Zum ersten Mal in ihrem Leben gehen die Zwillinge getrennte Wege. Als Hanni im Wald auf den grummeligen Godehard mit seinem Hund Lochness trifft, ahnt sie nicht, dass in Godehards Haus der Schlüssel zu dem Geheimnis versteckt ist… 

Das soll eine „Hanni & Nanni“-Verfilmung sein? Der typische Internatscharme geht dem Familienabenteuer ab, stattdessen fühlt man sich wiederholt an einen Aufguss von „Bibi & Tina“ oder „Ostwind“ erinnert – das jedoch eher auf dem Niveau des ebenfalls misslungenen „Wendy“-Films. Immerhin: Kleine Pferdefreunde dürften voll auf ihre Kosten kommen.


ROSEMARI  |  Regie: Sara Johnson | NOR/DK 2016

Während Unn Toves Hochzeit bekommt eine Unbekannte auf der Toilette eines Restaurants ein Baby und verschwindet klammheimlich, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Die Braut findet das Neugeborene und übergibt es den Behörden. 16 Jahre später treffen sich ­die beiden wieder: Rosemari, das Baby von damals, ist auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter und hofft, diese in Unn Tove zu finden. Unn Tove ist mittlerweile geschieden und erfolgreiche Journalistin eines Lokalsenders. Sie wittert eine spannende Story, aber vor allem Abwechslung in ihrem einsamen Leben, und beschließt Rosemari zu helfen. Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich Unn Tove und Rosemari auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit, auf der nicht nur das Mädchen dem Geheimnis ihrer leiblichen Mutter immer näher kommt, sondern auch Unn Tove ihre Lebensentscheidungen immer mehr in Frage stellt.


DER EFFEKT DES WASSERS  |  Regie: Sólveig Anspach | FR/ISL 2015

Samir, ein Kranfahrer aus einer Vorstadt von Paris, verliebt sich Hals über Kopf in Agathe. Er findet heraus, dass sie Schwimmlehrerin ist, und um ihr näherzukommen, gibt er sich als Schwimmschüler aus, obwohl er eigentlich ein guter Schwimmer ist. Aber seine Schwindelei fliegt nach der dritten Stunde auf – und Agathe hasst Lügner! Enttäuscht flieht sie nach Island zu einem internationalen Bademeisterkongress. Sie hat aber nicht mit der Sturheit von Samir gerechnet, den ein Ozean nicht aufhalten kann. Er reist ihr hinterher und hofft, seine Traumfrau vor Ort davon überzeugen zu können, dass er der einzig Richtige für sie ist. Doch während Agathe die Rechnung ohne die Sturheit ihres Verehrers gemacht hat, findet Samir heraus, dass es gute Grunde dafür gibt, weshalb seine Angebetete keine Beziehung zu ihm eingehen will…


Heimkinotipp LA LA LAND  |  Regie: Damien Chazelle | USA 2016

Die leidenschaftliche Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der charismatische Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling) suchen das große Glück in Los Angeles. Sie halten sich mehr schlecht als recht und wenig zufriedend mit Nebenjobs über Wasser und nachdem sich ihre Wege zufällig kreuzen, verlieben sie sich nach anfänglicher Skepsis Hals über Kopf ineinander. Gemeinsam schmieden sie Pläne für ihre Zukunft auf der Bühne und genießen den Zauber der jungen Liebe in „La La Land“ – der Stadt der Träume. Doch schon bald müssen Mia und Sebastian einsehen, dass sie Opfer bringen müssen um ihren Träumen näher zu kommen. Kann ihre Beziehung diesem Druck standhalten, oder wird sie an der schillernden Hollywoodwelt zerbrechen?

„La La Land“ ist pure Kinomagie, ein leidenschaftlicher Ritt durch unzählige Jahrzehnte des kinematografischen Zeitgeschehens und eine Hommage an das Genre der Musical-Romanze. So wunderschön, mitreißend, passioniert und gefühlvoll ist Kino nur in den seltensten Fällen. Nie war ein Must-See verpflichtender!

Churchill

Nach „The Railway Man“ widmet sich Jonathan Templitzky in seinem neuen Film CHURCHILL ein weiteres Mal einer real existierenden Persönlichkeit. Sein Biopic über den ehemaligen Premierminister Großbritanniens zeigt eine kurze Zeitspanne aus dem Leben dieses schillernden Politikers und schafft es doch, ein mannigfaltiges Bild von ihr zu zeichnen. Mehr dazu in meiner Kritik.

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