Schlagwort-Archiv: Biopic

Das startet am 23. August 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 23. August, an dem die kleinen Starts triumphieren. Vor allem das französisch Drama „Nach dem Urteil“ ist ein absolutes Must-See und wird mit der Zeit zu einem der intensivsten Filme des Jahres. Der jetzt bereits für den Oscar hochgehandelte „BlacKkKlansman“ enttäuscht dagegen auf recht hohem Niveau. Spannend sein dürfte auch, wie sich der der Presse vorenthaltene Horrorfilm „Slender Man“ schlagen wird, denn so ganz ohne Horrorkonkurrenz könnte hieraus ein kleiner Überraschungserfolg werden. Mehr zu dem Film erfahrt ihr an dieser Stelle am kommenden Donnerstag. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

NACH DEM URTEIL | Regie: Xavier Legrand | FR 2017

Miriam (Léa Drucker) ist fassungslos, als das Gericht entgegen ihres Willens und dem Willen ihres Sohnes ihrem unberechenbaren Ex-Mann Antoine (Denis Ménochet) das Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn Julien (Thomas Gioria) zuspricht. Von nun an soll der 11-Jährige jedes zweite Wochenende bei seinem Vater verbringen. Die Besuche bei Antoine werden für Julien zur Tortur. Während Miriam und ihre Tochter daheim krank vor Sorge warten, setzt Julien alles daran, seinen verzweifelt um Annäherung bemühten Vater nicht zu provozieren. Und tatsächlich passiert auch lange Zeit nichts. Ist Antoine also wirklich ein Pulverfass wie Miriam ihn beschreiben, oder einfach nur unbeholfen im Umgang mit der Situation? Ein Nervenkrieg steht bevor, der das ohnehin zerrissene Ehepaar noch einmal auf die Probe stellt. 

„Nach dem Urteil“ ist hochemotionales und bisweilen unerträglich spannendes Dramakino, das einen auch nach Verlassen des Kinosaals noch lange beschäftigen wird. Denn letztlich sind die darin behandelten Themen nur das Abbild eines für viele Menschen stattfindenden Alltags.


GUNDERMANN | Regie: Andreas Dresen | DE 2018

Gerhard Gundermann ahnt noch nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den Achtzigerjahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich dagegen als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst, der sich bis zu seinem frühen Tod nie verzeihen wird, was er getan hat. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld ihm diese nicht stellt… 

„Gundermann“ ist ein zwar sperriges, aber absolut authentisches Porträt über einen Sänger, der mit Mut und Lyrik zu einem Sprachrohr seiner Generation wurde. Für Hauptdarsteller Alexander Scheer ist es möglicherweise die Rolle seines Lebens.


BLACKKKLANSMAN | Regie: Spike Lee | USA 2018

Die frühen 1970er-Jahre: Der junge Polizist Ron Stallworth tritt als erster Afroamerikaner seinen Posten als Kriminalbeamter im Colorado Springs Police Department an. Entschlossen, sich einen Namen zu machen, startet der unerschrockene Cop eine aberwitzige und gefährliche Mission: den Ku-Klux-Klan zu infiltrieren und bloßzustellen. Stallworth gibt vor, ein eingefleischter Extremist zu sein, und nimmt telefonisch Kontakt zur lokalen Gruppe der Rassistenvereinigung auf. Es gelingt ihm tatsächlich, schnell in den inneren Kreis vorzudringen. Er imitiert die Sprache der hasserfüllten Rassisten so überzeugend, dass er sogar das Vertrauen des Klanführers David Duke gewinnt. Als die Undercover-Mission zunehmend komplexer wird, übernimmt Stallworths Kollege Flip Zimmerman Rons Rolle in den persönlichen Treffen. Dort erlangt er Insiderwissen über einen tödlichen Plan.

Spike Lee gelingt mit „BlacKkKlansman“ eine unterhaltsam inszenierte Polizei-Anekdote über eine schier unmögliche, aber wahre Undercover-Aktion. Die Idee hinter dem Film ist nobel, die Aussagen darin wichtig. Doch Lee verlässt sich in seiner bisweilen mit dem Holzhammer inszenierten Betrachtung zu sehr auf Dinge, die man ohnehin schon weiß, sodass sein Film kaum dazu betragen wird, die Menschen zu bekehren, die es so dringend nötig hätten.


ACTION POINT | Regie: Tim Kirkby | USA 2018

D.C. Berichtet seiner Enkelin von seiner wilden Zeit: D.C. (Johnny Knoxville) ist der abgedrehte Besitzer von Action Point, einem heruntergekommen und außer Kontrolle geratem Freizeitpark, der dadurch glänzt, dass Sicherheitsstandards minimiert und Spaßfaktoren maximiert werden. Ausgerechnet als D.C.s Tochter Boogie (Eleanor Worthington-Cox) in den Sommerferien zu ihrem Vater zu Besuch kommt, eröffnet direkt nebenan ein Mega-Freizeitpark, der die Zukunft von Action Point gefährdet. Um sowohl Action Point als auch die Beziehung zu seiner Tochter Boggie zu retten, lassen D.C. und seine durchgeknallte und zudem selten nüchterne Belegschaft nichts unversucht … Sie ziehen sämtliche Register und „Stunts“ und scheuen sich nicht, alles auf eine Karte zu setzen für weitere wilde Fahrten in den Gefilden von Action Point… 

Für eine Familienkomödie ist „Action Point“ einfach nicht lustig genug und für einen weiteren Krawall-Film der Marke „Jackass“ steckt hinter den Stunts nicht genügend Wumms. Lediglich vor Johnny Knoxville und seiner Aufopferungsbereitschaft muss man einmal mehr den Hut ziehen.


THE DOMESTICS | Regie: Mike P. Nelson | USA 2018

Die USA sind am Ende. Als Teil von menschengeschaffenen, katastrophalen Ereignissen werden Toxine über den gesamten Vereinigten Staaten freigesetzt. Während die meisten sterben, sind manche seltsamerweise immun. Die Überlebenden flüchten im Norden oder Süden über die Grenze, lassen dabei alles und das Leben, wie sie es kennen, zurück. Ohne Stromnetz sind die letzten Verbliebenen machtlos. Großstädte bleiben als Grabstätten zurück. Überlebende schließen sich in ländlichen Gruppierungen zusammen und bilden eine primitive Konter-Kultur gleichgesinnter Banden, die im Land verstreut sind und eine neue Landschaft plündern. Unter ihnen die Eheleute Nina und Mark, die auf der Suche nach Sicherheit verzweifelt durch die verwüstete und gesetzlose Landschaft hetzen. Sie müssen zusammenarbeiten, während sie bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit getrieben werden, um zu überleben. 

Mike P. Nelsons „The Domestics“ ist ein atmosphärisch stimmiger Endzeit-Thriller, der dem Genre erzählerisch jedoch keine neuen Impulse hinzuzufügen hat und an dem man aufgrund der austauschbaren Hauptfiguren schnell die Lust verliert. Muss man nicht sehen!


SLENDER MAN | Regie: Sylvain White | USA 2018


CRAZY RICH | Regie: Jon M. Chu | USA 2018

Die New Yorkerin Rachel Chu (Constance Wu) und ihr Freund Nick Young (Henry Golding) fahren zur Hochzeit seines besten Kumpels nach Singapur. Rachel freut sich riesig auf ihre erste gemeinsame Asienreise, doch nervös blickt sie der Begegnung mit Nicks Familie entgegen. Völlig unvorbereitet erfährt sie nun etliche Einzelheiten aus Nicks Leben, die er ihr bisher vorenthalten hat. Nicht nur ist er der Spross einer der reichsten Familien des Landes, sondern auch einer der begehrtesten Junggesellen. Weil Rachel an Nicks Seite auftaucht, zieht sie sofort den Neid aller It-Girls auf sich. Und was noch schlimmer ist: Nicks eigene Mutter (Michelle Yeoh) ist mit Rachel nicht einverstanden und nimmt sie entsprechend ins Visier. Bald wird deutlich, dass in dieser humorvollen und romantischen Geschichte, die Zuschauer von überall nachempfinden können, nur eines verrückter ist als die Liebe: die Familie


MEIN NAME IST SOMEBODY | Regie: Terence Hill | IT 2018

In dem Roadmovie „Mein Name ist Somebody“ ist der Star des Italowesterns Terence Hill als Easy Rider Thomas zu sehen, der die Einsamkeit der Wüste sucht. Auf seiner Reise kommt er durch Zufall der jungen Frau Lucia zu Hilfe, die in die Hände zweier Verbrecher geraten ist. Doch nach der Rettung ist es mit der von Thomas ersehnten Einsamkeit vorbei, denn die junge Frau weigert sich alleine zurückzubleiben. Trotz der ganzen Umstände und Schwierigkeiten, die Lucia verursacht, erkennt Thomas etwas Entscheidendes: Die Erfüllung des Lebens, die er sucht, findet er nicht in der Einsamkeit der Wüste. Es sind Lucias Mut und Freigeist, die ihn inspirieren… Terence Hill hat zehn Jahre an seinem Herzensprojekt gearbeitet, das Drehbuch geschrieben, Regie und Hauptrolle übernommen. Terence Hill hat „Mein Name ist Somebody“ seinem kongenialen langjährigen Schauspielpartner und Freund Bud Spencer gewidmet.

Heimkinotipp: GAME NIGHT | Regie: John Francis DaleyJonathan Goldstein | USA 2018

Max und Annie sind große Brettspielfans und halten wöchentlich Brettspielabende für Paare ab. Als Max’ charismatischer Bruder Brooks eines Abends eine Mordfall-Ermittlungsparty arrangiert – inklusive falscher Gangster und Pseudo-FBI-Agenten –,  dringen plötzlich echte Ganoven ins Haus ein und kidnappen ihn. Die ahnungslosen Mitspieler glauben daran, dass all dazugehört. Doch als die sechs ehrgeizigen Hobby-Ermittler auf Spurensuche gehen, begreifen sie allmählich, dass weder dieses „Spiel“ noch Brooks selbst das sind, was sie zu sein vorgeben. Im Laufe dieser total chaotischen Nacht geraten die Freunde bis über die Ohren in einen Schlamassel, dem keiner von ihnen gewachsen ist, weil sie durch ständig neue Wendungen verblüfft werden. Es gibt keine Regeln, keine Grenzen und keine Anhaltspunkte, was echt und was Fake ist…

„Game Night“ qualifiziert sich früh für den Titel „Komödie des Jahres“, den die mit voller Leidenschaft für das Thema Brettspiele inszenierte Actioncomedy punktet mit fantastischen Darstellern, einer überdurchschnittlichen Gag-Trefferquote, charmanten Wendungen und einer herausragenden Kameraarbeit – der lustigste Spieleabend des Jahres!

Gundermann

Bei Andreas Dresen ist man immer „mittendrin statt nur dabei“. Im Falle von GUNDERMANN erleben wir hautnah und ungekünstelt, was es bedeutet, seine Vergangenheit zu verdrängen und was passiert, wenn sie uns über Umwege doch heimsucht. Im Mittelpunkt der Erzählung: Alexander Scheer als Liedermacher und Ex-Stasi-Spitzel Gerhard Gundermann.

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Gotti

Das Ganster-Biopic GOTTI ist der nunmehr vierte Film mit John Travolta, der auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes einen Score von 0 Prozent erhalten hat. Kein einziger Kritiker konnte dem Film eine auch nur ansatzweise durchschnittliche, geschweige denn positive Review abgewinnen. Und das ist leider absolut verständlich. Warum, das verrate ich in meiner Kritik. Weiterlesen

Das startet am 14. Juni 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 14. Juni, der die blockbusterfreie Zeit einläutet und mit dem Horrordrama „Hereditary“ einen der besten Filme dieses Jahres zu bieten hat. Dieses Monster sollte sich wirklich keiner entgehen lassen, der nicht völlig zart besaitet ist! Auch das britische Drama „Vom Ende einer Geschichte“ gefällt in seiner ambitionierten Erzählung und dürfte all jene zufriedenstellen, die mit Grusel nichts am Hut haben. Während ein paar durchschnittliche Vielleicht-vielleicht-auch-nicht-Produktionen mal mehr und mal weniger überzeugen, sollte man um den furchtbaren „Das ist erst der Anfang“ derweil einen großen Bogen machen. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

HEREDITARY – DAS VERMÄCHTNIS | Regie: Ari Aster | USA 2018

Familie Graham führt ein beschauliches Leben: Annie Graham (Toni Collette) ist eine liebevolle Mutter und Künstlerin, die kleine Miniaturmodelle ihrer Umgebung baut. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und den beiden Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro) etwas abgelegen am Waldrand. Als Annies Mutter Ellen, das Oberhaupt der Familie, stirbt, muss sich die Familie nicht bloß mit ihrer Trauer abfinden, sondern auch mit mysteriösen und grauenhaften Ereignissen auseinandersetzen. Nach und nach kommen die furchterregenden Geheimnisse ihrer Vorfahren ans Licht. Für Annie, Steve, Peter und Charlie beginnt plötzlich ein Wettlauf gegen ihr dunkles und unheilvolles Schicksal, welches ihre Ahnen ihnen hinterlassen haben, doch dafür ist es eigentlich schon zu spät…

Man könnte lange drumherum reden, relativieren und sich an Kleinigkeiten der Haarspalterei hingeben. Doch je länger man das versucht, desto mehr wird einem bewusst, dass Ari Aster mit „Hereditary – Das Vermächtnis“ einen Film abgeliefert hat, der sich im Großen und Ganzen mit keinem anderen vergleichen lässt. Im Jahr 2018, in dem man eigentlich schon alles gesehen haben dürfte, lässt das nur einen Schluss zu: „Hereditary“ ist einer der besten Horrorfilme aller Zeiten!


VOM ENDE EINER GESCHICHTE | Regie: Ritesh Batra | UK 2017

Tony Webster (Jim Broadbent) ist glücklich geschieden und lebt ein zurückgezogenes, ereignisloses Leben. Vor vielen Jahren waren er und die schöne Studentin Veronica ein Paar, bis sie sich damals überraschend für seinen besten Freund Adrian entschied. Was nach dessen Selbstmord aus seiner großen Liebe wurde, hat er nie herausgefunden. Doch die unerwartete Erbschaft von Adrians Tagebuch, das sich im Besitz von Veronicas Mutter Sarah befand, stellt plötzlich sein ganzes Leben auf den Kopf und weckt ungeahnte Zweifel an den vermeintlich sicheren Tatsachen der eigenen Biografie. Als er sich nach all den Jahren mit Veronica (Charlotte Rampling) trifft, erhofft er sich Aufklärung über das, was damals tatsächlich geschah. Und je tiefer Tony in seiner Vergangenheit gräbt, desto mehr beginnt er, sein bisheriges Leben infrage zu stellen… 

„The Lunchbox“-Regisseur Ritesh Batra erweckt mit seiner Arbeit den vermeintlich unverfilmbaren Roman „Vom Ende einer Geschichte“ zum Leben. Das Ergebnis ist ein stark gespieltes, clever erzähltes Drama, das trotz einiger Holprigkeiten mitreißt und berührt.


OVERBOARD  | Regie: Rob Greenberg | USA 2018

Leonardo ist ein egoistischer, verwöhnter, reicher Frauenheld aus Mexikos reichster Familie, Kate eine hart arbeitende alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die angeheuert wird, um Leonardos Luxus-Yacht nach einer Party sauber zu machen. Nachdem Leonardo Kate ungerechter Weise feuert und sich weigert, sie zu bezahlen, fällt Leonardo im Feierrausch von Bord und wacht ohne Erinnerungen an der Küste Oregons auf. Kate taucht im Krankenhaus auf und überzeugt Leonardo, dass sie verheiratet sind und schickt ihn aus Rache zur Arbeit – zum ersten Mal in seinem Leben. Obwohl er zu Beginn sehr überfordert und unbeholfen agiert, findet er sich in seinem neuen Leben langsam zurecht. Mit der Zeit verdient er sich den Respekt seiner „Familie“ und Kollegen. Aber kann die neue Familie Bestand haben, wenn Leonardos Milliardärs-Familie nach ihm sucht und sein Gedächtnis jederzeit zurückkehren kann?  

„Overboard“ ist ein qualitatives Auf und Ab. Die Komödie beginnt nervtötend, wird im Mittelteil richtig herzlich und endet auf einer soliden Note. In erster Linie ist der Film aber ohnehin ein beeindruckendes Bewerbungsvideo für den hierzulande noch viel zu unbekannten Eugenio Derbez.


DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEILA | Regie: Yvan Attal | FR 2017

Neïla Salah hat es geschafft. Sie wurde an der renommierten Pariser Assas Law School angenommen und ist auf dem Weg, sich endlich ihren großen Traum zu erfüllen und Anwältin zu werden. Doch schon am ersten Tag läuft alles schief. Neïla kommt zu spät. Ausgerechnet zur Vorlesung von Professor Pierre Mazard , der für sein provokantes Verhalten und seine verbalen Ausfälle bekannt ist. In seiner so gar nicht politisch-korrekten Art nimmt er die junge Studentin vor versammeltem Hörsaal aufs Korn. Doch diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen. Mazard wird von der Universitätsleitung vor die Wahl gestellt: Entweder er verlässt die Uni oder er glättet die Wogen, indem er Neïla hilft, einen prestigeträchtigen Rhetorikwettbewerb zu gewinnen. Neïla ist alles andere als begeistert über das unerwartete Engagement – schließlich könnten sie und der zynische, elitäre Professor nicht unterschiedlicher sein… 

Die französische Tragikomödie „Die brillante Mademoiselle Neila“ ist lange Zeit eine charmante Geschichte über die Annäherung zweier grundverschiedener Persönlichkeiten, garniert mit jeder Menge Hintergrundwissen über die Funktionalität von Rhetorik. Im letzten Drittel nimmt der Film dann aber eine Wendung, die sehr zu Lasten von Glaubwürdigkeit und Authentizität geht.


PAPST FRANZISKUS – EIN MANN SEINES WORTES | Regie: Wim Wenders | CH/VAT/IT/DE/FR 2018

Im Zentrum dieses Porträts stehen die Gedanken des Papstes Franziskus, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Filmes lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, spricht über Umweltfragen, soziale Gerechtigkeit und sein Engagement für Frieden an den Kriegsschauplätzen dieser Welt und zwischen den Weltreligionen. In einer Zeit, in der das Misstrauen gegenüber Politikern groß ist und in der Lügen, Korruption und „alternative Fakten“ unser Leben bestimmen, bringt uns der Film einen Mann näher, der lebt, was er predigt, und dem die Menschen aller Glaubensrichtungen, aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Kulturen ihr Vertrauen schenken. 

Wim Wenders erzählt in seiner Dokumentation „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ in erster Linie von der Bedeutung seiner Hauptfigur für seine Anhänger und über Kirchengrenzen hinaus. Der Einblick in das Wirken und Schaffen des Papstes gerät abwechslungsreich und beeindruckend, doch ein wenig mehr Offenheit für Kritik an der Person hätte dem Film gut getan.


DAS IST ERST DER ANFANG  | Regie: Ron Shelton | USA 2017

Duke Diver liebt seinen Job als Manager des luxuriösen Resorts Villa Capri im kalifornischen Palm Springs. Seine Vergangenheit mag zwar nicht astrein sein. Aber wenn es darum geht, das Leben der gutgelaunten Bewohner der Villa zu einer einzigen großen Party zu machen, ist er unschlagbar. Seine Schützlinge fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes als „Best Ager“: Er flirtet mit den Damen, pokert mit den Herren, und auf dem Golfplatz ist er sowieso der Größte. Dieses sonnige Gleichgewicht des dolce-far-niente gerät aus den Fugen, als Leo in die Villa einzieht. Der Ex-Militär und erfolgreiche Geschäftsmann entpuppt sich nicht nur als Charmebolzen, sondern obendrein als exzellenter Golfer! Plötzlich ist Dukes Position gefährdet, und der Machtkampf zwischen den männlichen Alphatieren eröffnet. Wer ist in Zukunft die Nummer Eins? Und wer kann bei der unerwartet auftauchenden, mysteriösen und äußerst reizvollen Suzie punkten? 

Die eineinhalb Stunden von „Das ist erst der Anfang“ fühlen sich so an, als sähe man Morgan Freeman und Tommy Lee Jones beim Untergang zu. Die beiden Darsteller schlafwandeln sich durch ein totlangweiliges Skript, was dazu führt, dass diese Komödie zu keinem Zeitpunkt lustig ist.


STERNENJÄGER – ABENTEUER NACHTHIMMEL  | Regie: Christian Schidlowski u.A. | DE 2018

Der ungetrübte Blick in den Sternenhimmel ist im Zeitalter extensiver Beleuchtung nur in den entlegensten Gegenden möglich. Die international renommierten Astrofotografen zieht es an Orte, an denen das Licht unserer Zivilisation die Sterne nicht verblassen lässt: Sie gehen auf die Jagd nach Meteoritenschauern in den australischen Outbacks, sie reisen auf der Iceroad zu den Polarlichtern Nordkanadas, in die Atacama Wüste und auf die Hochebenen bis über 5000 Meter nach Chile. Weitere Expeditionen führen sie ins winterliche Norwegen auf der Suche nach geheimnisvollen Lichtern und zur totalen Sonnenfinsternis auf die indonesischen Molukken. Auf ihren Reisen treffen die Fotografen auf die Ureinwohner der Regionen und erfahren viel über die Bedeutung des Sternenhimmels in deren Kultur, müssen aber auch immer wieder mit vielen Hindernissen und Widrigkeiten kämpfen und verbringen Nächte in der Wildnis.


Heimkinotipp: THE DISASTER ARTIST | Regie: James Franco | USA 2017

Es gibt verschiedene Wege, um eine Legende zu werden! Das beste Beispiel dafür ist Tommy Wiseau, zum damaligen Zeitpunkt der schlechteste Filmemacher aller Zeiten, der diesen Status bis heute nicht losgeworden ist. Von Schauspielschulen abgelehnt, beschließt der gebürtige Pole Anfang der Zweitausenderjahre, gemeinsam mit seinem besten Freund Greg – ebenfalls hoffnungsloser Schauspieler –, selbst einen Film zu drehen. Er schreibt das Drehbuch zu „The Room“, organisiert ein Filmteam und beginnt, zu drehen. Doch während dieser Zeit kommt es nicht bloß zu Auseinandersetzungen zwischen Tommy und der Crew, auch seine Freundschaft mit Greg wird auf eine harte Probe gestellt. Am Ende wird „The Room“ als miesester Film aller Zeiten in die Geschichte eingehen – und einen Kult auf den Weg bringen, den bis heute keiner so richtig versteht. 

Mit „The Disaster Artist“ verneigt sich James Franco vor der Leidenschaft am Filmemachen und erzählt eine – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Brüllen komische Geschichte darüber, wie es ist, seinen Träumen zu folgen, selbst wenn Niemand an einen glaubt.

Das startet am 7. Juni 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 7. Juni, an dem mit „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ der letzte große Mega-Blockbuster vor der inoffiziellen Fußballpause startet. Der Presse wurde er bislang noch nicht gezeigt. Mehr zum Film gibt es hier daher erst ab dem 5. Juni. Gegen eine derartige Konkurrenz hat sonst kein anderer Verleih etwas zu melden. Lediglich im Heimkino gibt’s ab Donnerstag einen der besten Filme des Jahres zu sehen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

Starttag 6. Juni: JURASSIC WORLD: DAS GEFALLENE KÖNIGREICH | Regie: J.A. Bayona | USA/ESP 2018

Drei Jahre sind vergangen, seit bei einem dramatischen Zwischenfall der Themenpark Jurassic World samt Luxus-Resort von gefährlichen Dinosauriern zerstört wurde. Seit die Menschen von der Isla Nublar fliehen mussten, behaupten sich nun die übrig gebliebenen Saurier als unangefochtene Herrscher des Dschungels. Doch als der inaktiv geglaubte Vulkan der Insel anfängt zu brodeln, müssen Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard) zurückkehren, um die letzten Dinosaurier vor dem Aussterben zu bewahren. Die Rettungsaktion erweist sich als gefährlicher als gedacht, da es auf dem von Beben erschütterten Terrain der Insel  bereits bei ihrer Ankunft Lava regnet. Während Owen verzweifelt versucht, seinen Raptor Blue zu retten, kommen die übrigen Expeditionsmitglieder einer Verschwörung auf die Spur, durch die die Erde in den lebensfeindlichen Zustand der Urzeit zurückkatapultiert werden könnte. 

„Jurassic World: Das gefallene Königreich“ ist visuell der bislang bestausehende des gesamten Franchises und punktet in erste Linie durch seine beeindruckende und betont düstere Inszenierung. Dadurch fallen die erzählerischen Schwächen nicht mehr ganz so stark ins Gewicht, aber vorhanden sind sie trotzdem. Mit einem besseren Drehbuch wäre hier noch deutlich mehr drin gewesen.


GOODBYE CHRISTOPHER ROBIN | Regie: Simon Curtis | UK 2017

Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg leidet der Veteran Alan Milne unter einem entsetzlichen Trauma. Immer wieder hört er nachts die dröhnenden Bombeneinschläge, liegt wach und treibt damit auch seine ihn liebende Ehefrau Daphne langsam in den Wahnsinn. Als beide ihren ersten Sohn Christopher Robin bekommen, könnte sich das allerdings ändern. Nach einer schwierigen Geburt fällt es der jungen Frau schwer, eine Verbindung zu ihm aufzubauen und so wird Alan schnell zu Christophers engster Bezugsperson. Immer häufiger spielen die beiden im Wald – immer mit dabei: Christophers Kuscheltiere. Diese Erlebnisse inspirieren Alan zum Schreiben eines Kinderbuches, in dessen Mittelpunkt ein kleiner Junge und seine vielen tierischen Freunde aus dem Hundertmorgenwald stehen. Der Roman wird zu seinem bisher größten Erfolg – und die Welt bekommt plötzlich mit, dass es Christopher Robin wirklich gibt… 

„Goodbye Christopher Robin“ hätte als kontroverse Geschichte rund um die Entstehung der „Winnie Pooh“-Abenteuer das Potenzial für ein ergreifendes Drama gehabt, doch den Machern war viel zu sehr daran gelegen, eine Harmonie walten zu lassen, die es ganz offensichtlich nicht gab.


SWIMMING WITH MEN  | Regie: Oliver Parker | UK 2018

Eric (Rob Brydon) steckt mitten in der Midlife-Crisis: Während seine Frau in der Lokalpolitik aufsteigt, entfremdet sich der Teenager-Sohn täglich mehr von ihm und sein Job als Buchhalter langweilt ihn unsäglich. Als er abends seine gewohnten Bahnen im Schwimmbad zieht, bemerkt er plötzlich etwas Merkwürdiges: Eine bunt zusammengemischte Gruppe an Männern gleitet rhythmisch neben ihm durchs Becken. Den Synchronschwimmern fehlt jedoch noch ein Mann, um tatsächlich kunstvollere Schwebefiguren ins Wasser zu zaubern. Unversehens wird Eric in der herzlichen Amateurtruppe aufgenommen. Und während das Ballett in Badehosen tatsächlich immer besser wird, findet auch Eric neuen Mut sein Leben nochmal auf den Kopf zu stellen und seiner Frau zu beweisen, dass weitaus mehr in ihm steckt als sie für möglich hielt. 

Oliver Parkers „Swimming With Men“ ist nichtssagender Komödien-Einheitsbrei, der aus seiner interessanten Grundidee vermutlich deshalb nur wenig herausholen kann, weil die Dokumentation von vor acht Jahren schon alles gezeigt hat.


AUF DER SUCHE NACH OUM KULTHUM | Regie: Shirin Neshat, Shoja Azari | DE/AT/IT/MAR 2017

Für Mitra (Neda Rahmanian), eine ehrgeizige Künstlerin, Mutter und Ehefrau in den besten Jahren, geht nach vielen Jahren ein lang gehegter Traum in Erfüllung: sie kann endlich den Film über eine ihrer größten Heldinnen, die legendäre, orientalische Sängerin Oum Kulthum, drehen, von der sie seit jeher fasziniert ist. Im Zentrum ihres Films sollen die Opfer und der Preis, den Oum Kulthum für ihren Erfolg in einer konservativ-geprägten, muslimischen Gesellschaft zahlen musste, stehen. Penibel plant Mitra ihren Film, doch als die Dreharbeiten bereits in vollem Gange sind, verschwindet auf einmal Mitras jugendlicher Sohn. Die Sorge um ihn und die zunehmende Schwierigkeit, den Mythos Oum Kulthum sowie die Frau und Künstlerin dahinter zu ergründen und für andere Menschen aufzubereiten, führen letztlich zu Mitras emotionalen und künstlerischen Zusammenbruch. Wird sie sich wieder aufraffen und ihre Arbeit zu Ende bringen können?


WOLF AND SHEEP  | Regie: Shahrbanoo Sadat | AF 2016

Irgendwo in den Bergen von Afghanistan: Kurz nachdem der Vater des elfjährigen Quodrat beerdigt wurde, soll seine Mutter gegen ihren Willen mit einem alten Mann, der bereits zwei Frauen hat, wiederverheiratet werden. Genau dafür wird Qodrat von seinen Freunden gehänselt. Daher streift er mit seinen Schafen am liebsten alleine durch die abgelegene Region und genießt die Einsamkeit. Seine Wege kreuzen sich dabei immer wieder mit der gleichaltrigen Sediqa, die sich auch täglich um eine kleine Schafherde kümmert. Ihr geht es ähnlich wie Qodrat: Auch sie wird von den Mädchen gemieden, weil sie das Böse in sich trage. Ihre Großmutter sei nämlich von einem bösen Geist in Gestalt einer Schlange verhext worden. Die beiden Außenseiter werden schnell Freunde, auch wenn sie wissen, dass sie eigentlich nicht zusammen sein dürften, weil sich dies für Mädchen und Jungen nicht gehört.


MANTRA – SOUNDS INTO SILENCE  | Regie: Georgia Wyss | ESP/FR/GRE/IND/RUS/USA/UK 2017

„Mantra“ zeigt, wie intensiv Klänge in einer pausenlos kommunizierenden Welt wirken können. Auf der Suche nach Konzentration, Gemeinschaft und Verbindung wenden sich international zahllose Menschen einer uralten Form des menschlichen Zusammentreffens zu – dem gemeinsamen Singen. Eine Form dieses Phänomens ist der so genannte „Kirtan“, bei dem Mantras gesungen werden. Dienten die traditionellen Klangformeln aus Indien im Westen anfangs lediglich der Untermalung von Yogastunden, erreicht ihre Kraft nun ein breites Publikum – bis hin zu Grammy-Nominierungen für die im Film portraitierten Szenestars wie Deva Premal & Miten, Krishna Das, Jai Uttal und Dave Stringer. Auf Konzerten, Festivals, in Alltagssituationen und ungewöhnlichen Locations wie dem San Quentin Prison bei San Francisco zeigt „Mantra“, wie sich beim Chanten Grenzen auflösen und Menschen wieder zu sich selbst finden.


Heimkinotipp: THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI | Regie: Martin McDonagh|UK/USA 2017

Nachdem Monate vergangen sind, ohne dass der Mörder ihrer Tochter ermittelt wurde, greift die resolute Mildred Hayes (Frances McDormand) zu einer aufsehenerregenden Maßnahme. Sie lässt drei Reklametafeln an der Stadteinfahrt von Ebbing, dort wo ihre Tochter vergewaltigt und umgebracht wurde, mit provozierenden Sprüchen bedrucken, die an den städtischen Polizeichef, den ehrenwerten William Willoughby (Woody Harrelson), gerichtet sind, um ihn zu zwingen, sich endlich um den Fall zu kümmern. Als sich dessen rechte Hand, Polizist Dixon (Sam Rockwell), ein Muttersöhnchen mit Hang zur Gewalt, einmischt, nimmt der Konflikt zwischen Mildred und den Ordnungshütern des Städtchens schockierende Ausmaße an. 

Martin McDonaghs Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist alles. Sie ist Liebe, sie ist Hass. Sie ist Lachen, sie ist Weinen. Sie ist Hoffnung, sie ist Resignation. Sie ist Vergebung, sie ist Rache. Vor allem aber ist sie wohl die Erkenntnis, dass das Eine manchmal nicht ohne das Andere geht.

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