Mortal Kombat II

Mit Johnny Cage erhält ein Fanliebling Einzug in die Verfilmung der beliebten Videospielreihe. Doch auch wenn sich Karl Urban als größter Gewinn für MORTAL KOMBAT II erweist, lässt das Fantasy-Action-Epos sowohl Gewalt als auch Wucht vermissen. Immerhin: An der Kampf-Quantität mangelt es dem Film nicht.

OT: Mortal Kombat II (USA 2026)

Darum geht’s

Nach den Ereignissen in „Mortal Kombat“ bereiten sich die Kämpfer:innen von Earthrealm auf das alles entscheidende Turnier vor. Liu Kang (Ludi Lin), Sonya Blade (Jessica McNamee) und Jax Briggs (Mehcad Brooks) müssen sich gemeinsam mit dem wiederauferstandenen Scorpion (Hiroyuki Sanada) der Bedrohung durch Outworld stellen. Der mächtige Herrscher Shao Kahn (Martyn Ford) plant die Eroberung von Earthrealm und wird dafür von dem Zauberer Shang Tsung (Chin Han) unterstützt. Um den bevorstehenden Krieg zu gewinnen, suchen die Held:innen verzweifelt nach neuen Verbündeten. Kann vielleicht ausgerechnet der jüngst zur Gruppe hinzugestoßene, selbstverliebte Actionstar Johnny Cage (Karl Urban) dabei helfen, Earthrealm zu retten?

Kritik

„Mortal Kombat“ war 2021 einer dieser „Corona-Filme“. Also jener Sorte Blockbuster, deren Erfolg oder Misserfolg sich im Nachhinein nur schwer anhand klassischer Maßstäbe bemessen lässt. Als die Neuverfilmung der kultigen Prügelspielreihe im Juni desselben Jahres in die deutschen Kinos kam, befand sich die Branche noch mitten in einer Phase zwischen Wiedereröffnungseuphorie, Abstandsregeln und einem Publikum, das erst langsam wieder Vertrauen in den Kinobesuch fasste. Hinzu kam, dass der Film international parallel im Streaming veröffentlicht wurde. Ein Modell, das damals vielerorts eher aus der pandemiebedingten Not heraus geboren wurde als aus echter Zukunftsstrategie. Unter diesen Umständen wirkten die weltweiten Einnahmen von rund 84 Millionen Dollar bei einem vergleichsweise moderaten Budget von 55 Millionen zwar weder wie ein Totalausfall noch wie ein durchschlagender Hit. Aber offenbar genug, um das Studio Warner Bros. davon zu überzeugen, dass in der martialischen Videospielmarke noch immer genügend Potenzial schlummert. Denn fast fünf Jahre später schickt man die ikonischen Kämpferinnen und Kämpfer nun erneut in die Arena.

Johnny Cage (Karl Urban) ist ohne Zweifel der Coolste von allen.

Anders als der erste Teil kommt „Mortal Kombat II“ hierzulande mit einer FSK-Freigabe ab 16 daher. Und dass diese Info diese Kritik mehr oder weniger einläutet, hat einen Grund. Denn die dem Film zugrunde liegende Videospielreihe ist für ihre Brutalität bekannt. Schon am ersten Teil (dato noch ab 18) wurde kritisiert, dass Regisseur Simon McQuoid, der nun auch für die Fortsetzung verantwortlich zeichnet, die Möglichkeiten der Gewaltdarstellung, die die Reihe nun mal mit sich bringt, nicht vollends ausgeschöpft hat. Und das wiegt bei „Mortal Kombat“ eben schwerer als bei vielen anderen Videospieladaptionen. Bereits Anfang der Neunziger sorgte die Reihe mit herausgerissenen Wirbelsäulen, abgetrennten Köpfen und literweise verpixeltem Blut für politische Debatten in den USA und war nicht zuletzt mitverantwortlich für die spätere Einführung des ESRB-Altersratingsystems. Die berüchtigten „Fatalities“ wurden zum popkulturellen Markenzeichen. Jene finishing moves also, bei denen Gegner eingefroren, gevierteilt, verbrannt oder mitsamt Schädeldecke in ihre Einzelteile zerlegt werden. Gerade die neueren Spiele treiben diese Eskalationsspirale absurd weit. Dort werden Gesichter mit Säuren weggeätzt, Knochen in Zeitlupe zertrümmert oder Körper von innen heraus pulverisiert, während die Kamera auf offene Brüche und platzende Organe hält. Das mag geschmacklich fragwürdig sein, gehört aber untrennbar zur Identität der Reihe dazu.

„Das jetzige Ergebnis zelebriert in aller erster Linie handelsübliche Nahkampfaction. Nur vereinzelt kommen Waffen zum Einsatz, infolge derer immerhin CGI-Blut fließen darf. Zum Beispiel wenn ein Gegner mithilfe einer rotierenden Kettensäge in zwei Hälften geteilt wird.“

Umso irritierender wirkt es, wenn die Filme ausgerechnet an jener Stelle Zurückhaltung üben, wo doch die Vorlage seit über dreißig Jahren keinerlei Interesse an Zurückhaltung erkennen lässt. Natürlich will „Mortal Kombat“ als Big-Budget-Studioproduktion kein Arthouse-Splatterkino sein. Doch mindestens ein Spagat zwischen Massentauglichkeit und Fan-Erwartungen wäre drin gewesen; Auch wenn das eventuell eine Verabschiedung von der Jugendfreigabe hätte bedeuten müssen. Das jetzige Ergebnis zelebriert in aller erster Linie handelsübliche Nahkampfaction. Nur vereinzelt kommen Waffen zum Einsatz, infolge derer immerhin CGI-Blut fließen darf. Zum Beispiel wenn ein Gegner mithilfe einer rotierenden Kettensäge in zwei Hälften geteilt wird (ein in „Mortal Kombat II“ offenbar sehr beliebtes Motiv, kommt es doch direkt mehrfach in abgewandelter Form vor). Eine richtige Wucht hat das alles allerdings nicht. Die Gewalt in „Mortal Kombat II“ ist eher von der Sorte „leicht verdaulich“. Nicht zuletzt, weil es der Film zwischen all den Kampfchoreographien versäumt, Interesse für die Figuren aufzubauen. So ist der Film zwar durchaus konsequent darin, dass hier niemand sicher sein kann, die Zielgerade zu erreichen. Aber selten war einem das Ableben von als Hauptfigur eingeführten Charakteren so egal wie hier.

Kitana (Adeline Rudolph) tritt mit einer ganz besonderen Waffe an…

Als größter Gewinn geht da noch Karl Urban („Dredd“) aus dem Film hervor. Überraschend ist das nicht, denn mit Johnny Cage übernimmt er eine der ikonischsten Figuren der Spielereihe. Ursprünglich einst als augenzwinkernde Jean-Claude-van-Damme-Parodie angelegt, war Cage innerhalb des „Mortal Kombat“-Kosmos schon immer der selbstverliebte Hollywood-Star mit lockerem Mundwerk, übergroßem Ego und erstaunlich brauchbaren Kampfkünsten. Und genau diese Mischung liegt Urban sichtbar. Der zuletzt vor allem in Nebenrollen und Serien zu sehende Neuseeländer verbindet physische Präsenz mit abgehalftertem Actionstar-Charisma und jener selbstironischen Coolness, die verhindert, dass die Figur zur bloßen Witznummer verkommt. Stattdessen verleiht er dem Film immer dann Persönlichkeit, wenn „Mortal Kombat II“ gerade Gefahr läuft, ein weiteres Mal im generischen Kampfchoreographie-Dauerfeuer unterzugehen. Gerade weil Urban selbst die albernsten One-Liner noch mit einer gewissen Überzeugung verkaufen kann, funktioniert Johnny Cage gut als emotionales und humoristisches Zentrum des Films. Seine Gefolgschaft dagegen hat dem kaum etwas entgegenzusetzen.

„Immer wieder springt der Film zwischen zeitgleich stattfindenden Fights hin und her. Das soll vermutlich Größe und Dynamik erzeugen, nimmt den einzelnen Konfrontationen aber ihre dramaturgische Wucht. Kaum entsteht einmal so etwas wie Spannung oder ein Gefühl für die Choreographie eines Kampfes, schneidet McQuoid zur nächsten Prügelei.“

Inszenatorisch bleibt neben der Blutarmut (respektive der Konzentration auf Computer- anstatt auf „echtes Kunstblut“) vor allem der hyperaktive Schnitt im Gedächtnis. Ja, „Mortal Kombat II“ besteht zu 90 Prozent aus Nahkämpfen und Actionszenen, doch für sich stehen dürfen nur die wenigsten. Immer wieder springt der Film zwischen zeitgleich stattfindenden Fights hin und her. Das soll vermutlich Größe und Dynamik erzeugen, nimmt den einzelnen Konfrontationen aber ihre dramaturgische Wucht. Kaum entsteht einmal so etwas wie Spannung oder ein Gefühl für die Choreographie eines Kampfes, schneidet McQuoid zur nächsten Prügelei. Dadurch wirkt „Mortal Kombat II“ über weite Strecken weniger wie ein großes Turnier-Epos, sondern eher wie eine aneinandergereihte Compilation besonders hektischer Bossfights. Zwar gibt es vereinzelt Momente, in denen die ikonischen Figurenkonstellationen und Spezialfähigkeiten der Reihe durchblitzen und kurzzeitig Erinnerungen an die Faszination der Spiele wachrufen. Doch wirklich hängen bleibt davon wenig. Zumal der Film alles unternimmt, möglichst jede Geste und jedes Wort auf Krampf episch aufzuladen. Doch zwischen all den Zeitlupen, der pathetischen Musik (kaum eine Szene im Film kommt ohne Orchesteruntermalung aus) und den heroisch gedachten One-Linern fällt vor allem eines auf: Wenn alles episch ist, dann ist es am Ende gar nichts.

Die Truppe begibt sich auf die Suche nach Verbündeten.

Fazit: Karl Urbans Performance macht Spaß und an Actionszenen mangelt es „Mortal Kombat II“ wahrlich nicht. Doch für eine Verfilmung der saubrutalen Videospielreihe ist auch dieses Sequel zu blutarm und suhlt sich stattdessen lieber in bemühter Epik.

„Mortal Kombat II“ ist ab dem 7. Mai 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

2 Kommentare

  • Schon eine gute Rezension. Den ersten Film fand ich gerade so erträglich, dass ich Teil II zumindest im Heimkino eine Chance einräumen werde. Allerdings hat sich im Text ein kleiner Fehler eingeschlichen: Teil 1 der Neuauflage ist tatsächlich ab 18 Jahren freigegeben. 😉

    • Antje Wessels

      Tatsache! Vielen Dank für den Hinweis. Da bin ich fälschlicherweise bei der FSK-Angabe für den Trailer gelandet. Ist korrigiert!

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