Schlagwort-Archiv: Musikfilm

Das startet am 14. März 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 14. März, an dem es sich einmal etwas durchschnaufen lässt. Für Familien dürften sowohl „Rocca verändert die Welt“ als auch der neue „Asterix“-Film interessant sein. Beide lohnen sich auf ihre Weise, was auch den Thriller „Destroyer“ nicht besser zusammenfassen könnte. Hier überzeugt in erster Linie Nicole Kidman. Das Fußballer-Biopic „Trautmann“ kann man sich aufgrund mangelnder Ecken und Kanten allerdings getrost schenken – verschenken dagegen vielleicht unseren Heimkinotipp der Woche: Endlich erscheint „Bohemian Rhapsody“ auf DVD und Blu-ray Disc!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

ROCCA VERÄNDERT DIE WELT | Regie: Katja Benrath | DE 2019

„Meine Eltern sind im Himmel“, lacht die elfjährige Rocca auf Anfrage ihres verdutzten Schulleiters und hat damit sogar doppelt Recht. Denn ihre Mutter ist leider schon bei ihrer Geburt verstorben, während ihr Vater gerade als Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS weilt. Aufgewachsen ist Rocca bei ihrem für die Europäische Weltraumorganisation ESA arbeitenden Papa auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Jetzt wo er auf Mission im All ist, muss Rocca allerdings nach Hamburg, um übergangsweise bei ihrer Oma Dodo zu wohnen. Doch kaum angekommen, löst der menschliche Wirbelwind ein großes Chaos aus. Nicht nur muss die Großmutter wegen ihr und eines allzu forschen Eichhörnchens ins Krankenhaus – was das Jugendamt auf den Plan ruft. Nebenher  sorgt Rocca auch in ihrer neuen Schule für jede Menge Aufregung.

Ein lustiger, spannender und turbulenter Jugendfilm, der nicht nur Spaß macht, sondern auch zum Nachdenken anregt. Anhand der liebenswerten Titelfigur bekommen Kids beider Geschlechter hier ein tolles Vorbild.


ASTERIX UND DAS GEHEIMNIS DES ZAUBERTRANKS | Regie: Alexandre Astier, Louis Clichy | FR 2018

Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Das unbeugsame Volk leistet natürlich zu jeder Zeit Widerstand! Der Druide Miraculix sorgt sich um die Zukunft des Dorfes und macht sich gemeinsam mit Asterix (Milan Peschel) und Obelix (Charly Hübner) auf, einen Nachfolger zu finden, dem er das Geheimnis des legendären Zaubertranks anvertrauen kann. Doch auch der hinterhältige Dämonix versucht, in den Besitz der magischen Formel zu kommen und schreckt dafür nicht einmal vor einem Pakt mit den Römern zurück. Während Asterix und Obelix auf ihrer Suche nach einem würdigen Druiden-Lehrling ganz Gallien durchqueren, müssen die Frauen das Dorf allein gegen die römischen Soldaten verteidigen. Und die Zaubertrank-Vorräte reichen nicht ewig…

Ein 3D-animiertes Abenteuer, sowohl erzählerisch als auch optisch in bester „Asterix & Obelix“-Manier. Nur die weltpolitischen Spitzen vertragen sich nicht immer mit der sonst eher auf Klamauk und Witz setzenden Geschichte.


DESTROYER | Regie: Karyn Kusama | USA 2018

Ein Mordfall wie jeder andere – so scheint es. Erin Bell (Nicole Kidman), einst Vollblutpolizistin in Los Angeles, wird schnell eines Besseren belehrt: Indizien am Tatort deuten darauf hin, dass eine verschollen geglaubte Person aus ihrer Vergangenheit wieder zurück ist. Silas ist der Grund, warum Erin heute ein Schatten ihrer selbst ist, eine gebrochene, innerlich wie äußerlich zerstörte Frau, die durch ihr Leben stolpert wie eine Untote. 17 Jahre sind vergangen, seit Erin als verdeckt arbeitende FBI-Agentin Silas zum ersten Mal auf der Spur war. Damals endete die Ermittlung in einer Katastrophe. Jetzt sieht Erin die Gelegenheit gekommen, ihre Sünden von einst wieder gut zu machen und Silas zur Strecke zu bringen. Koste es, was es wolle…

„Destroyer“ lebt durch und durch von einer herausragenden Nicole Kidman. Die Geschichte und ihre Inszenierung können trotz sichtbarer Ambitionen leider nicht mit dem mithalten, was die Schauspielerin allein durch ihr Spiel beim Zuschauer auslöst.


TRAUTMANN | Regie: Marcus H. Rosenmüller | DE/UK 2018

Bernd Trautmann, 1923 in Bremen geboren, wird mit 17 Jahren in die Wehrmacht eingezogen. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges gerät er in britische Kriegsgefangenschaft und wird in der Nähe von Manchester inhaftiert. Bei einem Fußballspiel unter deutschen Kriegsgefangen wird Jack Friar, Coach des Provinzclubs St. Helens, auf Bernds Talent als Torwart aufmerksam und engagiert ihn für seinen Verein. Trautmann verliert sein Herz an Margaret , die hübsche Tochter seines Trainers. Als nach Kriegsende der Erfolgsverein Manchester City Bernd „Bert“ Trautmann als Torwart engagiert, muss er St. Helens schweren Herzens verlassen: Der Deutsche, der als „Feind“ zur Mannschaft Jack Friars kam, verlässt sie als Freund. Doch in Manchester löst die Verpflichtung des deutschen „Nazi-Torwarts“ eine große Welle der Entrüstung und des Protestes aus…

So leer gefegt von Schmutz und Staub die Settings, so bereinigt wirkt „Trautmann“ erzählerisch im Hinblick auf die durchaus spannende Frage, ob man einem deutschen Kriegsgefangenen Ende des Zweiten Weltkrieges als Sportler zujubeln durfte. Herausgekommen ist ein durch und durch berechenbares Drama in gefälligen Farben aber mit immerhin starken Darstellern.


WAS MÄNNER WOLLEN | Regie: Adam Shankman | USA 2019

Ali Davis hat es als einzige Frau in einer Sportlermanagement Agentur nicht leicht. Die zielstrebige Karrierefrau arbeitet härter als all ihre männlichen Kollegen und wird bei Beförderungen trotzdem immer wieder übergangen. Als sie ihrem Frust auf dem Junggesellinnenabschied ihrer Freundin so richtig Luft macht, bietet ihr eine dubiose Hellseherin die Lösung für ihr Problem … Denn am nächsten Morgen erwacht Ali nicht nur mit einem riesigen Kater, sondern besitzt auch die Fähigkeit, die Gedanken jedes Mannes zu hören, dem sie begegnet. Auch wenn sie es so schafft ihre überheblichen Kollegen auszustechen, stellt sich schnell heraus, dass zu viele Informationen oft mehr Schaden anrichten als Gutes tun.

Eine Karrierefrau mit außergewöhnlichen Fähigkeiten! In „Was Männer wollen“ stellt Regisseur Adam Shankman die Prämisse seines Vorgängers „Was Frauen wollen“ von Nancy Meyers auf den Kopf.


Heimkinotipp: BOHEMIAN RHAPSODY | Regie: Bryan Singer (Dexter Fletcher) | USA 2018

Im Jahr 1970 gründen Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon die Band Queen, die später zu einer der legendärsten Rockbands aller Zeiten werden sollte. Songs wie „Killer Queen”, „Bohemian Rhapsody”, „We Are The Champions” und „We Will Rock You“ machen die Musiker unsterblich, doch hinter der Fassade des Leadsängers Freddie Mercury macht sich langsam eine emotionale Zerrissenheit bemerkbar. Nicht nur mit seiner für ihn lange Zeit nicht definierbaren Sexualität muss sich der aus Sansibar stammende Parse arrangieren. Immer häufiger scheint sein Umfeld etwas Anderes zu wollen, als er selbst. Spätestens als sich seine große Liebe Mary von ihm trennt, bricht auch Freddie den Kontakt zu seinen Bandmitgliedern ab und versucht, solo genauso erfolgreich zu sein. Erst viel zu spät begreift er, dass er in diesen eigentlich längst eine Familie gefunden hat, mit der er 1985 beim legendären Live-Aid-Konzert spielen will.

„Bohemian Rhapsody“ bringt das große Kunststück fertig, aus Menschen, die noch nie Berührungspunkte mit der Band hatten, Queen-Fans zu machen. Und trotz einiger Ungenauigkeiten im porträtierenden Teil, an dem sich allerdings nur Puristen stören dürften, ist der Musikfilm obendrein ein hochemotionales Porträt einer faszinierenden Persönlichkeit, die Rami Malek voller Inbrunst, Leidenschaft und Sensibilität verkörpert.

Das startet am 21. Februar 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 21. Februar, der mit einer Qualitätsdichte aufwartet, wie wir sie lang nicht mehr gesehen haben. Das reicht von Oscar-Material („Vice“, „Can You Ever Forgive Me?“) über die filmische Aufarbeitung tragischer Schicksale („Der verlorene Sohn“) und knuffiger Insektenabenteuer („Die Winzlinge 2“) bis hin zu echten Skandalen („Der goldene Handschuh“). Doch so richtig spannend ist doch vor allem eines: Wie erfolgreich wird das Remake des Überraschungserfolgs „Ziemlich beste Freunde“ wohl in Deutschland abschneiden?

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

VICE – DER ZWEITE MANN | Regie: Adam McKay | CAN/ARG/USA 2019

Er gilt als einer der mächtigsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten: Dick Cheney (Christian Bale). Doch das war nicht immer so: Erst schlägt er sich als versoffener Arbeiter durchs Leben, dann droht ihn seine Frau (Amy Adams), ihn aufgrund seines Alkoholproblems zu verlassen. Es ist der dringend nötige Weckruf, denn nachdem er über ein Praktikum erstmals Kontakt mit der US-amerikanischen Politik erhält, scheint er seine wahre Berufung gefunden zu haben. Donald Rumsfeld (Steve Carell) führt ihn in die Gepflogenheiten des Regierungsapparates ein, wo er seine Karriere als Politiker beginnt. Neben George W. Bush (Sam Rockwell) und unter dessen Vater (John Hillner) steigt er sogar zum Verteidigungsminister auf. Doch dieser kometenhafte Aufstieg zu einem der einflussreichsten Politiker der Welt geht mit (Fehl-)Entscheidungen einher, die das Land bis heute prägen…

Überträgt Regisseur Adam McKay sein bereits in „The Big Short“ angewandtes, inszenatorisches Erfolgskonzept einfach nur vom Thema Immobilienblase auf die US-Politik? Schon irgendwie. Macht sein neuer Film „Vice – Der zweite Mann“ entsprechend genauso viel Spaß und ist obendrein so richtig schön bissig? Auf jeden Fall!


CAN YOU EVER FORGIVE ME? | Regie: Marielle Heller | DE 2019

Die Prominenten-Biographin und Katzenfreundin Lee Israel (Melissa McCarthy) hat ihre besten Jahre hinter sich. Nicht einmal ihre Verlegerin steht noch hinter ihr, ihre letzten Bücher haben sich äußerst schleppend verkauft. Doch das Leben in den Siebziger- und Achtzigerjahren ist gerade in New York nicht billig, der Unterhalt will bezahlt werden. Nach Portraits über Katherine Hepburn, Tallulah Bankhead, Estée Lauder und die Journalistin Dorothy Kilgallan mangelt es Israel jedoch an Inspiration. Als sie eines Tages einen handgeschriebenen Brief der Schauspielerin Fanny Brice in ihren Unterlagen findet und ihn einem Antiquitätengeschäft zum Verkauf anbietet, staunt sie nicht schlecht: Mit solchen Schriftstücken lässt sich offenbar eine Menge Geld machen, vor allem wenn der Inhalt stimmt. Gemeinsam mit ihrem Freund Jack (Richard E. Grant) plant sie den ganz großen Coup… 

Mit Leidenschaft und Können begeistert Melissa McCarthy in diesem als Dramedy inszenierten Bio-Pic und wurde dafür völlig zu Recht für den Oscar nominiert. Der Film berührt, bringt uns aber auch zum Lachen und bietet außerdem noch den immer wunderbaren, immer unterhaltsamen Richard E. Grant. Mehr geht kaum.


DER VERLORENE SOHN | Regie: Joel Edgerton | AUS/USA 2018

Der neunzehnjährige Jared (Lucas Hedges) wächst in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten auf. Als sein streng gläubiger Vater (Russell Crowe) von der Homosexualität seines Sohnes erfährt, da Jared ungewollt geoutet wird, drängt er ihn zur Teilnahme an einer fragwürdigen Reparativtherapie, wo er seine Homosexualität bekämpfen soll. Vor die Wahl gestellt, entweder seine Identität oder seine Familie und seinen Glauben zu riskieren, lässt er sich notgedrungen auf die absurde Behandlung ein. Seine Mutter (Nicole Kidman) begleitet Jared zu der abgeschotteten Einrichtung, deren selbst ernannter Therapeut Viktor Sykes (Joel Edgerton) ein entwürdigendes und unmenschliches Umerziehungsprogramm leitet. 

Joel Edgerton beweist auch in seiner zweiten Arbeit „Der verlorene Sohn“ sein Händchen dafür, stilsicher und ohne Effekthascherei von zwischenmenschlichen Dramen zu erzählen, die gerade durch ihre zurückgenommene Inszenierung umso mehr Emotionalität und Kraft entfalten.


DIE WINZLINGE – ABENTEUER IN DER KARIBIK | Regie: Hélène Giraud, Thomas Szabo | FR/CHN 2018

Bei einem heimlichen Ausflug in die Kastanienfabrik seines Dorfes landet ein unerschrockener junger Marienkäfer versehentlich in einer Pappschachtel und wird in die weit entfernte Karibik verschifft. Ohne zu zögern, begibt sich sein furchtloser Papa auf eine abenteuerliche Reise, um den geliebten Nachwuchs zu finden. Endlich wieder vereint, stehen die beiden vor einer weiteren Herausforderung: Die Heimat ihrer neuen karibischen Marienkäferfreunde ist in Gefahr, von einer großen Baufirma zerstört zu werden. Denn wird dort erst einmal eine große Ferienanlage errichtet, ist es aus mit der Harmonie. Zum Glück kann unser Held auf seine tierischen Freunde zählen, allen voran die schwarze Ameise und die clevere Spinne, die aus der Heimat zu Hilfe eilen! Gemeinsam entwickeln sie einen ausgeklügelten Plan, um das idyllische Paradies zu retten. 

Da hüpft das Herz: Die Kulleraugen-Tierchen sind zurück. „Die Winzlinge“ sind so niedlich wie eh und je und so überzeugt auch der zweite Kinofilm „Abenteuer in der Karibik“ mit vielen kreativen Ideen.

MEIN BESTER & ICH | Regie: Neil Burger | USA 2017

Der kunstsinnige, querschnittsgelähmte Milliardär Philip (Bryan Cranston) ist auf der Suche nach einem neuen Pfleger. Seine Hausdame Yvonne (Nicole Kidman) ist mehr als irritiert, als in der Bewerberriege plötzlich ein sehr unkonventioneller Kandidat auftaucht. Dell (Kevin Hart) ist vorbestraft und will sich nur eine Bescheinigung abholen, dass er auf Jobsuche ist. Aber Philip entscheidet spontan, dass Dell trotzdem eine Chance bekommt: Weil er einen ungewöhnlichen Blick auf die Welt hat und seinen potenziellen Boss – im Gegensatz zu Yvonne – nicht wie einen hochsensiblen Pflegefall behandelt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nähern sich die beiden grundverschiedenen Männer an. Philip blüht sichtlich auf, als Dell ihn auf abenteuerliche Trips mitnimmt. Und auch Dell lässt sich auf Philips Welt ein. Beide werden ziemlich beste Freunde. 

Abgesehen von dem absurden deutschen Filmtitel ist „Mein Bester & ich“ ein gelungenes Remake des französischen Dauerbrenners „Ziemlich beste Freunde“, das mit den altbewährten Mitteln überzeugen kann und hier und da sogar noch ein klein wenig besser ist.


DER GOLDENE HANDSCHUH | Regie: Fatih Akin | DE 2019

Hamburg in den Siebzigerjahren. Auf den ersten Blick ist Fritz „Fiete“ Honka (Jonas Dassler) ein bemitleidenswerter Verlierertyp. Seine Nächte durchzecht der Mann mit dem kaputten Gesicht und den schiefen Zähnen in der Kiezkaschemme „Zum Goldenen Handschuh“, wo er in guter Gesellschaft allerlei skurriler Charaktertypen ist, die genau wie er alles im Leben nichts mehr zu haben scheinen, außer ihren Alkohol. Doch genau hier beginnt er auch, ahnungslosen Frauen nachzustellen. Keiner der Stammgäste ahnt, dass der scheinbar harmlose Fiete in Wahrheit ein Monster ist, das seine Opfer zunächst vergewaltigt, anschließend bestialisch ermordet und schließlich zerstückelt, um sie hinter einer kleinen Tür in seiner Küche zu verstauen. Damit kein Geruch nach draußen dringt, verhängt er die Wohnung notdürftig mit Duftbäumen… 

„Der goldene Handschuh“ löst in erster Linie den Wunsch aus, den Film nicht noch ein weiteres Mal zu sehen. Damit hat der Hamburger Regisseur für sein Serienkillerporträt die richtige Intention gefunden. Trotzdem greift Fatih Akin einmal böse daneben, wenn er mit dem Alkohol plötzlich einen Auslöser für Fritz Honkas Taten zu präsentieren scheint.


DIE SCHNEEKÖNIGIN: IM SPIEGELLAND | Regie: Robert Lence, Aleksey Tsitsilin | RUS 2018

Das Mädchen Gerda hilft ihren Eltern und ihrem Bruder, einen kleinen Zauber-Laden zu betreiben. Jeder in Gerdas Familie ist ein Magier – außer ihr selbst. Gerda besitzt keinerlei magische Kräfte. Dadurch eingeschüchtert, fühlt sie sich manchmal nutzlos. Zur gleichen Zeit entscheidet König Harald, amtierender König und ausgezeichneter Wissenschaftler, alle Magier zu verbannen. Mit einem Trick lockt er sie auf sein Schloss und schickt sie durch ein magisches Tor hinein in das Spiegelland, in dem auch die Schneekönigin wohnt. Allerdings funktioniert das Tor nur in eine Richtung. So kann keiner der Magier das Spiegelland eigenmächtig verlassen. Auch Gerdas Familienmitglieder, allesamt Magier, landen im Spiegelland. Als Gerda versucht, dies zu verhindern, endet sie selbst im Gefängnis.Im Spiegelland gibt es für die Magier nur eine Möglichkeit wieder herauszukommen:
durch ein Bündnis mit der Schneekönigin.


Heimkinotipp: DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT | Regie: Aron Lehmann | DE 2018

Roxy ist neu in der Klasse und verdreht gleich allen Jungs den Kopf. Die schlagfertige 17-Jährige ist gerade von ihrer alten Schule geflogen und hat null Bock auf die anstehende Klassenfahrt nach Berlin. Im Bus freundet sie sich mit dem sensiblen Außenseiter Cyril an, der sie mit seinem Wortwitz überrascht. Cyril ist sofort Feuer und Flamme, rechnet sich aber keine Chancen aus, denn er wird von allen wegen seiner großen Nase verspottet. Roxy interessiert sich außerdem mehr für den attraktiven Rick. Blöderweise ist der ein geistiger Tiefflieger und bringt keine drei Worte am Stück raus. Als auch noch Aufreißer Benno ein Auge auf Roxy wirft, startet Cyril eine waghalsige Verkupplungsaktion, um Roxy vor Bennos falschem Spiel zu schützen: Er schreibt für Rick coole Songs und romantische SMS, damit dieser bei Roxy ganz groß auftrumpft. Wer wird am Ende das Herz des „schönsten Mädchen der Welt“ erobern? 

Aron Lehmanns Versuch, eine klassische Literaturvorlage in einem modernen Setting zu erzählen, geht voll auf! Dank einem hervorragenden Drehbuch, toller Musik und leidenschaftlichen Schauspielern wird „Das schönste Mädchen der Welt“ zu einem der besten Jugendfilme seit langer, langer Zeit.

Das startet am 10. Januar 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 10. Januar 2019, bei dem sich die ganz großen Kinostarts noch in Grenzen halten. Der in den USA gefloppte „Robin Hood“ dürfte es – auch in Ermangelung an Superstarpower – schwer haben. Vielleicht könnte das Drogendrama „Ben Is Back“ dagegen sogar besser aus dem Startblock kommen, immerhin ist Julia Roberts ein Name, der auch in Deutschland zieht. Darüber hinaus rührt der Verleih die Werbetrommel mächtig für die deutsch-österreichische Komödie „Kalte Füße“, die in Ermangelung an Konkurrenz vielleicht mit einem Überraschungserfolg vom Platz gehen könnte. Und apropos fehlende Konkurrenz: Da lange kein Horrorfilm in die Kinos gekommen ist, fürchte ich, dass auch „Polaroid“ nicht komplett unerfolgreich sein wird…

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BEN IS BACK | Regie: Peter Hedges | USA 2018

Die Familie Burns bereitet sich gerade auf das anstehende Weihnachtsfest vor, als ein unverhofftes Ereignis das Familiengefüge durcheinander bringt: Holly Burns (Julia Roberts), vierfache Mutter, ist hin- und hergerissen, als ihr 19-jähriger Sohn Ben (Lucas Hedges) an Heiligabend unverhofft vor der Tür steht. Sie möchte eigentlich nur zu gern glauben, dass ihr Ältester sein Drogenproblem endlich im Griff hat und daher aus der Entzugsklinik nach Hause darf. Aber die Zweifel bleiben. Vor allem Schwester Ivy (Kathryn Newton) und Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) sind skeptisch. Hat er die Familie nicht schon oft genug ins Chaos gestürzt? In den folgenden turbulenten 24 Stunden versucht Holly alles, um ihre Familie zusammenzuhalten und Ben vor sich selbst zu schützen – und findet dabei mehr über sein Leben heraus, als ihr lieb ist… 

„Ben Is Back“ ist ein packendes, einfühlsames Drogendrama, das erzählerisch jedoch ein wenig in zwei Hälften zerfällt. Immerhin überzeugen beide Hälften für sich – auch weil Julia Roberts und Lucas Hedges konstant stark aufspielen.


KALTE FÜSSE | Regie: Wolfgang Groos | DE/AT 2018

Durch eine kuriose Verwechslung findet sich der Kleinkriminelle Denis plötzlich in der Position des Krankenpflegers für den Schlaganfallpatienten Raimund wieder. Dabei wollte er nur in dessen Villa einbrechen, um endlich seine Schulden bei einigen unliebsamen Ganoven zu begleichen. Stattdessen sitzt er nun im herrschaftlichen Anwesen des reichen Unternehmers fest, der seit dem Anfall nicht mehr sprechen kann und an den Rollstuhl gefesselt ist. Als dann auch noch Raimunds Enkeltochter Charlotte auftaucht, wird es Denis endgültig zu viel. Doch an Flucht ist nicht zu denken, ein Schneesturm tobt in der Region. Und so muss er wohl oder übel die Rolle des Krankenpflegers spielen – sehr zu Raimunds Unmut, der sich mit allen Mitteln gegen den Eindringling wehrt. Denn im Gegensatz zu Charlotte hat Raimund den Ganoven Denis sofort durchschaut… 

Der stark gespielte „Kalte Füße“ ist eigentlich eine charmant-freche RomCom, doch durch grob gestrickte Pubertäts-Kalauer geht dem Film einiges an Charme ab.


ROBIN HOOD | Regie:  Otto Bathurst | USA 2018

Lord Robin von Loxley verliebt sich eines Tages in die gewiefte Diebin Marian. Dann ereilt ihn ein Einberufungsbescheid: Er müsse sich dem Dritten Kreuzzug gegen die Heiden im Morgenland anschließen. Als Lord Robin dort vergeblich versucht, die Exekution eines Jugendlichen aufzuhalten, wird er unehrenhaft entlassen. Wieder in Nottingham, erfährt Lord Robin von seinem alten Freund Bruder Tuck, dass er längst für tot erklärt wurde. Bei einer Ansprache des Sheriffs enthüllt Lord Robin, dass er noch lebt – und erfährt, dass Marian nun mit dem zögerlichen Anführer einer Gegegenbewegung zusammen ist. Außerdem trifft er auf den Vater des Jungen, den er auf dem Kreuzzug zu retten versucht hat. Er hat mit angesehen, was Sir Robin alles erfahren muss – und er schlägt ihm einen kühnen Racheplan vor… 

Konfus aus politischen Motiven zusammengestückelt, historisch völlig inakkurat, aber kurzweilig und sowohl erzählerisch als auch visuell etwas ganz anderes als alle anderen „Robin Hood“-Filme zuvor: Dieser „Robin Hood“ ist ein seichter, simpler Film für einen amüsierten „Hirn aus“-Kinoabend.

2018 – Die Plätze 20 bis 11

Vor einigen Tagen eröffnete ich an dieser Stelle meine Jahrescharts 20178 Was sich auf den Plätzen 40 bis 31 sowie 30 bis 21 befindet, könnt ihr in den jeweiligen Blog-Beiträgen nachlesen. Um Euch nicht weiter auf die Folter zu spannen, geht es nun mit den nächsten zehn Platzierungen weiter. Vorab jedoch ein bisschen Statistik: Ich habe vom 01. Januar bis zum 31. Dezember. 2018 exakt 271 Kinovorstellungen besucht (eigentlich noch mehr, das waren allerdings welche zu Filmen, die erst 2019 erscheinen). 40 mal besuchte ich reguläre Vorführungen, 231 mal waren diese ausschließlich für die Presse. 45 Filme habe ich im Kino verpasst und mussten von mir auf DVD oder via Pressestream/-screener nachgeholt werden. Hinzu kommen 36 Filme, die direkt im Heimkino erschienen sind und keine reguläre Kinoauswertung erhalten haben. Für meine Top 40 zur Auswahl standen insgesamt also 327 verschiedene Filme.

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Das startet am 6. Dezember 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 6. Dezember, an dem mit „Climax“, „Anna und die Apokalypse“ und „Under The Silver Lake“ drei Filme des Fantasy Filmfests einen regulären Kinostart bekommen. Doch auch das Mainstream-Kino hat endlich mal wieder gut Lachen, denn „100 Dinge“ überrascht als charmantes Großstadtmärchen mit zwei toll aufgelegten Hauptdarstellern. Weniger gelungen ist dagegen das „Unknown User“-Sequel „Dark Web“, auch wenn es in Ermangelung an Genrekonkurrenz und vor dem Hintergrund des Vorgängererfolges gute Zahlen schreiben dürfte. „Widows“ krebst derweil irgendwo dazwischen herum: Für einen großen Erfolg fehlt die PR, für einen Geheimtipp dagegen fehlt der letzte Funken Brillanz. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

CLIMAX | Regie: Gaspar Noé | FR/BEL/USA 2018

Eine aus Männern und Frauen verschiedener Nationen und sexueller Ausrichtungen bestehende Tanzgruppe quartiert sich 1996 für Proben in einem abgelegenen Übungszentrum ein. Hier gibt es neben einer großen Tanzfläche auch noch viele kleine Zimmer und einen langen Gang, der in dieser Nacht Zeuge von etwas Ungeheuerlichem sein wird. Bei der Abschlussparty mischt ein Unbekannter nämlich Drogen in die Sangría und verursacht damit einen kollektiven Höllentrip. Aus Angst werden Paranoia, aus unterschwelliger Aggression wird offene Gewalt, aus Zuneigung unkontrollierte Begierde. Die energetische Choreographie löst sich schnell in Chaos auf, die Tänzer taumeln, stolpern und tanzen weiter in höchster Ekstase bis zum Morgengrauen als die Polizei eintrifft und das ganze Ausmaß entdeckt. 

Gaspar Noé ist es mit „Climax“ wieder einmal gelungen, einen Film zu drehen, den es so kein zweites Mal gibt. Sein Tanzpsychodrama ist die pure Raserei, den man erst einmal überstehen muss, um ihn anschließend zu lieben, oder zu hassen. Wir entscheiden uns für Ersteres!


ANNA UND DIE APOKALYPSE | Regie: John McPhail | UK 2017

Anna (Ella Hunt) sehnt ihren Schulabschluss herbei, um endlich die Kleinstadt Little Haven verlassen und die Welt bereisen zu können, während ihr Vater (Mark Benton) andere Pläne für sie hat und ihr bester Freund John (Malcolm Cumming) nicht weiß, wie er ihr seine Liebe gestehen soll. Und als ob dies in der Vorweihnachtszeit nicht schon genug wäre, erheben sich plötzlich die Toten aus ihren Gräbern und überschlurfen die Stadt. Um ihre Familie und Freunde zu retten, muss sich Anna singend, tanzend und kämpfend ihren Weg durch eine rasant wachsende Horde von Untoten bahnen und sich der entscheidenden Frage des Lebens stellen: High School, Zombies oder Weihnachtskonzerte – was ist das größere Übel? 

Eine vergnügliche Zombiefilm-Hommage, ein gewitzter sowie packender Weihnachtsfilm, eine schottische High-School-Komödie mit aufrichtig pochendem Herzen und das mit Abstand beste Musical des Filmjahres: „Anna und die Apokalypse“ ist ein außergewöhnliches, mitreißendes Genregemisch voller Ohrwürmer.


UNDER THE SILVER LAKE | Regie: David Robert Mitchell  | USA 2018

Hollywood, Los Angeles. Obwohl die Miete für sein Apartment überfällig ist, hegt Sam (Andrew Garfield) keinerlei Ambitionen, einen Job zu finden. Womit er früher einmal Geld verdient hat, weiß er vermutlich selbst nicht einmal mehr so genau. Lieber hängt er auf seinem Balkon herum, liest Comics und beobachtet die knapp bekleideten Nachbarinnen durchs Fernglas. Als ihn die umwerfend schöne Sarah (Riley Keough) eines Abends zu sich einlädt, kann er sein Glück kaum fassen. Doch nach einer gemeinsamen Nacht ist sie am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Sam wittert eine globale Verschwörung, die Millionäre, Celebrities, Hundemörder und urbane Mythen involviert und begibt sich auf eine Schnitzeljagd quer durch L.A. Seine Suche nach Sarah mutiert zur rauschhaften Odyssee durch den undurchsichtigen Dschungel der Großstadt.

In „Under The Silver Lake“ begibt sich Andrew Garfield auf die Spuren von David Lynchs „Mullholland Drive“. David Robert Mitchells Schnitzeljagd durch Los Angeles präsentiert sich als Sammelsurium aller möglichen Verschwörungstheorien, die der „It Follows“-Regisseur gar nicht unbedingt hätte auflösen müssen. Sein packend inszeniertes Mysteryabenteuer weiß auch so ziemlich gut zu unterhalten.


100 DINGE | Regie: Florian David Fitz |DE 2018

Toni liebt seine Espressomaschine. Paul liebt sein Handy. Toni kann nicht ohne Haarpillen, Paul nicht ohne seine heiligen Sneakers. Aber vor allem kann Paul nicht ohne Toni und Toni nicht ohne Paul. Aber das wissen sie nicht. Immer geht es darum, wer besser oder cooler ist, und das haben sie nun davon: Jetzt sitzen sie da, ohne Möbel, ohne Kleidung, nackt und verfroren. Und das ist erst Tag eins! 100 Tage, haben sie gewettet, müssen sie auf alles verzichten. Jeden Tag kommt nur ein Gegenstand zurück. Und schon verheddern sie sich in Fragen, die ihnen vorher nie gekommen sind: Was braucht man wirklich? Besitzen wir unsere Dinge oder unsere Dinge uns? Gibt es den freien Willen überhaupt, und wie oft kann man eine Unterhose wenden, bevor sie auf den Sondermüll muss? 

Machen wir es kurz: Florian David Fitz‘ Buddykomödie „100 Dinge“ ist die erste gute deutsche Mainstream-Komödie seit vielen Jahren! Und das vor allem, weil Florian David Fitz ganz genau weiß, was für einen Film er da eigentlich gedreht hat.

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