Schlagwort-Archiv: Musikfilm

Das startet am 10. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 10. August, der mit „Der dunkle Turm“ einen Blockbuster auffährt, der es schwer haben dürfte, sein Publikum zu überzeugen. Mit der Buchvorlage hat die Stephen-King-Verfilmung nämlich nichts zu tun und als Außenstehender ist der Fantasyactioner einfach nur wirr und kurios. Dafür gibt’s mit „Der Wein und der Wind“ feines Kino aus Frankreich und ein wenig Durchschnittliches von Gurinder Chadha, Lisa Azuelos und Nico Sommer. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER WEIN UND DER WIND  | Regie: Cédric Klapisch | FR 2017

Es ist Spätsommer im Burgund und die Weinernte steht bevor. Der dreißigjährige Jean (Pio Marmaï) kehrt nach vielen Jahren der Funkstille auf das idyllische Familienweingut zurück. Nicht aus Nächstenliebe – es gibt einen wichtigen Grund: Sein Vater liegt im Sterben und seine Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil), die das Gut in der Zwischenzeit so gut es geht aufrechterhalten haben, können jede Unterstützung gebrauchen. So wie sich jedes Erntejahr nach den Jahreszeiten richtet, erkennen die Geschwister, dass manch offene Wunden auch über die Jahre hinweg nicht heilen. Gemeinsam müssen sie entscheiden, ob die Familientradition weitergeführt werden soll oder jeder seinen eigenen Weg geht…

Vor der traumhaften Kulisse des französischen Burgund erzählt „Der Wein und der Wind“ besonnen eine Geschichte über Familie, die Schweres nicht allzu schwer nimmt und trotzdem einen erstaunlichen Realismus an den Tag legt. Als manchmal ein wenig zu aufdringliches Sinnbild für menschliche Kommunikation findet Regisseur Cédric Klapisch den Weinanbau und trifft mit dieser Idee voll ins Schwarze!


DER STERN VON INDIEN  | Regie: Gurinder Chadha | UK/IND/SWE 2017

1947 kommen Lord Mountbatten (Hugh Bonneville) und seine Frau Edwina (Gillian Anderson) an ihre neue Arbeitsstelle nach Delhi. Als Vizekönig soll Mountbatten die britische Kronkolonie auf möglichst fiedlichem Wege in die Unabhängigkeit entlassen. In seinem Palast arbeiten nicht weniger als 500 indische Bedienstete, darunter der junge Hindu Jeet (Manish Dayal), der hier unverhofft seine einstige Flamme wiedertrifft, die schöne Muslima Aalia (Huma Qureshi). Es ist eine verbotene Liebe, denn eine Verbindung zwischen Angehörigen der verfeindeten Religionen kommt nicht in Frage. Als Mountbatten die neuen Staaten Indien und Pakistan gründet, brechen schwere Unruhen aus. Jeet verliert seine Familie und die geliebte Aalia…

In ihrem opulent bebilderten Geschichts- und Liebesdrama „Der Stern von Indien“ gelingt es der auch persönlich in die Ereignisse involvierten Regisseurin Gurinder Chadha, verschiedene Sichtweisen auf ein wichtiges historisches Ereignis zu gewähren, das noch 70 Jahre nach seinem Stattfinden nichts an Brisanz verloren hat.


DALIDA  | Regie: Lisa Azuelos | FR 2016

1933 wurde sie in Kairo geboren, 1987 starb sie einen tragischen Tod. Dazwischen lebte die weltberühmte Chanson- und Popsängerin Dalida (Sveva Alviti) ein filmreifes Leben, das ihr erstes Konzert im legendären Olympia in Paris 1953 ebenso umfasste wie die Ehe mit Lucien Morisse (Jean-Paul Rouve), dem Leiter des damals neu gegründeten Privatradiosenders Europe 1, den Beginn der Disco-Ära, ihre spirituelle Entdeckungsreise nach Indien oder den weltweiten Erfolg von „Gigi l’amoroso“ 1974. Dalida war eine unkonventionelle, moderne Frau in konventionellen Zeiten, deren einzigartiges Talent und unvergleichliche Ausstrahlung bis heute nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben. Doch es sollte tragisch enden… 

„Dalida“ strotzt nur so vor Leidenschaft und Temperament und wird vor allem die Musikliebhaber zufriedenstellen. Als klassische Filmromanze gerät der Film bisweilen zu kitschig, um wahrhafte Gefühle hervorzurufen. Dafür ist Newcomerin Sveva Alviti eine absolute Offenbarung.


HELLE NÄCHTE  | Regie: Thomas Arslan | DE/NOR 2017

Mit seiner Freundin (Marie Leuenberger) lebt der aus Österreich stammende Bauingenieur Michael (Georg Friedrich) in Berlin. Schon seit Jahren hat er kaum Kontakt zu seinem 14-jährigen Sohn Luis (Tristan Göbel). Als Michaels Vater stirbt, reisen die beiden dennoch gemeinsam zum Begräbnis in die Einsamkeit des nördlichen Norwegens. Im abgelegenen Haus des Verstorbenen beginnt Michael, dessen persönliche Gegenstände zu verpacken – wortlos beobachtet von seinem Sohn. Zwei einander fremde Menschen, gefangen in einer intimen Situation. Nach der Trauerfeier überrascht Michael Luis mit dem Vorschlag, noch ein paar Tage in der Region zu verbringen. Es beginnt ein Roadmovie und eine Reise in eine Vergangenheit, die es nicht gab. Das Zusammensein gestaltet sich schwieriger als erwartet. Weil man nie einen Alltag zusammen hatte, bleibt der tägliche Umgang ungewohnt. 

Thomas Arslan gelingt mit „Helle Nächte“ eine präzise Analyse zweier entfremdeter Seelen, die im Laufe eines Roadtrips durch Norwegen wieder zueinander finden sollen. Dabei konzentriert sich der Regisseur jedoch so gezielt auf kleine Details und das Ausformulieren vereinzelter Gedanken, dass die Emotion selbst auf der Strecke bleibt bis eine Träne kein Mitgefühl mehr auslöst, sondern allenfalls symbolischen Wert hat.


LUCKY LOSER – EIN SOMMER IN DER BREDOUILLE  | Regie: Nico Sommer | DE 2017

Bei Mike (Peter Trabner) läuft es derzeit alles andere als rund: Wohnung weg, Job eine Einbahnstraße und zu allem Übel schlägt sein kleines Loser-Herz immer noch für Ex-Frau Claudia (Annette Frier). Für ihn ist es nur eine 9-jährige Beziehungspause, für Claudia ist er jedoch eine Katastrophe auf zwei Beinen. Zumal sie seit Jahren mit Thomas (Kai Wiesinger) liiert ist und ein spießiges Vorstadtleben führt. Als die gemeinsame Teenie-Tochter Hannah (Emma Bading) plötzlich beschließt, zu ihrem Dad zu ziehen, steckt Mike in der Bredouille. Wo sollen sie bloß hin? Notgedrungen geht’s auf einen Campingplatz, wo zu Mikes Entsetzen noch Hannahs heimlicher Freund Otto (Elvis Clausen) auftaucht. Chaos ahnend, macht sich auch Claudia auf den Weg … das Durcheinander ist perfekt, doch Mike wittert seine zweite Chance… 

Mit „Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille“ gelingt Regisseur Nico Sommer eine liebenswürdig erzählte, hier und da ein wenig zu schematische, dafür äußerst authentisch gespielte Patchwork-Komödie, die mit der starken Performance von Peter Trabner steht und fällt.


HEARTBEATS  | Regie: Duane Adler | USA 2017

Ausgerechnet kurz vor einem wichtigen Auftritt muss die talentierte US-amerikanische Tänzerin Kelli (Krystal Ellsworth) ihre Hip-Hop-Crew im Stich lassen und ihre Familie zu einer Hochzeit von Arbeitskollegen nach Indien begleiten. Was für die junge Amerikanerin als Urlaub wider Willen beginnt, nimmt schnell eine erfreuliche Wendung: Im fernen Mumbai trifft Kelli auf den charmanten Inder Aseem (Amitash Pradhan), mit dem sie ihre große Leidenschaft fürs Tanzen teilt. Bei exotischen Rhythmen und heißen Dance-Moves rücken schon bald nicht nur zwei gegensätzliche Kulturen näher zusammen. Auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle müssen sich die beiden die alles entscheidende Frage stellen: Hat ihre Liebe eine Chance?

In „Heartbeats“ lässt Regisseur Douane Adler Bollywood auf Hollywood treffen und kreiert hieraus eine mitreißende Atmosphäre, von der die austauschbare Geschichte allerdings kaum profitiert. Dafür erwecken die Tänze den Eindruck, tatsächlich tanzbar zu sein und das Protagonistenpärchen passt hervorragend zueinander.


DER DUNKLE TURM  | Regie: Nikolaj Arcel | USA 2017

Der junge Jake Chambers (Tom Taylor) träumt Nacht für Nacht von einem erbitterten Krieg zweier Männe, die in einer fernen Welt versuchen, einander gegenseitig zu vernichten. Es ist die Geschichte von Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba). Er ist der letzte seiner Art und gefangen in einem ewigen Kampf mit Walter O’Dim, auch bekannt als der Mann in Schwarz (Matthew McConaughey). Roland ist fest entschlossen, ihn daran zu hindern, den Dunklen Turm zu Fall zu bringen, der das ganze Universum zusammenhält. Das Schicksal aller Welten steht auf dem Spiel, als das Gute und das Böse in einer ultimativen Schlacht aufeinanderprallen. Denn Roland ist der Einzige, der den Dunklen Turm vor dem Mann in Schwarz verteidigen kann. 

Die Verfilmung von „Der dunkle Turm“ lässt erahnen, weshalb das Buch so viele Fans hat. Doch für sich genommen ist der düstere Fantasy-Actioner eine zähe, emotionslose und vor allem total wirre Angelegenheit auf visuell unterdurchschnittlichen Niveau.


KEDI – VON KATZEN UND MENSCHEN  | Regie: Ceyda Torun | TUR/USA 2017

Tausende von Katzen streifen täglich durch die Straßen von Istanbul. Sie gehören niemandem und sind doch ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Frei, unabhängig und stolz leben sie seit vielen Jahren inmitten der Menschen, schenken ihnen Ruhe und Freude, aber lassen sich nie besitzen. Ceyda Toruns faszinierender Dokumentarfilm begleitet sieben von ihnen durch den Alltag, jede einzelne von ihnen ist einzigartig und von außergewöhnlichem Temperament. Die Kamera folgt ihnen durch lebhafte Märkte, sonnige Gassen, Häfen und über die Dächer der Stadt – und fängt ihre besondere Beziehung zu den Menschen ein, deren Leben sie nachhaltig beeinflussen. Kino aus Katzenperspektive: In wunderschönen, berührenden Bildern erhält der Zuschauer Einblicke in das Leben dieser gleichsam anmutigen wie rätselhaften Tiere und ihr außergewöhnliches Verhältnis zu den Menschen.


 Heimkinotipp: DIE SCHÖNE UND DAS BIEST  | Regie: Bill Condon | USA 2017

Die kluge und anmutige Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater und Uhrmacher Maurice (Kevin Kline) ein beschauliches Leben in einem kleinen Dorf in der Nähe von Paris, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston (Luke Evans) gestört wird. Doch als Maurice auf einer Geschäftsreise in die Fänge eines Ungeheuers (Dan Stevens) gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit… 

Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ ist ein starbesetztes Märchen-Musical am Puls der Zeit, das trotz kleiner technischer Schwächen ein ähnlich magisches Flair versprüht, wie die Zeichentrickvorlage aus dem Jahr 1991.

Zehn Filme, die mich im 2. Quartal 2017 genervt haben

Zum Ende eines jeden Quartals veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine zehn ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen drei Monate. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY (eben so gar nicht) gefallen hat, werde ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik ab sofort nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme inklusive Trailer vorstellen, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen vier Wochen zu veröffentlichen. Nach meinen zehn Lieblingsfilmen folgt hier das Flop-Ranking. Viel Spaß!

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Das startet am 8. Juni 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 8. Juni, dessen größter Start bislang der Presse vorenthalten wurde. Mit „Die Mumie“ kommt ein neuer Blockbuster mit Tom Cruise in die Kinos, der in Ermangelung an Konkurrenz ganz gut starten könne. Ansonsten lohnt sich ein Blick auf die deutschen Actionkomödie „Plan B“, während in den Arthousekinos mit „The Dinner“ und „Born To Be Blue“ zwei sehr starke Vertreter des Dramakinos erscheinen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE MUMIE  | Regie: Alex Kurtzman | USA 2017

Nachdem die machtbesessene, ägyptische Prinzessin Ahmanet vor Jahrhunderten ein abscheuliches Verbrechen begann, wurde sie von ihrem Volk bei lebendigem Leibe einbalsamiert und auf dem Gebiet des heutigen Irak vergraben. Genau dort begeben sich die beiden draufgängerischen Grabplünderer und Kriegsveteranen Nick Morton und Chris Vail auf eine neue Expedition, als sie durch Zufall mithilfe der smarten Archäologin Jenny Halsey das Gefängnis der Prinzessin entdecken. Sie heben das Grabmal aus und bringen den Sarg nach London, doch schon auf dem Weg dorthin ereignen sich unheimliche, übernatürliche Dinge, die ihr Flugzeug zum Absturz bringen. In der britischen Hauptstadt angekommen, entfesselt eine Jahrhunderte alte Macht das ultimativ Böse, zu dem ausgerechnet Nick eine ganz besondere Verbindung zu haben scheint…

Ein bisschen zu viel Zombie, einen Tick zu wenig Mumie, dafür jede Menge handgemachte Action, tolle Kulissen und sehr viel Humor: Alex Kurtzmans „Die Mumie“ ist ein starker Einstieg in Universals Dark Universe und kombiniert altmodisches Abenteuerflair mit düsterem Fantasy-Entertainment, das beim nächsten Mal aber gern noch ein wenig blutiger ausfallen darf. Wir schauen der Zukunft des Franchises wohl gestimmt entgegen!


 THE DINNER  | Regie: Oren Moverman | USA 2017

Für die Brüder Paul und Stan (Steve Coogan und Richard Gere) und ihre Frauen Claire und Katelyn (Laura Linney und Rebecca Hall) beginnt das Dinner mit unverbindlichem Smalltalk über Filme und Urlaubspläne. Das eigentliche Thema meiden sie geflissentlich: die Zukunft ihrer Söhne Michael und Rick. Die beiden 16-Jährigen haben nämlich ein Gewaltverbrechen begangen, das ihre Zukunftsaussichten und damit ihr Leben für immer ruinieren könnte. Noch aber sind sie nicht als Täter identifiziert worden. Michaels Vater will nur das Beste für seinen Sohn – und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Doch auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen…

Das stark gespielte Thriller-Drama „The Dinner“ macht optisch vielleicht nicht allzu viel her, doch mit seiner geschickten Erzählstruktur gelingt es Oren Moverman, eine radikale Tragödie freizulegen, die den Zuschauer dort packt, wo es wehtut: der Frage nach Pietät und Anstand.


BORN TO BE BLUE  | Regie: Robert Budreau | CAN/USA 2015

Der legendäre Jazz-Trompeter Chet Baker (Ethan Hawke) erlebt in den Fünfzigerjahren einen kometenhaften Aufstieg als der „James Dean of Jazz“ und „King of Cool“. Doch schon zehn Jahre später ist Baker am Ende. Zerrissen von seinen inneren Dämonen und den Exzessen des Musikerlebens, begegnet er einer eines Tages einer Frau (Carmen Ejogo), mit der auf einmal wieder alles möglich scheint. Angefeuert von seiner neuen Leidenschaft und ihrem bedingungslosen Glauben an ihn, kämpft sich Baker wieder zurück und erschafft so einige der unvergesslichsten Musikaufnahmen seiner Karriere. Doch seine Sucht nach Drogen und die Liebe zum Rausch lassen ihn nicht los und so scheint nicht einmal seine Jane die Rettung für ihn zu sein…

„Born To Be Blue“ gewährt uns anhand von Chet Baker einen hochemotionalen, ungeschönten Einblick ins Musikbusiness, der seinen Reiz auch dadurch entwickelt, dass Regisseur Robert Budreau Realität und Fiktion verschmelzen lässt. Ethan Hawke brilliert als vom Schicksal gebeutelter, am Ende an sich selbst gescheiterter Musiker. Auf so viel „Blues“ muss man Lust haben, doch schließlich wird man mit sehr viel Musik und ebenso viel Gefühl belohnt.


EIN KUSS VON BÈATRICE  | Regie: Martin Provost | FR 2017

Von einem Tag auf den anderen steht Claires (Catherine Frot) Leben auf dem Kopf. Die Klinik, in der sie seit Jahren mit Leib und Seele als Hebamme arbeitet, schließt. Claires einziger Sohn eröffnet ihr, dass er Vater wird und sein Medizinstudium abbricht. Dann verliebt sie sich noch in Paul (Olivier Gourmet), den humorvollen Nachbarn aus der Kleingartenkolonie. Und als wäre das alles noch nicht genug, platzt Béatrice (Catherine Deneuve) in ihr Leben. Béatrice ist die ehemalige Geliebte ihres verstorbenen Vaters und genau das Gegenteil der gewissenhaften und zurückhaltenden Claire. Sie ist extravagant, laut, egoistisch und lebenslustig: Welten prallen auf einander. Doch Béatrice wäre nicht Béatrice, wenn sie nicht auch noch ein paar Überraschungen auf Lager hätte. Überraschungen, die Claires Leben für immer verändern…

In „Ein Kuss von Béatrice“ erzählt Martin Provost von zwei Frauen, die sich entgegen erster Tendenzen ähnlicher sind, als zunächst angenommen. Daraus ergibt sich für das hervorragend aufgelegte Hauptdarstellerinnengespann eine spannende, wenn auch deutlich zu lange Reise in emotionale Seelengefilde, die leider hier und da von ihren diversen Subplots verwässert wird.


WHITNEY – CAN I BE ME | Regie: Nick Broomfield, Rudi Dolezal | UK/USA 2017

Whitney Houston war ein Ausnahmetalent mit einer glockenhellen Stimme über drei Oktaven, sie war wunderschön und mit mehr aufeinanderfolgenden Nr.-1-Hits als die Beatles unglaublich erfolgreich – und doch starb sie schon mit 48 Jahren an einer Überdosis. Dokumentarfilmer Nick Broomfield und der Kultmusikvideo-Regisseur Rudi Dolezal versuchen in bislang unveröffentlichten Aufnahmen sorgfältig zu rekapitulieren, welche Kräfte Whitneys Karriere verkürzten und 2012 zu ihrem Tod mit 48 Jahren führten. Seien es Rassismus, Religion, Drogen, Sexualität, Selbstzweifel, die Forderungen ihrer Eltern und der Industrie, eine problematische Ehe, die von den Medien ausgeschlachtet wurde – die beiden Regisseure durchleuchten alles.  Sie liefern das Bild einer bemerkenswerten Frau, die zahlreichen Zwängen ausgesetzt war und mit großer Menschlichkeit versuchte, sich um alle zu kümmern.

Die kurzweilige Dokumentation „Whitney – Can I Be Me“ bleibt in seinem Porträt von Whitney Houston zwar nicht vollständig objektiv, doch trotz der teils spekulativen Betrachtung ihres privaten Schicksals spürt man doch die Ehrfurcht der Regisseure, die sie ihrer legendären Hauptfigur entgegenbringen.eineinhalbstündige Berlin-Hommage zu bestaunen.


PLAN B – SCHEIß AUF PLAN A | Regie: Ufuk Genc, Michael Popescu | DE 2016

Can, Phong, Cha und U-Gin sind beste Freunde und zugleich die erfolglosesten Actionstar-Wannabes diesseits von Hollywood. Doch als ihnen überraschend ein Casting-Angebot ins Haus flattert, bietet sich eine aller letzte Chance, endlich zu zeigen, was sie wirklich draufhaben. Dumm nur, dass U-Gin die Adresse vertauscht. So landen die Jungs nicht im erhofften Casting, sondern eindeutig im falschen Film – denn unerwartet kommen sie einer Truppe knallharter Gangster in die Quere, die sich Phong als Geisel schnappen und die anderen auf eine mörderische Mission schicken. Im Tausch gegen Phongs Leben sollen sie den Geheimsafe des gefürchteten Gangsterbosses Gabriel ausfindig machen. In einem Wettlauf gegen die Zeit kämpfensich die Jungs von einem Fettnäpfchen ins nächste quer durch Berlin und müssen bald erkennen, dass sie im Zentrum einer Unterweltverschwörung gelandet sind.

„Plan B – Scheiß auf Plan A“ ist eine gelungene Hommage an das Actionkino der Achtziger- und Neunzigerjahre und funktioniert ganz klar über den „Passion over Substance“-Faktor. Die Leidenschaft der Darsteller tröstet über holprige Dialoge und eine zähe Dramaturgie hinweg. Dafür gibt’s fantastische Stunts, fiese Bösewichte und eine eineinhalbstündige Berlin-Hommage zu bestaunen.


MEIN NEUES BESTES STÜCK | Regie: Audrey Dana | FR/BEL 2017

Aus, Schluss, vorbei! Nach einem erbitterten Rosenkrieg mit ihrem Exmann und dem Verlust des alleinigen Sorgerechts für ihre zwei kleinen Kinder platzt der sonst so aufopferungsvollen Jeanne (Audrey Dana) endgültig der Kragen. Frustriert und abgekämpft beschließt die überforderte Mittdreißigerin, das andere Geschlecht ab sofort links liegen zu lassen und allen Männern abzuschwören. Denn sie ist sich sicher: Mit einem Schwanz wäre alles einfacher! Doch eines Tages wacht sie mit einer prekären Überraschung zwischen den Beinen auf… einem Penis! So sehr manche Frauen über einen etwaigen Rollenwechsel vielleicht phantasieren mögen: Jeanne definitiv nicht! Als auch ihr Gynäkologe ihr nicht helfen kann, muss sich Jeanne etwas überlegen…

In den besten Momenten dringt durch „Mein neues bestes Stück“ die Botschaft durch, dass Probleme jeglicher Art vor den einzelnen Geschlechtern keinen Halt machen (sollten), denn etwas, worüber man selbst nicht bestimmen kann, sollte niemals zu einem Konfliktherd werden. Leider räumt Regisseurin Audrey Dana plakativen Zoten zu viel Platz ein und ist zudem ungenau in ihrer Erzählung. Ihre darstellerische Leistung hievt den Film trotzdem auf solides Mittelmaß.


GIULIAS GROSSES RENNEN  |  Regie: Matteo Rovere | IT 2016

Die Leidenschaft für schnelle Motoren liegt Giulia De Martino im Blut, denn sie stammt aus einer Familie, die seit Generationen Champions im Motorsport hervorbringt. Auch sie ist Rennfahrerin, noch dazu ein außergewöhnliches Talent, sodass sie bereits als Siebzehnjährige unter der Führung ihres Vaters Mario an der GT-Meisterschaft teilnimmt. Aber eines Tages ändert sich alles, und Giulia muss nun sowohl auf der Rennbahn als auch im Leben allein zurechtkommen. Die Situation verkompliziert sich, als ihr Bruder Loris unerwartet wieder zu Hause auftaucht, auf den man als Rennfahrer zwar nicht mehr bauen kann, der jedoch mit einem außergewöhnlichen siebten Sinn fürs Fahren begabt ist. Giulia bleibt nichts anderes übrig, als mit ihm zusammenzuarbeiten. In einer rasanten Abfolge von Adrenalin und Emotionen entdecken beide, wie schwierig und gleichzeitig bedeutsam es ist, eine Familie zu sein.


SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES  |  Regie: Julian Radlmaier | DE 2017

Ein bürgerlicher Windhund gesteht, wie er vom Filmemacher zum Vierbeiner wurde: Weil er gerade keine Förderung bekommt, sieht Julian sich gezwungen, einen Job als Erntehelfer anzunehmen. Als er der jungen Kanadierin Camille weismacht, es handele sich dabei um die Recherche für einen kommunistischen Märchenfilm, in dem sie die Hauptrolle spielen soll, will sie ihn begleiten und Julian spinnt romantische Fantasien. So landen die beiden in der trügerischen Idylle einer ausbeuterischen Apfelplantage. Während Julian unter der körperlichen Arbeit leidet und sich vor den merkwürdigen Zimmergenossen in den Containerbaracken fürchtet, stürzt sich Camille enthusiastisch in die vermeintliche Recherche und freundet sich mit Hong und Sancho an, zwei wundergläubige Proletarier auf der Suche nach dem Glück, die nicht nur Camille, sondern auch Julian nachhaltig beeindrucken.


Heimkinotipp: DIE TASCHENDIEBIN  |  Regie: Chan-Wook Park | KOR 2016

Korea in den 1930er Jahren. Die schöne, aber unnahbare Lady Hideko lebt mit ihrem dominanten Onkel Kouzuki in einem abgelegenen Anwesen, dessen Herzstück eine hingebungsvoll gepflegte Bibliothek ist. Kouzuki sammelt und verkauft Bücher voll schonungsloser Erotik, die Hideko zahlungskräftigen Herren vorlesen muss. Eines Tages kommt ein neues Dienstmädchen, die junge und naive Sookee, ins Haus von Lady Hideko. Doch das Mädchen hat ein Geheimnis: Sookee ist eine Betrügerin, engagiert, um Hideko dem gerissenen Grafen Fujiwara in die Hände zu spielen, der sie nach der Hochzeit um ihr Vermögen bringen will. Doch zwischen den beiden jungen Frauen entwickelt sich etwas Unerwartetes: eine ungeahnte Zuneigung, die die Karten der Macht neu verteilt.

Chan-wook Parks „Die Taschendiebin“ ist ein komplex-verschachtelt erzähltes, hochspannendes und ebenso erotisches Verwirrspiel um Liebe, Begehren und das Entkommen aus gesellschaftlichen Zwängen. Trotz einiger Längen ist das betörend schön gefilmte Drama schon jetzt ein Highlight des Kinojahres 2017.

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