Better Man – Die Robbie Williams Story

Ja, der Robbie Williams, den wir im Biopic BETTER MAN – DIE ROBBIE WILLIAMS STORY zu sehen bekommen, ist kein Mensch, sondern ein Affe. Und nein, das Ganze ist nicht nur ein aufmerksamkeitsheischendes Gimmick, sondern ein erzählerisch und inszenatorisch cleverer Schachzug, um das der Regisseur von „Greatest Showman“ ein mitreißendes Popmusical gebaut hat, das in den lauten und den leisen Tönen gleichermaßen überzeugt.

OT: Better Man (UK/USA/FR/CHN/AUS 2024)

Darum geht’s

Dass aus dem jungen Robbie Williams (Asmara Feik im Motion Capture Verfahren) einmal ein großer Entertainer wird, weiß er ganz genau. Auch wenn sein Vater (Steve Pemberton), eigentlich selbst ein Sänger, diesem Wunsch so gar kein Gehör schenkt. Doch als Robbie als junger Mann (Jonno Davies) das Casting für eine Boyband besucht, kann er sein Glück kaum fassen: Der knallharte Musikmanager Nigel Martin Smith (Damon Herriman) nimmt ihn in die Band auf, die fortan als Take That große Erfolge feiert. Doch als Robbie innerhalb der Band mehr und mehr sein eigenes Ding durchzieht und sich zudem die Alkohol- und Drogenexzesse häufen, ist Schluss. Dafür wird genau der große Entertainer geboren, der Robbie immer sein wollte. Aber seine inneren Dämonen lassen ihn nicht los, bis es nicht nur zum Zerwürfnis mit seiner großen Liebe Nicole (Raechelle Banno) kommt, sondern Robbie nahezu jeden um sich herum vergrault hat, der ihm eigentlich nur Gutes will…

Kritik

Wenn man den Namen „Robbie Williams“ hört, denkt man automatisch an den international erfolgreichen Musiker, der er schon als Mitglied der Popband Take That war und der sein Dasein als einer der besten Entertainer unserer Zeit spätestens mit seiner Solokarriere perfektioniert hat. Im Anbetracht seiner bewegten Vergangenheit, zu der viele Abstürze, Drogeneskapaden und zahlreiche Skandale gehörten, wundert es ein wenig, dass sich bislang noch keiner an ein Biopic getraut hat. Dabei vergisst man gern, dass Williams in den USA nicht ansatzweise den Erfolg hat(te), den man mit seinem Namen assoziiert. Von seinen nunmehr zwölf Alben landeten gerade einmal drei auf den hinteren Plätzen der US-Musikcharts, während jedes von ihnen in Großbritannien die Nummer-eins-Position enterte und auch im Rest Europas große Erfolge feierte. Aus dieser Perspektive ist es da schon überraschender, dass sich nun ausgerechnet ein sein Schaffen primär in den USA auslebender Regisseur an die Aufgabe eines fiktionalisierten Filmporträts gewagt hat. „Better Man – Die Robbie Williams Story“ ist trotzdem ein durch und durch internationales Projekt, in das neben US-amerikanischen und europäischen sogar chinesische und – natürlich – australische Gelder flossen.

In „Better Man“ verkörpert Jonno Davies den Sänger im Motion-Capture-Verfahren – und ist im Film dadurch durchgehend als Affe zu sehen.

Regisseur Michael Gracey ist mittlerweile vor allem für das durchaus umstrittene Popmusical „Greatest Showman“ bekannt. Bei all dem Pomp und Spektakel sowie den eingängigen Ohrwürmen wie „This is Me“ oder „The Greatest Show“ musste sich der Film damals zu Recht den Vorwurf gefallen lassen, die Hauptfigur P.T. Barnum in einem deutlich schmeichelhafteren Licht erscheinen zu lassen, als es der Realität zuträglich war. Trotzdem erwies sich das Ergebnis als rund – ein kritisches Abbild der Showman-Figur kann sich ja irgendwann nochmal jemand Anderes vornehmen. Was Gracey mit dem Projekt aber auf jeden Fall bewiesen hat: Der Mann hat die Erfolgsprinzipien des ganz großen, modernen Musicalkinos verstanden. Kein Wunder also, dass auch sein Robbie-Williams-Biopic nicht einfach nur ein (Musik-)Film, sondern eben auch ein Musical ist, das aus den ikonischsten Songs des Entertainers besteht. In etwa vergleichbar mit dem nicht minder gelungenen Elton-John-Biopic „Rocketman“, zu dem es noch weitere Gemeinsamkeiten gibt. Zum Beispiel das ungeschönte Zeigen diverser unvorteilhafter Momente, in denen Robbie Williams alles ist, aber sicherlich nicht der Strahlemann, den man von der Bühne kennt. So ist „Better Man“ vor allem ein sich grundehrlich anfühlendes und aufrichtig mit der Figur umgehendes Porträt, dem es des Authentizitätsgefühls wegen gut zu Gesicht steht, dass Williams selbst massiv die Werbetrommel für den Film rührt und nicht nur als Voice-Over-Erzähler, sondern auch als Produzent an dem Projekt beteiligt ist.

„‚Better Man“ ist ein sich grundehrlich anfühlendes und aufrichtig mit der Figur umgehendes Porträt, dem es des Authentizitätsgefühls wegen gut zu Gesicht steht, dass Williams selbst massiv die Werbetrommel für den Film rührt und auch als Voice-Over-Erzähler an dem Projekt beteiligt ist.“

Man kann sich also ziemlich sicher sein, dass das, was in „Better Man“ gezeigt wird, so tatsächlich zu weiten Teilen der Wahrheit entspricht. Auch wenn es Michael Gracey und seine hiermit debütierenden Co-Autoren Simon Gleeson und Oliver Cole mit der Chronologie der Ereignisse nicht so genau nehmen. Das hat in erster Linie dramaturgische Gründe, was Erinnerungen an das Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ weckt. Der dramatischen Zuspitzung wegen, manchmal aber auch, weil es einfach besser in den Flow des Films passt, platzieren die Macher Momente und Songs nicht immer an der zeitlich ganz korrekten Stelle. Puristische Fans könnte das stören, doch mit dem Wissen des unbedingten Rückhalts durch Robbie Williams selbst lässt sich das Ganze vielleicht doch leichter schlucken. Erst recht, weil einer der beeindruckendsten und mitreißendsten Szenen des Films auf einer solchen Freiheit baut. In einer Plansequenz auf der für den Dreh abgesperrten (!) Regent Street performen Take That den Williams-Knaller „Rock DJ“, der eigentlich erst weit später in seiner Vita als Solokünstler auftaucht. Im Anbetracht des Ergebnisses ist das allerdings völlig gleichgültig – die „Rock DJ“-Choreographie gehört zum Besten, was das moderne Musicalkino in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat und entwickelt einen Rausch, die seinesgleichen sucht.

Alsbald kommt es zum Zerwürfnis mit den anderen Mitgliedern von Take That.

Doch nicht nur das ganz große Spektakel reißt in „Better Man“ mit. Auch ruhigere Momente wie ein Tanzduett zur Powerballade „She’s the One“, in der sich die große Liebe zu Williams‘ damaliger Freundin Nicole Appleton spiegelt, sind in ihrer Präzision und Emotionalität regelrecht hypnotisch. Eine Konzertszene, die in ein Schlachtengetümmel mündet, sodass man sich kurz in einem Historienfilm wähnt, bildet den energetischen Gegenpol zu den ruhigen, nachdenklichen Momenten, in denen die Hauptfigur brillieren kann – obwohl sie in „Better Man“ nicht in menschlicher Form dargestellt. Robbie Williams, der sich in Interviews immer wieder selbst wie einen „dressierten Affen“ beschrieben hat, wird im Film als genau ein solcher dargestellt. Ein kreativer Schachzug, der zunächst einfach nur wie ein Gimmick wird und auch die Frage aufwirft, wie man sich denn in die Gefühlslage eines Menschen hineinversetzen soll, wenn man seinem Äußeren ebenjene Menschlichkeit nimmt. Doch es dauert nicht lange, bis man – auch aufgrund der sehr gelungenen Trickeffekte – den Affen als Protagonisten akzeptiert. Nicht zuletzt, weil die Mimik und Gestik des Tieres der eines Menschen in Nichts nachsteht. Und auch, weil der Film selbst es nie erwähnt respektive konkret in die Handlung miteinbezieht. Robbie Williams ist hier einfach ein Affe, der einen jedoch genauso nah an sich heranlässt, wie es auch ein als solcher erkennbarer, menschlicher Schauspieler (Jonno Davies verkörpert den Affen im Motion-Capture-Verfahren) tun würde. Erst recht, weil Robbie Williams den Off-Kommentar des Films selbst spricht, das Publikum also höchstpersönlich mit auf seine Reise nimmt.

„Es dauert nicht lange, bis man – auch aufgrund der sehr gelungenen Trickeffekte – den Affen als Protagonisten akzeptiert. Nicht zuletzt, weil die Mimik und Gestik des Tieres der eines Menschen in Nichts nachsteht.“

Die in „Better Man“ abgehakten Lebensstationen des Sängers sind zwar nicht vollkommen frei von jedweder Überraschung – die schwierige Beziehung zu seinem Vater wurde von Williams selbst (beziehungsweise vor allem den Medien) zum Beispiel nie so sehr ausgebreitet, wie etwa seine Alkohol- und Drogeneskapaden. Trotzdem hangelt sich der Film schon an den eher bekannteren Momenten seines Lebens entlang, dürfte eingefleischten Fans also nur wenig Neues erzählen. Das ist letztlich aber egal, denn in „Better Man“ geht es neben dem Was vor allem um das Wie. Und so, wie hier das Leben eines Megastars porträtiert wird, hat man es in noch keinem anderen Film gesehen.

Auch die emotionalen Momente in „Better Man“ inszeniert Regisseur Michael Gracey mit viel Glanz und Glamour.

Fazit: Robbie Williams als Affe – was wie ein Gimmick klingt, erweist sich in dem Biopic „Better Man – Die Robbie Williams Story“ als cleverer Schachzug, um der Hauptfigur noch ein Stückchen näherzukommen, als man ihr vermutlich in Menschengestalt gekommen wäre. Robbie Williams ermöglicht als Voice-Over-Sprecher einen sehr persönlichen, ungeschönten Blick auf sein Leben und seine Karriere. Und Michael Gracey strikt darum ein pompöses, aufwändiges und mitreißendes Musical in bester „Rocketman“-Manier.

„Better Man – Die Robbie Williams Story“ ist ab dem 2. Januar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

Und was sagst Du dazu?