Freakier Friday

Ein Komödienklassiker aus den frühen Zweitausendern findet seine nur bedingt notwendige Fortsetzung: In FREAKIER FRIDAY tauschen diesmal nicht bloß zwei, sondern gleich viel Frauen ihre Körper. Gelingt der „Late Night“-Regisseurin Nisha Ganatra mit ihrem Legacyquel mehr als nur ein müder Aufguss des ersten Films?

OT: Freakier Friday (USA 2025)

Darum geht’s

Viele Jahre nach ihrem Körpertausch sind Mutter Tess Coleman (Jamie Lee Curtis) und ihre Tochter Anna (Lindsay Lohan) wieder ein Herz und eine Seele. Mittlerweile ist Anna selbst Mutter einer 15-jährigen Teenagerin (Julia Butters) und arbeitet als Musikmanagerin. Als sie sich mit dem alleinerziehenden Vater Eric (Manny Jacinto) verlobt, ziehen jedoch düstere Wolken über dem Familienidyll auf. Harper und Lily (Sophia Hammons), die mit der Hochzeit zu Stiefschwestern werden würden, verstehen sich leider überhaupt nicht. Doch durch einen kuriosen Vorfall am Tag von Annas Junggesellinnenabschied, passiert es erneut: Diesmal tauschen nicht bloß Tess und Anna ihre Körper, sondern auch Harper und Lily. Aus den Erwachsenen werden Teens, aus den Teens Erwachsene – und für Harper und Lily ist das die Gelegenheit, um die Hochzeit zu verhindern…

Kritik

Manche Projekte ergeben sich durch skurrile Umstände. Wer mutmaßt, Disney selbst wäre im Anbetracht des Hollywood’schen Legacyquel-Hypes auf die Idee gekommen, die beliebte Körpertauschkomödie „Freaky Friday“ im Jahr 2025 fortzusetzen, der irrt. Tatsächlich war es die damalige Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis („Everything Everywhere all at Once“) selbst, die mit der Idee an das Mäusestudio herantrat. Der Grund: Während der Interviews zu „Halloween Ends“ sei sie gleich von mehreren Seiten auf ihre mittlerweile fast schon ikonische Rolle an der Seite ihrer Filmtochter Lindsay Lohan („Mean Girls – Der Girls Club“) angesprochen worden. Mit diesem offensichtlichen Interesse am Stoff, auch von Seiten Lohans, sowie der allgemeinen Lust auf Neuauflagen mehrere Jahrzehnte zurückliegender Geschichten gab Disney sofort grünes Licht. Das Ergebnis: „Freakier Friday“. Natürlich mit dem bekannten Ensemble vor der Kamera, aber auch neuen Gesichtern. Und getreu dem „Höher, schneller, weiter!“-Prinzip tauschen diesmal nicht bloß zwei Menschen ihre Körper, sondern gleich vier. Doch verdoppelt das automatisch den Spaß?

Tess (Jamie Lee Curtis) und Anna (Lindsay Lohan) erleben ein Déja-Vu.

Inszeniert wurde „Freakier Friday“ von Nisha Ganatra, die unter anderem für die zuckersüße Wohlfühl-Satire „Late Night“ verantwortlich zeichnete. Darin spielt Emma Thomson eine alternde Late-Night-Show-Moderatorin, die im Anbetracht des sich stetig ändernden Zeitgeists – einschließlich #MeToo und Co. – ihr Sendungskonzept sowie ihr eigenes öffentliches Auftreten überdenken muss. Am Ende steht die Aussöhnung. Mit sich, aber auch mit den Umstehenden, mit denen es zuvor noch ziemlich viel Stress gegeben hat. Dieses unbedingte Streben nach Harmonie (das sich „Late Night“ zweifelsohne ankreiden lässt, sofern man sich denn einen bissigeren Film erhofft hat) findet sich nun auch in „Freakier Friday“ wieder. Womit Ganatra klar auf den Spuren des Originals wandelt, denn die „Familie an erster Stelle!“-Botschaft von Teil eins hängt mindestens genauso schwer über der Fortsetzung. Vielleicht sogar noch mehr, denn mussten in „Freaky Friday“ „nur“ Mutter und Tochter wieder zueinander finden, steht diesmal die Zusammenführung einer Patchwork-Family über allem. Das ist zwar nah am Zeitgeist, birgt aber Probleme. Auf inhaltlicher Ebene sogar ganz grundlegende.

„Während der Body-Switch zwischen Lindsay Lohans Anna und ihrer 15-jährigen Tochter Harper naheliegt, schlüpft Jamie Lee Curtis‘ Tess in die Haut von Harpers Stiefschwester in spe Lily. Warum ausgerechnet diese beiden, ergibt sich aus dem zuvor Gesehenen nicht.“

Es beginnt bei der Auswahl der Figuren, die in „Freakier Friday“ ihre Körper tauschen. Während der Body-Switch zwischen Lindsay Lohans Anna und ihrer 15-jährigen Tochter Harper naheliegt, schlüpft Jamie Lee Curtis‘ Tess in die Haut von Harpers Stiefschwester in spe (und Lieblingsfeindin) Lily. Warum ausgerechnet diese beiden, ergibt sich aus dem zuvor Gesehenen nicht. Der Film etabliert weder eine spezielle Verbindung zwischen den beiden noch eine besondere Form der Sympathie oder Antipathie. Letztlich dient es vor allem dazu, die beiden Teenagermädels – eben im Körper ihrer erwachsenen Tauschpartnerinnen – vor allerlei Konflikte zu stellen; Und gemeinsames Leid verbindet. Womit wir zum zweiten Problem an „Freakier Friday“ kommen, das sich noch deutlich schwerwiegender auf den Filmgenuss auswirkt als die zurechtgebogene Ausgangslage. Durch Annas und Lilys gemeinsames Ziel, die kürzlich bevorstehende Hochzeit ihrer Eltern zu torpedieren, sammeln die jungen Frauen nur wenig Sympathiepunkte. Als Plotantrieb funktioniert die Aneinanderreihung diverser Boykottversuche zwar solide, doch warum sollte man mit den beiden mitfiebern, wenn das Brautpaar in spe doch eigentlich zuckersüß ist!?

Harper (Julia Butters) und Lily (Sophia Hammons) können sich nicht ausstehen – und wollen die Hochzeit ihrer Eltern verhindern.

Kurzum: Wenngleich vor allem Jamie Lee Curtis sichtbar Spaß daran hat, erneut in ihre bekannte Rolle zu schlüpfen, können weder ihr noch Lindsay Lohans ebenfalls durch und durch solides Spiel darüber hinwegtäuschen, dass mindestens die Hälfte des vierköpfigen Hauptcasts ziemlich unausstehlich ist. Ein Subplot rund um eine junge Popsängerin, die Anna (Maitreyi Ramakrishnan) in ihrer Position als Musikmanagerin betreut, wirkt zudem wie Füllmaterial, das sich ersatzlos streichen ließe, ohne dass es etwas am Rest des Films ändern würde. Immerhin sorgt es für eine äußerst amüsante Szenenmontage, in der Jamie Lee Curtis ein extravagant-außergewöhnliches Kleidungsstück nach dem anderen anprobiert – und bei den sichtbar improvisierten Szenen eine ansteckende Freude versprüht. Julia Butters („Die Fabelmans“) und Sophia Hammons („Up Here“) bleiben da in ihrer „Erwachsenenversion“ fast schon unauffällig. Auch deshalb, weil dem Drehbuchautoren Jordan Weiss („Dollface“) kaum Szenen einfallen, die nicht einzig und allein den schrägen Witz des Originals widerkäuen. Das zahlt zwar auf die nostalgieerfüllte Stimmung ein – der abgegriffene Satz „Wer den ersten Film mag, wird auch den zweiten mögen“ greift hier zweifelsohne. Doch Überraschend, neu oder anderweitig inspiriert ist an „Freakier Friday“ nichts.

„Der abgegriffene Satz ‚Wer den ersten Film mag, wird auch den zweiten mögen‘ greift hier zweifelsohne. Doch Überraschend, neu oder anderweitig inspiriert ist an ‚Freakier Friday‘ nichts.“

Ausgerechnet in den ruhigen Momenten bricht sich dann aber doch ein wenig Gefühligkeit Bahn. Ironischerweise gehen jene vor allem aufs Konto der von der Geschichte eher an den Rand gedrängten Männerfiguren. „NCIS“-Urgestein Mark Harmon ist erneut als Tess‘ Ehemann Ryan zu sehen und gefällt nicht nur durch seinen natürlichen Charme, sondern bringt einen vor allem dann zum Lachen, wenn er ungläubig dem plötzlichen Sinneswandel seiner (scheinbaren) Ehefrau zuschauen muss. Manny Jacinto („Top Gun: Maverick“) mag zwar keine echten Ecken und Kanten aufweisen, spielt Annas neue Liebe Eric aber derart zuckersüß, dass die Sympathien in „Freakier Friday“ klar verteilt sind. Man wünscht sich fast, der Film würde sich einfach nur dieser charmanten Romanze widmen und den beiden dabei zuschauen, wie ihre neue Familie nach und nach zusammenwächst. Doch nicht nur die beiden anstrengenden Töchter boykottieren diese Idee. Auch der Film selbst, der außer starken Anflügen von Retro-Feeling wenig unternimmt, um auch Leute für sich zu begeistern, denen ein Neuaufguss eines zweieinhalb Jahrzehnte alten Films nicht reicht.

Eric (Manny Jacinto) und Anna sind ein zuckersüßes Paar – auch wenn ihre Töchter das so gar nicht finden.

Fazit: „Freakier Friday“ macht eigentlich alles genauso wie das Original, bindet sich allerdings noch zwei weitere Hauptfiguren ans Bein, die mit ihrer anstrengenden Art einem sympathisch-absurden Kinoerlebnis im Weg stehen. Trotzdem dürfte der grelle Humor, der schon den ersten Teil ausmachte, vor allem jene überzeugen, die bereits dieses dafür geschätzt haben. Neue Akzente oder frische Ideen sucht man hier allerdings vergebens.

„Freakier Friday“ ist ab dem 7. August 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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