G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge
Sony Pictures Animation setzt seinen beeindruckenden Lauf fort und liefert mit G.O.A.T. – BOCK AUF GROSSE SPRÜNGE einen energiegeladenen AnimationWsfilm, der visuell wie erzählerisch voll aufs Tempo drückt. Manchmal auch ein bisschen zu sehr…
Darum geht’s
Der junge Ziegenbock Will Harris träumt schon seit seiner Kindheit davon, ein erfolgreicher Spieler im rauen und körperbetonten Sport Roarball zu werden. Sein großes Ziel ist es, für die Vineland Thorns, das Team seiner Heimatstadt, zu spielen. Auch wenn diese Mannschaft bisher wenig Erfolg hatte. Durch einen Zufall gelingt Will der Durchbruch: Nachdem er den berühmten Spieler Mane Attraction bloßstellt und ein Video davon viral geht, erhält er überraschend die Chance, dem Profiteam beizutreten. Für Will scheint damit sein Traum in Erfüllung zu gehen. Doch die Realität ist härter als erwartet: Roarball wird von großen, starken und furchteinflößenden Tieren dominiert, weshalb seine neuen Teamkollegen – allen voran die erfahrene Spielerin Jett Fillmore – zunächst wenig Vertrauen in die kleine Ziege haben. Doch Will gibt nicht auf und ist fest entschlossen, sich zu beweisen und den Sport mit seiner eigenen Art zu verändern.
Kritik
Zwischen kreativer Experimentierfreude und wirtschaftlichem Kalkül hat sich die Animationsbranche zuletzt spürbar verschoben. Kaum ein Studio nutzt diese Entwicklung derzeit so konsequent wie Sony Pictures Animation. Was lange als unberechenbarer Außenseiter galt, hat sich spätestens mit „Spider-Man: A New Universe“ und der visuell noch einmal ambitionierteren Fortsetzung „Across the Spider-Verse“ zu einer der spannendsten Stimmen im Mainstreamkino entwickelt. Auch Filme wie „Die Mitchells gegen die Machinen“ und der Megahit „KPop Demon Hunters“ zeigen: Sony landet aktuell gefühlt einen Hit nach dem anderen. Und das vor allem, weil man bewusst Risiken eingeht. Ob stilistisch, erzählerisch oder tonal: Statt auf bewährte Formeln zu setzen, lotet das Studio die Möglichkeiten des Mediums immer wieder neu aus. Im Vergleich dazu wirken andere große Player deutlich vorsichtiger: Disney und Pixar bleiben zwar kommerziell enorm erfolgreich, verlassen sich aber eher auf etablierte Marken und vertraute Strukturen, während Studios wie Illumination oder DreamWorks weiterhin auf kalkulierte Crowdpleaser setzen. In diesem Spannungsfeld hat sich Sony Pictures Animation aktuell einen echten Lauf erarbeitet – und positioniert sich als eines der wenigen großen Studios, das Innovation nicht nur zulässt, sondern aktiv vorantreibt.
Umso bemerkenswerter – und mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten – ist es da, dass sich ausgerechnet Sony Animation bei seinem neuesten Film „G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge“ trotz aller kreativen Eigenständigkeit am World Building eines Konkurrenzstudios orientiert. Als klare Inspirationsquelle dienen die Disney-Erfolge „Zoomania“ und „Zoomania 2“, deren Konzept einer bis ins Detail durchdachten Tiergesellschaft hier deutlich nachhallt. Zootropolis fungiert dabei bekanntlich als komplexes, in sich schlüssiges Ökosystem, in dem Architektur, Lebensräume und gesellschaftliche Strukturen logisch ineinandergreifen und Themen wie Diversität und Gleichberechtigung organisch verhandelt werden. Genau daran knüpft auch „G.O.A.T.“ an, überführt diesen Ansatz jedoch in einen eigenen Kontext, in dem die Welt nicht nur Kulisse, sondern auch erzählerischer Motor ist. Doch statt bloß zu imitieren, denkt Sony die Motive visuell mutig weiter: Der stilisierte Animationslook verbindet 3D-Ästhetik mit comicartigen Elementen, setzt auf klare Konturen sowie dynamische Bewegungen und verleiht dem Film so eine energiegeladene, fast graphic-novelhafte Anmutung.
„‚G.O.A.T.‘ benötigt überhaupt keine erzählerische ‚Bedienungsanleitung‘. Die Welt funktioniert vom ersten Moment an, weil ihre Logik klar, ihre visuellen Hinweise präzise und ihre Strukturen unmittelbar nachvollziehbar sind.“
Darüber hinaus – vielleicht auch dem geschuldet, dass das Publikum mit der Funktionalität einer solchen Welt bereits vertraut ist – verlieren die beiden Regisseure Tyree Dillihay („Bob’s Burgers“) und Adam Rosette („Harvey Girls Forever!“) keinerlei Zeit daran, ihrem Publikum die Mechanismen und Funktionalitäten ihrer Welt zu erklären. Stattdessen werfen sie die Zuschauenden ohne große Exposition mitten ins Geschehen und vertrauen darauf, dass sich die Regeln dieser tierischen Gesellschaft intuitiv erschließen. Und tatsächlich: „G.O.A.T.“ benötigt überhaupt keine erzählerische „Bedienungsanleitung“. Die Welt funktioniert vom ersten Moment an, weil ihre Logik klar, ihre visuellen Hinweise präzise und ihre Strukturen unmittelbar nachvollziehbar sind. Ob Größenverhältnisse, soziale Dynamiken oder berufliche Rollenverteilungen: All das wird beiläufig, oft humorvoll vermittelt, ohne den narrativen Fluss zu bremsen. Diese erzählerische Ökonomie erweist sich dabei als große Stärke. Sie sorgt nicht nur für ein (sehr!) hohes Tempo, sondern ermöglicht es dem Film auch, sich früh auf das Wesentliche zu konzentrieren.
In diesem Fall sind das die Figuren, ihre Beziehungen und die eigentliche Geschichte, die in dieser lebendigen Welt erzählt werden will. Inhaltlich bewegt sich „G.O.A.T.“ zugegebenermaßen auf vertrautem Terrain und folgt weitgehend den bekannten Mustern des klassischen Außenseiter-Sportfilms. Die Geschichte um ein vermeintlich unterschätztes Team, das sich gegen Widerstände behaupten und über sich hinauswachsen muss, überrascht dabei zu keinem Zeitpunkt wirklich. Zu klar zeichnen sich früh die dramaturgischen Wendepunkte ab und zu vertraut wirken die erzählerischen Stationen auf dem Weg zum unvermeidlichen Showdown. Doch genau hierin liegt weniger ein Makel als vielmehr eine bewusste Entscheidung: „G.O.A.T.“ richtet sich primär an ein jüngeres Publikum und setzt daher auf eine klar strukturierte, leicht zugängliche Erzählweise, die Orientierung bietet, statt mit Brüchen zu irritieren. Die fehlende inhaltliche Überraschung gleicht der Film dabei mühelos mit seinem hohen Tempo und einen treffsicheren Humor aus. Die Gagdichte ist bemerkenswert, Pointen sitzen zumeist im genau richtigen Moment, und auch viele visuelle Einfälle sorgen dafür, dass selbst bekannte Storypfade stets unterhaltsam bleiben.
„Verfolgungsjagden sind so choreografiert und gefilmt, dass sie an reale Actionsequenzen erinnern, Kamerabewegungen wirken bewusst ‚unruhig‘ und energiegeladen, während Split-Screens, schnelle Schnitte und sich überlagernde Bildebenen das Geschehen zusätzlich verdichten.“
Doch das in „G.O.A.T.“ steckende hohe Energielevel schlägt sich nicht nur im (aufgrund seines bemühten Jugendsprechs leider nicht allzu zeitlosen) Humor nieder, sondern prägt den gesamten Film. Und zwar in einem Tempo, das bisweilen geradezu halsbrecherisch anmutet. Sowohl auf inhaltlicher als auch auf inszenatorischer Ebene kennt „G.O.A.T.“ kaum Momente des Innehaltens. Szenen gehen nahtlos ineinander über, Konflikte werden im Eiltempo etabliert und ebenso schnell wieder aufgelöst. Gleichzeitig setzt die Inszenierung alles daran, diese Dynamik auch visuell zu unterstreichen. Verfolgungsjagden sind so choreografiert und gefilmt, dass sie an reale Actionsequenzen erinnern, Kamerabewegungen wirken bewusst „unruhig“ und energiegeladen, während Split-Screens, schnelle Schnitte und sich überlagernde Bildebenen das Geschehen zusätzlich verdichten. Das sorgt einerseits für eine enorme Unmittelbarkeit und lässt den Film durchgehend in Bewegung bleiben. Andererseits fehlt es ihm dadurch immer wieder an Momenten zum Durchatmen. Ruhephasen, in denen Figuren oder Emotionen nachwirken könnten, werden konsequent ausgespart. Nicht zuletzt, weil „G.O.A.T.“ offenbar alles daransetzt, sein junges Publikum ohne Unterbrechung bei der Stange zu halten. Diese permanente Reizdichte ist beeindruckend, wirkt auf Dauer aber auch ermüdend.
Sein eigentliches Herzstück findet „G.O.A.T.“ jedoch in seinem Ensemble aus spleenigen, bewusst überzeichneten Figuren, über die der Film letztlich auch seine emotionalen Ankerpunkte setzt. Gerade weil die Handlung vertrauten Mustern folgt und das Tempo kaum zur Ruhe kommt, sind es die Charaktere, die dem Geschehen Gewicht verleihen und das Publikum binden. Allen voran der titelgebende Ziegenbock, dessen unerschütterlicher Ehrgeiz immer wieder mit Selbstzweifeln kollidiert und der damit zur klassischen Identifikationsfigur avanciert. Um ihn herum versammelt sich ein bunt zusammengewürfeltes Team, das auf den ersten Blick wie ein Sammelsurium skurriler Eigenheiten wirkt. Die übernervöse Straßendame, die in entscheidenden Momenten zur unerwarteten Stärke findet, die großspurige Rampensau in Form eines Szenen stehlenden Komodowarans, hinter dessen Fassade sich Unsicherheiten verbergen, oder die stoisch-ruhige Figur des Trainers, der mit trockenen Kommentaren für einige der besten Pointen sorgt: Diese bewusst zugespitzten Charakterzeichnungen liefern nicht nur einen Großteil des Humors, sondern sorgen auch dafür, dass emotionale Momente trotz des hohen Tempos Wirkung entfalten können. Wenn „G.O.A.T.“ innehält – so selten das auch vorkommt –, dann vor allem für seine Figuren. Und genau in diesen Momenten zeigt sich, dass hinter all der grellen Inszenierung und den schnellen Gags ein äußerst warmherziger Kern steckt.
Fazit: G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge“ erweist sich als weiteres Beispiel für die kreative Hochphase von Sony Pictures Animation, das visuell mutig sowie erzählerisch zugänglich ist und von einer lebendigen Welt sowie einem starken Figurenensemble getragen wird. Zwar bleibt die Geschichte vorhersehbar und das hohe Tempo lässt kaum Raum zum Durchatmen, doch Humor, Inszenierung und emotionale Ankerpunkte gleichen diese Schwächen weitgehend aus. So entsteht ein besonders energiegeladener Animationsfilm, der weniger durch Überraschungen als durch Spielfreude und Herz überzeugt.
„G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge“ ist ab dem 19. Februar 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.