Horst Schlämmer sucht das Glück

Horst Schlämmer war einmal eine Figur, an der man sich reiben konnte – heute wirkt er, als hätte man ihn zu lange im Archiv liegen lassen. Mit HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK versucht Hape Kerkeling ein Comeback, das zwischen Nostalgie und Neuanfang pendelt. Doch von der einst bissigen Satire ist nichts mehr übrig.

Darum geht’s

Dem Lokalreporter Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) reicht es: Alles wird teurer, die Laune im Land ist im Keller, und selbst die Kneipen verschwinden nach und nach. Kurz gesagt: Deutschland ist aus dem Takt geraten. Deshalb macht sich der stellvertretende Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ auf den Weg, um etwas dagegen zu tun: Er will den Menschen ihr Lächeln zurückgeben. Doch was bedeutet Glück eigentlich? Und wie lässt es sich wiederfinden? In schwierigen Zeiten braucht es klare Antworten. Da diese in Grevenbroich offenbar nicht aufzutreiben sind, startet Horst Schlämmer seine bislang größte Reise: einmal quer durch Deutschland. Auf seinem Weg von Büsum bis München begegnet er ganz unterschiedlichen Menschen. Er stellt direkte Fragen, scheut keine unbequemen Themen und bleibt trotz aller Rückschläge seinem Ziel treu: den Menschen ein Stück Lebensfreude zurückzugeben.

Kritik

Entertainer Hape Kerkeling („Der Boandlkramer und die ewige Liebe“) entwickelte die Figur Horst Schlämmer einst, um eine ebenso bissige wie entlarvende Persiflage auf den deutschen Lokaljournalismus und seine mitunter eigentümlichen Protagonisten zu schaffen. Erste größere Bekanntheit erlangte Schlämmer Anfang der Zweitausenderjahre im Rahmen von Kerkelings TV-Formaten wie „Hape trifft“ und später sogar in dem Kinofilm „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“, in denen die Kunstfigur als schmieriger, selbstgefälliger und zugleich erstaunlich durchsetzungsfähiger Reporter aus Grevenbroich auftrat. Dabei lebte die Figur stets von der feinen Balance zwischen Fremdscham und treffsicherer Milieubeobachtung: Schlämmer ist Karikatur und Realität zugleich. Ein Mann, der sich mit schlecht sitzendem Sakko, rheinischem Zungenschlag und fragwürdiger Moral durch Interviews und politische Ambitionen laviert und dabei mehr über sein Gegenüber preisgibt als über sich selbst. Dass diese Figur schließlich den Sprung auf die große Leinwand wagte, ist dabei weniger überraschend als vielmehr die logische Konsequenz eines über Jahre gewachsenen Kultstatus. Nun holt Kerkeling ihn für den Film „Horst Schlämmer sucht das Glück“ zurück aus der Mottenkiste. Und man muss sich im Vorfeld schon ganz schön viel Wissen zur Figur Horst Schlämmer aneignen, um zu verstehen, wie die Figur einst gedacht war. Aus diesem neuesten Kinoausflug geht das jedenfalls nicht hervor.

„Der dokumentarische Anstrich, den der Film zu Beginn so demonstrativ vor sich herträgt, verpufft nahezu augenblicklich. Statt echter Begegnungen oder zumindest überzeugend improvisierter Situationen ist das Geschehen durchweg geskriptet.“

Gerade dieser Mangel an Einordnung spiegelt sich auch in der formalen Ausrichtung des Films wider. Gleich zu Beginn sehen wir zwei hochkant gedrehte Handyvideos von Horst Schlämmer – eines während der Corona-Zeit, eines kurz danach –, die nicht nur ästhetisch, sondern auch inhaltlich klar in Richtung Mockumentary weisen. Schnell werden Erinnerungen an „Er ist wieder da“ wach, der ein ähnliches Spiel mit Realität und Inszenierung betrieb und seine Titelfigur (auch) durch echte Alltagssituationen navigieren ließ. „Horst Schlämmer sucht das Glück“ scheint strukturell ebenfalls genau darauf ausgelegt zu sein: Wir begleiten Schlämmer gewissermaßen bei den Dreharbeiten zu seinem eigenen Kinofilm, folgen ihm ohne klar umrissene Handlung auf einer Reise quer durch Deutschland, stets auf der Suche nach einer ebenso simplen wie universellen Frage: Wo liegt eigentlich das Glück?

Stammgast Rudi (Peter Trabner), Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) und Günni (Norbert Heisterkamp) in Schlämmers Stammkneipe „Der Wilddieb“.

Doch genau hier offenbart sich das erste grundlegende Problem. Der dokumentarische Anstrich, den der Film zu Beginn so demonstrativ vor sich herträgt, verpufft nahezu augenblicklich. Statt echter Begegnungen oder zumindest überzeugend improvisierter Situationen ist das Geschehen durchweg geskriptet. Immerhin gibt Regisseur Sven Unterwaldt („Die Schule der magischen Tiere 3“) nicht einmal vor, dass an „Horst Schlämmer sucht das Glück“ irgendetwas „echt“ respektive improvisiert sein könnte. Der Film ist durch und durch – und offensichtlich – fiktional. Auch die immer wieder eingestreuten Einschübe rund um die (fiktive) Schauspielerin Gaby Wampel (Tahnee Schaffarczyk) fügen sich nahtlos in dieses Bild ein: In kurzen Clips sieht man sie in vermeintlichen Hauptrollen seichter, betont altbackener Fernsehunterhaltung – ein möglicher Verweis auf eine nostalgisch verklärte „gute alte Zeit“, der jedoch ebenso folgenlos bleibt wie vieles andere. Statt daraus eine eigene satirische Ebene zu entwickeln, dienen die Sequenzen primär als Spielwiese für Hape Kerkeling, der hier in diversen Nebenrollen auftritt, ohne dass sich daraus ein echter Mehrwert oder auch nur eine prägnante Pointe ergeben würde. Die vermeintliche Spontaneität, die das Mockumentary-Format eigentlich tragen müsste, will sich so zu keinem Zeitpunkt einstellen. Dadurch verliert der Film nicht nur an Authentizität, sondern auch an Charme. Jenem schwer greifbaren, aber essenziellen Element, das die Figur Horst Schlämmer einst so wirkungsvoll gemacht hat. Übrig bleibt ein Konzept, das zwischen dokumentarischem Anspruch und klassischer Sketch-Struktur oszilliert, ohne sich je klar für eine Richtung zu entscheiden.

„Nun muss eine Komödie – auch im Jahr 2026 – keineswegs zwangsläufig politisch oder gesellschaftlich Stellung beziehen. Doch ‚Horst Schlämmer sucht das Glück‘ verweigert sich nicht nur einer klaren Positionierung, sondern wirkt in seiner Ausrichtung bemerkenswert leer.“

Noch schwerer wiegt jedoch ein Problem, das über formale Fragen hinausgeht: dem Film fehlt es schlicht an einer erkennbaren Haltung. Nun muss eine Komödie – auch im Jahr 2026 – keineswegs zwangsläufig politisch oder gesellschaftlich Stellung beziehen. Doch „Horst Schlämmer sucht das Glück“ verweigert sich nicht nur einer klaren Positionierung, sondern wirkt in seiner Ausrichtung bemerkenswert leer. Statt scharf beobachteter Milieustudien oder zumindest zeitgemäßer Reibungspunkte beschränken sich die Seitenhiebe auf denkbar abgegriffene Ziele: Lach-Yoga als vermeintlich absurde Freizeitbeschäftigung, die notorische Unpünktlichkeit der Bahn oder die altbekannte Erzählung vom unglücklicheren Osten. Pointen, die bereits beim Formulieren Staub ansetzen und vor allem eines vermissen lassen: einen erkennbaren Bezug zur eigentlichen Leitfrage des Films, nämlich der Suche nach dem Glück.

Tahnee Schaffarczyk taucht in zahlreichen Videoclips als fiktive Schauspielerin Gaby Wampel auf, von der Horst Schlämmer großer Fan ist.

Hinzu kommt, dass sich der Film auch im Umgang mit seiner Hauptfigur auffallend unentschlossen zeigt. Eine zeitgemäße Einordnung oder zumindest kritische Brechung von Schlämmers Verhalten bleibt aus. Stattdessen gehen zahlreiche Gags unverändert auf Kosten von Frauen, während seine übergriffige Art zwar vereinzelt von der durchgehend gesichtslos bleibenden Kamerafrau kommentiert, aber nie konsequent eingeordnet oder weitergedacht wird. Diese halbherzige Selbstreflexion verpufft ebenso wirkungslos wie der dokumentarische Ansatz zuvor. Wenn problematische Verhaltensweisen angesprochen, aber letztlich folgenlos bleiben, stellt sich zwangsläufig die Frage nach ihrem erzählerischen Mehrwert. So entsteht ein Humor, der weniger aneckt als vielmehr geschniegelt wirkt. Das ist erstaunlich brav für eine Figur, die einst von Grenzüberschreitungen lebte. Am Ende bleibt ein Film ohne klare Konturen, der sich in seiner Harmlosigkeit einrichtet und eher wie gemütliches Schmunzelkino für ein älteres Publikum anmutet als wie eine zeitgemäße Weiterentwicklung einer einst so prägnanten Kunstfigur.

Fazit: „Horst Schlämmer sucht das Glück“ ist der erstaunlich ambitionsloser Versuch, eine einst so prägnante Kunstfigur in die Gegenwart zu überführen, ohne ihr dabei eine neue Relevanz zu verleihen. Weder findet der Film eine klare formale Linie noch eine inhaltliche Haltung, wodurch selbst vielversprechende Ansätze konsequent im Sande verlaufen. So bleibt am Ende weniger eine zeitgemäße Weiterentwicklung als vielmehr ein nostalgisch angehauchtes Wiedersehen, dem es an Biss, Witz, Richtung und letztlich auch an Erkenntnisgewinn mangelt.

Ein Kommentar

  • Karl Thieltges

    Dies über peinliche Sendung braucht kein Mensch aber so ist das Eben das Fernsehen bringt schon Lange nur noch Mist

Und was sagst Du dazu?