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Das startet am 5. März 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 5. März, an dem die kleinen Filme die Qualitätsspitze anführen. Vor allem „Ip Man 4“ erweist sich auch für Nicht-Kenner der Reihe als absolut sehenswert. Inwiefern das auch bei der lang ersehnten Verfilmung der „Känguru-Chroniken“ zutrifft, darf bezweifelt werden. Und zwar nicht nur, weil die normalerweise in Kurzgeschichten erzählten Anekdoten des Beuteltieres als Langfilm einfach nicht funktionieren. Auch der neue Pixar enttäuscht. Dafür gibt’s für’s Heimkino ab kommender Woche den Oscar-Gewinner „Parasite“ zu kaufen. Ihr seht: Ihr habt die Qual der Wahl!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

IP MAN 4: THE FINALE | Regie: Wilson Yip  | HKG/CHN 2019

Der legendäre Kampfkünstler Ip Man (Donnie Yen) erhält die traurige Nachricht, dass er aufgrund einer Krebserkrankung bald sterben wird. Bevor es soweit ist, reist er allerdings nach San Francisco, um dort eine geeignete Schule für seinen Sohn zu finden und seinem Schüler Bruce Lee (Danny Chan Kwok-Kwan) beim Aufbau eines Wing-Chun-Trainingscenters zu unterstützen. Seine ungewöhnlichen Lehrmethoden sorgen für Anfeindungen von chinesischen und westlichen Martial-Arts-Kämpfern. Besonders brutal geht dabei Barton (Scott Adkins) vor, ein amerikanischer Marineoffizier, der die Auseinandersetzungen auf einen unausweichlichen Clash der Kampfkunst-Disziplinen zuspitzt: Welche Martial-Arts-Form ist die überlegene? Welche Nation kann den Sieg davontragen? Zum finalen Kampf um die Ehre des Wing Chun wird Großmeister Ip Man höchstpersönlich herausgefordert. Es soll sein letztes Gefecht sein…

Stimmungsvoll-emotionaler Abschied von Ip Man, gepaart mit einmal mehr spektakulären Karate-Fights: „Ip Man 4: The Finale“ macht trotz seiner mitunter billig anmutenden Kulissen sowie seiner Porno-Dramaturgie, in der die Sex-Szenen eben Kampfszenen sind, mächtig Laune und ist als Abschluss der Reihe nicht nur für Fans unbedingt sehenswert.


KAHLSCHLAG | Regie: Max Gleschinski | DE 2018

Martin (Florian Bartholomäi) und Eric (Bernhard Conrad) verbindet eine Kindheitsfreundschaft. Schon als kleine Jungen fuhren sie jeden Sonntag zum Angeln an den Stausee, und schon als Kinder verliebten sie sich in dasselbe Mädchen: Frenni. Heute, 20 Jahre später, lebt Martin mit Frenni (Maike Johanna Reuter) in einem beschaulichen Einfamilienhaus auf dem Hof seiner Eltern, nachdem Frenni einst auch mit Eric zusammen war. Doch die Beziehung ging durch unglückliche Umstände in die Brüche. Der Kontakt mit Eric ist nach diesem schrecklichen Vorfall abgebrochen, bis er eines Tages vor ihrer Tür steht und Martin um einen letzten gemeinsamen Ausflug an den See bittet. Widerwillig kommt Martin mit, doch der Trip entpuppt sich bald als eine Reise ins Herz der Finsternis. Während sich die Situation zwischen den Freunden am See immer weiter zuspitzt, ist auch Frenni alarmiert und versucht, an den See zu gelangen…

Ein Regiedebüt mit Potenzial: Max Gleschinski zeigt schon jetzt beeindruckende Ambitionen, indem er sein Publikum insbesondere in der ersten Hälfte mit vielen Zeitsprüngen fordert und das zentrale Ereignis in „Kahlschlag“ mit fast eleganter Rigorosität inszeniert. In der zweiten Hälfte wird’s dann konventioneller und nicht mehr ganz so mitreißend. Trotzdem will man von diesem Team – egal ob vor oder hinter der Kamera – unbedingt mehr sehen.


ONWARD – KEINE HALBEN SACHEN | Regie: Dan Scanlon  | USA 2020

New Mushroomton ist eine Welt voller Zauber und wunderbarer Wesen. Oder besser gesagt: Sie war es einmal. Denn leider ist die Magie fast vollständig aus der beschaulichen Vorstadt verschwunden. Mittlerweile gehören Müll fressende Einhörner zum Stadtbild und magische Geschöpfe wie etwa Drachen findet man hier allenfalls als Haustiere wieder. Doch eines Tages erhalten die Brüder Ian und Barley von ihrer Mutter die einmalige Chance, zumindest in ihr Leben wieder einen Hauch von Magie zu lassen: Mithilfe eines Zauberstabs kann es ihnen gelingen, ihren toten Vater für einen ganzen Tag wieder zurückzuholen. Doch bei dem Versuch geht etwas gewaltig schief. Und so müssen die beiden das erste Mal seit langer Zeit wieder an einem Strang ziehen und auf einem abenteuerlichen Roadtrip eine Reihe gefährlicher Aufgaben erfüllen, eh sie ihren Dad wieder in ihre Arme schließen können…

Routiniert drückt „Onward – Keine halben Sachen“ die bewährten Pixar-Emotionsknöpfe. Doch ausgerechnet bei einem Film über Magie bleibt der heraufbeschworene Zauber aus. Was bleibt ist ein solider Abenteuer-Roadtrip, der als smarter Kommentar auf die zunehmende Verrohung der Menschheit leider hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.


EMMA. | Regie: Autumn de Wilde | UK 2020

England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy), schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst. Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet (Mia Goth), die sich in die „feine Gesellschaft“ noch nicht zu hundertprozent gefügt hat. Aber trotz Emmas unbegrenzten Vertrauens in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.

Jane Austen trifft „The Favourite“: Bei der neuen Verfilmung des Bestsellers „Emma.“ weiß man nie so ganz, ob das Ganze nun Parodie, aufrichtige Romanze, beides oder nichts von alledem sein soll. Das macht den Film nur phasenweise amüsant, da man sich die restliche Zeit über fragt, wie der Film wohl geworden wäre, hätte man sich auf eine tonale Balance einigen können.


DIE KÄNGURU-CHRONIKEN | Regie: Dani Levy  | DE 2020

Eines Tages steht es plötzlich vor Marc-Uwes Tür: ein Känguru, seines Zeichens Kommunist und ganz verrückt nach Pfannkuchen. Erst möchte es sich nur Eier ausborgen. Anschließend Milch, einen Schneebesen, den Herd und schließlich zieht es mit Sack und Pack bei seinem Nachbarn ein. Aus einer Zweckgemeinschaft wird eine Freundschaft, denn schon bald stellen Marc-Uwe und das Känguru fest, dass sie einen gemeinsamen Feind haben: den rechtspopulistischen Immobilienhai Dwigs, der das Wohnviertel der beiden abreißen und das Prestigeprojekt eines Wolkenkratzers darauf errichten will. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin Maria, in die Marc-Uwe heimlich verliebt ist, schmieden er und das Känguru einen Plan, wie sie Dwigs zu Fall bringen können. Doch damit der gelingt, müssen sie sich nicht nur einer Horde gewaltbereiter Nazis entgegenstellen, sondern auch schon mal ein teures Auto in einem Pool versenken.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Dani Levys Verfilmung der beliebten „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling ist nicht annähernd so pointiert und politisch klug beobachtend wie es die Bücher sind. Dafür überzeugen die Animation des Kängurus und der Cast.


Heimkinotipp: PARASITE | Regie: Joon-ho Bong | KOR 2019

Familie Kim lebt in einer heruntergekommen Wohnung ohne direktes Sonnenlicht. Vater Ki-taek und Mutter Chung-sook sind seit Jahren arbeitslos. Die erwachsenen Kinder hausen ebenfalls hier. Ihr aller Abendessen besteht meist aus einer Tüte Instantnudeln und einer durch vier geteilten Dose Bier. Die einzigen Einkommensquellen der Kims sind kleine Gaunereien und das Zusammenfalten von Pizza-Kartons. Durch einen ehemaligen Schulfreund kommt Ki-woo eines Tages an die Stelle als Nachhilfelehrer für die Tochter eines wohlsituierten Geschäftsmannes. Dort erschleicht er sich das Vertrauen der Gattin seines neuen Chefs. Es gelingt ihm, seiner Schwester eine Anstellung als Kunst-Pädagogin für den komplett untalentierten Sohn zu beschaffen. Schließlich intrigieren die Geschwister so lange, bis die restlichen Angestellten der Parks durch ihre Eltern ersetzt werden…

Glaubhafte, relevante Gesellschaftskritik im Gewand ausgesprochen cleverer Popcorn-Unterhaltung – Joon-ho Bong gelingt mit „Parasite“ ein bravouröser Spagat zwischen den Genres.

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