The Mandalorian and Grogu
Knapp sieben Jahre nach dem letzten Kinofilm meldet sich die „Star Wars“-Reihe in den Lichtspielhäusern zurück. Mit THE MANDALORIAN AND GROGU wagt Lucasfilm den ungewöhnlichen Versuch, ausgerechnet jene Serien-Ära von „Star Wars“ zurück auf die große Leinwand zu holen, die das Franchise nach Jahren kreativer Unsicherheit überhaupt erst wieder stabilisieren konnte. Das Ergebnis überrascht!
Darum geht’s
Nach dem Fall des Dunklen Imperiums arbeitet die Neue Republik daran, Frieden und Ordnung in der Galaxis zu sichern. Unterstützung erhält sie dabei von Din Djarin (Pedro Pascal), dem legendären mandalorianischen Kopfgeldjäger, und seinem adoptierten Schützling Grogu. Gemeinsam jagen sie im Auftrag der Republik verbliebene imperiale Kriegsherren, die weiterhin versuchen, die fragile neue Ordnung ins Wanken zu bringen. Als Din und Grogu von der ehemaligen Rebellen-Pilotin Ward (Sigourney Weaver) angeheuert werden, den geheimnisvollen Commander Coin aufzuspüren, geraten sie erneut in die Welt zwielichtiger Bündnisse und krimineller Machenschaften. Ihre Spur führt sie ausgerechnet zur Familie des verstorbenen Gangsterbosses Jabba the Hutt, die wertvolle Informationen verspricht – allerdings nur, wenn Din und Grogu zuvor Jabbas Sohn Rotta (Jeremy Allen White) retten. Für das ungleiche Duo beginnt eine gefährliche Reise quer durch die Galaxis, bei der alte Feinde, neue Allianzen und die letzten Überreste des Imperiums aufeinandertreffen.
Kritik
Als Marvel-Boss Kevin Feige vor einigen Jahren die immer weiter anwachsende Zahl an MCU-Serien ankündigte, beteuerte er noch, man müsse diese nicht zwingend gesehen haben, um bei den Kinofilmen den Anschluss zu behalten. Ein Versprechen, das das Franchise spätestens mit Filmen wie „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ brach, dessen zentrale Figurenentwicklung von Wanda unmittelbar auf den Ereignissen aus „WandaVision“ aufbaute. Ähnlich verhielt es sich mit „The Marvels“, der ohne Vorkenntnisse zu „Ms. Marvel“ oder gar „Secret Invasion“ stellenweise eher wie das verspätete Staffelfinale mehrerer Serien wirkte als wie ein eigenständiger Kinofilm. Und auch bei Lucasfilm drängt sich inzwischen eine ähnliche Frage auf. Nachdem „Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers“ die einst so verlässliche Kino-Maschinerie der weit, weit entfernten Galaxis vorerst zum Erliegen brachte – nicht zuletzt aufgrund kreativer Orientierungslosigkeit, überhasteter Produktionszyklen und der zunehmend gespaltenen Fanreaktionen auf die Sequel-Trilogie –, verlagerte sich das Franchise fast vollständig zu Disney+. Statt neuer Leinwandepen dominierten plötzlich Serien wie „The Mandalorian“, „Andor“ oder „Ahsoka“ das „Star Wars“-Universum. Mit „The Mandalorian and Grogu“ kommt es nun sogar zur ultimativen Fusion beider Welten: ein Kinofilm, der unmittelbar aus einer Streaming-Serie hervorgeht. Und natürlich stellt sich damit automatisch dieselbe Frage wie einst bei Marvel: Muss man die Serie gesehen haben, um hier emotional und erzählerisch folgen zu können?

Der Mandalorianer (Pedro Pascal) bekommt seine Aufträge von Colonel Ward (Sigourney Weaver), bevor es für ihn auf die nächste Mission geht.
Die kurze Antwort darauf lautet: nein. Denn „The Mandalorian and Grogu“ nimmt sich durchaus die Zeit, die wichtigsten Dynamiken seiner Figuren noch einmal verständlich zu etablieren. Wer vorab trotzdem sichergehen möchte, zumindest halbwegs im Thema zu sein, für den hier der Schnelldurchlauf: Im Zentrum der bislang drei Staffeln von „The Mandalorian“ steht der wortkarge Kopfgeldjäger Din Djarin, der als Findelkind vom Mandalorianer-Kult aufgenommen wurde und nach strengen Glaubensregeln lebt. Inklusive der Vorschrift, niemals seinen Helm abzunehmen. Während eines Auftrags stößt er auf das machtsensitive Wesen Grogu, das Fans aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Yoda schnell nur noch „Baby Yoda“ nannten. Statt das Kind wie befohlen auszuliefern, entscheidet sich Din jedoch zu dessen Beschützer und Ziehvater zu werden. Auf ihrer Reise geraten beide immer wieder zwischen die Fronten des zerfallenen Imperiums, rivalisierender Mandalorianer-Fraktionen und verschiedener Machtinteressen rund um Grogus Fähigkeiten. Parallel dazu muss Din zunehmend hinterfragen, wie sinnvoll die rigiden Traditionen seines Ordens tatsächlich sind. Spätestens seit der dritten Staffel steht deshalb nicht mehr nur die Vater-Sohn-Dynamik zwischen ihm und Grogu im Zentrum, sondern auch die Frage danach, was es überhaupt bedeutet, ein Mandalorianer zu sein.
„Der Film erweckt beinahe den Eindruck einer Originstory. Nur eben nicht im klassischen Sinne einer tatsächlichen Ursprungserzählung, sondern vielmehr als emotionale Neueinführung seiner zentralen Figuren. Streng genommen bräuchte es nicht einmal den ‚Star Wars‘-Überbau, damit diese Geschichte funktioniert.“
Ja, all das ist sicherlich nicht unwichtig. Immerhin hat es die Serie drei Staffeln lang am Laufen gehalten. Trotzdem lässt sich in „The Mandalorian and Grogu“ hervorragend einsteigen, ohne dass man auch nur eine Sekunde der Streaming-Vorlage gesehen hat. Denn der Film erweckt beinahe den Eindruck einer Originstory. Nur eben nicht im klassischen Sinne einer tatsächlichen Ursprungserzählung, sondern vielmehr als emotionale Neueinführung seiner zentralen Figuren. Streng genommen bräuchte es nicht einmal den „Star Wars“-Überbau, damit diese Geschichte funktioniert. Im Kern erzählt Regisseur und Drehbuchautor Jon Favreau („Der König der Löwen“) nämlich eine ziemlich archetypische Abenteuergeschichte über einen einsamen Krieger und ein Kind, das langsam lernt, seinen Platz in einer gefährlichen Welt zu finden. Dass dabei allerlei Fanservice durchs Bild fliegt, ist letztlich eher atmosphärisches Beiwerk als narrative Grundvoraussetzung. Viel wichtiger ist die Dynamik zwischen Din und Grogu, die hier ganz klar das emotionale Herzstück bildet. Der wortkarge Einzelgänger, der seine Gefühle meist hinter einem unbeweglichen Helm versteckt trifft auf das Kind, das nicht spricht, dafür aber umso deutlicher durch Blicke, Gesten und impulsive Entscheidungen kommuniziert. Das Ergebnis ist die vermutlich charmantesten Vater-Kind-Beziehung der diesjährigen Blockbuster-Saison…
… was vor allem daran liegt, wie selbstverständlich der Film ihre Bindung erzählt. Man mag mit Kenntnis der Serie emotional sicherlich noch etwas involvierter sein. Schließlich hat man dann bereits viele Stunden damit verbracht, dieser stetig wachsenden Beziehung zuzuschauen sowie die Figuren ins Herz zu schließen. Doch in „The Mandalorian and Grogu“ reichen schon kleine Zweisamkeits-Momente aus, um trotzdem sofort involviert zu sein. Eine beiläufige Rettungsaktion hier, Grogus kindliche Neugier dort – es ist zu jedem Zeitpunkt durch und durch nachvollziehbar, warum diese beiden Figuren längst über das reine Franchise-Konstrukt hinausgewachsen sind. Diese Dynamik spiegelt sich unmittelbar auch in der Filmstruktur wider. Jon Favreau teilt diese merklich in zwei Hälften, die sich jeweils stark an ihren titelgebenden Hauptfiguren orientieren. Der erste Teil gehört klar dem Mandalorian als rastlosem Krieger, der gleichermaßen ein rasantes Tempo vorgibt und von zahlreichen Action-Setpieces dominiert wird, aber auch den Western- und Söldner-Vibe der Vorlage aufgreift. Modernes, absolut stilsicher inszeniertes Effektekino trifft auf den Vibe eines klassischen Abenteuerfilms, bevor sich im späteren Verlauf der Fokus zunehmend auf Grogu verschiebt. Der Film wirkt fortan nicht nur verspielter und entwickelt eine ungeahnte Emotionalität. Man hat fast das Gefühl, die Macher:innen seien derart stolz auf ihre hier zur Anwendung kommenden Puppentrickarbeit, dass sie sich unbedingt den Raum nehmen wollten, diese genüsslich zu zelebrieren. Eine rund zehnminütige, ohne jedweden Dialog auskommende Szene, in der wir Grogu dabei zusehen, wie er ganz allein im Urwald eine Mandalorian-Rettungsaktion startet, spricht in ihrer Länge Bände – und es ist längst nicht selbstverständlich, dass so etwas in einem Film wie diesem seinen Platz bekommt.
„Natürlich türmen sich auch hier Raumschiffe am Horizont, Kreaturen wuseln über die Leinwand und Actionsequenzen eskalieren zwischenzeitlich zu gewohntem Franchise-Spektakel. Doch Jon Favreau verliert dabei nie den Blick für das eigentlich Entscheidende: die Welt selbst und all die Figuren, die sie bevölkern.“
So unterschiedlich diese beiden Hälften auf den ersten Blick scheinen, so stehen sie doch nie in direkter Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich genauso organisch, wie die Figuren selbst. Das gilt auch für die technische Umsetzung, die moderne Computereffekte und klassischen Puppentrick erstaunlich harmonisch miteinander verschmelzen lässt. Gerade Grogu profitiert davon enorm. Obwohl die Figur längst digital unterstützt wird, besitzt sie durch ihre physische Präsenz weiterhin jene greifbare Echtheit, die vielen aktuellen Blockbustern inzwischen verloren gegangen ist. Überhaupt wirkt „The Mandalorian and Grogu“ erfreulich unüberladen. Natürlich türmen sich auch hier Raumschiffe am Horizont, Kreaturen wuseln über die Leinwand und Actionsequenzen eskalieren zwischenzeitlich zu gewohntem Franchise-Spektakel. Doch Jon Favreau verliert dabei nie den Blick für das eigentlich Entscheidende: die Welt selbst und all die Figuren, die sie bevölkern. Die zahlreichen neuen Planeten, Städte und Schauplätze versprühen jene Abenteuerlust, die das „Star Wars“-Universum einst so faszinierend machte. Und damit einhergehend das Gefühl eines lebendigen Universums, das nicht bloß als Hintergrund für die Handlung existiert, sondern selbst zur Attraktion wird. Die Story selbst bleibt dagegen vergleichsweise simpel gestrickt. Anders als die Filme versucht „The Mandalorian and Grogu“ gar nicht erst, die ganz große galaktische Oper oder den schicksalsschweren Kampf um das Gleichgewicht des Universums zu erzählen. Stattdessen bleibt der Film bewusst kleiner, leichtfüßiger und episodischer. Eher klassisches Abenteuerkino als mythologische Weltraum-Saga. Doch gerade diese angenehm unkomplizierte Erzählweise sorgt letztlich dafür, dass man sich hier über zwei Stunden hinweg ähnlich geborgen fühlt wie Grogu in den Armen seines wortkargen Ziehvaters.
Fazit: Ganz egal, ob man „The Mandalorian“ gesehen hat oder nicht: Die Kinoversion der Serie macht einfach richtig Spaß! Mit „The Mandalorian and Grogu“ geht Disney einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung, wenn es darum geht, das „Star Wars“-Universum wieder auf die große Leinwand zu bringen. Anstatt die nächste bombastische (Weltraum-)Oper abzufeuern, konzentrieren sich die Macher ganz auf ihre Figuren und die Welt, in der sie sich bewegen. Und für beides bringt Regisseur Jon Favreau derart viel Liebe auf, dass man selbst gar nicht anders kann, als sich selbst fallenzulassen.
„The Mandalorian and Grogu“ ist ab dem 20. Mai 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.


