Schlagwort-Archiv: Tragikomödie

Das startet am 23. Mai 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 23. Mai, der exakt zwei große Starts mit sich bringt – und nur über einen dürfen wir bereits schreiben. Das macht aber nix, denn so wisst ihr jetzt schon, dass „John Wick: Kapitel 3“ ein absolutes Must-See ist. Und was es mit „Aladdin“ auf sich hat, erfahrt ihr an dieser Stelle am Mittwoch um 18:00 Uhr.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

JOHN WICK: KAPITEL 3 | Regie: Chad Stahelski | USA 2019

Unmittelbar nach dem explosiven Hochstart tickt für John Wick (Keanu Reeves) die Uhr. Der aus dem vorzeitigen Ruhestand geholte Super-Auftragskiller befindet sich kurz davor, excommunicado erklärt zu werden – die Hohe Kammer, die geheime weltweite Vereinigung von Verbrecherorganisationen, die den Code der Auftragskiller durchsetzt, entzieht ihm sämtliche Schutzdienste. 14 Millionen Dollar sind auf seinen Kopf ausgesetzt: Nicht einmal ein Mann wie Wick war jemals mit so vielen parallelen Bedrohungen konfrontiert, die es allesamt darauf angelegt haben, ihm das Licht auszuknipsen, ein und für alle Mal. Die Feinde lauern überall – und sie sind bis an die Zähne bewaffnet. Für John Wick bedeutet das, dass er bis ans Ende der Welt reisen muss, um seinen ganz persönlichen Tag der Abrechnung zu haben…

„John Wick: Kapitel 3“ ist der beste Teil der Reihe. Dafür sorgen der bemerkenswerte Gewaltgrad, die spektakulären Kampfchoreographien, der Ideenreichtum und die Optik, auch wenn sich die 130 Minuten abseits der Actionszenen schon mal ein wenig lang anfühlen können.


ALL MY LOVING | Regie:  Edward Berger | DE 2019

Der gut aussehende Stefan (Lars Eidinger) ist Pilot, hat eine große Wohnung, ein schnelles Auto und viele Geliebte. Als er sein Gehör verliert und nicht mehr arbeiten kann, klammert er sich an sein altes Leben: Also zieht sich Stefan die Pilotenuniform an und reißt in Hotelbars Frauen auf. Julia (Nele Mueller-Stöfen) und ihr Mann Christian (Godehard Giese) verbringen ein langes Wochenende in Turin. Als das Paar einen verletzten Straßenhund findet, kümmert sich Julia nur noch um seine Genesung. Bei einem Abendessen mit Freunden kommt es zum Eklat. Tobias (Hans Löw) schmeißt den Haushalt und versorgt die drei Kinder, während Maren (Christine Schorn) für den Unterhalt der Familie sorgt. Das wurmt ihn, so dass die Kinder immer wieder als Ausrede für sein stagnierendes Studium herhalten. Dann erkrankt sein Vater, und Tobias stellt fest, dass das Leben für seine Eltern so nicht weitergehen kann.

Auf den ersten Blick ist „All My Loving“ nur die Nachstellung von Alltag. Auf den zweiten hebt Regisseur Edward Berger allerdings das Besondere daran hervor und erweist sich dabei als herausragender Beobachter emotionaler Ausnahmezustände.


JONATHAN | Regie: Bill Oliver | USA 2019

Jonathan (Ansel Elgort) ist ein Wunderkind, das halbtagsin einem Architekturbüro aushilft und sich die andere Hälfte des Tages um einen kranken Verwandten kümmert. Das behauptet er zumindest, doch in Wirklichkeit trägt er ein Geheimnis mit sich herum: Er teilt sich seinen Körper mit seinem Zwillingsbruder John. John besitzt nicht ansatzweise so viel Talent wie Jonathan, aber die enge Bindung zwischen den beiden hat das bislang nicht erschüttert. Mithilfe eines hinter dem Ohr installierten Time-Splitters können die Brüder den Aufenthalt in ihrem Körper aufteilen. Das hat immer gut geklappt, da sie sich an strenge Regeln halten. Doch als sich John eines Tages in Elena (Suki Waterhouse) verliebt, möchte er die Beziehung zu der jungen Frau festigen, was sein Verhältnis zu Jonathan unweigerlich komplizierter macht…

„Jonathan“ ist ein melancholisches Sci-Fi-Drama über zwei Brüder, die sich einen Körper teilen. Diese Thematik eröffnet vielfältige Diskussionsebenen, die einen persönlichen Blickwinkel auf eine eigentlich bekannte Genre-Prämisse zulassen. Das entschädigt aber nur zum Teil für das sehr behäbige Tempo und Ansel Elgorts lange Zeit eindimensionales Spiel.


ALADDIN | Regie: Guy Ritchie | USA 2019

Aladdin (ist ein Straßenjunge, der an der Seite seines treuen Affen Abu die Straßen der Stadt Agrabah unsicher macht. Mit ihren Bazaren, Palästen und fliegenden Teppichen ist sie wie gemacht für einen Träumer wie Aladdin, der eines Tages plötzlich die Liebe seines Lebens kennenlernt. Die schöne Prinzessin Jasmin, die als Straßenmädchen verkleidet für einen Moment versucht, den strengen Gesetzen innerhalb der Palastmauern zu entkommen. Für Aladdin ist die Sache klar: Er muss das Mädchen wiedersehen. Doch der der böse Jafar macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Dieser schickt den ahnungslosen jungen Mann in eine Höhle mitten in der Wüste und verspricht ihm Reichtum gegen eine Wunderlampe. Doch die Sache geht schief und die Höhle stürzt zusammen. Wie gut, dass der blaue Flaschengeist Genie Aladdin in sein Herz schließt…

Die Neuverfilmung von „Aladdin“ ist lieb- und lebloses Musicaltheater in dem jeder Song gleich klingt und Settings wie Disneyland-Kulissen aussehen. Ein Glück, dass Will Smith im Mittelteil ein wenig Zeit bekommt, den Film durch seine alleinige Anwesenheit zu retten.


EDIE – FÜR TRÄUME IST ES NIE ZU SPÄT | Regie: Simon Hunter | USA 2019

Die in die Jahre gekommene Edie (Sheily Hancock) hat sich ihr Leben lang nach den Bedürfnissen anderer gerichtet. Als ihre Tochter Nancy (Wendy Morgan) sie in ein Altersheim stecken will, beschließt die 83-Jährige, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich einen fast vergessenen Traum zu erfüllen: den Berg Suilven in den schottischen Highlands zu erklimmen. Mit ihrer angestaubten Wanderausrüstung wagt sie das Abenteuer ihres Lebens und engagiert den jungen Jonny (Kevin Guthrie), um sie für den herausfordernden Aufstieg vorzubereiten. Dieser lernt schnell ihren Dickkopf kennen und einzuschätzen, erfährt aber auch immer mehr über ihre Geschichte – und Edie beginnt allmählich, anderen und sich selbst zu vertrauen und auf die letzten Meter ihres Lebens endlich glücklich zu sein. So stolpern beide unverhofft in eine Freundschaft, die ihr Leben wunderbar auf den Kopf stellt.


Heimkinotipp: CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG | Regie: Nadine Labaki | LBN/USA 2018

Zain (Zain Al Rafeea) ist gerade einmal zwölf Jahre alt. Zumindest wird er auf dieses Alter geschätzt, denn wann genau er geboren ist, weiß niemand. Der Junge hat auch keine Papiere und die Familie weiß auch selbst nicht mehr genau, wann er geboren wurde. Nun steht er vor Gericht. Er soll in seinen jungen Jahren bereits versucht haben, einen Menschen zu ermorden. Doch vor Ort wendet sich das Blatt: Er verklagt seine Eltern, weil sie ihn auf die Welt gebracht haben, obwohl sie sich nicht um ihn kümmern können. Dem Richter schildert er daraufhin seine bewegende Geschichte: Was passierte, nachdem er von zu Hause weggelaufen ist und bei einer jungen Mutter aus Äthiopien Unterschlupf fand und wie es dazu kam, dass er sich mit ihrem kleinen Baby mittellos und allein durch die Slums von Beirut kämpfen musste.

Keine Gefühlsduselei sondern harte Realität – „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ ist ein hochemotionales Drama über Armut, für das die Regisseurin in Gänze auf falschverstandene Sentimentalität verzichtet. Stattdessen hinterfragt sie ein ganzes System, wofür sie auf die klare Einordnung in gut, böse, Opfer und Täter verzichtet. Und gerade dadurch geht der Film besonders zu Herzen.

Das startet am 16. Mai 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 16. Mai, der nicht mit den größten Starts auftrumpfen kann. Dafür stecken den Kinos vermutlich noch zu sehr „Avengers: Endgame“ und „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ in den Knochen. Ausgerechnet über den stärksten Film der Woche dürfen wir noch nichts sagen, dafür auf „Das Familienfoto“ verweisen, der sich als kleine französische Tragikomödie einen Platz in unserem Herz gesichert hat. „The Silence“ und „Greta“ performen zumindest aus qualitativer Sicht solide, doch ob die Welt auf einen neuen „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“-Filme à la „A quiet Place“ gewartet hat, ist fraglich. Ebenso wie auf den christlichen Werbefilm „Breakthrough“, den wohl keiner wirklich braucht.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DAS FAMILIENFOTO | Regie: Cécilia Rouaud | FR 2018

Die drei Geschwister Gabrielle, Elsa und Mao könnten unterschiedlicher kaum sein: Gabrielle arbeitet als „lebende Statue“ in Paris und ist ihrem Sohn viel zu unkonventionell. Elsa hadert mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Und der Spieleentwickler Mao ist trotz beruflichen Erfolgs noch gar nicht richtig im Leben angekommen. Da haben ihre getrennt lebenden Eltern ganze Arbeit geleistet. Der Vater war nie da, die Mutter, eine Psychotherapeutin, mischte sich dagegen in alles ein. Und bis heute hat sich daran nichts geändert. Die normalste ist da noch die demente Großmutter. Als der Großvater stirbt, ist die in alle Winde verstreute Familie gezwungen, sich zusammen zu raufen. Allein kann die alte Dame nicht bleiben, wie aber sollen die Kinder und Enkel eine Lösung für sie finden, wenn schon in ihrem eigenen Leben das pure Chaos herrscht…?

Keine hysterischen Keifereien, kein auf eine Eskalation zulaufender Konflikt, sondern einfach nur die kleinen und großen Dramen des Alltags – Regisseurin Cécilia Rouaud inszeniert genau diese mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Feingeist, sodass sich die Probleme der hier porträtierten Familie schnell auf den Zuschauer übertragen lassen. Überraschend inspirierend.


THE SILENCE | Regie: John R. Leonetti | DE 2019

Als eine archäologische Expedition in einem unzugänglichen Höhlensystem in Nordamerika eine bislang unbekannte Parasitenart entdeckt, ahnt noch niemand, wie gefährlich diese „Wespe“ genannte Spezies tatsächlich ist. Doch einmal freigesetzt, mutieren und vermehren sich diese Urzeitmonster nicht nur, sondern greifen bald auch Menschen an. Ihre Opfer finden sie dank ihres feinen Gehörs: Schon das kleinste Geräusch lockt eine Unzahl von ihnen an. Die einst so laute Welt verstummt. Die gehörlose Ally (Kiernan Shipka) und ihre Familie ziehen sich in die Wälder zurück, denn überleben lässt sich nur noch in völliger Stille. Gefahr geht aber auch von anderen Menschen aus, wie die Familie bald erfahren muss: Im rücksichtslosen Überlebenskampf ist jedes Geräusch ein potentielles Todesurteil. Und dann kreuzt eine bedrohliche Sekte ihren Weg, die es ausgerechnet auf Ally abgesehen hat…

„The Silence“ ist klüger als „A Quiet Place“, spannender als „Bird Box“, dafür weitaus weniger gut getrickst und fällt gegen Ende hin deutlich ab. Von den drei hier genannten Filmen allerdings mit Abstand der stärkste – vor allem dank Stanley Tucci in der Hauptrolle.


GRETA | Regie: Neil Jordan | IE/USA 2018

Die junge Frau Frances (Chloë Grace Moretz) findet eines Tages durch Zufall eine Handtasche in der New Yorker U-Bahn und zögert nicht, sie der rechtmäßigen Besitzerin nach Hause zu bringen, denn in der Tasche befinden sich sämtliche Unterlagen, um sie ausfindig zu machen. Die Tasche gehört der eleganten Witwe Greta (Isabelle Huppert), die sich sehr über den Besuch der jungen Frau und ihre Ehrlichkeit freut. Schnell freundet sich Frances, die erst vor kurzem ihre Mutter verloren hat, mit der älteren Dame an, denn das Schicksal scheint zwei einsame Seelen zusammengeführt zu haben. Doch schon bald findet sie heraus, dass Greta ihre Handtaschen nur als Köder auslegt, um die ehrlichen Finder zu sich zu locken. Und sie ist nicht die erste, die in ihre Falle getappt ist. Aus der gutmütigen Greta wird eine gefährliche Stalkerin…

Neil Jordans „Greta“ ist ein alberner Stalking-Film, der jedoch durch seine wendungsreiche zweite Hälfte und seine Darstellerinnen durchaus kurzweilig geraten ist.


BREAKTHROUGH – ZURÜCK INS LEBEN | Regie:  Roxann Dawson | USA 2019

John Smith ist 14 Jahre alt und lebt mit seinen ihn liebenden Adoptiveltern Joyce und Brian in einer typischen Kleinstadt im Mittleren Westen der USA. Er ist fleißig im Unterricht, ein überdurchschnittlicher Basketballspieler, populär bei seinen Mitschülern und heimlich verliebt in die süße Abby. Doch eines Wintertages geht der Junge nach dem allwöchentlichen Kirchenbesuch mit der Familie auf einen gefrorenen See. Dort tobt er mit zwei Kumpels herum, bis sie durch das dünne Eis brechen. Die beiden Freunde werden von dem von einem Augenzeugen sofort alarmierten Rettungsdienst schnell aus dem kalten Wasser gezogen. John kann erst nach einer Viertelstunde völlig unterkühlt und ohne Lebenszeichen von dem engagierten Feuerwehrmann Tommy geborgen werden. Jetzt hilft nur noch ein Wunder, um ihn zurück ins Leben zu holen…

Ist „Breakthrough – Zurück ins Leben“ ein guter Werbestreifen für die christliche Kirche? Nein, denn dazu kommt das rührselig-schmalzige Familien-Drama viel zu durchschaubar und platt daher, als dass man die Berechnung dahinter nicht meilenweit gegen den Wind riechen würde.


THE SUN IS ALSO A STAR | Regie: Ry Russo-Young | USA 2019

An einem magischen Tag inmitten des hektischen Treibens von New York City treffen der zukünftige College-Student und Romantiker Daniel Bae (Charles Melton) und die in Jamaika geborene Pragmatikerin Natasha Kingsley (Yara Shahadi) aufeinander und verlieben sich. Sofort sprühen die Funken zwischen den beiden Fremden, deren Wege sich vielleicht nie gekreuzt hätten, wenn das Schicksal nicht ein wenig nachgeholfen hätte. Aber reicht Vorherbestimmung aus, um aus den Teenagern, deren Romanze unter einem mehr als schlechten Stern steht, ein glückliches Liebespaar werden zu lassen? Natasha, die nur noch ein paar Stunden hat, bevor sie die USA verlassen und in ihre Heimat Jamaica zurückkehren muss, kämpft erbittert gegen die Abschiebung ihrer Familie und gegen ihre aufkommenden Gefühle für Daniel, der sie ebenso beharrlich zu überzeugen versucht, dass sie füreinander bestimmt sind.


MAQUIA – EINE UNSTERBLICHE LIEBESGESCHICHTE | Regie: Mari Okada | JPN 2018

Jenseits der Menschenwelt, im Lande Iorph, lebt das Waisenmädchen Maquia im Einklang mit ihresgleichen. Gesegnet mit langanhaltender Jugend verwebt ihre Sippe seit Jahrhunderten das Geschehen eines jeden Tages in einem mystischen Tuch, dem Hibiol. Doch das friedliche Leben der Gemeinschaft gerät aus den Fugen, als die Armee aus Mesate gewaltsam in die Stadt eindringt, um sich des langlebigen Blutes der Iorph zu bemächtigen. Ein Akt äußerster Brutalität steht bevor, dem sich das Mädchen Maquia schutzlos ausgeliefert sieht. Inmitten von Verzweiflung und Chaos entdeckt Maquia auf ihrer Flucht ein verwaistes Kind, das sie Erial nennt. Sie nimmt sich seiner an und beschließt ihn wie ihr eigenes Kind großzuziehen. Dies ist der Beginn einer emotionalen Reise zwischen Vergänglichkeit, Sehnsucht und der grenzenlose Liebe einer Mutter, die alles für ihr Kind tun würde, um es vor der brutalen Außenwelt zu schützen.


UNDER THE TREE | Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson | IE/DK/POL/DE 2018

Inga und Baldvin lieben ihren Garten, vielmehr noch lieben sie ihren prächtigen Baum! Doch seinetwegen liegen die Nerven ihrer Nachbarn brach: Das Gewächs wirft nämlich einen riesig-großen Schatten auf die Terrasse der wohlsituierten Nachbarschaft. Nix mit Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Bitte der Schattengeplagten, sich hurtig um das Ungetüm zu kümmern wird harsch abgewehrt. Ihr Sohn Atli hat währenddessen selbst ganz andere Probleme: Schuld ist ein kleines Sex-Video, das zu einem großen Streit mit seiner Frau führt. Er muss zurück ins Elternhaus ziehen, doch hier sorgt der Baum weiterhin für Ärger. Wurde der Nachbar etwa mit einer Kettensäge gesehen? Als dann plötzlich die geliebte Katze verschwindet und Überwachungskameras installiert werden, ist allen klar „so klappt‘s nicht mit den Nachbarn“. Ein verbitterter Kampf unter den Familien beginnt und das Chaos im idyllischen Vorort scheint perfekt …


Heimkinotipp: REISE NACH JERUSALEM | Regie: Lucia Chiarla | DE 2018

Eigentlich war Alice (Eva Löbau) in ihrem Job als Texterin immer erfolgreich. Doch als Freelancerin ist man nicht davor gefeit, auch mal auf die Schnauze zu fallen. Seit Monaten nimmt ihre Zahl an Auftraggebern ab, mittlerweile ist sie Dauergast auf dem Arbeitsmarkt. Hier unternimmt Alice alles, um möglichst schnell wieder Arbeit zu finden. Doch weder die Amtsmitarbeiter, noch ihre Eltern sind ihr dabei eine Hilfe. Also schleppt sich die 38-jährige von Maßnahme zu Maßnahme, schreibt Bewerbungen, verdient sich durch Produkttests was dazu und kann doch nicht verhindern, dass ihre Bezüge gekürzt werden. Das alles wäre ja nur halb so schlimm, wenn Alice nicht auch noch versuchen müsste, den schönen Schein von der unabhängigen Selbstständigen aufrechtzuerhalten. Doch in ihrem Freundeskreis scheinen ohnehin alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, als dass sich irgendjemand für ihre Probleme interessieren würde…

„Reise nach Jerusalem“ ist ein schmerzhafter Blick auf die Hölle Arbeitslosigkeit. Eva Löbau verkörpert glaubhaft und unerschrocken eine gescheiterte Mittdreißigerin, die alles unternimmt, um wieder fußzufassen – und scheitert. Nicht so der Film. Authentischer hätte man das Thema nicht einfangen können, auch wenn sich das Skript gen Ende ein wenig konstruierter anfühlt, als es sein müsste.

Das startet am 2. Mai 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 2. Mai, an dem die Nachwehen des „Avengers-Starts“ vergangene Woche noch deutlich zu spüren sind. Ganz große Starts bleiben aus. Selbst der neue Film mit Dwayne Johnson ist alles andere als ein Mainstream-Blockbuster. Dafür hält das Programmkino mit „Das schönste Paar“ ein tolles deutsches Drama parat.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

Sonderstart am 1. Mai: FIGHTING WITH MY FAMILY | Regie: Stephen Merchant | UK/USA 2019

Für ihre Familie ist Wrestling mehr als ein Sport, es ist das einzig Wahre im Leben – Paige (Florence Pugh) und ihr Bruder Zak (Jack Lowden), aufgewachsen in Englands Provinz, sehen ihre kühnsten Träume wahr werden, als sie beim Probetraining der World Wrestling Entertainment antreten dürfen. Die Wege der Geschwister trennen sich allerdings, als nur Paige einen Platz im hart umkämpften Ausbildungsprogramm erhält. Sie muss ihre Familie verlassen und sich von nun an allein im Ring dieser gnadenlosen Welt des Showbiz stellen. Sie ist keine konventionelle Cheerleader-Schönheit wie der Großteil ihrer Mitstreiterinnen, doch sie hat Talent, jede Menge Ehrgeiz und ein großes Ziel vor Augen: sie will endlich ihren Traum vom Wrestling leben und kommt diesem näher, als man denkt. Zak dagegen hat das Nachsehen…

„Fighting With My Family“ ist eine herzerwärmende Geschichte über familiären Zusammenhalt und ein inspirierendes Plädoyer für den Glauben an sich selbst. Damit erzählt Regisseur und Autor Stephen Merchant eigentlich nichts Neues. Aber das, was er erzählt, trägt er voller Inbrunst und Aufrichtigkeit vor, sodass man gar nicht anders kann, als mit der ehrgeizigen Wrestlerin Paige mitzufiebern.


DAS SCHÖNSTE PAAR | Regie: Sven Taddicken | DE 2018

Die beiden Lehrer Liv (Luise Heyer) und Malte (Maximilian Brückner) sind ein glückliches Paar, das seinen romantischen Sommerurlaub auf der Mittelmeerinsel Mallorca genießt. Als ein plötzlicher Überfall durch drei Jugendliche in einen sexuellen Übergriff mündet, wird ihr bisheriges Leben aus der Bahn geworfen. Zwei Jahre später. Das Paar hat an seiner Beziehung festgehalten und erstaunliche Stärke im Umgang mit dem traumatischen Erlebnis bewiesen. Doch dann begegnet Malte zufällig einem ihrer Peiniger (Leonard Kunz). Getrieben von der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, nimmt Malte die Verfolgung des Täters auf und setzt damit die gerade zurückgewonnene Stärke, vor allem aber das Vertrauen und die Liebe von Liv aufs Spiel. Die will nämlich endgültig mit den schlimmen Erlebnissen abschließen…

Regisseur Sven Taddicken gelingt mit „Das schönste Paar“ der schwierige Spagat zwischen aufrichtiger Liebesgeschichte, Traumadrama und unterschwelligem Thriller, der das Thema sexueller Missbrauch einmal aus ganz anderer Sicht beleuchtet.


THE HOLE IN THE GROUND | Regie: Lee Cronin | IE 2019

Die allein erziehende Mutter Sarah (Seána Kerslake) versucht ihre Vergangenheit mit einem gewalttätigen Ehemann hinter sich zu lassen und zieht mit ihrem achtjährigen Sohn Chris (James Quinn Markey) an den Rand einer abgelegenen irischen Kleinstadt. Als Chris nach einem Streit in den Wald läuft, entdeckt Sarah auf der Suche nach ihm ein riesengroßes tiefes Senkloch im Boden. Chris kehrt scheinbar unversehrt zurück, doch schon bald bemerkt Sarah beängstigende Veränderungen in seinem Verhalten. Die verstörende Begegnung mit der verwirrten Nachbarin, die vor Jahren ihr eigenes Kind tötete, verstärkt Sarahs Misstrauen nur noch mehr. Ist der Junge, der in ihrem Haus lebt, wirklich ihr Sohn Chris, oder hat sie es mit einem Klon zu tun?

In „The Hole in the Ground“ erinnert so viel an so viel anderes, dass sich der Film bis zuletzt kein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten kann. Dass er zeitweise trotzdem eine starke Atmosphäre aufbauen kann, lässt sich ihm jedoch nicht absprechen.


IM NETZ DER VERSUCHUNG | Regie: Steven Knight | USA 2019

Der von seiner Vergangenheit gezeichnete Baker Dill (Matthew McConaughey) hat sich auf eine scheinbar paradiesische Insel zurückgezogen, wo er mit seinem Boot, unterstützt von seinem Maat Duke (Djimon Hounsou), Touristen zum Hochseefischen rausfährt. Zurück an Land stattet er meist seiner Geliebten Constance (Diane Lane) einen Besuch ab und beschließt die Abende in der örtlichen Hafenspelunke. Dies findet unerwartet ein Ende, als eine neue Figur in dem täglichen Spiel aufkreuzt: Baker Dills mysteriöse Ex-Frau Karen (Anne Hathaway). Verzweifelt bittet sie ihn um Hilfe. Baker soll ihren gewalttätigen neuen Ehemann Frank (Jason Clarke) umbringen. Karen fleht Baker an, Frank mit auf sein Boot zu nehmen und ihn für eine großzügige Entlohnung auf hoher See über Bord zu werfen. Um ihres gemeinsamen Sohnes willen…

Mit welcher Überambition Autor und Regisseur Steve Knight hier scheitert, ist bemerkenswert und verhilft dem gleichermaßen hanebüchen-übertreibenden wie letztlich stinklangweiligen Möchtegern-Thriller „Im Netz der Versuchung“ immerhin zu der Chance, dass man auch in vielen Jahren noch über ihn redet – über den Film, in dem Matthew McConaughey die ganze Zeit nix Anderes tut, als zu angeln.


DER FLOHMARKT DER MADAME CLAIRE | Regie: Stéphane Brizé | FR 2018

An einem wunderschönen Sommertag wacht in einem kleinen französischen Dorf Madame Claire auf – überzeugt davon, dass heute ihr letzter Tag auf Erden sei. Claire beschließt, ihr gesamtes Hab und Gut im Garten ihres großzügigen Landhauses zu verkaufen, von wertvollen Uhren, lieb gewonnenen Antiquitäten bis hin zu handgefertigten Unikaten. Wenn sich schon ihre Erinnerungen mehr und mehr verflüchtigen, benötigt Claire auch ihre ans Herz gewachsenen Möbel und Sammlerstücke nicht mehr – das ganze Dorf kommt bei dem außergewöhnlichen Flohmarkt auf seine Kosten. Von einer alten Freundin alarmiert, kehrt Claires Tochter Marie zum ersten Mal nach 20 Jahren in ihr Zuhause zurück. Doch sie scheint nicht das einzige Gespenst aus der Vergangenheit zu sein, das die exzentrische Dame erneut aufspürt.

Trotz einer guten Catherine Deneuve und einzelnen emotionalen Elemente ist „Der Flohmarkt der Madame Claire“ aufgrund seiner unfokussierten Geschichte und seines platten Endes nur eine durchwachsene Tragikomödie ohne Nachhall.


Sonderstart am 1. Mai: ROYAL CORGI | Regie: Ben Stassen, Vincent Kesteloot | BEL 2019

Mehr Luxus geht nicht: Seit Rex als niedlicher Welpe in den Buckingham Palast gekommen ist, lebt der Corgi in Saus und Braus. Im Handumdrehen erobert der Kleine das Herz Ihrer Majestät, da haben die dienstälteren Hunde schon bald nichts mehr zu bellen. Und nicht nur Prinz Philip treibt er mit seinen Allüren bald an die Grenzen seiner Geduld. Bis zu dem Tag, an dem Rex während des Staatsbanketts zu Ehren eines US-Präsidenten mit auffallend orangen Haaren in Ungnade fällt. Schneller als die Queen „I am not amused“ sagen kann, ist es mit dem bequemen Leben vorbei. Rex landet auf den Straßen Londons, als einer unter zahllosen Streunern, die ums Überleben kämpfen. Doch so schnell gibt der Vierbeiner nicht auf. Er will beweisen, dass er verdientermaßen der Lieblingshund der Queen war. Der Weg zurück in den Palast entpuppt sich als wahre Odyssee voller Abenteuer und Gefahren.


Heimkinotipp: BUMBLEEBEE | Regie: Travis Knight  | USA 2017

Im Jahr 1987 versteckt sich das mysteriöse Maschinenwesen Bumblebee der Gestalt eines alten VW Käfers auf dem Schrottplatz einer kleinen kalifornischen Küstenstadt vor den bösen Decepticons des nahezu vollständig zerstörten Planeten Cybertron. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag und auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, findet die rebellische Charlie den kaputten und kampfgeschwächten Roboter, ohne zu wissen, was sich wirklich hinter dem knallgelben Auto verbirgt. Mit mechanischem Geschick und viel Geduld beginnt sie, ihn zu reparieren und lernt schnell, dass es sich hierbei keineswegs nur um eine alte Schrottmühle handelt. Als Bumblebee wieder zu neuem Leben erwacht, entwickelt sich zwischen ihm und Charlie eine ungewöhnliche Freundschaft, von der auch der Nachbarsjunge Memo schnell Wind bekommt.

„Bumblebee“ hat mit den seelenlosen Materialschlachten der „Transformers“-Reihe so gut wie nichts mehr zu tun und ist stattdessen ein hinreißendes Abenteuer voller Witz und Emotion, das zwar merklich an „E.T.“ und andere vergleichbare Filme erinnert, jedoch niemals lieblos zitiert, sondern den Charme derartiger Familienfilme leidenschaftlich zelebriert.

Willkommen in Marwen

Im April 2000 wurde der US-amerikanische Künstler Mark Hogancamp brutal von mehreren Schlägern attackiert. Die Folge: fünf Tage Koma und keine Erinnerung an den Tathergang. Um das daraus entstandene Trauma aufzuarbeiten, flüchtete sich Hogancamp in eine von Puppen bevölkerte Fantasiewelt – und in die taucht jetzt auch Robert Zemeckis in seiner Tragikomödie WILLKOMMEN IN MARWEN ein.

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