Jupiter Ascending

Nach der „Matrix“-Trilogie, der Anime-Adaption „Speedracer“ sowie der Romanverfilmung „Cloud Atlas“ scheint die Zeit der Wachowski-Geschwister endgültig vorbei. Ihr neuer Blockbuster JUPITER ASCENDING ist ein kurioses Sammelsurium bekannter Sci-Fi-Abziehbildchen, dessen Story nicht funktioniert und das visuell vollkommen überfrachtet ist. Mehr zu dieser nicht ganz überraschend kommenden Enttäuschung lest ihr in meiner Kritik.

Jupiter Ascending

Der Plot

Die verarmte, dafür umso hübschere Jupiter Jones (Mila Kunis) führt mit ihrer Familie ein ganz normales Leben auf der Erde. Ihren Unterhalt bestreitet die junge Frau als Putzkraft, was sie in routinierter Regelmäßigkeit verflucht. Doch ihr dröger Alltag findet ein abruptes Ende, als sie den Ex-Söldner Caine (Channing Tatum) kennenlernt, der sie von einem fremden Planeten besucht, um ihr etwas Wichtiges mitzuteilen. Kurzer Hand macht dieser sich mit Jupiter auf eine abenteuerliche Reise durch die Galaxie und klärt sie auf: Die Menschen sind nicht mehr als eine von Außerirdischen angepflanzte Spezies, aus denen ein heiß begehrtes Jugendserum gewonnen wird. Erst vor Kurzem starb das Oberhaupt einer mächtigen Alien-Dynastie, um deren Herrschaft mittlerweile ein Streit entbrannt ist. Ausgerechnet die einst unter dem Nachthimmel geborene Jupiter Jones könnte der Schlüssel zum immerwährenden Frieden sein und das Gleichgewicht des Universums wiederherstellen. Doch insbesondere der strenge Balem (Eddie Redmayne), ein heißer Anwärter auf den Thron, sieht in Jupiter einen Feind, den es zu beseitigen gilt…

Kritik

Die Wachowski-Geschwister haben ein Problem. Seit Jahren kämpfen sich die preisgekrönten Regisseure unter dem Ruf, mit der „Matrix“-Trilogie eines der einprägsamsten Science-Fiction-Epen aller Zeiten geschaffen zu haben, durch die schwer durchdringbare Hollywood-Maschinerie. Den Stempel der Blockbuster-Experten sind sie dabei nie losgeworden und doch haben Filme wie die Anime-Realverfilmung „Speedracer“ und die über alle Maße ambitionierte (sowie durch und durch unterschätzte) Leinwandadaption des Weltbestsellers „Cloud Atlas“ nicht vom so positiven Image des Geschwister-Paares profitieren können. Im Gegenteil: Seit Keanu Reeves‘ Neo 2003 in Rente ging, haben es Lana und Andy Wachowski umso schwerer, sich auch mit eigenständigen Stoffen zu behaupten. Die Kritiker scheinen diese Bemühungen nur zum Teil zu honorieren, denn mittlerweile hat sich der angeschlagene Marktwert des Regie-Duos auch unter den hartnäckigsten Fans der „Matrix“-Saga herumgesprochen. Womit wir auch schon beim Thema wären. Denn mit „Jupiter Ascending“ tragen die Filmemacher leider nicht wirklich dazu bei, ihren Skeptikern selbstbewusst und mit Qualität den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Gegenteil: Die als Franchise-Auftakt angedachte Weltraumoper, die aufgrund vieler Nachdrehs ganze 175 Millionen US-Dollar verschlungen hat und deren Starttermin mehrmals um insgesamt ein halbes Jahr nach hinten korrigiert werden musste, könnte der Karriere der Wachowskis endgültig den Todesstoß versetzen. Das sahen derweil auch die kritischen Zuschauer in Übersee so: Sowohl bei den ersten Testvorführungen von vor über sechs Monaten, als auch bei den Pressevorstellungen Ende letzter Woche fiel die Resonanz katastrophal aus. Verdenken kann man es Niemandem: Trotz großer Vorbereitungszeit, einem Bombastbudget und der Verpflichtung großer Hollywoodstars überwiegen solch gravierende Schwächen, dass aus „Jupiter Ascending“ kein kurzweiliges Leinwandvergnügen, sondern eine waschechte Geduldsprobe mit Kopfschüttelgarantie wird.

Jupiter Ascending

Heutzutage kann jede Prämisse noch so hanebüchen klingen: Wird sie ordentlich umgesetzt, können auch um sich schießende Waschbären („Guardians of the Galaxy“), Laserstrahlen abfeuernde Delphine („Spongebob Schwammkopf – Der Film“) und gestiefelte Wölfe mit pädophilen Neigungen („Into the Woods“) Kultstatus erreichen. Dieses Kunststück gelingt allerdings nur dann, wenn hinter derlei Absurditäten ein Konzept steckt und – viel wichtiger – eine Passion, die der Kinobesucher am eigenen Leib spürt. Das Marvel-Gespann der Guardians of the Galaxy wäre ohne die verspielt leidenschaftliche Inszenierung eines James Gunn wohl kaum zu einem der erfolgreichsten Filme des vergangenen Jahres geworden und ohne die treue Fanbase der Nickelodeon-Serie „Spongebob Schwammkopf“ ließe es sich wohl nur halb so leichtfertig experimentieren, wie es Schöpfer Paul Tibbitt Ende Februar in seinem zweiten Leinwandausflug geschehen lässt. Bei „Jupiter Ascending“ verhält es sich hingegen ein wenig anders. Hinter dem Sci-Fi-Spektakel steckt weder eine bekannte Vorlage, noch ein anderes, naheliegendes Argument, sich mit dem Filmstoff zu beschäftigen. Dennoch liegt bei einem solch komplexen – im wahrsten Sinne des Wortes – Filmuniversum die Idee nah, die Story im Rahmen eines Franchises fortzuführen. Im Zeitalter der Sequels ist dies eine Selbstverständlichkeit. Doch die Wachowskis machen mit „Jupiter Ascending“ gleich mehrere Fehler, die vor allem die Zielgruppenfindung betreffen. Wie eingangs erwähnt, gestaltet sich schon die Fangemeinschaft der Regisseure relativ übersichtlich. Bei den Darstellern ist es derweil nicht anders. Zwar gehören sowohl Channing Tatum („Foxcatcher“) als auch Mila Kunis („Ted“) zu Hollywoods derzeit angesagtesten Topstars, doch zum ausschließlichen Ticketkauf-Argument haben sich die beiden bislang noch nicht hochgearbeitet. Anders als ein Johnny Depp, ein Adam Sandler oder eine Meryl Streep sind Tatum und Kunis allenfalls gern gesehene Zusatzargumente für die Filmentscheidung. Die reine Fanbase dürfte hierzulande jedoch ähnlich klein sein, wie die der Wachowskis. Von Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) und Sean Bean („Silent Hill: Revelation“) ganz zu schweigen.

Channing Tatum

Die Leistungen sämtlicher Akteure in „Jupiter Ascending“ werden an diesem Zustand vorerst auch kaum etwas ändern. Während der aktuell für einen Oscar als bester Hauptdarsteller favorisierte Mime Eddie Redmayne ob seiner overactenden Attitüde eine fast schon unangenehme Leistung abliefert, agiert der restliche Cast allenfalls im Energiesparmodus. Den profillosen Charakteren von Tatum und Kunis vermögen die Schauspieler nicht ansatzweise Leben einzuhauchen. Zugegebenermaßen ist das Skript (Andy und Lana Wachowski) an diesem Umstand nicht ganz unschuldig: Während Jupiter von einer Notlage in die nächste stolpert, beschränkt sich Caines Handeln darauf, seinem Schützling stets im letzten Moment das Leben zu retten. Der Zuschauer wähnt sich rasch in einer Endlosschleife: Im Grunde kaut „Jupiter Ascending“ ein und dieselbe Szenerie bis zum Anschlag durch, ohne dieser denn wenigstens neue Akzente zuzugestehen. Für Auflockerung dieses vorhersagbaren Plotablaufs sorgt ausgerechnet Channing Tatum selbst, der hier gewitzt Werbung für sein neuestes Projekt „Magic Mike XXL“ zu machen scheint – anders ließe sich dessen permanente Entledigung der Oberbekleidung wohl kaum erklären. Indes wundert bei Sean Bean hauptsächlich eines: Wann durfte der auf den fantastischen Film spezialisierte Akteur eigentlich zuletzt einen Film überleben?

Jupiter Jones (Mila Kunis) soll nicht der Liebe wegen heiraten. Der finstere Balem (Eddie Redmayne) hegt gemeine Pläne mit der schönen Amazone...

Jupiter Jones (Mila Kunis) soll nicht der Liebe wegen heiraten. Der finstere Balem (Eddie Redmayne) hegt gemeine Pläne mit der schönen Amazone…

Wenngleich die Regisseure insbesondere zu Beginn stark ambitioniert zur inszenatorischen Sache gehen, ist „Jupiter Ascending“ nicht mehr als ein kaum zu definierendes Nichts. Die Komplexität der Weltenschaffung steht im starken Kontrast zum einfältigen Storytelling, das trotz oder gerade wegen Anleihen an solche Kassenschlager wie „Star Wars“ oder gar die „Twilight“-Saga nie zur so wichtigen Eigenständigkeit findet. Denn selbst ohne die ausufernde Berücksichtigung diverser Schwächen innerhalb der inneren Leinwandlogik kommt der Zuschauer nicht umher, ob diverser erzählerischer Schwächen alsbald den Kopf zu schütteln. Ohne die Wahrung charakteristischer Merkmale agieren sämtliche Figuren vollkommen willkürlich und ohne Rücksichtnahme auf ihr anfangs immerhin halbherzig eingeführtes Profil. Dies führt nicht nur zu unfreiwilliger Komik, sondern auch zu einer sich zügig einstellenden Gleichgültigkeit diverser Leinwandgeschehnisse; Und abgesehen von den prachtvollen Kostümen, die in ihrer Signalwirkung durchaus an die Schneiderergüsse aus „Die Tribute von Panem“ erinnern, kann auch die gesamte technische Gestaltung nicht annähernd für die Schwachpunkte auf der Erzähl- und Inszenierungsebene entschädigen.

Mila Kunis

Kameramann John Toll („Iron Man 3“) kleidet die Leinwandereignisse in solch ungeordnete Bilder, dass das Zuschauen – besonders in 3D – alsbald zur Qual wird. Vollkommen ohne auf Übersicht, Bildaufteilung und Dynamik zu achten, sind die Aufnahmen nicht nur durchgehend verwackelt, sondern darüber hinaus auch viel zu hektisch, zu nah am Geschehen und ohne Rücksicht auf die Fokussierung des Wesentlichen. So lässt sich bisweilen nur erahnen, was sich auf der Leinwand tatsächlich abspielt. Die vorab vielerorts als eines der großen Highlights angepriesene Verfolgungsjagd über der Skyline von Chicago, die mit einer so genannten „Panocam“ gedreht wurde, wird zu einer der am schlechtesten gefilmten Actionszene der neueren Filmgeschichte. Denn trotz der vielfältig eingesetzte Technik ebenjenes Kameraverfahrens, in dem sechs Aufnahmegeräte nebeneinander an einem Hubschrauber angebracht werden, was eine 180-Grad-Umsicht ermöglicht, wird ebenjene Szene allenfalls zu einem halbherzigen CGI-Gewitter von Effekten, die nicht nur überdeutlich als solche zu erkennen sind, sondern sich in ihrer nicht vollends ausgereiften Optik nur schwer in die handgemachten Kulissen integrieren wollen. Auch diverse Computer-Wesen, wie überdimensional große Echsen oder der äußerst skurrile Auftritt eines fliegenden Elefantenmenschen sind allenfalls Mittel zum Selbstzweck, um die visuellen Möglichkeiten der modernen Filmtechnologie zu unterstreichen. Für die Handlung von Relevanz sind sie hingegen nur selten, was derweil auch auf den pseudo-epischen Score zutrifft, in welchem Choräle für die notwendige Tragkraft sorgen sollen, was im Anbetracht der mangelhaften Schau- und Erzählwerte jedoch ebenso rasch verpufft, wie der Wunsch, „Jupiter Ascending“ nach dem Abspann gleich noch einmal zu sehen.

Fazit: Visuell überladen und aus erzählerischer Sicht ohne Relevanz: Auch wenn es äußerst bedauerlich wäre, so könnte „Jupiter Ascending“ das Karriere-Ende der Wachowski-Geschwister bedeuten. Da hilft auch Hollywoods A-Prominenz nur wenig.

 „Jupiter Ascending“ ist ab dem 5. Februar bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

Erschienen bei Quotenmeter.de

2 Kommentare

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