Die Unfassbaren 3 – Now You See Me
Wenn die Welt Kopf steht, greifen die Kinos gern zur Magie – und DIE UNFASSBAREN 3 – NOW YOU SEE ME liefert davon reichlich. Nach neun Jahren Pause kehrt die Magiertruppe um Jesse Eisenberg, Woody Harrelson und Co. mit neuem Schwung und alten Tricks zurück. Ob das reicht, um das Publikum erneut in Staunen zu versetzen, zeigt dieser finale Raubzug voller Glanz, Gaukelei und gepflegtem Größenwahn.
Darum geht’s
Die berühmten Illusionist:innen der Gruppe „Die Vier Reiter“ – J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Merritt McKinney (Woody Harrelson), Henley Reeves (Isla Fisher) und Jack Wilder (Dave Franco) – kehren zurück und müssen sich einer neuen Herausforderung stellen. Sie treffen auf eine neue Generation junger Magier:innen, darunter June (Ariana Greenblatt), Charlie (Justice Smith) und Bosco (Dominic Sessa), die ihre eigenen Tricks und modernen Illusionskünste mitbringen. Gemeinsam nehmen sie es mit der skrupellosen Verbrecherin Veronika Vanderberg (Rosamund Pike) auf – einer einflussreichen Diamanten-Erbin mit Verbindungen zu globalen kriminellen Netzwerken und Waffenhandel. Sie planen einen spektakulären Coup: Sie wollen einen legendären Diamanten stehlen, den Vanderberg zur Geldwäsche und Machtabsicherung nutzt. Dabei geraten sie ins Fadenkreuz von Polizei, Geheimorganisationen und alten Feinden..
Kritik
In dieser Woche starten zwei grundverschiedene Filme in den deutschen Kinos, die der aktuell angespannten Weltlage mit gänzlich unterschiedlichen Ansätzen begegnen. Der eine – „The Running Man“ – mit satirisch überhöhter Bissigkeit, der andere, nun ja, mit… Zauberei. In einer Szene formuliert es die von Jesse Eisenberg gespielte Figur Atlas ganz treffend: In Zeiten von K.I., Klimaerwärmung und Co. dürstet es den Menschen nach Magie, die das „Die Unfassbaren“-Franchise in den letzten Jahren ganz vortrefflich in Form von Zerstreuung geliefert hat. Denn seien wir einmal ehrlich: Die 2013 von Louis Letterier aus der Taufe gehobene Heist-Movie-Reihe hat ihre Stärken nie in ausgeklügelten Plots oder tiefgreifenden Charakterstudien gefunden, sondern in großem Quatsch. Das macht aber nichts. Denn lässt man sich erst einmal auf das abgehobene High Concept ein, das eine Gruppe von Zauberer:innen zeigt, die mit spektakulären Shows scheinbar unmögliche Raubüberfälle begehen und dabei die Polizei und das Publikum gleichermaßen täuschen, hat man auch am dritten Teil eine Menge Freude.

Für June (Ariana Greenblatt), Charlie (Justice Smith) und Bosco (Dominic Sessa) könnte es nicht besser laufen: Sie treffen auf ihr Idol Daniel Atlas (Jesse Eisenberg).
Nach Louis Letterier nahm sich drei Jahre später Jon M. Chu der Reihe an und trieb die Gaga-Prämisse des Vorgängers noch auf die Spitze. Eine mehrminütige Szene in einem Hochsicherheitstresor wurde damals zum Herzstück von „Die Unfassbaren 2“ und steht bis heute symptomatisch für den Spirit des Franchises. Die moralisch ambivalenten Held:innen spielen mit der Wahrnehmung ihrer Umgebung und nutzen Illusion (auch) als Machtinstrument, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Mal monetär, mal moralisch. Das funktioniert im Kleinen genauso wie im Großen – und „Die Unfassbaren 2“ blies die Grundidee bis zum Bersten auf; Inklusive halber Weltreise im komatösen Zustand und anderer Albernheiten, die so in der Form natürlich nie in Wirklichkeit zustande kämen. Wer an „Die Unfassbaren“ – ganz gleich ob Teil eins, Teil zwei oder nun auch Teil drei – seinen Spaß haben will, der muss schlucken, was einem die Macher:innen vorsetzen. Mit dem Trilogie-Abschluss tritt nun Ruben Fleischer („Zombieland“) in die Fußstapfen von Leterrier und Chu, hat dabei aber merklich die Kernelemente und das Gespür für die ganz eigene Atmosphäre der Filme verinnerlicht. Trotz neun (!) Jahren Pause – einer langen Konzeptsuche, Produktionsschwierigkeiten und zahlreichen Personalwechseln sei „Dank“ – fühlt sich „Die Unfassbaren 3“ so an, als wäre er direkt nach eins und zwei entstanden. Die Anlaufholprigkeiten sind dem Film also schon mal nicht anzumerken.
„Die nunmehr als Quintett auftretenden Horsemen haben seit Teil eins und zwei nichts von ihrer stimmigen Chemie eingebüßt. Zwischen Neckereien und ehrlicher Anerkennung changierend, ergänzen sich die vier (respektive fünf) unterschiedlichen Charakterköpfe einmal mehr vortrefflich.“
Wohl aber, wie schwer den Verantwortlichen im zweiten Teil der Verzicht auf Isla Fisher gefallen sein muss. Diese wurde dato aufgrund ihrer Schwangerschaft durch Lizzy Caplan („The Disaster Artist“) ersetzt – und hinterließ dabei eine spürbare Lücke. „Die Unfassbaren 3“ versammelt nun nicht mehr nur das alte Quartett aus Jesse Eisenberg („A Real Pain“), Woody Harrelson („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“), Dave Franco („Together – Unzertrennlich“) und eben Isla Fisher, sondern zollt Fishers Nachfolgerin obendrein mit einem etwas kleiner ausfallenden Auftritt Tribut. Vor allem die Betonung dessen, dass sich Caplans und Fishers Figur längst miteinander angefreundet haben, könnte ein bewusster Kommentar darauf sein, dass hier zu keinem Zeitpunkt böses Blut geflossen ist. Die nunmehr als Quintett auftretenden Horsemen haben seit Teil eins und zwei nichts von ihrer stimmigen Chemie eingebüßt. Zwischen Neckereien und ehrlicher Anerkennung changierend, ergänzen sich die vier (respektive fünf) unterschiedlichen Charakterköpfe einmal mehr vortrefflich. Darüber hinaus hat jede:r von ihnen die Spleens und Eigenheiten seiner und ihrer Figur vollends verinnerlich, spielt sie nahezu im Schlaf herunter. Vielleicht würde man sich von manch einem sogar noch etwas mehr Engagement wünschen…
… doch für frischen Schauspielwind sorgen in „Die Unfassbaren 3“ vor allem drei Neuzugänge. Justice Smith („Dungeons & Dragons“), Ariana Greenblatt („Borderlands“) und Dominic Sessa („The Holdovers“) verkörpern so etwas wie die Nachfolgegeneration an Magier:innen, die die Vier Reiter ebenso verehren wie ein Stückweit auch auf sie herabblicken. Die Tricks der Horsemen sind eben mittlerweile auch ein wenig in die Jahre gekommen. Doch mit der Aussicht darauf, Teil der geheimnisvollen Magier-Organisation „Das Auge“ zu werden und mit einem großen Coup ein antikapitalistisches Statement zu setzen, finden die alte und die neue Generation schließlich zusammen. Die nun erwartbaren Ränkespiele und Ego-Shows bekommt man zwar auch (allerdings nur in gezielten Dosen), doch vor allem geht es in „Die Unfassbaren 3“, wie schon in den beiden Vorgängern, um Zusammenhalt. Nur wenn jede:r im Team seinen oder ihren Platz perfekt ausfüllt, funktioniert die Illusion im Gesamten, was der Film auch visuell mit zahlreichen Spielerein unterstreicht. Und für genau diese haben sich die Macher:innen ein weiteres Schauspiel-Schwergewicht mit ins Boot geholt.
„Rosamund Pikes ätzend-überhebliche Business-Lady wäre ohne ihren Nazi-Background genauso unausstehlich gewesen, wie sie es ohnehin schon ist. Doch vielleicht drückt man den nunmehr acht Illusionist:innen ja dadurch noch ein wenig mehr die Daumen.“
In die Rolle der macht- und geldgierigen Schurkin Veronika Vanderberg schlüpft in „Die Unfassbaren 3“ Rosamund Pike („Gone Girl – Das perfekte Opfer“). Die diamantenbesessene Milliardärin ist zwar ein dankbares Opfer, in der durch und durch auf leichtfüßige Unterhaltung angelegten Filmserie wirken die düsteren Hintergründe ihrer Figur und der ihrer Familie allerdings fast ein bisschen deplatziert. „Die Unfassbaren“ haben zwar schon immer in bester Robin-Hood-Manier die Reichen und Bösen hinters Licht geführt, um das Geld schließlich an die Bevölkerung zu verteilen oder die kriminellen Machenschaften ihrer Opfer an die Öffentlichkeit zu bringen. Doch mit Verbindungen in den Zweiten Weltkrieg fährt das vierköpfige Autorenduo diesmal allzu schwere Geschütze auf. Vor allem, weil es im weiteren Filmverlauf keine große Rolle mehr spielt. Rosamund Pikes ätzend-überhebliche Business-Lady wäre ohne ihren Nazi-Background genauso unausstehlich gewesen, wie sie es ohnehin schon ist. Doch vielleicht drückt man den nunmehr acht Illusionist:innen ja dadurch noch ein wenig mehr die Daumen – denn niemand führt die Reichen und Mächtigen so gewitzt hinters Licht wie die Protagonist:innen der „Now You See Me“-Filme.
Gewiss: Mittlerweile ist man gerade von der Inszenierung vieles gewohnt. Manche Set- und Zaubereipieces in „Now You See Me 3“ sind auch ein Stückweit eine Wiederholung dessen, was man bereits kennt. Ein Trick mit einem Flugzeug aus Teil zwei wird in Teil drei nahezu eins zu eins mit einem anderen Vehikel wiederholt. Der Überraschungseffekt ist beim neuen Film also längst nicht mehr so hoch wie noch den ersten beiden. Dazu weiß man mittlerweile einfach zu sicher, dass sich das Figurenarsenal viel zu akribisch vorbereitet, um schwerwiegende Fehler zu machen. Und wenn doch mal etwas daneben geht – jemand von ihnen im Gefängnis landet zum Beispiel – dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Rest des Teams mit großem Tamtam auch so ein Problem löst. Die hier dargestellten Zauber:innen sind mittlerweile zu nahezu unverwundbaren Held:innen geworden. Eine wirkliche Fallhöhe gibt es auf emotionaler Ebene kaum. Dafür rückt der Spaß an der Albernheit in Teil drei noch einmal mehr in den Fokus. Ein ernst zu nehmendes Antikapitalismus-Statement ist damit auch dieser Film nicht, aber er lässt einen all die hier angeprangerten Missstände, die da draußen ja nun mal wirklich vorherrschen, für rund 100 Minuten vergessen. Und das ist ja auch ein bisschen Magie.
Fazit: „Die Unfassbaren 3: Now You See Me“ ist ein unterhaltsamer, wenn auch inhaltlich vorhersehbarer Abschluss der beliebten Heist-Filmreihe. Trotz fehlender erzählerischer Tiefe und einiger Wiederholungen früherer Motive überzeugt der Film durch sein charmantes Ensemble, die gelungene Mischung aus Witz und Magie sowie das vertraute Gefühl, Teil eines großen Spektakels zu sein. Die neuen Figuren fügen sich harmonisch in das bestehende Team ein und sorgen für frische Akzente, auch wenn der große Überraschungsmoment ausbleibt. So bleibt der Film letztlich seinem Prinzip treu: weniger tiefgründige Reflexion als vielmehr glanzvolle Illusion.
„Die Unfassbaren 3: Now You See Me“ ist ab dem 13. November 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.


