Kategorie-Archiv: Wessels‘ Weekly

Das startet am 19. März 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 19. März. Die Corona-Krise hat die Welt fest im Griff. Auch Deutschland, wo für die kommende Startwoche gleich zwei große Kinostarts gestrichen wurden: „A Quiet Place 2“ und „Berlin, Berlin – Der Film“. Wie es mit „Der Fall Richard Jewell“ und „Waves“ aussieht, steht derzeit noch in den Sternen. Zu diesem Zeitpunkt gehen wir aber davon aus, dass die Filme starten. Und auch, wenn das diese Wochenvorschau sehr übersichtlich macht, kommt diese natürlich trotzdem. Und ansonsten gibt’s ja immer noch das Heimkino… 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER FALL RICHARD JEWELL | Regie: Clint Eastwood  | USA 2019

„Da ist eine Bombe im Centennial Park. Sie haben 30 Minuten.“ 1996 erfährt die Welt zum ersten Mal von dem Wachmann Richard Jewell, der berichtet, die Zündvorrichtung während eines Bombenanschlags auf ein Konzert in Atlanta gefunden zu haben – seine Schilderung macht ihn zum Helden, denn sein schnelles Handeln hat unzählige Leben gerettet. Aber nur wenige Tage später nimmt sein Leben eine komplette Wendung: Der Möchtegern-Gesetzeshüter wird zum Hauptverdächtigen des FBI, gleichermaßen diffamiert durch die Presse und die Öffentlichkeit. Unerschütterlich an seiner Unschuld festhaltend, sucht Jewell Hilfe bei dem Anwalt Watson Bryant. Doch Bryant sieht sich der vereinten Gewalt von FBI, Georgia Bureau of Investigation und Atlanta Police Department nicht gewachsen, den Namen seines Klienten reinzuwaschen…

Clint Eastwoods auf wahren Ereignissen beruhendes Justizdrama „Der Fall Richard Jewell“ ist die unaufgeregte Studie einer medialen Hetzjagd, an deren Ende es keine Gewinner gibt. Großartige Hauptdarsteller und eine präzise Inszenierung können über kleine Schönheitsfehler hinwegtäuschen.


JEAN PAUL GAULTIER: FREAK & CHIC | Regie: Yann L’Hénoret | FR 2018

Jean Paul Gaultier gilt bis heute als einer der bemerkenswertesten Modeschöpfer unserer Zeit. Mit seiner prunkvollen „Fashion Freak Show“, einem exzentrischen Mix aus Modenschau, Varieté, Zirkus und Tanzdarbietung, hat er rund um den Erdball für Aufsehen gesorgt. Auch außerhalb des Modebusiness. Die Entstehung dieses glamourösen Events, mit dem Gaultier und sein Team bis heute durch die Welt touren, dauerte über zwei Jahre. Nun lässt der Designer seine Zuschauer regelmäßig in ein provokatives Universum eintauchen, das dem Publikum auch die Persona Jean Paul Gaultier selbst ein Stück weit näherbringen soll. Mit seinen visionären Designs, high-style Choreographien, pulsierender Musik, extravaganten Kostümen und einer aufwändigen Inszenierung lotet der Meister die Grenzen der Modeszene aus – und „Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ ist hautnah mit dabei.

„Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ begleitet den Modeschöpfer und sein Team bei der zweijährigen Vorbereitung der sogenannten „Fashion Freak Show“ und gibt neue Blicke auf das Verständnis für Mode und Schönheit, aber auch auf das Leben Jean Paul Gaultiers selbst frei. Nicht nur für Modeliebhaber ein Must-See!


WAVES | Regie: Trey Edward Shults  | USA/CAN 2019

Der 18-jährige Tyler (Kelvin Harrison Jr.) ist erfolgreiche Ringkämpfer und an seiner Highschool sehr beliebt. Doch die sportlichen Leistungen kommen nicht von ungefähr: Allen voran Tylers Vater drillt seinen Sohn regelmäßig zu Höchstleistungen. Tylers Kindheit ist seit jeher davon geprägt, seinem Vater zu gefallen. Zeit für Entspannung bleibt da keine. Doch daraus schöpft er auch seinen Ehrgeiz. Tyler wünscht sich nichts mehr als ein Sportstipendium für eine begehrte Elite-Universität. Doch dann geschehen in Tylers Familie gleich mehrere tragische Vorfälle, die nicht nur sein Leben, sondern auch das Leben seiner Schwester Emily (Taylor Russell) auf den Kopf stellen. Es benötigt viel Zeit, um damit klarzu kommen. In ihrem zurückhaltenden Mitschüler Luke (Lucas Hedges) findet zumindest Emily einen aufmerksamen Zuhörer. Doch Tyler lebt weiterhin sein ruheloses Leben, in dem er zwangsläufig irgendwann ins Straucheln geraten muss…


SIBERIA | Regie: Abel Ferrera | IT/DE/MEX 2020

Clint (Willem Dafoe) ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

Der preisgekrönte US-Regisseur und Drehbuchautor (hier zusammen mit Christ Zois) Abel Ferrara schickt in dem magischen Drama „Siberia“ den großartigen Willem Dafoe („Der Leuchtturm“) auf eine aufregende Odyssee ins Unterbewusstsein. Seine Weltpremiere feierte der Film auf der Berlinale, wo er geteiltes Feedback erhielt.


Heimkinotipp: ZOMBIELAND: DOPPELT HÄLT BESSER | Regie: Ruben Fleischer | USA 2019

Zehn Jahre ist es her, seit Zombiehorden die Menschheit überrannt und einen Großteil der Bevölkerung dezimiert haben. Die letzten Überlebenden haben sich mit der Plage mittlerweile allerdings arrangiert. Wichita, Little Rock , Columbus und Tallahassee haben es sich im Weißen Haus gemütlich gemacht. Wenn sie nicht gerade Weihnachten feiern oder Untote (nochmal) killen, zelebrieren Wichita und Columbus ihre Liebe, während Tallahassee das Flügge werden der jüngsten Little Rock gar nicht so lieb ist. Als die beiden Frauen eines Tages Reißaus nehmen – wenngleich aus vollkommen unterschiedlichen Gründen – sind die zwei Männer wieder auf sich allein gestellt. Allerdings nicht lang, denn die Geschehnisse nehmen eine unerwartete Wendung. Und daran ist die ziemlich naive Madison nicht ganz unschuldig…

Wer Teil eins mochte, wird auch Teil zwei mögen und wer vom ersten Teil nicht so der Fan war, dem liefert Ruben Fleischer mit „Zombieland: Doppelt hält besser“ noch ein, zwei Gründe dafür an die Hand, warum das so sein könnte. Für die Fortsetzung hat sich der Regisseur nämlich sichtbar kritisch mit dem Vorgängerfilm auseinandergesetzt und generiert daraus einige neue Lacher. Auch die altbewährte Figurenkonstellation macht wieder viel Spaß. Nur der betont künstliche Look hinterlässt viele Fragezeichen.

Das startet am 12. März 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 12. März, der ohne nennenswert große Kinostarts verlaufen wird. Trotzdem lohnt sich der Blick auf „Narziss und Goldmund“, eine sehr gelungene Neu-Verfilmung des Hermann-Hesse-Klassikers. Auch das kinderaffine Drama „Zu weit weg“ ist einen Kinobesuch wert, ganz im Gegensatz zu highlightarmen Action-Komödie „Der Spion von nebenan“, an dem man vermutlich nur bis zu einem gewissen Alter Spaß haben kann – und wenn man noch nie einen Film dieser Art gesehen hat.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

NARZISS UND GOLDMUND | Regie: Stefan Ruzowitzky  | DE 2020

Nachdem er von seinem gewalttätigen Vater in ein Kloster abgeschoben wird, gibt sich der junge Goldmund (Jannis Niewöhner) ganz dem Glauben hin. Der gleichaltrige Narziss (Sabin Tambrea) nimmt sich hinter den Mauern von Mariabronn dem jungen Schüler an. Die harten Lehrjahre und die regelmäßigen Schläge der Lehrer schweißen die beiden Jungen eng zusammen. Diese Freundschaft wird auch dann noch bestehen, als sich Goldmund dazu entschließt, die Klostermauern zu verlassen und die Welt zu entdecken. Während Narziss weiter dem Glauben an Gott frönt, begibt sich Goldmund auf die Suche nach seiner Mutter und lernt in der großen weiten Welt Frauen, die Liebe und seine Leidenschaft für bildende Künste kennen. Doch das Schicksal treibt die beiden Männer einander immer wieder gegenseitig in die Arme, bis ihnen ausgerechnet ihre innige Freundschaft zum Verhängnis wird…

In dieser modernen Spielfilm-Interpretation von Hermann Hesses „Narziss und Goldmund“ prallt eine warmherzige Männerfreundschaft auf ein dreckig-ungeschöntes Umfeld. Genau dieser inszenatorische Kontrast macht die Arbeit des Genrefilmers Stefan Ruzowitzky so reizvoll.


ZU WEIT WEG | Regie: Sarah Winkestette | DE 2019

Da sein Heimatdorf einem Braunkohletagebau weichen soll, müssen Ben (Yoran Leicher) und seine Familie in eine andere Stadt ziehen. Während sich seine Schwester schnell einfügt, bleibt Ben in seiner neuen Schule für längere Zeit ein Außenseiter. Und auch im neuen Fußballverein laufen die Dinge für den im alten Club als so talentiert betrachteten Stürmer nicht wie gewohnt. Zu allem Überfluss gibt es dann auch noch einen weiteren Neuling an der Schule. Der syrische Flüchtling Tariq (Sobhi Awad) wird (ungewollt) zum neuen Mittelpunkt der Klasse und beweist dann auch noch auf dem Bolzplatz großes Talent. Nun muss sich zeigen, ob Ben fähig ist, das Konkurrenzdenken abzuschütteln und die Gemeinsamkeiten mit seinem „Kontrahenten“ zu entdecken. Denn eigentlich steht den beiden eine Freundschaft bevor…

Sarah Winkestettes „Zu weit weg“ ist ein zeitgemäßer, dramatischer Kinderfilm über das Können, sich in andere hineinzuversetzen. Die beiden jungen Hauptdarsteller spielen hervorragend auf. Lediglich die Tonabmischung erfordert – gerade für junge Zuschauer – ganz genaues Hinhören.


KEINE HALBEN SACHEN | Regie: Peter Segal  | USA 2020

Nach einer völlig missglückten Undercover-Mission bekommt der raubeinige CIA-Agent JJ (Dave Bautista) von seinem Boss (Ken Jeong) noch eine letzte Chance: Gemeinsam mit der verschrobenen Bobbi (Kristen Schaal) soll der hünenhafte JJ in Chicago die Wohnung einer jungen Witwe (Parisa Fitz-Henley) überwachen – der wohl langweiligste Job der Welt. Wäre da nicht deren blitzgescheite neunjährige Tochter Sophie (Chloe Coleman), die dem ungeschickten Muskelpaket schnell auf die Schliche kommt und ihn als Spion enttarnt. Doch statt ihn auffliegen zu lassen, bietet sie einen Deal an: ihr Schweigen gegen sein Spionage-Knowhow! Widerwillig lässt sich JJ auf den Handel ein und stellt bald fest, dass er Sophies entwaffnendem Charme nicht gewachsen ist – und von der vorlauten Göre noch eine Menge lernen kann. Die beiden ungleichen Zeitgenossen werden nach und nach Freunde, doch das ruft auch Bösewichte auf den Plan…

Peter Segal erweist sich einmal mehr als Auftragsregisseur ohne allzu viel Leidenschaft. Seine Action-Buddy-Comedy „Der Spion von nebenan“ bietet mit Ausnahme von zwei, drei gelungenen zwischenmenschlichen Momenten lediglich gelangweilt heruntergekurbelte Genreware vom Fließband. Daran ändert auch Charmebolzen Dave Bautista nichts.


LADY BUSINESS | Regie: Miguel Arteta | USA 2020

Mia und Mel (Tiffany Haddish und Rose Byrne) sind schon lange beste Freundinnen und leiten ihre eigene kleine Kosmetikfirma, die sie gemeinsam gegründet und aufgebaut haben. Eigentlich könnte alles bestens sein, doch finanziell steht den beiden Unternehmerinnen das Wasser bis zum Hals. Da erweist sich das lukrative Übernahmeangebot der berüchtigten Kosmetikmagnatin Claire Luna (Salma Hayek) als zu verlockend, um es auszuschlagen. Doch obwohl ihr Geschäft auf dem Verkauf von wohlriechenden Produkten basiert, müssen Mia und Mel bald feststellen, dass da etwas ganz gewaltig zum Himmel stinkt …

Glitzer. Glamour. Abgezockt! Miguel Arteta schickt Tiffany Haddish („Girls Trip“) und Rose Byrne („Plötzlich Familie“) in die Höhle der Löwin. Dort lauert die Oscar®-nominierte Salma Hayek („Killer’s Bodyguard“) als mit allen Wassern gewaschene Großunternehmerin der Kosmetikbranche.


DIE PERFEKTE KANDIDATIN | Regie: Haifaa Al Mansour  | SAU/DE 2019

Maryam ist Ärztin in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Trotz ihrer exzellenten Fähigkeiten muss sie sich jeden Tag aufs Neue den Respekt der Mitarbeiter und der Patienten erkämpfen. Wütend macht Maryam vor allem der Zustand der Straße vor der Klinik. Weil die Stadt die Zufahrt nicht asphaltiert, bleiben die Patienten regelmäßig im Schlamm stecken. Maryam will Veränderung und bewirbt sich um eine bessere Stelle in Dubai. Doch wegen einer Formalität und weil sie keine männliche Begleitung hat, lässt man sie nicht reisen. Maryam sucht Hilfe bei einem entfernten Cousin. Doch der Zufall will es, dass der als Beamter nur Kandidaten für die anberaumte Wahl des Stadtrats empfängt. Vor allem aus Trotz erklärt sich Maryam kurzerhand zur Kandidatin. Maryam und ihre beiden Schwestern treten eine Kampagne los, die nicht zu übersehen ist. Maryams Stimme wird lauter und lauter, ihre Auftritte mutiger, ihre Forderungen radikaler…


Heimkinotipp: GUT GEGEN NORDWIND | Regie: Vanessa Jopp | DE 2019

Ein verdrehter Buchstabe lässt eine E-Mail von Emma versehentlich bei Leo landen. Der Linguist antwortet prompt. Sie beginnen einen schnellen, lustigen und immer intimer werdenden E-Mail-Dialog, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Einige Wochen und viele gesendete und empfangene Nachrichten später wird daraus eine virtuelle Freundschaft. Leo und Emma beschließen zunächst, ihre Verbindung rein digital zu belassen als eine kleine Flucht vor dem Alltag. Dennoch: Die beiden vertrauen sich ihr Innerstes an und kommen sich auf dem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität immer näher. Und da stellt sich die Frage, ob sie sich nicht doch mal Angesicht zu Angesicht treffen sollten, denn ihre Schmetterlinge sind nicht nur digital.

Auch ohne große Konkurrenz im Genre möchten wir uns dieses Prädikat nicht nehmen lassen: Die exzellent gespielte und bebilderte Romanverfilmung „Gut gegen Nordwind“ ist eine der schönsten Liebesgeschichten des Jahres.

Das startet am 5. März 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 5. März, an dem die kleinen Filme die Qualitätsspitze anführen. Vor allem „Ip Man 4“ erweist sich auch für Nicht-Kenner der Reihe als absolut sehenswert. Inwiefern das auch bei der lang ersehnten Verfilmung der „Känguru-Chroniken“ zutrifft, darf bezweifelt werden. Und zwar nicht nur, weil die normalerweise in Kurzgeschichten erzählten Anekdoten des Beuteltieres als Langfilm einfach nicht funktionieren. Auch der neue Pixar enttäuscht. Dafür gibt’s für’s Heimkino ab kommender Woche den Oscar-Gewinner „Parasite“ zu kaufen. Ihr seht: Ihr habt die Qual der Wahl!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

IP MAN 4: THE FINALE | Regie: Wilson Yip  | HKG/CHN 2019

Der legendäre Kampfkünstler Ip Man (Donnie Yen) erhält die traurige Nachricht, dass er aufgrund einer Krebserkrankung bald sterben wird. Bevor es soweit ist, reist er allerdings nach San Francisco, um dort eine geeignete Schule für seinen Sohn zu finden und seinem Schüler Bruce Lee (Danny Chan Kwok-Kwan) beim Aufbau eines Wing-Chun-Trainingscenters zu unterstützen. Seine ungewöhnlichen Lehrmethoden sorgen für Anfeindungen von chinesischen und westlichen Martial-Arts-Kämpfern. Besonders brutal geht dabei Barton (Scott Adkins) vor, ein amerikanischer Marineoffizier, der die Auseinandersetzungen auf einen unausweichlichen Clash der Kampfkunst-Disziplinen zuspitzt: Welche Martial-Arts-Form ist die überlegene? Welche Nation kann den Sieg davontragen? Zum finalen Kampf um die Ehre des Wing Chun wird Großmeister Ip Man höchstpersönlich herausgefordert. Es soll sein letztes Gefecht sein…

Stimmungsvoll-emotionaler Abschied von Ip Man, gepaart mit einmal mehr spektakulären Karate-Fights: „Ip Man 4: The Finale“ macht trotz seiner mitunter billig anmutenden Kulissen sowie seiner Porno-Dramaturgie, in der die Sex-Szenen eben Kampfszenen sind, mächtig Laune und ist als Abschluss der Reihe nicht nur für Fans unbedingt sehenswert.


KAHLSCHLAG | Regie: Max Gleschinski | DE 2018

Martin (Florian Bartholomäi) und Eric (Bernhard Conrad) verbindet eine Kindheitsfreundschaft. Schon als kleine Jungen fuhren sie jeden Sonntag zum Angeln an den Stausee, und schon als Kinder verliebten sie sich in dasselbe Mädchen: Frenni. Heute, 20 Jahre später, lebt Martin mit Frenni (Maike Johanna Reuter) in einem beschaulichen Einfamilienhaus auf dem Hof seiner Eltern, nachdem Frenni einst auch mit Eric zusammen war. Doch die Beziehung ging durch unglückliche Umstände in die Brüche. Der Kontakt mit Eric ist nach diesem schrecklichen Vorfall abgebrochen, bis er eines Tages vor ihrer Tür steht und Martin um einen letzten gemeinsamen Ausflug an den See bittet. Widerwillig kommt Martin mit, doch der Trip entpuppt sich bald als eine Reise ins Herz der Finsternis. Während sich die Situation zwischen den Freunden am See immer weiter zuspitzt, ist auch Frenni alarmiert und versucht, an den See zu gelangen…

Ein Regiedebüt mit Potenzial: Max Gleschinski zeigt schon jetzt beeindruckende Ambitionen, indem er sein Publikum insbesondere in der ersten Hälfte mit vielen Zeitsprüngen fordert und das zentrale Ereignis in „Kahlschlag“ mit fast eleganter Rigorosität inszeniert. In der zweiten Hälfte wird’s dann konventioneller und nicht mehr ganz so mitreißend. Trotzdem will man von diesem Team – egal ob vor oder hinter der Kamera – unbedingt mehr sehen.


ONWARD – KEINE HALBEN SACHEN | Regie: Dan Scanlon  | USA 2020

New Mushroomton ist eine Welt voller Zauber und wunderbarer Wesen. Oder besser gesagt: Sie war es einmal. Denn leider ist die Magie fast vollständig aus der beschaulichen Vorstadt verschwunden. Mittlerweile gehören Müll fressende Einhörner zum Stadtbild und magische Geschöpfe wie etwa Drachen findet man hier allenfalls als Haustiere wieder. Doch eines Tages erhalten die Brüder Ian und Barley von ihrer Mutter die einmalige Chance, zumindest in ihr Leben wieder einen Hauch von Magie zu lassen: Mithilfe eines Zauberstabs kann es ihnen gelingen, ihren toten Vater für einen ganzen Tag wieder zurückzuholen. Doch bei dem Versuch geht etwas gewaltig schief. Und so müssen die beiden das erste Mal seit langer Zeit wieder an einem Strang ziehen und auf einem abenteuerlichen Roadtrip eine Reihe gefährlicher Aufgaben erfüllen, eh sie ihren Dad wieder in ihre Arme schließen können…

Routiniert drückt „Onward – Keine halben Sachen“ die bewährten Pixar-Emotionsknöpfe. Doch ausgerechnet bei einem Film über Magie bleibt der heraufbeschworene Zauber aus. Was bleibt ist ein solider Abenteuer-Roadtrip, der als smarter Kommentar auf die zunehmende Verrohung der Menschheit leider hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.


EMMA. | Regie: Autumn de Wilde | UK 2020

England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy), schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst. Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet (Mia Goth), die sich in die „feine Gesellschaft“ noch nicht zu hundertprozent gefügt hat. Aber trotz Emmas unbegrenzten Vertrauens in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.

Jane Austen trifft „The Favourite“: Bei der neuen Verfilmung des Bestsellers „Emma.“ weiß man nie so ganz, ob das Ganze nun Parodie, aufrichtige Romanze, beides oder nichts von alledem sein soll. Das macht den Film nur phasenweise amüsant, da man sich die restliche Zeit über fragt, wie der Film wohl geworden wäre, hätte man sich auf eine tonale Balance einigen können.


DIE KÄNGURU-CHRONIKEN | Regie: Dani Levy  | DE 2020

Eines Tages steht es plötzlich vor Marc-Uwes Tür: ein Känguru, seines Zeichens Kommunist und ganz verrückt nach Pfannkuchen. Erst möchte es sich nur Eier ausborgen. Anschließend Milch, einen Schneebesen, den Herd und schließlich zieht es mit Sack und Pack bei seinem Nachbarn ein. Aus einer Zweckgemeinschaft wird eine Freundschaft, denn schon bald stellen Marc-Uwe und das Känguru fest, dass sie einen gemeinsamen Feind haben: den rechtspopulistischen Immobilienhai Dwigs, der das Wohnviertel der beiden abreißen und das Prestigeprojekt eines Wolkenkratzers darauf errichten will. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin Maria, in die Marc-Uwe heimlich verliebt ist, schmieden er und das Känguru einen Plan, wie sie Dwigs zu Fall bringen können. Doch damit der gelingt, müssen sie sich nicht nur einer Horde gewaltbereiter Nazis entgegenstellen, sondern auch schon mal ein teures Auto in einem Pool versenken.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Dani Levys Verfilmung der beliebten „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling ist nicht annähernd so pointiert und politisch klug beobachtend wie es die Bücher sind. Dafür überzeugen die Animation des Kängurus und der Cast.


Heimkinotipp: PARASITE | Regie: Joon-ho Bong | KOR 2019

Familie Kim lebt in einer heruntergekommen Wohnung ohne direktes Sonnenlicht. Vater Ki-taek und Mutter Chung-sook sind seit Jahren arbeitslos. Die erwachsenen Kinder hausen ebenfalls hier. Ihr aller Abendessen besteht meist aus einer Tüte Instantnudeln und einer durch vier geteilten Dose Bier. Die einzigen Einkommensquellen der Kims sind kleine Gaunereien und das Zusammenfalten von Pizza-Kartons. Durch einen ehemaligen Schulfreund kommt Ki-woo eines Tages an die Stelle als Nachhilfelehrer für die Tochter eines wohlsituierten Geschäftsmannes. Dort erschleicht er sich das Vertrauen der Gattin seines neuen Chefs. Es gelingt ihm, seiner Schwester eine Anstellung als Kunst-Pädagogin für den komplett untalentierten Sohn zu beschaffen. Schließlich intrigieren die Geschwister so lange, bis die restlichen Angestellten der Parks durch ihre Eltern ersetzt werden…

Glaubhafte, relevante Gesellschaftskritik im Gewand ausgesprochen cleverer Popcorn-Unterhaltung – Joon-ho Bong gelingt mit „Parasite“ ein bravouröser Spagat zwischen den Genres.

Das startet am 27. Februar 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 27., die so einige Perlen bereithält – auch wenn wir noch längst nicht über alle schreiben dürfen. Dafür über den neuen Guy-Ritchie-Film, über das bei den Oscars sträflich übergangene Drama „Just Mercy“ und über „Systemsprenger“, der ab dieser Woche nicht mehr nur bei Netflix, sondern endlich auch auf DVD und Blu-ray zu haben ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE GENTLEMEN | Regie: Guy Ritchie  | USA 2019

Smart, knallhart und mit genialem Gespür fürs Geschäft hat sich der Exil-Amerikaner Mickey Pearson über die Jahre ein millionenschweres Marihuana-Imperium in London aufgebaut und exportiert feinsten Stoff nach ganz Europa. Doch Mickey will aussteigen, endlich mehr Zeit mit seiner Frau Rosalind verbringen und auf legalem Weg das Leben in Londons höchsten Kreisen genießen. Ein Käufer für die landesweit verteilten – und dank des chronisch geldknappen Landadels gut versteckten – Hanf-Plantagen muss her. Auftritt: Matthew Berger. Der exzentrische Milliardär bietet eine hohe Summe, will jedoch Garantien sehen. Und das ausgerechnet in dem Moment, in dem sämtliche Groß- und Kleinkriminellen der Stadt Wind von Mickeys Plänen bekommen haben – von Triaden-Boss Lord George über den durchgeknallten Emporkömmling Dry Eye bis hin zum schmierigen Privatdetektiv Fletcher.

Straßenköter in Maßanzügen – „The Gentlemen“ ist Guy Ritchies Antwort auf „Kingsman“, ein Spagat zwischen „Snatch“ und „Codename U.N.C.L.E.“, vielleicht ein Abschied vom Genre, aber auf jeden Fall eine hoch unterhaltsame Crime-Comedy , die von ihrem Style, ihrem Humor, ihren Schauspielern und jeder Menge Widersprüchen lebt.


DER UNSICHTBARE | Regie: Leigh Whannell  | AUS/USA 2020

Cecilia Kass (Elisabeth Moss) fühlt sich in der von Gewalt geprägten Beziehung mit einem wohlhabenden und genialen Wissenschaftler gefangen. Um sich vor ihrem kontrollsüchtigen Partner zu verstecken, flieht sie mitten in der Nacht, mit Hilfe ihrer Schwester (Harriet Dyer), ihres Kindheitsfreundes James (Aldis Hodge) und seiner Teenager-Tochter Sydney (Storm Reid). Doch auch hier fühlt sie sich nicht sicher. Als ihr handgreiflicher Ex Adrian (Oliver Jackson-Cohen) auch noch Selbstmord begeht und ihr einen erheblichen Teil seines großen Vermögens hinterlässt, befürchtet Cecilia, er habe seinen Tod inszeniert. Tatsächlich beginnt anschließend eine Serie unheimlicher Zufälle mit tödlichem Ausgang, deren Ziel ihre am meisten geliebten Menschen sind. Verzweifelt versucht Cecilia nun zu beweisen, dass sie von etwas gejagt wird, das niemand sehen kann. Ein Kampf, der sie zunehmend an den Rand des Wahnsinns treibt.

Am Ende geht „Der Unsichtbare“ ein wenig die Puste auf. Davor gelingt Leigh Whannell allerdings ein sehr smartes, atmosphärisch inszeniertes Drama über häusliche Gewalt und Missbrauch, das den gut getricksten Unsichtbarkeits-Überbau eigentlich gar nicht bräuchte, um verdammt unheimlich zu sein.


JUST MERCY | Regie: Destin Daniel Cretton | USA 2019

Nach Abschluss seines Studiums in Harvard hätte sich der junge Anwalt Bryan Stevenson lukrative Jobs aussuchen können. Stattdessen geht er nach Alabama, um zusammen mit der ortsansässigen Anwältin Eva Ansley Menschen zu verteidigen, die zu Unrecht verurteilt wurden oder sich keine angemessene Verteidigung leisten konnten. Einer seiner ersten und explosivsten Fälle ist der von Walter McMillian, der 1987 für den berüchtigten Mord an einer 18-Jährigen zum Tode verurteilt wurde, obwohl die meisten Indizien seine Unschuld bewiesen und die einzige Zeugenaussage gegen ihn von einem Kriminellen stammte, der ein Motiv hatte zu lügen. In den folgenden Jahren verwickelt Bryans Kampf für Walter und viele andere ihn in ein Labyrinth aus juristischen und politischen Manövern und konfrontiert ihn mit offenem und ungeniertem Rassismus, während die Gewinnchancen gegen sie stehen.

Mit „Just Mercy“ liefert Regisseur Destin Daniel Cretton ein erzählerisch zwar wenig spektakuläres, dafür umso intensiver gespieltes Drama über die ein krankes US-Rechtssystem ab, an dessen Ende Niemand mehr auf die Idee kommen dürfte, dass die Todesstrafe eine gute Erfindung ist.


ANDERS ESSEN – DAS EXPERIMENT | Regie: Kurt Langbein, Andrea Ernst  | DE 2020

Wissenschaftlern ist es erstmals in Europa gelungen zu berechnen, welche Fläche für unsere Ernährungsgewohnheiten tatsächlich benötigt wird. Das Ergebnis: Jede/r von uns braucht fürs Essen ein Feld in der Größe von 4.400 Quadratmetern – ein kleines Fußballfeld. Zwei Drittel dieses Feldes stehen im Ausland – und zwei Drittel dienen nicht dem direkten Konsum, sondern der Tierfütterung. Würden alle so essen, bräuchten wir zwei Erden – weltweit stehen einem Menschen lediglich 2.200 Quadratmeter zur Verfügung. Der Film zeigt die Folgen im globalen Süden und auf den Weltmeeren. Und: unsere Lebensmittel verursachen so viel Treibhausgase wie der Autoverkehr. Dass es auch anders geht, zeigen drei Familien im Selbstversuch: Sie wollen ihren Flächenverbrauch verringern, fairer und umweltverträglicher essen. Anders kochen, mit weniger Fleisch. Anders essen, mit mehr Freude. Anders einkaufen, regional und saisonal. Wird es gelingen?

„Anders essen – Das Experiment“ wird vielleicht seinem Titel nicht ganz gerecht, da es hier nicht zwingend darum geht, Familien bei einem Ernährungsexperiment zuzusehen. Stattdessen geht es darum, Ernährungsweisen im Allgemeinen unter die Lupe zu nehmen und sie mit Wissen ob der Hintergründe zu Entstehung und Co. anzureichern. Als solcher Film ist die 84-minütige Dokumentation mehr als gelungen.


CHAOS AUF DER FEUERWACHE | Regie: Andy Fickman  | USA/CAN 2019

Jake Carson (John Cena) hat als Leiter einer Feuerwache alles im Griff. Für ihn ist kein Einsatz zu schwer, kein Feuer zu heiß. Auch seine Elite-Einheit rund um seine Kollegen Mark (Keegan-Michael Key), Rodrigo (John Leguizamo) und Axe (Tyler Mane) steht immer im Dienst ihrer lebensrettenden Arbeit, bis sie ein neuer Einsatz das erste Mal bis an die Grenze ihrer Belastungsfähigkeit führt. Bei einem Waldbrand retten sie die drei Geschwister Brynn (Brianna Hildebrand), Will (Christian Convery) und Zoey (Finley Rose Slater), die fortan ohne ihre Familie dastehen. Denn die Eltern sind für die Babysitter wider Willen partout nicht erreichbar. Notgedrungen übernimmt das Team selbst die Verantwortung und passt auf die drei Geschwister auf. Eine völlig neue Aufgabe für die knallharten Kerle, deren Leben durch die Kids vollends auf den Kopf gestellt wird.

„Chaos auf der Feuerwache“ ist eine harmlose Fish-out-of-Water-Comedy von der Stange, die der Zielgruppe der „Daddy ohne Plan“-Fans gefallen wird. Alle anderen Feuerwehr-Interessierten schauen stattdessen einfach das 2018 erschienene Drama „No Way Out“ für mehr Drama oder „Dating Queen“ für mehr absurden John-Cena-Humor.


Heimkinotipp: SYSTEMSPRENGER | Regie: Nora Fingscheidt | DE 2019

Laut, wild, unberechenbar: Benni! Die Neunjährige treibt ihre Mitmenschen zur Verzweiflung. Dabei will sie nur eines: wieder zurück nach Hause! Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Dabei will Benni (Helena Zengel) eigentlich nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei Mama wohnen! Doch Bianca (Lisa Hagmeister) hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha (Albrecht Schuch), sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien, indem er mit ihr in eine einsame Waldhütte fährt. Doch damit fangen die Probleme – zumindest für ihn – erst so richtig an…

Am Ende von „Systemsprenger“ ist man erst einmal ganz schön geschafft, denn das, was die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten zehnjährige Newcomerin Helena Zengel hier für einen Perforceritt abliefert, ist für den Zuschauer regelrecht am eigenen Leib zu spüren. Dass bei so einer bärenstarken Performance der eigentliche Kern der Geschichte nicht ins Hintertreffen gerät, ist der hervorragenden Schreib- und Inszenierungsleistung von Nora Fingscheidt zu verdanken, die mit ihrem Film gute Chancen auf den Oscar haben dürfte.

Das startet am 20. Februar 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 20. Februar, der darunter leidet, dass wir über kaum etwas bereits berichten dürfen. „Fantasy Island“ wurde der Presse gar nicht erst gezeigt und „Ruf der Wildnis“ sowie“The Boy II“ haben noch ein Embargo bis kurz vor ihrem Kinostart. Also müsst ihr euch mit dem Folgenden zufrieden geben: Einer euphorischen Besprechung von „Lassie“ sowie dem Geheimtipp „Bliss“. Hoffentlich reicht euch das vorerst… 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

LASSIE | Regie: Hanno Olderdissen  | DE 2020

Der zwölfjährige Flo (Nico Marischka) hat es nicht leicht. Gerade erst ist seine Fmilie mit ihm umgezogen, nachdem sein Vater seinen Job verlor. An der Schule gewöhnt er sich nur schwer ein, wird gehänselt und findet schlecht Anschluss. Als er dann auch noch seine geliebte Hündin Lassie abgeben muss, weil die Vermieterin keinen Hund in der Wohnung duldet bricht für Flo eine Welt zusammen. Auch seine Eltern (Sebastian Bezzel und Anna Maria Mühe) können ihn nicht trösten. Der kluge Vierbeiner kommt in die Obhut des mit Flos Vater befreundeten Grafen von Sprengel (Matthias Habich) und dessen Enkelin Priscilla (Bella Bading). Beide nehmen Lassie mit an die Nordsee, wo sie jedoch schon bald die Flucht ergreift. Für die Hundedame beginnt eine abenteuerliche Reise quer durch Deutschland. Eine Reise zurück zu Flo.

Gut gemacht, groß gedacht und mit Freude vorgetragen: Hanno Olderdissens Neuverfilmung des Hunde-Klassikers, „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“, ist eine Abenteuerkomödie für die ganze Familie, an der es absolut nichts auszusetzen gibt.


BLISS | Regie: Joe Begos | USA 2019

Dezzy ist freischaffende Künstlerin  – und sie befindet sich in einer Schaffenskrise. Schon seit Monaten hat sie kein Bild mehr zu Ende gemalt, weshalb ihr ihr Manager schon im Nacken sitzt. Allein im Rausch kommt sie mit ihrer Arbeit wenigstens vorwärts – also beschließt sie, es nun allen zu zeigen und in einem Endspurt ihr neustes Werk zu vollenden. Was für ein Glück, dass ihr Dealer-Kumpel Hadrian gerade einen neuen Koksverschnitt anbietet, der eine Mischung aus allen Effekten jeder bekannten Droge verspricht. Dezzy kennt aber keine Zurückhaltung, und so dauert es nicht lange, bis sie Hadrians gut gemeinte Ratschläge, wie Diabolo zu dosieren ist, völlig über Bord wirft. Ebenso schnell verpufft ihre Erinnerung an die letzte Nacht. Aber das ist ihr völlig egal: Das Bild kommt vorwärts, Dezzy fühlt sich wie ein anderer Mensch; irgendetwas in ihr bringt sie zu einer bislang fremden Form der Ekstase…

Laut, siffig, dunstig, bunt, hart und böse: Joe Begos‘ Fantasy-Filmfest-Highlight und Genre-Bastard „Bliss“ ist je nach Sichtweise kunstvoller Schund. Oder sündige Kunst. Aber auf jeden Fall sehenswert für alle, die im Genre auch für abseitige Kunst zu haben sind.


RUF DER WILDNIS | Regie: Chris Sanders  | USA 2020

Bucks glückliches Hundeleben wird vollkommen auf den Kopf gestellt, als er seinem liebevollen Zuhause in Kaliforniern entrissen wird und sich plötzlich in der fremden Wildnis Alaskas zu Zeiten des Goldrauschs wiederfindet. Er wird in ein Rudel von Post-Schlittenhunden unter der Führung eines strengen, aber immer um seine Schützlinge besorgten Postboten gesteckt und muss sich hier erst einmal behaupten. Doch die Zeit im Rudel ist schnell vorbei und er landet in den Händen eines brutalen Hundeführers, unter dessen Obhut er es nicht gut hat. Nachdem Buck einen gefährlichen Befehl verweigert, wird er lebensgefährlich verletzt. Zum Glück findet ihn John Thornton, der Buck wieder aufpäppelt und gesundpflegt. Die beiden werden unzertrennliche Freunde und für Buck beginnt das Abenteuer seines Lebens, bis er schließlich seinen wahren Platz in der Welt findet.

Viel besser als erwartet aber noch immer zu unentschlossen, um richtig gut zu sein: „Ruf der Wildnis“ ist zu kindlich für ein erwachsenes Jack-London-Publikum und zu düster für Kinder. Das bedeutet jedoch nicht, dass einem die Freundschaft zwischen dem vollanimierten Vierbeiner und dem Vollbart tragenden Harrison Ford nicht doch immer wieder zu Herzen geht.


BRAHMS: THE BOY II | Regie: William Brent Bell  | USA 2020

Liza (Katie Holmes) und Sean (Owain Yeoman) bilden gemeinsam mit ihrem Sohn Jude (Christopher Convery) eine glückliche Familie. Bis diese Harmonie eines Tages in ihren Grundfesten erschüttert wird: Mutter und Sohn werden Opfer eines Überfalls, in dessen Folge der Junge von heute auf morgen aufhört, mit seiner Umgebung zu kommunizieren. Ums ich von diesem Trauma zu erholen, zieht die Familie weit weg vom Ort des Grauens und zieht in das Gästehaut des Heelshire Anwesens. Doch keiner von ihnen ahnt, welche Schreckliche Vergangenheit diesen Ort überschattet. Als Jude zur Überraschung seiner Eltern vor Ort einen neuen Freund findet, scheint zunächst alles in Ordnung. Doch bei diesem neuen Freund handelt es sich nicht etwa um einen gleichaltigen Jungen, sondern um Brahms, eine Porzellanpuppe, deren Einfluss auf das jüngste Familienmitglied zunehmend beängstigende Züge annimmt…

Vom Gruselfaktor her steht „Brahms: The Boy II“ seinem mauen Vorgänger in Nichts nach und eignet sich damit hervorragend für Horror-Einsteiger. Wer den ersten Teil allerdings gerade aufgrund seiner durchaus überraschenden Auflösung mochte, wird vom Sequel mehr als enttäuscht. Denn das, was „The Boy“ ausmachte, scheint in „The Boy II“ vergessen.


FANTASY ISLAND | Regie: Jeff Wadlow  | USA 2020

In der Blumhouse-Neuinterpretation „Fantasy Island“ lässt der mysteriöse Mr. Roarke (Michael Peña) die geheimsten Wünsche seiner glücklichen Gäste in einem luxuriösen, aber abgelegenen tropischen Resort wahr werden. Doch als sich ihre Fantasien in Alpträume verwandeln, müssen die Gäste das Geheimnis der Insel lüften, um ihr zu entkommen und das eigene Leben zu retten.

Die Hauptrollen in „Fantasy Island“ spielen Michael Peña („Ant-Man“), Maggie Q („Die Bestimmung“-Reihe), Lucy Hale („Wahrheit oder Pflicht“), Austin Stowell („Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“), Jimmy O. Yang („The Happytime Murders“), Portia Doubleday („Her“), Ryan Hansen („Central Intelligence“) und Michael Rooker („Guardians of the Galaxy“-Reihe). Regie führte Jeff Wadlow („Wahrheit oder Pflicht“), der auch mit Chris Roach und Jillian Jacobs das Drehbuch nach der Vorlage von Gene Levitt verfasste.


CRONOFOBIA | Regie: Francesco Rizzi | CH 2018

Suter (Vinicio Marchioni) ist ein mysteriöser, eigenbrötlerischer Mann, permanent in Bewegung und auf der Flucht vor sich selbst. Den Tag über reist er durch die Schweiz, in seinem anonymen weißen Transporter. In der Nacht beobachtet er heimlich das Leben von Anna (Sabine Timoteo), einer rebellischen Frau, die ein großes Trauma zu überwinden versucht. Und die letztlich genau so allein ist wie Suter.

Als die Frau seine Obsession für sie entdeckt, ist sie zunächst unsicher. Doch schon bald entspinnt sich eine eigenwillige Form von Intimität zwischen den beiden, die bald in eine zärtlich-verstörende Beziehung mündet. Aber das zerbrechliche Gleichgewicht ist bedroht von einem dunklen Geheimnis. Denn beide haben einander nicht von Anfang an die Wahrheit über sich erzählt…


Heimkinotipp: DORA UND DIE GOLDENE STADT | Regie: James Bobin  | USA/MEX/AUS 2019

Wohlbehütet wächst die kleine Dora bei ihren Entdecker-Eltern Cole und Elena im Dschungel auf. Als Teenagerin treibt es Dora schließlich in die Großstadt. An der Seite ihres Cousins Diego lernt sie die Gepflogenheiten an einer ganz normalen High School kennen, stößt ihrer Mitschüler mit ihrer offenen und herzlichen Art aber auch immer wieder vor den Kopf. Schon bald fühlt sich Dora gar nicht mehr so wohl in ihrer Haut und möchte am liebsten in den Dschungel zurück. Ein Ausflug in ein Museum soll die gewünschte Abwechslung bringen, doch vor Ort werden Dora, Diego und zwei weitere Mitschüler entführt. In den Dschungel. In die Nähe des Entdeckercamps ihrer Eltern. Zwar können sich die Teenager befreien und auch ihren geliebten Affen Boots findet Dora schnell wieder. Doch die Ganoven scheinen mit den Kids etwas Besonderes vorzuhaben.

Die Zeichentrickserienverfilmung „Dora und die goldene Stadt“ ist ein rundum gelungenes Dschungel-Abenteuer, das für die Kleinen Slapstick und wohldosiertes „Jumanji“-Flair bereithält und die Erwachsenen mit viel, viel Meta-Humor verzückt, da Regisseur James Bobin ganz genau weiß, was für einen Film er hier inszeniert hat.

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