Kategorie-Archiv: Wessels‘ Weekly

Das startet am 27. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 27. Juli, der zu den besten des bisherigen Jahres gehört. Mit „The Party“ und „Baby Driver“ gibt es direkt zwei Kandidaten, die zu den Must-Sees 2017 gehören – mit letztgenanntem könnte es, nach überragendem Kritikerfeedback, vielleicht sogar mal einen Überraschungshit an den Kinokassen geben. Der dritte Teil der „Ostwind“-Reihe hat dank seiner treuen Fanbase mindestens eine Million Zuschauer sicher, wie man hierzulande hingegen auf den sehr amerikanischen „Dunkirk“ reagieren wird, kann ich nicht abschätzen. Der Rest läuft unter dem Radar. In Ermangelung an Genre-Konkurrenz könnte höchstens „Wish Upon“ noch ein wenig was reißen. Warten wir es mal ab…

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE PARTY  | Regie: Sally Potter | UK 2017

Um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett zu feiern, lädt die ehrgeizige Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) enge Freunde und Mitstreiter in ihr Londoner Stadthaus. Als ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) mit einem brisanten Geständnis herausplatzt, nimmt die Party eine überraschende Wendung. Plötzlich offenbaren auch die anderen Gäste lang gehütete Geheimnisse, woraufhin Beziehungen, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe in Frage gestellt werden. Innerhalb kürzester Zeit kippt die kultivierte Atmosphäre in ein emotionales Chaos aus gegenseitigen Anschuldigungen. Während im Ofen die Häppchen verbrennen, fliegen im Wohnzimmer die Fetzen wie die Whiskeygläser und die Party steuert unaufhaltsam auf den großen Knall zu. 

„The Party“ ist zugleich bitterböses wie hochgradig unterhaltsames Schauspielkino vom Feinsten, das die im Kern so unmenschlichen Machenschaften der (britischen) Politbühne mit den finsteren Abgründen der menschlichen Psyche verbindet. Was für ein Spektakel!


BABY DRIVER  | Regie: Edgar Wright | UK/USA 2017

Der talentierte junge Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort), verlässt sich seit einem schweren Autounfall, das ihm einen Tinnitus verschaffte, ganz auf den Beat seiner persönlichen Playlist, um der Beste in seinem Job zu werden. Als er in einem Diner das Mädchen seiner Träume trifft (Lily James), sieht Baby endlich eine Chance, seine kriminelle Karriere endgültig an den Nagel zu hängen und einen sauberen Ausstieg zu schaffen. Tatsächlich scheint ihm das auch zu gelingen. Fortan verdient er sein Geld als Pizzabote. Aber nachdem er gezwungen wird, für einen Gangsterboss (Kevin Spacey) zu arbeiten und ein zum Scheitern verurteilter Raubüberfall sein Leben, seine Liebe und seine Freiheit gefährdet, muss er für seine Handlungen geradestehen.

In seinem Actionmusical „Baby Driver“ lässt Edgar Wright Newcomer Ansel Elgort zum Sound cooler Evergreens über die Leinwand jagen und präsentiert perfekt auf den Beat der Musik geschnittene Verfolgungsjagden und Schießereien, die in ihrer Brillanz sogar einem „Mad Max“ Konkurrenz machen. Dass die Story da nur die zweite Geige spielt, ist absolut in Ordnung.


OSTWIND – AUFBRUCH NACH ORA  | Regie: Katja von Garnier | DE 2017

Mika kehrt Gut Kaltenbach den Rücken, um sich mit ihrem Hengst Ostwind in den südlichsten Zipfel von Spanien durchzuschlagen. Dort will sie den sagenumwobenen Ort Ora finden, den sie in ihren Träumen sieht und wo Ostwind seine Wurzeln hat. Auf einer einsamen Hacienda lernt Mika die selbstbewusste Sam kennen. Sie hilft ihrem Vater Pedro dabei, den Pferdehof am Laufen zu halten. Seit Jahren liegt Pedro im erbitterten Streit mit seiner Schwester Tara, die nichts davon hält, Pferde einzuzäunen und in Boxen zu halten, sondern lieber mit ihnen zusammen in Freiheit lebt. Mika ist beeindruckt von Tara, die Pferde noch besser zu verstehen scheint als sie selbst. Als die Stadt droht, die unberührte Naturmit der wichtigsten Wasserquelle für den Lebensraum der Wildpferde platt zu walzen, hat Mika die zündende Idee in der Not

Der erste Teil bleibt immer noch der beste. Doch „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ überragt nicht bloß dank seiner furiosen Bebilderung den zweiten um Längen. Als esoterisch angehauchte Sinnsuche in bester Pferdemärchen-Manier gelingt es Katja von Garnier und ihrem jungen Ensemble, die Faszination Pferd ungefiltert auf die Leinwand zu bringen.


DUNKIRK  | Regie: Christopher Nolan | FR/NED/USA/UK 2017

An der Küste der französischen Hafenstadt Dünkirchen sind Hunderttausende britischer und alliierter Truppen vom Feind eingeschlossen. Ein Entkommen scheint es aus dieser misslichen Lage nicht mehr zu geben. Am Strand haben sie sich bis ans Meer zurückgezogen – und befinden sich damit in einer ausweglosen Situation. Zu Land, auf dem Wasser und in der Luft spielen sich ergreifende Schicksale ab: Spitfires der Royal Air Force attackieren den Feind im Himmel über dem Ärmelkanal, um die wehrlosen Männer am Strand zu schützen. Gleichzeitig starten Hunderte von Soldaten und Zivilisten mit kleinen Booten eine verzweifelte Rettungsaktion und riskieren bei diesem Wettlauf gegen die Zeit ihr Leben, um zumindest einen Teil der britischen Armee zu retten.

Christopher Nolans Kriegsepos „Dunkirk“ ist ein technischer Meilenstein, das mit gewaltigen Bildern und einem nie da gewesenen Sounddesign besticht. Erzählerisch kommt der Film ohne eine richtige Handlung aus, doch gerade weil dadurch nicht zuletzt auch die schablonenhaft bleibenden Charaktere zu leiden haben, bleibt einem am Ende vor allem das Staunen ob der inszenatorischen, weniger der erzählerischen Brillanz.


PARADIES  | Regie: Andrey Konchalovskiy | RUS/DE 2016

Frankreich im Zweiten Weltkrieg: Die adlige Exilrussin Olga engagiert sich heimlich für die französische Widerstandsbewegung. Die gefährliche Tätigkeit wird ihr zum Verhängnis, als deutsche Besatzer bei einer Razzia in ihrer Wohnung zwei jüdische Kinder entdecken, die sie dort versteckt hält. Im Gefängnis fällt die elegante junge Frau dem Nazi-Kollaborateur Jules auf , der für ihren Fall zuständig ist. Der Familienvater stellt ihr eine mildere Bestrafung in Aussicht, sollte sie seinen sexuellen Avancen nachgeben. Olga ist zu allem bereit, um ihre Freiheit wiederzuerlangen und willigt ein. Doch als Jules auf unerklärliche Weise verschwindet, wird sie umgehend in ein Konzentrationslager gebracht. Inmitten dieser Hölle auf Erden trifft sie völlig unverhofft auf ein bekanntes Gesicht: Helmut, der sich während eines weit zurückliegenden Sommers in Friedenszeiten in sie verliebte und immer noch Gefühle für sie hegt.

„Paradies“ ist ein langes, schweres und dadurch äußerst zermürbendes Kriegsdrama, das von drei miteinander verbundenen Schicksalen erzählt, die alle eines gemeinsam haben: Schmerz. Dabei mangelt es dem Regisseur Andrey Konchalovskiy weniger an künstlerischem Gespür, als vielmehr daran, der Geschichte abseits ihrer betonten Ausweglosigkeit ansatzweise dynamische Facetten zu verleihen. Dadurch strapaziert nicht nur die Thematik an sich die Nerven der Zuschauer, sondern auch die schiere Endlosigkeit.


WISH UPON  | Regie: Lucien Jean-Baptiste | FR/BEL 2016

Die 17-jährige Clare Shannon (Joey King) und ihre Freundinnen Meredith (Sydney Park) und June (Shannon Purser) haben es an der Highschool nicht leicht. Clares Vater (Ryan Phillippe) schenkt ihr eines Tages eine alte Spieluhr mit einer Inschrift, die besagt, dass dem Besitzer der Uhr alle Wünsche in Erfüllung gehen sollen. Clare hat nichts zu verlieren und spricht ihren ersten Wunsch aus. Zu ihrer Überraschung erfüllt er sich! Kurze Zeit später besitzt sie alles, was sie sich jemals erhofft hat: Geld, Ansehen und ihren Traumprinzen. Alles scheint perfekt zu sein. Doch dann sterben die Menschen, die ihr am nächsten stehen, auf grausame Art und Weise. Clare hat Blut an ihren Händen und muss die Spieluhr loswerden, bevor sie selbst und alle, die sie liebt, den ultimativen Preis zahlen müssen.

Wer in seinem Leben auch nur irgendeinen Horrorfilm gesehen hat, wird „Wish Upon“ nur dann etwas abgewinnen können, wenn er sich an einer Light-Version der deutlich blutigeren „Final Destination“-Reihe erfreut. Genreeinsteiger und (jugendliche) Zuschauer, die ohnehin eher zart besaitet sind, dürfen hier immerhin gern einen Blick riskieren.


MAX – AGENT AUF VIER PFOTEN  | Regie: Brian Levant | USA 2017

Der liebenswerte Belgische Schäferhund Max bekommt eine spannende Aufgabe, als er dem Geheimdienst helfen soll, das weiße Haus zu bewachen. Schnell werden Max und TJ (Zane Austin), der Sohn des Präsidenten (Lochlyn Munro), die besten Freunde. Als ein ausländischer Staatschef (Andrew Kavadas) mit seiner Tochter Alexandra (Francesca Capaldi) das Weiße Haus besucht, freunden sich Max und TJ mit dem Mädchen an. Bald entdecken Max, TJ und Alexandra ein gefährliches Geheimnis. Da ihnen die Erwachsenen nicht glauben wollen, versuchen TJ und Alex das Geheimnis selbst aufzudecken. Und zum Glück haben sie dabei den Belgischen Schäferhund Max an ihrer Seite, der ihnen in manch brenzliger Lage aus der Patsche hilft – ein echter Agent auf vier Pfoten.

„Max – Agent auf vier Pfoten“ könnte ein harmlos-unterhaltsames Kinderabenteuer sein, doch die Macher versuchen auf Krampf, einen politischen Subplot im Film unterzubringen, der nicht nur dem vierbeinigen Protagonisten wertvolle Leinwandzeit raubt, sondern auch die lediglich im Finale zum Tragen kommende Dynamik aus dem Film zieht.


SIE NANNTEN IHN SPENCER  | Regie: Martin Pold | AT/DE 2017

Carlo Pedersoli war der Überzeugung, jeden Beruf ausgeübt zu haben außer Jockey und Balletttänzer. Er war Schriftsteller, elffacher italienischer Schwimmchampion, zweifacher Olympiateilnehmer, Wasserballeuropameister, Rechtswissenschaftler, Sänger, Komponist, Pilot, Flugunternehmer, Modedesigner, Fabrikant, Drehbuchautor, Produzent und nicht zuletzt Erfinder einer Art Einwegzahnbürste. Er beherrschte sechs Sprachen. Seinen Weltruhm jedoch verdankt Carlo Pedersoli knallharten Backpfeifen und schlagfertigen Sprüchen – als Schauspieler unter dem Pseudonym Bud Spencer. An der Seite von Terence Hill wurde ein Bösewicht nach dem anderen zur Schnecke gemacht, niemand ließ die Fäuste so fliegen wie Bud Spencer. Ihre Westernkomödien avancierten zu Kulthits und begeisterten ein Millionenpublikum. Zwei seiner Fans wollen nicht nur Anekdoten sammeln, sie machen sich auf die Reise zu ihrem ewigen Idol.


Heimkinotipp: DIE ROTE SCHILDKRÖTE  | Regie: Michael Dudok de Wit | FR/BEL/JPN 2016

Ein schiffbrüchiger Mann strandet eines Tages auf einer einsamen Insel. Zum Überleben gibt es dort genug. Er findet eine Wasserquelle, genug Essen und bringt sich selbst bei, Tiere zu erlegen. Gefahren lauern jedoch überall. Nach einer gewissen Zeit auf der Insel beginnt er, sich ein Floss zu bauen, um mit dessen Hilfe von der Insel fortzukommen. Daran wird er allerdings jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch nach der tatsächlich geglückten Attacke auf das Tier entpuppt es sich als eine magische Kreatur, die das Leben des Mannes von Jetzt auf Gleich grundlegend verändert.

„Die rote Schildkröte“ ist die sanfte, feinfühlige Erzählung über einen Schiffbrüchigen, der sich mit dem Leben auf einer einsamen Insel arrangieren muss. Ohne ein gesprochenes Wort lässt diese Studio-Ghibli-Produktion die lebensecht gezeichneten Bilder ganz für sich allein sprechen und lässt aus ihnen etwas Märchenhaftes emporsteigen. Ein minimalistisch, aber absolut atemberaubendes Konzept.

Das startet am 20. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 20. Juli, der im Vergleich zu den letzten Wochen fast schon ein wenig erbärmlich daherkommt. Für die Kinos relevant dürfte lediglich „Valerian“ sein, doch wenn sich erst einmal herumspricht, wie schwach dieser geworden ist, dürften erste Schätzungen rasch nach unten korrigiert werden. Zumal sich die Fanbase der dem Film zugrunde liegenden Comics ohnehin in Grenzen hält und auch Luc Besson schon lange keiner mehr ist, dessen Name Leute ins Kino zieht. Dasselbe gilt für Dane DeHaan und Cara Delevingne. „Das unerwartete Glück der Familie Payan“ könnte sich dagegen als Alternativprogramm ganz gut machen, während den stärksten Film der Woche, „Einmal bitte alles“, wohl kaum einer hierzulande registrieren wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

EINMAL BITTE ALLES  | Regie: Helena Hufnagel | DE 2017

Die 27-jährige Isi (Luise Heyer) steckt in einer ordentlichen Quarter-Life-Crisis fest. Sie hegt den großen Traum, Illustratorin zu werden, doch mehr als Praktika sind für sie nicht drin. Während sie sich notgedrungen einen Plan B überlegt, muss sie mit ansehen, wie sich ihre Mitbewohnerin Lotte (Jytte-Merle Böhrnsen) das perfekte Leben zurechtlegt. Zunächst bekommt sie den Job ihrer Träume und trifft wenig später auch noch auf den Mann dazu. Da ist für Isi kein Platz mehr. Auch sonst mutiert der Rest ihres Freundeskreises gerade zu veganen Erwachsenen, alle ausgestattet mit idealen Lebensentwürfen. Doch Isi scheint damit nicht mithalten zu können, ihre Träume ein Ablaufdatum zu besitzen und ihre Zeit rückwärts zu laufen. Dabei will sie doch eigentlich nur eines: endlich ihren Platz im Leben finden.

Helena Hufnagel gelingt mit „Einmal bitte alles“ etwas, was in den vergangenen Monaten viele versucht haben: Sie erzählt aus dem Leben einer Generation, die so viele Möglichkeiten hat, dass sie am Ende an ihren eigenen Ansprüchen zu zerbrechen droht. Aus diesem Konzept heraus ist ein Film voller Melancholie, Optimismus, Komik und Liebe entstanden.


DAS UNERWARTETE GLÜCK DER FAMILIE PAYAN  | Regie: Nadège Loiseau | FR 2016

Nicole (Karin Viard) ist 49 und sicher, dass jetzt die Wechseljahre zuschlagen. Ein Besuch beim Arzt bringt jedoch eine überraschende Diagnose: Nicole ist schwanger! Dabei dachte sie, eine ungeplante Schwangerschaft passiere ihr nur einmal – ihr erstes Kind bekam sie mit fünfzehn. Bisher managte die berufstätige Mutter das permanente Familienchaos der Payans sehr souverän: Ihr plan- und arbeitsloser Ehemann, ihre etwas verwirrte Mutter, ihre erwachsene Tochter Arielle, die in ihrem alten Kinderzimmer noch immer ein Teenagerleben führt und ihre quirlige Enkelin halten sie dennoch genug auf Trab. Ist noch Platz für einen „kleinen Untermieter“? Nicole muss eine Entscheidung treffen. Gar nicht so einfach, wenn sich jedes Familienmitglied schon genau überlegt hat, was wohl das Beste wäre.

Nadège Loiseau erweckt mit ihrem Langfilmdebüt „Das unerwartete Glück der Familie Payan“ den Eindruck, ihrer eigenen Geschichte nicht so recht zu trauen. In den ruhigen Momenten funktioniert ihre Komödie wunderbar, doch opfert sie diese Stärke viel zu oft dem schnellen Gag. Trotzdem gibt’s Einiges zu schmunzeln und der herzliche Umgang mit den Figuren weiß ebenfalls zu gefallen.


VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN  | Regie: Luc Besson | FR/USA 2017

Im 28. Jahrhundert sind Valerian und Laureline als Spezialagenten der Regierung mit der Aufrechterhaltung der Ordnung im gesamten Universum beauftragt. Während der verwegene Frauenheld Valerian es auf mehr als nur eine berufliche Beziehung mit seiner schönen Partnerin abgesehen hat, zeigt ihm die selbstbewusste Laureline jedoch die kalte Schulter. Auf Anordnung ihres Kommandanten begeben sich Valerian und Laureline auf eine Sondermission in die atemberaubende, intergalaktische Stadt Alpha: einer Mega-Metropole, die Tausende verschiedener Spezies beheimatet. Die siebzehn Millionen Einwohner haben sich über die Zeiten einander angenähert und ihre Talente, Technologien und Ressourcen zum Vorteil aller vereint. Doch nicht jeder in der Stadt der Tausend Planeten verfolgt dieselben Ziele…

Nach einem kreativen Auftakt pendelt sich „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ optisch auf Durchschnitts-Sci-Fi-Niveau ein und legt die Schwächen der Handlung offen. Luc Besson manövriert sich absolut unbeholfen durch eine austauschbare Rettungsmission und ist dabei weder an den Figuren, noch an einer Dramaturgie interessiert. Von den Fehlschlägen wie dem latent aufgefahrenen Rassismus und der durchschimmernden Frauenfeindlichkeit ganz zu schweigen.


DIE GESCHICHTE DER LIEBE  | Regie: Radu Mihaileanu | FR/CAN/ROU/USA 2016

Es war einmal ein Junge, Leo (Mark Rendall), der liebte ein Mädchen, Alma (Gemma Arterton). In Jugendjahren verspricht er ihr, sie ein eben lang zum Lachen zu bringen und schreibt sogar ein Buch über seine „meistgeliebte Frau der Welt“, das er die „Die Geschichte der Liebe“ nennt. Doch in den Wirren des Zweiten Weltkriegs werden die Liebenden voneinander getrennt. Von Polen aus geht das Manuskript in den 1930er Jahren auf eine lange Reise, bis es im New York von heute einem jungen Mädchen (Sophie Nélisse) in die Hände fällt, dessen Mutter das Buch übersetzen soll. Auch sie trägt den Namen Alma. Mit Leo (Derek Jacobi) scheint sie auf den ersten Blick nichts zu verbinden, doch „Die Geschichte der Liebe“ führt ihre Schicksale zusammen. 

Inszenatorisch präsentiert sich „Die Geschichte der Liebe“ noch halbwegs souverän, doch erzählerisch ist sich die über mehrere Jahrzehnte verteilende Lovestory ein heilloses Durcheinander, deren Willkür sich die überraschend schwach aufspielenden Darsteller anzupassen scheinen.


Heimkinotipp: ELLE  | Regie: Paul Verhoeven | FR/DE/BEL 2016

Michèle (Isabelle Huppert), Chefin einer erfolgreichen Firma für Videospiele und sich der Machtposition ihrer Mitarbeiter durchaus bewusst, wirkt wie eine Frau, der nichts etwas anhaben kann. Unnahbar führt sie mit der gleichen Präzision und Kalkül ihre Firma wie ihr Liebesleben. Als Michèle eines Tages in ihrem Haus von einem Unbekannten angegriffen und vergewaltigt wird, scheint sie das Vorgefallene zunächst kalt zu lassen. Nicht einmal vor ihrem privaten Umfeld lässt sie Gefühle zu. Trotzdem ist ihr Leben über Nacht ein anderes geworden. Resolut und geschickt spürt sie den Angreifer auf und verstrickt sich mit ihm in ein gefährliches Spiel aus Neugier, Anziehung und Rache. Es ist ein Spiel, das jederzeit außer Kontrolle geraten kann…

„Elle“ ist ein verstörend-faszinierender Film, den man erst einmal verdauen muss, um ihn richtig zu erfassen. Paul Verhoeven liefert einen herausragend gespielten, wichtigen Beitrag für das emanzipatorische Kino ab und packt den Zuschauer da, wo es ordentlich weh tut: bei seinen eigenen Vorstellung vom Richtig und Falsch.

Das startet am 13. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 13. Juli, der – man kann es gar nicht anders sagen – einfach nur verdammt stark aufgestellt ist. Neben dem großen Blockbusterstart von „Spider-Man: Homecoming“ gibt Eleanor Coppola mit „Paris kann warten“ ihr Spielfilmdebüt im besten Woody-Allen-Stil. Auch die feine deutsche Komödie „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“ ist unbedingt einen Blick wert. Doch der Tipp der Woche geht in Richtung deutsches Genrekino. „Berlin Falling“ ist nur an drei Tagen in den hiesigen Kinos zu sehen – nehmt diese Chance wahr!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SPIDER-MAN: HOMECOMING  | Regie: Jon Watts | USA 2017

Immer noch euphorisch von dem packenden Kampf mit den Avengers, für den er erstmals in den Anzug von Spider-Man schlüpfen durfte,  kehrt Peter Parker (Tom Holland) in seine Heimat zurück, wo er mit seiner fürsorglichen Tante May (Marisa Tomei) und unter dem wachsamen Auge seines neuen Mentors Tony Stark (Robert Downey Jr.) lebt. Es fällt ihm jedoch nicht leicht, sich im Alltag zurechtzufinden – vielmehr will er beweisen, dass er mehr ist als nur der sympathische Spider-Man aus der Nachbarschaft. Als aber der Superschurke The Vulture (Michael Keaton) als neuer Gegenspieler auftaucht, gerät plötzlich alles, was Peter im Leben wichtig ist, in große Gefahr. Aber immerhin kann sich Peter erstmals als ernstzunehmender Superheld beweisen.

Es fühlt sich tatsächlich an wie Nachhausekommen! In „Spider-Man: Homecoming“ erhalten wir die Gelegenheit, die ganze Faszination für den Marvel-Superheldenkosmos noch einmal mit den Augen eines Neulings zu sehen. Jon Watts ist ein herrlich verspielter, toll besetzter und clever erzählter Sommerblockbuster gelungen, den man einfach nur in sein Herz schließen kann.


BERLIN FALLING  | Regie: Ken Duken | DE 2017

Der am Rande eines Nervenzusammenbruchs stehende Frank (Ken Duken) hat seine Existenz als Elitesoldat hinter sich gelassen und will sein Leben endlich neu ordnen. Doch nicht nur die Dämonen aus der Vergangenheit holen ihn immer wieder ein, auch der Alkohol wird zu seinem treuesten Begleiter. Nach langer Zeit darf er unter der Aufsicht seiner Ex-Frau Claudia (Marisa Leonie Bach) endlich seine Tochter Lilly wiedersehen, die er in Berlin am Hauptbahnhof abholen soll. Er will sich zusammenreißen, wieder das Beste aus sich und seinem Leben machen und hofft auf einen Neuanfang. Auf dem Weg dorthin nimmt er an einer Tankstelle widerwillig Andreas (Tom Wlaschiha) mit, der eine Mitfahrgelegenheit sucht, was für ihn verheerende Konsequenzen haben wird, denn dieser Fremde hat einen Plan – und eine Bombe im Rucksack.

Eineinhalb Stunden hat Ken Duken seine Zuschauer in der Gewalt eines hochbrisanten, mordsspannenden und in seiner minimalistischen Ausstattung umso prägnanteren Thrillers, der genau so provoziert, wie es ein Film dieses Themas muss. „Berlin Falling“ gehört ganz gewiss zu den besten deutschen Filmen des Jahres – wenn er nicht sogar der beste ist.


PARIS KANN WARTEN  | Regie: Eleanor Coppola | USA/JPN 2016

Eigentlich wollten sich Hollywood-Produzent Michael Lockwood und seine Frau Anne ein paar gemeinsame freie Tage im Süden Frankreichs gönnen. Doch dann muss Michael dringend geschäftlich von Cannes nach Budapest reisen. Anne kann ihn nicht begleiten und findet sich unverhofft im Cabrio von Michaels französischem Geschäftspartner Jacques wieder. Der bietet nur allzu gern seine Chauffeurdienste an, schließlich sind es nur ein paar Stunden Fahrt nach Paris, wo sich Anne und Michael in ein paar Tagen wiedertreffen wollen. Doch Jacques hat es alles andere als eilig und lässt keine Gelegenheit aus, der attraktiven Amerikanerin die Vorzüge Südfrankreichs nahe zu bringen – und hemmungslos mit ihr zu flirten. Anne bleibt zunächst auf Distanz, fühlt sich von den Avancen ihres lebenslustigen Begleiters aber durchaus geschmeichelt…

Mit ihrem späten Regiedebüt wandelt Eleanor Coppola nicht auf den Spuren ihrer im Filmbusiness erfolgreichen Verwandten, sondern widmet sich einem Stil, den man sonst vor allem von Woody Allen kennt. Mit latenter Erotik, Charme und einem Gespür für erlesene Bilder gelingt ihr ein leichtfüßiger Roadtrip durch französische Lande, der einen in Gedanken an den nächsten Urlaub schwelgen lässt.


AUF DER ANDEREN SEITE IST DAS GRAS VIEL GRÜNER  | Regie: Pepe Danquart | DE 2017

Eigentlich führt die liebenswerte Chaotin Kati mit ihrem Ehemann, dem Arzt Felix, seit fünf Jahren eine glückliche Beziehung. Aber so langsam schleicht sich der Alltag ein, denn Felix scheint über seine Arbeit die Liebe vergessen zu haben. Als Kati der unangepasste Künstler Mathias über den Weg läuft, verknallt sie sich sofort in ihn – und beginnt zu zweifeln: Ist ihr Felix tatsächlich der richtige Mann? Will sie wirklich mit ihm alt werden? Während Kati völlig hin und her gerissen ist, spielt ihr das Schicksal einen Streich: Kati findet sich plötzlich fünf Jahre früher wieder, exakt einen Tag bevor sie Felix zum ersten Mal begegnet ist. Verständnis für diesen unerklärlichen Zeitsprung zeigt nur die esoterisch versponnene Kollegin Linda. Kati erhält so aber eine zweite Chance bei der Suche nach dem großen Glück.

Am besten funktioniert „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“, wenn man absolut gar nichts über die Ausgangslage weiß. Doch auch ohne den Überraschungseffekt, der gar nicht zwingend als solcher angelegt ist, gelingt Pepe Danquart eine fantastische Sommerkomödie voller sympathischer Charaktere, die Naivität und Verspieltheit mit einer feinen Portion Lebensweisheit kombiniert.


BEGABT – DIE GLEICHUNG EINES LEBENS  | Regie: Marc Webb | USA 2017

Der alleinstehende Frank Adler (Chris Evans) hat die Vaterrolle für seine aufgeweckte kleine Nichte Mary (Mckenna Grace) übernommen und lebt mit ihr in einem Küstenstädtchen in Florida. Mary ist hochbegabt, doch Frank setzt alles daran, ihr ein normales Leben zu ermöglichen. Dennoch bleibt das mathematische Talent der Siebenjährigen nicht unbemerkt, und so taucht eines Tages Franks gebieterische Mutter Evelyn (Lindsay Duncan) auf. Die Pläne der wohlhabenden Bostonerin für ihre Enkelin drohen Frank und Mary auseinander zu reißen. Als die familiären Spannungen zunehmen, bekommen Onkel und Nichte jedoch Unterstützung von ihrer resoluten Vermieterin und besten Freundin Roberta (Octavia Spencer) – und von Marys Lehrerin Bonnie. In ihrer Fürsorge für ihre hochbegabte Schülerin nähert sich die junge Frau auch Marys attraktivem Onkel an.

„Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ ist eine wenig überraschende Erzählung über ein hochbegabtes Mädchen, für das alle nur das Beste wollen. Die Frage, ob intellektuelle Förderung wichtiger ist, als eine friedliche Kindheit, beantwortet Marc Webb hauptsächlich unter Zuhilfenahme von Plattitüden und kann somit keine neuen Denkanstöße liefern. Dafür überzeugt Chris Evans als absolut liebevoller Aushilfsvater.


ZUM VERWECHSELN ÄHNLICH  | Regie: Lucien Jean-Baptiste | FR/BEL 2016

Paul und Sali sind ein glückliches Paar. Mehr als alles andere wünschen sie sich ein Kind, seit Jahren läuft der Adoptionsantrag. Eines Tages klingelt das Telefon: der kleine Benjamin könnte neue Eltern gebrauchen. Das Baby ist hinreißend: süß, pflegeleicht und – weiß! Paul und Sali verlieben sich sofort in den kleinen Racker. Da der liberale Fortschritt der Welt Patchworkfamilien jeglicher Couleur fest etabliert hat, sind sich Paul und Sali sicher, dass schwarze Eltern mit einem weißen Baby offene Türen einrennen werden. Doch als Sali beim Kinderarzt und auf dem Spielplatz stets nur für die Nanny gehalten wird und die senegalesischen Großeltern erst in eine Farbkrise und dann in eine Depression verfallen, stellen sie fest, dass die Welt doch nicht so bunt ist, wie sie dachten.

Die noble Intention der eigentlich so liebevoll gedachten, französischen Komödie „Zum Verwechseln ähnlich“ wird von lautstarken, hysterischen Auseinandersetzungen und oberflächlichem Slapstick immer wieder fast im Keim erstickt.


FALLEN – ENGELSNACHT  | Regie: Scott Hicks | USA/HUN 2016

Lucinda Price (Addison Timlin) ist 17 und den ersten Tag auf dem Sword & Cross-Internat, als sie Daniel Grigori (Jeremy Irvine) sieht. Einen unglaublich attraktiven, aber auch sehr distanzierten Jungen, dem sie sich unheimlich verbunden fühlt. Daniel behauptet jedoch sie noch nie gesehen zu haben und meidet sie, wo immer er kann. Doch immer wenn Luce etwas Schlimmes widerfährt, sobald die gefährlichen Schatten sie wieder umtanzen, die sie seit ihrer Kindheit umgeben, ist er zur Stelle und rettet ihr mehrfach das Leben. Doch da gibt es auch noch Cam (Harrison Gilbertson), einen ebenfalls gut aussehenden und geheimnisvollen Jungen, der sehr viel Interesse an Luce zeigt. Erst als sie beginnt in der Vergangenheit zu recherchieren und allmählich beiden Jungs näher kommt, erfährt Lucinda, von welchem Geheimnis sie wirklich umgeben ist…

„Fallen – Engelsnacht“ dürfte der erste und einzige Teil der bislang insgesamt fünf Bücher umfassenden Reihe sein, denn nach dem zwar Potenzial aufzeigenden, es aber zu keinem Zeitpunkt nutzenden Auftakt interessiert einen das Schicksal der ohnehin profillosen Charaktere ohnehin nicht mehr. Das haben selbst Fans nicht verdient!


MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE  | Regie: Nana Ekvtimishvili, Simon Gross | DE/FR/GEO 2016

Am Abend ihres 52. Geburtstags verkündet Manana ihrer völlig überraschten Familie, dass sie Raum für sich benötigt und daher ausziehen wird – nachdem sie 30 Jahre lang mit ihrem Mann verheiratet ist und zusammen mit diesem, ihren Eltern und ihren zwei erwachsenen Kindern samt einem Schwiegersohn in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Tbilisi lebt. Die Familienmitglieder sind äußerst unterschiedliche Charaktere: Es sind Manana’s Ehemann Soso (55); ihre Tochter Nino (24), die verheiratet ist mit ihrem Mann Vakho (27); Manana’s Sohn Lasha (20); sowie Manana’s Mutter Lamara (72), die Stütze der Familie und schließlich noch Manana’s Vater Otar (80), der seit Jahren sehnlichst auf seinen Tod wartet. Zunächst nimmt die Familie Manana’s Entscheidung nicht ernst. Doch als diese tatsächlich ihren Koffer packt und geht, sind alle geschockt und fassungslos: Wohin will sie denn gehen?


Heimkinotipp: LOGAN  | Regie: James Mangold | USA 2017

Wir schreiben das Jahr 2029. Ein abgekämpfter Wolverine alias Logan (Hugh Jackman) und ein gebrochenen Professor X (Patrick Stewart) vegetieren in einem Versteck nahe der mexikanischen Grenze vor sich hin. Doch Logans Versuche, sich vor der Welt und seinem Vermächtnis zu verstecken, misslingen, als ein junger Mutant namens Laura (Dafne Keen), von dunklen Kräften verfolgt, bei ihnen Zuflucht sucht. Für Logan könnte das junge Mädchen die letzte Möglichkeit sein, in die Gesellschaft zurück zu finden. Doch vielleicht will er das ja auch überhaupt nicht!? Für das Dreiergespann beginnt ein blutiger Überlebenskampf, der viele Opfer fordert. Wird Logan jemals zur Ruhe finden können, oder ist er dazu verdammt, auf ewig ein Krieger zu sein? 

Trotz kleiner erzählerischer Schwächen ist „Logan“ der reifste Superheldenfilm, den Marvel je hervor gebracht hat. Das düster-poetische, ultrabrutale und virtuos bebilderte Actiondrama könnte die Geschichte um Wolverine nicht besser abschließen.

Das startet am 6. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 6. Juli, der mit einigen starken Neustarts aufwarten kann, die gleichermaßen in kleineren wie größeren Kopienanzahlen auf den Markt kommen. „Die Erfindung der Wahrheit“ und „Ihre beste Stunde“ erzählen fein inszenierte, anspruchsvolle Geschichten mit starken Frauenfiguren in der Hauptrolle. Die Massen werden indes in den dritten Teil der Animationsreihe „Ich – Einfach unverbesserlich“ sowie die Buchverfilmung „Das Pubertier“ rennen. Letzterem traue ich sogar eine Art Überraschungserfolg zu, denn das Buch war ein deutschlandweiter Erfolg, das Thema deckt sämtliche Zielgruppen ab und der Cast ist geschickt gewählt, da auch hier für jeden Geschmack etwas dabei ist. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit dürften indes „Ein Chanson für Dich“ und „Der Duellist“ laufen, während „Small Town Killers“ am besten gar keiner guckt. Und weshalb „Casino Undercover“ vom Verleih komplett PR-los ins Rennen geschickt wird – er wurde nicht einmal der Presse gezeigt – erschließt sich mir so gar nicht. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT  | Regie: John Madden | FR/USA 2016

Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) der Star der Branche. Die brillante, selbstsichere, völlig skrupellose Lobbyistin der alteingesessenen Kanzlei George Dupont ist berüchtigt für ihr einzigartiges Talent, ihre Rücksichtslosigkeit und ihre zahllosen Erfolge. Um ans Ziel zu kommen, tut sie alles. Für die mächtige Waffenlobby ist sie die Frau der Stunde, um ein neues unliebsames Waffengesetz zu verhindern. Doch Sloane verfolgt ihre eigenen Ziele und wechselt nach einem Streit mit Dupont überraschend die Seiten. Die Waffenlobby sieht sich plötzlich einer unberechenbaren Gegnerin gegenüber. Sloane nimmt den härtesten Kampf ihrer Karriere in Angriff und beginnt zu ahnen, dass der Preis für ihren Erfolg etwas zu hoch sein könnte.

„Die Erfindung der Wahrheit“ ermöglicht dem Zuschauer einen hochbrisanten Blick hinter die Kulissen des US-amerikanischen Lobbyismus, den nicht bloß die wendungsreich inszenierte, absolut kurzweilige Story so sehenswert macht, sondern allen voran die kraftvolle Performance von Jessica Chastain.


IHRE BESTE STUNDE  | Regie: Lone Scherfig | UK/SWE 2016

London 1940. Catrin Cole braucht einen Job, um sich und ihren Mann, der Künstler Ellis Cole, über Wasser zu halten. Sie heuert beim Informationsministerium an. Dessen Filme sollen der Nation in Kriegszeiten wieder Mut und Hoffnung geben. Catrins Aufgabe als Drehbuchautorin ist es, einem der Skripte eine ‚weiblichere Note‘ zu verleihen. Dabei trifft sie auf den ebenso brillanten wie zynischen Drehbuchautor Tom Buckley. Und während in London die Bomben fallen, machen sich Catrin und ihr wild zusammengewürfeltes Team rund um die inzwischen ein wenig in die Jahre gekommene Schauspielerlegende Ambrose Hilliard daran, einen herzerwärmenden und zugleich ermutigenden Film zu drehen. Allerdings wird sie bald herausfinden, dass sich hinter der Kamera mindestens genauso viel an Komödie, Drama und Leidenschaft abspielt wie davor…

Lone Scherfig legt mit „Ihre beste Stunde“  den nächsten herausragenden Film ihrer bislang astreinen Vita vor, in dem sie ein ruhiges Kriegsdrama mit jeder Menge Romantik und erstaunlich viel Witz kombiniert. Dem Charme dieses toll ausgestatteten Films sind nicht nur die feinen Darsteller erlegen, sondern auch die Zuschauer. Von solchen Filmen dürfte es gern mehr geben!


DAS PUBERTIER  | Regie: Leander Haußmann | DE 2017

Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger, lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.

Leander Haußmanns „Das Pubertier“ gewinnt den Zuschauer erst über den Respekt für Eltern und Teenager und lässt dann ganz unverblümt Wahnsinn auf der Leinwand walten. Liebevoll, absurd und wirklich hinreißend – von diesem Film haben alle was.


ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 3  | Regie: Kyle Balda, Pierre Coffin, Eric Guillon | USA 2017

Mittlerweile führt Gru (deutsche Stimme: Oliver Rohrbeck) ein beschauliches Leben mit seiner Freundin Lucy (deutsche Stimme: Martina Hill), den drei Adoptivtöchtern Margo, Edith und Agnes und nicht zu vergessen, den berühmt-berüchtigten Minions. Eines Tages bekommt es Gru mit seinem bisher unbekannten Zwillingsbruder Dru (ebenfalls Oliver Rohrbeck) zu tun. Blöd nur, dass der nicht nur besser aussieht und mehr Haare hat, sondern auch erfolgreicher ist als Gru. Die beiden Zwillingsbrüder könnten unterschiedlicher nicht sein, doch als Superschurke Balthazar Bratt (deutsche Stimme: Joko Winterscheidt) mit Vokuhila, großen Schulterpolstern und einem teuflischen Plan auftaucht, müssen Gru und Dru sich zusammen raufen…  

„Ich – Einfach unverbesserlich 3“ hat neben einer gewohnt starken Optik wieder einmal alles, was ein kurzweilig-amüsantes Kinoerlebnis ausmacht. Kultige Minions, einen exzentrischen Bösewicht, eine liebevolle Familiengeschichte und die drei süßesten Adoptivkinder der Animationsfilmgeschichte. Da sind kleine Längen schnell vergessen.


EIN CHANSON FÜR DICH  | Regie: Bavo Dafurne | BEL/LUX/FR 2016

Liliane (Isabelle Huppert) arbeitet in einer Pasteten-Fabrik und führt ein eintöniges Leben zwischen Arbeit und dem allabendlichen Fernsehprogram aus Quizshows und Verkaufssendungen. Die Zeiten, in denen sie als Chanson-Sängerin „Laura“ noch große Erfolge feierte, sind längst vergessen und vorbei. Nur noch wenige Menschen erkennen die einstige Beinahe-Siegerin des Eurovison Song Contest, die sich einst von der Kultband ABBA geschlagen geben musste. Doch als sie Jean (Kévin Azaïs), einen 22-jährigen Boxer, kennenlernt, ändert sich alles. Er verliebt sich in Liliane und überzeugt sie, dass es an der Zeit ist, ins Rampenlicht zurückzukehren. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, aus der, aller Skepsis zum Trotz, sogar Liebe wird. 

„Ein Chanson für Dich“ ist eine betont unkonventionelle Erzählung über eine alternde Gesangsdiva, die sich im besten Alter ein Comeback erhofft. Dafurne balanciert zwischen treffsicher beobachtetem Drama und willkürlichem Surrealismus – am Ende weiß man nicht, was das Ganze eigentlich sollte, obwohl es doch überraschend amüsant war.


DER DUELLIST  | Regie: Alexei Mizguirev | RUS 2017

Sankt Petersburg, 1860. Der im Ruhestand lebende Offizier Yakovlev (Pyotr Fyodorov) ist ein mysteriöser und unbesiegbarer Berufsduellist, der gegen eine Gebühr für all jene kämpft, welche zu schwach, untrainiert oder verängstigt sind um ihre Duelle selbst auszutragen. Aber er hat ein dunkles Geheimnis: Der mächtige Graf Beklemishev beschuldigte ihn eines Verbrechens, welches er nicht begangen hatte, nahm ihm seinen Titel und schickte ihn zum Sterben ins Exil. Aber Yakovlev überlebte. Unter neuer Identität kehrt er nach St Petersburg zurück um Rache zu nehmen. Dabei verliebt er sich in die junge Fürstin Martha (Yuliya Khlynina). Um diese Liebe zu retten und seine Rache zu bekommen, muss Yakovlev seine Identität enthüllen und Graf Beklemishev (Vladimir Mashkov) gegenübertreten. 

Alexei Mizguirev gelingt mit „Der Duellist“ ein brutales, dabei jedoch nicht minder elegantes Geschichtsepos, das mit seiner verschachtelten Erzählweise bisweilen anstrengt, dafür mit großen Schauwerten und einer angemessenen Konsequenz punktet. Durch das komplexe Geflecht an Intrigen und Figuren muss man allerdings erst einmal durchsteigen.


IMMIGRATION GAME  | Regie: Krystof Zlatnik | DE 2017

Wir befinden uns in einem alternativen Jahr 2016. Deutschland nimmt keine Flüchtlinge mehr auf. Die einzige Möglichkeit, um an eine Staatsbürgerschaft zu gelangen, ist die Teilnahme an der populären Fernsehshow „Immigration Game“, die seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht. Wer als „Runner“ mitmacht, wird am Berliner Stadtrand ausgesetzt und muss sich seinen lebensgefährlichen Weg bis zum Fernsehturm bahnen. Dabei kann jeder deutsche Bürger für ein Preisgeld Jagd auf die Flüchtlinge machen und sie vollkommen straffrei töten. Der sympathische Geschäftsmann Joe (Mathis Landwehr) wird eines Nachts durch Zufall ins Spiel miteinbezogen, als er einem Flüchtling auf offener Straße Hilfe vor Verfolgern anbietet – und muss fortan selbst am Spiel teilnehmen. Eine tödliche Hetzjagd durch Berlin beginnt…

Das schmale Budget sieht man „Immigration Game“ zwar an, gleichzeitig entsteht dadurch aber auch ein unmittelbares Gefühl für die allgegenwärtige Anspannung. Die apokalyptische Menschenjagd hätte gern mehr Background vertragen. So gelingt Krystof Zlatnik und seinem Team eine zeitlose Vorführung dessen, wie blinder Hass aussieht – nämlich ganz schön brutal!


SMALL TOWN KILLERS  | Regie: Ole Bornedal | DK 2017

Die Ehen der beiden Handwerker Ib (Nicolas Bro) und Edward (Ulrich Thomsen) haben schon bessere Zeiten gesehen. Ihre Frauen Ingrid (Lene Maria Christensen) und Gritt (Mia Lyhne)  halten ihre Männer nur für Witzfiguren, flirten ständig mit dem Tanzlehrer und schlafen lieber auf dem Sofa als mit dem Gatten. Ein Neuanfang muss her, doch die Männer sitzen auf so viel Schwarzgeld, dass eine Scheidung sie bettelarm machen könnte. Ein Auftragskiller soll die ungeliebten Ehefrauen loswerden. Doch die Damen haben längst Wind von dem Plan der Männer bekommen und sich eine eigene britische Profikillerin besorgt.  Mit der Idylle im dänischen Hinterland ist es vorbei… 

Was der Regisseur des Kultthrillers „Nightwatch“ hier geschaffen hat, geht auf keine Kuhhaut. Die bemüht skurril-schrullige, dänische Komödie „Small Town Killers“ ist weder lustig, noch sind der an den Tag gelegte Sexismus, die offensive Schwulen- und Behindertenfeindlichkeit irgendwie subversiv auszulegen.


CASINO UNDERCOVER  | Regie: Andrew Jay Cohen | USA 2017

Als Scott und Kate Johansens (Will Ferrell und Amy Poehler) Tochter Alex die Zulassung zum College ihrer Wahl bekommt, ist das ein Grund zum Feiern – doch nur so lange, bis sie erfahren, dass Alex nicht mit dem fest eingeplanten Stipendium rechnen kann. Denn die Studiengebühren können sich die Johansens keinesfalls leisten. Deswegen beschließen die Eltern, mithilfe ihres ebenso klammen Nachbarn Frank (Jason Mantzoukas) in ihrem Haus ein illegales Casino einzurichten: Sie setzen alles für eine Cash-Orgie à la Las Vegas aufs Spiel, bei der man seine Hemmungen an der Garderobe abgibt und nichts unmöglich scheint.

In der Komödie „Casino Undercover“ sind Will Ferrell und Amy Poehler erstmals gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Weitere Rollen übernehmen Jason Mantzoukas, Nick Kroll  und Oscar®-Kandidat Jeremy Renner.


Heimkinotipp: THE LEGO BATMAN MOVIE  | Regie: Chris McKay | USA 2017

Als sich der Joker (deutsche Stimme: Gronkh) und sämtliche Superschurken des DC-Universums freiwillig stellen, sind Bewohner und Polizei begeistert, doch Batman wird hellhörig. Er vermutet einen weitreichenden Plan – und soll Recht behalten. Doch wenn er verhindern will, dass sich der Joker die Stadt durch eine feindliche Übernahme einverleibt, muss er vielleicht endlich einmal sein Image vom einsamen Rächer revidieren und die Unterstützung anderer annehmen. Außerdem könnte es ihm auch nicht schaden, wenn er alles etwas lockerer sehen würde. So nimmt er notgedrungen seinen aus Versehen adoptierten Sohn Robin (deutsche Stimme: Luke Mockridge) unter seine Fittiche und rettet, was zu retten ist. Und vielleicht gelingt es ihm mit Robins Hilfe sogar, aus seiner selbst gewählten Einsamkeit auszubrechen.

Der rasant inszenierte „The LEGO Batman Movie“ ist ein tricktechnisch spektakuläres Animationsabenteuer mit viel (Meta-)Humor und vielen kreativen Ideen, das sich nicht scheut, die eigene DC-Historie kritisch zu hinterfragen. Zeitweise ruhen sich die Macher zu sehr auf den unzähligen Anspielungen aus, dafür überzeugen die Sprecherleistungen ebenso wie die überraschend emotionale Komponente.

Das startet am 29. Juni 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 29. Juni, der noch die Nachwehen des großen Blockbusterstarts in der vergangenen Wochen zu spüren bekommt. Ganz großes Mainstream-Kino bietet diese Woche nämlich nicht. Mit größter Kopienanzahl startet wohl „Girls‘ Night Out“, eine sympathische, aber doch eher unspektakuläre Hollywoodkomödie. „Overdrive“ richtet sich an die Adrenalinjunkies, die keine Lust mehr haben, auf den nächsten „Fast & Furious“-Film zu warten. Auch der neue Sofia-Coppola-Film steht in den Startlöchern und macht eine gute Figur. Für die größten qualitativen Ausschläge sorgt indes das deutsche Kino – „Sommerfest“ zur positiven, „Axolotl Overkill“ zur negativen Seite. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SOMMERFEST  | Regie: Sönke Wortmann | DE 2017

„Woanders weißt Du, wer Du bist – hier wissen es die anderen. Das ist Heimat!“. Stefan (Lucas Gregorowicz), mäßig erfolgreicher Theaterschauspieler in München, kommt nach zehn Jahren zurück nach Bochum, um den Haushalt seines verstorbenen Vaters aufzulösen. Drei Tage, dann will er wieder zurück sein. Aber da sind sie wieder alle, Kumpel, Freunde, Omma Änne, alles Originale in der weiten Welt des Ruhrgebiets, der Welt seiner Kindheit und Jugend, der er so viel zu verdanken hat und wodurch er zu dem wurde, was er heute ist. Und – so sehr er sich auch vor einer Begegnung drücken will – da ist auch noch seine große Jugendliebe Charlie (Anna Bederke), die genau weiß, wo es im Leben langgeht – auch für Stefan.

In Sönke Wortmanns „Sommerfest“ steckt so viel Liebe, dass sich selbst die abgegriffensten Stereotypen immer noch echt anfühlen. Derweil geben Lucas Gregorowicz und Anna Bederke eines der wundervollsten Ex-Liebespaare des deutschen Kinos ab, das selbst aus den einfachsten Situationen etwas ganz Besonderes macht.


DIE VERFÜHRTEN  | Regie: Sofia Coppola | USA 2017

Während des tobenden Bürgerkriegs im Jahre 1864 bietet eine abgelegene Mädchenschule eine sichere Zuflucht vor den Schrecken der Außenwelt. Als in unmittelbarer Nähe ein verletzter Soldat namens John McBurney (Colin Farrell) entdeckt und zur Pflege in die Schule gebracht wird, gerät das geregelte Leben der Frauen, angeführt von der gestrengen Lehrerin Martha Farnsworth (Nicole Kidman), durch seine Anwesenheit aus den Fugen. Schon nach kurzer Zeit erliegen die Frauen dem Charme des Soldaten – Eifersucht und Intrigen vergiften zunehmend das Zusammenleben. Es beginnt ein erotisch aufgeladenes Spiel mit unerwarteten Wendungen, das Opfer auf beiden Seiten fordert. 

Sofia Coppolas „Die Verführten“ ist ein exzellent fotografiertes Thrillerdrama, das mit einem hervorragend aufgelegten Ensemble punktet und trotz einiger redseliger Passagen kurzweilig-spannende Kinounterhaltung bietet.


GIRLS‘ NIGHT OUT  | Regie: Lucia Aniello | USA 2017

Nach zehn langen Jahren sind die fünf alten College-Freundinnen Jess (Scarlett Johansson), Pippa (Kate McKinnon), Frankie (Ilana Glazer), Alice (Jillian Bell) und Blair (Zoë Kravitz) endlich wiedervereint: Auf einem wilden Junggesellinnenabschied in Miami lassen sie so richtig die Sau raus! Für Jess ist es schließlich das letzte Wochenende in Freiheit, bevor sie in die Ehe mit dem charmanten, aber auch ein wenig tollpatschigen Peter (Paul W. Downs) eingeht. Doch die ausgelassene Party läuft plötzlich aus dem Ruder, als die Clique aus Versehen einen Stripper um die Ecke bringt. Panik bricht aus und für die Frauen beginnt eine wahnsinnige Nacht voller skurriler Eskapaden, die sie nur überstehen werden, wenn alle zusammenhalten.

„Girls‘ Night Out“ hat einige schöne Momente und kann am meisten durch das Ensemble und den Subplot um eine aus dem Ruder laufende Rettungsmission überzeugen. Die eigentliche Handlung präsentiert sich dagegen zu austauschbar, um sich im ohnehin überlaufenden Party-Komödien-Segment ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten.


OVERDRIVE  | Regie: Antonio Negret | FR/USA 2017

Die beiden draufgängerischen, charismatischen Brüder Andrew und Garrett Foster sind als Autodiebe Meister ihres Fachs. Dabei haben sie es aber nicht auf irgendwelche Autos abgesehen, sondern lediglich auf die ganz exklusiven und hochpreisigen Sammlerstücke. Als eingespieltes Team kennt ihre Abenteuerlust und Risikobereitschaft keine Grenzen. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen an der Französischen Riviera geraten sie jedoch mit dem lokalen Gangster Jacomo Morier in Konflikt, dessen ebenso rare wie unbezahlbare Autokollektion als Beute lockt. Doch Morier entpuppt sich als unberechenbarer Gegenspieler: Die beiden Brüder sollen ihr begnadetes Talent unter Beweis stellen, indem sie ihm in kürzester Zeit ein besonderes Auto seines Erzfeindes Max Klemp organisieren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

„Overdrive“ ist ein handwerklich gut gemachter Actionreißer, bei dem tatsächlich Dinge explodieren und Autos in die Luft fliegen dürfen – nur eben eine Nummer kleiner als bei „Fast & Furious“ und Co. Entsprechend gestaltet sich der Film dann auch nur leidlich unterhaltsam, denn trotz einer guten Chemie im Cast bleibt die Handlung auf recht austauschbarem Thriller-Niveau.


AXOLOTL OVERKILL  | Regie: Helene Hegemann | DE 2017

Mifti (Jasna Fritzi Bauer) ist 16, sieht aus wie 12, verhält sich wie Mitte 30 und lebt seit dem Tod ihrer Mutter mit ihren Halbgeschwistern in einer Berliner WG. Ihr Vater hält Terrorismus für einen zeitgemäßen Karrierezweig und interessiert sich eher für Kunst als für Menschen; zur Schule gehen macht in diesem Setting weniger Sinn als sein Leben zwischen Partys, Drogen, Affären und Küchentischpolemiken zu verbringen. Sie ist wild, traurig, vernünftig und verliebt. Die Erwachsenen, auf die sie trifft, sind dagegen nur eines: verzweifelt. Entweder, weil bald die Welt untergeht, oder weil sie nicht wissen, was sie anziehen sollen. Also muss Mifti selbst erwachsen werden, auf die eine oder andere Weise. Doch das gestaltet sich schwieriger, als gedacht.

 „Axolotl Overkill“ zeigt auf, wie schnell ein positiver Trend in Redundanz abdriften kann. Die um Provokation bemühte Tragikomödie ist so sehr auf Hipness kalkuliert, dass sie dabei vergisst, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu scheren. Am Ende geht einem der Streifzug einer Möchtegern-Rebellin durch das ach so coole Berlin einfach nur noch auf den Geist.


WILSON – DER WELTVERBESSERER | Regie: Craig Johnson | USA 2017

Wilson (Woody Harrelson) ist ein einsamer, neurotischer und urkomisch ehrlicher Misanthrop mittleren Alters, der sich schon vor Jahren mit seiner mittlerweile getrennten Ehefrau Pippi (Laura Dern) zerstritten hat. Sie war die einzige Person, die es jemals länger als ein paar Minuten mit ihm ausgehalten hat. Doch nun bekommt er eine Chance auf Versöhnung, als er durch einen Zufall erfährt, dass er eine Tochter hat, die mittlerweile siebzehn Jahre alt ist. Er hat sie nie kennengelernt und glaubt zunächst an einen Irrtum, doch schließlich macht er sich auf, sie zu finden – und mit seiner leicht verdrehten Art eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Doch Wilson hat längst verlernt, wie er mit fremden Menschen umgehen muss, um sie nicht sofort zu vergraulen. Also nimmt er all seinen Mut zusammen, und macht sich daran, wieder vorzeigbar für die Gesellschaft zu sein. Ein steiniger Weg, der ihn an Grenzen stoßen und neue Menschen kennenlernen lässt.


Heimkinotipp: MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN | Regie: Marc Rothemund | DE 2017

Eine aufregende Karriere im Luxus-Hotel – das ist der langgehegte Traum von Saliya! Doch für jemanden, der fast blind ist, könnte nichts unwahrscheinlicher sein: Aber seinen Traum aufzugeben, kommt nicht in Frage, und so schickt Saliya eine Bewerbung an ein 5-Sterne-Hotel – ohne sein Handicap zu erwähnen. Überraschenderweise funktioniert der Bluff aber tatsächlich und er bekommt eine Stelle in einem Luxus-Hotel in München. Niemand ahnt etwas von seinem Geheimnis, nur sein Freund Max erkennt bald, was es mit Saliya auf sich hat und hilft ihm, jede noch so schwierige Lage zu bewältigen. Wenn alle anderen Feierabend machen, übt Saliya bis in die Nacht die für seine Kollegen einfachsten Handgriffe, bis er sie „blind“ beherrscht. Doch als er sich in Laura verliebt scheint alles aus den Fugen zu geraten.

3 von 5

Zugunsten eines leichtfüßigen Filmerlebnisses spart „Mein Blind Date mit dem Leben“ die dunkelsten Momente im Leben von Saliya Kahawatte aus. Wem das einer Verwässerung gleichkommt, der mag vielleicht gar nicht so falsch liegen, doch das alles in allem wirklich positiv verlaufene Schicksal eines ohnehin lebensfrohen Menschen als Feel-Good-Film zu inszenieren, ist wahrlich kein Verbrechen. Marc Rothemunds Film ist wirklich fein geworden.

« Ältere Einträge