Kategorie-Archiv: Wessels‘ Weekly

Das startet am 13. August 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 13. August, dessen wohl größter Start „I Still Believe“ gleichzeitig der schwächste ist. Vielleicht gelingt es ihm aufgrund der populären Vorlage einige Zuschauer in die Kinos zu locken, auch wenn das Buch hierzulande längst nicht so bekannt ist wie in den USA. Mit „Der letzte Mieter“ und „The Witch next Door“ trumpft das Genrekino auf: Zum einen, weil der erste Vertreter starkes deutsches Wirtschaftskino mit einem spannenden Entführungsplot verknüpft, und zum anderen, weil es sich beim Hexenfilm um einen überraschenden Rekordbrecher handelt. Alles weitere lest ihr in den dazugehörigen Kritiken.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER LETZTE MIETER | Regie: Benjamin Karalic | DE 2018

Es passiert in vielen Großstädten, doch besonders in der Bundeshauptstadt Berlin: Es werden reihenweise Häuser saniert und die alten Mieter müssen ausziehen, da sie sich die höheren Mieten nicht mehr leisten können und in der sich verschönernden Gegend Platz für neue Mieter zu machen. Diese Geschichte erzählt vom Schicksal einer dieser Mieter. Dem letzten. Der alte Dietmar (Wolfgang Packhäuser) hat da keinerlei Verständnis für. Der 67-Jährige sieht nicht ein, weshalb er seine geliebte Wohnung nach 40 ereignisreichen Jahren verlassen sollte. Selbst sein Sohn Tobias (Matthias Ziesing) schafft es nicht, ihn zu beruhigen. Als plötzlich die Polizistin Shirin (Pegah Ferydoni) vor der Tür steht, nimmt die die Situation die erste von vielen dramatischen Wendungen …

Eine interessante Mischung: Regisseur Benjamin Karalic breitet einen wirtschaftspolitischen Konflikt für das Genrekino auf. Das Ergebnis ist mit „Der letzte Mieter“ ein hin und wieder etwas unrundes Entführungs-Thrillerdrama aus (und über) Deutschland.

THE WITCH NEXT DOOR | Regie: Brett Pierce, Drew T. Pierce  | USA 2018

Der Überraschungshit aus den USA: „The Witch next Door“ ist ein ordentlicher Hexenhorrorfilm, der dann am stärksten ist, wenn er sich nicht auf die ungeschriebenen Gesetze des Genres verlässt. Doch auch Liebhaber des schnellen Jumpscare-Kinos dürften hieran ihre Freude haben.


WEGE DES LEBENS – THE ROADS NOT TAKEN | Regie: Sally Potter | UK/SWE/USA/POL/ESP 2020

24 bedeutsame Stunden im Leben von Leo (Javier Bardem) und dessen Tochter Molly (Elle Fanning): Beide haben sich mit der Zeit auseinander gelebt, doch nun kämpfen sie gemeinsam mit dem zunehmend kritischen mentalen Zustand des alleinstehenden Vaters kämpft. Während sie sich durch einen stressigen Tag in New York City schlängeln und versuchen, den normalen Alltag zu bewältigen, verliert sich Leo immer wieder in zwei Lebensrealitäten, die er so hätte erleben können: Von der leidenschaftlichen Ehe mit seiner Jugendliebe Dolores (Salma Hayek) in Mexiko bis hin zu einem Leben in Einsamkeit auf einer abgelegenen griechischen Insel, wo das zufällige Aufeinandertreffen mit zwei jungen Touristinnen schmerzliche, unbequeme  Einsichten ans Licht bringt.

Sally Potter gelingt mit ihrem melancholisch-träumerischen Demenzdrama „Wege des Lebens – The Roads not taken“ von der Annäherung zwischen Vater und Sohn auf dem Rücken einer schweren Krankheit. Doch ihr Inszenierungsstil steht der angestrebten Ernsthaftigkeit im Weg und wirkt bisweilen esoterisch.


I STILL BELIEVE | Regie: Andrew Erwin, Jon Erwin  | USA 2020

Der aufstrebende junge Musiker Jeremy (K.J. Apa) verliebt sich Hals über Kopf in die bezaubernde Melissa (Britt Robertson). Die Annäherung der beiden gestaltet sich zunächst als schwierig. Vor allem Melissa wird längst nicht bloß von Jeremy, sondern auch noch von anderen jungen Männern umworben. Doch die Chemie zwischen den beiden stimmt und schnell wird aus ihnen ein Paar. Doch ihr Glück scheint nur von kurzer Dauer, denn Melissa erhält eine schreckliche Diagnose: Sie hat einen aggressiven Krebs, der das Leben der jungen Frau bedroht.. Durch Jeremys Musik schöpft das junge Paar immer wieder Kraft, sich gegen das Schicksal zu stellen. Ihr gemeinsamer Lebensmut scheint alles überwinden zu können. Doch ist ihre Liebe stark genug, den Weg bis zum Ende gemeinsam zu gehen?

Christlicher Propagandakitsch im Gewand eines romantischen Jugenddramas – so schön das alles auch aussieht und klingt, „I Still Believe“, der von zwei im christlichen Kino bereits bestens bekannten Regisseuren stammt, ist alles andere als erträglich.


DER GÖTTLICHE ANDERE | Regie: Jan Schomburg  | DE/IT 2020

Während er in Rom über die Papstwahl berichtet, verliebt sich der vollkommen atheistische Moderator Gregory ausgerechnet in Maria, die kurz davor ist, Ordensschwester zu werden und damit eigentlich Gott versprochen ist. Nach einer mysteriösen Häufung von Hindernissen, mit denen sich Gregory bei dem Versuch, Maria näherzukommen, konfrontiert sieht, muss er sich schließlich eingestehen, dass er es beim Kampf um Marias Liebe mit einem übersinnlichen Konkurrenten zu tun hat, der im wahrsten Sinne des Wortes allmächtig ist.

Nach seinen Arbeiten „Über uns das All“ und „Vergiss mein Ich“ verzaubert Regisseur Jan Schomburg als kreativer Kopf einer göttlichen Liebesgeschichte mit trockenem Witz, viel Charme und skurrilen Einfällen, die die Frage nach einem Gott aus einer ungewöhnlichen Perspektive stellen.


Heimkinotipp: ENKEL FÜR ANFÄNGER | Regie: Wolfgang Groos  | DE 2020

Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa) haben nicht nur ihr Rentenalter gemein, sondern auch die die Angst vor der Langeweile im Alltag. Die quirlige Philippa hat dagegen vorgesorgt und kümmert sich als Paten-Oma regelmäßig um betreuungsbedürftige Kinder aus der Nachbarschaft. Etwas, was für Karen und insbesondere Gerhard eigentlich gar nicht infrage kommt. Doch manchmal kommt es eben ganz anders und so findet sich Karin schon bald als Betreuerin zweier aufgeweckter Patchwork-Geschwister wieder, die mit dem unsteten Umfeld ihrer Familie heillos überfordert sind. Und auch der verhärmte Witwer Gerhard erkennt in einem kleinen russischen Jungen zunächst sich selbst wieder und entdeckt später die Freude daran, wie es ist, auch im hohen Alter noch mal Verantwortung zu übernehmen und neue Freundschaften zu schließen. Doch damit fangen die Probleme erst an…

Auch wenn es natürlich ein Risiko ist, sich bereits Ende 2019 auf so ein Urteil festzulegen, so darf doch sehr stark daran gezweifelt werden, dass es 2020 eine bessere deutsche Komödie ins Kino schaffen wird als Wolfgang Groos‘ „Enkel für Anfänger“. Dieser Film gehört mit der ganzen Familie genossen!

Das startet am 6. August 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 6. August, an dem mit „Pandemie“ ein Film startet, wie er aktueller nicht sein könnte – allerdings gar nicht so aktuell ist, wie er anmutet. Außerdem kommt mir „Irresistible“ eine smarte Satire ins Kino, die den Finger in die Wunde des US-amerikanischen Politzirkus legt. Von der Selbsthilfebuchverfilmung „The Secret“ gilt es dagegen Abstand zu nehmen. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

IRRESISTIBLE – UNWIDERSTEHLICH | Regie: Jon Stewart  | USA 2020

Politikberater Gary Zimmer (Steve Carell) soll der Demokratischen Partei wieder zu mehr Zuspruch in der ländlichen Bevölkerung verhelfen. Seine geniale Idee: Er will den pensionierten Veteran Colonel Jack Hastings (Chris Cooper) bei dessen Wahlkampf um das Bürgermeisteramt der Kleinstadt Deerlaken unterstützen, nachdem dieser mit einer flammenden Rede für die Einwandererbevölerung einen viralen Hit gelandet war. Leider stellt sich nur allzu schnell heraus, dass eine öffentlichkeitswirksame Kampagne auf dem Land auch so ihre Tücken hat. Zu allem Übel rufen seine Bemühungen außerdem seine Erzfeindin, die skrupellose Republikanerin, Faith Brewster (Rose Byrne) auf den Plan, die alles unternimmt, um Zimmers Pläne zu durchkreuzen. Zwischen den beiden entbrennt ein Hahnenkampf, der ein überraschendes Ende bereithält.

Jon Stewart gelingt mit seiner Satire „Irresistible“ ein gleichermaßen komischer wie smart beobachtender Blick auf die bisweilen absurden Abläufe innerhalb des US-amerikanischen Politsystems. An vorderster Front: Steve Carell und Rose Byrne, die zusammen zwei herrlich leidenschaftliche Erzfeinde abgeben.

PANDEMIE | Regie: Sung-su Kim  | KOR 2013

Aufgrund der Corona-Pandemie schafft es der bereits im Jahr 2013 veröffentlichte Katastrophenthriller „Gamgi“ nun unter dem Titel „Pandemie“ auch in die deutschen Kinos. Hier erwartet den Zuschauer ein klassischer Genrereißer mit einigen zufälligen Bezügen zu unserer aktuellen Lebensrealität, der allerdings vorwiegend auf den schnellen Schock und weniger die schleichende Bedrohung setzt.


THE SECRET – DAS GEHEIMNIS | Regie: Andy Tennant | USA 2020

In Miranda Wells‘ Leben scheint gerade alles schief zu laufen. Der alleinerziehenden Mutter von drei Kindern wächst alles über den Kopf. Das Geld reicht hinten und vorne nicht mehr, seitdem ihr Mann vor ein paar Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Als hätte sich das Schicksal gegen sie gerichtet, kracht während eines Hurrikans auch noch ein Ast durch das Dach ihres Hauses. Doch das Unwetter stellt Miranda nicht nur vor ihre nächste finanzielle Herausforderung, sondern bringt auch den hilfsbereiten Bray Johnson in ihr Leben. Von nun an scheint sich das Blatt für Miranda und ihre Familie zu wenden. Ob das an dem positiven und lebensbejahenden Spirit liegt, mit dem Bray in ihr Leben tritt? Und was hat es mit dem rätselhaften Umschlag auf sich, der Bray Johnson ursprünglich zu Miranda geführt hat?

Man muss „The Secret“ zugute halten, dass er ja bereits auf einer fragwürdigen Vorlage basiert, aus der eine annähernd aufrichtige Geschichte über Liebe und Schicksal kaum herauszuholen war. Letztlich ändert das aber nichts daran, dass die schwierige Message des Films die im Kern süße Liebesgeschichte so extrem überlagert, dass es schwierig ist, bis zum Ende dran zu bleiben, ohne sich nicht permanent die Hand vors Gesicht zu schlagen.


MAX UND DIE WILDE 7 | Regie: Winfried Oelsner  | DE 2020

Eine echte Ritterburg als neues Zuhause – kann man sich etwas Cooleres vorstellen? Ja, kann man, findet der neunjährige Max (Jona Eisenblätter), als er eines Tages dorthin zieht. Denn Burg Geroldseck ist ein Altersheim voller schrumpeliger Omas und Opas! Aber damit seine alleinerziehende Mutter, eine Altenpflegerin, auch Nachtschichten arbeiten kann, wohnt Max jetzt im Rabenturm. Als einziges Kind unter lauter alten Knackern… das kann ja was werden! Max findet sich jedoch schneller zurecht als gedacht und freundet sich mit den an Tisch 7 sitzenden Senioren Vera (Uschi Glas), Horst (Thomas Thieme) und Kilian (Günther Maria Halmer) an. Als ein mysteriöser Einbrecher auf der Burg sein Unwesen treibt, beginnt für die ungleichen Vier ein rasantes Abenteuer auf der Suche nach dem Täter. Alt und jung müssen zusammenhalten, um den Gauner in eine Falle zu locken…


Heimkinotipp: TROLLS 2: TROLLS WORLD TOUR | Regie: Walt Dohrn, David P. Smith   | USA 2020

Die Trolls-Welt gerät komplett aus den Fugen, als unsere beliebten Figuren entdecken, dass sie nur eine von sechs Trolls-Arten sind, die alle von unterschiedlichen Musikrichtungen geprägt sind: Funk, Country, Techno, Klassik, Pop und Rock. Damit ist zumindest eines klar: Ihre Welt wird nicht nur größer, sondern auch sehr viel bunter und lauter sein! Die Königin des Hard Rock, Queen Barb hat einen finsteren Plan gefasst: Sie will alle anderen Arten von Musik vernichten, damit einzig und allein der Rock die Herrschaft übernehmen kann. Das müssen Poppy (Anna Kendrick/Lena Meyer-Landrut) und Branch (Justin Timberlake/Mark Forster) verhindern – ihre Mission: Alle Trolls vereinen, Barb besiegen, die alle anderen im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand spielen will, und die Welt retten!

„Trolls 2: Trolls World Tour“ nimmt sich auf weitestgehend oberflächliche aber immerhin unterhaltsame Weise der wichtigen Botschaft an, dass jedes Gefühl und jede Stimmung ihren Platz im Leben haben. Dafür bedienen die Macher auch Klischees, legen aber erneut eine großartig animierte Welt vor, in der man sich wunderbar verlieren kann.

Das startet am 31. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 31. Juli, der mit „The King of Staten Island“ nur einen wirklich großen NEUstart zu bieten hat. Vielleicht zieht ja die Wiederaufführung von „Inception“ – passend zum zehnjährigen Jubiläum – ein paar Zuschauer an. Ansonsten bleibt es (wie auch im Heimkino) abzuwarten, dass die nächste Woche hoffentlich Interessanteres bereithält.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

THE KING OF STATEN ISLAND | Regie: Judd Apatow  | USA 2020

Scott (Pete Davidson) war erst sieben Jahre alt, als sein Vater bei einem Einsatz als Feuerwehrmann ums Leben gekommen ist. Inzwischen ist er Mitte Zwanzig und hat im Leben nicht viel erreicht – sein Traum von einer Karriere als Tattoo-Künstler scheint in weiter Ferne zu liegen. Während seine ambitionierte jüngere Schwester (Maude Apatow) aufs College geht, wohnt Scott noch immer bei seiner überarbeiteten Mutter (Marisa Tomei). Sein Alltag besteht aus dem Konsum nicht immer legaler Substanzen, Abhängen mit seinen ebenso verpeilten Freunden und gelegentlichen Sex-Dates mit seiner Kindheitsfreundin Kelsey (Bel Powley). Doch als seine Mutter beginnt, einen großmäuligen Feuerwehrmann (Bill Burr) zu daten, löst das eine Kette von Ereignissen aus, die Scott zwingen, sich seiner Vergangenheit zu stellen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Regisseur und Autor Judd Apatow macht mit „The King of Staten Island“ das, was er am besten kann und wirft einen authentischen, gleichermaßen tragischen wie komischen Blick auf einen zunächst unausstehlichen, später jedoch immer liebenswürdigeren Loser, den Pete Davidson mit absoluter Hingabe verkörpert. Ausgerechnet dank der üppigen Laufzeit von zweieinhalb Stunden umgeht Apatow dabei viele Klischees.

AUF DER COUCH IN TUNIS | Regie: Manele Labidi | FR/TUN 2019

Die Psychologin Selma hat einen wahnwitzigen Plan: Sie will in ihr Heimatland Tunesien zurückkehren, um dort eine Praxis für Psychotherapie zu eröffnen. Das Vorhaben der selbstbewussten Französin stößt erst einmal auf Skepsis und Widerstand – aber auch auf sehr großes Interesse. Denn der Redebedarf der tunesischen Bevölkerung ist enorm. Weil die bürokratischen Mühlen langsam mahlen, empfängt Selma ihre gesprächigen Kunden auf dem Dach eines Wohnhauses in Tunis. Die Kuriositäten und bunten Charaktere der alten Heimat begegnen ihr jedoch längst nicht nur in den therapeutischen Sitzungen. Und so trifft sie unter anderem auf eine hochemotionale Beautysalon-Besitzerin mit Mutterkomplexen, einen depressiven Imam, einen Mann mit politisch-erotischen Träumen, einen mysteriösen Fremden mit freudschen Zügen, einen bermoralischen Polizisten und auf ihre feministische Nichte…


CODY – WIE EIN HUND DIE WELT VERÄNDERT | Regie: Martin Skalsky  | CH 2019

Eine junge Familie adoptiert den rumänischen Straßenhund Cody in die Schweiz. Cody wächst ihr schnell ans Herz, verändert ihr Leben und eröffnet ihr eine neue Welt: das Zusammenleben von Mensch und Tier. Auf der Suche nach den Spuren seiner Vergangenheit erfährt die Familie mehr über das Leben in Rumänien, das Cody hinter sich gelassen hat. Er war dort mit der Streuner-Hündin Blanche in Freiheit, aber auch in ständiger Gefahr, umzukommen. Was passiert, wenn er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird und seine Gefährtin wiedersieht? Wie wird er sich entscheiden – bleibt er in seiner Familie oder bevorzugt er das Leben mit Blanche?

Codys Schicksal führt zu wichtigen Themen unserer Zeit: Wie gehen Menschen mit ihrer Umwelt, insbesondere mit Tieren um – und sind sie dazu bereit, ihnen Rechte einzuräumen?


Heimkinotipp: ONWARD – KEINE HALBEN SACHEN | Regie: Dan Scanlon  | USA 2020

New Mushroomton ist eine Welt voller Zauber und wunderbarer Wesen. Oder besser gesagt: Sie war es einmal. Denn leider ist die Magie fast vollständig aus der beschaulichen Vorstadt verschwunden. Mittlerweile gehören Müll fressende Einhörner zum Stadtbild und magische Geschöpfe wie etwa Drachen findet man hier allenfalls als Haustiere wieder. Doch eines Tages erhalten die Brüder Ian und Barley von ihrer Mutter die einmalige Chance, zumindest in ihr Leben wieder einen Hauch von Magie zu lassen: Mithilfe eines Zauberstabs kann es ihnen gelingen, ihren toten Vater für einen ganzen Tag wieder zurückzuholen. Doch bei dem Versuch geht etwas gewaltig schief. Und so müssen die beiden das erste Mal seit langer Zeit wieder an einem Strang ziehen und auf einem abenteuerlichen Roadtrip eine Reihe gefährlicher Aufgaben erfüllen, eh sie ihren Dad wieder in ihre Arme schließen können…

Routiniert drückt „Onward – Keine halben Sachen“ die bewährten Pixar-Emotionsknöpfe. Doch ausgerechnet bei einem Film über Magie bleibt der heraufbeschworene Zauber aus. Was bleibt ist ein solider Abenteuer-Roadtrip, der als smarter Kommentar auf die zunehmende Verrohung der Menschheit leider hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Das startet am 23. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 23. Juli und es sind noch immer weit und breit kaum Kinobesucher in Sicht. Dabei kann man sich nun wahrlich nicht beschweren, dass es kein ausreichendes Filmangebot gibt. Diese Woche stehen beispielsweise ein Sportlerdrama mit einem großartigen Ben Affleck, ein solides Horrordrama mit spannender Ausgangssituation und ein misslungenes Biopic über Thomas Edison in den Startlöchern. Nicht alles davon ist sehenswert, aber wenn einem hiervon nichts schmeckt, bleiben ja immer noch die zahlreichen Wiederaufführungen von Filmen wie „Blues Brothers“, „Herr der Ringe“ und Co. Also: Geht ins Kino und unterstützt diesen Stützpfeiler der Popkultur! 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

OUT OF PLAY – DER WEG ZURÜCK | Regie: Gavin O’Connor  | USA/CAN 2019

Damals in der High-School lief für Jack Cunningham (Ben Affleck) alles nach Plan. Als gefeierter BasketballStar hatte er sein Ticket fürs College bereits in der Tasche und hätte sogar Profi werden können. Dann aber entschloss er sich, dem Sport – und damit einer verheißungsvollen Zukunft – den Rücken zu kehren. Jacks glorreiche Tage mögen lange vorbei sein. Doch wie sich herausstellen soll, sind sie keineswegs vergessen: Jahre später erhält er das Angebot, das erfolglose Basketball-Team seiner alten Universität als Trainer auf Vordermann zu bringen. Dass Jack diese Herausforderung widerwillig annimmt, überrascht niemanden mehr als ihn selbst. Als die Spieler beginnen, sich zu einem echten Team zusammenzuraufen und erste Siege erzielen, scheint es so, als bekäme Jack seine vielleicht letzte Chance auf Erlösung.

„Out of Play: Der Weg zurück“ ist ein geradliniges Sportlerdrama, das Ben Affleck aufgrund seiner unübersehbaren Nähe zur Materie zu einem kleinen Ereignis macht. Es ist der Film, den der Schauspieler selbst am meisten verdient hat.

THE VIGIL – DIE TOTENWACHE | Regie: Keith Thomas | USA 2019

Der junge Yakov (Dave Davis) möchte die strenge chassidische Gemeinde in Brooklyn am liebsten verlassen, weil er seinen Glauben verloren hat. Da er  allerdings dringend Geld braucht, stimmt er widerwillig dem Angebot eines Rabbiners zu, die nächtliche Totenwache für ein verstorbenes Gemeindemitglied zu übernehmen. Aus irgendeinem Grund möchte die kein anderer übernehmen. Kurz nach seiner Ankunft in dem baufälligen Haus wird Yakov klar, dass hier etwas sehr, sehr falsch läuft. Schon bald findet sich der junge Held in einem unheimlichen Albtraum wieder, der von einem furchteinflößenden Wesen orchestriert wird: Einem „Mazik“, wie im jüdischen Volksglauben jener Totengeist bezeichnet wird. In dieser Nacht des surrealen Schreckens muss sich Yakov nicht nur bösen Geistern, sondern auch den Dämonen seiner Vergangenheit stellen.

„The Vigil – Die Totenwache“ ist auf dem Papier ein wahrhaft verstörendes Horrordrama, das sich mit den Gräueltaten am Judentum auseinandersetzt. In der praktischen Umsetzung hingegen hat Regisseur und Autor Keith Thomas aber leider nur einen generischen Jumpscare-Schocker vorgelegt, der weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.


EDISON – EIN LEBEN VOLLER LICHT | Regie: Alejandro Gomez-Rejon  | USA/RUS/UK 2017

Amerika kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts: Thomas Edison , einer der genialsten Erfinder aller Zeiten, steht kurz davor, zum ersten Mal einen ganzen Straßenzug in Manhattan mit elektrischem Licht zu erleuchten und die Welt damit für immer zu verändern. Der Durchbruch macht ihn über Nacht zur Berühmtheit. Unermüdlich arbeitet Edison daran, seine Erfindung auf das ganze Land auszudehnen. Hin und her gerissen zwischen seiner fieberhaften Arbeit und seiner geliebten Frau Mary und den beiden Kindern, gerät Edison zunehmend in einen inneren Konflikt. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung – sein schärfster Konkurrent, der vermögende Unternehmer George Westinghouse, ermutigt von seiner Frau Marguerite, engagiert den jungen Erfinder Nikola Tesla, um das Rennen um die Stromversorgung Amerikas für sich zu entscheiden.

„Edison – Ein Leben voller Licht“ ist der irreführende Titel eines Filmes über zwei Männer, die die Vor- und Nachteile von Gleich- und Wechselstrom ausdiskutieren. Das macht ihn nur unwesentlich spannender als den dazugehörigen Wikipedia-Artikel, was auch die unter dem schwachen Drehbuch leidende Besetzung nicht ausgleichen kann.


SCHWARZE MILCH | Regie: Uisenma Borchu | MNG/DE 2020

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst unter wohlsituierten Umständen in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die sich eigentlich von Geburt an kennen und die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen, werden nun mit der Realität konfrontiert. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können, oder haben die beiden ihre gegenseitigen Anknüpfungspunkte verloren? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…


YUMMI | Regie: Lars Damoiseaux | BEL 2019

Wer schön sein will, muss sterben! „Yummi“ ist eine ebenso blutige wie aufregende Horrorkomödie, die in einer heruntergekommenen Schönheitsklinik in Osteuropa spielt. Hierher hat es Michael (Bart Hollanders) und seine junge Frau Alison (Maaike Neuville) verschlagen, weil sie sich die Brüste verkleinern lassen will. Während Alison auf die OP wartet, streift Michael durch das Gebäude. In einem verlassenen Flügel, findet er eine junge Frau, die gefesselt und geknebelt im Bett liegt. Michael befreit die Frau, doch zu spät erkennt er, dass es sich bei der Patientin um einen leibhaftigen Zombie handelt! Im Handumdrehen bricht in der Klinik eine Zombie-Epidemie aus. Patienten und Personal müssen sich mit allen Mitteln gegen den Ansturm der Untoten zur Wehr setzen. Zwischen Facelifts und Fettabsaugungen geht es ums nackte Überleben! „Yummi“ ist der Splatterkracher von den Fantasy Filmfest Nights 2020.


Heimkinotipp: ONWARD – KEINE HALBEN SACHEN | Regie: Dan Scanlon  | USA 2020

New Mushroomton ist eine Welt voller Zauber und wunderbarer Wesen. Oder besser gesagt: Sie war es einmal. Denn leider ist die Magie fast vollständig aus der beschaulichen Vorstadt verschwunden. Mittlerweile gehören Müll fressende Einhörner zum Stadtbild und magische Geschöpfe wie etwa Drachen findet man hier allenfalls als Haustiere wieder. Doch eines Tages erhalten die Brüder Ian und Barley von ihrer Mutter die einmalige Chance, zumindest in ihr Leben wieder einen Hauch von Magie zu lassen: Mithilfe eines Zauberstabs kann es ihnen gelingen, ihren toten Vater für einen ganzen Tag wieder zurückzuholen. Doch bei dem Versuch geht etwas gewaltig schief. Und so müssen die beiden das erste Mal seit langer Zeit wieder an einem Strang ziehen und auf einem abenteuerlichen Roadtrip eine Reihe gefährlicher Aufgaben erfüllen, eh sie ihren Dad wieder in ihre Arme schließen können…

Routiniert drückt „Onward – Keine halben Sachen“ die bewährten Pixar-Emotionsknöpfe. Doch ausgerechnet bei einem Film über Magie bleibt der heraufbeschworene Zauber aus. Was bleibt ist ein solider Abenteuer-Roadtrip, der als smarter Kommentar auf die zunehmende Verrohung der Menschheit leider hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Das startet am 16. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 16. Juli, an dem mit „Waves“ ein Film in die Kinos kommt, den Universal bereits ins Heimkino verfrachtet hatte, nachdem er als einer der ersten der Corona-Krise zum Opfer fiel. Nun erscheint er doch und sollte auf jeden Fall auf der großen Leinwand genossen werden. Genauso wie „Into the Beat“ – einfach weil man die herausragenden Tanzmoves von maximaler Wucht sind. Filme wie das Marie-Curie-Biopic „Elemente des Lebens“ und das Monsterdrama „After Midnight“ – letzterer lief bereits auf dem Fantasy Filmfest – werden wohl eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen. Wie so ziemlich alles aktuell. Zumindest bei der Schweizer Komödie „Wir Eltern“ ist das allerdings nicht so schlimm.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

WAVES | Regie: Trey Edward Shults  | USA/CAN 2019

Der 18-jährige Tyler (Kelvin Harrison Jr.) ist erfolgreiche Ringkämpfer und an seiner Highschool sehr beliebt. Doch die sportlichen Leistungen kommen nicht von ungefähr: Allen voran Tylers Vater Ronald (Sterling K. Brown) drillt seinen Sohn regelmäßig zu Höchstleistungen. Tylers Kindheit ist seit jeher davon geprägt, seinem Vater zu gefallen. Zeit für Entspannung bleibt da keine. Doch daraus schöpft er auch seinen Ehrgeiz. Tyler wünscht sich nichts mehr als ein Sportstipendium für eine begehrte Elite-Universität. Doch dann geschehen in Tylers Familie gleich mehrere tragische Vorfälle, die nicht nur sein Leben, sondern auch das Leben seiner Schwester Emily (Taylor Russell) auf den Kopf stellen. Es benötigt viel Zeit, um damit klarzukommen. In ihrem zurückhaltenden Mitschüler Luke (Lucas Hedges) findet zumindest Emily einen aufmerksamen Zuhörer.

Ein Film über Familie und darüber, wie zerbrechlich sie ist: Trey Edward Shults gelingt mit seinem Drama „Waves“ eine hervorragend bebilderte Studie darüber, wie Menschen mit Extremsituationen umgehen. Die Darsteller erfüllen es mit Leben, dem sich bisweilen recht abgegriffene Erzählmotive hin und wieder ein wenig in den Weg stellen.

MARIE CURIE – ELEMENTE DES LEBENS | Regie: Marjane Satrapi | UK/HUN/CHN/FR/USA

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts: In der akademischen Männerwelt der Universität Sorbonne hat Marie Skłodowska (Rosamund Pike) als Frau und auf Grund ihrer kompromisslosen Persönlichkeit einen schweren Stand. Allein der Wissenschaftler Pierre Curie (Sam Riley) ist fasziniert von ihrer Leiderschaft und Intelligenz und erkennt ihr Potential. Er wird nicht nur Maries Forschungspartner sondern auch ihr Ehemann und die Liebe ihres Lebens. Für ihre bahnbrechenden Entdeckungen erhält Marie Curie als erste Frau 1903 gemeinsam mit Pierre den Nobelpreis für Physik. Sein plötzlicher Tod erschüttert sie zutiefst, aber Marie gibt nicht auf. Sie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben und für ihre Forschung, deren ungeheure Auswirkungen sie nur erahnen kann und die das 20. Jahrhundert entscheidend prägen werden.

Regisseurin Marjane Satrapi wird den vielen, in „Marie Curie – Elemente des Lebens“ aufgegriffenen Themen über weite Strecken gerecht und inszeniert unter Zuhilfenahme von Genreelementen ein außergewöhnliches Biopic über eine außergewöhnliche Frau, das sämtliche ihrer Facetten einfängt.


AFTER MIDNIGHT | Regie: Jeremy Gardner, Christian Stella  | USA 2019

Hank (Jeremy Gardner) und Abby (Brea Grant) sind ein eigentlich glückliches Liebespaar, das sich im Hinterland Floridas ein beschauliches Zuhause aufgebaut hat. Doch eines Tages verschwindet die junge Frau spurlos. Und hinterlässt einen ratlosen Freund, der nicht weiß, ob Abby nun etwas passiert ist, oder sie ihn aus freien Stücken verlassen hat. Das Einzige, was ihm bleibt, ist eine kryptische Notiz, die Hank jedoch nicht zu entschlüsseln vermag. Die Umstände werden noch rätselhafter als sich der junge Mann nicht nur mit dem Verschwinden seiner Freundin auseinandersetzen muss, sondern es auch noch mit einer Kreatur zu tun bekommt, die so gar nicht von dieser Welt stammt. Dieses Monster sucht Hank fortan jede Nacht heim. Und für ihn steht fest, dass Abbys Verschwinden unweigerlich etwas mit diesem Wesen zu tun haben muss…

Ein etwas anderer Monsterfilm: Das vor allem von zwei Darstellern getragene Horrordrama „After Midnight“ ist eine melancholische Beziehungsparabel vor minimalistischem Setting, bei der Anspannung und Traurigkeit Hand in Hand gehen.


BERLIN ALEXANDERPLATZ | Regie: Burhan Qurbani | DE/NED/FR/CAN 2020

Dies ist die Geschichte von Francis. Auf der Flucht von Afrika nach Europa kentert er und rettet sich mit letzter Kraft an einen Strand der Mittelmeerküste. Bald führt Francis‘ Weg nach Berlin und jetzt ist es an ihm, seinen Schwur auch einzuhalten. Doch die Lebensumstände als staatenloser Flüchtling machen es ihm nicht einfach. Er trifft auf den zwielichtigen deutschen Drogendealer Reinhold und die Leben der beiden Männer verbinden sich zu einer düsteren Schicksalsgemeinschaft. Immer wieder versucht Reinhold, Francis für seine Zwecke einzuspannen. Schließlich wird Francis von Reinhold verraten und verliert bei einem Unfall seinen linken Arm. Er wird von Mieze aufgenommen. Die beiden verlieben sich. Seine Geschichte könnte sich nun eigentlich gut ausgehen. Doch Francis kann der Anziehung von Reinhold nicht widerstehen.

„Berlin Alexanderplatz“ ist eine wuchtig inszenierte Neuauflage des gleichnamigen Jahrhundertromans und besticht mit einer betörenden Atmosphäre und herausragenden Darstellerleistungen, insbesondere von Albrecht Schuch. Der moralischen Ambivalenz der Vorlage wird diese Interpretation allerdings nicht gerecht.


INTO THE BEAT – DEIN HERZ TANZT | Regie: Stefan Westerwelle | DE 2020

Katya ist ein herausragendes Balletttalent. Sie trainiert hart fürs Vortanzen bei der New York Ballet Academy. Aber als sie eine Gruppe Streetdancer kennenlernt, eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt: Im Gegensatz zum klassischen Ballett ist der Streetdance frei und explosiv, ohne Regeln, die Gesetze der Schwerkraft scheinen außer Kraft gesetzt. Katyas Herz fängt Feuer für den neuen Style, wo sie all ihre Emotionen ausdrücken kann – und für den introvertierten Marlon, einen begnadeten Hip-Hop-Tänzer. Er erkennt ihr tänzerisches Potenzial und fordert sie auf, mit ihm an einer Audition der weltbekannten Street-Dance-Crew Sonic Tigers teilzunehmen. Katya taucht ein in ein bisher unbekanntes Lebensgefühl aus Unbeschwertheit, Community und Spontaneität. Sie ahnt: Sie kann nicht zurück zum Ballett. Doch ihr Vater Victor sieht das anders…

 Strukturell ist der deutsche Tanzfilm „Into the Beat – Dein Herz tanzt“ wie jeder andere Tanzfilm auch. Seine besonderen Highlights liegen jedoch mehr noch als in anderen Genrevertretern in den spektakulären Tanzsequenzen sowie der Stadt Hamburg als Kulisse. Leider schmälern die Darstellerleistungen zwischendrin arg das Sehvergnügen.


WIR ELTERN | Regie: Eric Bergkraut, Ruth Schweikert  | CH 2019

Die Eltern Veronika (Elisabeth Niederer) und Michael (Eric Bergkraut) glauben, alles richtig gemacht zu haben. Doch Zug um Zug lassen sie ihr Leben von den spätpubertären Zwillingssöhnen lahmlegen. Weder Punktelisten noch Strafen helfen. Romeo (Ruben Bergkraut) und Anton (Elia Bergkraut) sind kaum aus dem Bett zu kriegen und gehen nur selten zur Schule. Lässig spielen sie die überforderten Eltern gegeneinander aus, kiffen oder zocken stundenlang am Computer. Als sie vom Großvater (Peter Schweiger) einen generösen Erbvorschuss als Geburtstagsgeschenk erhalten, der die Kinder noch weniger dazu animiert, sich endlich um ihre Zukunft zu kümmern, verschärft sich das Zusammenleben weiter. Bis die Eltern auf unkonventionelle Weise die Notbremse ziehen und das gemeinsame Familienleben auf links zu drehen.

So authentisch „Wir Eltern“ auch das Leben einer Schweizer Familie abbilden mag, so wenig cineastisch präsentieren Eric Bergkraut und Ruth Schweikert ihre Geschichte. Der Film könnte auch eine Doku sein. Allerdings eine über wahrlich unausstehliche Personen – und das trifft beileibe nicht nur auf die faulen Kinder zu.


UNHINGED – AUSSER KONTROLLE | Regie: Derrick Borte  | USA 2020

Es ist ein ganz normaler Morgen für Rachel (Caren Pistorius): Sie ist wieder mal zu spät dran und steckt im täglichen Verkehrschaos auf dem Weg zur Schule mit ihrem Sohn Kyle (Gabriel Bateman) fest, als auch noch ihre wichtigste Klientin ihr kündigt und der Autofahrer (Russell Crowe) vor ihr hartnäckig die grüne Ampel ignoriert. Laut hupend zieht sie an ihm vorbei und ahnt nicht, dass sie so zur Zielscheibe der geballten Wut eines Mannes wird, der nichts mehr zu verlieren hat. Er hat es auf sie abgesehen, um sich für seine erlittene schmack zu rächen. Entschlossen heftet er sich fortan an Rachels Fersen, um ihr eine Reihe von Lektionen zu erteilen, die sie so schnell nicht vergessen wird. Und nicht nur sie ist sein Ziel, sondern auch alle, die sie liebt. Gnadenlos und scheinbar unaufhaltsam schlägt der Fremde immer wieder zu und treibt die junge Frau an den Rande des Wahnsinns. Kann sie dem Irren entkommen?

„Unhinged – Außer Kontrolle“ beginnt als effektive Neuauflage von „Duell“, entwickelt sich jedoch nach und nach in einen generischen Actionthriller, an dem in erster Linie Russell Crowe als durchgeknallter Irrer überzeugt.


Heimkinotipp: EMMA. | Regie: Regie: Autumn de Wilde | UK 2020

England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse, schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst. Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet, die sich in die „feine Gesellschaft“ noch nicht zu hundertprozent gefügt hat. Aber trotz Emmas unbegrenzten Vertrauens in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.

Jane Austen trifft „The Favourite“: Bei der neuen Verfilmung des Bestsellers „Emma.“ weiß man nie so ganz, ob das Ganze nun Parodie, aufrichtige Romanze, beides oder nichts von alledem sein soll. Das macht den Film nur phasenweise amüsant, da man sich die restliche Zeit über fragt, wie der Film wohl geworden wäre, hätte man sich auf eine tonale Balance einigen können.

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