Dune

Frank Herberts Bestseller DUNE fesselte Generationen von Sci-Fi-Fans. Nachdem sich bereits David Lynch an dem Stoff versuchte, nimmt sich nun Denis Villeneuve dem Wüstenplaneten an. Wo die Stärken und Schwächen dieser Adaption liegen, verraten wir in unserer Kritik.

OT: Dune (USA/CAN 2021)

Der Plot

Das Adelshaus Atreides will sicherstellen, dass auf dem Wüstenplaneten Arrakis, auch bekannt als Dune, weiterhin die Droge Spice abgebaut wird. Die ist nicht nur bewusstseinserweiternd, sondern ermöglicht obendrein intergalaktische Reisen. Herzog Leto (Oscar Isaac) fährt im Umgang mit dem geheimnisvollen Volk der Fremen, die Arrakis bewohnen, einen freundlicheren Kurs als andere Machtinhaber der Galaxis, die gewissenlose Ausbeutung als einziges Mittel zum Zweck kennen. Paul Atreides (Timothée Chalamet), Sohn von Leto und der Kriegerprinzessin Lady Jessica (Rebecca Ferguson), zeigt besonders weit entwickeltes Einfühlungsvermögen und gesteigertes Interesse an der Kultur der Fremen. Womöglich gelangt dies ihm bald zum Vorteil, denn der ruchlose Baron Vladimir Harkonnen (Stellan Skarsgård) stellt Haus Atreides eine Falle. Nun müssen Paul und seine Mutter in die endlosen Wüsten von Dune fliehen, wo Fremen-Anführer  Stilgar (Javier Bardem) und die mysteriöse Chani (Zendaya) hausen …

Kritik

Als Regisseur und Autor M. Night Shyamalan seinen Mysterythriller „Unbreakable“ entwickelte, stellte er sich einer kniffligen Aufgabe: Er beabsichtigte mit diesem Bruce-Willis-Vehikel, die Storymechanismen, die üblicherweise den ersten Akt einer Superhelden-Entstehungsgeschichte ausmachen, auf abendfüllende Länge zu dehnen. Shyamalan wollte also ein Drittel einer Geschichte als ein Ganzes verkaufen. Zwar hegte er insgeheim Pläne, eine „Unbreakable“-Trilogie zu verantworten, jedoch hatte er keinerlei Planungssicherheit, ob die von ihm ersonnenen Fortsetzungen wirklich folgen würden. Wie also könnte er aus einer im sogleich mehreren Sinne inkompletten Geschichte einen Film formen, der für sich alleinstehend funktioniert und eine erfüllende Erzählung ergibt? Die Lösung: Shyamalan zog zwar spürbaren Genuss daraus, das erste Drittel einer Superhelden-Entstehungsgeschichte deutlich zu entschleunigen und es als beklemmendes, kühles Mysterium neu zu interpretieren. Allerdings beendete er „Unbreakable“ nicht einfach ohne einen einzigen abgeschlossenen Handlungsbogen – stattdessen skizziert Shyamalan diesen Anfang eines Heldendebüts als vollständige Reise der Selbsterkenntnis. Seit „Unbreakable“ wurde solch ein erzählerischer Spagat in Hollywood fast zum Volkssport. Die „Der Herr der Ringe“-Trilogie besteht aus drei in einem Rutsch produzierten Filmen, die ein filmübergreifendes Epos ergeben; Doch jedes Drittel dieser Saga findet einen stimmigen, runden Ausstieg, so dass man beim Anschauen von Teil eins und zwei nicht das Gefühl bekommt, einfach mittendrin aus einer Geschichte gezerrt zu werden.

Josh Brolin und Oscar Isaac in Denis Villeneuves „Dune“-Verfilmung.

Andrés Muschiettis „Es“ pickt sich ungefähr die Hälfte des Materials aus dem vielleicht beliebtesten aller Stephen-King-Romane heraus – obwohl zum Produktionszeitpunkt niemand wusste, ob die Adaption erfolgreich genug sein würde, um einen zweiten Teil zu rechtfertigen. Allerdings ist der Film so strukturiert, dass die halbe „Es“-Adaption eine vollständige Coming-of-Age-Story-trifft-gespenstischen-Terror-Erfahrung ergibt. Wäre Teil zwei nie gekommen: Es wäre schade gewesen, aber kein Problem. („Es“ ist sogar so gut, dass der maue zweite Film den Vorgänger nicht abwertet!) Und der große Clou hinter dem Marvel Cinematic Universe ist, dass jeder einzelne Film – im besten Falle – Lust auf einen anderen Film macht. Den besten MCU-Filmen gelingt es trotzdem, ihren eigenen Spannungsbogen zu entwerfen und innerhalb dieser großen, filmübergreifenden Verbundenheit auch eine vollständige Geschichte zu erzählen. Selbst bei den schwächsten MCU-Filmen ist wenigstens nunmehr gewiss: Die Marvel Studios sind eine derartige Erfolgsmaschine – es wird weitergehen, niemand muss sich auf absehbare Zeit mit einem gekappten Hauptplot zufrieden geben. Andere Filme unterstreichen unterdessen durch ihre Schwächen, welch heikle Situation Shyamalan 2000 gemeistert hat. Der vergnügliche „Alita: Battle Angel“ etwa erzählt eine komplette Geschichte in einer größeren, zu einer ausführlicheren Erkundung in weiteren Filmen einladenden Welt – mündet jedoch kurz vor Abspann in den plumpen Auftakt eines potentiellen Sequels, das von Monat zu Monat unwahrscheinlicher wird. Manche Produktionen trifft es sogar noch schlimmer. Die „Divergent“-Reihe beispielsweise nahm ein unabgeschlossenes, unrühmliches Ende – und nach jetzigem Stand kann man nicht ausschließen, dass Denis Villeneuves „Dune“ in dieser Hinsicht ein neues „Divergent“ wird.

„Die ‚Divergent‘-Reihe nahm ein unabgeschlossenes, unrühmliches Ende – und nach jetzigem Stand kann man nicht ausschließen, dass Denis Villeneuves ‚Dune‘ in dieser Hinsicht ein neues ‚Divergent‘ wird.“

Um eins sofort klarzustellen: Villeneuves „Dune“ ist deutlich (!) beeindruckenderer als die unvollendete „Divergent“-Filmreihe. Dennoch müssen sich Regisseur und Autor Denis Villeneuve sowie seine Schreibpartner Eric Roth („Der seltsame Fall des Benjamin Button“) und Jon Spaihts („Passengers“) einen großen und wichtigen Kritikpunkt gefallen lassen: Sie erzählen mit „Dune“ keine vollständige Geschichte. Weder im „Unbreakable“-Sinne noch im Verständnis eines „Der Herr der Ringe“-Drittels – nicht einmal im Sinne eines MCU-Films. Ihr „Dune“ ist reine Exposition, das Zurechtrücken der Schachfiguren früh im Verlaufe einer Partie, und sobald sie die ersten Standardmanöver durchlaufen haben, beenden sie den Film. Das große Taktieren, das Kräftemessen der verfeindeten Fraktionen und das Beleuchten, wie Veränderungen das Innenleben der über zwei Stunden lang etablierten Figuren beeinflussen? All das heben sie sich für einen zweiten Part auf, der noch nicht abgemachte Sache ist, sondern komplett davon abhängig ist, wie sich „Dune“ an den Kinokassen (und auf HBO Max) schlagen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die Reise zu diesem unvollständigen Ende in einem gletscherähnlichen Tempo daherkommt. Villeneuve packt in die rund zweieinhalb „Dune“-Filmstunden denselben Gehalt, den man im Hause Lucasfilm in einen „Star Wars“-Lauftext packen würde. Wir erfahren die Namen von Gruppierungen, Orten und Einzelpersonen sowie ihre ursprüngliche Beziehung zueinander – und was bei „Star Wars“ die Pünktchen wären, die das Ende dieser textlichen Exposition markieren, bevor der eigentliche Film losgeht, ist bei diesem „Dune“ der Abspann.

„Dune“ kommt in großen, bisweilen epochalen Bildern daher.

Nun ist gerade Science-Fiction ein Genre, in dem Titel, in denen viel Handlung in wenig Zeit gezwängt wird, und Produktionen, in denen sich wenig Handlung über viel Raum erstreckt, Seite an Seite stehen. Daher ist der Mangel an Ereignissen in diesem „Dune“ zunächst einmal kein Problem – schließlich bestünde die Möglichkeit, die langen Phasen des Widerhalls zwischen zwei handlungsrelevanten Momenten für Introspektive zu nutzen. So, wie es sich etwa Alejandro Jodorowsky für seinen letztlich unverwirklichten „Dune“-Film vorstellte, der die spirituelle Bedeutung der Romanvorlage ausarbeiten sollte. Ebenso bestünde die Möglichkeit, den „Dune“-Auftakt als eine Art Sci-Fi-„Lawrence von Arabien“ zu arrangieren, in dem wir detailliert Paul Atreides‘ Akklimatisierung mit der Kultur der Fremen vorgeführt bekommen. Stattdessen beschloss Villeneuve („Blade Runner 2049“) jedoch, Pauls Bindung mit dem ihm fremden Volk (durchaus vorlagengetreu) stark mit einem esoterischen „So ist es vorgesehen“ zu verkürzen. Obwohl Villeneuve vor der Weltpremiere seines Films betonte, er wolle sich von der viel kritisierten, möglichen (nicht zwingenden) „Ein weißer auserwählter Mann rettet ein nicht-weißes Volk vor weiterer Ausbeutung“-Lesart der Vorlage abgrenzen, bleibt bei dieser argen Komprimierung von Pauls Innenleben und der nicht minder oberflächlich-mystischen Darstellung der Fremen exakt das über… Sollte Villeneuve kritischere Facetten im Sinn haben, so hat er sie sich für Teil zwei aufgehoben.

„Obwohl Villeneuve betonte, er wolle sich von der viel kritisierten, möglichen (nicht zwingenden) ‚Ein weißer auserwählter Mann rettet ein nicht-weißes Volk vor weiterer Ausbeutung‘-Lesart der Vorlage abgrenzen, bleibt bei der argen Komprimierung von Pauls Innenleben und der nicht minder oberflächlich-mystischen Darstellung der Fremen exakt das über.“

Timothy Chalamet („Call Me By Your Name“) spielt sich recht charmant durch diese diffizile Position. Immerhin ist sein naiver und verschüchtert dreinblickender „Ich will es besser machen, weil ich das Gefühl habe, es ist mir so in die Wiege gelegt“-Bube die Figur des Films mit den meisten Facetten – alle anderen sind zumindest rein funktional entworfen und haben eine bestenfalls zweidimensionale Persönlichkeit: Zendaya („Greatest Showman“) gibt die rätselhaft sinnlich-säuselnde Erzählerin, Jason Momoa ist der scherzende Muskelmann, als wäre er direkt vom „Aquaman 2“-Set auf den Wüstenplaneten gestolpert, Josh Brolin („Sicaro 2“) ist charismatisch-schroff (also Josh Brolin). Oscar Isaac („Ex_Machina“) ist einfühlsam-bestimmt, Rebecca Ferguson („Reminiscence“) galant und dennoch kämpferisch (also Rebecca Ferguson) und Javier Bardem („Offenes Geheimnis) spielt… naja, Javier Bardem in der Wüste. Mimisch glänzen kann da niemand, denn die Gefühlswelten ihrer Rollen sind aufgrund des Skripts reine Behauptung, und Villeneuves trockene, ruhige Inszenierung gestattet keine metafiktionale Spielfreude mit dem eigenen Image. Jedoch blamiert sich dank des punktgenauen Castings wenigstens niemand. Auch diese schmächtige Figurenzeichnung ließe sich besser als Teil des Konzepts genießen oder zumindest verzeihen, würden sie und die spärliche Handlung dazu dienen, umso größeren Raum mit der Auseinandersetzung der thematischen Motive gestatten.

Viele der Landschaftsaufnahmen suchen ihresgleichen.

Erzählerische Schwerpunkte kristallisieren sich dahingehend durchaus heraus: Villeneuve überträgt die Ausgangslage des Romans mit einem Fokus auf Kolonialismus sowie die unter dessen Flagge betriebene Ausbeutung von Mensch und Natur ins Kino. Allerdings bleiben diese Themenkomplexe eine vage Präsenz innerhalb von „Dune“, das bloße Sprungbrett für einen Konflikt, der sich erst in der möglichen Fortsetzung entwickeln wird. Einen regen Diskurs über Kolonialismus führt „Dune“ nicht, ebenso wenig gibt er prägnante Denkanstöße, um das Publikum zu einer selbstständigen Auseinandersetzung mit ihm anzuregen. Wer nicht eh schon weiß, dass „Dune“ unter anderem von Kolonialismus handelt, wird durch den Film nicht stärker zum Grübeln gebracht, als „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ eine Debatte über Zölle auszulösen vermag. Wenigstens den Themenverbund der Ressourcenverschwendung und Naturzerstörung weiß Villeneuve in seinen Reigen aus epochalen Bildern einzubinden – schließlich kommt das bei den ganzen Landschaftsaufnahmen nahezu zwangsweise zur Geltung. Und in einem der wenigen konkret herausgearbeiteten Handlungselemente gelingt es dem Regisseur, das investierte Publikum um Dattelpalmen bangen zu lassen. Insgesamt haben in „Dune“ jedoch reine Vibes und die Ehrfurcht vor Größe, Weite und Tiefe die Oberhand – nicht etwa Story, Charakterzeichnung oder Themen. Jedenfalls, in Teil eins.

Dass es möglich ist, eine bedächtig-elegische Erzählweise und eine dichte thematische Unterfütterung zu vereinen, und somit ein bildgewaltiges, in sich abgeschlossenes Sci-Fi-Epos zu erzählen, bewies übrigens Semih Kaplanoğlu mit „Grain – Weizen“. Der Film von 2017 etabliert in 123 Minuten eine karge Zukunft, entschleunigt daraufhin drastisch und nutzt diese Langsamkeit und sich einbrennende Naturaufnahmen, um sowohl die Spiritualität der Hauptfigur als auch Themen wie menschliche Hybris, technologische Verfehlungen und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu verdeutlichen. Ob Villeneuves Interpretation des Romanklassikers „Dune“ derartige Tiefe erreicht, ließe sich erst nach einem weiteren Teil einschätzen.

Der Rohstoff Spice setzt sich optisch vom Wüstensand ab. Eine berauschende Detailaufnahme.

Was sich jetzt dagegen beurteilen lässt, ist die Optik: Villeneuve und seinem Kameramann Greig Fraser („Foxcatcher“) gelingt es, ihren Bildern eine enorme Wucht zu verleihen. Sei es die erschlagende Weite einer Wüste, die erdrückende Leere eines riesigen Raumes mit wenig Mobiliar und massiv verlebten Wänden, oder die Schwere eines sperrigen Raumschiffes. Was Frank Herberts „Dune“ allein schon mit seinem Umfang an Gewicht mitbringt, retten Villeneuve und Fraser durch ihre Bildsprache auf die Leinwand. Die von ihnen angestrebte Ästhetik ist (vollkommen entgegen dessen, was Alejandro Jodorowsky sich einst für seine nie verwirklichte „Dune“-Adaption ausgemalt hat) dabei bewusst monoton: Das Haus Harkonnen versinkt in einem schattigen Schwarz-in-Schwarz, der Atreides-Clan bevorzugt Grau in all seinen Facetten, der Wüstenplanet Dune ist eine gigantische Wüste voller Sand sowie sandfarbenen Bauten, und sowohl die Technologie als auch die Mode jener, die auf ihm heimisch sind, erstreckt sich farblich von Beige über Ocker bis Terrakotta. Praktische und digitale Elemente gehen in dieser Welt nahtlos ineinander über, was auch an Villeneuves cleverer Fokusverschiebung liegt – wann immer etwas zu irreal zu werden droht, zieht er die Gesichter umstehender Figuren, nicht das Irreale scharf. Das ist eine durch und durch konsequente Vision, durch die sich die Schwere des Ganzen intensiviert, bleiben doch Farbtupfer und visuelle Verspieltheit aus, die für Leichtigkeit und Vitalität sorgen würden. Zudem ist es eine Vision, anhand derer sich alle, die in diesem von Fantasieworten bespickten Film den Faden verlieren, jederzeit mühelos in Erinnerung rufen können, wer die Guten, die moralisch Ambivalenten und die Bösen sind. Hans Zimmers („Wonder Woman 1984“) Score ist dieselbe enorme Passion für die Vorlage anzumerken wie Villeneuves Regieführung. Sowohl der kanadische Regisseur als auch der deutsche Komponist sind seit Jugendtagen riesige „Dune“-Fans, und während Villeneuves überwältigende Begeisterung durchaus ihren obig erwähnten Preis hat, hat Zimmer den Vorteil, dass es für die Wirkung und den Genuss seiner Musik nicht von Belang ist, ob man bereits überzeugt ins Kino schreitet. Auch die Frage, ob es einen zweiten Teil geben wird, ist für den Score nicht von Belang. Er hämmert und wummert und zimmert mit mitreißender Passion, ganz gleich, was noch kommt oder nicht kommt. Zimmers megalomanisches Vorgehen fügt sich hervorragend in Villeneuves epochales Pathos, mit dem er die Schauwerte des Films vorführt. Der Komponist versteht es allerdings zugleich, sich der Erzähltemperatur des Films angemessen zurückzunehmen: Die akustische Wucht mit sich überlagernden Percussions und Chorälen wird nicht für vorantreibende Melodien, sondern ehrfürchtige Klangmotive genutzt.

„Villeneuve und seinem Kameramann Greig Fraser gelingt es, ihren Bildern eine enorme Wucht zu verleihen. Sei es die erschlagende Weite einer Wüste, die erdrückende Leere eines riesigen Raumes mit wenig Mobiliar und massiv verlebten Wänden, oder die Schwere eines sperrigen Raumschiffes.“

Schlussendlich lässt sich Villeneuves „Dune“ so zusammenfassen: Es ist die filmgewordene Version dessen, dass Villeneuve und sein Team nach langem Träumen, sich eines Tages dem Wüstenplaneten annehmen zu dürfen, zweieinhalb Stunden lang daran ergötzen, wie groß und toll und detailreich ihre Vision der Schauplätze doch sei – und sie laden alle, die jahr(zehnt)elang denselben Traum hatten, dazu ein, es ihnen gleichzutun. Und es ist vergleichbar damit, als würden sie ins Disneyland fahren und dort zunächst ausgiebig Zeit in der Main Street, U.S.A. verbringen, durch die sie staunend schlendern. Sie begutachten die bildhübsche Architektur, schauen sich dort herumtollende Figuren an, die sie schon lange treffen wollten, suchen versteckte Details, die nur für Disney-Fans Bedeutung haben, und erfreuen sich ohne jegliche Eile an der einprägsamen Musikschleife. Und das meinen wir nicht abwertend – wir haben schon viele Stunden exakt so in der Main Street, U.S.A. verbracht. Allerdings muss man einsehen, dass längst nicht alle ihren Urlaub auf diese Weise verbringen wollen. Manche möchten im Disneyland in berührende Geschichten abtauchen, andere wollen in packende Abenteuer gezerrt werden oder einen aufreibenden, wilden Ritt erleben. Villeneuves „Dune“ ist nichts dergleichen, sondern ein „Fans voller Passion für diese fiktive Welt trödeln schockverliebt durch den Teil des Parks, den Durchschnittsfamilien am langweiligsten finden“-Trip. Wer das begriffen hat, kann besser einschätzen, ob man beim in Venedig entfachten „Dune“-Hype mitgeht oder ganz hibbelig Villeneuve anschreien möchte: „Ich habe so lange gewartet, um hierher reisen zu können. Jetzt lass uns endlich womit fahren!“

Die mysteriöse Chani (Zendaya) der Fremden fungiert in „Dune“ als Erzählerin.

Fazit: „Dune“ macht in jeder einzelnen Sekunde deutlich, dass Denis Villeneuve die Vorlage von Frank Herbert liebt, und sich immens daran erfreut, diese Wüste zu erkunden. Das ist eine Begeisterung, die man respektieren darf und die sich bei ausreichender, positiver „Dune“-Vorprägung übertragen könnte. Eine erzählenswerte Handlung, denkwürdige Figuren oder zum Denken anregende Auseinandersetzungen mit dem thematischen Unterbau der Romanvorlage stehen allerdings nicht zu erwarten. All das hat sich Villeneuve (vielleicht) für den potentiellen zweiten Film aufgehoben.

„Dune“ ist ab dem 16. September 2021 in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

  • Freue mich tierisch auf den Film. Siehst den Film ja doch recht kritisch. Bin mal gespannt. Eventuell ist das Publikum nach den ganzen Marvel/DC Blockbustern (ich persönlich kann es nicht mehr sehen und schaue mir nur noch die Comic Verfilmungen mit überragenden Kritiken im Kino an) aber auch mal froh für eine andere ‚Seherfahrung‘. Allerdings glaube ich es nicht.
    Ich hoffe jedenfalls das Dune erfolgreich genug wird dass es einen Abschluss der Geschichte geben wird.
    Ich möchte auch zukünftig teure Nolan/Villeneuve/etc. Blockbuster im Kino sehen können. Glaube das ist gerade die Befürchtung vieler Cineasten das bald solche Filme nicht mehr finanziert werden.
    Wie immer eine gut geschriebene Kritik 👍

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