xXx: Die Rückkehr des Xander Cage

Nach 15 Jahren „Triple X“-Abstinenz kehrt Actionstar Vin Diesel in xXx: DIE RÜCKKEHR DES XANDER XAGE zurück in seine Rolle als extremsportfanatischer Geheimagent. Doch D.J. Carusos Regiearbeit taugt allenfalls als Appetithappen vor dem nächsten „Fast & Furious“-Film – mehr dazu in meiner Kritik.xXx: The Return of Xander Cage

Der Plot

Alle dachten, er sei tot. Doch dann taucht Extremsport-Fanatiker und ehemaliger US-Geheimagent Xander Cage (Vin Diesel) wie aus dem Nichts wieder auf. Der Grund: Die Regierung braucht ihn! Eine Waffe namens „Die Büchse der Pandora“ befindet sich in den falschen Händen. Mit ihr hat man Zugriff auf sämtliche Militär-Satelliten der ganzen Welt – kein Wunder, dass die das Triple-X-Programm beaufsichtigende Jane Marke (Toni Collette) es unbedingt zurück haben will. Damit das gelingt, baut sie auf die Hilfe von Xander Cage und seiner Crew aus ausrangierten Profis (Deepika Padukone, Ruby Rose, Rory McCann), die den Nahkampf nicht scheuen und zu allem bereit sind.

Kritik

2002 wurde das „Triple X“-Franchise mit Vin Diesel in der Hauptrolle begonnen, nur um ihn aus Termingründen  von Seiten des Schauspielers schon im zweiten Teil durch Ice Cube zu ersetzen. Seither sind 12 Jahre vergangen und die Gerüchteküche ob eines dritten Filmteils loderte irgendwann nur noch auf ganz kleiner Flamme. Damit, dass jetzt tatsächlich noch ein weiteres Sequel der erfolgreichen Actionsaga in die Kinos kommen würde, hatte wohl keiner mehr so wirklich gerechnet. Und wenn man einmal ehrlich ist, so hätte man der Filmwelt einen großen Dienst erwiesen, das Projekt „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ einfach bleiben zu lassen. Das hat gar nicht mal unbedingt etwas damit zu tun, dass an dem Actionreißer durchgehend alles schlecht wäre – im Gegenteil. Nicht bloß der selbstironische, auf ein neues „Kingsman“ hoffen lassende Auftakt ist gelungen, auch die Actionsequenzen können in Sachen Bombast und Haptik durchaus überzeugen. Womit „Die Rückkehr des Xander Cage“ hingegen abschmiert, ist alles dazwischen. Wer sich nicht ausgerechnet vom Obermacho-Charme eines Vin Diesel angezogen fühlt, für den hält der Film keinerlei persönlichen Ankerpunkt bereit. Was bleibt, sind ein paar unsympathische Adrenalinjunkies, die sich zwischen den vereinzelten Stunt-Einlagen dann auch noch unterhalten müssen. Eine ganz schön anstrengende Angelegenheit.

(L-R) Vin Diesel as Xander Cage, Toni Collette as Jane Marke, Ruby Rose as Adele Yusef, Nina Dobrev as Rebecca Clearidge, Deepika Padukone as Serena Unger, and Tony Gonzalez as Paul Donovan in xXx: RETURN OF XANDER CAGE by Paramount Pictures and Revolution Studios

Von rechts nach links: Vin Diesel, Toni Collette, Nina Dobrev, Deepika Padukone und Tony Gonzalez

Die FSK hat für „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ eine Altersfreigabe ab 16 beschlossen. Aus Sicht der blockbusterkonformen Brutalität ist das eine ganz schön harte Entscheidung, doch schaut man sich einmal das im Film zelebrierte Frauenbild an, sollte man fast schon froh darüber sein. Der Charakter des Xander Cage entsprach zwar schon immer einer Art James Bond im Obermacho-Modus, doch so dummdreist explizit wie hier haben die Macher ihre weiblichen Darsteller bislang nicht in den fragwürdigen Vordergrund gerückt. Da genügt es auch nicht, dass ein beachtlicher Teil des Showdowns von zwei Damen im Alleingang bewältigt wird – in letzter Instanz werden sie ja doch wieder von den Herren der Schöpfung gerettet. Ist man als Frau nicht gerade Teil von Cages Einsatzkommando, scheint ihnen nichts anderes übrig zu bleiben, als für den bemuskelten Glatzkopf die Beine breit zu machen; wenngleich angedeutete Orgien nicht vor der Kamera stattfinden, so hinterlässt all das doch einen äußerst unangenehmen Beigeschmack. Selbst die als mit all diesem Humbug kokettierende Figur der Cage offensiv anschmachtenden Becky (Nina Dobrev) kann die Situation nicht so sehr unterwandern, wie es der Film benötigen würde, um sich von seinem Schmuddelimage loszusagen. Zu sehr gefällt sich Diesel in seiner Rolle des lüsternen Mackers, was – nebenbei bemerkt – für die Handlung erwartungsgemäß keinerlei Relevanz hat. Es verpasst dem Franchise lediglich seinen Stempel. Einen solchen, auf den man gern verzichtet.

Doch so traurig es klingen mag: Damit, sich ausgerechnet bei Actionfilmen auf Geschlechterklischees und Rollenverteilung zu stürzen, macht man es sich bei Kritik denkbar einfach. Letztlich überspitzt ein „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ nur das, was in anderen Filmen ebenfalls gezeigt wird. Und genau hier liegt das Problem: Bereits in den ersten 15 Minuten schlägt Regisseur D.J. Caruso („Ich bin Nummer Vier“) einen Ton an, der wie dafür gemacht wäre, das gesamte Genre in bester „Kingsman“-Manier durch den Kakao zu ziehen. Es erweisen sich nicht umsonst jene Szenen als am gelungensten, in denen die Macher derart über die Strenge schlagen, dass man selbst als Kenner von „Fast & Furious“ und Co. die Hände über dem Kopf zusammen schlägt. Von der Einführung – einer irren Dialogsequenz zwischen Samuel L. Jackson („The Hateful 8“) und einem sich selbst herrlich wenig ernst nehmenden Neymar – über einen Skiabfahrtslauf durch Wälder und über Straßen bis hin zu einem Duell auf zu Wasserskiern umdesignten Motorrädern (!) kann „Die Rückkehr des Xander Cage“ diverse Szenen aufweisen, die für sich genommen ein zwar vollkommen hanebüchenes aber unter der Voraussetzung des zeitweiligen Stopps sämtlicher Gehirnaktivitäten auch ein wirklich amüsantes Kinoerlebnis bilden würden. Doch so professionell und sehenswert die Stunts (vor allem in 3D!) auch umgesetzt sein mögen: Letztlich versucht D.J. Caruso unter all der Idiotie noch eine sich eben doch ernst nehmende Geschichte unterzubringen. Und die nimmt dann auch derart viel Platz ein, dass sie das Geschehen immer dann ausbremst, wenn es gerade erst an Fahrt aufgenommen hat.

Toni Collette as Jane Marke in xXx: RETURN OF XANDER CAGE by Paramount Pictures and Revolution Studios

Toni Collette in der Rolle der Jane Marke rekrutiert Xander Cage für ihre Zwecke.

Wieder einmal muss etwas aus den Händen der Bösen befreit werden, bei dem man sich fragt, weshalb so etwas überhaupt existiert. Das ist im Actiongenre eigentlich nebensächlich. Viel wichtiger als das Grübeln über Logiklöcher und Realitätsferne ist allerdings die Frage, ob das Gezeigte im hier dargebotenen Filmkosmos funktioniert. An diesem Punkt ist dann leider Schluss mit jedwedem Wohlwollen, denn so spektakulär und aufwändig wie sich die Actionszenen präsentieren, so lieblos und austauschbar ist die Geschichte. Würde einem wenigstens etwas an den Figuren liegen, hätte man immerhin eine Partei, der sich die Daumen drücken ließe. Doch mit Ausnahme einer Toni Collette („Im Himmel trägt man hohe Schuhe“) im Lady-Gaga-Gedächtnislook und einem zwangsläufig auffallenden Vin Diesel ist das Potpourri an hier aufgefahrenen Darstellern eintönig und uninteressant. Am einprägsamsten geraten da noch die ironisch geschnittenen Vorstellungsclips der vereinzelten Rekruten, doch erst einmal auf dem Schlachtfeld angekommen, verliert sich jeder von ihnen in einem handelsüblichen Blockbuster-Action-Modus. Genau dieses Bild spiegelt die technische Ausstattung wieder, die immerhin etwas Positives hat: Den Trend zum das Geschehen unkenntlich machenden Schnittgewitter (Stichwort: „Jason Bourne“) geht D.J. Caruso nicht mit. Tatsächlich erkennt man, was sich die Stuntcrew hier so alles hat einfallen lassen.

Fazit: Die Stunts und Actionszenen sind wirklich gelungen, doch wer nicht von sich aus auf die prollige Obermacho-Attitüde eines Vin Diesel abfährt, der wird an „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ schwer zu schlucken haben. Ohne Herz und Seele, dafür mit einem Frauenbild von vor zwanzig Jahren fährt D.J. Caruso einen Kurs, den er schnell wieder verlassen sollte, um sich das eigene Image nicht zu verderben.

„xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ ist ab dem 19. Januar bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in starkem 3D!

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