Minions & Monster

Die ersten Preview-Zahlen sprechen für sich: Die Welt scheint auf MINIONS & MONSTER gewartet zu haben! Und diesmal bekommt sie nicht bloß einen gewohnt albern-spaßigen Action-Animationsfilm geboten, sondern – zumindest in der ersten Hälfte – auch eine liebevolle Hommage an die Anfänge Hollywoods.

OT: Minions & Monsters (USA 2026)

Darum geht’s

James und Henry gehören zu einer Gruppe von Minions, die es geschafft haben, sich in Hollywood eine Karriere aufzubauen. Ihr nächster Schritt: endlich einen eigenen Monsterfilm drehen! Als der renommierte Regisseur Max (Christoph Waltz), der den Minions einst ihre Karriere ermöglichte, davon Wind bekommt, bietet er sich seinen gelben Freunden als Unterstützer an, indem er ihnen alle wichtigen Tipps an die Hand gibt, um mit ihrem Film so richtig durchzustarten. Auf der Suche nach der perfekten Hauptfigur stoßen James und Henry auf ein geheimnisvolles Zauberbuch, mit dessen Hilfe sie ein echtes Monster heraufbeschwören können. Anfangs wirkt das knuffige grüne Wesen namens Goomi (Bill Kaulitz) harmlos und eignet sich damit scheinbar ideal für den geplanten Film. Doch schon bald entwickelt es einen eigenen Willen und bringt die Dreharbeiten völlig durcheinander. Während James und Henry versuchen, ihren Film und schließlich auch die ganze Welt zu retten, freunden sich ihre Freunde mit dem tollpatschigen Roboteralien Dort (Tom Kaulitz) an, der sich später noch als wichtiger Unterstützer der Rettungsmission erweisen wird…

Kritik

Die Minions sind längst mehr als die quirligen Nebenfiguren, als die sie einst im Rahmen des Animationsfilmhits „Ich – Einfach unverbesserlich“ eingeführt wurden. Heute gehören sie zu den bekanntesten Figuren der Popkultur. Ob auf T-Shirts, Frühstücksboxen oder sogar als Motiv auf Tiefkühltorten: An den kleinen gelben Chaoten kommt man partout nicht vorbei. Dass die bisherigen sechs Filme weltweit zusammen rund 5,6 Milliarden US-Dollar eingespielt haben, überrascht deshalb kaum. Und mit „Minions & Monster“ dürfte diese Summe noch einmal deutlich wachsen. Das sieht man schon an den grandiosen Zahlen, die allein die Previews (!) an diesem Wochenende hierzulande einfahren konnten: 150.000 Zuschauer:innen – und der Film ist noch nicht mal offiziell angelaufen. Wenn da kein Hit in den Startlöchern steht! Wer infolgedessen eine weitere, auf maximalen Merchandise-Erfolg ausgelegte Fortsetzung erwartet, könnte diesmal sogar überrascht werden. Denn anstatt das ohnehin schon hohe Tempo der Vorgänger noch weiter anzuziehen, schlägt der inzwischen dritte eigenständige „Minions“-Film – zumindest in der ersten Hälfte – überraschend cinephile Töne an und entwickelt sich zu einer ungewöhnlichen Hommage an die Anfänge Hollywoods.

Die Minions bekommen es auf ihrer Odyssee mit allerhand Kreaturen zu tun. Manche entpuppen sich als mehr, andere als weniger gefährlich als sie aussehen.

Bereits der erste Trailer ließ aufhorchen. Vor allem eine exzessive Partyszene mit auf Elefanten reitenden Minions erinnerte auffällig an Damien Chazelles unterschätztes Hollywood-Epos „Babylon“. Im fertigen Film zeigt sich schnell, dass diese Parallele keineswegs zufällig ist – selbst diese „Babylon“-Anspielung soll nicht die einzige bleiben. Ein Querverweis reiht sich an den nächsten. Ob Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd, Klassiker wie „Citizen Kane“ und „Casablanca“, die legendären Universal-Monsterfilme der Dreißigerjahre oder sogar ein augenzwinkernder Gastauftritt von George Lucas: „Minions & Monster“ feiert die Filmgeschichte mit einer Begeisterung für das frühe Hollywood, die man so im Animationsbereich bislang nicht gesehen hat. Vermutlich auch deshalb nicht, weil sich derartige Referenzen vorwiegend an ein erwachsenes, filmerfahrenes Publikum richten, während der knallbunte (oder hier eher: knallgelbe) Rest drumherum dann doch vor allem die Jüngeren bespaßen soll. In „Minions & Monster“ findet indes beides stimmig zusammen. So werden viele der Verweise am jungen Zielpublikum zwar vorbeirauschen, aber die älteren Minionsfans (oder das erwachsene Begleitpublikum) hat trotzdem richtig was zu Gucken und zu Staunen.

„Ob Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd, Klassiker wie ‚Citizen Kane‘ und ‚Casablanca‘, die legendären Universal-Monsterfilme der Dreißigerjahre oder sogar ein augenzwinkernder Gastauftritt von George Lucas: ‚Minions & Monster‘ feiert die Filmgeschichte mit einer Begeisterung für das frühe Hollywood, die man so im Animationsbereich bislang nicht gesehen hat.“

Trotz dieser ungewöhnlichen Ausrichtung bleibt Regisseur Pierre Coffin (inszeniert hier bereits zum fünften Mal einen Film aus dem „Minions“-Universum) den Wurzeln der Reihe treu. Auch diesmal dominieren turbulente Slapstick-Einlagen, Action und Albernheiten. Das ist gewohnt amüsant. Schließlich leben die Minions seit jeher von ihrer einzigartigen Mischung aus kindlicher Naivität, anarchischer Zerstörungswut und ihrem herrlich unverständlichen Kauderwelsch, sodass auch hier jeder kleinste Handgriff zuverlässig im Chaos mündet. Eine frühe (und überraschend brutale) Szenenmontage, die zeigt, wie es den Minionsclan von einem Oberboss zum nächsten führt, weil jede:r Einzelne von ihnen durch unglückliche Umstände das Zeitliche segnen musste, ist Minions-Quatsch par excellence, der für den weiteren Filmverlauf den Comedyton vorgibt. Genau darin – in der Rückbesinnung auf das allzu Bekannte – liegt allerdings auch die größte Schwäche des Films. Die zunächst herrlich charmante Geschichte um zwei Minions mit großen Hollywoodträumen gerät im weiteren Verlauf zunehmend aus dem Blick. Stattdessen häufen sich auf der einen Seite die meist gar nicht mal so wichtigen Nebenfiguren, während sich auf der anderen ein unaufhaltsames (und leider durch und durch austauschbares) Weltuntergangsszenario auftürmt. Insbesondere der Handlungsstrang rund um den Roboter Dort (im Original gesprochen von Jesse Eisenberg) und die Aktivistin Debbie (Zoey Deutch) wirken eher wie Ballast als wie eine echte Bereicherung. Es scheint, als flüchte sich der Film in das vertraute Dauerchaos der Reihe immer dann,  wenn der Film droht, mit seinen originellen Ideen etwas Eigenständiges zu erzählen.

Regisseur Max (Christoph Waltz) unterstützt „seine“ Minions bei ihrem Traum, eine große Regiekarriere zu starten.

Immerhin überzeugt die deutsche Synchronfassung mit prominenter Besetzung. Christoph Waltz, der sowohl im Original als auch in der deutschen Variante den (überraschenderweise gar nicht bösen) Regisseur Max spricht, sowie Bill und Tom Kaulitz verleihen ihren Figuren hörbar Spaß und schlagen sich trotz teilweise überschaubarer Synchronerfahrung absolut souverän. Und deutlich besser als souverän liefert Illumination auch auf visueller Ebene ab. Zwar erreicht „Minions & Monster“ nicht ganz das technische Niveau von Pixars „Toy Story 5“, das derzeit hinsichtlich Beleuchtung, Materialien und Detailgrad neue Animations-Maßstäbe setzt. Dennoch präsentiert sich auch das neueste Abenteuer der gelben Chaoten als echtes Fest für die Augen. Nahezu jede Einstellung ist bis in den letzten Winkel mit kleinen Gags, Anspielungen und liebevollen Details gefüllt. Im Hintergrund passiert oft so viel, dass sich ein zweiter Blick lohnt. Sei es durch Minions, die unabhängig vom eigentlichen Geschehen ihre ganz eigenen Slapstick-Nummern aufführen, durch unzählige Requisiten oder durch clevere visuelle Zitate aus der Filmgeschichte. Gerade die Rekonstruktion des frühen Hollywoods strotzt vor Einfällen und erschafft eine Welt, in der jede Kulisse eine eigene Geschichte zu erzählen scheint. Hinzu kommt ein gewohnt starkes Gespür für visuelles Timing. Viele Pointen funktionieren völlig ohne Dialog und setzen allein auf Mimik oder Körpersprache. Was übrigens hervorragend zu den zahlreichen Verweisen auf die großen Komiker der Stummfilmzeit passt. Gleichzeitig sorgen dynamische Kamerafahrten, rasante Verfolgungsjagden und aufwendig animierte Massenszenen dafür, dass der Film selbst in seinen hektischsten Momenten nie unübersichtlich wirkt. Statt bloß möglichst viel Bewegung auf die Leinwand zu bringen, gelingt es Illumination, das Chaos präzise zu inszenieren. Genau diese Fülle an visuellen Ideen stellt einmal mehr unter Beweis, wie konstant hoch das kreative und handwerkliche Niveau des Studios inzwischen ist.

„Hinzu kommt ein gewohnt starkes Gespür für visuelles Timing. Viele Pointen funktionieren völlig ohne Dialog und setzen allein auf Mimik oder Körpersprache. Was übrigens hervorragend zu den zahlreichen Verweisen auf die großen Komiker der Stummfilmzeit passt.“

Fazit: „Minions & Monster“ ist weit mehr als die nächste alberne Fortsetzung einer erfolgreichen Reihe. Der Film verbindet den typischen Minions-Humor mit einer spürbaren Leidenschaft für die Geschichte des Kinos und überrascht vor allem in seiner ersten Hälfte mit einer Vielzahl cleverer Referenzen und liebevoller Ideen. Zwar verliert sich die Handlung später etwas zu sehr in überladenen Nebensträngen und den obligatorischen Weltrettungseskapaden, ihren Charme büßt die turbulente Hollywood-Hommage dabei jedoch nie ein.

„Minions & Monster“ ist ab dem 2. Juli 2026 in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

Und was sagst Du dazu?