Piece by Piece

Das Biopic über den Musiker und Produzenten Pharrell Williams ist aufgrund seiner LEGO-Optik stilistisch interessant und aufregend. Darüber hinaus hat PIECE BY PIECE aber erstaunlich wenig zu bieten – auch weil es dem Film nicht gelingt, zu ergründen, warum denn ausgerechnet Williams ein Filmporträt verdient hat.

OT: Piece by Piece (USA/DK 2024)

Darum geht’s

Sänger, Rapper und Songproduzent Pharrell Williams ist eine Popikone und hat mit Mehrfach-Platin-Hits von „Drop It Like It’s Hot“ über „Get Lucky” bis hin zu „Happy” nicht nur den Sound moderner Musik für ganze Generationen neu definiert, sondern auch den Fashionstyle auf der Straße und auf den Laufstegen, über seine eigene Streetwearmarke Billionaire Boys Club sowie als Kreativdirektor für Louis Vuitton. Doch bevor er all das geschafft hat, war Pharrell ein rastloser Teenager in Virginia Beach. Und wie viele andere junge Träumer fühlte er sich als Außenseiter, verunsichert von dem, was ihn von anderen unterscheidet. Bis er lernte, seine Individualität zu nutzen und zu einer Superkraft zu machen.

Kritik

Die Zeiten, in denen ein Filmporträt einer berühmten Persönlichkeit einfach nur einer bewegten Bebilderung ihres Wikipedia-Artikels gleichkam, sind lange vorbei. Mittlerweile sind Biopics um ein Vielfaches kreativer geworden, sind wahlweise Musicals („Rocketman“), machen aus ihrer Hauptfigur einen animierten Affen („Better Man – Die Robbie Williams Story“) oder kommen – wie im Falle von „Piece by Piece“ – als LEGO-Film daher. Diese herausgepickten Stilmittel könnten schnell wie ein bloßes Gimmick wirken. Diese drei Beispiele zeigen allerdings, dass sich erst recht mit der im Zentrum stehenden Person befasst wurde. Denn dass ein Musiker ein Musical spendiert bekommt und ein Entertainer, der sich selbst sein Leben lang als Affe gesehen hat, auch in seinem Film als Affe auftreten darf, ist eigentlich nur konsequent. Auch der RnB-Sänger und Musikproduzent Pharrell Williams hat sich nicht umsonst der Idee hingegeben, seine Filmbiografie als LEGO-Film zu pitchen. Das macht zum Teil Sinn, kann aber trotzdem nicht verschleiern, dass „Piece by Piece“ kaum etwas Besonderes zu erzählen hat.

Zu Pharrell Williams‘ bekanntesten Songs gehört „Get Lucky“, zusammen mit Daft Punk.

Pharrell Williams besitzt eine Art genetischen Defekt, der sich Synästhesie nennt. Das bedeutet, dass er die Musik um sich herum in Farben wahrnimmt – ein Detail, das wie dafür gemacht ist, um entsprechend bildgewaltig aufbereitet zu werden. Es sind dann auch genau die Momente, in denen dieses Element zur Geltung kommt, die am Ende von „Piece by Piece“ in Erinnerung bleiben. Davon abgesehen verläuft der Film in sehr generischen Biopic-Bahnen. Dabei ist die Erzählform überraschend uneindeutig, was sicherlich auch mit der LEGO-Stilistik zu tun hat. Denn natürlich würde man hinter einem solchen Animationsfilm eine fiktionale Geschichte vermuten. Aber der Produzent von unter anderem „20 Feet from Stardom“ präsentiert mit „Piece by Piece“ in erster Linie eine Dokumentation – mit Talking Heads, Homevideos und allem, was dazu gehört. Nur eben aus Klemmbausteinen gebaut, was die Grenze zwischen der Wahrnehmung einer Doku und eines fiktionalen Films immer wieder verschwimmen lässt. Doch auch das ist ein Reiz, dem man sich bei „Piece by Piece“ nur schwer entziehen kann. Genauso wie dem – natürlich – einprägsamen „Soundtrack“, der einmal die komplette Musikvita von Pharrell Williams anreißt.

„Natürlich würde man hinter einem solchen Animationsfilm eine fiktionale Geschichte vermuten. Aber der Produzent von unter anderem ’20 Feet from Stardom‘ präsentiert mit ‚Piece by Piece‘ in erster Linie eine Dokumentation – mit Talking Heads, Homevideos und allem, was dazu gehört.“

Auch die dazu gehörenden Interpreten – Williams singt in den meisten Songs nicht mit, sondern befand sich vor allem am Mischpult und hinter den Kulissen der Aufnahmestudios wieder – finden in „Piece by Piece“ ihre Erwähnung. Wir sehen Spielfigur-Nachbildungen von unter anderem Snoop Dogg, Missy Eliott und Gwen Stefanie sowie originalgetreue LEGO-Interpretationen ikonischer Musikvideos wie „Drop it Like it’s Hot“ oder „Hollaback Girl“. Vor allem für Hip-Hop- und RnB-Nerds dürfte „Piece by Piece“ eine tolle „Das kenn ich doch!“-Erfahrung sein. Zumal es wirklich erstaunlich ist, wie gut die einzelnen Vorbilder hier getroffen sind. Auch die Momente, wie Pharrell Williams auf verschiedene Beats gekommen ist und daraus Welthits gemacht hat, sind amüsant. Doch betrachtet man „Piece by Piece“ mal jenseits seiner zweifelsohne vorhandenen, stilistischen Kreativität, fragt man sich schon, was denn eigentlich der ausschlaggebende Grund dafür gewesen sein könnte, zum jetzigen Zeitpunkt ein Filmporträt über Pharrell Williams zu machen. Denn so richtig hervor sticht seine Persona ausschließlich im Rahmen seines Erfolges. Eine spannende Persönlichkeit kristallisiert sich aus „Piece by Piece“ nie heraus.

Pharrell Williams sieht Musik als Farben – ein wichtiger, stilistisch spannender Aspekt, der im Film gut zur Geltung kommt.

Das liegt zum einen daran, dass der Film die dreckigen Seiten des Musikbusiness in Gänze ausspart. Natürlich darf man nicht die Aufbereitung von Skandalen erwarten – zumal Pharrell Williams mit solchen auch nie in Erscheinung getreten ist. Aber in „Piece by Piece“ dominiert ein Friede, Freude, Eierkuchen-Gefühl, das sich nie so richtig authentisch anfühlt. Alles wirkt weichgespült und fast ein wenig so, als hätte man gehofft, durch die Brickfilm-Optik auch ein jüngeres Publikum anzulocken, was im Anbetracht des Inhalts natürlich kaum passieren wird. Dabei haben vor allem Filme wie „Rocketman“ oder „Better Man“ bewiesen, dass einem die Hauptfigur erst recht nahegeht, wenn man sich traut, auch die Schattenseiten ihrer Person zu beleuchten. „Piece by Piece“ macht das gar nicht. Und vielleicht ist da ja auch tatsächlich nichts, woraus sich Williams großartige Ecken und Kanten andichten ließen. Trotzdem verläuft sein hier porträtierter Werdegang einfach viel zu glatt und reibungslos, sodass einem ausgerechnet die Hauptfigur bis zuletzt seltsam fremd bleibt. Auch die im letzten Drittel eingeschobenen Andeutungen, Williams hätte schon sein Leben lang an Selbstzweifeln gelitten, gehen nicht nah und unterstreichen die durchgehende Selbstbeweihräucherung, die „Piece by Piece“ irgendwann sogar ein Stückweit nervig macht.

„Natürlich darf man nicht die Aufbereitung von Skandalen erwarten – zumal Pharrell Williams mit solchen auch nie in Erscheinung getreten ist. Aber in ‚Piece by Piece‘ dominiert ein Friede, Freude, Eierkuchen-Gefühl, das sich nie so richtig authentisch anfühlt.“

Fazit: „Piece by Piece“ ist eine Aufstiegstory ohne den dazugehörigen Fall. Aber vielleicht braucht man gerade diesen, um den Erfolg einer Person erst so richtig schätzen zu lernen. So wirkt der Film vor allem selbstverliebt. Und die Tatsache, dass Pharrell Williams selbst sehr aktiv am Film mitgewirkt hat, unterstreicht diesen Aspekt zusätzlich. Man kommt am Ende der Geschichte nicht umher, sich zu fragen, wer denn nun eigentlich dieser Mann ist, der uns Welthits wie „Happy“ oder „Get Lucky“ beschert hat, wenn er uns doch die ganze Zeit eigentlich nur seinen Erfolg heruntergebetet hat. Und dabei hat man sich doch eigentlich gerade über eineinhalb Stunden lang einen Film über ihn angesehen.

„Piece by Piece“ ist ab dem 16. Januar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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