Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs

Seit 16 Jahren ermitteln die Kinderdetektive „Die Pfefferkörner“ im Norddeutschen Rundfunk und schnappen dort Gauner und Verbrecher. In DIE PFEFFERKÖRNER UND DER FLUCH DES SCHWARZEN KÖNIGS wagt sich die neueste Besetzung des Klassikers erstmals auf die große Leinwand. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Die Klassenfahrt mit Lehrer Martin Schulze (Devid Striesow) droht auszufallen, doch in letzter Minute springt Bennys Mutter Andrea (Katharina Wackernagel) für die kranke Lehrerin ein. Benny ist davon wenig begeistert, vor allem als Herr Schulze und seine Mutter sich besser kennenlernen. Ziel der Reise ist der Gruber Hof in den Bergen Südtirols. Mia freut sich riesig auf ihren guten Freund Luca (Leo Gapp), der dort wohnt. Doch Luca verhält sich eigenartig, denn es geschehen geheimnisvolle Dinge auf dem Berghof und die Kinder stoßen auf gruselige Berggeister und mystische Zeichen. Der neue Mitschüler Johannes (Luke Matt Röntgen) kommt Mia und ihren Freunden zu Hilfe und als unschlagbares Team, finden sie heraus, wer hinter diesen Ereignissen steckt. Die Spur führt zurück nach Hamburg und die Pfefferkörner begeben sich auf eine riskante Mission.

Kritik

Die Krimireihe „Die Pfefferkörner“ ist für den Norddeutschen Rundfunk ein echtes Erfolgsmodell. Seit 1999 lösen heranwachsende Detektive spannende Kriminalfälle in der Hansestadt Hamburg – und hält sich dadurch stetig jung, indem in regelmäßigen Abständen einfach die Besetzung ausgetauscht wird. Damit gehört das Format zu den langlebigsten Kinderserien, die der NDR bislang hervorgebracht hat (zum Vergleich: „Neues vom Süderhof“ etwa wurde gerade mal sechs Jahre alt). Das Ergebnis: 169 Folgen, verteilt auf insgesamt 13 Staffeln. Bevor Ende 2017 eine weitere Crew aus heranwachsenden Detektiven auf Spurensuche geht und damit die 14. Season der „Pfefferkörner“ einläutet, spendieren ihnen ARD und NDR den ersten Auftritt auf der großen Kinoleinwand. Beim Blick auf die dahinter befindliche Crew liegt es allerdings nahe, dass dieses Unterfangen in die Hose gehen könnte, denn erst im vergangenen Jahr hatte Regisseur Christian Theede, der auch für „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ verantwortlich zeichnet, die Kinoadaption der Teen-Serie „Allein gegen die Zeit“ gegen die Wand gefahren. Doch nicht nur aufgrund des stimmigen Drehbuchs von Dirk Ahner (sein nächstes Projekt „Simpel“ startet im Oktober und ist einer der besten deutschen Filme des Jahres!) wirkt diese Produktion jetzt weitaus ausgereifter als die letzte. Der „Pfefferkörner“-Film macht auch produktionstechnisch einen äußerst wertigen Eindruck. Leider macht etwas ganz Anderes dem sonst so überzeugenden Eindruck einen gehörigen Strich durch die Rechnung – die Darsteller.

Mia (Marleen Quentin) und Benny (Ruben Storck) haben eine verheißungsvolle Spur.

Wie bei so ziemlich jedem Film, der vorwiegend von Jungschauspielern getragen wird, möchten wir auch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass jeder einmal klein angefangen hat. Gerade für die hier zum Großteil ihr Debüt abgebenden Darsteller (bislang ist noch keine Folge der 14. Serienstaffel mit dieser neuen Stammbesetzung über die Bildschirme geflimmert) ist so ein Kinofilm natürlich eine ganz schöne Herausforderung, doch letztlich liegt es dann am Vermögen des Regisseurs, aus seinen kleinen Stars möglichst viel Können herauszukitzeln. In „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ ist davon allerdings nichts zu spüren; im Gegenteil: Sogar die eigentlich routinierten Erwachsenen scheinen sich von ihren unbeholfenen Mini-Kollegen anstecken zu lassen. Während sich die Kleinen allerdings immer noch bemühen und ihr Agieren hauptsächlich in affektiertem Overacting mündet, scheinen große Namen wie Katharina Wackernagel („Der Baader Meinhof Komplex“), Devid Striesow („Ich bin dann mal weg“) oder Stephan Luca („Da muss Mann durch“) einfach vollkommen desinteressiert an dem, was sie da gerade tun. Lichtblicke bilden indes Susanne von Borsody („Hannas Reise“) und der Gastauftritt einer weiteren Schauspielikone, die immerhin in ihren Szenen dafür sorgen, dass das per se spannende Szenario auch tatsächlich zu Leben erwacht. Das Hauptgespann aus den Newcomern Marleen Quentin, Ruben Storck, Emilia Flint und Luke Matt Röntgen manövriert sich indes von einem unglaubwürdige, gestellten und leblosen Dialog in den nächsten – lediglich die sichtbare Euphorie über das Projekt an sich sorgt dafür, dass man nicht vollends den Spaß am Zuschauen verliert.

Drehbuchautor Dirk Ahner hat bereits an so unterschiedliche Produktionen wie dem Horrorthriller „7 Days to Live“, dem Kindergruselfilm „Hui Buh“ sowie der Feelgood-Tragikomödie „Frau Ella“ mitgewirkt und spielt genau diese Erfahrung jetzt auch im „Pfefferkörner“-Kinofilm aus. Er vermischt nicht bloß diverse Genres zu einem stimmigen Ganzen (für einen Familienfilm ist „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ an einigen Stellen zum Beispiel überraschend gruselig geraten, wird aber auch immer wieder herrlich albern und punktet vor allem über die spannenden Actionszenen und Verfolgungsjagden), sondern findet auch einen perfekten Tonfall, um die Geschehnisse für die Kleinen verständlich und für die etwas Älteren zum Mitknobeln einladend zu gestalten. Fast fühlt man sich wie in einer früheren Folgen der „Drei Fragezeichen“, denn auch die Auflösung der Geschichte ist alles Andere als an den Haaren herbeigezogen und erinnert in ihrer Thematik ein klein wenig an das, was Anfang dieses Jahres auch schon in der leider völlig unter dem Radar gelaufenen Buchverfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ abgehandelt wurde. Dazu gewinnt gerade die für die technische Umsetzung zuständige Crew dem Film auch noch eine gehörige Portion „James Bond“-, und „Codename U.N.C.L.E.“-Charme ab; wenn die Kids etwa über eine schwindelerregende Seilbahn vor den Bösen zu entkommen versuchen, dann sieht das nicht nur richtig gut aus (Kameramann The Chao Ngo, „Berlin Falling“, ist auf deutschem Boden momentan einfach der Beste seines Fachs), sondern gestaltet sich selbst für das bereits mit allerlei Genreproduktionen in Berührung gekommene Erwachsenenpublikum so richtig aufregend.

Johannes (Luke Matt Röntgen) und Mia (Marleen Quentin) fahren mit einem Motorboot durch die Kanäle der Speicherstadt.

Unter all diesen lobenswerten Aspekten ist der große Kritikpunkt bezüglich der Darsteller umso tragischer (in der Hamburger Pressevorführung wurden die hölzernen Schauspielleistungen selbst von den Allerkleinsten als solche erkannt), denn davon einmal abgesehen, macht „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ so ziemlich all das richtig, was man von der Leinwandadaption einer Serie verlangen kann. So gibt es für langjährige Fans des Formats nicht bloß eine liebevolle Verbeugung vor der aller ersten Pfefferkörner-Crew und wenn am Ende sogar noch die Original-Titelmusik eingeblendet wird, ruft das definitiv Kindheitserinnerungen hervor, auch das markante Setting der Hansestadt Hamburg wird zu Beginn und im Finale ausgiebig gewürdigt. Schade mag zwar sein, dass sich die Hauptermittlungen eben gerade nicht hier, sondern im Südtirol abspielen, doch nur so gewinnt man der Serie auch das benötigte Kinoformat ab. Wer sich ein wenig in Hamburg auskennt, wird indes gerade in der Auftakt-Verfolgungsjagd erkennen, dass hier ein wenig geschummelt wurde; verschiedene Schauplätze wurden zu einem großen Ganzen gemacht, der so binnen weniger Sekunden nicht zu erreichen ist. Das ist definitiv Haarspalterei und genau solche Dinge werden der Zielgruppe wiederum überhaupt nicht auffallen, doch derartige Kleinigkeiten sind es dann auch, die erkennen lassen, dass ein wenig mehr Aufwand an den richtigen Stellen manchmal doch lohnen kann, um den Gesamteindruck zu optimieren. So oder so bleibt „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ immer noch ein absolut solides Unterfangen.

Fazit: Es ist fast schon tragisch: „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ hätte ein Paradebeispiel für die Leinwandadaption einer (Kinder-)Serie sein können, doch ausgerechnet die unbeholfenen Darsteller trüben den Gesamteindruck immens. So bleibt am Ende ein ordentlicher Film übrig, der ein richtig starker hätte sein können.

„Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ ist ab dem 7. September in den deutschen Kinos zu sehen.

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