Jurassic World: Ein neues Zeitalter

Eine Dinosaurier-Ära geht zu Ende. Mit JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER beendet Colin Trevorrow die Abenteuertrilogie mit einem Film, der mit einigen sehr starken Einzelszenen sowie seinen Rückkehrer:innen Laura Dern und Sam Neill überzeugt, insgesamt aber nur Mittelmaß ist. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik. 

OT: Jurassic World: Dominion (USA/MLT 2022)

Der Plot

Die Dinosaurier leben seit den Ereignissen auf Isla Nublar frei auf dem Festland. Hieraus entspinnen sich massive Probleme, denn ein Zusammenleben mit den Urzeitechsen stellt die Menschheit vor eine große Herausforderung. Owen Grady (Chris Pratt) und seine Freundin Claire (Bryce Dallas Howard) begegnen dem Problem auf ihre Art, haben jedoch Eines gemeinsam: Beide versuchen, die Tiere und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Ihre gemeinsame Pflegetochter Maisie (Isabelle Sermon) hat indes genug von der Abgeschiedenheit, doch anstatt sich selbst von ihren Eltern abzukapseln, wird sie entführt. Nun müssen Owen und Claire nicht nur ihre Tochter wiederfinden, sondern auch verhindern, dass eine weitere Dinosaurier- Katastrophe über die Bevölkerung hereinbricht. Hilfe erhalten sie dabei von den „jurassic Park“-Veteranen Alan Grant (Sam Neill), Ellie Sattler (Laura Dern) und Ian Malcolm (Jeff Goldblum).

Kritik

Bei dem anhaltenden Hype um Franchises wie „Star Wars“, das MCU und „Fast & Furious“ gerät der Erfolg der „Jurassic World“-Reihe gern ein wenig ins Hintertreffen. Dabei findet sich der erste Teil der neuen Trilogie aktuell auf Platz 7 der weltweit (!) erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Sein Nachfolger „Das gefallene Königreich“ reiht sich einige Plätze dahinter auf Rang 16 ein. Damit übertrumpft der Auftakt selbst Blockbuster wie die ersten beiden „Avengers“-Gruppenfilme, was bei näherer Betrachtung allerdings gar nicht so sehr verwundert. Gibt es Superheldenfilme, Auto-Verfolgungsjagden oder Weltraum-Rangkämpfe wie Sand am Meer, bewahrt sich „Jurassic World“ mit seinem „Dinosaurier in der Gegenwart“-Gedankenspiel bis heute nahezu ein Alleinstellungsmerkmal im Big-Budget-Kino. Und die Zeit zwischen dem Abschluss der „Jurassic Park“- und dem Start der „Jurassic World“-Trilogie war mit knapp zwei Jahrzehnten offenbar auch lang genug, um erneut die Begeisterung für die Riesenechsen zu entfachen. „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ soll nun das Finale markieren und greift für einen im Gedächtnis bleibenden Abschluss tief in die Legacyquel-Trickkiste, indem die Macher:innen nach Jeff Goldblum („Thor: Tag der Entscheidung“) auch noch die beiden Franchise-Lieblinge Sam Neill („The Commuter“) und Laura Dern („Little Women“) in ihren Paraderollen als Wissenschaftler:innen Alan Grant und Ellie Sattler zurückholen. Den beiden ist es dann auch zu verdanken, dass „Jurassic World 3“ trotz einer holprigen Dramaturgie immer noch genügend emotionalen Punch entwickelt.

Ian Malcolm (Jeff Goldblum), Alan Grant (Sam Neill), Ellie Sattler (Laura Dern), Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), Owen Grady (Chris Pratt), Maisie Lockwood (Isabella Sermon) und Kayla Watts (DeWanda Wise).

Mit zwei Stunden und 40 Minuten ist „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ nochmal eine ganze Ecke länger als seine beiden Vorgänger, die es (ohne Abspann) auf „nur“ rund zwei Stunden brachten. Nun muss der dritte Teil aber auch diverse offene Handlungsfäden seiner Vorgänger zusammenführen sowie zu Ende bringen und dann auch noch die Neuzugänge organisch in die Handlung hereinholen. Letzteres gelingt dem Drehbuchteam aus Colin Trevorrow (schrieb auch schon die ersten beiden „Jurassic World“-Filme) und Emily Carmichael („Pacific Rim 2: Uprising“) tadellos und längst nicht so aufgesetzt wie etwa zuletzt in einem ansonsten rundherum gelungenen „Ghostbusters: Legacy“ gesehen. Ab dem ersten Auftreten der ehemaligen und Nun-wieder-Kollegen Alan und Ellie ändert sich die Stimmung: Das dynamische, gleichwohl vor allem zweckmäßige Abenteuerfeeling durchzieht plötzlich eine figurenbedingte Emotionalität, die sich auch auf die Ursprungsheld:innen überträgt. Owen und Claire haben ohnehin schon eine gute Chemie, aber erst im Zusammenspiel mit den „beiden Alten“ beginnt das alles plötzlich auch, wirklich ans Herz zu gehen. Für den Fortverlauf der Story und die damit einhergehende Stimmung ist das elementar, denn im Gegensatz zu „Jurassic World 2“, der massiv von der Machart des auf atmosphärisches Suspensekino spezialisierten J.A. Bayona profitierte, mangelt es Colin Trevorrow an einer eigenen Handschrift. Wie schon beim ebenfalls von ihm stammenden „Jurassic World“-Erstling spult der Regisseur gängige Blockbuster-Konventionen ab: Große Bilder, eine am Reißbrett entworfene Story, ein zwischen kantig und gebrochen changierender Held, eine zurückhaltende Lovestory und als USP eben Dinos anstatt Aliens oder Superschurken, mit denen es Blockbuster-Held:innenfiguren sonst so zu tun haben.

„Owen und Claire haben ohnehin schon eine gute Chemie, aber erst im Zusammenspiel mit den ‚beiden Alten‘ beginnt das alles plötzlich auch, wirklich ans Herz zu gehen.“

Im Gegensatz zu Teil eins und zwei fällt am Finale indes auf, dass die Qualität der Effekte nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist. Erneut stammen ein Großteil der Dinosaurier aus dem Computer und sind nicht – wie in der Originaltrilogie – bewegte Nachbauten der Riesenechsen. Die gibt es auch hier, doch das CGI dominiert. Vor allem in Teil zwei wohnte einem Großteil der Computeranimationen eine spürbare Haptik inne. Diesmal fehlt es den Giganten dagegen an Wucht und Masse; etwas, was in der (von uns nicht vorab gesehenen) 3D-Fassung mutmaßlich weniger auffallen könnte. Dafür funktioniert immerhin das Zusammenspiel mit den menschlichen Akteuren und Aktricen, die sehr authentisch mit ihren animierten Gegenübern agieren, ohne dass diese während der Dreharbeiten tatsächlich anwesend waren. Insbesondere Laura Dern gefällt in ihrem liebevollen Umgang mit den Urzeittieren. Dasselbe gilt derweil für die Setpieces. Studioaufnahmen und jene von Originalschauplätzen – vorwiegend auf Malta gefilmt – ergänzen sich stimmig. So macht „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ zumindest auf handwerklicher Ebene weitestgehend Spaß – und kann dadurch die ungelenke Story ein Stückweit ausgleichen.

Claire Dearing auf der Flucht vor einem Dinosaurier.

Zu Beginn des Films trumpft „jurassic World 3“ noch mit einigen schönen Detailbeobachtungen auf. Die eingestreuten Nachrichtenschnipsel, die Aufschluss über die Situation geben, vermitteln ein gutes Bild über den aktuellen Zustand der Menschheit. Vor allem aber gefällt das Herausarbeiten dessen, wie der Mensch sich die Dinosaurier genauso zu eigen macht wie schon sämtliche Tiere zuvor – und sie, unter Zuhilfenahme mitunter verabscheuungswürdiger Methoden – bricht und zu Nutztieren macht. Ein schöner Seitenhieb auf den Menschen an sich und dessen offensichtliche Unfähigkeit, selbst eine Evolution zu durchlaufen, wo doch das Thema „Evolution“ schon immer ein entscheidender Bestandteil der „Jurassic“-Filme war. Zügig verändert sich anschließend der Fokus: Die in „Das gefallene Königreich“ erstmals aufgetauchte Maisie, deren biologischer Ursprung für die Wissenschaft höchst interessant ist, wird das Opfer von Entführern und ihre Rettung fortan zum Hauptziel für alle Beteiligten. Dass sich diese auf ihrem Weg in Richtung Befreiung einigen Konfrontationen mit Dinosauriern stellen müssen, bleibt bei dieser Filmreihe zwar nicht aus, doch rücken diese im Handlungsstrang rund um Grady und Claire überraschend in den Hintergrund. Das, womit sich derweil Alan und Ellie auseinandersetzen müssen – eh im letzten Drittel endlich alle aufeinandertreffen (den arg konstruierten Zufall, der diese Zusammenkunft auslöst, muss man allerdings erst einmal schlucken) – ist da spannender. Die beiden werden mit Auswüchsen der menschlichen Bemächtigung der Dinosaurier konfrontiert, die in der Logik der Filmwelt absolut realistisch und dadurch als Konfliktherd greifbar sind. Auf ihr Konto gehen daher auch die atmosphärischsten Einzelszenen.

„Die in ‚Das gefallene Königreich‘ erstmals aufgetauchte Maisie, deren biologischer Ursprung für die Wissenschaft höchst interessant ist, wird das Opfer von Entführern und ihre Rettung fortan zum Hauptziel für alle Beteiligten.“

Gute Einzelszenen hat „Jurassic World – Das gefallene Königreich“ so einige. Neben Alan und Ellie sorgt Neuzugang DeWanda Wise („Fatherhood“) als toughe Hubschrauberpilotin Kayla Watts vor allem für die komischen Momente, die überlagern, dass sie auch einigen der hanebüchensten Storyentwicklungen auf das Konto ihrer Figur gehen. Etwas, wofür Wise nichts kann, und so ist es vor allem ihrem energetischen Spiel zu verdanken, dass man nach dem Kopfschütteln wieder zurück am Ball bleibt. Aufgrund der hohen Schlagzahl an Action-Setpieces ist das „Dranbleiben“ ohnehin nicht das Problem. Trotz seiner zweieinhalb Stunde Laufzeit ist „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ ein äußerst kurzweiliger Film. Die Gesamthandlung kommt dagegen nur beschwerlich aus dem Quark: Bis zuletzt erweckt das Gezeigte den Eindruck, die Hauptfiguren befänden sich auf dem Weg zu einem Abenteuer, bis man irgendwann realisiert, dass ebendieser Weg wohl das Abenteuer sein muss. Es fehlen die dramaturgischen Höhepunkte, sodass „Jurassic World 3“ hie und da wie Stückwerk wirkt. Stückwerk, das routiniert unterhält und damit besser ist, als nach dem Regiewechsel befürchtet, aber längst nicht so gut wie erhofft.

Fazit: „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ beendet das Dino-Franchise auf solidem Mittelmaß-Niveau. Die Effekte könnten besser sein, die Chemie innerhalb des Casts dagegen kaum. Hierüber punktet das Actionspektakel am meisten. Auch einige Einzelszenen über die Unverbesserlichkeit der Menschheit gehören zu den stärksten der Reihe überhaupt. Trotzdem fehlt es Teil drei an der Atmosphäre des zweiten und der geradlinigen Story des ersten Teils.

„Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ ist ab dem 8. Juni 2022 in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!“

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