James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben

Insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie mussten Bond-Fans lange auf den neuen Film warten, jetzt endlich kommt JAMES BOND 007 – KEINE ZEIT ZU STERBEN in die Kinos. Wie Daniel Craigs fünfte und finale Mission als 007 abschneidet, verraten wir in unserer Kritik.

OT: No Time to Die (USA/UK 2021)

Der Plot

Nach jahrelangen Strapazen im Geheimdienst Ihrer Majestät hat James Bond (Daniel Craig) beschlossen, seine Arbeit niederzulegen, um gemeinsam mit Madeleine Swann (Léa Seydoux) die Welt zu bereisen. Doch dieser Traum bleibt Schaum. Selbst der Ruhestand erweist sich lediglich als verlängerte Pause vom Dienst: Bonds alter Kumpel, CIA-Agent Felix Leiter (Jeffrey Wright), bittet ihn eines Tages um Hilfe. Er will zusammen mit seinem britischen Kollegen den entführten Wissenschaftler Valdo Obruchev (David Dencik) retten. Leider sollte sich Leiters Gespür, dass diese Mission riskant ist, überdeutlich bewahrheiten. Denn wie sich zeigt, ist der mysteriöse, gefährliche Terrorist Safin (Rami Malek) in die Sache involviert. Um Safin Einhalt zu gebieten, muss sich Bond seinen Widersachern von Spectre stellen, inklusive seiner Nemesis Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz). Wenigstens sind auch die neue Doppel-Null-Agentin Nomi (Lashana Lynch) und die CIA-Agentin Paloma (Ana de Armas) auf den Beinen, um das Schicksal in die richtige Richtung zu lenken…

Kritik

Sechs Jahre sind mittlerweile seit Daniel Craigs vierter 007-Mission, „Spectre“, vergangen. In Bond-Jahren gerechnet, ist das eine enorme Zeitspanne. Zum Vergleich: Pierce Brosnans gesamte, vier Filme lange 007-Amtszeit erstreckte sich von 1995 bis 2002. Jedoch lief Brosnans Bond-Ära hinter den Kulissen deutlich glatter ab als die 2006 begonnene Craig-Ära. „Ein Quantum Trost“ etwa wurde vom Autorenstreik in Mitleidenschaft gezogen. Das an den Bond-Rechten beteiligte Studio MGM schlitterte von einer Finanzkrise in die nächste. Und auch „Keine Zeit zu sterben“ war eine schwere Filmgeburt. Zunächst sollte Danny Boyle Regie führen, allerdings kam es zu Unstimmigkeiten zwischen ihm und den Produzent:innen, weshalb sowohl er als auch sein Wunsch-Autor John Hodge („Trance – Gefährliche Erinnerung“) abgesprungen sind. Daraufhin wurden die Autoren und Bond-Experten Neal Purvis und Robert Wade zurückgeholt, deren Ideen Boyle zuvor verworfen hatte. Im Rahmen der hektischen Suche nach einem Boyle-Ersatz fielen Namen wie Christopher McQuarrie („Mission: Impossible – Fallout“), Jean-Marc Vallée („Dallas Buyers Club“), Edgar Wright („Baby Driver“) und Denis Villeneuve („Dune“), bevor sich im September 2018 „True Detective“-Regisseur Cary Fukunaga durchsetzte. Doch auch zwischen ihm und dem Studio kam es zum Clash. So äußerte Fukunaga erfolglos den Wunsch, dass sich sein Film als während „Spectre“ spielende Wahnvorstellung herausstellen sollte.

James Bond (Daniel Craig) lernt in „Keine Zeit zu sterben“ die resolute Paloma (Ana de Armas) kennen.

Im Februar 2019 fiel dann die erste Klappe für „Keine Zeit zu sterben“. Weil „Contagion“-Autor Scott Z. Burns und „Fleabag“-Schöpferin Phoebe Waller-Bridge während der Dreharbeiten für Skript-Überarbeitungen herangezogen wurden, und Craig aus Gesundheitsgründen eine Drehpause benötigte, war schnell klar, dass der Film nicht pünktlich fertig sein würde. Weiter kam es zum Bruch zwischen Fukunaga und seinem Stammkomponisten Dan Romer, woraufhin Hans Zimmer angeheuert wurde. Und wenige Tage, nachdem der von Billie Eilish gesungene und mitverfasste Titelsong veröffentlicht wurde, zeichnete sich ab, dass die Corona-Pandemie ernster und langfristiger wir als einst erhofft. Die Köpfe hinter Bond gehörten gar zu den ersten in der Filmindustrie, die Konsequenzen daraus zogen, sodass der fertiggestellte Film mehrere Extrarunden im Startverschiebungskarussell drehen durfte. In der Zwischenzeit buhlten Streamingdienste um die Exklusivrechte an „Keine Zeit zu sterben“, was MGM konsequent ablehnte – bevor das Studio schließlich von Amazon aufgekauft wurde. Dennoch blieb der 25. offizielle Bond-Film ein Kinotitel mit regulärer Auswertung auf der großen Leinwand – sehr zur Freude sämtlicher Kinobetreibenden, die gigantische Hoffnungen auf das bald 60-jährige Franchise setzen. Aber was bekommen sie, und vor allem: die Filmfans, nun, fast zwei Jahre nach Abschluss der Dreharbeiten, geboten?

„Die Köpfe hinter Bond gehörten zu den ersten in der Filmindustrie, die Konsequenzen daraus zogen, sodass der fertiggestellte Film mehrere Extrarunden im Startverschiebungskarussell drehen durfte.“

Zunächst: Einen Film, bei dem zügig deutlich wird, weshalb er einer der ersten war, die angesichts Corona ausgewichen sind. Denn die erste Szene nach der (relativ spät einsetzenden) Vorspannsequenz spielt in einem Labor, in dem Krankheitserreger zu Kampfstoffen weiterentwickelt werden – nicht gerade das Storymaterial, mit dem man sich zu Beginn einer globalen Pandemie wohlfühlt. Dass Craigs fünfte 007-Mission mit diesem Plot nun von den verantwortlichen Studios ruhigen Gewissens in einer weiterhin laufenden Pandemie veröffentlicht wird, verrät wohl mehr über den gesellschaftlichen Umgang mit Corona als nervige Last, an die man sich gewohnt hat, und weniger über die Studios. Ansonsten ist „Keine Zeit zu sterben“ – zumindest von seinen Zutaten her – genau das Finale der Daniel-Craig-Ära, auf das Craig, die Autoren Neal Purvis & Robert Wade sowie die Bond-Produktionsschmiede Eon Productions hingearbeitet haben: Ein klassisch-großes 007-Abenteuer – stringent neu erfunden für diesen neuen, emotionaleren Bond. Mit „Casino Royale“ erzählten sie noch vom Geheimagenten James, der erst zu „Bond, James Bond“ werden musste. Mit „Ein Quantum Trost“ drehten sie eine Ehrenrunde innerhalb dieser Ursprungsgeschichte. In „Skyfall“ ließen sie die Bond-Markenzeichen und den 007-„Grundgeschmack“ zurückkehren, aber gegen nolaneske Einflüsse ringen, sodass der Film ein metafiktionales Argumentationsgespräch darüber ergibt, ob der gute, alte Bond weiterhin eine Daseinsberichtigung hat. Und „Spectre“, der kurzzeitig als Craigs Abschiedsvorstellung gehandelt wurde, versuchte, die urtypischen Bond-Elemente (inklusive der einstigen Nemesis Blofeld) mit einer Narrative zu vereinen, die die vorherigen Craig-Bond-Filme abrundet.

Rami Malek mimt den Schurken Safin.

Eben dieser Fall mag einer der Bond-Filme sein, die spalten. Auch im Team von Wessels-Filmkritik herrscht darüber Uneinigkeit, ob „Spectre“ Top oder Flop ist. Eines wird allerdings ungeachtet dessen selten über ihn gesagt oder geschrieben: Dass er sich wie eine nahtlose Vereinigung aus dem frühen Craig-Bond und den klassischen Bond-Markenzeichen anfühlt, ganz gleich, dass diese beiden Stile auf dem Papier koexistieren. Nun also der nächste Anlauf. „Keine Zeit zu sterben“ erfüllt endlich all das, worauf auf diesem steinigen, verworrenen 007-Pfad seit dem Ende von „Casino Royale“ hingesteuert wurde: Diese 163 Minuten schwere Agentengeschichte besinnt sich auf die Anfänge zurück – sowohl im Sinne „die Anfänge der Craig-Interpretation“ als auch im Sinne „was 007 vor dem Reboot ausgemacht hat“. So raunzt Craigs Bond in der Eröffnungssequenz des Films seine Flamme Madeleine Swann in einem Moment des Misstrauens an, als wäre der frühe Connery-Bond in ihn gefahren. Im weiteren Storyverlauf wird eine ausschweifende, protzige Untergrund-Schurkenbasis erkundet, wie sie aus den späteren Connery- oder vielen Moore-Filmen stammen könnte. Die Absichten und Vorgehensweisen der Schurken haben ebenfalls große Parallelen zur „Größer, schriller, manischer“-Epoche in der Bond-Schurkenliste – was sich allerdings nicht auf den Tonfall des Films überträgt. Der kommt mit dem Ernst und dem „Dieses Mal nehme ich’s persönlich!“-Frust von Timothy Daltons „Lizenz zum Töten“ daher, wenngleich die Actionszenen niemals die Härte der kurzen Dalton-Phase erreichen, sondern versuchen, diese Dalton-Attitüde mit dem familientauglicheren Blockbuster-Schauwert der ersten drei Pierce-Brosnan-Einsätze oder Craigs „Skyfall“ zu vereinen. Garniert wird der Stoff mit diversen Referenzen auf George Lazenbys einzige Bond-Mission – „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Und all dies wird von einem prominenten roten Faden durchzogen, nämlich der dramatischen Auseinandersetzung damit, wie der Bond, wie wir ihn in „Casino Royale“ kennengelernt haben, Erfüllung finden kann.

„Garniert wird der Stoff mit diversen Referenzen auf George Lazenbys einzige Bond-Mission. Und all dies wird von einem prominenten roten Faden durchzogen, nämlich der dramatischen Auseinandersetzung damit, wie der Bond, wie wir ihn in ‚Casino Royale‘ kennengelernt haben, Erfüllung finden kann.“

Insbesondere die Vertrauensschwierigkeiten Bonds, die in Craigs Debüt erst eingeführt und letztlich intensiviert wurden, dominieren sein Bond-Finale. Kein Wunder also, dass das Drehbuch zu „Keine Zeit zu sterben“ durch viele Hände ging und wiederholt überarbeitet werden musste, denn all diese Elemente zusammenzubringen, gelingt wohl kaum beim ersten Anlauf. Dass es aber möglich ist, beweisen grob die ersten zwei Fünftel des Films: Das sogenannte Cold Open, also die Passage vor dem Vorspann, zeigt einen Bond, der abschließen will, aber nicht abschließen kann. Weil er zu viel gesehen hat, weil er zu viel getan hat, und nicht zuletzt, weil ihm seine erste Liebe, Eva Greens famose „Casino Royale“-Figur Vesper Lynd, partout nicht aus dem Kopf geht. Nicht nur das trübt seine Flitterphase mit Madeleine Swann, der Léa Seydoux („Kursk“) hier mehr Charakterprofil geben kann als noch in „Spectre“…

M (Ralph Fiennes), Moneypenny (Naomie Harris) and Tanner (Rory Kinnear) kehren zurück.

Die im Cold Open entbrennende Actionsequenz inszeniert Cary Joji Fukunaga mit fähiger Hand – gute bis starker Stunts (den Motorrad-Supersprung dürften die meisten bereits aus dem Trailer kennen), von Kameramann Linus Sandgren („La La Land“) hinreißend eingefangene Landschaftspanoramen, und deutliche Anspannung verursachende, dramatische Charaktermomente gehen Hand in Hand. Auch der schon besagte Laborüberfall weiß zu gefallen, und ein späterer Agenten-Großeinsatz auf Kuba ist ein wahres Vergnügen: Hier glänzt Craigs „Knives Out“-Kollegin Ana de Armas als gleichermaßen hypernervöse als auch in höchstem Maße von ihrem Job begeisterte CIA-Jungagentin Paloma. Bonuspunkte gibt’s nicht nur für de Armas‘ ansteckende Spielfreude, sondern auch dafür, dass die Verantwortlichen dem naheliegenden Gag widerstehen, dass Bond bei seiner (neusten) Rückkehr aus dem Ruhestand eine unfähige Anfängerin zur Seite gestellt bekommt. Paloma kann was, sie ist dabei bloß hibbelig! Im direkten Vergleich der neuen, weiblichen Agentenfiguren hat es Nomi, gespielt von „Captain Marvel“-Nebendarstellerin Lashana Lynch, wesentlich schwerer. Die Filmschaffenden wirken streckenweise nahezu unentschlossen, ob sie Nomi als Agentin anlegen wollen, die ihren Vorgänger respektiert, oder ob man eine unterschwellige Rivalität schüren möchte. Das hemmt zwangsweise das Potential Lynchs, sie macht allerdings das Beste daraus: Sie spielt Nomi als strenge, kühle Professionelle, die patzig wird, wenn sie ihren Rang in Gefahr sieht, sonst allerdings kollegial ist – wenngleich mit neckischem Sarkasmus, den sie nicht abschalten kann. Ein Hauch des frühen Connery-Bonds weht durch ihre Szenen, jedenfalls wann immer Lynch genügend Spielraum erhält. Und wie Craigs Bond auf seine schroff-professionelle Nachfolgerin reagiert, ist gleichermaßen unterhaltsam wie erfreulich verständnisvoll.

„Daniel Craigs ‚Knives Out‘-Kollegin Ana de Armas glänzt als gleichermaßen hypernervöse als auch in höchstem Maße von ihrem Job begeisterte CIA-Jungagentin Paloma.“

Ab dem dritten Fünftel verheddern sich die „Keine Zeit zu sterben“-Schaffenden allerdings wiederholt beim Versuch, ihren 2006 begonnenen Charakterbogen rund um die grobe, ungeschliffene und starrsinnige Waffe auf zwei Beinen, die lernen soll, mehr Gentleman zu sein, mittels klassischer Bond-Markenzeichen abzurunden. Das eklatanteste Problem ist Safin: Rami Malek („Bohemian Rhapsody“) spielt diese grell, unsubtil skizzierte Figur ungeheuerlich steif, in manchen Szenen gar mit einer geradezu lähmenden Behäbigkeit, so dass er alle Passagen, die sich um ihn drehen, runter zieht. Zugegeben: Es ist aufgrund des melancholischen Grundtonfalls, in den sich „Keine Zeit zu sterben“ manövriert, schwer, sich in ihm einen Schurken der Marke Goldfinger, Scaramanga oder Karl Stromberg vorzustellen. Aber wenn Malek als Safin in einem Zwiegespräch betont, nicht wütend, sondern passioniert zu sein, drängt sich die Frage auf: „Was, die Figur soll passioniert sein?!“ Durch Maleks dröges Spiel fällt auch zwangsweise die seicht geschriebene Motivation seiner Figur negativ auf, die sich bei einem exzentrischen Fiesling leichter mit einem „Er ist halt völlig durchgeknallt“ entschuldigen ließe. Das sorgt, zusammen mit spröde vermittelten Enthüllungen über mehrere der Figuren und einem Mangel an mitreißenden Actionszenen, bedauerlicherweise dafür, dass der unmittelbare Hinweg zum finalen „Keine Zeit zu sterben“-Akt schleppend ausfällt.

Nomi (Lashana Lynch) trägt nun die Nummer 007…

Erst im Finale angekommen, wechselt Regisseur Fukunaga zu einer Inszenierung, die Suspense in den Fokus nimmt – angetrieben von der angespannten Frage, wie die Figuren bei einer ihnen nahegehenden Mission agieren. Das ist in der Theorie ein guter Kniff, indem er uns tonal zurück zum Beginn der Craig-Ära führt und den stilistischen Kreis schließt. Allerdings leidet die Umsetzung weiter an der mangelnden Zugkraft des Schurken (man male sich bloß aus, „Keine Zeit zu sterben“ hätte jemanden wie Javier Bardems Silva als Antagonisten), und daran, wie wenig emotionalen Vorbau die Mitte des Films geleistet hat. Auch der etwas behäbige Schnitt, durch den einzelne Augenblicke ungelenk in der Schwebe bleiben, schadet dem gute Ideen aufweisenden Schlussakt, der förmlich danach schreit, erbarmungslos, konsequent und unmittelbar an der Spannungsschraube zu drehen. Auf der Haben-Seite befinden derweil die gelungene, kohärente Figurenzeichnung und Daniel Craigs emotional komplexe Darstellung Bonds – in „Keine Zeit zu sterben“ steht dem Agenten die Summe seiner vorhergegangenen Missionen, Lieben, Makel und Rückschläge ins Gesicht geschrieben.

Und noch einen Pluspunkt gibt es, der bis zum Schluss auffällt: Selbst wenn Hans Zimmer („Dune“) sich zwei-, dreimal zu deutlich selbst zitiert, verleiht er „Keine Zeit zu sterben“ alles in allem die angemessene Klangtapete. In den turbulenteren Momenten schallt fast schon die Feststellung „Hans Zimmer, Spielkind, freut sich, mit Bond ein Abenteuer zu erleben“ aus den Boxen, dominiert wird der Soundtrack jedoch tonal passend von großen Streicherklängen voller Liebe, Heimlichtuerei und Kummer – inklusive eleganter Rückgriffe auf Billie Eilishs Titelsong. Und Zimmers Score ist sogar für einen der lässigsten Augenblicke voller Leichtigkeit in Craigs Bond-Ära zuständig: Ein staubtrocken abgelieferter Oneliner wird mit einem beiläufig erklingenden, halbleise abgemischten Rückgriff auf den ikonischen James-Bond-Gitarrenriff kommentiert, so als wäre er ein Tusch. „Keine Zeit zu sterben“ hingegen ist in seiner Gesamtheit kein Tusch, der Craigs Zeit als Bond abschließt. Zwar möchte er erzählerisch auch gar kein Ende mit Tusch sein, trotzdem ist es bedauerlich, dass er qualitativ keinen letzten, großen Tusch darstellt. Allerdings dürfte „Keine Zeit zu sterben“, alle Stärken und Schwächen hin oder her, dank einiger seiner Einfälle wenigstens eines sein: Ein Bond-Film, der in Erinnerung bleibt, und über die bisherigen Phasen der Filmreihe sowie viele weitere Reboots hinweg aus der Masse hervorsticht.

„‚Keine Zeit zu sterben‘ hingegen ist in seiner Gesamtheit kein Tusch, der Craigs Zeit als Bond abschließt. Zwar möchte er erzählerisch auch gar kein Ende mit Tusch sein, trotzdem ist es bedauerlich, dass er qualitativ keinen letzten, großen Tusch darstellt.“

Fazit: Die meisten James-Bond-Darsteller machen Höhen und Tiefen durch, aber vor Craig war noch keinem ein geordneter Abschied mit einem geplanten Finalfilm vergönnt. Neben diesem Novum bringt „Keine Zeit zu sterben“ zudem eine ziemliche Rarität auf das 007-Tableau: Eine recht mittelmäßige Bond-Mission, die nicht deshalb Mittelmaß ist, weil die Verantwortlichen kurz in einen Trott verfallen sind, was diesem Franchise ja alle Jubeljahre geschieht. Dieser Agenteneinsatz ist Mittelmaß, weil seine bemerkenswerten Einfälle in einem Kinoabenteuer gefangen sind, dessen Stärken und Schwächen sich ausgleichen.

„James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ ist ab dem 30. September 2021 in den deutschen Kinos zu sehen.

5 Kommentare

  • Es gibt leider kein Kommentarfeld unter „Faire Filmkritik“, deshalb hier:

    Zitat: „Filmkritiken sollten im Idealfall als Atlas für all jene Zuschauer fungieren, die mit dem Gedanken spielen, ins Kino zu gehen.“

    Und das ist eben genau nicht der Zweck einer Filmkritik! In dem Beitrag werden immer wieder „Kritik“, „Besprechung“ und „Rezension“ als Synonym verwendet.

    wikipedia – Filmkritik

    filmlexikon.uni-kiel – filmkritik

    • Das, worauf du dich beziehst, ist aber keine Definition, sondern mein Anspruch an meine Arbeit. Und welchen Anspruch ich da wähle, ist ganz allein meine Entscheidung, genauso wie es jedem anderen in meiner Branche zusteht, die Aufgabe seines Berufs für sich zu definieren.

  • Vielen Dank für deinen Kommentar.

    Du kannst deinen Anspruch natürlich gerne nach deinen Vorstellungen definieren. Gleichzeitig nutzt du aber eben jene Begriffe und verwendest sie in einem journalistischen Kontext. Woher der Begriff „Filmkritik“ seinen Ursprung nahm und was dieser an methodischen Vorgehensweisen beinhaltet, scheint keine weitere Bedeutung zu haben – auf Blogs und Youtube generell angewendet.

    Du kannst sehr gut schreiben – keine Frage! Doch der Inhalt deiner Beiträge ist ganz klar als „Filmbesprechung“ zu definieren. Die Leser/innen erhalten eine Serviceleistung und können weit vor dem Kinobesuch für sich entscheiden, ob der Film brauchbar ist. Das funktioniert deshalb, weil du immer die Frage stellst: „Lohnt sich der Kauf einer Kinokarte?“

    Die Tradition der Filmkritik setzen heute viel zu wenige Schreiber/innen und Youtuber/innen fort (Beispiel: Wolfgang M. Schmit oder Dietmar Dath).

    In künstlerischen Berufen kann sich jeder immer noch selbst eine Bezeichnung andichten: Schauspieler/in, Schriftsteller/in, Filmkritiker/in. Doch bespielsweise in medizinischen Berufen kann sich niemand einfach mal so als Arzt/Ärztin, Pfleger/in betiteln.

  • Ich will ganz ehrlich sein: Der Artikel ist mittlerweile sechs Jahre alt. Die letzte Äußerung von mir (siehe unterhalb des Beitrags) stammt von 2018. Ich habe in den sechs Jahren so ziemlich JEDE Diskussion zu dem Thema geführt. Daher sieh es mir bitte nach, wenn ich einfach sage: Ich respektiere Deine Meinung, respektiere auch jeden anderen Ansatz an die Filmkritik. Aber mir fehlt jetzt, so viele Jahre und so viele Diskussionen später, leider die Muße, bei der Diskussion noch weiter ins Detail zu gehen. Ich hoffe, Du verstehst das! Danke dennoch für Deinen konstruktiven Beitrag.

  • Ok.

    Deine Argumentation kann ich aber leider nicht nachvollziehen, wenn du hier sagst:

    „Und welchen Anspruch ich da wähle, ist ganz allein meine Entscheidung, genauso wie es jedem anderen in meiner Branche zusteht, die Aufgabe seines Berufs für sich zu definieren.“

    Das ist ja genau das leidige Problem mit dem Begriff „Filmkritik“. Jeder kann sich selbst betiteln als Filmkritiker/in ohne die Tradition dieses Begriffs überhaupt zu kennen und legt einfach die eigene Definition für sich fest. So entscheidet jeder selbst, was eine Filmkritik ist und verwässert dadurch alles. Deshalb ist heute jeder Filmkritiker! Dazu braucht es nicht mal einen Blog oder Youtube-Kanal. Jeder ist es. Weshalb sollte man sich auch als Filmbesprecher/in betiteln, wenn man sich auch als Filmkritiker/in ernennen kann?

Und was sagst Du dazu?