Mission: Impossible – Fallout

Zum sechsten Mal meldet sich Tom Cruise in seiner Paraderolle als Ethan Hunt zurück und ballert sich spektakulärer denn je rund um den Globus: MISSION: IMPOSSIBLE – FALLOUT ist ohne Zweifel der Blockbuster des Jahres. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Die Impossible Mission Force (IMF) unter der Leitung von Alan Hunley (Alec Baldwin) erhält den Auftrag, drei auf dem Schwarzmarkt im Umlauf befindliche Kugeln von waffenfähigem Plutonium an sich zu nehmen, um so zu verhindern, dass sie in die Hände der sogenannten „Apostel“ gelangen. Diese wollen mithilfe von drei schweren Atomexplosionen den Untergang der zivilen Gesellschaft hinaufbeschwören. Gemeinsam mit seinen Assistenten Benji (Simon Pegg) und Luther (Ving Rhames) begibt sich Ethan Hunt (Tom Cruise) auf die Suche nach der Beute, wird allerdings schon beim ersten Austausch übers Ohr gehauen. Die CIA-Chefin Erica Sloane (Angela Bassett) macht daraufhin Nägel mit Köpfen und setzt den Agenten August Walker (Henry Cavill) ebenfalls auf die Mission an. Doch damit fangen die Probleme erst an…

Kritik

Was haben die „Tribute von Panem“-Saga, „Fifty Shades of Grey“ und das „Mission Impossible“-Franchise gemeinsam? Entgegen landläufiger Meinungen werden all diese Filmreihen nicht bloß von Teil zu Teil besser, sie entfernen sich mit den Jahren auch von dem, als was sie ursprünglich einmal begonnen haben. Aus einer Teenie-Abenteuerreihe wurde mit der Zeit ein satirisches Gesellschaftsdrama, aus High-End-Erotik eine augenzwinkernde, sich selbst hopps nehmende Romanze und „Mission Impossible“ hat längst den Fokus vom Bond-Imitat gerückt und zelebriert nach dem „Höher, schneller, weiter!“-Prinzip hanebüchene Action im roughen Handmade-Design, während die den Stunteinlagen zugrunde liegenden Handlungsstränge nicht etwa immer weiter in den Hintergrund rücken, sondern sogar von Mal zu Mal komplexer werden. Wohingegen Cruises Kollegen wie Dwayne Johnson und Co. vorwiegend auf No-Brain-Nonsense setzen (wir erinnern uns: In „Skyscraper“ hat Johnson zuletzt allein mit Körperkraft seine Familie aus einem brennenden Riesenhochhaus befreit), ist die von Tom Cruise („Die Mumie“) als Schauspieler wie Produzent getragene Spionage-Reihe zum Non plus Ultra ausgeklügelter Blockbuster geworden, in denen Story und Krawumm Hand in Hand gehen. Das ist auch beim sechsten Teil „Mission: Impossible – Fallout“ nicht anders – im Gegenteil. Wie auch immer es Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie („Mission: Impossible – Rogue Nation“) gelungen ist, einen Plot in einen zweieinhalbstündigen Film zu pressen, für den andere den Platz von drei (guten!) Serienstaffeln benötigen würden: Es funktioniert so hervorragend, dass man sich am Ende von „Fallout“ fühlt, als hätte man gerade einen ausgiebigen Dauerlauf hinter sich gebracht und sei dabei vor mindestens ebenso vielen Kugeln in Deckung gegangen, wie Ethan Hunt und seine Crew. Das hier ist verdammt nochmal der beste Actionfilm seit – mindestens – „Mad Max: Fury Road!

Fallout vs Fury Road

Tom Cruise mimt in „Mission: Impossible“ zum sechsten Mal in Folge Ethan Hunt.

Der Vergleich zu George Millers Endzeit-Raserei aus dem Jahr 2015 mag thematisch und optisch ein wenig hinken. In „Fury Road“ befinden wir uns in der kargen Einöde einer menschenleeren Wüste, wo ein ganzes Arsenal spektakulär aufgerüsteter Karossen versucht, sich gegenseitig den Garaus zu machen. Das Ganze ist so penibel durchchoreographiert, dass man zwar jederzeit die Anarchie in den Bildern erkennt, doch Miller und seiner Crew gelang gleichermaßen ein audiovisuelles Kunstwerk, das einen völlig vergessen lässt, dass der Plot – die Helden fahren von A nach B und zurück – auf eine Briefmarke passt. „Fury Road“ mag brutal und auf eine gezielte Art ätzend sein, wenn er vor allem die dort in der Welt vorherrschende Hässlichkeit betont, aber er sieht einfach irre gut aus. Die Farben, die Kontraste, die Stunts – einfach alles hier trägt in Aufmachung und Platzierung seinen Teil dazu bei, dass „Fury Road“ so ist, wie er ist: bildschön und auf wahnwitzige Weise berauschend. Vor allem aber besinnt sich Miller in seiner Inszenierung auf die wesentlichen Aspekte des Actionkinos. Er inszeniert eine atemlose Hatz, nahezu ohne Atempause. Die Stunts sind handgemacht und wenn es hier knallen und rauchen soll, dann wurde am Set selbst dafür gesorgt, dass es soweit kommt und nicht der Einfachheit halber am Computer nachgeholfen. Christopher McQuarrie mag mit „Mission: Impossible – Fallout“ zwar keinen solch ästhetisierten Weg gehen, wie sein Kollege Miller. Aber letztlich rückt auch er in seinem Film ausschließlich das in den Fokus worauf es bei einem guten Actionfilm ankommt. Mit ein wenig mehr Auswahl bei den Setpieces (anstatt von A nach B durch die Wüste zu fahren, führt es Hunt und Co. einmal rund um den Globus) wohlgemerkt.

Miller ließ die Bilder in „Fury Road“ für sich arbeiten. Damit das gelingen konnte, gab er sich nur rudimentär so etwas wie einer Geschichte hin und ließ alles, was sich auf den Gesamteindruck seines Films wie Ballast auswirken würde, wegfallen. Christopher McQuarrie geht zu Gunsten seines Films nun den genau entgegengesetzten Weg. Er weiß: Liefert er seinem Zuschauer zusätzlich zu den aberwitzigen Stunt- und Kampfszenen auch noch eine Geschichte, die sich mindestens genauso brachial in den Kopf des Zuschauers hämmert, bleibt das „Gesamtkonstrukt ‘Fallout‘“ mindestens genauso sehr im Gedächtnis, wie die Bildbpoesien seines Kollegen Miller. Und so präsentiert uns der schon vielfach mit Cruise zusammenarbeitende Filmemacher („Edge of Tomorrow“, „Die Mumie“, „Jack Reacher“) eine Geschichte, die im Verlauf ihrer zweieinhalb Stunden derart viele Haken schlägt, dass sich hier anschließend niemand für die Erkenntnis schämen muss, an der einen oder anderen Stelle möglicherweise nicht ganz mitgekommen zu sein. Cruise und seine Schauspielkollegen zelebrieren dieses Spiel mit Erwartungshaltung und gezieltem In-die-Irre-Führen sogar so sehr, dass man sich dadurch mehr denn je mit dem hier präsentierten Szenario identifizieren kann. Wer hier eigentlich mit wem unter einer Decke steckt und ob jeder der ist, der er vorgibt, zu sein, scheinen auch die Charaktere irgendwann selbst nicht mehr zu wissen. Und plötzlich sind wir hautnah dabei, wie eine Ermittlungsmission auf unkontrollierte Weise völlig außer Kontrolle gerät, weil weder vor, noch auf der Leinwand auch nur irgendjemand weiß, was eigentlich gerade Sache ist.

Story vs Action

Von links nach rechts: White Widow (Vanessa Kirby), August Walker (Henry Cavill) und Ethan Hunt.

Natürlich wäre es für Christopher McQuarrie ein Leichtes, sich in „Mission: Impossible – Fallout“ einfach derart vielen Twists und Turn-Arounds hinzugeben, dass man zwangsläufig irgendwann den Überblick verlieren muss. Doch spätestens im letzten Drittel laufen schließlich alle erzählerischen Fäden schlüssig zusammen und es erschließt sich einem – dann wieder überraschend simpel – wie all die aufgemachten Plotpoints miteinander zusammenhängen. Dabei gibt McQuarrie nie vor, einen clevereren Film zu erzählen, als es „Fallout“ ohnehin schon ist. Der Regisseur und Drehbuchautor hat beide für seinen Film so wichtigen Aspekte ganz genau im Blick und inszeniert und erzählt vollkommen frei von jedweder Prätentiösität. Streng nach der Devise „What You See Is What You Get“ gewinnt man hier nie den Eindruck, die Macher würden sich übernehmen. Stattdessen feuern sie offen aus allen Rohren und hauen an Ideen raus, was ihnen für die Inszenierung eines auf allen Ebenen überzeugenden Actionthrillers in den Sinn kommt. Genau so kommt schließlich auch der Eindruck zustande, aus „Fallout“ wäre auch eine ebenso gute Serie geworden: Im Grunde haken die Macher in ihren 148 Minuten einfach nur sämtliche Motive ab, die sich irgendwann einmal im Laufe mehrerer Jahrzehnte Spionagekino angesammelt haben, setzen diese Szene für Szene hintereinander, entfernen alles Unwichtige und lassen diese geballte Ladung Leindwandspektakel schließlich auf den Zuschauer los. Dass dabei keine Zeit zum Luftholen bleiben kann, ist da nur selbstverständlich und könnte einige Zuschauer vielleicht sogar überfordern.

Die verschiedenen Erzählstränge zusammenzuführen, übernimmt Christopher McQuarrie im Filmfinale schließlich auf sehr elegante Weise. Kurzum: Selbst, wer irgendwann zwischendrin ausgestiegen ist – es wäre ihm oder ihr nicht zu verübeln – kann am Schluss noch einmal geistig resetten, bevor es ins abschließende Getöse geht. Die Karten wurden noch einmal gemischt, es gibt nur noch Gut gegen Böse; mit einer Hubschrauber-Verfolgungsjagd (!!!) als krasses Actionstatement, das sich noch einmal wie selbstverständlich über all das erhebt, was wir in den zwei Stunden zuvor bereits gesehen haben und bis dahin zu verarbeiten hatten. Kameramann Rob Hardy („Auslöschung“) behält in den komplexen Settings jederzeit den Überblick und inszeniert eigentlich abgegriffene Dinge wie generische Autoverfolgungsjagden oder Cruises Flucht über ein Meer aus Häuserdächern mit so viel Akribie und Präzision, bis bei all diesen Szenen nur noch die absolut brachiale Härte übrigbleibt. Wenn Tom Cruise hier mit voller Wucht über die Frontscheibe eines Autos fliegt, dann spürt man förmlich seine Knochen knacksen (die das übrigens auch wirklich getan haben – die Dreharbeiten mussten sieben Monate pausieren, da sich Cruise beim Sprung von Dach zu Dach einen Bruch des Fußgelenks zuzog). Darüber hinaus weiß Hardy, wie er das irrwitzige Tempo der den Stunts innewohnenden Szenen für sich nutzen kann: Da muss nur ein Motorradfahrer in hoher Geschwindigkeit durch einen lichtdurchfluteten Bogen fahren und das Spiel aus Licht und Schatten in Kombination mit dem Rauschen des Windes ergeben einen Actionmoment für die Ewigkeit, bei dem man sich fragt: Weshalb ist auf sowas eigentlich früher noch keiner gekommen?

Alte Hasen, neue Spieler

Nach wie vor macht Schauspieler und Produzent Tom Cruise einen Großteil seiner Stunts selbst.

Das Team von Ethan Hunt reist in „Mission: Impossible – Fallout“ von Paris um die halbe Welt bis hin nach Neuseeland, wo Teile der spektakulären Abschlusssequenz gedreht wurden. Auf ihrem Weg dorthin wird das altbekannte, nach wie vor blendend aufeinander eingespielte Team aus Tom Cruise, Simon Pegg („Ready Player One“) und Ving Rhimes („Pulp Fiction“) einmal mehr von einer Reihe überragender Darsteller und Darstellerinnen ergänzt. Wie schon im Vorgängerfilm stiehlt Rebecca Ferguson („Greatest Showman“) in den Momenten ihres Auftritts allen anderen die Show, aber auch Vanessa Kirby („Ein ganzes halbes Jahr“) als undurchsichtige White Widow erweist sich als formidabler Neuzugang, der, ebenso wie Henry „Superman“ Cavill, zusätzlich dazu beiträgt, dass „Mission: Impossible 6“ eine Aura des Undurchdringbaren beibehält. Selten war man sich unsicherer, ob man den agierenden Figuren auf der Leinwand nun wirklich dafür die Daumen drücken soll, was sie da gerade tun. Als beispielsweise ein exzellent und auf engstem Raum inszenierter Faustkampf zwischen Hunt, Walker und einem gemeinsamen Widersacher eskaliert, scheinen die Kontrahenten irgendwann alle so im Kriegsmodus gefangen, dass man für einen Moment hinter ihre Maske zu blicken glaubt. Nur eine Szene später scheint alles wieder vergessen, die Seiten klar verteilt. Und unter dem mitreißend variierten „Mission Impossible“-Thema geht es auf in die nächste Runde dieses niemals enden wollenden Spektakels, das keine Sekunde der Unachtsamkeit verdient. Einzig das 3D, das kann man sich schenken!

Fazit: In „Mission: Impossible 4“ entlud sich all die aufgestaute Spannung noch darin, dass sich Tom Cruise nur mit einem Seil und Handschuhen bewaffnet vom höchsten Gebäude der Welt schwang. Für „Mission: Impossible – Fallout“ packt sich Christopher McQuarrie das hier freigesetzte Adrenalin, nimmt es mal zehn und pumpt es in jede einzelne Sekunde eines Films, der mit sämtlichen Actionfilmen der vergangenen Jahre den Boden aufwischt, während er ganz nebenbei auch noch die Gehirnwindungen der Zuschauer verknotet.

„Mission: Impossible – Fallout“ ist ab dem 2. August bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in mäßigem 3D!

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