Justice League

An den Kinokassen läuft es zwar rund, doch qualitativ kann das DC Extended Universe dringend einen Hit vertragen. Ob JUSTICE LEAGUE nach einer derart holprigen Entstehungsgeschichte das Image des Comicgiganten aufpolieren kann? Das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Bruce Wayne (Ben Affleck) hat seinen Glauben an die Menschheit endlich wiedergefunden – Supermans selbstlose Aktion hat ihn inspiriert. Jetzt bittet er  auch seine neue Mitstreiterin Diana Prince (Gal Gadot) um Hilfe, denn es gilt, einem noch gewaltigeren Feind entgegenzutreten. Gemeinsam stellen Batman und Wonder Woman umgehend ein Team von Metamenschen zusammen, um sich gegen die neue Bedrohung zu verteidigen. Doch obwohl auf diese Weise eine beispiellose Heldenliga zusammenkommt – Batman, Superman, Wonder Woman, Aquaman (Jason Mamoa), Cyborg (Ray Fisher) und The Flash (Ezra Miller) –, könnte es möglicherweise bereits zu spät sein: Ist unsere Erde vor diesem Angriff von katastrophalen Ausmaßen überhaupt noch zu retten? Um diese Frage zu beantworten, schmiedet die Justice League den Plan, auf Jemanden zurückzukommen, der eigentlich längst tot ist: Clark Kent, alias Superman (Henry Cavill).

Kritik

Das Projekt „Justice League“-Realverfilmung hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Nicht bloß der erste Versuch 2007, die 1960 ins Leben gerufene Gerechtigkeitsliga als großen Blockbuster in die Kinos zu bringen, schlug unter anderem aufgrund des Streiks der US-amerikanischen Autorengewerkschaft fehl. Auch während der Entstehung des nun tatsächlich erscheinenden Beitrags zum DC Extended Universe stellten sich den Produzenten ungeahnte Hindernisse in den Weg. Nach den von April bis Oktober 2016 stattgefundenen Dreharbeiten zog sich Regisseur Zack Snyder („Batman v Superman: Dawn of Justice“) aufgrund eines Todesfalles aus dem weiteren Fertigstellungsprozess zurück und überließ das Zepter dem bereits bestens mit dem Superheldengenre vertrauten Kollegen Joss Whedon („Marvels: The Avengers“). Der ordnete nach der Sichtung des Materials nicht bloß Nachdrehs im Wert von 25 Millionen US-Dollar an, sondern besetzte zum Beispiel auch die Position des Komponisten neu. Schließlich beschloss das zuständige Studio auch noch drastische Kürzungen der Lauflänge, sodass „Justice League“ mit 119 Minuten nicht bloß der bislang kürzeste Teil des DC-Filmuniversums ist, sondern es außerdem fraglich ist, wie viel von Zack Snyders ursprünglicher Vision das Endergebnis noch enthält. Auf den ersten Blick noch eine ganze Menge, denn in Sachen Effekte scheinen die Verantwortlichen seit „BvS“, „Suicide Squad“ und „Wonder Woman“ nichts dazu gelernt zu haben. Genauso wie es sich beim Finale einmal mehr um eine äußerst generische Hero-vs-Villain-Klopperei unter Zuhilfenahme von möglichst viel Computer-Getöse handelt. Doch zwischendrin blitzen immer mal wieder charmante Ideen hervor, die „Justice League“ zwar nicht zu einem guten, wohl aber zu einem Film machen, nach dem man endlich mal wieder wissen möchte, wie es mit den Helden weitergeht.

The Flash (Barry Allen), Batman (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) sind Teil der Gerechtigkeitsliga.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Idee für den erneuten Versuch einer „Justice League“-Verfilmung auch daher rührte, dass der mit einem sehr ähnlichen Konzept auffahrende „Marvels: The Avengers“ im Jahr 2012 ein solcher Erfolg wurde. Fortan sollten in den DC-Einzelfilmen kleine Hinweise auf zukünftige Ereignisse und andere Superhelden versteckt werden, um so auf eine Vereinigung der wichtigsten Heroen in „Justice League“ hinzuarbeiten. So prangt auf dem Plakat zum Film dann auch der Verweis „You Can’t Save the World Alone“ – zu Deutsch: „Du kannst die Welt nicht alleine retten“. Das Problem: Schaut man sich die Ereignisse in „Justice League“ an, kommt man sehr wohl zu dem Schluss, dass es eigentlich nur einen einzigen Helden (nämlich Superman) braucht, um gegen das Böse anzukämpfen. Das, was vor allem das Marvel-Pendant zu so einem Erfolg und Wegbereiter für die weiteren Filme machte, war in erster Linie das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Teams, denn nur gemeinsam konnte es ihnen damals gelingen, dem bösen Loki und seiner Gefolgschaft aus diversen Alienmonstern den Garaus zu machen. „Justice League“ dokumentiert zwar ebenfalls das vermeintliche Zusammenwachsen einer Heldenarmee, doch würde Bruce Wayne diesen Umstand nicht immer wieder gebetsmühlenartig betonen, würde man als Zuschauer hier einfach einer Handvoll Übermenschen dabei zuschauen, wie diese jeder für sich Lösungen suchen, um ein austauschbares CGI-Motion-Capture-Monster zu bekämpfen. Ein Wunder ist das im Anbetracht der vorherigen Filme nicht: Mit Ausnahme von Superman und Wonder Woman bekam bislang schließlich keine der Hauptfiguren ein Soloabenteuer spendiert und damit die Gelegenheit, sich mit all seinen persönlichen und emotionalen Facetten ins Team einzugliedern. So bleiben insbesondere der stark an die naiv-jugendliche Version des „Spider-Man“ erinnernde The Flash, der grüblerische Cyborg sowie der einer Parfum-Werbung entsprungen scheinende Aquaman einzig und allein auf ihre Funktion innerhalb des Handlungsgefüges beschränkt.

Von einer Gruppenchemie, der jener in den „Avengers“-Filmen auch nur im Ansatz nahe kommt, ist in „Justice League“ also erst einmal (noch) nichts zu spüren. Insofern müssen es die Figuren schon für sich selbst richten, beim Zuschauer einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Hier und da gelingt das auch, denn obwohl etwa die One-Liner eines The Flash arg konstruiert und auf Coolness geschrieben im Film untergebracht werden, sind sie doch die meiste Zeit über pointiert und werden leidenschaftlich genug vorgetragen, um die bemühte Schwere dieses DC-Abenteuers aufzubrechen. Erst recht, wenn der vorab bereits angekündigte (und fast vollständig um seinen interessanten Subplot gebrachte) Superman wieder auftaucht, kommt endlich Schwung in die schwadronierende Heroenbande, die sich bis dahin viel zu lange an Erklärungen und Diskussionen aufhält. Obwohl „Justice League“ gerade einmal 119 Minuten dauert – Achtung: bitte bis zum Abspann sitzen bleiben! -, gestaltet sich vor allem die erste Dreiviertelstunde zäh, denn so richtig interessant kann Zack Snyder nicht aufbereiten, was die einzelnen schablonenhaften Helden so treiben, bis sie zur Gerechtigkeitsliga hinzustoßen. Stattdessen gestaltet sich manch prägnanter Einführungsmoment regelrecht peinlich (Stichwort: Aquaman) denn ikonisch und aus einem das Wasser kontrollierenden Helden wird ein banales Sexsymbol, das sich – wie Wonder Woman, Batman und Cyborg übrigens auch – später nicht durch besondere Taten innerhalb der Justice League beweisen kann. Stattdessen ist es vorwiegend Superman, der sich als ebenbürtiger Gegner des Überschurken Steppenwolf erweist; und Wonder Woman sammelt kontinuierlich Sympahie-Minuspunkte, wenn sie das auch noch mit abschätzigen Kommentaren quittiert.

In „Justice League“ bekommt Aquaman (Jason Mamoa) erst einmal noch kaum etwas zu tun.

Betrachtet man „Justice League“ einmal nicht als das lang und breit vorbereitete Superheldenaufeinandertreffen (das der Film ohnehin nicht ist), sondern als allein stehenden Fantasyactionfilm, schneidet das angeblich über 300 Millionen Dollar teure Projekt schon ein wenig besser ab. Sieht man davon ab, dass viele Handlungsmomente und wiederkehrende Elemente einmal mehr arg an den ersten „Avengers“-Film erinnern, ist der Subplot um Supermans Wiederkehr spannend genug, dass es bedauerlich ist, wie sehr Snyder ihn zu Gunsten von noch mehr Spektakel verheizt. Auch die eine oder andere Kampfchoreographie offenbart hübsche Ideen, wenngleich sie DC-typisch in Computereffekten ertrinken. Der sich einzig und allein über seine Allmachtsfantasie definierende Schurke Steppenwolf (Ciarán Hinds) besitzt zwar keinerlei Wiedererkennungswert, läuft damit aber auch nicht Gefahr, den Protagonisten die Show zu stehlen. In Erinnerung bleibt von beiden Seiten letztlich aber kaum jemand; die CGI-Orgien, mit denen sich schon die Finals der letzten DC-Filme ins vergessenswerte Abseits schossen, fährt Zack Snyder nämlich auch hier mit Wonne auf. Die letzten zwanzig Minuten von „Justice League“ sind eine austauschbare Prügelei, aus der auch Kameramann Fabian Wagner („Victor Frankenstein“) und Komponist Danny Elfman („Tulpenfieber“) nichts Besonderes herausholen können. Bleiben am Ende nur die Helden selbst mitsamt ihrer Darsteller – und mit Ausnahme von Henry Cavill („Codename U.N.C.L.E.“) und Ezra Miller („Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“) scheint das Ensemble den ganzen Heldenschabernack entsetzlich ernst zu nehmen. Sich mit seinen Rollen zu identifizieren, vermögen außerdem nur Superman und in Teilen Wonder Woman – aber über die wissen wir eben auch schon so einiges.

Fazit: „Justice League“ ist zwar der stärkste Film des DCEU seit „Man of Steel“, doch als spaßiges Superheldenstelldichein funktioniert die zweistündige CGI-Orgie trotzdem nur bedingt. Wenngleich ein übermütiger The Flash und Superman als einzige interessante Figur alles geben, um die austauschbare Hero-gegen-Bösewicht-Prügelei aufzupeppen, bleibt am Ende ein Film übrig, der immer nur dann unterhält, wenn er sehr dreist und offensichtlich beim Erfolgskonzept der „Avengers“ abkupfert.

„Justice League“ ist ab dem 16. November bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

Ein Kommentar

  • So schlimm wie es sich jetzt liest, wird es hoffentlich nicht werden. Bis auf „Suicide Squad“ konnte ich mich mit dem Franchise anfreunden. Vielleicht auch deswegen, weil ich mich intensiv in die Figuren reinversetzen konnte. Bei „Suicide Squad“ ist mir das nicht gelungen.

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