Mission: Impossible – Rogue Nation

2015 ist das Jahr der Sequels, aber auch der gelungenen Sommerblockbuster. Da hat es selbst der gelungene, aber auf der Zielgeraden nicht ganz so charakterstarke MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION nur schwer, zu bestehen. Von der angenehmen Verspieltheit des Vorgängers ist ebenso wenig übrig geblieben, wie von der Innovation des ersten Teils. Dafür punktet Regisseur Christopher McQuarrie mit waghalsigen Stunts und einem sympathischen Ensemble.  Mehr zum Film lest Ihr in meiner Kritik.Mission: Impossible - Rogue Nation

Der Plot

Ethan Hunts (Tom Cruise) fünfte Mission erweist sich als die vielleicht unmöglichste seiner langen und erfolgreichen Karriere als Geheimagent: Nachdem das Pentagon die IMF aufgelöst hat, ist er ohne jegliche Unterstützung der Regierung dem geheimnisvollen „Syndikat“ auf der Spur, das sich bald als sein bislang mächtigster Gegner erweisen wird. Denn die Gerüchte um eine gefährliche internationale Untergrundorganisation aus hoch qualifizierten Spezialagenten haben sich als bittere Realität erwiesen. Deren oberstes Ziel: die ehemaligen Mitglieder der IMF auszulöschen und durch skrupellose Anschläge eine neue Weltordnung zu schaffen. Um die gefährliche und hocheffiziente Terrororganisation aufzuhalten, muss Hunt sein einzigartiges Team aus Computerspezialist Benji Dunn (Simon Pegg), Hacker Luther Stickel (Ving Rhimes) und dem Agenten William Brandt (Jeremy Renner) versammeln. Hilfe bietet auch die geheimnisvolle Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) an – doch als wie zuverlässig wird sie sich erweisen?

Kritik

Früher galt das ungeschriebene Hollywood-Gesetz, dass Fortsetzungen nie auch nur ansatzweise mit dem ersten Teil einer Reihe mithalten können. Mit der Zeit wurde diese Regel immer mehr von Ausnahmen bestätigt, bis die Ausnahme wiederum irgendwann zur Regel wurde und sich spätestens im Jahre 2015 vollständig in Luft aufgelöst hat. „Mad Max: Fury Road“, „Magic Mike XXL“ und „Avengers: Age of Ultron“ sind nur drei von unzähligen Filmbeispielen, mit welchen sich dieses Jahr als Hervorbringer exzellenter Sequels etablierte. Bei „Mission: Impossible – Rogue Nation“ haben wir es nicht mit einem zweiten, dafür aber fünften Teil zu tun, der es qualitativ nicht etwa mit Brian de Palmas Original von 1996 aufnehmen muss, sondern mit „Phantom Protokoll“ von 2011. Es ist kein Geheimnis, dass es Disney-Mastermind Brad Bird („A World Beyond“) vor vier Jahren gelang, den dato pfiffigsten, elegantesten und technisch aufwändigsten Film innerhalb des „Mission: Impossible“-Kosmos zu kreieren. Eine hohe Messlatte, an dessen Überwindung sich in diesem Jahr „Edge of Tomorrow“-Regisseur Christopher McQuarrie versucht. Der Filmemacher ist nicht bloß ein guter Bekannter von Tom Cruise und wirkte bereits an mehreren Produktionen mit, in welchen der für seine privaten Ansichten umstrittene Mime involviert war, er ist zugleich auch ein Verfechter handgemachter Action.  Damit kann die Kooperation McQuarrie-Cruise zwangsläufig nur gewinnen und liefert mit „Mission: Impossible – Rogue Nation“ einen mehr als grundsoliden und bisweilen äußerst spektakulären Sommerblockbuster ab. Doch im Anbetracht der kernigen Konkurrenz, die es in diesen Monaten bereits in die Kinosäle geschafft hat respektive noch schaffen wird, könnte es „Rogue Nation“ auf der Zielgeraden an jenem Wiedererkennungswert mangeln, mit dem vor vier Jahren „Phantom Protokoll“ gesegnet war.

Mission: Impossible - Rogue Nation

Neben James Bond gehört Ethan Hunt heute wohl zu den bekanntesten Superspionen, die sich in routinierter Regelmäßigkeit an immer absurder werdenden Aufträgen die Zähne ausbeißen müssen. Erst vor wenigen Monaten bemerkte Colin Firth im Rahmen des ausgefallenen Spy-Thrillers „Kingsman“ noch augenzwinkernd, „jede noch so weit hergeholte Handlung“ zu lieben und spielte damit gewitzt auf die immer kurioser werdenden Drehbücher an, mit denen die Hollywood-Autoren heutzutage ihre Zuschauer in die Lichtspielhäuser zu locken versuchen. Um charakterliche Entwicklung, geschweige denn ein Abbild realer Spionagearbeit geht es dabei kaum mehr; einzig der britische Edelspion James Bond hat aufgrund seiner popkulturellen Bedeutung das Glück, nach wie vor von mehreren Seiten beleuchtet zu werden, wenngleich sich auch seine Charakterzüge im Rahmen der mittlerweile 23 Filme umfassenden Reihe mehr widersprechen denn ergänzen. Dem Spaß am überbordenden Actionabenteuer tut dies allerdings keinen Abbruch; dafür hat sich die inhaltliche Komplexität von „Skyfall“ zuletzt sogar wie ein Kassenmagnet auf das zahlende Publikum ausgewirkt. In „Spectre“ sollen sich im Spätherbst dann weitere, offene Fragen klären und inhaltliche Lücken schließen, wodurch sich die „Bond“-Reihe auch auf charakterliche Ebene einmal mehr neu erfinden könnte. Bei Tom Cruises Ethan Hunt sieht die Sache allerdings ein wenig anders aus. Hunt hat nicht das Charisma, geschweige denn den popkulturellen Wert seines britischen Vorbilds, muss sich zwangsläufig also noch weniger an charakterlichen Entwicklungen, geschweige denn so etwas wie einer mehrere Filmteile überdauernden Dramaturgie aufhalten. Die Filme stehen für sich alleine, bauen nur rudimentär aufeinander auf und um diesen Faktor zu unterstreichen zeichnete bislang auch für jeden „Mission: Impossible“-Teil ein anderer Regisseur verantwortlich.

Innerhalb des Casts baut man allerdings spätestens seit „Mission: Impossible III“ auf eine gewisse Form der Beständigkeit. Neben Cruise als Protagonist der ersten Stunde sind sowohl Ving Rhimes (ebenfalls seit Teil eins), Simon Pegg (Teil drei) als auch Jeremy Renner (Teil vier) mit von der Partie. Mit der aktuellen Cruise-Pegg-Renner-Konstellation fährt das Franchise seit „Phantom Protokoll“ einen sehr zugänglichen Kurs und macht sich die Kombination aus knallharter Action und spitzfindigem Humor, bevorzugt auf persönlicher Kommunikationsebene, zunutze, indem man die drei Charaktere mit möglichst gegensätzlichen Zügen ausstattet. Das ist kein Geniestreich, aber ein wichtiger Storymotor, ohne den „Mission: Impossible – Rogue Nation“ kaum Ecken und Kanten vorweisen könnte, die abseits der Stuntchoreographien zu finden sind. Diese sind nämlich auch in „Rogue Nation“ einmal mehr überragend und aufgrund ihrer handgemachten Attitüde, einhergehend mit punktgenau platzierten und sich somit hervorragend in ihre Umgebung integrierenden CGI-Effekten die Hingucker des Films. Dass man mit jener Trailer-Szene den Film eröffnet, in welchem Tom Cruise spektakulär an einem Flugzeug hängt, das sich gerade mitten in der Startphase befindet, hinterlässt allerdings ein zwiespältiges Gefühl; auf der einen Seite beraubt McQuarrie seinem Films die vorab als großes Highlight angekündigten (mutmaßlichen) Finalshot, auf der anderen Seite ist der frühe Zugriff auf diesen vermeintlichen Höhepunkt durchaus eine Kampfansage. Alsbald steht die Frage im Raum, was noch kommen kann, wenn der Film jene atemberaubende Sequenz lediglich nutzt, um einen ansehnlichen Opener zu kreieren.

Mission: Impossible - Rogue Nation

Was kommt, ist schlussendlich noch eine ganze Menge. Während das teils wirre Drehbuch (ebenfalls von Christopher McQuarrie) nicht immer die Balance zwischen Action, struktureller Dramaturgie sowie Humor findet und sich die Dialoge gerade im Mittelteil immer wieder ziehen, stechen die episodenhaft eingeführten Choreographien umso deutlicher hervor. Welche in ihrer Bildgewalt und ausgefeilten Performance die stärkste darstellt, vermag man als kritischer Außenstehender nur ungern zu beurteilen; dafür sind die Szenen in sich viel zu unterschiedlich, als dass sie sich vergleichen ließen. Ob ein Mann-gegen-Mann-Kampf über der Bühne der Wiener Staatsoper, eine Verfolgungsjagd an der Steilküste von Casablanca oder das halsbrecherische Manöver, in die Kühlsysteme eines Kraftwerks einzutauchen: „Mission: Impossible – Rogue Nation“ riskiert viel und gewinnt dadurch mehr und mehr an dem Bombast, über den sich der Film schlussendlich definiert. Denn während der Actioner somit zwangsläufig den Kauf eines Kinotickets rechtfertigt – auf dem heimischen Fernseher machen all die ekstatischen Manöver schließlich nur noch halb so viel Spaß – bleibt der inhaltliche Mehrwert von „Rogue Nation“ übersichtlich. Wenngleich Benjis Oneliner sitzen und Tom Cruise der Spaß an der Arbeit ins Gesicht geschrieben steht, krankt die Produktion selbst daran, dass der Zuschauer viel Gutwillen aufbringen muss, um den Schicksalen der Figuren jene Wichtigkeit beizumessen, die es benötigt, um permanent bei Laune gehalten zu werden. Daran ist auch das Profil des Schurken nicht ganz unschuldig; seine Zeichnung ist im weitesten Sinne nachvollziehbar, seine Ziele für Genreverhältnisse stimmig, aber so etwas wie Charisma geht Sean Harris („Serena“) in seiner Rolle fast vollständig ab. Die Story versucht diesen Missstand inhaltlich zu überspielen, indem man den Fokus noch stärker darauf rückt, wie absurd die Prämisse der sich jedweder logischen Grundsätze entziehenden Handlung ist. Aber vollkommen zufriedenstellend ist diese Strategie vor allem deshalb nicht, weil es zuletzt viele Filme gab, die sich eleganter aus dieser misslichen Lage zu befreien wussten.

Natürlich ist „Mission: Impossible – Rogue Nation“ weit davon entfernt, Actionstückwerk zu sein, dessen Einzelszenen lediglich von einer Alibi-Handlung zusammengehalten werden. In McQuarries Regiearbeit steckt ein Konzept und dass per se ein Interesse für die Figuren vorhanden ist, offenbart das Spiel mit dem bruchstückhaften Offenlegen einzelner Charakterzüge. Doch vielleicht liegt es an den großen Fußstapfen, die Filme wie „Mad Max: Fury Road“ und „Kingsman – The Secret Service“ bereits in den Kinosälen hinterlassen haben, dass „Rogue Nation“ alles in allem der Wiedererkennungswert fehlt. Das Drehbuch hat nicht mehr Lücken als ein durchschnittlicher Agententhriller der aktuellen Dekade, die Actionchoreographien sind makellos – aber aller Perfektion zum Trotz fehlt dem Film das Vermögen, das Herz so höherschlagen zu lassen, wie es „Phantom Protokoll“ vor vier Jahren gelang. Damit ist „Rogue Nation“ immer noch perfekt auf seine Vorzüge abgestimmtes Blockbusterkino, aber mit dieser Erkenntnis geht auch die Einsicht einher, dass hier zugleich viel Potenzial liegen gelassen wurde. Das ändert allerdings nicht daran, dass jedes Mal erneut Gänsehautgarantie vorprogrammiert ist, sobald die ikonische „Mission Impossible“-Melodie ertönt. Denn im Gegensatz zum Film ist diese einfach zeitlos magisch.

Tom Cruise in seinem Element: Auch in

Tom Cruise in seinem Element: Auch in „Mission: Impossible – Rogue Nation“ drehte er die meisten Stunts selbst.

Fazit: „Mission: Impossible – Rogue Nation“ hat eigentlich alles, was ein Sommerblockbuster von heute braucht. Es fällt fast schwer, Aspekte zu finden, durch die sich der Film negativ von seinen starken Konkurrenten dieses Jahres abhebt. Doch irgendwas fehlt – und sei es nur der ekstatische Aufschrei von Seiten des Publikums, wenn Tom Cruise wieder einmal halsbrecherisch versucht, die Welt zu retten.

„Mission: Impossible – Rogue Nation“ ist ab dem 6. August bundesweit in den Kinos zu sehen.

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