Mutiny
Jason Statham auf einem Containerschiff: Viel mehr muss man über MUTINY eigentlich gar nicht wissen. Regisseur Jean-François Richet liefert gewohnt solide Erwachsenenaction, die immer dann am meisten wehtut, wenn er die verlässlichen Genrepfade doch mal verlässt. Neben Statham selbst ist vor allem das Schiff die Hauptattraktion.
Darum geht’s
Als der milliardenschwere Unternehmer Tibu Campallo (Jason Wong) vor den Augen seines Sicherheitschefs Cole Reed (Jason Statham) einem brutalen Mordanschlag zum Opfer fällt, gerät ausgerechnet der ehemalige Elitesoldat selbst ins Visier der Ermittler. Kurzerhand macht sich Cole auf eigene Faust auf die Suche nach den Hintermännern. Eine Spur führt ihn an Bord eines Frachtschiffs, wo Cole auf ein Geflecht aus kriminellen Machenschaften stößt, das weit über den Mord an seinem ehemaligen Boss hinausreicht. Gemeinsam mit der Schiffsoffizierin Angie (Annabelle Wallis) gerät er zwischen skrupellose Söldner, verschleppte Menschen und eine internationale Verschwörung. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, bleibt Cole nur eine Möglichkeit: Er muss sich seinen Weg durch die feindliche Besatzung freikämpfen, bevor die Drahtzieher ihren Plan vollenden können.
Kritik
Wie beginnt man eine Kritik zum „neuen Jason-Statham-Film“ nicht mit der ewig gleichen Leier darüber, dass sich der mittlerweile 59-jährige Brite längst zu einem Garanten für verlässliche Durchschnittsaction entwickelt hat, obwohl er dafür eigentlich schon seit Jahren immer nur wieder das Gleiche tut: Nämlich seinen Gegnern unter mal waghalsigen, mal absurden Umständen so richtig aufs Maul zu hauen. Vielleicht, indem man zur Abwechslung einmal anerkennt, dass genau darin inzwischen eine der größten Stärken dieses Mannes liegt. Denn während andere Schauspiel- und Actionstars ihre Karriere damit verbringen, möglichst viele unterschiedliche Facetten zu zeigen, hat Statham seine ganz eigene Form der Markenbildung perfektioniert: Er selbst ist das (Qualitäts-)Versprechen. Man weiß, dass er nicht plötzlich den sensiblen Familienvater geben, sich an einer Musicalnummer versuchen oder schlau daherphilosophieren wird. Man setzt sich in den Kinosessel und wartet darauf, welche möglichst halsbrecherische Ausgangslage sich die Filmemacher diesmal ausgedacht haben, damit Jason Statham anschließend Jason Statham sein kann. Das mündet mitunter zwar auch in Austauschware, im Falle von „Mutiny“ ist aber immerhin die Prämisse schon mal eine interessante. Denn anstatt seinen Gegnern einmal rund um den Erdball oder in irgendeine düstere Unterwelt zu folgen, bleibt das Setting diesmal sehr beschränkt: „Mutiny“ spielt die meiste Zeit über auf dem titelgebenden Schiff, was Regisseur Jean-François Richet optimal für sich zu nutzen weiß.
Nun hatte Richet aber auch bereits die Möglichkeit, zu üben, wenngleich in einem anderen Vehikel. Zuvor inszenierte er „Plane“, der – der Titel verrät es bereits – vor allem in der beengten Kulisse eines Flugzeugs spielte. Und auch in „Mutiny“ ist vor allem das Setting der Star. Dass tatsächlich auf einem echten Schiff – der Sky Light – und nicht etwa in einem Filmstudio gedreht wurde, verhilft dem Film von Anfang an zu einer angenehm physischen Qualität. Wenn Statham unter Deck durch die engen Gänge hetzt oder zwischen den gewaltigen Stahlcontainern um sein Leben kämpft, bekommt die Action eine gewisse Bodenhaftung, die vielen vergleichbaren Produktionen inzwischen abhandengekommen ist. Das ist umso bemerkenswerter, da ein typisches Containerschiff als Schauplatz erst einmal gar nicht so abwechslungsreich klingt: Stahl, Container, noch mehr Stahl – und sehr viel Wasser drum herum. Doch Kameramann Brendan Galvin („Unhinged – Außer Kontrolle“) holt aus dieser vermeintlichen Eintönigkeit so viel heraus, wie es den Umständen entsprechend eben möglich ist. Immer wieder wechselt er zwischen engen, klaustrophobischen Einstellungen und weitläufigen Aufnahmen vom Deck hin und her. In den schmalen Gängen bleibt er seinen Figuren immer dicht auf den Fersen. Und die strenge Geometrie der Containerreihen ermöglich ebenfalls einige ungewöhnliche Perspektiven. Die ganz großen Bildgewalten vermisst man trotzdem. Nicht zuletzt, weil „Mutiny“ gerade einmal 40 Millionen US-Dollar gekostet hat. Doch gerade einem Actioner dieses B-Kalibers tut es gut, dass sich die Schauplätze – eintöniges Grau-in-Grau hin oder her – nie vollständig künstlich anfühlen.
„Wenn Statham unter Deck durch die engen Gänge hetzt oder zwischen den gewaltigen Stahlcontainern um sein Leben kämpft, bekommt die Action eine gewisse Bodenhaftung, die vielen vergleichbaren Produktionen inzwischen abhandengekommen ist.“
Erwartungsgemäß passt sich die Action dieser rauen Umgebung an. Erneut lässt Jean-François Richet seinen Helden vor allem dort zulangen, wo es richtig wehtut. Zumal jeder Sturz, Faustschlag und Zusammenprall auf den engen Schiffsgängen oder zwischen den kantigen Containern automatisch noch ein klein wenig schmerzhafter erscheint. Auch für einige kleine visuelle Kabinettstückchen ist „Mutiny“ gut: Eine Mann-gegen-Mann-Prügelei auf einer sich drehenden Schiffsbrücke macht richtig was her. Genauso wie Stathams leider viel zu kurzer Einsatz eines Enterhakens hier angemessen fiese Spuren hinterlässt. Gerade letzterer Moment lässt erahnen, was aus „Mutiny“ hätte werden können, wenn der Film seine physische Gangart konsequenter ausgereizt hätte. Denn so ruppig sich die Action vereinzelt auch anfühlt, beim Gewaltgrad selbst zieht Richet überraschend häufig die Handbremse. Es gibt sie, die Gewaltspitzen. Eine von ihnen sticht im wahrsten Sinne des Wortes ganz besonders ins Auge. Doch immer wieder blendet die Kamera in entscheidenden Momenten aus und überlässt die eigentlichen Treffer der Vorstellungskraft des Publikums. Das ist insofern schade, als dass „Mutiny“ mit seiner Erwachsenenfreigabe eigentlich alle Voraussetzungen dafür mitbringt, hier etwas weniger zimperlich zu Werke zu gehen. Warum Richet also oft nur andeutet, während er an anderer Stelle in die Vollen geht, weiß wohl nur er selbst. So bleiben einige der stärksten Ansätze des Films deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Was die Geschichte betrifft, gibt sich „Mutiny“ erwartungsgemäß zweckmäßig. Das Autor:innenduo aus der debütierenden Lindsay Michael und dem genreerfahrenen J.P. Davis („The Contractor“) nimmt keinerlei Umwege und verzichtet in Gänze auf unnötigen Storyballast. Die typischen Stationen eines Jason-Statham-Films arbeitet es indes nach Lehrbuch ab. Natürlich ist Cole Reed ein ehemaliger Elitesoldat. Natürlich taucht im Laufe der Handlung irgendwann eine Akte auf, in der sich allerlei zwielichtige Details aus seiner Vergangenheit finden. Natürlich wird die Angelegenheit irgendwann persönlich. Und über Stathams Nahkampffähigkeiten wurde bereits an anderer Stelle ausführlich philosophiert. Das ist alles Routine. Es fehlt eigentlich nur noch das Kind, für das der Protagonist einst versprochen hat, Verantwortung zu übernehmen. Dass „Mutiny“ trotzdem nicht völlig zur Einbahnstraße für seinen Hauptdarsteller wird, liegt nicht nur an Stathams gewohnt kantigem Charisma, sondern auch an Annabelle Wallis („Malignant“), dank der er die Rettungsmission zumindest nicht in Gänze allein bestreiten muss. Auch ein Handlungsstrang rund um ein Rettungsschiff, das die Ereignisse aus einiger Entfernung verfolgt, sorgt immer wieder für kleine zusätzliche Storybeats und bringt ein wenig Abwechslung in den ansonsten ziemlich geradlinigen Ablauf. Das Grundproblem bleibt allerdings bestehen: „Mutiny“ ist derart konsequent auf die bewährte Statham-Formel zugeschnitten, dass man sich während des gesamten Films kaum fragt, was als Nächstes passiert, sondern höchstens, wann der nächste obligatorische (Enter-)Haken gesetzt wird.
„Das Autor:innenduo aus der debütierenden Lindsay Michael und dem genreerfahrenen J.P. Davis nimmt keinerlei Umwege und verzichtet in Gänze auf unnötigen Storyballast. Die typischen Stationen eines Jason-Statham-Films arbeitet es indes nach Lehrbuch ab.“
Fazit: „Mutiny“ ist genau die Sorte routinierter Jason-Statham-Action, die man erwartet. Aber dank echtem Schiff, einigen hübsch inszenierten Setpieces und dem gewohnt kantigen Hauptdarsteller ist dieser Vertreter nicht völlig austauschbar. Für mehr als solide Durchschnittsware reicht es dennoch nicht. Dafür fehlt es sowohl der Geschichte als auch der Action an Mut, die bewährte Formel wirklich einmal zu sprengen.
„Mutiny“ ist ab dem 27. August 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.


