One Night Only

365 Tage im Jahr ist Sex verboten, an einem einzigen davon ist plötzlich alles erlaubt. Das ist die unweigerlich an „The Purge“ erinnernde Prämisse der Romcom ONE NIGHT ONLY, die einen dieses absurde Konzept aber dank der beiden zuckersüßen Hauptdarsteller:innen schnell vergessen lässt.

OT: One Night Only (USA 2026)

Darum geht’s

In einer Gesellschaft, in der Sex außerhalb der Ehe verboten ist, gibt es nur eine Ausnahme: Einmal im Jahr dürfen Singles für zwölf Stunden legal miteinander schlafen. Für Owen (Callum Turner) könnte die besondere Nacht eigentlich kaum besser laufen – bis seine Verlobte ihm eröffnet, dass sie die Gelegenheit lieber mit einem anderen nutzen möchte. Auch Allie (Monica Barbaro) steht plötzlich ohne Begleitung da und macht sich unabhängig von Owen auf die Suche nach einem passenden Partner. Dabei kreuzen sich die Wege der beiden immer wieder, während eine Reihe skurriler Begegnungen und unvorhergesehener Zwischenfälle ihre nächtliche Suche zunehmend aus dem Ruder laufen lässt. Und obwohl um sie herum offenbar jeder die einmalige Gelegenheit nutzen will, kommen sich ausgerechnet Owen und Allie immer näher.

Kritik

Natürlich liegt der Vergleich zwischen dem Konzept von „One Night Only“ und jenem der „The Purge“-Horrorfilmreihe klar auf der Hand: In beiden Fällen wird für einen begrenzten Zeitraum die gesellschaftliche Ordnung außer Kraft gesetzt, wodurch plötzlich Dinge möglich werden, die in der jeweiligen Filmrealität sonst nicht mehr erlaubt sind. Während bei „The Purge“ allerdings sämtliche Verbrechen für eine Nacht legalisiert werden (weil „Gewalt ausüben“ offenbar ein menschliches Grundbedürfnis ist!?), konzentriert sich die High-Concept-Romcom „One Night Only“ auf ein ganz anderes menschliches Verlangen. Und zwar immerhin auf eines, das auch wirklich als solches durchgeht: (außerehelicher) Sex. Natürlich ist diese Prämisse, bei aller Liebe zu ihrer kreativen Ausgestaltung, ziemlich dämlich. Denn nicht die eine Nacht, in der plötzlich alles erlaubt ist, wirft die größten Fragen auf, sondern die übrigen 364 Tage. Warum sollte eine Regierung das menschliche Bedürfnis nach Intimität per Gesetz unterbinden, nur um einmal im Jahr kollektiv die große Ausnahme auszurufen? Das klingt so gar nicht nach einem gesellschaftlichen Modell, das besonders viele Anhänger:innen finden dürfte. Und genau hier liegt auch der Punkt, an dem sich direkt entscheidet, ob man mit „One Night Only“ connecten kann, oder eben nicht. Denn man muss diese Prämisse einfach schlucken, sonst ist man verloren.

Immer wieder kreuzen sich die Wege von Allie (Monica Barbaro) und Owen (Callum Turner).

So ist die Grundidee auch der Aspekt, bei dem „One Night Only“ am ehesten ins Straucheln gerät. Immer dann, wenn der Film versucht, sein absurdes Gesellschaftsmodell politisch zu erklären, wird es hakelig. Denn dass ein staatlich verordnetes Sexverbot über 364 Tage im Jahr unter anderem mit „weniger sexuell übertragbaren Krankheiten“ und „weniger Teenagerschwangerschaften“ begründet wird, klingt zwar auf den ersten Blick nach nachvollziehbaren Argumenten, ist bei näherer Betrachtung aber viel zu schwammig, um daraus ernsthaft die Grundlage eines solchen Gesetzes abzuleiten. Drehbuchautor Travis Brown („Monster bei der Arbeit“) hätte deshalb gut daran getan, diese Ebene komplett auszusparen und die Regeln seiner Welt einfach als gegeben darzulegen. Denn je weniger „One Night Only“ erklärt, desto besser funktioniert die Prämisse. Die vermeintlich erklärenden Einschübe haben zwar auch oft etwas sehr Komisches, bewirken erzählerisch aber eher das Gegenteil: Sie machen einem erst so richtig bewusst, dass die Storygrundlage eigentlich riesiger Quatsch ist. Was hingegen funktioniert, ist ein glaubhaftes Abbild der Gesellschaft und dessen, wie ebenjene mit einem solchen „einmal im Jahr ist außerehelicher Sex erlaubt“-Tag umgehen würde. Wie ein Feiertag wird dieses Datum zelebriert. Sämtliche Läden und Etablissements stellen sich auf die entsprechenden Bedürfnisse ihrer Kund:innen ein – und sei es nur, dass der Preis für Kondome plötzlich bei 200 Dollar pro Stück liegt. Der Markt regelt!

„Je weniger ‚One Night Only‘ erklärt, desto besser funktioniert die Prämisse. Die vermeintlich erklärenden Einschübe haben zwar auch oft etwas sehr Komisches, bewirken erzählerisch aber eher das Gegenteil: Sie machen einem erst so richtig bewusst, dass die Storygrundlage eigentlich riesiger Quatsch ist.“

Dabei bräuchte „One Night Only“ seine ungewöhnliche Prämisse im Grunde gar nicht, um als das zu funktionieren, was der Film im Kern ist: eine klassische Romcom. Denn auch ohne das „Einmal im Jahr ist Sex erlaubt“-Konzept entwickelt die Geschichte über zwei attraktive Menschen, deren Wege sich bei der Suche nach einem Sexpartner/einer Sexpartnerin immer wieder zufällig kreuzen, ihren charmanten Reiz. Der High-Concept-Überbau verleiht dieser Ausgangslage lediglich einen zusätzlichen Rahmen, aus dem sich im weiteren Verlauf eine Art Roadmovie mit immer neuen Handlungsstationen entspinnt. So wird Owen beispielsweise über eine Dating-App in eine Falle gelockt und anschließend an einen Baum gefesselt, während Allie bei ihrem nächtlichen Streifzug aus Versehen einen gesuchten Verbrecher abschleppt. Am Ende treffen sich beide in der Notaufnahme des Krankenhauses wieder. Und als Owen auf seine Mutter trifft, wird er mit einem ausgesprochen skurrilen Fetisch konfrontiert. Stichwort: Luftpolsterfolie. Vieles davon ist mindestens für eine Handvoll gelungener Pointen gut. Manches geht dann aber sogar ehrlich unter die Haut. Etwa Allies Performance der Powerballade „Only You“ in einem Nachtclub, wobei Hauptdarstellerin Monica Barbaro („Top Gun: Maverick“) ihre fantastische Gesangsstimme unter Beweis stellt. Doch so unterhaltsam diese einzelnen Episoden auch sind: Letztlich steht und fällt eine Romcom natürlich mit den beiden Menschen, um die sich all das Chaos dreht.

Ob sie am Ende gemeinsam im Bett landen werden?

Genau hier zeigt Regisseur Will Gluck (inszenierte zuletzt den Romcom-Überraschungshit „Wo die Lüge hinfällt“), dass er das Genre nicht nur verstanden, sondern auch ziemlich gut im Griff hat. Denn die Chemie zwischen Monica Barbaro und Callum Turner („The Piano Tuner“) ist schlichtweg überragend. Beide verleihen ihren Figuren eine ungemein natürliche Dynamik, die weit über das bloße „Die beiden sehen gut zusammen aus“ hinausgeht. Auch wenn sich vieles an „One Night Only“ den Umständen entsprechend ziemlich konstruiert anfühlt, wirkt ausgerechnet das Protagonist:innenpaar nicht wie aus einem Drehbuch. Stattdessen nimmt man ihnen das romantische Knistern jederzeit ganz selbstverständlich ab. Gerade weil zwischen ihnen von Beginn an eine spürbare Anziehung herrscht, funktioniert auch das ständige Hin und Her zwischen Nähe und Distanz. Barbaro und Turner spielen diese Mischung aus gegenseitiger Faszination, Unsicherheit und immer wieder aufkeimender Hoffnung mit einer Leichtigkeit, die dem Film selbst dann trägt, wenn die Handlung gerade mal wieder einen ziemlich absurden Haken schlägt. Weshalb auch das wichtigste Element einer romantischen Komödie vollständig gegeben ist: Man fiebert einfach mit, dass sich die beiden im Laufe dieser einen Nacht (nicht mal unbedingt ins Bett) bekommen. Da verzeiht man es dem Film auf der Zielgeraden dann sogar, dass er sich mit seiner Schlusspointe eigentlich als ziemlich prüde erweist.

„Die Chemie zwischen Monica Barbaro und Callum Turner ist schlichtweg überragend. Beide verleihen ihren Figuren eine ungemein natürliche Dynamik, die weit über das bloße ‚Die beiden sehen gut zusammen aus‘ hinausgeht.“

Fazit: „One Night Only“ ist eine charmante, abwechslungsreiche Romcom, die vor allem von der überragenden Chemie zwischen Monica Barbaro und Callum Turner lebt. Dass die politische Begründung für das Sexverbot reichlich wackelig ausfällt und der Film seine ohnehin schon schwer schluckbare Prämisse mitunter unnötig zu erklären versucht, gehört dabei zu den wenigen echten Schwachpunkten. Wer sich auf die Spielregeln dieser ungewöhnlichen Welt einlässt, wird dafür mit einem ebenso witzigen wie herzlichen Liebesfilm belohnt, der sein absurdes Konzept letztlich gar nicht nötig hätte, um zu funktionieren.

„One Night Only“ ist ab dem 27. August 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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