Toy Story 5

Mehr als 30 Jahre nach ihrem ersten Leinwandabenteuer beweisen Woody, Buzz und ihre Freunde erneut, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. TOY STORY 5 verbindet atemberaubende Animation mit einer zeitgemäßen Geschichte über Freundschaft, Selbstfindung und die Frage, welchen Platz Spielzeug in einer digitalen Welt noch einnimmt.

OT: Toy Story 5 (USA 2026)

Darum geht’s

Seit die kleine Bonnie (Madeleine Tanfal) immer mehr Zeit mit digitalen Geräten, sehen sich Woody (Michael Bully Herbig), Buzz (Walter von Hauff), Jessie (Carolin Hartmann) und die übrigen Spielzeuge mit einer ungewohnten Realität konfrontiert: Klassisches Spielzeug scheint im Kinderzimmer zunehmend an Bedeutung zu verlieren. Als Bonnie verzweifelt versucht, Anschluss an eine Clique beliebter Mädchen zu finden, geraten nicht nur ihre eigenen Gefühle aus dem Gleichgewicht. Auch die Spielzeuge müssen sich die Frage stellen, welchen Platz sie in einer Welt haben, in der Bildschirme immer häufiger die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen. Als schließlich mit Lilypad (Laura Maire), einem hochmodernen digitalen Spielgerät, eine mächtige Gegenspielerin auf den Plan tritt, beginnt für die Spielzeugtruppe eine ebenso turbulente wie emotionale Rettungsmission, bei der diesmal nicht nur eines ihrer eigenen Mitglieder, sondern vor allem Bonnie selbst Hilfe braucht.

Kritik

Mit der „Toy Story“-Reihe hat Pixar nicht nur eines der prägendsten Animationsfranchises der Filmgeschichte geschaffen, sondern zugleich eine Marke, die mit den bisherigen vier Filmen weltweit weit über drei Milliarden US-Dollar an den Kinokassen einspielte. Bereits der erste Teil setzte 1995 als erster vollständig computeranimierter Langfilm neue Maßstäbe. Doch bemerkenswert ist vor allem, wie konsequent sich die Reihe seitdem weiterentwickelte. Mit jedem neuen Kapitel wuchs nicht nur die erzählerische Reife, sondern auch die technische Raffinesse sichtbar mit. Wo einst noch kantige Oberflächen und vergleichsweise starre Figuren den Stand der damaligen Computeranimation widerspiegelten, entstanden über die Jahre hinweg immer detailreichere Welten, realistischere Materialien und glaubwürdigere Lichtstimmungen. Allein das Opening aus „Toy Story 4“ – eine Rettungsaktion im strömenden Regen – ist bis heute eine der fantastischsten Animationssequenzen überhaupt. Statt sich also auf seinem Pionierstatus auszuruhen, nutzte Pixar jeden neuen „Toy Story“-Film, um die eigenen Möglichkeiten weiter auszureizen und etablierte die Reihe damit immer wieder aufs Neue als Referenz dafür, wie modernes Animationskino auszusehen hat.

Seit Woodys Weggang hat Jessie das Kommando im Kinderzimmer übernommen. Dem Neuzugang Lilypad stehen sie und ihr Pferd Bully kritisch gegenüber.

Diese Entwicklung setzt sich auch bei „Toy Story 5“ auf einem Niveau fort, bei dem man kaum glauben mag, dass sich die Messlatte überhaupt noch ein Stück höher legen lässt. Gleich die Eröffnungssequenz demonstriert, weshalb Pixar seit Jahrzehnten als Taktgeber des computeranimierten Kinos gilt. Nach einem Schiffsunglück erwacht eine ganze Gruppe Buzz-Lightyear-Actionfiguren auf vor einer einsamen Insel kollektiv aus ihrem Tiefschlaf. Als der Film die ersten Momente aus der Perspektive eines der Spielzeuge zeigt, das blinzelnd in Richtung Horizont blickt, vor ihm der schneeweiße Sand und das sanft vom Wind aufgeraute Meer, wirkt dieses Bild derart fotorealistisch, dass man sich unwillkürlich erst einmal ins Gedächtnis rufen muss, keine aufwendig gefilmte Naturdokumentation zu sehen, sondern einen vollständig am Computer entstandenen Animationsfilm. Jede einzelne Welle bricht mit verblüffender Natürlichkeit am Ufer, das Licht spiegelt sich in zahllosen Nuancen auf der Wasseroberfläche, während selbst feinste Sandstrukturen und kleinste Unebenheiten im Gestein sichtbar werden. Dieser Detailreichtum setzt sich später ebenso im sattgrünen Dschungeldickicht fort, als auch in der Ausgestaltung diverser Kinderzimmer oder Garten-Spielhäuschen. Doch all diese technische Brillanz erschöpft sich nie in bloßer Effekthascherei. Stattdessen erschafft sie einfach „nur“ eine glaubwürdige Welt, in der sich die Spielzeuge so selbstverständlich bewegen, dass man ihre künstliche Herkunft bereits nach wenigen Minuten vollständig ausblendet. Darüber hinaus ist es das erste Mal, dass Pixar hin und wieder den gewohnten fotorealistischen Stil verlässt und in ausgewählten Sequenzen auf eine malerische Ästhetik mit weichen Konturen und sichtbar stilisierten Pinselstrichen setzt. Das wirkt wie eine faszinierende Zwischenstufe aus moderner 3D-Animation und klassischem Zeichentrick und verleiht diesen Szenen einen ganz eigenen visuellen Charakter.

„Gleichzeitig schwingt über weite Strecken eine leise Melancholie mit. Denn nicht nur ihre Besitzer:innen werden älter. Auch die Spielzeuge selbst müssen sich zunehmend die Frage stellen, welchen Platz sie in einer Welt einnehmen, deren Spielgewohnheiten sich immer stärker verändern.“

Mindestens genauso wichtig wie die technische Perfektion ist jedoch, dass Pixar den Blick nie für das Wesentliche verliert: seine Figuren. Schließlich sind es Woody, Buzz, Jessie und all die anderen Spielzeuge, die das Publikum nun schon seit mehr als drei Jahrzehnten begleiten. Diesmal rückt vor allem das Cowgirl Jessy ins Zentrum. Seit ihrem Einstand in „Toy Story 2“ gehörte sie zwar stets zum festen Ensemble, blieb neben Woody und Buzz jedoch meist eher eine wichtige Nebenfigur. „Toy Story 5“ nutzt nun die Gelegenheit, ihrer Vergangenheit deutlich mehr Raum einzuräumen und zeichnet ihre Hintergrundgeschichte mit einer ebenso behutsamen wie rührenden Emotionalität nach. Gerade dadurch wächst Jessie ganz organisch in die Rolle der Anführerin hinein – nicht nur innerhalb der Spielzeugtruppe, sondern auch als emotionale Hauptfigur des Films. Woody und Buzz bleiben derweil selbstverständlich unverzichtbarer Bestandteil des Geschehens, wenngleich sich ihre Rollen spürbar verschieben. Konsequenterweise verbringt Woody nach den Ereignissen des vierten Teils einen Großteil seiner Zeit damit, herrenlosen Spielzeugen zu helfen, wodurch er das Geschehen diesmal häufiger aus einer gewissen Distanz betrachtet und entsprechend weniger Leinwandzeit erhält als gewohnt. Das eröffnet eine erfrischend neue Dynamik, ohne dabei auf das verzichten zu müssen, was die Reihe seit jeher (auch) auszeichnet: die liebevollen Kabbeleien zwischen Woody und Buzz, die auch diesmal wieder für einige der schönsten Momente sorgen. Gleichzeitig schwingt über weite Strecken eine leise Melancholie mit. Denn nicht nur ihre Besitzer:innen werden älter. Auch die Spielzeuge selbst müssen sich zunehmend die Frage stellen, welchen Platz sie in einer Welt einnehmen, deren Spielgewohnheiten sich immer stärker verändern.

Bonnie wäre super gern mit einer Clique beliebter Mädels befreundet. Das Problem: Von denen spielt keine mehr mit richtigem Spielzeug.

Ebenjene Veränderung bildet den erzählerischen Kern von „Toy Story 5“. Schließlich verbringen Kinder heute deutlich mehr Zeit vor Bildschirmen, als mit klassischem Spielzeug zu spielen. Es wäre also ein Leichtes gewesen, daraus eine allzu plakative Gegenüberstellung nach dem Motto „analog gut, Technik schlecht“ zu konstruieren. Doch genau diesen einfachen Weg schlagen die Regisseur:innen und Autor:innen Andrew Stanton („Findet Dorie“) und McKenna Harris (Kurzfilm „Ciao Alberto“) erfreulicherweise nicht ein. Denn die Konflikte, mit denen Bonnie hier konfrontiert wird, haben letztlich nur wenig mit Tablets oder digitalen Geräten zu tun. Mit großer Empathie erzählt „Toy Story 5“ davon, wie sie verzweifelt versucht, Anschluss an eine Clique zu finden, die sie eigentlich gar nicht dabeihaben möchte und gibt der Figur damit endlich den Raum, den sie seit ihrer Einführung verdient hat. Mobbing, Ausgrenzung, sozialer Druck oder die Schwierigkeit, als eher introvertierter Mensch neue Freundschaften zu schließen, sind schließlich Probleme, die es lange vor Smartphones und Touchscreens gab und ebenso gut in einer vollständig analogen Welt stattfinden könnten. Die Technik dient hier vielmehr als Projektionsfläche für die Ängste der Spielzeuge selbst. Denn während Bonnie ihren Platz in der Welt sucht, fürchten Jessy, Woody, Buzz und die anderen zunehmend, in eben dieser Welt keinen mehr zu haben. Stellvertretend dafür steht mit Lilypad, einer Art Kinder-iPad, eine Antagonistin, die nicht deshalb zur Gegenspielerin wird, weil sie ein technisches Gerät ist, sondern weil sie die Sorge der Spielzeuge verkörpert, gegen die Reizüberflutung moderner Unterhaltung schlicht nicht mehr bestehen zu können.

„Erzählerisch greift ‚Toy Story 5‘ zwar erneut auf das bewährte Motiv einer Rettungsmission zurück, erweitert dieses aber um eine neue Perspektive. Diesmal geht es nicht allein darum, ein verlorenes Spielzeug wieder nach Hause zu bringen. Im Mittelpunkt steht vielmehr Bonnie, die lernen muss, sich aus einer ungesunden Freundschaft zu lösen und den Mut zu finden, zu sich selbst zu stehen.“

Bei aller Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens und einer zunehmend digitalisierten Welt gerät „Toy Story 5“ aber nie aus den Augen, in erster Linie ein großes Abenteuer für die ganze Familie sein zu wollen. Das hohe Tempo, zahlreiche kreative Einfälle und vor allem die für die Reihe so typischen, grandiosen Alltags- und Detailbeobachtungen sorgen dafür, dass der Film praktisch im Minutentakt mit gelungenen Pointen aufwartet. Besonders viel Vergnügen bereitet dabei eine Truppe ausrangierter Technikspielzeuge, die längst von moderneren Geräten verdrängt wurden und ihren ganz eigenen Blick auf den technischen Fortschritt entwickelt haben. Allen voran ein hoffnungslos veralteter Töpfchen-Trainer, der um keinen Pipi-Kaka-Wortwitz verlegen ist – und dessen Kalauer leider deutlich lustiger sind, als sie es eigentlich sein dürften. Erzählerisch greift „Toy Story 5“ zwar erneut auf das bewährte Motiv einer Rettungsmission zurück, erweitert dieses aber um eine neue Perspektive. Diesmal geht es nicht allein darum, ein verlorenes Spielzeug nach Hause zu bringen. Im Mittelpunkt steht vielmehr Bonnie, die lernen muss, sich aus einer ungesunden Freundschaft zu lösen und den Mut zu finden, zu sich selbst zu stehen. Noch nie waren die Schicksale der Spielzeuge und die ihres Kindes so eng miteinander verwoben wie hier. Entsprechend ist es am Ende auch nicht einer der großen Momente zwischen Woody und Buzz, der am stärksten zu Herzen geht. Stattdessen gehört die emotionalste Szene des Films Bonnie, die ausgelassen mit ihrer neuen besten Freundin spielt – und damit all den Spielzeugen den schönsten Beweis liefert, dass sie trotz aller Veränderungen noch immer genau das bewirken können, wofür sie einst geschaffen wurden.

In einem Subplot rund um eine Truppe verunfallter Buzz-Lightyear-Figuren lässt Pixar animationstechnisch die Muskeln spielen.

Fazit: Mit „Toy Story 5“ beweist Pixar einmal mehr, dass die Reihe weit mehr ist als ein nostalgischer Ausflug zu liebgewonnenen Figuren. Der Film verbindet atemberaubende Animationskunst, ein großes Herz und kluge Gegenwartsbeobachtungen zu einem ebenso mitreißenden wie berührenden Familienfilm, der die richtigen Fragen stellt, ohne nur die offensichtlichen Antworten zu liefern. Dass die mittlerweile über 30 Jahre alte Reihe dabei noch immer zu den besten Animationsfilmen ihrer Zeit gehört, ist vermutlich das größte Kompliment, das man ihr machen kann.

„Toy Story 5“ ist ab dem 23. Juli 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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