You, Me & Italy
Romantische Komödien sind im Kino zu einer Rarität geworden. Mit YOU, ME & ITALY schafft es nun zwar kein herausragender Vertreter dieses selten gewordenen Genres auf die großen Leinwände, aber immerhin einer, der seinen zelebrierten Kitsch selbstbewusst vor sich herträgt. Ganz, ganz viele Italien-Klischees inklusive.
Darum geht’s
Eigentlich wollte Anna (Halle Bailey) als Köchin durchstarten. Doch nach dem Tod ihrer Mutter hat sie ihre Träume längst begraben und hält sich stattdessen mit Gelegenheitsjobs als Housesitterin über Wasser. Als sie innerhalb kürzester Zeit sowohl ihre Unterkunft als auch ihren Job verliert, erinnert sie sich an die Einladung des sympathischen Italieners Matteo (Lorenzo de Moor), den sie erst kurz zuvor kennengelernt hat. Kurzerhand reist sie in die Toskana und quartiert sich in dessen vermeintlich leerstehender Villa ein. Der Plan geht allerdings gründlich schief, als ausgerechnet Matteos Mutter Gabriella (Isabella Ferrari) unangekündigt vor der Tür steht und Anna irrtümlich für die Verlobte ihres Sohnes hält. Um das Missverständnis nicht sofort auffliegen zu lassen, spielt Anna die Rolle kurzerhand mit – und verstrickt sich immer tiefer in ein Netz aus Notlügen. Noch komplizierter wird die Situation, als sie Matteos charmanten Cousin Michael (Regé-Jean Page) kennenlernt und zwischen den beiden unerwartet die Funken fliegen.
Kritik
Das Genre der romantischen Komödie hat in den vergangenen Jahren einen drastischen Wandel durchlebt. Während RomComs in den Neunziger- und frühen Zweitausenderjahren noch zum festen Inventar des Kinoprogramms gehörten, hat sich ihre Heimat inzwischen weitestgehend ins Streaming verlagert. Das hat gleich mehrere Gründe: Zum einen gelten mittelgroße, dialoglastige Filme ohne spektakuläre Schauwerte für die Studios als finanziell schwer kalkulierbar, seit die einst lukrativen Einnahmen aus DVD- und Blu-ray-Verkäufen weggebrochen sind. Zum anderen lassen sich romantische Komödien genauso gut bequem auf dem heimischen Sofa konsumieren. Ein Umstand, den Streamingdienste früh für sich entdeckt haben und mit einem schier endlosen Nachschub an Netflix-, Prime- und Co.-Eigenproduktionen bedienten. Ins Kino schaffen es Vertreter des Genres deshalb nur noch selten. Und wenn doch, müssen sie sich meist über außergewöhnlich starke Mundpropaganda behaupten. Dass etwa „Wo die Lüge hinfällt“ 2023 zum weltweiten Überraschungshit avancierte und später auch Produktionen wie „Was ist Liebe wert – Materialists“ wieder verstärkt Aufmerksamkeit auf das Genre lenkten, zeigt zwar, dass das Publikum die Lust auf romantische Geschichten nicht verloren hat. Dennoch bleiben klassische RomComs auf der großen Leinwand derzeit eher eine Ausnahmeerscheinung. Umso erfreulicher ist es, dass mit „You, Me & Italy“ eine weitere moderne Liebesgeschichte den Weg dorthin findet. Auch wenn man es hier nicht unbedingt mit einem besonders starken Vertreter zu tun bekommt.
„You, Me & Italy“ setzt dabei auf eine der traditionsreichsten Zutaten des Genres. Schließlich leben romantische Komödien seit jeher von vertrauten Mustern und wohligen Klischees, weitestgehend ohne Überraschungseffekt. So entwickelt sich der Reiz vor allem daraus, zwei Figuren auf ihrem vorhersehbaren Weg zueinander zu begleiten und ihnen dabei möglichst viele charmante Stolpersteine in den Weg zu legen. Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass „You, Me & Italy“ seine Geschichte in Italien ansiedelt. Für viele ein Sehnsuchtsort, steht das Land – neben Frankreich – seit Jahrzehnten als Sinnbild für (verklärende?) Romantik. Und Regisseurin Kat Coiro („Marry Me“) macht auch keinerlei Anstalten, diesem bekannten Klischeebild neue Facetten abzugewinnen. Stattdessen reiht sie selbst nahezu jedes erdenkliche Italien-Klischee aneinander: Schnuckelig-verwinkelte Gassen mit charmanten Cafés, sonnengetränkte Piazze, malerische Küsten, gutaussehende Vespa-Fahrer und attraktive Frauen in wallenden Sommerkleidern entwerfen ein Postkarten-Bild, das ebenso gut als Imagefilm für Italien-Tourismus durchginge. Von ausufernden Familienessen bis hin zum Glas Rotwein bei Sonnenuntergang: Das hier gezeigte Italien ist herzlich und einladend – aber eben auch bis oben hin vollgestopft mit Stereotypen und Allgemeinplätzen. Allerdings wird „You, Me & Italy“ auch konsequent aus der Perspektive der hoffnungslos romantischen Anna erzählt, die Italien ohnehin weniger als reales Land, denn vielmehr als Projektionsfläche ihrer Sehnsüchte wahrnimmt. Ähnlich wie die Serie „Emily in Paris“ ein bewusst überzeichnetes, märchenhaftes Paris darstellt, entsteht auch hier weniger ein authentisches Abbild Italiens als vielmehr dessen idealisierte Fantasieversion.
„‚You, Me & Italy‘ wird konsequent aus der Perspektive der hoffnungslos romantischen Anna erzählt, die Italien ohnehin weniger als reales Land, denn vielmehr als Projektionsfläche ihrer Sehnsüchte wahrnimmt.“
Aus dieser Perspektive heraus wirkt diese schiere Masse an Klischees bisweilen sogar nachvollziehbar, auch wenn sich damit natürlich längst nicht alles entschuldigen lässt. Denn selbst für eine bewusst leichtfüßige RomCom fällt auf, wie selten sich „You, Me & Italy“ jenseits seiner Postkartenidylle bewegt und seinem Schauplatz eine eigene Identität verleihen kann. Diese Aufgabe fällt folglich den Figuren zu. Doch auch hier verschenkt der Film Potenzial. Weder Anna noch ihr offensichtliches Love Interest Michael und auch nicht ihr zunächst noch vermeintliches Objekt der Begierde Matteo reichen über ihre klar umrissenen Funktionen innerhalb der Handlung hinaus. Sie verkörpern vor allem bekannte Archetypen, die dazu dienen, die Lovestory möglichst schnörkellos voranzutreiben. Tiefgründige Charakterzeichnungen oder überraschende Facetten darf man folglich nicht erwarten. Wenngleich zumindest der Einstieg in die ganze Misere einigermaßen erfrischend wirkt. Denn egal wie konstruiert sich die Ereignisse in „You, Me & Italy“ auch anfühlen, so knackig geraten sie doch. Wenn Anna dank diverser Zufälle und glücklicher Fügungen ihr Glück (vorerst) in einem leerstehenden Landhaus findet, wo nach einigen Missverständnissen gleich mehrere Verehrer auf sie warten, dann ist das zwar Genrestandard. Gleichzeitig tragen alle Beteiligten diesen Kitsch und diese Cheesiness mit einem Selbstbewusstsein vor sich her, dass man dem Film letztlich auch gar nicht wirklich böse sein kann.
Das gilt auch für die Figuren selbst. So schwach diese auch geschrieben sein mögen, erfüllen sie ihren Zweck letztlich doch gut. Denn die amouröse Dynamik innerhalb dieser charmant von Halle Bailey („Arielle, die Meerjungfrau“), Regé-Jean Page („Black Bag – Doppeltes Spiel“) und Lorenzo de Moor („Nur noch ein kleiner Gefallen“) verkörperten Dreierkonstellation aus Anna, Michael und Matteo funktioniert und die Chemie stimmt auch. An dieser Stelle spielt der Film dann auch seine größte Stärke aus. Dank gewitzter Dialoge, die immer wieder von angenehm ungezwungenen Neckereien durchzogen sind, gewinnen selbst die vorhersehbarsten Momente an Charme. Es ist also weniger dem Drehbuch (Ryan und Kristin Eagle, „Non-Stop“) als vielmehr dem Zusammenspiel des Ensembles zu verdanken, dass man trotz aller erwartbaren Ereignisse immer noch mit dem Pärchen mitfiebert, das sich hier zwischen Weinbergen und Luxus-Landgut umgarnt.
„So schwach die Figuren auch geschrieben sein mögen, erfüllen sie ihren Zweck letztlich doch gut. Denn die amouröse Dynamik innerhalb dieser charmant von Halle Bailey, Regé-Jean Page und Lorenzo de Moor verkörperten Dreierkonstellation aus Anna, Michael und Matteo funktioniert und die Chemie stimmt auch.“
Fazit: „You, Me & Italy“ erfindet die romantische Komödie gewiss nicht neu und verliert sich bisweilen in seiner verklärten Postkartenfantasie Italiens. Dank eines spielfreudigen Ensembles, einer stimmigen Chemie zwischen den Darsteller:innen und jeder Menge Charme entwickelt die Liebesgeschichte aber genau jene Leichtfüßigkeit, die das Genre seit jeher auszeichnet. Wer sich auf diese bewusst unkomplizierte Romanze einlässt, darf sich über knapp zwei Stunden unbeschwertes Wohlfühlkino freuen.
„You, Me & Italy“ ist ab dem 6. Juli 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.


