The Invite

Olivia Wilde versammelt in THE INVITE ein Starensemble um Seth Rogen, Penélope Cruz und Edward Norton. Doch selbst sie können nicht verhindern, dass diese Neuinterpretation eines vielfach adaptierten spanischen Erfolgsstoffes über weite Strecken uninteressant bleibt.

OT: The Invite (USA 2026)

Darum geht’s

Angela (Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) stecken in einer schweren Ehekrise. Als Angela eines Tages ihre neuen Nachbar:innen Piña (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) zum Abendessen einlädt, soll der gemeinsame Abend eigentlich eine willkommene Ablenkung vom festgefahrenen Alltag sein. Doch je länger das Treffen dauert, desto offener sprechen die beiden Gäste über ihre unkonventionellen Vorstellungen von Liebe und Sexualität. Als sich schließlich offenbart, welcher Grund eigentlich hinter Piñas und Hawks Zusage für ein gemeinsames Dinner steckt, entwickelt sich aus dem zunächst noch so harmlosen Nachbarschaftsdinner ein emotionaler Schlagabtausch, der die Beziehung der beiden Paare auf eine harte Probe stellt.

Kritik

Während Hollywood seit Jahren mit Vorliebe erfolgreiche Buchreihen, Comics oder Videospiele adaptiert, gibt es noch eine deutlich seltenere Kategorie von Stoffen: Filme, die immer wieder neu adaptiert werden, obwohl ihre Geschichte bereits für die Leinwand erzählt wurde. Ein sehr prominentes Beispiel dafür ist Paolo Genoveses italienische Komödie „Perfetti sconosciuti“, die es inzwischen auf zahlreiche internationale Neuinterpretationen gebracht hat (mit „Das perfekte Geheimnis“ auch eine deutsche). Es existieren also offenbar Geschichten, deren Prämissen kulturelle Grenzen besser überwinden als andere. Im Falle von „Perfetti sconosciuti“ ist das zum Beispiel die Fragestellung, was passiert, wenn Menschen ihre sorgfältig gepflegten Fassaden nicht länger aufrechterhalten können – und das funktioniert nun mal überall auf der Welt. Genau in diese „Jede:r kann sich in das Konzept hineindenken“-Kategorie fällt auch der spanische Thriller „Sentimental“ beziehungsweise dessen Bühnenvorlage, die nach ihrer Erstverfilmung 2020 ebenfalls mehrere internationale Adaptionen nach sich gezogen hat. In Deutschland kam „Die Nachbarn von oben“ 2023 in die Kinos. Nun versucht sich auch Olivia Wilde („Booksmart“) mit „The Invite“ an einer Neuinterpretation, die in puncto Starbesetzung schon mal allen anderen überlegen ist.

Angela (Olivia Wilde) wäre ihren Nachbar:innen nur zu gern eine gute Gastgeberin.

Ein prominentes Ensemble allein macht allerdings noch lange keinen gelungenen (Ensemble-)Film aus. Denn so viel sei bereits vorweggenommen: Olivia Wilde wird der Herausforderung, diesem vielfach adaptierten Stoff eine eigene Identität zu verleihen, nicht gerecht. Das größte Problem sind dabei ausgerechnet ihre Figuren. Während andere Versionen von den nach und nach freigelegten Abgründen ihrer Charaktere leben, bevölkern hier vor allem erschreckend gewöhnliche Menschen die Leinwand, deren Sorgen mit dem neudeutschen Terminus First World Problems am besten umschrieben sind. Wenn sich die von Olivia Wilde („Der Fall Richard Jewell“) selbst gespielte Angela direkt zu Beginn nahezu manisch in den Gedanken hineinsteigert, ihren Nachbar:innen die perfekte Gastgeberin sein zu wollen, gibt das zwar den hysterisch-überzeichneten Tonfall des Films vor. Es kaschiert allerdings nicht, dass weder sie noch ihr von Seth Rogen („Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel“) gespielter Ehemann als Figuren sonderlich interessant sind. Hinzu kommt, dass „The Invite“ die Ehe der beiden von Anfang an als gescheitert etabliert. Es wird sogar betont, die beiden seien nur noch ihrer gemeinsamen Tochter zuliebe zusammen. Das mag als Bestandsaufnahme einer dysfunktionalen Beziehung funktionieren. Nur liefert der Film dadurch keinerlei Argumente dafür, warum diese beiden Menschen überhaupt einmal zueinandergefunden haben. Statt Neugier auf ihre Konflikte zu wecken, dominiert deshalb schnell Genervtheit. Denn warum sollte man einen ganzen (Kino-)Abend mit einem Paar verbringen wollen, das sich fast ausschließlich anfaucht und anschreit?

„Statt Neugier auf ihre Konflikte zu wecken, dominiert schnell Genervtheit. Denn warum sollte man einen ganzen (Kino-)Abend mit einem Paar verbringen wollen, das sich fast ausschließlich anfaucht und anschreit?“

Nun gehört es natürlich zum Wesen einer Streitkomödie, dass ihre Figuren weniger miteinander als vielmehr gegeneinander spielen. Ob man Gefallen daran findet, einem eskalierenden Schlagabtausch beizuwohnen, ist ohnehin Geschmackssache. „The Invite“ reizt dieses Prinzip allerdings so exzessiv aus, dass die ständigen Sticheleien zwischen Angela und Joe irgendwann eher ermüden als unterhalten. Erst mit dem Eintreffen des Nachbarpaares kommt endlich Bewegung in die festgefahrene Dynamik. Während Angela und Joe ihre Frustration in passiv-aggressiven Spitzen und gegenseitigen Vorwürfen ausleben, scheinen Piña und Hawk das genaue Gegenteil zu verkörpern. Sie wirken vor allem offen und lebenslustig, vor allem aber fällt ihr ungehemmter Umgang miteinander sowie ihren Gastgeber:innen auf. Dass Penélope Cruz („The Bride! – Es lebe die Braut“) diese extrovertierte, impulsive Art inzwischen im Schlaf beherrscht, macht ihre Figur allerdings auch vorhersehbar. Dennoch profitiert der Film zunächst noch von dem Aufeinandertreffen dieser beiden völlig unterschiedlichen Paare. Es entsteht das klassische Szenario zweier Welten, die aufeinanderprallen und sich gegenseitig belauern. Gerade wer die Vorlage nicht kennt, dürfte sich in dieser Phase immer wieder fragen, worauf „The Invite“ eigentlich hinauswill. Diese Neugier der ersten Hälfte gehört zweifellos zu den größten Stärken des Films.

Piña (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) sind so ganz anders als Angela und Joe…

Doch hinter diesem zunächst wie ein klassisches Beziehungs- und Nachbarschaftsduell anmutenden Kammerspiel verbirgt sich noch eine ganz andere Fragestellung. Je länger der Abend dauert, desto deutlicher wird, dass es „The Invite“ weniger um die Eskalation eines gewöhnlichen Dinners geht als um die unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie moderne Beziehungen funktionieren und welche unausgesprochenen Erwartungen Menschen an Liebe, Treue und Partnerschaft knüpfen. Den entscheidenden Impuls liefert schließlich eine von Piña und Hawk ausgesprochene Einladung, die reichlich Potenzial für provokante, unbequeme oder zumindest entlarvende Situationen bereithält. Umso erstaunlicher ist, wie brav sich „The Invite“ trotz seiner Prämisse anfühlt. Zwar hantieren die Figuren immer wieder mit expliziten Begriffen und schildern ihre sexuellen Vorlieben unverblümt. Der Humor erinnert dabei jedoch häufig an jene Sorte von Gag, bei der allein das Aussprechen des Wortes „Dildo“ schon als Pointe verstanden wird („Hihi, sie hat Dildo gesagt!“). Mit Ausnahme einer Szene, in der sich zumindest kurz ankündigt, es könnte gleich zu einvernehmlichem Oralverkehr kommen, bleibt Wilde auch auf der Bildebene betont zugeknöpft. Dadurch entsteht ein interessanter Widerspruch: „The Invite“ möchte zwar fortwährend den Eindruck erwecken, gesellschaftliche Tabus aufzubrechen, traut sich aber nie, den eigenen Provokationen tatsächlich Konsequenzen folgen zu lassen. Das Ergebnis davon ist nicht etwa mutig, sondern maximal kalkuliert provokant. Wirklich anecken tut er damit nie.

„Erst recht wer selbst schon einmal in einer festgefahrenen Beziehung gesteckt hat, könnte sich in manchen fehlschlagenden Kommunikationsmustern wiedererkennen. Doch mit jeder neuen Eskalationsstufe entfernt sich ‚The Invite‘ weiter von dieser Alltagsnähe.“

Hinzu kommt, dass der Humor des Films noch auf einer zweiten Ebene funktionieren möchte – und hier ebenfalls zunehmend ins Leere läuft. Streitkomödien und Kammerspiele dieser Art leben schließlich nicht nur von schlüpfrigen Dialogen, sondern vor allem von der Frage: Wie würde ich mich in dieser Situation verhalten? Gerade zu Beginn gibt einem „The Invite“ noch genügend Situationen an die Hand, um beim Publikum diese Frage aufzuwerfen. Erst recht wer selbst schon einmal in einer festgefahrenen Beziehung gesteckt hat, könnte sich in manchen fehlschlagenden Kommunikationsmustern wiedererkennen. Doch mit jeder neuen Eskalationsstufe entfernt sich „The Invite“ weiter von dieser Alltagsnähe. Während die Situationen immer konstruierter und extremer werden, müssen die Figuren mit fortlaufender Filmdauer immer häufiger Entscheidungen treffen, die weniger in ihrer Persönlichkeit als in den Bedürfnissen des auf maximale Zuspitzung konzipierten Drehbuchs (Will McCormack & Rashida Jones) begründet liegen. Es ist fraglich, wer sich unter diesen Umständen noch ausreichend in die Situation hineindenken kann, um bis in die Schlussphase des Films mitzugehen.

Hawk hegt eine große Schwäche für Teppiche…

Wer allerdings bis hierhin durchhält, wird zumindest mit einem versöhnlichen Schluss belohnt. Denn in den letzten fünf Minuten wird „The Invite“ plötzlich zu dem Film, den man sich eigentlich die ganze Zeit schon gewünscht hätte. Auf einmal scheint sich das Drehbuch doch noch für seine Figuren zu interessieren und schafft es, endlich auch zu den verletzlichen Seiten von Angela und Joe durchzudringen. So menschlich sich die beiden in den letzten Momenten zeigen, so sehr berührt ihre Geschichte auf einmal, selbst wenn einem das Schicksal der beiden zu diesem Zeitpunkt längst egal geworden ist. Zuvor gelingt es dem Viererensemble leider nur ganz selten, ihre Figuren über das Skript hinaus mit Leben zu füllen. Penélope Cruz, Edward Norton („Like a Complete Unknown“) und auch Olivia Wilde spielen durchweg überzeugend, bewegen sich dabei aber stets innerhalb der vertrauten Register ihrer jeweiligen Rollenbilder. Die einzige Ausnahme bildet Seth Rogen, dem es immer wieder gelingt, die Absurdität der Situationen on point einzufangen. Stellvertretend für das Publikum blickt er häufig genauso fassungslos auf das Geschehen wie die Zuschauer:innen selbst. Zumindest an dieser Front ist „The Invite“ absolut preisverdächtig.

„Penélope Cruz, Edward Norton und auch Olivia Wilde spielen durchweg überzeugend, bewegen sich dabei aber stets innerhalb der vertrauten Register ihrer jeweiligen Rollenbilder. Die einzige Ausnahme bildet Seth Rogen, dem es immer wieder gelingt, die Absurdität der Situationen on point einzufangen.“

Fazit: „The Invite“ verfügt über eine zeitlos funktionierende Prämisse und ein hochkarätig besetztes Ensemble, findet jedoch weder einen überzeugenden Zugang zu seinen Figuren noch den Mut, seine reizvolle Thematik konsequent auszureizen. Statt pointierter Streitkomödie oder kluger Beziehungssatire bleibt Olivia Wildes Neuinterpretation über weite Strecken erstaunlich zahm und konstruiert. Das ist schade, denn die berührenden Schlussminuten lassen erahnen, wie viel mehr in diesem Stoff gesteckt hätte.

„The Invite“ ist ab dem 30. Juli 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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