Fifty Shades of Grey: Befreite Lust

Mit FIFTY SHADES OF GREY: BEFREITE LUST geht die skandalumwitterte Erotikreihe in die letzte Runde. Kann das Franchise seine Bergauftendenz im dritten Teil fortführen? Das und mehr verrate ich in meiner Kritik zum Film.

Der Plot

Nach ihrer Hochzeit schweben Ana (Dakota Johnson) und Christian (Jamie Dornan) zwar im siebten Himmel, doch schon bald legt sich ein bedrohlicher Schatten über das Glück der Frischvermählten: Christian wird von seiner mysteriösen Vergangenheit eingeholt und ein gefährlicher Bekannter bedroht die Ehe und Familie der beiden – verstrickt in kriminelle Intrigen und im Sog dunkler Leidenschaft muss die erstarkte Ana erneut um ihre Liebe kämpfen.

Kritik

Man mag kaum glauben, dass es schon drei Jahre zurück liegt, als es in der Filmwelt für eine kurze Zeit nur ein einziges Thema gab: Wie nackt (und wie dumm) wird der auf den hundsmiserabel geschriebenen „Fifty Shades of Grey“-Büchern basierende, erste Teil des weltweiten SM-Romanzen-Phänomens wohl ausfallen? Die Antwort lautete damals: genauso bescheuert wie die Vorlage, denn die schmerzhaft-dämlichen Dialoge, das lieblose Hochglanz-Design, der penetrante Radiopop-Soundtrack und das fehlende Knistern zwischen den Darstellern, ganz zu schweigen von der zweifelhaften Darstellung der SM-Szene, machten den Auftakt des dreiteiligen Franchise zu einem nahezu unerträglichen Erlebnis. Folgerichtig abgestraft mit diversen Goldenen Himbeeren und Platzierungen auf allen möglichen Flop-Listen nationaler wie internationaler Feuilletons, glaubte schon Niemand mehr daran, dass sich die Reihe aus eigener Kraft aus ihrem Qualitätstief befreien könnte, bis uns die Fortsetzung „Gefährliche Liebe“ überraschend eines Besseren belehrte. Immer noch nicht von sämtlichen Schwachpunkten befreit, nahm sich das Sequel bei Weitem nicht mehr so ernst, Regisseur James Foley („House of Cards“) war es irgendwie gelungen, eine glaubhafte amouröse Anziehung zwischen den Protagonisten freizukitzeln und auch bei den Dialogen hatte mit Niall Leonard („Hautnah – Die Methode Hill“) nun Jemand deutlich fähigeres Hand angesetzt. „Fifty Shades of Grey 2“ wurde so zu einer durchschnittlichen Romanze – viel mehr, als man dem Film angesichts des Auftakts zugetraut hätte. Und da der dritte Teil „Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“ direkt im Anschluss an den zweiten vom identischen Team gedreht wurde, wundert es nicht, dass auch der Abschluss der Reihe solide ausfällt – wenn nicht gar noch einen kleinen Tick besser.

Dakota Johnson gibt in „Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“ eindeutig ihre beste Figur der bisherigen Reihe ab.

Den Status der perfekt durchgestylten Blockbuster-Reihe wird „Fifty Shades of Grey“ auch mit dem Abschluss nicht los. Erneut wird das Publikum Zeuge, wie sich makellose Menschen vor makellosen Kulissen und unter perfekt auf die Szenerie abgestimmten R’n‘B- und Popklängen gegenseitig die für sie vorgesehenen Dialoge entgegen hauchen, doch anders als in den ersten beiden Teilen ist „Befreite Lust“ diesmal weitestgehend frei von absoluten Totalausfällen. Schon beim Sequel wurde aus unbeholfen-verliebten Sätzen („Okay, ich gehe mit dir essen. Denn ich habe… Hunger!“) gern der Inbegriff des dämlichen Drehbuchschreibens gemacht. Dabei war es vorwiegend der fehlende Platz für darstellerischen Spielraum, der dem Sequel viel seiner angestrebten Authentizität beraubte. „Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“ lässt gleichermaßen die absolute emotionale Tiefe richtig guter Kinoromanzen wie die vollkommene Dämlichkeit des Franchise-Auftakts vermissen und lässt sich so im Segment solider Mittelklasse-Liebesfilme verorten. Dass sich Niall Leonard außerdem dazu entschloss, in seiner zweiten Arbeit an der „Shades“-Reihe ein wenig mehr Humor und gezielte Pointen unterzubringen, steht der Reihe ebenfalls ordentlich zu Gesicht. Die zu Beginn noch so penetrant in den Fokus gerückte SM-Thematik spielt in „Befreite Lust“ nun kaum mehr eine Rolle. Das tut der Chemie zwischen Dakota Johnson („How To Be Single“) und Jamie Dornan („The Fall: Tod in Belfast“) gut, die sich ab sofort ganz auf ihre Liebe und weniger auf ihre gequält wirkenden Sexspiele konzentrieren können.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich „Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“ seinen Status als Erotikfilm nicht trotzdem verdient hätte. Im Gegenteil: James Foley lässt seine beiden Hauptdarsteller öfter miteinander intim werden, als noch in den beiden Filmen zuvor, setzt die vielen Sexszenen diesmal allerdings deutlich vielfältiger und leidenschaftlicher in Szene. Dabei gerät der Übergang des erzählerisch relevanten Teils zu den diversen Beischlaf-Szenen nicht immer galant; vor allem ein Quickie im Auto, direkt nach einer aufregenden Verfolgungsjagd, wirkt im Zusammenhang ziemlich deplatziert. Gleichzeitig ist „Befreite Lust“ aber diesmal so voll von augenzwinkernden, eigenparodistischen Momenten, dass sich hier zeitweise auch guten Gewissens von einer Nachdichtung sprechen ließe. Das könnte den Hardcore-Fans der Reihe womöglich sauer aufstoßen, schreit allerdings regelrecht nach Versöhnung mit den diversen Kritikern und ist zweifelsohne charmant. Da ist es umso bedauerlicher, dass James Foley diesen selbstironischen Weg, auf dem er schon mal Jamie Dornan verschmitzt grinsend an einem Klavier platziert, oder einige abenteuerliche Dialoge bewusst absurd in Szene setzt, nicht konsequent durchzieht und stattdessen einen Fehler macht, den er auch schon bei „Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe“ beging.

Ana und Christian (Jamie Dornan) verbringen ihre Flitterwochen in Paris.

Wie schon im Vorgänger nimmt auch in „Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“ ein Subplot viel Platz ein, der mit der Romanze zwischen Ana und Christian nur bedingt etwas zu tun hat. Ein vermeintlicher Thrillerplot mitsamt Überfall, Stalking und Entführung wirkt nicht bloß viel zu handzahm, um tatsächlich zu schockieren. Er wird von allen Beteiligten zudem in einer Beiläufigkeit vorgetragen, dass er für alles Weitere keinerlei Rolle spielt. Das ist schade, denn mit fortschreitender Laufzeit nimmt er in der als problembelastete Romanze deutlich besser funktionierenden Geschichte immer mehr Raum ein und drängt sämtliche eigentlich relevanteren Themen konsequent in den Hintergrund. Trotz seiner Länge von gerade einmal 105 Minuten – womit dieser Film den kürzesten des Franchise darstellt –  zieht sich „Befreite Lust“ sehr in die Länge, da die wirklich interessanten Elemente nur noch nebenbei abgehandelt werden. Dazu zählen vor allem die Diskussion zwischen Ana und Christian, wie es wäre, ein Kind zu bekommen, sowie Christians nach wie vor präsente Unfähigkeit, seine Frau mit anderen zu teilen. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich im finalen Kapitel ausschließlich mit der Aufbereitung von Christians undurchsichtiger Vergangenheit auseinanderzusetzen. Gerade im Anbetracht dessen, was es mit den Beweggründen des in Teil zwei zum Antagonisten aufgebauten Jack Hyde (Eric Johnson) auf sich hat, erscheint die Krimihandlung noch eine Spur banaler. Schade, denn sonst wäre die Reihe auf ihren letzten Metern womöglich noch richtig gut geworden.

Fazit: Teil eins war eine Katastrophe, Teil zwei war okay und der Abschluss der „Fifty Shades of Grey“-Reihe ist nun eine Romanze geworden, die sich trotz ihres Namens nicht mehr zu verstecken braucht. Ein liebloser Thriller-Plot verhindert zwar, dass sich hier von „gut“ sprechen lässt, doch die steigende Qualitätskurve innerhalb des Franchise ist ebenso erstaunlich wie beispiellos.

„Fifty Shades of Grey: Befreite Lust“ ist ab dem 8. Februar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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