Baby Driver

Es ist der heißeste Film des Jahres – und der lauteste obendrein! Edgar Wright stellt mit seinem Actionmusical BABY DRIVER das Genre auf den Kopf und präsentiert ein Werk mit dem höchsten Maß an Wiedererkennungswert. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Der talentierte junge Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort), verlässt sich ganz auf den Beat seiner persönlichen Playlist, um der Beste in seinem Job zu werden. Als er in einem Diner das Mädchen seiner Träume trifft (Lily James), sieht Baby eine Chance, seine kriminelle Karriere endgültig an den Nagel zu hängen und einen sauberen Ausstieg zu schaffen. Aber nachdem er gezwungen wird, für einen Gangsterboss (Kevin Spacey) zu arbeiten und ein zum Scheitern verurteilter Raubüberfall sein Leben, seine Liebe und seine Freiheit gefährdet, muss er für seine Handlungen geradestehen.

Kritik

Wenn ein Filmemacher sein Herzensprojekt verfolgt und sich trotz fehlender Euphorie der so wichtigen Geldgeber nicht davon abbringen lässt, spricht das zumindest auf Seiten des Regisseurs für einen immensen Enthusiasmus. Dass das – durch welche Umstände auch immer doch noch fertig gestellte – Projekt am Ende aber auch dem Zuschauer gefällt, ist damit allerdings noch lange nicht selbstverständlich. Wir erinnern uns: Gerade erst hat Luc Besson sein viele Jahre lang konzipiertes Liebhaberstück „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ fertig gestellt und damit sogar den teuersten europäischen Film aller Zeiten abgeliefert. Doch ob das langweilige, mangelhaft erzählte Weltraummärchen am Ende auch ein weltweites Publikum von sich überzeugen kann, steht allein deshalb in den Sternen, weil man den Film nur schwer an den Gelegenheitskinogänger bringen kann, der weder von Luc Besson, Dane DeHaan, geschweige denn von den außerhalb Frankreichs nahezu unbekannten Comicvorlagen je etwas gehört hat. Um das Risiko an der Kinokasse so gering wie möglich zu halten, greifen viele Regisseure auf das Finanzierungskonzept Crowdfunding zurück; eine Art freiwillige Spendensammlung ähnlich euphorischer Filmliebhaber, die in der Idee mehr Potenzial sehen, als große Studios. Zumindest das hatte Edgar Wright, Regisseur der vor allem in Nerd-Kreisen so beliebten „Cornetto-Trilogie“, nicht nötig. Um seinen musikalischen Actionthriller „Baby Driver“ auf den Weg zu bringen, brauchte es von den ersten vorsichtigen Konzeptzeichnungen bis zum Dreh zwar immerhin 11 Jahre. Doch ausgerechnet das kreative Scheitern seiner „Ant-Man“-Vision (Marvel kickte Wright nach acht Jahren aufgrund von Differenzen aus dem Projekt) ermöglichte es ihm, die Produzenten nachträglich von sich zu überzeugen – schließlich konnte Wright nicht nur fast ein halbes Jahrzehnt Kooperation mit einem großen Hollywoodstudio vorweisen, sondern auch Kontakte zu namhaften Stars, die er wiederum seinerseits längst von dem Projekt überzeugen konnte.

Baby (Ansel Elgort), Bats (Jamie Foxx), Darling (Eiza González) und Buddy (Jon Hamm) haben einen neuen Auftrag.

Absolut Ahnungslose mögen sich sicher fragen, worin denn das Problem besteht, einen starbesetzten Actionthriller an den Mann respektive die Frau zu bringen, wenn die internationalen Kinos ohnehin voll davon sind. Selbst Einheitsware wie Baran Bo Odars US-Debüt „Sleepless“ hat seine Produktionskosten nach der weltweiten Vermarktung halbwegs wieder eingespielt – und der kann immerhin „nur“ mit Jamie Foxx punkten, während „Baby Driver“ obendrein mit Kevin Spacey („Kill the Boss 2“), Ansel Elgort („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) und Jon Hamm („Die Jones – Spione von nebenan“) aufwartet. Doch dass Edgar Wrights ganz eigene Vorstellung eines außergewöhnlichen Actionthrillers in den USA bereits das Doppelte seines Budgets (35 Millionen US-Dollar) einnehmen konnte, sodass der Regisseur jetzt schon mit der Inszenierung eines Sequels liebäugelt, war so nicht abzusehen. „Baby Driver“ ist nämlich nicht einfach nur ein ungemein brutaler, rasanter, mit einer gehörigen Prise (schwarzem) Humor versehener Genrefilm. Er ist vielmehr ein Musical, angetrieben vom coolen Soundtrack der Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre, das die (zugegebenermaßen wenig originelle, dafür straight erzählte) Story nach wenigen Minuten vollständig in den Hintergrund rücken lässt. Durch die handgemachte Action, die Edgar Wright und seine Cutter Jonathan Amos („Der Spion und sein Bruder“) und Paul Machliss („Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) akribisch genau zum Sound der eingespielten Songs inszenieren, wird „Baby Driver“ zu einer herausragend orchestrierten Kinoerfahrung, die jenen Meilensteinstatus von „Mad Max: Fury Road“ ebenfalls erreicht – nur diesmal nicht auf der visuellen, sondern auf der akustischen Ebene.

Edgar Wrights Filme sind in ihrer Verspieltheit in der Regel als solche zu erkennen. Zu ihren diversen Markenzeichen gehört unter anderem auch die regelmäßige Einbettung schnell geschnittener Montagesequenzen, in denen die explizit eingefangenen Geräusche im Close-Up festgehaltener Alltagsgegenstände dazu dienen, Zeitsprünge zu markieren. In der Alieninvasionskomödie „The World’s End“ etwa nutzte man dafür den Sound von Bierzapfanlagen, das Zusammenschlagen der Gläser, die Schlucke der Trinkenden und den abschließenden Urinstrahl ins Pissoir, um binnen weniger Sekunden den Besuch in den verschiedenen Kneipen zusammenzufassen. „Baby Driver“ ist nun so etwas wie die Deluxe-Version davon. Dagegen wirkt die zwar schon sehr musikalische, jedoch noch weitestgehend ohne Schnickschnack auskommende Eröffnungssequenz fast generisch. In dieser rast Hauptfigur Baby nämlich „nur“ zum Takt der Musik durch die US-Metropole Atlanta. Erst, wenn er nach diesem halsbrecherischen Job aus dem Wagen steigt und lässig in Richtung Wohnung schlendert, verschmelzen schließlich auch die Umgebungsgeräusche mit den Songs, die Baby seit einem schweren Autounfall ständig auf den Ohren hat, um damit einen Tinnitus zu überdecken. Soundtrack, Geräuschkulisse, Bewegungen und die gezielten Umschnitte verhelfen „Baby Driver“ zum Optimum an Rasanz und Geschwindigkeit – als sich dann sogar noch inhaltliche Bezüge zwischen Situation und ausgewähltem Lied ausmachen lassen, greifen hier sämtliche inszenatorischen Zahnräder so ineinander, dass alles zu einer großen Einheit wird.

Das junge Glück von Debora (Lily James) und Baby ist in Gefahr.

Diesem virtuosen Konzept muss sich die Handlung klar unterordnen. Ohne die hier dargebotene Inszenierung würde „Baby Driver“ inhaltlich allenfalls dem Vergleich mit mittelklassigen Direct-to-DVD-Produktionen standhalten. Nicht nur das Figurenrepertoire wirkt einem Dutzend diverser anderer Gangsterfilme entlehnt, auch die Story vom Typen, der dem zwielichtigen Milieu zu entkommen versucht, entspricht nicht unbedingt der Neuerfindung des Rades. Doch all das spielt nur eine untergeordnete Rolle – der Star von „Baby Driver“ ist schließlich die so bislang nie da gewesene Idee, die als Daseinsberechtigung vollkommen ausreicht. Gleichzeitig spricht auch die Besetzung der Charaktere für sich. Angeführt von Schwiegermutters Liebling Ansel Elgort, der wie die Faust aufs Auge in die moralisch zwiegespaltene Rolle passt, muss sich – mit Ausnahme von Kevin Spacey – jeder dem unwiderstehlichen Charme des Teenieschwarms unterordnen. Spacey erinnert in seiner Figur des Anführers Doc an eine Mischung aus seiner Paraderolle des US-Präsidenten Frank Underwood und seinem abartig-unterhaltsamen Ekelchef aus „Kill the Boss“. Trotzdem ist es seinem subtilen Spiel zu verdanken, dass man ihm in den entscheidenden Momenten einen weichen Kern abnimmt, was sich noch als essentiell wichtig für den Handlungsverlauf erweisen wird. Jamie Foxx, Jon Hamm und Eiza González („Jem and the Holograms“) spielen ihre Gangsterfilm-Stereotypen der coolen Ganoven mit Charme und Esprit, während Lily James („Cinderella“) die Rolle von Babys unwiderstehlicher, jedoch nicht minder tougher Freundin Debora absolut glaubhaft verkörpert. Wenngleich die Lovestory der beiden nur Mittel zum Zweck ist, steht außer Frage, dass sich die beiden wirklich ineinander verguckt haben – die Chemie zwischen den beiden ist überragend.

Fazit: In seinem Actionmusical „Baby Driver“ lässt Edgar Wright Newcomer Ansel Elgort zum Sound cooler Evergreens über die Leinwand jagen und präsentiert perfekt auf den Beat der Musik geschnittene Verfolgungsjagden und Schießereien, die in ihrer Brillanz sogar einem „Mad Max“ Konkurrenz machen. Dass die Story da nur die zweite Geige spielt, ist absolut in Ordnung.

„Baby Driver“ ist ab dem 27. Juli bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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