Dalida

Rückblickend erscheint ihr Leben wie eine tragische Seifenopfer. Die weltberühmte Sängerin DALIDA glitt von einem Extrem ins nächste und brachte es trotzdem – oder aber gerade deswegen – zu Weltruhm. Anlässlich ihres dreißigsten Todestages widmet man ihr nun ein filmisches Denkmal. Wie das geworden ist, verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

1933 wurde sie in Kairo geboren, 1987 starb sie einen tragischen Tod. Dazwischen lebte die weltberühmte Sängerin Dalida (Sveva Alviti) ein filmreifes Leben, das ihr erstes Konzert im legendären Olympia in Paris 1953 ebenso umfasste wie die Ehe mit Lucien Morisse (Jean-Paul Rouve), dem Leiter des damals neu gegründeten Privatradiosenders Europe 1, den Beginn der Disco-Ära, ihre spirituelle Entdeckungsreise nach Indien oder den weltweiten Erfolg von „Gigi l’amoroso“ 1974. Dalida war eine unkonventionelle, moderne Frau in konventionellen Zeiten, deren einzigartiges Talent und unvergleichliche Ausstrahlung bis heute nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben. Doch es sollte tragisch enden…

Kritik

Es ist schon faszinierend, wie viele Stücke der in Ägypten geborenen Chanson-Sängerin Dalida einem bekannt sind, ohne damit automatisch die Interpretin selbst, geschweige denn ihr mit den Liedern verbundenes Schicksal näher zu kennen. Für Erfolgsnummern wie „Bambino“, „Gigi L’Amoroso“ oder die vor allem hierzulande erfolgreiche „Regenballade“ erhielt sie unzählige Goldene Schallplatten. Doch so zynisch es auch klingen mag, geriet sie vor allem durch eines in die Schlagzeilen: ihren tragischen Selbstmord am 3. Mai 1987. Die zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 54 Jahre alte Künstlerin starb an einer Überdosis Schlafmittel. In ihrem Abschiedsbrief stand nur ein Satz: „Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir!“. Was genau die ursprünglich als Iolanda Cristina Gigliotti geborenen Franko-Italienerin zu diesem radikalen Schritt bewegte, ergründet „LOL“-Regisseurin Lisa Azuelos anlässlich des dreißigsten Todestages von Dalida in ihrem gleichnamigen Musikerinnenepos, das nicht nur viel Musik in sich trägt, sondern auch Kitsch und jede Menge Drama. Dass die bisweilen äußerst theatralische Inszenierung trotzdem berührt und den tragischen Lebensweg der Protagonistin emotional ergreifend an das Publikum heranträgt, ist in erster Linie der phänomenalen Hauptdarstellerin zu verdanken – und der Tatsache, dass sich Lisa Azuelos bei aller Dramatisierung stark an die wahren Begebenheiten hält.

Sveva Alviti mimt in „Dalida“ die gleichnamige Chanson-Sängerin mit einem umwerfenden Charme.

Dalidas Leben durchlief in etwa die Dramaturgie einer durchschnittlichen Seifenoper: Sie legte eine filmreife Karriere hin, traf Männer, verliebte sich, verlor sie und musste diesen tragischen Zyklus mehrere Male über sich ergehen lassen. Wäre das Drehbuch (ebenfalls Lisa Azuelos) rein fiktiver Natur, ließe sich ihm leicht Plakativität oder Übertreibung vorwerfen. Doch „Dalida“ basiert auf dem Buch „Dalida – Mon frère, tu écriras mes mémoires“, welches ihr jüngster Bruder Orlando gemeinsam mit der Schriftstellerin Catherine Rihoit verfasste. Das merkt man vor allem daran, dass jene Momente in zu den stärksten gehören, in denen die Hauptfigur mit ihrer Familie interagiert. Eine Szene, in welcher Dalida ihrer Familie ihren neuen Freund vorstellt, gehört zu den stärksten und bestbeobachteten dieser Inszenierung was sich auch daran erklären lässt, dass Orlando hier tatsächlich anwesend war. Gerade in den Momenten, die Dalidas Einsamkeit und Schmerz beschreiben, wird Lisa Azuelos hingegen schon mal grobmotorischer. Sie lässt ihre Hauptdarstellerin Sveva Alviti („Borderline“) – eine umwerfende Neuentdeckung – vor Schmerz regelrecht zerfließen. Und Alviti findet in den tragischen Szenen auch jede Menge Variation darin, möglichst gebeutelt, verzweifelt und von Trauer getrieben zu erscheinen. Doch eine allzu große, emotionale Bandbreite muss sie letztlich gar nicht verkörpern; „Dalida“ ist das Porträt einer Gestrauchelten. Den schönen Momenten aus dem Leben der Sängerin nimmt sich Azuelos nur am Rande an.

So ergießt sich über den Zuschauer eine zweistündige Tragödie, die es mit der Hauptfigur – leider auf Basis der wahren Gegebenheiten – zu keinem Zeitpunkt gut meint. Gleichzeitig entwickelt „Dalida“ aber auch eine echte Sogwirkung, denn nicht nur die von Sveva Alviti passioniert dargebotenen Songperformances sind mitreißend choreographiert und nehmen, für ein Musikerbiopic, angemessen viel Platz ein. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist außerdem das Verweben der Musikstücke mit Dalidas Privatleben. Für Fans nichts Neues, für Unwissende ein entdeckenswertes Detail ist die Verknüpfung der verschiedenen Erfahrungen Dalidas mit ihren Musikstücken, in denen sie das Erlebte verarbeitete. Die einzelnen Etappen der Geschichte werden passend dazu immer mit einer leidenschaftlichen Collage abgeschlossen, in denen der Song (der jedes Mal einen weiteren Meilenstein in Dalidas Musikkarriere markierte) erklingt und sich noch einmal all das auf der Leinwand abspielt, was Dalida dazu animierte, darüber zu singen. Für Fans der Künstlerin ist „Dalida“ also auf jeden Fall ein Erlebnis – nicht zuletzt, weil vor allem die so wichtige Musik ebenso viel Aufmerksamkeit erhält, wie die privaten Verwicklungen der Sängerin.


Dalida (Sveva Alviti) und Lucien Morisse (Jean-Paul Rouve) genießen seit Dalidas Erfolg einen gewissen Lebensstandard.

Trotzdem krankt das Skript von „Dalida“ hier und da an einer nicht zu leugnenden Redundanz und Überraschungsarmut. Dafür, dass die Interpretin tatsächlich so konsequent von einer Tragödie in die nächste gerutscht ist, kann sie nichts. Gleichwohl variiert Lisa Azuelos den erzählerischen Ablauf nur so vage, dass man auch als Nichtkundiger der Materie irgendwann durchschaut hat, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Dramaturgisch geht die Regisseurin daher wenig Risiko ein – bei aller Tragik bleibt „Dalida“ über weite Strecken überraschend gefällig und widmet sich auch dem Kern der Probleme, den seelischen Strapazen der Hauptfigur, nur sehr oberflächlich. Der Film ist mehr ein Geschenk an die Fans und die Künstlerin selbst, weniger ein für sich allein stehendes, filmisches Werk mit Mehrwert. Dafür steckt ein immenser Aufwand in der üppigen Inszenierung, die die Jahrzehnte von den späten Fünfzigern bis hin in die Achtzigerjahre authentisch wiederbelebt. Von den Kostümen über die Settings bis hin zur schwelgerischen Kameraarbeit von Antoine Sanier („Ziemlich beste Freunde“) erweckt „Dalida“ den Eindruck, tatsächlich in den jeweiligen Dekaden entstanden zu sein. Und während sich darstellerisch alles um Sveva Alviti dreht, machen auch ihre Kollegen allesamt einen äußerst souveränen Job. So mögen es nicht immer die besten Geschichten sein, die das Leben schreibt. Aber es sind definitiv die tragischsten.

Fazit: „Dalida“ strotzt nur so vor Leidenschaft und Temperament und wird vor allem die Musikliebhaber zufriedenstellen. Als klassische Filmromanze gerät der Film bisweilen zu kitschig, um wahrhafte Gefühle hervorzurufen. Dafür ist Newcomerin Sveva Alviti eine absolute Offenbarung.

„Dailda“ ist ab dem 10. August in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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