Ghostbusters

Schon jetzt ist GHOSTBUSTERS nicht bloß der Film, dessen Trailer die schlechteste YouTube-Bewertung aller Zeiten hat, die (weibliche) Neuauflage des Achtziger-Klassikers ist obendrein auch der meist diskutierte Film des Jahres. Doch wie ist er denn nun wirklich geworden? Das und mehr verrate ich in meiner Kritik.Ghostbusters

Der Plot

Die angehende Professorin Erin Gilbert (Kristen Wiig) wird eines Tages von ihrer Vergangenheit eingeholt, als sie mit einem Buch über paranormale Phänomene konfrontiert wird. Das Problem: Erins Name taucht unter den Autoren auf und eigentlich wollte sie ihre Jahre als Forscherin für übernatürliche Ereignisse vergessen. Als sie Abby Yates (Melissa McCarthy), ihre ehemalige beste Freundin und Co-Autorin mit der Veröffentlichung des Buches konfrontiert, gibt diese sich wenig interessiert an den Bedenken der nach Seriösität strebenden Erin. Für einen handfesten Krach haben die beiden Frauen allerdings keine Zeit, als sie zu einem Haus gerufen werden, in dem es spuken soll. Erin, Abby und Abbys Assistentin Jilian (Kate McKinnon) stehen schon bald einem riesigen, Schleim speienden Geist gegenüber, der nicht der einzige bleiben wird. Gemeinsam mit der U-Bahn-Aufseherin Patty (Leslie Jones) und ihrem geistig arg beschränkten Sekretär Kevin (Chris Hemsworth) macht sich das Trio auf, als „Ghostbusters“ dafür zu sorgen, dass die Stadt wieder sicher ist.

Kritik

Anfang des Jahres trafen wir den deutschen Schauspieler und „Bond“-Bösewicht Clemens Schick zum großen „Point Break“-Interview. Dabei musste unweigerlich die Frage aufkommen, wie man als Filmschaffender zu der ewigen Diskussion steht, das Kino würde heutzutage nur noch von Sequels, Remakes und Reboots dominiert werden. Der auch auf der Bühne vielbeschäftigte Akteur kommentierte diese Thematik wie folgt: „Die Idee, Filme neu zu interpretieren, kenne ich vom Theater. Da wird auch jedes Jahr einmal „Was Ihr wollt“ aufgeführt. Es ist normal, Themen neu zu interpretieren. Und da gehört der Film jetzt eben auch dazu.“ Unter diesem Gesichtspunkt wirkt die internationale Filmlandschaft im Vergleich zum Theater dann doch überraschend innovativ. Dass jedoch gerade Neuauflagen bekannter Marken die großen Zuschauerscharen in die Lichtspielhäuser locken, liegt einfach in der Natur der Sache begründet. Wer etwas kennt, der ist zwangsläufig aufgeschlossener. Bei Fortsetzungen kommt noch das Ausnutzen einer bereits existenten Fanbase hinzu, die wissen will, wie etwas Liebgewonnenes weitergeht. Nun scheint das alles im Falle von Paul Feigs „Ghostbusters“-Reboot ins Gegenteilige gekippt zu sein. Schaut man sich die überdurchschnittlich negative Gesinnung des potenziellen Publikums an, gewinnt man den Eindruck, die Neuauflage mit weiblichen Geisterjägern würde die Existenz des Achtziger-Originals für nichtig erklären. Auf den am schlechtesten bewerteten Filmtrailer auf der Videoplattform YouTube, folgte eine durchschnittliche IMDb-Bewertung von 3,4 (die nach dem Kinostart in den USA mittlerweile immerhin eine 5,4 erreicht hat), Beschimpfungen und Bedrohungen von Cast und Crew und schließlich haltlose Beleidigungen von Kritikern unter Online-Besprechungen oder Video-Reviews; und das alles wegen eines Films, der sich gleichsam als Neuinterpretation wie ehrenvolle Verbeugung vor einem Klassiker versteht. Auch wenn letzteres fast schon ein wenig zu auffällig geriet, als es nötig wäre.

Ghostbusters

Woher dieser Hass genau kommt, kann ab einem gewissen Grad dieses sich selbstständig gemachten Anti-Hypes wohl kaum noch im Einzelnen ergründet werden. Generell vereint die 2016er-Version von „Ghostbusters“ gleich mehrere Aspekte, auf die man sich als zu Hater-Kommentaren neigender Filmfreak einschießen kann. Da wäre zum einen die Neubesetzung mit Frauen, auf die man, als nicht aufgeschlossener Befürworter einer klassischen Mann-Frau-Rollenverteilung, schon mal einen Großteil seines Hasses projizieren kann. Auch die eingangs bereits kurz angerissene Problematik, dass ein lieb gewonnener, uns möglicherweise gar in der Kindheit prägender Film von Jemand Wildfremden neu aufgelegt wird, könnte einen an den Rand der Verzweiflung führen. Und wenn dann nicht zuletzt auch noch der erste Eindruck enttäuscht (der aller erste Trailer zu „Ghostbusters“ hatte ebenso wie Feigs letzter Film „Spy“ das große Problem einer äußerst unlustigen Aneinanderreihung uninteressanter Szenen), kann sich das alles schon mal in Hassparolen unterhalb von Reviews entladen; wohlgemerkt: kann! Zumindest wir können uns trotz dieser Herleitung immer noch nicht erklären, wie ein fiktives Werk den realen Puls so sehr in die Höhe treiben kann, dass man sich zu Morddrohungen gegen Darsteller oder die so beliebte Behauptung, Kritiker XY sei ja gekauft, wenn er nicht in den Hass-Trend einstimmt, hinreißen lässt – eine gewisse Tendenz zu nicht ganz so sozialem Verhalten sollte darüber hinaus wohl auch gegeben sein. Nun vereint „Ghostbusters“ offenbar sämtliche Hass-Parolen hervorrufenden Attribute in sich und hat es damit doppelt schwer, Kritiker wie Zuschauer ehrlich zu überzeugen. Die Zuschauer, weil die Hater unter ihnen ohnehin schon wissen, dass der Film „Mist ist“ und die Kritiker, weil es durchaus schwierig sein kann, sich nachvollziehbar mit einem Film auseinander zu setzen, den ein Großteil der Leser am liebsten gar nicht erst auf der Leinwand sehen würde. Doch wer sich wirklich für die Qualitäten von „Ghostbusters“ interessiert, der ist an dieser Stelle herzlich eingeladen, weiterzulesen. Alle anderen bitten wir zum ersten Mal in der Geschichte dieses Blogs höflich, die Seite jetzt zu verlassen.

Sich auf eine faire Art und Weise mit „Ghostbusters“ auseinander zu setzen, bedeutet natürlich nicht, schon aus Prinzip (und damit in einer Gegenbewegung zum Hater-Trend) ausschließlich positiv über den Film zu berichten. Wie jeder andere Blockbuster auch kommt Paul Feigs Geisterkomödie mit Stärken und Schwächen daher, überzeugt aber mehr, als er vergrault. Einen Großteil dazu trägt die formidable Besetzung bei. Mit Kristen Wiig („Zoolander No. 2“) und Melissa McCarthy („Spy – Susan Cooper Undercover“) verpflichtete Feig zwei der aktuell wandelbarsten und damit auch lustigsten Frauen, mit denen Hollywood auftrumpfen kann. Wiig besticht trotz ihres enormen Timinggespürs weniger durch ihre Fähigkeit, ungebremst Kalauer und Pointen von sich zu geben. Stattdessen ist ihr unterschwelliges Humorverständnis ebenso für die Ensemble-Chemie zuständig, wie ihre Konzentration auf emotionale Höhen und Tiefen. Als gute Seele der Ghostbusters verankert sie das Geschehen im Hier und Jetzt, was von ihrer Position als sich selbst sehr ernst nehmende Physikerin noch unterstrichen wird. Melissa McCarthy darf ähnlich ihrer Spionin-Rolle in „Spy“ mehr tun, als von einem Fettnäpfchen ins nächste zu stolpern. Sie agiert als ernst zu nehmende, vor Engagement nur so überquellende Forscherin, deren Begeisterung für die Materie alsbald auf das Publikum überspringt. Die stark an Elisabeth Banks erinnernde Kate McKinnon („Sisters“) gefällt mit ihrer Hau-Drauf-Attitüde als vollkommen losgelöst agierende Technik-Spezialistin und Leslie Jones („Dating Queen“) sorgt hier und da für treffende One-Liner, auch wenn man ehrlich sagen muss, dass die Ghostbusters auch ohne ihre Figur gut aufgestellt wären. So hat Jones hier insgesamt recht wenig zu tun und ist kaum daran beteiligt, das Geschehen tatsächlich voranzutreiben. Als Störfaktor erweist sie sich trotzdem nicht.

Ghostbusters

Die Story von „Ghostbusters“ fährt in ihrer Dramaturgie auf klassischen Blockbuster-Schienen und orientiert sich obendrein an dem, was Ivan Reitman 1984 bereits für seine (männlichen) Ghostbusters vorgesehen hatte. Der Überraschungseffekt von Paul Feigs Regiearbeit ist also weder für Kenner des Originals, noch für Unwissende sonderlich groß, der Comedy-Experte gleicht diese Vorhersehbarkeit jedoch mit einem bemerkenswerten Verständnis dafür aus, wie der Zuschauer von heute von einer Komödie unterhalten werden will. „Ghostbusters“ steht und fällt mit den vier Hauptdarstellerinnen, denen mit Chris Hemsworths Figur des einfältigen Schreibtischtäters Kevin ein brillanter Sidekick an die Seite gestellt wird. Hemsworth, der nach „Vacation“ ein weiteres Mal sein komisches Talent beweist, zelebriert die Dämlichkeit seiner Figur mit Genuss und profitiert dabei von den vor Idiotie nur so strotzenden Dialogen, die Katie Dippold („Parks and Recreation“) und Paul Feig für ihn bereithalten. Dass Kevin als männliches Pendant zur Klischee-Blondine funktioniert, erkennt man. Explizit erwähnt wird es jedoch nicht. Auch auf dem Fakt, dass die Ghostbusters in dieser Filmvariante weiblich sind, reitet Paul Feig nicht herum. Eine Handvoll Seitenhiebe auf die gestörte Wahrnehmung klassischer Mann-Frau-Unterschiede kann er sich zwar nicht verkneifen, doch anders als von vielen Hatern erwartet, ist „Ghostbusters“ kein emanzipatorischer Amoklauf, der, wohlmöglich gar böswillig, gegen das männliche Geschlecht schießt. Und genau so selbstverständlich, wie Feig seinen Film hier inszeniert, sollte das Thema im Jahr 2016 auch sein.

Diese spürbare Selbstverständlichkeit, mit welcher sich Paul Feige sowohl mit der Frauen-Thematik, als auch mit der Tatsache auseinandersetzt, dass er hier einen Klassiker neu auflegt (Gastauftritte bekannter Gesichter sind ebenso vorhanden, wie das Wiederaufgreifen beliebter Monster oder Seitenhiebe auf die nicht zu leugnende Naivität, die viele Szenen des Original-„Ghostbusters“ aufwiesen), kehrt sich im Finale schließlich ins Gegenteilige um. Zwar profitiert „Ghostbusters“ mehr als andere Blockbuster dieses Sommers von einer spektakulären 3D-Optik; das Bild der Leinwand wird verkleinert, damit ein Teil der  dreidimensionalen Effekte über das Bild hinaus reichen – der dadurch entstehende Effekt wird somit verstärkt, der 3D-Aufschlag an der Kinokasse ist Pflicht. Auch die CGI-Animation der Geister ist verspielt-modern und wandelt somit auf den Spuren der Vorlage. Dass der Schlussakt schließlich jedoch einen Tick zu genrekonform von statten geht, nimmt „Ghostbusters“ ein Stück weit sein Potenzial, in einigen Jahren ähnlich kultverdächtig zu sein, wie es das Original mittlerweile ist. Paul Feig frönt dem bekannten Höher-Schneller-Weiter-Prinzip. Das ist nach wie vor kurzweilig, macht Spaß und zumindest auf der animationstechnischen Ebene beweisen die Macher Kreativität. Mit den amüsant-pfiffigen eineinhalb Stunden zuvor kann der Schlussakt dann aber doch nicht mithalten, woran leider auch diverse clevere Variationen der berühmten Titelmusik (Theodore Shapiro) nichts ändern können.

Ghostbusters

Die Ghostbusters müssen es mit Geistern in allen Größen aufnehmen…

Fazit: „Ghostbusters“ ist eine spaßige, sich nicht an das weibliche wie männliche Publikum anbiedernde Neuauflage des Achtzigerjahre-Klassikers, der mit charmanten Figuren ebenso besticht, wie mit urkomischen One-Linern und einer virtuosen 3D-Optik. Die Schwachstellen sind indes ein standardisiertes Finale und die Tatsache, dass nicht in alle Figuren gleich viel Herzblut gesteckt wurde. So bleibt insbesondere die von Leslie Jones gespielte Patty hinter ihren Möglichkeiten zurück.

„Ghostbusters“ ist ab dem 4. August in den deutschen Kinos zu sehen – auch in großartigem 3D!

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