Love Wedding Repeat

Die Romantic Comedy LOVE WEDDING REPEAT verkauft sich als Zeitschleifenkomödie der Marke „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und schürt dadurch falsche Erwartungen. Warum, das verraten wir in unserer Kritik zum neuen Netflix-Hit.

Der Plot

Vor einiger Zeit ist dem gutmütigen Jack (Sam Claflin) nur knapp seine große Liebe Dina (Olivia Munn) entgangen. Nun will er sicherstellen, dass zumindest seine kleine Schwester Hayley (Eleanor Tomlinson) den perfekten Hochzeitstag feiern kann. Doch das ist gar nicht so leicht, denn es gilt, einige Brandherde zu bekämpfen: einen wütenden Ex-Freund, einem ungebetenen Gast mit einem Geheimnis, einem verlegten Beruhigungsmittel und der unerwarteten Wiedervereinigung mit dem Mädchen seiner Träume. Und wer weiß? Vielleicht findet am Ende des Tages ja nicht nur Hayley, sondern auch Jack zu seinem Happy End!?

Kritik

Der bei Kritikern wie Zuschauern gleichermaßen beliebte Science-Fiction-Actioner „Edge of Tomorrow“ trägt im Heimkino den Titel „Live. Die. Repeat“. Darin geht es um Tom Cruise als Alienbekämpfer, der mit seiner Weltenrettungsmission nach jedem Tod von vorn anfangen muss. Eine klassische Zeitschleife, nun eben im Gewand eines Sci-Fi-Films, nachdem bereits Bill Murray („Und täglich grüßt das Murmeltier“), Jake Gyllenhaal („Source Code“) und später auch die Newcomerin Jessica Rothe („Happy Deathday“) diverse Male ein und denselben Tag durchleben mussten. „Love Wedding Repeat“ von Autor und Regisseur Dean Craig („Die Trauzeugen“) haut nun nicht nur vom Titel her in dieselbe Kerbe, sondern überträgt das bekannte Muster auf das Segment der Romantic Comedy; oder noch präziser: auf den Hochzeitsfilm. Es ist eben einfach zu spannend, sich auszumalen, was für Auswirkungen der sogenannte Schmetterlingseffekt auf sowas perfekt Durchgeplantes wie eine Hochzeit hätte, sobald sich nur ein einziges Detail verändert. So zumindest die Theorie. In der Praxis ist „Love Wedding Repeat“, der hierzulande direkt zum Streamingdienst Netflix gewandert ist, hingegen ganz schön öde.

Jack (Sam Claflin) gibt sich trotz Schlafmittel alle Mühe, wachzubleiben.

Um die nach den Titelparallelen zu „Edge of Tomorrow“ möglicherweise geschürten Erwartungen direkt wieder zu zerschlagen: „Love Wedding Repeat“ ist keine dieser kurzweiligen Zeitschleife-Komödien, die sich in Aufbau und Ausgang zwar allesamt ähneln, dem Zuschauer aber schon bei halbwegs kompetenter Umsetzung einige amüsante (Heim-)Kinostunden bescheren. Stattdessen ist der erste große Makel, dass Dean Craig, basierend auf der französischen Filmvorlage „Plan du table“, gar nicht so viel aus der eigentlich spannenden Prämisse macht. Innerhalb der 100 Filmminuten werden nämlich gerade einmal zwei verschiedene Variationen des Hochzeitstages durchexerziert. Alle weiteren werden lediglich kurz angerissen. Einmal in Form einer knapp einminütigen Szenenmontage, etwa in der Mitte des Films. Und einmal parallel zum Abspann, was ein wenig so wirkt, als hätte man alternative Szenen anstatt Outtakes ans Ende geklatscht. Bei der Konzentration auf lediglich zwei mögliche Ausgänge des Tages hat man sich dann noch nicht mal auf die amüsantesten festgelegt. Die eine hat etwas mit einem Betäubungsmittel für Pferde zu tun, die andere vor allem mit einem Seitensprung der Braut. Das sorgt zwar in einigen lustigen Einzelszenen für ansprechendes Chaos, läuft sich allerdings auch schnell tot – und trägt erst recht nicht einmal die Hälfte der Laufzeit von „Love Wedding Repeat“, der seine Gags und Spannungen auf andere Art und Weise generieren muss.

Vor allem die Figuren sollen ausgleichen, was auf der inhaltlichen und inszenatorischen Ebene versemmelt wurde. An vorderster Front: Sam Claflin. Der „Die Tribute von Panem“-Star setzt sein bereits in „Love, Rosie“ hervorgeholtes Tollpatschgesicht auf und rettet den Film durch sein tapsiges Auftreten bisweilen vor der Vollkatastrophe. Dagegen wirkt Olivia Munn („Predator – Upgrade“) zwischen den vielen Schauspielerinnen und Schauspielern der zweiten und dritten Hollywood-Riege fast verschenkt, während Eleanor Tomlinson („Colette“) durch ihre aufgedrehte Attitüde mehrmals massiv die Grenze zum Overacting übertritt. Trotzdem lässt sich all diesen Zeitgenossen noch halbwegs unterhaltsam bei ihren Darstellungen zusehen. Wenngleich keiner der Figuren auch nur ansatzweise eine Charakterisierung zukommt, sind ihre vielen Spleens und Eigenheiten durchaus amüsant. Gleichwohl stehen sie im luftleeren Raum da. Denn wenn es „Love Wedding Repeat“ (außer einer auch nur irgendwie interessanten Inszenierung, die sich nicht durch Überbeleuchtung und ermüdende Schuss-Gegenschuss-Dialoge auszeichnet) an irgendetwas mangelt, dann ist das eine Story.

Ob zwischen Jack und Dina (Olivia Munn) wieder was laufen kann?

Am ehesten erinnert der Film noch an Jeffrey Blitz‘ nur mäßig erfolgreiche Tragikomödie „Table 19 – Liebe ist fehl am Platz“, in der es ebenfalls darum geht, einer Reihe von Hochzeitsgästen dabei zuzuschauen, wie diese den vermeintlich schönsten Tag von Braut und Bräutigam erleben. In „Love Wedding Repeat“ steht zwar auch das frisch vermählte Hochzeitspaar im Mittelpunkt, doch auch hier dominiert eine unaufgeregte Slice-of-Life-Erzählung, in der es ein bisschen um alles aber um nichts so richtig geht; „Slice-of-Wedding“ sozusagen. Da hilft es auch nicht, dass durch einen aufmüpfigen Ex-Freund und einen plötzlich auftretenden Gast immerhin zeitweise ein bisschen Leben in die Gesellschaft kommt. Denn die eigentlich von Anfang an spannende Frage, ob Jack am Ende vielleicht doch bei seinem einst großen Schwarm Dina landen kann, gerät dabei zeitweise völlig in den Hintergrund. Dabei überzeugen gerade die Momente zwischen Sam Claflin und Olivia Munn; Hier stimmt sowohl die Chemie als auch die immerhin partiell auftretende Erzähldynamik. Mit irgendwem muss man ja mitfiebern können. Und wenn das schon nicht die sich bisweilen bemerkenswert unsympathisch gebende Braut an ihrem eigenen Hochzeitstag ist, dann doch wenigstens der über alle Maßen engagierte Bruder, an dessen Verkörperung Sam Claflin  immerhin einen Heidenspaß zu haben scheint.

Fazit: „Love Wedding Repeat“ wird seine Bewerbung als Zeitschleifencomedy zum Verhängnis. Genau diese Prämisse kommt bei der Umsetzung nämlich nicht zur Geltung. Stattdessen handelt es sich hierbei um eine unterdurchschnittliche Romantikkomödie, die leider weder romantisch noch lustig ist. Auch wenn sich Sam Claflin noch so viel Mühe gibt.

„Love Wedding Repeat“ ist ab sofort bei Netflix streambar.

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